Sumy (Ssumy), Kreisstadt im russ. Gounernement Charkow,

am Pfiol und der Sumyer Bahn (Linie Merefa-Woroschba), hat 9

Kirchen, ein Gymnasium, eine Realschule, ein Mädchengymnasium,

Fabriken für Zucker, Talg, Lichte und Leder und (1885) 15,831

Einw. An der Grenze von Groß- und Kleinrußland gelegen,

bildet S. einen wichtigen Verkehrspunkt für die Ukraine und

treibt namentlich Handel mit Pferden, Getreide und Sandzucker. S.

wurde im 17. Jahrh. an Stelle der alten Ansiedelung Lipenski von

Kleinrussen gegründet.

Sun, s. v. w. Sunnhanf.

Sunbury (spr. ssönnberi). 1) Dorf in der engl.

Grafschaft Middlesex, an der Themse, oberhalb Hampton Court, mit

(1881) 4297 Einw.; dabei Pumpwerke und großartige

Filtrierbecken von zwei Londoner Wassergesellschaften sowie

Brutteiche des Vereins zum Schutz der Themsefischerei. -

2) Stadt im nordamerikan. Staat Pennsylvanien, bei der

Vereinigung der zwei Arme des Susquehanna, mit lebhaftem

Kohlenhandel und (1880) 4077 Einw.

Sund (Öresund), Meerenge zwischen der dän.

Insel Seeland und der schwedischen Landschaft Schonen, die

gewöhnliche Durchfahrt aus der Nordsee in die Ostsee (s. Karte

"Dänemark"), ist 67 km lang, an der schmälsten Stelle

zwischen Helsingborg und Helsingör ungefähr 4 km breit

und wird von der dänischen Festung Kronborg auf Seeland

beherrscht. Seit dem Anfang des 15. Jahrh. erhob Dänemark bei

Helsingör von allen vorüberfahrenden Schiffen einen Zoll,

den Sundzoll, dessen Berechtigung durch Verträge von den

andern Seemächten anerkannt war. Völlig befreit von

demselben waren nur die sechs Hansestädte Lübeck,

Hamburg, Rostock, Stralsund, Wismar und Lüneburg sowie

Stettin, Kolberg und Kammin, während einzelnen Staaten, wie

Schweden, Holland, England und Frankreich, eine

Ermäßigung bewilligt war. Der Sundzoll zerfiel in die

Schiffsabgabe von durchschnittlich mindestens 12 Speziesthlr. und

den Warenzoll, der 1-1 1/2 Proz. betrug, und brachte Dänemark

1853 (bei 21,000 passierenden Schiffen) eine Einnahme von 2,530,000

Thlr. Nachdem die Vereinigten Staaten 1855 ihren mit Dänemark

bestehenden Vertrag gekündigt und erklärt hatten, den

Sundzoll nicht mehr zu zahlen, trat im Januar 1856 zu Kopenhagen

eine von fast allen europäischen Staaten beschickte Konferenz

zusammen, durch welche laut Vertrags vom 1. April 1857 der

bisherige Sundzoll gegen eine Entschädigungszahlung von

30,476,325 dän. Reichsthlr. abgeschafft wurde. Vgl. Scherer,

Der Sundzoll, seine Geschichte etc. (Berl. 1845).

Sund., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung

für C. I. Sundevall, geb. 22. Okt. 1801 zu Högestad bei

Ystad, gest. 5. Febr. 1875 als Professor und Direktor des Museums

in Lund (Zoolog).

Sundainseln, ostind. Archipel zwischen dem Chinesischen

Meer und dem Indischen Ozean, erstreckt sich vom Südwesten der

Halbinsel Malakka bis zu den Molukken und dem Nordwesten

Australiens, umfaßt ein Areal von 1,626,669 qkm (29,542 QM.)

mit 28 Mill. Einw. und zerfällt in die sogen. Großen S.:

Sumatra, Java, Borneo und Celebes, und die Kleinen S., als deren

wichtigste Bali, Lombok, Sumbawa, Floris, Sumba und Timor zu nennen

sind. Diese

437

Sundalselv - Sundwig.

