Susquehanna, der Hauptstrom des nordamerikan. Staats

Pennsylvanien, entsteht aus zwei Quellflüssen, von denen der

östliche aus dem Otsegosee im Staat New York kommt,

während der westliche auf dem Alleghanygebirge in

Pennsylvanien entspringt. Nach der Vereinigung beider (bei Sunbury)

strömt der Fluß südlich, dann südöstlich

und fällt bei Havre de Grace im Staat Maryland in die

Chesapeakebai des Atlantischen Ozeans. Seine bedeutendsten

Nebenflüsse sind: der Chenango, Tioga und Juniata. Der S. hat

mehrere Wasserfälle und Stromschnellen, richtet oft

große Überschwemmungen an, wird aber im Sommer

öfters ziemlich seicht und hat daher ungeachtet seines 650 km

langen Stromlaufs und 62,000 qkm großen Stromgebiets als

Wasserstraße nur eine geringe Bedeutung; doch begleiten

denselben fast seiner ganzen Länge nach schiffbare

Kanäle.

Sueß, Eduard, Geolog, geb. 20. Aug. 1831 zu London,

studierte in Prag und Wien, wurde 1852 Assistent am

Hofmineralienkabinett zu Wien, erhielt 1857 die Professur der

Geologie daselbst, war 1863 bis 1873 Mitglied des Wiener

Gemeinderats und Referent der Wasserversorgungskommission, wurde

1869 Mitglied des niederösterreichischen Landtags, 1870-74

Mitglied des Landesausschusses und als solcher mit der

tatsächlichen Durchführung der neuen

Volksschulgesetzgebung in Niederösterreich beschäftigt.

1873 in den Reichsrat gewählt, bewährte er sich als

glänzender Redner der Linken, namentlich in dem Kampf gegen

den Ultramontanismus. Er schrieb : "Böhmische Graptolithen"

(Wien 1852); "Brachiopoden der Kössener Schichten" (das.

1854); "Brachiopoden der Hallstätter Schichten" (das. 1855);

"Der Boden der Stadt Wien" (das. 1862); "Über den

Löß" (das. 1866); "Charakter der österreichischen

Tertiärablagerungen" (das. 1866, 2 Hefte); "Äquivalente

des Rotliegenden in den Südalpen" (das. 1868); "Lagerung des

Steinsalzes von Wieliczka" (das. 1868); "Die tertiären

Landfaunen Mittelitaliens" (das. 1871); "Bau der italienischen

Halbinsel" (das. 1872); "Erdbeben des südlichen Italien" (das.

1874); "Der Vulkan Venda bei Padua" (das. 1875); "Die Entstehung

der Alpen" (das. 1875); "Die Zukunft des Goldes" (das. 1877) und

als Hauptwerk "Das Antlitz der Erde" (1883-88, Bd. 1-2), in welchem

er namentlich für die Lehre von der Gebirgsbildung neue Bahnen

eröffnete.

Sussanin, Iwan, ein Bauer aus Kostroma, soll 1613 dem

Zaren Michail Romanow das Leben gerettet haben, als die Polen

demselben nachstellten, verlor aber dabei das Leben; seine

Nachkommen erhielten allerlei Vorrechte (s. Belopaschzen). Er ist

der Held von Glinkas Oper "Das Leben für den Zaren".

Kostomarow wies die Unzuverlässigkeit der historischen

Tradition in betreff Sussanins nach.

Süßbohne, s. v. w. Apios tuberosa.

Süßerde, s. v. w. Berylliumoxyd, s.

Beryllium.

Süßer See, s. Salziger See.

Sussex (spr. ssöss-) engl. Grafschaft zwischen den

Grafschaften Kent, Surrey und Hampshire, mit 3777 qkm (68,6 QM.)

Areal und (1881) 490,505 Einw. Die Kreidehügel der Southdowns

mit dem 269 m hohen Butser Hill durchziehen die Grafschaft von W.

nach O. und endigen, allmählich der Küste

nähertretend, im steilen Beachy Head. Nördlich von diesem

Weideland liegt der Bezirk der Wealds und Forest Hills, früher

mit ausgedehnten Waldungen bedeckt. Der Strich längs der

Küste ist meist eben und ungemein fruchtbar. Die wichtigsten

Flüsse sind: Arun, Adur-Ouse und Rother. Viehzucht und

Ackerbau sind Haupt-

444

Sussex - Süßwasserformationen.

erwerbszweige. Von der Oberfläche bestehen 35,5 Proz. aus

Ackerland, 37,3 aus Wiesen u. 16 Proz. aus Wald; 1888 zählte

man 24,789 Ackerpferde, 105,470 Rinder, 476,986 Schafe und 42,501

Schweine. Die Industrie ist ohne Bedeutung. Die Eisengewinnung hat

seit 1809 aufgehört. Hauptstadt ist Lewes. - S. war der

Landungsplatz der meisten Völker, welche England heimsuchten.

