Suppenkräuter, Kräuter, welche zum Würzen

der Suppen verwendet werden: Petersilie, Kerbel, Portulak,

Schnittlauch, junge Sellerieblätter, Sauerampfer, Spinat.

Suppentafeln, s. v. w. Bouillontafeln; auch Konserven,

welche neben löslichen Fleischbestandteilen

Hülsenfrüchte etc. enthalten.

Suppléant (franz., spr. ssüppleang),

Aushelfer, stellvertretender Ersatzmann, Substitut.

Supplement (lat.), Nachtrag, Ergänzung, besonders

Nachtrag zu einem Buch. In der Mathematik heißt S. eines

Winkels seine Ergänzung zu 180°, S. eines Bogens seine

Ergänzung zu einem Halbkreis. Zwei sphärische Dreiecke

heißen Supplementar- oder Polardreiecke, wenn die Seiten

eines jeden die Supplemente der Winkel des andern sind.

Supplementar, auch suppletorisch, s. v. w. ergänzend.

Supplicium (lat.), Todesstrafe.

Supplieren (lat.), ergänzen, ausfüllen; daher

Supplent, in Österreich s. v. w. Hilfslehrer.

Supplik (lat.), Bittschrift; Supplikant, derjenige, von

welchem eine solche ausgeht.

Supplikationen (lat.), bei den Römern

öffentliche Buß-, Dank- oder Betfeste, wobei in

feierlicher Prozession die Tempel der Götter besucht und an

diese Gebete gerichtet zu werden pflegten. Die Anordnung derselben

besorgten die Pontifices.

Süpplingenburg (Suplinburg), Pfarrdorf im

braunschweig. Kreis Helmstädt, an der Schunter, hat (1885) 574

Einw. Das alte Schloß S. ist das Stammhaus der Grafen von S.,

die schon zur Zeit Karls d. Gr. als eins der angesehensten

sächsischen Dynastengeschlechter erwähnt werden, und

denen Kaiser Lothar (1125-1137) angehörte.

Supplizieren (lat.), um etwas nachsuchen, bitten.

Supponieren (lat.), unterschieben, unterstellen.

Support (franz., spr. ssüppor. "Stütze,

Träger"), bei Drehbänken oder Hobelmaschinen die

Vorrichtung, durch welche das Werkzeug eine feste Stellung und

sichere Führung erhält.

Supposition (lat.), Annahme, Voraussetzung;

Unterschiebung, z. B. eines Testaments, eines Kindes etc.

Suppofitum (lat.), Unterlage, das Vorausgesetzte.

Supprimieren (lat.), unterdrücken; Suppression,

Unterdrückung; Verheimlichung.

Suppuratio (lat.), Eiterung.

Supputation (lat.), Überrechnung,

Überschlag.

Supralapsarii (lat.) , s. Infralapsarii.

Supranaturalismus, s. Supernaturalismus.

Suprasl, Flecken im russ. Gouvernement Grodno, am Flusse

S. (zum Bug), mit 2000 Einw. In der Nähe lag einst das

griechisch-kathol. Mönchskloster S., mit bedeutender

Bibliothek, wovon jetzt noch die Klosterkirche vorhanden ist.

Supremat (lat., "Obergewalt"), die päpstliche

Machtvollkommenheit, namentlich gegenüber den Bischöfen

(s. Primat). Supremateid (oath of supremacy) hieß in England

der ehedem von allen Parlamentsmitgliedern abzuleistende Eid, worin

der Krone die oberste Kirchengewalt zugesprochen, der katholische

Glaube und der Primat des Papstes negiert und die alleinige

Berechtigung der protestantischen Thronfolge ausgesprochen ward;

eingeführt von Heinrich VIII., 1791 wieder aufgehoben.

Süptitz, Dorf, 5 km westlich von Torgau, mit 769

Einw., war der Mittelpunkt der Schlacht bei Torgau (s. d.) 3. Nov.

1760.

Sur, Hafenstadt im asiatisch-türk. Wilajet Scharm,

am Mittelländischen Meer, nördlich von Akka, mit

Überresten des alten Tyros (darunter eine alte

Kreuzfahrerkirche, angeblich Barbarossas Grabstätte) und 5000

Einw.