Zusammenfassung von Inselgruppen und Inseln ist aber weder

geographisch noch ethnographisch voll berechtigt, man hat daher die

Bezeichnung S. auf die von der Makassar- und der Sapistraße

(zwischen Sumbawa und Komodo) westlich gelegenen Inseln

beschränken wollen. Der weitaus größte Teil der S.

steht unter mittelbarer oder unmittelbarer Herrschaft der

Niederländer; nur das nordöstliche Timor sowie Solor

beanspruchen die Portugiesen. S. Karte "Hinterindien".

Sundalselv, norweg. Fluß, entspringt am Fuß

der Snehätta im Dovrefjeld und mündet im Amt Romsdal in

die Südostspitze des Tingvolds- oder Sundalsfjords. Sein Thal,

Sundalen genannt, gehört unter die wildesten Felsenthäler

Norwegens.

Sundanesen, malaiischer Volksstamm, im westlichen Teil

von Java, der als Mittelglied zwischen den Malaien der Halbinsel

Malakka, den Javanen und Batta gelten kann.

Sundasee (Meer von Java), der Teil der südasiat.

Gewässer, welcher sich zwischen Sumatra, Java, Borneo und

Celebes erstreckt.

Sundastraße, Meerenge zwischen den Inseln Sumatra

und Java in Ostindien, verbindet den Indischen Ozean mit der

Sundasee. In dieser Straße liegen mehrere vulkanische Inseln:

Prinzeninseln, Thwart de Way, die durch die in neuester Zeit

erfolgten Ausbrüche bekannt gewordene Insel Krakatau u. a.

Sünde, die sittliche Abnormität unter

religiösem Gesichtspunkt, jede mit Freiheit geschehene

Abweichung von dem erkannten göttlichen Gesetz. Obwohl Paulus,

welcher die Lehre von der S. begründet hat, als Anfang der

allgemeinen Sündhaftigkeit nach jüdischer Weise den

Sündenfall Adams voraussetzt, so leitet er doch zugleich die

S. spekulativ aus dem Fleisch (s.d., S. 363 f.) ab. Damit war das

Problem gegeben, an dessen Auflösung die Kirchenlehre sich

zerarbeitete, indem sie den historischen Anfang mit dem moralischen

Ursprung in Einklang zu bringen suchte. Übrigens unterscheidet

sie: Erbsünde (s.d.) und die aus dieser erst hervorgehende

Thatsünde (peccatum actuale); rücksichtlich der Form,

unter welcher das Gesetz auftritt, Begehungssünde (p.

commissionis), die Übertretung des Verbots, und

Unterlassungssünde (p. omissionis); rücksichtlich der

Handlung selbst innere Sünden (peccata interna), unerlaubte

Gedanken und Entschließungen, und äußere

Sünden (p. externa), unerlaubte Reden und Thaten; nach dem

Grade der in ihr liegenden Verkehrtheit vorsätzliche oder

Bosheitssünden (p.voluntaria), die unmittelbar aus einem

bösen Entschluß hervorgehenden Handlungen, und

unvorsätzliche oder Schwachheits-, übereilungssünden

(p. involuntaria. ex infirmitate, temeritate oriunda). Unter der

Matth. 12, 31 f. erwähnten unvergeblichen S. wider den

Heiligen Geist versteht man den definitiven Unglauben der im

Bösen verhärteten, eigne bessere Überzeugung

erstickenden Persönlichkeit. Darauf und auf 1. Joh. 5, 16. 17

beruht die besonders in der katholischen Praxis bedeutungsvolle

Einteilung der Sünden in vergebliche oder büßliche

(peccata remissibilia sive venialia) und unvergebliche oder

Todsünden (p. irremissibilia sive mortalia), die den Verlust

des Gnadenstandes nach sich ziehen, ohne daß sie jedoch von

der katholischen Lehre in einem bestimmten Katalog zusammengestellt

worden wären. Vgl. Jul. Müller, Die christliche Lehre von

der S. (6. Aufl., Bresl. 1878, 2 Bde.).