Julius Cäsar landete bei Pevensey, der Angelsachse Ella unfern

Chichester; letzterer gründete 477 das Reich Suth - sex

("Südsachsen"), welches 688 an Wessex fiel; Wilhelm der

Eroberer erkämpfte hier den Sieg von Hastings (1066).

Sussex (spr. ssöss-) Augustus Frederick, Herzog von,

sechster Sohn Georgs III. von England, geb. 27. Jan. 1773,

studierte zu Göttingen, hielt sich dann vier Jahre in Rom auf

und heiratete daselbst im April 1793 Augusta Murray, die Tochter

des katholischen Grafen von Dunmore in Schottland. Wiewohl er dabei

seinen Familienrechten entsagt hatte, erklärte doch Georg III.

auf Grund eines Hausgesetzes der englischen Dynastie diese ohne

seine Erlaubnis geschlossene Ehe für ungültig. Nachdem

sich der Prinz 1801 von seiner Gemahlin, welche ihm zwei Kinder,

die den Namen Este (s. d.) erhielten, geboren, getrennt hatte,

wurde er 1801 zum Peer von England mit dem Titel eines Herzogs von

S., Grafen von Inverneß und Baron von Arklow ernannt. Im

Parlament hielt er sich meist zur Oppositionspartei und wirkte im

liberalen Sinn für die Emanzipation der Katholiken, die

Abschaffung des Sklavenhandels, die Parlamentsreform etc. Obgleich

auf den Genuß seiner Apanage beschränkt, sammelte er

doch eine besonders an Ausgaben und Übersetzungen der Bibel

sowie an Handschriften sehr reichhaltige Bibliothek, welche Th.

Jos. Pettigrew (Lond. 1827, 2 Bde.) beschrieben hat. Auch war er

eine Zeitlang Präsident der königlichen Gesellschaft der

Wissenschaften. Nach dem Tod seiner ersten Gemahlin heiratete er

1831 gleichfalls ohne königliche Genehmigung Lady Cecily

Underwood, Tochter des irischen Grafen von Arran, Witwe von Sir

George Buggin, die 1840 zur Herzogin von Inverneß erhoben

wurde. Er starb 21. April 1843 im Kensingtonpalast.

Süßgras, s. Glyceria.

Süßgräser, s. v. w. Gramineen, s.

Gräser.

Süßholz, Pflanzengattung, s. v. w.

Glycyrrhiza; indisches oder amerikanisches S., s. Abrus; wildes S.,

s. v. w. Astragalus glycyphyllus oder Polypodium vulgare.

Süßholzpasta, s. Lederzucker.

Süßholzsaft, s. Lakritzen.

Süßklee, s. v. w. Esparsette, s.

Onobrychis.

Sußmann-Hellborn, Louis, Bildhauer, geb. 20.

März 1828 zu Berlin, war daselbst fünf Jahre lang

Schüler von Wredow, studierte von 1852 bis 1856 in Rom, machte

dann längere Reisen und ließ sich 1857 in Berlin nieder,

wo er unter anderm von 1882 bis 1887 als artistischer Leiter der

königlichen Porzellanmanufaktur fungierte. Auf einen schon in

Rom entstandenen trunkenen Faun (1856, Nationalgalerie in Berlin)

folgten andre Genre- und mythologische Gestalten, z. B. eine

haarflechtende Italienerin, ein Amor in Waffen, eine verlassene

Psyche und ein Knabe als Kandelaberträger. Später wandte

er sich auch der monumentalen Porträtstatue zu und schuf das

Marmorstandbild eines jugendlichen Friedrich d. Gr. (1862) für

das Rathaus in Breslau und einen schon bejahrten Friedrich d. Gr.