Sura (Ssura), rechtsseitiger Nebenfluß der Wolga,

entsteht im Gouvernement Simbirsk, strömt nördlich durch

die Gouvernements Saratow, Pensa, Simbirsk und Kasan, hat teils

steile, teils flache Ufer und mündet bei Wassil im

Gouvernement Nishnij Nowgorod. Er ist 1038 km lang, von Pensa an

schiffbar und wird viel mit Flößen befahren.

Surabaja (Soerabaya), niederländ. Residentschaft an

der Nordküste der Insel Java, Madura gegenüber, 6029 qkm

(109,5 QM.) groß mit (1885) 1,856,635 Einw., darunter 7607

Europäer, 15,077 Chinesen und 2304 Araber, besteht

größtenteils aus fruchtbarem, von den Flüssen

Brantes und Solo bewässertem und gut kultiviertem Boden, der

Reis, Zucker, Kaffee und Baumwolle produziert. An der

Südostgrenze erhebt sich der Pananggungan zu 1685 m. Die

gleichnamige Hauptstadt an der Meerenge von Madura, durch Industrie

und Handel gleich bedeutend, hat einen schönen, durch zwei

Forts verteidigten Hafen, ein Seearsenal, Maschinenfabriken,

Werften, Metallgießereien, eine Kanonenbohrerei, 36

Zuckerfabriken, mehrere Möbelfabriken, eine Münze, ist

Sitz des obersten Gerichtshofs für die östlichen

Residenzien und der Kommandos für die östliche

Militärdivision sowie eines deutschen Konsuls und hat 127,403

Einw., worunter 6317 Europäer, 7436 Chinesen und 1443 Araber.

Eine Eisenbahn führt von S. nach Pasuruan und Malang, eine

andre über Surakarta und Samarang nach Dschokdschokarta.

Bedeutende Ausfuhr von Zucker, Kaffee, Häuten, Tabak,

Kapokwolle.

Surakarta (Solo), niederländ. Residentschaft auf der

Insel Java, 5677 qkm (113,1 QM.) groß mit (1885) 1,053,985

Einw., darunter 2694 Europäer und 7543 Chinesen. Das Land ist

zum Teil sehr gebirgig (höchste Spitzen auf der Ostgrenze der

3.269 m hohe Lawu, im W. der 3115 m hohe Merbabu und der 2806 m

hohe Merapi), zum Teil sehr fruchtbar und reich bewässert;

Hauptfluß ist der Solo. Die Residentschaft ist im Besitz des

Susuhanan, d. h. Kaisers, von S. und des Fürsten Paku Allam.

Diese haben gegen bedeutende Jahresgehalte ihre Rechte an die

niederländische Regierung abgetreten, welche einen Residenten

in der Hauptstadt S. (1880: 124,041 Einw.) unterhält, wo auch

die beiden genannten Fürsten wohnen. Die Stadt hat mit

Samarang, Dschokdschokarta und Surabaja Eisenbahnverbindung.

Surash (Ssurash), 1) Kreisstadt im russ. Gouvernement

Tschernigow, am Iput, mit (1886) 4825 Einw. Im Kreis lebhafte

Tuchfabrikation und Strumpfwirkerei. -

2) Stadt im russ. Gouvernement Witebsk, an der Düna, mit

(1885) 5085 Einw., wurde 1564 auf Befehl des polnischen Königs

Siegmund August aus strategischen Rücksichten erbaut und

diente namentlich als Festung an der Düna zum Schutz

Weißrußlands gegen das Moskowiterreich.

Surate, Distriktshauptstadt in der britisch-ind.

Präsidentschaft Bombay, 22 km von der Mündung des Tapti,

hat (1881) 109,844 Einw., lebhaften Handel sowie eine evangelische

Mission und war der erste Ort an der Westküste, wo 1612 die

Englisch-Ostindische Kompanie eine Faktorei und Citadelle

anlegte.

441

Surbiton - Surrogat.

Surbiton (spr. ssörbit'n), Stadt in der engl.

Grafschaft Surrey, an der Themse, dicht bei Kingston, hat

zahlreiche Landsitze und (1881) 9406 Einw.