Sündenbock, s. Asasel und Transplantation.

Sündenfall, die erste Sünde, die nach dem mosaischen

Bericht Adam (s. d.) und Eva begingen. Über ihre Folgen s.

Erbsünde.

Sündenvergebung (Remissio s. Condonatio peccatorum),

die von Gott ausgehende Wiederherstellung des durch die Sünde

gestörten Verhältnisses des Menschen zu ihm. Vgl.

Sünde und Beichte.

Sunderbands (Sunderbans), Name für das sumpfige, von

unzähligen Kanälen durchzogene Inselgewirr des untersten

Gangesdelta, zwischen Hugli, Meghna und Bengalischem Meerbusen, an

dem es sich 264 km lang hinzieht, 15,477 qkm (281 QM.) groß.

Bewohnt sind nur die höhern westlichen und östlichen

Teile, wo die Einwohner in kleinen Weilern leben und namentlich

Reis, aber auch Zuckerrohr und Jute bauen. Das durchaus ebene Land

ist namentlich nach der Meeresseite zu von undurchdringlichem

Dschangelwald bedeckt, ein vorzüglicher Schutz gegen die

häufigen Sturmfluten, die dennoch zuweilen große

Verheerungen anrichten. Der Wald, meist Staatseigentum, liefert

große Mengen von Nutz- und Brennholz (jährlich für

590,000 Pfd. Sterl.).

Sünderhanf, die männliche Hanfpflanze.

Sunderland (spr. ssonderländ), Seestadt in der engl.

Grafschaft Durham, an der Mündung des Wear in die Nordsee, hat

mit den Vorstädten Bishop's Wearmouth, Monk Wearmouth und

Southwick (1881) 116,542 Einw. Eine eiserne Brücke von 30 m

Höhe verbindet die beiden von großartigen Docks

eingefaßten Flußufer. Der Eingang zum Hafen wird durch

zwei Dämme (594 und 539 m lang) gebildet und durch Batterien

geschützt. Die neuern Stadtteile sind meist geschmackvoll

gebaut; die Altstadt aber, besonders nach dem Hafen zu, ist eng und

winkelig. S. hat eine Börse, ein theologisches

Methodistenseminar, Athenäum mit Museum, Theater, einen Park

mit Statue des hier gebornen Generals Havelock, großartige

Schiffswerften (2600 Arbeiter), Maschinenbauwerkstätten,

Glashütten, Töpfereien, Eisengießereien etc. Zum

Hafen gehörten 1887: 329 Schiffe von 227,301 Ton. Gehalt und

52 Fischerboote. 1887 wurden Waren im Wert von 633,691 Pfd. Sterl.

nach dem Ausland ausgeführt und für 441,281 Psd. Sterl.

von dort eingeführt. S. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Dicht dabei liegt Southwick (8178 Einw.) mit Kohlengruben und

Eisenwerken.

Sundewitt, Halbinsel in der preuß. Provinz

Schleswig-Holstein, durch den Alsener Sund von der Insel Alsen

geschieden, hat fruchtbaren Boden und eine hügelige

Oberfläche; sie war in den deutsch-dänischen Kriegen von

1848 bis 1849 und 1864 wiederholt Kriegsschauplatz (s.

Düppel). Vgl. Döring, Führer durch Alsen und S.

(Sonderb. 1877).

Sündflut, s. Sintflut.

Sundgau (Südgau), ehemals s.v.w. Oberelsaß, im

Gegensatz zum Nordgau (Unterelsaß); insbesondere die Umgegend

von Mülhausen.