(1869) sowie Friedrich Wilhelm III. für das Rathaus in Berlin,

eine 1878 enthüllte Bronzestatue Friedrichs d. Gr. für

die Stadt Brieg und die sitzenden Statuen von Hans Holbein und

Peter Vischer für das Kunstgewerbemuseum in Berlin, zu dessen

Begründern er gehört. Unter seinen Genrefiguren der

spätern Zeit sind noch ein Fischer mit der Laute, der

Volksgesang und Dornröschen (in der Berliner Nationalgalerie)

hervorzuheben.

Süßmayer, Franz Xaver, Komponist, geb. 1766 zu

Steyr, erhielt seine Ausbildung als Zögling der

Benediktinerabtei zu Kremsmünster sowie später in Wien

durch Mozart und Salieri, wurde 1792 zweiter Kapellmeister am

dortigen Hoftheater und starb als solcher 7. Sept. 1803 mit

Hinterlassung zahlreicher, zu seiner Zeit geschätzter Vokal-

und Instrumentalwerke. Mit Mozart intim befreundet, erhielt er kurz

vor dessen Tod von ihm den Auftrag, einige Arien zur Oper "Titus"

zu vollenden; auch gab er nach Mozarts Tode dem berühmten

"Requiem" desselben den vollständigen Abschluß, indem er

einzelnes in der Instrumentation, was Mozart nur angedeutet hatte,

ausführte und die erste Fuge: "Kyrie", auf die Worte: "cum

sanctis tuis in aeternum" wiederholte und zum Schlußchor des

Werkes machte.

Süßmilch, Name für eine Abart des

Pharospiels, welches sich vom eigentlichen Pharo dadurch

unterscheidet, daß keiner der Spieler ein eignes "Buch"

bekommt, dagegen ein Buch offen auf den Tisch gebreitet wird, von

dessen 13 Blättern jeder Spieler eins beliebig besetzt.

Süß Oppenheimer, Joseph, berüchtigter

württemberg. Finanzminister, ein Jude, geb. 1692 zu

Heidelberg, widmete sich dem Handelsstand und trat durch

verschiedene Geldgeschäfte mit dem Herzog Karl Alexander von

Württemberg in Verbindung, der ihm erst die Direktion des

Münzwesens übertrug und ihn endlich bis zum Geheimen

Finanzrat und Kabinettsminister erhob. Als solcher besetzte S. alle

Stellen mit seinen Kreaturen, ließ 11 Mill. Gulden falsches

Geld prägen, errichtete ein Salz-, Wein- und Tabaksmonopol,

verkaufte um große Summen Privilegien, zog eine große

Menge Juden ins Land und drückte das Volk mit Abgaben aller

Art. Durch dies alles zog er den allgemeinen Haß auf sich,

und nach dem Tode des Herzogs (12. März 1737) wurde er

verhaftet, vor ein Gericht gestellt und als Staatsverbrecher in

seinem Staatsgewand 4. Febr. 1738 in einem besondern Käfig

aufgehängt. Hauff machte sein Leben zum Gegenstand einer

Novelle ("Jud Süß"). Vgl. Zimmer, Joseph S. (Stuttg.

1873).

Süßwasser, das reine Quellwasser und die aus

diesem sich bildenden Bäche, Flüsse, Teiche, Seen etc.,

im Gegensatz zu dem salzigen Wasser der Meere, einzelner Salzseen

und der Solquellen. Charakteristisch ist nicht sowohl das

gänzliche Fehlen als der sehr geringe Gehalt (z. B. im

Rheinwasser 0,14 Teile Chlornatrium in 10,000 Teilen Wasser) an

Salzen, besonders Chlornatrium.

Süßwasserformationen, in der Geologie

Ablagerungen, die aus ihren organischen Resten schließen

lassen, daß sie aus Süßwasser sich niederschlugen.

Die Reste der Bewohner von süßem Wasser müssen in

solchen Ablagerungen entschieden vorherrschen und sichere Anzeichen

an sich tragen, daß sie keinem weitern Transport unterlegen

sind, da Süßwasserformen jedenfalls häufiger in die

See als umgekehrt Seebewohner in süßes Wasser

eingeschwemmt werden. Reine S. sind für jüngere

Formationen charakteristisch und reichen vermutlich nicht über

die Wealdenzeit zurück, werden aber von einigen Geologen

selbst noch in der Steinkohlenformation angenommen, in-

445

Süßwasserkalk - Sutsos.

dem die Anthrakosien als Süßwasserformen gedeutet

werden, während die Gegner echte

Süßwasserkonchylien erst aus dem braunen Jura gelten

lassen.