Surburg, Flecken im deutschen Bezirk Unterelsaß,

Kreis Weißenburg, im N. des Hagenauer Waldes und an der

Eisenbahn Straßburg-Weißenburg, hat eine kath. Kirche,

Wollspinnerei, 2 Mühlen und (1885) 1298 Einw. Nahebei ein

Oratorium an der Stelle, wo der heil. Arbogast im 7. Jahrh. als

Einsiedler wohnte, bevor er Bischof von Straßburg wurde.

Surcot (franz., spr. ssürkoh, auch Surcotte), s. v.

w. Cotte-hardie.

Surdität (lat.), s. v. w. Taubheit.

Sure (arab.), Bezeichnung der einzelnen Kapitel des

Korans, welche angeblich durch den Engel Gabriel an Mohammed

gesondert abgeliefert worden sind. Jede S. zerfällt in mehrere

Ajes (Koransätze).

Sure (spr. ssühr), Fluß, s. Sauer.

Surenen, Hochgebirgspaß im östlichen

Flügel der Berner Alpen (2305 m), zwischen Uri-Rothstock und

Titlis, beginnt im Unterwaldner Thal Engelberg (1010 m) und senkt

sich mit steilem Abstieg zum Urner Reußthal (Attinghausen,

451 m ü. M.).

Surenrinde, s. Cedrela.

Suresnes (spr. ssürähn), Flecken im franz.

Departement Seine, Arrondissement St.-Denis, an der Seine,

über welche vom Boulogner Wäldchen eine Brücke

herüberführt, am Fuß des Mont Valérien und

an der Bahnlinie Paris-St.-Cloud-Versailles , mit Villen,

Bleicherei, Färberei und Druckerei und (1886) 7683 Einw.

Surettahorn, Berggipfel, s. Err, Piz d'.

Surgères (spr. ssürschähr), Stadt im

franz. Departement Niedercharente, Arrondissement Rochefort, an der

Eisenbahn Niort-La Rochelle, hat ein altes Schloß, eine

interessante Kirche, Geldschrankfabrikation, Branntweinbrennerei

und (1881) 3203 Einw.

Surinam, Küstenfluß im holländ. Guayana,

mündet unterhalb Paramaribo und ist in der Küstenebene

für große Boote schiffbar.

Surinam, Land, s. v. w. Niederländisch-Guayana, s.

Guayana, S. 895.

Surja, in der wed. Mythologie die Personifikation der

Sonne, der Sonnengott. Er fährt auf einem goldenen Wagen mit

drei Sitzen und drei Rädern, den die kunstfertigen Ribhu, die

sich mit den Zwergen der nordischen und deutschen Sage vergleichen

lassen, geschaffen haben. Er schaut auf Recht und Unrecht bei den

Menschen, behütet den Gang der Frommen und beachtet das

Treiben eines jeden. In den wedischen Liedern wird seine

Thätigkeit unter verschiedenen Namen gepriesen, die vielleicht

ursprünglich die Sonnengötter verschiedener Stämme

bezeichneten.

Surlet de Chokier (spr. ssürlä d' schockjeh),

Erasmus Louis, Baron, belg. Staatsmann, geb. 27. Nov. 1769 zu

Lüttich, war unter der französischen Regierung Maire in

Ginglom bei St.-Trond, 1800-1812 Mitglied des Großen Rats,

dann des Gesetzgebenden Körpers und nach der Bildung des neuen

Königreichs der Niederlande durch königliche Wahl

Mitglied der Zweiten Kammer. 1818 durch die Regierung entlassen,

ward er in der Provinz Limburg wieder gewählt und gehörte

von 1828 bis 1830 zu den hervorragendsten Mitgliedern der

Opposition. Nach dem Ausbruch der belgischen Revolution begab er

sich mit den übrigen Abgeordneten der südlichen Provinzen

nach dem Haag, bestand jedoch auf Trennung beider Länder

hinsichtlich der Verwaltung, ward zum Abgeordneten des

Nationalkongresses erwählt, im November 1830 Präsident

desselben und, als der Herzog von Nemours die Krone ausschlug, 26.

Febr. 1831 provisorischer Regent von Belgien. Nachdem der Prinz

Leopold 21. Juli 1831 seinen Einzug in Brüssel gehalten, legte

S. seine Gewalt in die Hände des Präsidenten des

Kongresses nieder. Er lebte seitdem zurückgezogen in Ginglom

und starb 7. Aug. 1839. Vgl. Juste, Surlet de Chokier (Brüssel

1865).