Sundsvall, Hafenstadt im schwed. Län Westernorrland,

nahe der Mündung des Indalself, Ausgangspunkt der Eisenbahn

S.-Drontheim, in welche bei Ange die von Stockholm kommende

Nordbahn mündet, hat Eisenindustrie, Sägemühlen,

bedeutende Ausfuhr von Holz und Eisen und (1887) 10,726 Einw. 1887

sind im Zollbezirk von S. vom Ausland angekommen 1139 Schiffe von

413,695 Ton., abgegangen 1453 Schiffe von 544,827 T. Im Juni 1888

wurde S. durch eine Feuersbrunst fast ganz eingeäschert. S.

ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Sundwig, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg,

Kreis Iserlohn, hat Eisengießerei, ein Messingwalzwerk,

Drahtzieherei, Fabrikation von Drahtstif-

438

Sundzoll - Superga.

ten, Nägeln etc. und (1885) 877 meist evang. Einwohner.

Dabei das Felsenmeer, ein Kesselthal mit großen Felsen aus

devonischem Kalk, und die Sundwiger Höhle.

Sundzoll, s. Sund.

Suñer (spr. ssunjer), Luigi, ital.

Lustspieldichter, von spanischer Abkunft, geboren um 1832 zu

Havana, kam noch im kindlichen Alter nach Florenz, wo er eine

zweite Heimat fand. Sein erstes Lustspiel: "I gentiluomini

speculatori" (1859 zu Florenz aufgeführt), fußte auf der

Idee, die damals auf dem Schlachtfeld besiegelte Allianz

Frankreichs und Italiens in zwei Hauptpersonen des Stückes

symbolisch zu verkörpern. Durchgreifend wirkten aber erst die

folgenden Komödien: "I legitimisti" (1861) und "Spinte o

sponte". Einen Fortschritt bekundete er dann in den Lustspielen:

"L'ozio" (1863), "Una piaga sociale", "Caleche" (später mit

dem Titel: "Ogni lasciata è persa") und besonders "Le

amiche" (1873). Mit "Una legge di Licurgo" (1869) begann er sich

ernstern sozialen Problemen zuzuwenden. Es folgten das Proverb "Chi

ama teme", das Lustspiel "La gratitudine" und ein in Beziehung auf

Plan und Komposition vorzügliches Werk, welches einen Vers des

Dante zum Titel hat: "Amor ch'a nullo amato amar perdona".

Sungari, rechter mächtiger Nebenfluß des Amur

in der chinesischen Mandschurei.

Sunion (Sunium), die 60 m hohe Südspitze des alten

Attika, mit berühmtem Tempel der Athene, wovon noch 9 (Ende

des 17. Jahrh. noch 19) Säulen stehen, daher das Vorgebirge

jetzt KapKolonnäs heißt; war seit 413 v. Chr. zum Schutz

der nach Athen bestimmten Getreideschiffe mit Mauern umgeben,

welche diese Landspitze zu einer Art Festung machten.

Sunn, s. v. w. Sunnhanf.

Sunna (arab., "Weg, Richtung"), die Tradition, welche auf

ein Wort oder eine That des Propheten Bezug hat und in solchen

Fällen als Gesetz gilt, wo der Koran sich entweder gar nicht

oder in zweideutiger Weise ausspricht. Später mehrfach

gesichtet und in besondern Büchern niedergelegt, bildet die S.

jetzt neben dem Koran die hauptsächlichste Religionsquelle

für den rechtgläubigen Moslem. Die berühmteste unter

den sechs anerkanntesten Sammlungen ist die von El Bochari um 840

n. Chr. unter dem Titel: "Eddschâmi essahîh"

("Zuverlässige Sammlung") veranstaltete, 7275

Überlieferungen enthaltend, welche Bochari aus einer Anzahl

von 600,000 als die am meisten beglaubigten ausgewählt hatte

(hrsg. von Krehl, Leiden 1862-72, 3 Bde.).

Sunnar (arab.), Ordensgürtel christlicher

Mönche, bei den Mohammedanern als Zeichen des Unglaubens

verpönt.