Süßwasserkalk, s. Kalktuff.

Süßwassermolasse, s.

Tertiärformation.

Süßwasserpolyp, s. Hydra.

Süßwasserquarz, s. Quarzit.

Süßwurzel, indianische, s. Cyperus.

Susten, Hochgebirgspaß im östlichen

Flügel der Berner Alpen (2262 m), zwischen Titlis und

Sustenhorn (s. Dammastock), verbindet das bernerische Gadmenthal

(Gadmen 1202 m) mit dem Urner Mayenthal (Wasen 847 m).

Sustentation (lat.), Unterhalt, Versorgung; daher

Sustentationskosten, der Aufwand, welchen die Verpflegung einer auf

öffentliche Kosten zu versorgenden Person verursacht. S.

heißt auch die Apanage (s. d.) einer Prinzessin.

Susu, Negerstamm in Westafrika, zwischen dem Rio

Nuñez und Scarcias, und im Innern. Die S. sind Verwandte der

Mandingo, ihre Sprache ist die allgemeine Handelssprache in den

Faktoreien der Europäer.

Suszipieren (lat.), unter-, auf sich nehmen; Suszeption,

An-, Übernahme, besonders der geistlichen Weihen; suszeptibel,

empfänglich; reizbar.

Sutherland (spr. ssötherländ, "Südland",

mit Bezug auf Norwegen), eine der nördlichen Grafschaften

Schottlands, vom Atlantischen Ozean und der Nordsee bespült,

5451 qkm (99 QM.) groß mit (1881) 23,370 Einw., ist mit

Ausnahme eines kleinen Gebiets an der Ostküste durchaus rauh

und gebirgig und erreicht unweit der Westküste im Ben Hope

926, im Ben More Assynt 1000 m, während das Innere ein von

tief eingeschnittenen Thälern durchzogenes Tafelland mit

vereinzelten Bergen (Ben Klibreck 964 m) bildet. Die bedeutendsten

Flüsse sind: Oykill (mit dem Shin), Brora und Ullie an der

Ostküste, Halladale, Strathie und Naver an der Nordküste;

keiner derselben ist schiffbar, alle aber sind lachsreich. Von den

zahlreichen Landseen sind Loch Shin, Loch Naver und Loch Laoghall

(Loyal) die größten. Das Klima ist rauh und nebelig, der

Boden nur auf kleinen Küstenstrecken zum Ackerbau geeignet;

nur 1,69 Proz. der Oberfläche sind unterdem Pflug, 0,58 Proz.

sind Weide, 1,17 Proz. Wald. Indes läßt der Herzog von

S. seit einer Reihe von Jahren große Strecken Moorlandes

urbar machen. Von größerer Bedeutung sind die Viehzucht

(Rinder, Schafe) und die Fischerei. Das Mineralreich bietet

Halbedelsteine und Steinkohlen (bei Brora an der Ostküste).

Die Industrie beschränkt sich auf Verfertigung von

Wollenzeugen. Hauptstadt ist Dornoch.

Sutherland (spr. ssötherländ), einer der

ältesten schott. Adelstitel, zuerst verliehen 1228 an William,

Grafen von S., der Sage nach Sohn des durch Macbeth ermordeten

Allan, Than von S. Durch Vermählung kam der Titel 1515 an die

Familie Gordon, deren letzte Erbin sich mit George Granville

Leveson-Gower, Marquis von Stafford, vermählte. Dieser, einer

der größten Grundeigentümer in

Großbritannien, wurde 1833 zum Herzog von S. erhoben und

starb 19. Juli 1833. Gegenwärtiger Chef des Hauses ist sein

Enkel George Granville, dritter Herzog von S., geb. 19. Dez.

1828.

Sutinsko, Bad im kroatisch-slawon. Komitat Warasdin (in

Zagorien), mit einer besonders bei Frauenleiden wirksamen

indifferenten Therme von 37,4° C.

Sutorina, zur Herzegowina gehöriges Gebiet, das in

Form einer schmalen Zunge zwischen dalmatischem Territorium an die

Bocche di Cattaro reicht.

Sûtra, s. Weda.