Surmulet, s. Seebarbe.

Surnia, s. Eulen, S. 905.

Surone, Gewicht in Santo Domingo, à 100 Libra = 46

kg; in Mittelamerika à 150 Libra = 69 kg; s. auch

Seronen.

Surplus (franz., spr. ssürplüh),

Überschuß, Rest; im Handel auch s. v. w. Deckung (s.

d.).

Surrah, Stadt, s. Mogador.

Surre (arab.), die auf Kosten der türkischen

Regierung ausgerüstete, unter Leitung des S.-Emini stehende

Karawane, welche die vom Sultan und den Landesgroßen für

die Kaaba und die heilige Stadt Mekka bestimmten Geschenke

alljährlich befördert.

Surrey (spr. ssörri), engl. Grafschaft zwischen den

Grafschaften Middlesex, Kent, Sussex, Southampton und Berks, hat

1963 qkm (35,6 QM.) Areal mit (1881) 1,436,899 Einw., wovon 980,522

auf London kommen. Die Grafschaft ist zum größten Teil

fruchtbares Hügelland; die Mitte wird von Kreidehügeln

(Downs) durchzogen, der hügelige Süden kulminiert im

Leith Hill (303 m). Nördlich bildet die Themse die Grenze und

nimmt hier den Wey und Mole auf. Ackerbau und Viehzucht bilden die

Haupterwerbszweige der außerhalb Londons lebenden Einwohner.

Außer Getreide werden namentlich Hopfen und Gemüse

gezogen. 32,2 Proz. der Oberfläche sind unter dem Pflug, 29,2

Proz. bestehen aus Wiesen. 1888 zählte man 13,057 Ackerpferde,

45,864 Rinder, 81,982 Schafe und 25,238 Schweine. Hauptstadt ist

Guildford.

Surrey (spr. ssörri), Henry Howard, Earl of, engl.

Dichter, geb. 1517 zu Kenning Hall in Suffolk, ältester Sohn

des Herzogs von Norfolk, trat 1540 in den Kriegsdienst und

befehligte bereits 1544 das englische Heer als Feldmarschall auf

dem Zug nach Boulogne, ward aber dann von dem argwöhnischen

König Heinrich VIII. ohne allen Grund des Hochverrats

angeklagt und trotz seiner männlichen und begeisterten

Selbstverteidigung 21. Jan. 1547 im Tower zu London enthauptet. S.

war seit Chaucer der erste bedeutendere Dichter der Engländer.

Seine Gedichte sind selbständige Nachahmungen Petrarcas,

weniger durch hohen Flug der Phantasie als durch Anmut und Zartheit

sowie durch Reinheit und Eleganz der Sprache ausgezeichnet; unter

ihnen stehen die Liebesgedichte an Geraldine (nach H. Walpole

wahrscheinlich die noch sehr jugendliche Lady Elizabeth Fitzgerald)

obenan. S. führte das Sonett und die ungereimten

fünffüßigen Jamben in die englische Sprache ein.

Auch vermied er die vielen Latinismen seiner Vorgänger aus der

Schule Chaucers und Dunbars. Seine "Songs and sonnets" erschienen,

mit denen seines Freundes Thomas Wyatt u. a., zuerst 1557 u.

öfter; eine neue Ausgabe besorgte Bell (1871).

Surrogat (lat.), Ersatzmittel, besonders für einen

Rohstoff oder ein Fabrikat, welches meist der Wohlfeilheit halber

Anwendung findet und möglichst annähernd die

Eigenschaften der Substanz besitzen soll, welche es zu ersetzen

bestimmt ist. Häufig ist die Anwendung von Surrogaten durch

die Verhältnisse geboten, weil der ursprünglich

angewandte Rohstoff zu teuer geworden oder überhaupt nicht in

genügender Quantität zu beschaffen ist (Anwendung von

Esparto, Holzstoff etc. statt Hadern in der Papierfabrikation),

442

Sursee - Susdal.

in der Regel aber bedeutet die Anwendung von Surrogaten eine

Verminderung der Qualität des Fabrikats (wie in dem

angeführten Beispiel Surrogierung der Hadern durch Thon,

Schwerspat etc., der Wolle durch Kunstwolle, des Malzes durch

Stärkezucker, Glycerin) und oft geradezu eine Fälschung.

Insofern aber Surrogate immer Ersatzmittel sind, dürfen sie

doch nicht mit den Fälschungsmitteln verwechselt werden.

Gefärbte Steinchen in Kleesaat sind kein S. der Kleesaat, denn

sie sind völlig wertlos, während z. B. Kaffeesurrogate,

wie Zichorie, Runkelrübe, Getreide, Hülsenfrüchte,

zwar nicht den Kaffee ersetzen können, wohl aber wie dieser

ein Getränk liefern, welches in mancher Hinsicht dem Kaffee

ähnlich ist. Aber auch diese Surrogate werden

Fälschungsmittel, wenn der Händler sie gemahlenem Kaffee

beimischt und die Mischung als Kaffee verkauft.

Surfee, Bezirkshauptstadt im schweizer. Kanton Luzern, am

Sempacher See, unweit der Bahnlinie Olten-Luzern, mit (1888) 2135

Einw.

Sursum (lat.), aufwärts, empor; S. corda! Empor die

Herzen! im katholischen Kult Aufforderung an das Volk, welches

darauf antwortet: Habemus ad dominum, d. h. wir haben sie zu dem

Herrn (gerichtet).

Surtaxe (frz., spr. ssürtax), Nachsteuer,

Steuerzuschlag, insbesondere Zollzuschlag (im Gegensatz zu Detaxe,

Zollherabsetzung). Über S. d'entrepôt und S. de pavillon

s. Zuschlagszölle.

Surtout (franz., spr. ssürtuh), Überrock,

Überzieher, kam gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts in

Gebrauch und wurde später, ähnlich dem englischen

Reitrock, mit mehreren übereinander hängenden

Schulterkragen versehen; dann ein größerer, mit

Blumenvasen und Fruchtschalen geschmückter Tafelaufsatz aus

Silber oder Kristall.

Surtur, in der nord. Mythologie ein Riese, welcher, mit

glühendem Schwert bewaffnet, in Muspelheim als

unversöhnlicher Feind der Asen herrscht und beim Weltuntergang

eine große Rolle spielt; s. Götterdämmerung.

Surukuku, Schlange, s. Lachesis.

Surville (spr. ssürwill), Clotilde de, geb. 1405 zu

Vallon in Languedoc, wurde lange für die Verfasserin einer

1803 von Vanderburg herausgegebenen Sammlung sehr graziöser

Gedichte, meist lyrischen Inhalts, gehalten; aber Anachronismen in

Form und Inhalt machen es wahrscheinlich, daß dieselben von

Jos. Etienne de S. herrühren, der 1798 wegen royalistischer

Umtriebe erschossen wurde, und welcher sich durch diese

Mystifikation für die Verschmähung seiner Poesien am

Publikum rächen wollte. Auch Nodier mißbrauchte den

Namen der S. ("Poésies inédites de C. de S.", 1826).

Vgl. Vaschalde, C. de S. et ses poésies (Valence 1873);

König, Étude sur l'au- thenticité des

poésies de Clotilde de S. (Halle 1875).

Survilliers (spr. ssürwiljeh), Graf von, der von

Joseph Bonaparte (s. d. 1, S. 183) 1815 angenommene Name.

Sus (lat.), Schwein.

Süs, Gustav, Maler, geb. 10. Juni 1823 zu Rumbeck in

Kurhessen, widmete sich auf der Kasseler Akademie, später im

Städelschen Institut in Frankfurt a. M. bei Professor

Passavant und Jakob Becker der Malerei. Um seine Existenz zu

fristen, schrieb er Kindermärchen, die er selbst illustrierte.

Sie fanden großen Beifall und wurden zum Teil ins Englische

und Französische übersetzt. Hervorzuheben sind: "Der

Kinderhimmel" , "Hähnchen und Hühnchen", "Der Wundertag",

"Das Kind und seine liebsten Tiere", "Was der Nußbaum

erzählt", "Das Wettlaufen zwischen dem Hasen und Igel",

"Froschküster Quack" u. a. Von 1848 bis 1850 malte er in der

Heimat Studien und Porträte. Seitdem lebte er in

Düsseldorf, wo er noch ein Jahr die Akademie besuchte. Hier

machte er die Darstellung von Tieren, namentlich Geflügel, zu

seiner Hauptaufgabe. Manche seiner trefflichen Bilder, die meist

von einem humoristischen Grundgedanken ausgehen, sind durch

Farbendruck und Photographie weit verbreitet, wie: der erste

Gedanke und die Kükenpredigt. Er starb 23. Dez. 1881.