Sutri, Stadt in der ital. Provinz Rom, Kreis Viterbo, das

altetruskische Sutrium, ist Bischofsitz, hat noch aus der

ältesten Zeit erhaltene Thore, ein antikes Amphitheater,

etruskische Gräber und (1881) 2318 Einw. In S. fand 1046 eine

Kirchenversammlung in Heinrichs III. Gegenwart statt.

Sutschawa (rumän. Suceava), Kreis in der

nördlichen Moldau, mit der Hauptstadt Foltitscheni.

Sutschou, eine große Stadt in der chines. Provinz

Kiangsu, am Kaiserkanal, auf Inseln erbaut und von Kanälen

durchschnitten, berühmt wegen der Schönheit und

Intelligenz seiner Bewohner. Es ist der Sitz des chinesischen

Buchhandels, namentlich in Bezug auf die massenhafte Verbreitung

mittelguter Ausgaben klassischer und sonst vielgelesener Schriften.

Auch standen von alters her gewisse Industrien dort in großer

Blüte, wie die Anfertigung roter Lacksachen. Die

Taipingrebellion hat jedoch den Wohlstand der Stadt bedeutend

verringert, und das neue S. läßt sich mit dem alten

nicht vergleichen. Auch eine katholische und eine evangelische

Mission befinden sich daselbst.

Sutsos, Alexandros und Panagiotis, zwei hervorragende

neugriech. Dichter, Neffen von Alexandros S., Fürsten der

Walachei, geb. 1803 und 1806 zu Konstantinopel, wurden auf dem

Gymnasium in Chios gebildet, setzten ihre Studien in Frankreich und

Italien fort und lebten seit 1820 in Paris im Umgang mit Korais und

andern hervorragenden Männern. Erfüllt von lebhafter

Liebe zu ihrem Vaterland, aber unklar in ihren politischen

Anschauungen, traten beide, besonders Alexandros, als erbitterte

Gegner des Präsidenten Kapo d'Istrias und später des

Königs Otto auf. Alexandros gab die Stellung eines Professors

an der Universität Athen und eines Historiographen des

Königreichs, die ihm nacheinander übertragen worden, auf,

um sich als Misanthrop ganz von der Öffentlichkeit

zurückzuziehen und als Verbannter im eignen Vaterland 1863 im

Krankenhaus zu Smyrna zu sterben. Panagiotis folgte ihm 1868 zu

Athen im Tod nach. Des letztern ältestes und bestes Gedicht

ist "Der Wanderer" ("Hodoiporos"), ein lyrisches Drama in fünf

Akten, voll von Sentimentalität und unnatürlichen

Situationen, aber von großen Schönheiten der Sprache und

des Versbaues. Ein mythisch-historischer Roman, "Leandros" (Nauplia

1834), schildert das Unterliegen höherer, besonders

politischer, Interessen in dem Kampf mit individueller

Leidenschaft. Reich an lyrischen Schönheiten ist die

Tragödie "Messias" (Athen 1839); weniger bedeutend sind drei

andre Dramen: "Vlachavas", "Karaiskakis" und "Der Unbekannte" (das.

1842). Auf der Höhe seines Talents steht er in seinen Oden

(Hydra 1826; wiederholt als "Odes d'un jeune Grec", Par. 1828).

Außerdem erschienen: erotische Lieder und politische Gedichte

als Anhang zum "Wanderer" ; ein weiterer Band Gedichte unter dem

Titel: "Kithara" (Athen 1835, 1851); eine Fabelsammlung (das. 1865)

sowie eine (unvollständige) Gesamtausgabe der Dichtungen (das.

1851, neue Ausg. 1883). Seine puristischen Grundsätze in Bezug

auf sprachliche Darstellung hat er in der Schrift "Nea schole"

(Athen 1853) und in der Zeitschrift "Helios" entwickelt. Weniger

ideal angelegt, aber bedeutend geistvoller als Panagiotis, begann

Alexandros seine poetische Laufbahn 1824 mit satirischen Gedichten

gegen die damalige Zerfahrenheit der griechischen Zustände,

schrieb 1829 in Paris seine "Histoire de la révolution

grecque" (deutsch, Berl. 1830) und war nach seiner Rückkehr

nach Griechenland un-

446

Sutti - Suworow.