Sufa (Schuschan, "Lilienstadt", heute Ruinen Sûs),

Hauptstadt der altpers. Provinz Susiana, seit Kyros Winterresidenz

der persischen Könige, lag mitten im Land zwischen den

Flüssen Choaspes (Kercha) und Kopratas (Dizful Rud) und hatte

eine stark befestigte Burg, welche den königlichen Palast und

eine Hauptschatzkammer der persischen Könige enthielt. In ihr

feierten Alexander und seine Feldherren ihre Vermählung mit

Perserinnen. Dareios, Xerxes und ihre Nachfolger bis auf Artaxerxes

II. haben nach den dort gefundenen Inschriften die Prachtsäle

erbauen lassen, in deren Trümmern seit 1850 von Williams,

Loftus und Churchill, neuerdings (seit 1885) von Dieulafoy gegraben

worden ist. Vgl. Oppert, Les inscriptions susiennes (Par. 1873);

Dieulafoy, L'acropole de Suse (das. 1888).

Susa, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Turin, an der

Dora Riparia, der Mont Cenisstraße und durch die Zweiglinie

Bussoleno-S. mit der Mont Cenisbahn verbunden, ist Sitz eines

Bischofs und eines Hauptzollamts, hat eine Kathedrale (aus dem 11.

Jahrh.), ein Gymnasium, eine technische und eine Notariatsschule,

starken Obst- und Weinbau, Industrie in Eisen, Leder und Seide und

(1881) 3305 Einw. S. ist das römische Segusio. Dabei die

Ruinen des Stammschlosses der Markgrafen von S., das Fort La

Brunette und ein dem Augustus 8 v. Chr. vom König Cottius

errichteter Triumphbogen.

Susandschird (arab.), Nadelmalerei, die älteste, in

Persien geübte Art der Teppichfabrikation, bei welcher die

Fäden nicht mit den Händen geknüpft, sondern mit der

Nadel zu einem Gewebe verarbeitet wurden. Vgl. Karabacek, Die

persische Nadelmalerei S. (Leipz. 1881).

Susanna, Hebräerin zu Babylon, die nach dem

apokryphischen Buch "Historie von S. und Daniel" von zwei

Ältesten aus Israel, die sie vergebens zu verführen

gesucht, des Ehebruchs mit einem Unbekannten angeklagt und zum Tod

verurteilt, im letzten Augenblick aber durch die Eingebung und den

Scharfsinn des jungen Daniel, den spätern Propheten, errettet

wurde. Ihre Geschichte wurde namentlich im 16. Jahrh. vielfach

dramatisch behandelt, so in dem an zahlreichen Orten gegebenen

Magdeburger "Schönen Spiel von der S." (1534), von P. Rebhuhn

(1534), v. Bartfelt (1559), Nik. Frischlin (1589), Herzog Heinrich

Julius von Braunschweig (1593), Hans Sachs (1557) u. a., in

neuester Zeit von K. L. Werther (1855). Vgl. Brüll, Das

apokryphische Susannabuch (Frankf. 1877); Pilger, Die

Dramatisierungen der S. im 16. Jahrhundert (Halle 1879).

Suscipere et finire (lat.), "beginnen und zu Ende

führen", Wahlspruch des Hauses Hannover.

Suscitieren (lat.), erregen, aufmuntern; Suscitation,

Erweckung, Ermunterung.

Susdal (Ssusdal), Kreisstadt im russ. Gouvernement

Wladimir, hat 25 griechisch-russ. Kirchen, 4 Klöster,

bedeutende Baumwollweberei, Gemüsebau und (1885) 6668 Einw.

S., schon 1024 erwähnt, war bis 1170 Hauptstadt eines

Fürstentums (s. Wladi-

443

Susemihl - Sussex.

mir, Gouvernement) und kann als die Wiege des nachmaligen Staats

Moskau betrachtet werden. Die Stadt wurde mehrmals von den Tataren

zerstört.

Susemihl, Franz, namhafter Philolog, geb. 10. Dez. 1826

zu Laage in Mecklenburg-Schwerin, studierte 1845-48 zu Leipzig und

Berlin, wirkte als Lehrer in Güstrow und Schwerin,

habilitierte sich 1852 in Greifswald und wurde daselbst 1856

außerordentlicher, 1863 ordentlicher Professor der

klassischen Philologie. Seine Hauptwerke sind: "Die genetische

Entwickelung der Platonischen Philosophie" (Leipz. 1855-60, 2

Bde.); "Aristoteles über die Dichtkunst" (griech. und deutsch,

das. 1865, 2. Aufl. 1874); "Aristotelis Politicorum libri VIII cum

vetusta translatione G. de Moerbeka" (das. 1872); "Aristoteles'

Politik" (griech. und deutsch, das. 1879, 2 Bde.); ferner zu

Aristoteles Textausgaben der "Ethica Nicomachea" (das. 1880), der

"Magna Moralia" (das. 1883), der "Ethica Eudemia" (das. 1884), der

"Oeconomica" (das. 1887). Außerdem hat er mehrere Platonische

Dialoge übersetzt und zahlreiche Abhandlungen, besonders

über die alten Philosophen, geschrieben.

Susiana, altpers. Landschaft, am Persischen Meerbusen

zwischen Medien, Persis und Babylonien gelegen, das jetzige

Chusistan, wurde vom Choaspes (Kercha), Euläos (Kuren) und

Kopratas (Dizful Rud) bewässert und von den Kossäern,

Elymäern, Susianern und Uxiern bewohnt. Hauptstadt war Susa.

S. Karte "Reich Alexanders d. Gr.".

Suso (Seuse), Heinrich, Mystiker, geb. 1295 zu

Überlingen, nannte sich nach der Mutter (der Vater war ein

Herr v. Berg), studierte in Köln Theologie und widmete sich

seit 1308 in einem Kloster zu Konstanz einem streng asketischen

Leben mit schweren Kasteiungen, durchzog, 40 Jahre alt, Schwaben,

gewann in den Frauenklöstern vielen Anhang und lebte etwa seit

1348 in Ulm, wo er 1366 starb. Sein Hauptwerk ist das "Buch von der

ewigen Weisheit". Seine Mystik zeigt weder reformatorische

Tendenzen noch selbständige Spekulation, doch ist er wegen des

Vorwiegens des sinnig-poetischen Elements als "Minnesinger in Prosa

und auf geistlichem Gebiet" bezeichnet worden. Seine Werke (zuerst

Augsb. 1482 u. 1512) wurden von Diepenbrock (4. Aufl., Regensb.

1884) und von Denifle (deutsche Schriften, Augsb. 1878-80) neu

herausgegeben. Vgl. Preger, Die Briefe Heinrich Susos (Leipz.

1867); Denifle in der "Zeitschrift für deutsches Altertum"

(1875); Preger (das. 1876); Derselbe, Geschichte der deutschen

Mystik, Bd. 2 (Leipz. 1882).

Suspekt (lat.), verdächtig.

Suspendieren (lat.), zeitweilig aufheben, einstellen;

zeitweilig außer Wirksamkeit, Amtstätigkeit setzen.

Suspension (lat.), Dienstenthebung (s. Disziplinargewalt,

S. 5).

Suspensiv (lat.), aufschiebend; daher suspensive

Rechtsmittel, solche, welche den Eintritt der Rechtskraft eines

Urteils und die zwangsweise Vollstreckung desselben verhindern;

Suspensivbedingung, eine aufschiebende Bedingung, von welcher der

Beginn eines Rechtsverhältnisses abhängt.

Suspensorium (lat., Tragbeutel), Verbandstück,

vorzüglich eine gewisse Art von Tragbinden, bestimmt, einen

hängenden Teil des Körpers in einer gewissen Höhe zu

halten und zu tragen, wird besonders angewendet bei

Entzündungen des Hodensacks und der Hoden sowie der weiblichen

Brust.

Suspicion (lat.), Verdacht, Argwohn; suspiciös,

argwöhnisch, mißtrauisch.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 128 / 302 段