erschöpflich in den bittersten Angriffen gegen Kapo

d'Istrias, die in dem "Panorama tes Hellados" (Nauplia 1833, 2

Bde.) gesammelt sind. Seine weitern politischen Gedichte (1845)

geben namentlich seinem Haß gegen die Bayern Ausdruck. Auch

seine andern Werke verleugnen den satirischen Grundzug nicht, so

besonders die Komödie "Der Verschwender" ("Asotos", 1830), mit

starkem Anschluß an Molière; der politische Roman "Der

Verbannte" ("Exoristos", Athen 1835; deutsch, Berl. 1837) und vor

allen die nach Byrons "Childe Harold" gearbeitete Dichtung "Der

Umherschweifende" ("Periplanomenos", 4 Gesänge, Athen

1839-52). Vgl. über Alexandros S. Queux de Saint-Hilaire im

"Annuaire pour l'encouragement des études grecques" (Par.

1874).

Sutti (Satti), in Indien Bezeichnung einer Witwe, die

sich mit der Leiche ihres Gatten verbrennen läßt. Der

Gebrauch ist den ältesten heiligen Schriften der Inder fremd,

obwohl die Brahmanen, als die englische Regierung 1830 diesen

Gebrauch verbot, denselben durch Fälschung einer Stelle des

Rigweda zu verteidigen suchten. Die Witwenverbrennung kommt nur

noch selten in Vasallenstaaten vor. Vgl. H. Wilson in

"Miscellaneous essays etc." (Lond. 1862); I. Bushby, Über die

Witwenverbrennung (das. 1855); M. Müller, Essays (Bd. 2, S. 30

ff.).

Sutton in Ashfield (spr. ssött'n in äschfild),

Stadt in Nottinghamshire (England), 4 km südwestlich von

Mansfield (s. d. 1), mit Strumpfwirkerei, Kohlengruben und (1881)

8523 Einw.

Sutura (lat.), Naht, Knochennaht.

Suum cuique (lat.), "jedem das Seine", Devise des

preuß. Schwarzen Adlerordens.

Süvern, Johann Wilhelm, Philolog und

einflußreicher preuß. Schulmann, geb. 1775 zu Lemgo,

Schüler F. A. Wolfs und Fichtes, dann Mitglied des Gedikeschen

Seminars für Gelehrtenschulen und Lehrer am Köllnischen

Gymnasium zu Berlin, 1800-1803 Rektor des Gymnasiums zu Thorn,

1804-1807 in gleicher Eigenschaft zu Elbing, dann Professor der

Philologie in Königsberg, wo er namentlich mit Herbart in

Verkehr stand. 1809 trat S. als Referent in die Unterrichtssektion

des preußischen Ministeriums ein und gehörte seit 1817

dem neugebildeten Kultusministerium als Geheimer Staatsrat und

Mitdirektor an. Er starb 2. Okt. 1829 in Berlin. An der

einheitlichen Organisation des preußischen Schulwesens,

namentlich des höhern, nach dem Frieden von Tilsit und nach

den Freiheitskriegen hat S. wesentlichen Anteil. Er ist der

Verfasser des Reglements für die wissenschaftliche

Lehramtsprüfung von 1810, der Reifeprüfungsordnung von

1812 sowie des Normallehrplans für die preußischen

Gymnasien von 1816, den er bereits 1811 ausgearbeitet hatte. Unter

seinem Vorsitz entstand durch Kommissionsberatungen das

Unterrichtsgesetz von 1817, das jedoch wie der Normallehrplan

Entwurf blieb. Auch lieferte er Ausgaben und Übersetzungen von

Äschylos, Sophokles, Aristophanes und geschätzte

Abhandlungen über die dramatische Kunst der Griechen, z. B.

über Aristophanes.

Süvernsche Masse, s. Abwässer, S. 71.

Suwalki (Ssuwalki), russisch-poln. Gouvernement, grenzt

im W. an Preußen, im N. an das Gouvernement Kowno, im O. an

die Gouvernements Wilna und Grodno, im Süden an Lomsha und

umfaßt 12,551 qkm (228 QM.). Das Land ist eben und wird im O.

und N. von dem Niemen als Grenzfluß umflossen, neben welchem

die zum Flußsystem der Weichsel gehörenden Bobr, Netta,

Stawiska, Jastrzebianka zu nennen sind. Die Zahl der Seen ist 480.

Das Klima ist gemäßigt, aber infolge der nördlichen

Lage rauher als in den andern polnischen Gouvernements. Die

mittlere Temperatur ist +6,8° C. Die Bevölkerung betrug

1885: 624,579 Seelen (49 pro QKilometer) und bekennt sich

vorherrschend zur römisch-katholischen Konfession (71 Proz.).

Der Rest entfällt auf Juden, Lutheraner und Reformierte,

Griechisch-Orthodoxe, Altgläubige und Mohammedaner. Die

Altgläubigen (Starowierzen), an Zahl 5000, haben sich vor

mehreren hundert Jahren im südlichen Teil des Gouvernements

niedergelassen, bewohnen fünf Dörfer und genießen

vollständige Freiheit in Bezug auf die Ausübung ihres

Kultus. Die Zahl der Eheschließungen war 1885: 3569, der

Gebornen 20,094, der Gestorbenen 15,558. Der Ackerbau, welcher vier

Fünfteln der Bewohner den Unterhalt gewährt, steht auf

einer niedrigen Entwicklungsstufe. Obst- und Gemüsegärten

sind gänzlich vernachlässigt. Der Betrieb von

Branntweinbrennereien bildet eine bedeutende Aushilfe der

Landwirtschaft, namentlich der größern Güter.

Erheblich ist die Pferdezucht (fünf Privatgestüte). Die

Zucht der wilden Waldbienen liefert schönen, weißen

Honig. Die Forsten bedecken den vierten Teil des Areals und

gehören zum größern Teil der Regierung, welche sie

rationell verwalten läßt, während die

Privatwälder völlig verwahrlost sind. Die Industrie ist

unbedeutend, der Wert ihrer Produktion beziffert sich auf 1 1/3

Mill. Rubel. Ebenso unbedeutend ist der Handel, der in den

Händen der jüdischen Bevölkerung ist.

Haupthandelspunkte sind: Suwalki, Augustowo, Aleksota. Für die

Volksbildung sind (1885) 203 Lehranstalten thätig (darunter 3

Mittelschulen und 2 Fachschulen [ein geistliches und ein

Lehrerseminar]) mit 13,316 Schülern. Die Zahl der Kreise ist

sieben: Augustowo, Kalwary, Mariampol, Seyny, Suwalki, Wladislawow,

Wolkowyschky. S. Karte "Polen und Westrußland". - Die

gleichnamige Hauptstadt, unweit des Wigrischen Sees, zur Zeit der

ersten Teilung Polens angelegt, ist schön und

regelmäßig erbaut, hat ein Knaben- und ein

Mädchengymnasium, lebhaften Grenzverkehr mit Preußen und

(1886) 19,367 Einw.

Suwanee (spr. ssuwáni), Fluß in Nordamerika,

entspringt im Staat Georgia in dem Okeesinokeesumpf und mündet

nach einem Laufe von 320 km im Staat Florida in den Golf von

Mexiko. An seinen Ufern mehrere geschätzte

Schwefelquellen.

Suworow, Alexander Wasiljewitsch, Graf von S.-Rimnikskij,

Fürst Italijskij, berühmter russ. Feldherr, geb. 24. Nov.

1729 zu Moskau, begann im Siebenjährigen Krieg seine

kriegerische Laufbahn, ward 1762 zum Obersten des Astrachanschen

Grenadierregiments ernannt, befehligte beim Ausbruch der polnischen

Insurrektion 1768 den Sturm auf Krakau, drang siegreich bis Lublin

vor und kehrte nach der ersten Teilung Polens als Generalmajor nach

Petersburg zurück. Im Türkenkrieg siegte S. 1774 bei

Turtukai und bei Hirsowa und focht mit Auszeichnung unter Komenskij

bei Kosludschi. Hierauf war er im Kampf gegen Pugatschew

thätig. Sodann kämpfte er in der Krim. Mit der

Beförderung zum Generalleutnant erhielt er 1780 zugleich den

Befehl, gegen die aufständischen Völker am Kaukasus zu

marschieren, und unterwarf dort die Lesghier nach blutigen

Kämpfen, wofür er zum General der Infanterie und

Gouverneur jener Provinzen ernannt wurde. Am 1. Okt. 1787 siegte er

bei Kinburn und 1788 mit den Österreichern unter dem Prinzen

von Sachsen-Koburg bei Fokschani sowie 1789 am Rimnik über die

Türken, wofür er den Beinamen Rim-

447

Suworowinseln - Svendsen.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 129 / 302 段