Sunnhanf (Madras-, Bombayhanf, ostindischer Hanf), die

Faser der über ganz Indien und die Sundainseln verbreiteten

und vielfach kultivierten Crotalaria juncea, wird in sehr roher

Weise zubereitet und hat deshalb, obwohl die Faser an und für

sich sehr fein ist, einen verhältnismäßig nur

geringen Wert. Das Handelsprodukt ist blaßgelblich, mit

lebhaftem Seidenglanz, und dem Hanf sehr ähnlich. Man benutzt

den S. zu Seilerwaren, Packtuch etc., in England auch zur

Papierfabrikation.

Sunniten, diejenigen Mohammedaner, welche neben dem Koran

die Sunna (s. d.) als Religionsquelle annehmen und die ersten

Kalifen, Abu Bekr, Omar und Othman, als rechtmäßige

Nachfolger Mohammeds anerkennen, während die Schiiten (s. d.)

diese Würde nur Ali und dessen Nachkommen beilegen. Das

geistliche Oberhaupt der S. unter dem Titel Kalif ist der

türkische Sultan. Zu ihnen gehören fast sämtliche

Moslems in Afrika, Ägypten, Syrien, der Türkei, in

Arabien und der Tatarei. Vgl. Mohammedanische Religion.

Süntel, Teil des Wesergebirges, nördlich von

Hameln, erreicht in der Hohen Egge 441 m Höhe.

Suomi, s. Finnische Sprache.

Suovetaurilia (lat.), das große Sühnopfer am

Schluß des Lustrum in Rom, wobei auf dem Marsfeld ein Schwein

(sus), ein Schaf (ovis) und ein Stier (taurus) geschlachtet

wurden.

Supan, Alexander, Geograph, geb. 3. März 1847 zu

Innichen in Tirol, studierte zu Graz, Wien, Halle und Leipzig,

wurde 1871 Realschullehrer in Laibach, habilitierte sich 1877 als

Privatdozent der Geographie an der Universität Czernowitz,

wurde 1880 Professor und siedelte 1884 nach Gotha über, wo er

seitdem die Redaktion von "Petermanns Mitteilungen" führt, um

welche er sich besonders durch die Begründung des

geographischen Litteraturberichts verdient machte. Er schrieb:

"Lehrbuch der Geographie für österreichische

Mittelschulen" (6. Ausl., Laib. 1888); "Studien über die

Thalbildung in den Tiroler Zentralalpen und in Graubünden" (in

den "Mitteilungen der Wiener Geographischen Gesellschaft" 1877) ;

"Statistik der untern Luftströmungen" (Leipz. 1881);

"Grundzüge der physischen Erdkunde" (das. 1884); "Archiv

für Wirtschaftsgeographie", 1. Teil: Nordamerika 1880-85 (als

Ergänzungsheft zu "Petermanns Mitteilungen" 1886).

Superarbitrium (lat.), ein Schiedsspruch oder Gutachten

höherer, bez. höchster Instanz.

Superb (lat.), stolz, prächtig, herrlich;

Superbiloquenz, Großsprecherei, übermütig stolze

Sprache.

Supercherie (franz., spr. ssupärsch'rih),

Überlistung, hinterlistiger Streich.

Superchloride, Superchlorüre, s. Chlormetalle.

Supercilia (lat.), Augenbrauen.

Superdividende (lat.), derüber den erwarteten oder

durch Zinsgarantie festgesetzten Betrag hinausgehende Teil der

Dividende (s. d.). Vgl. Aktie, S. 263.

Supererogationes, s. Opera supererogationis.

Superfizies (lat.), Oberfläche, in der Rechtssprache

dasjenige, was auf fremdem Grund und Boden erbaut oder auf solchem

gepflanzt ist. Der Regel nach erstreckt sich das Eigentum an dem

Grund und Boden auch auf die S. (superficies solo cedit). Ferner

wird mit S. (superfiziarisches Recht, Gebäuderecht, Baurecht,

Platzrecht) das erbliche und veräußerliche dingliche

Recht an einem auf fremdem Grund und Boden stehenden Gebäude

verstanden, vermöge dessen dem Berechtigten (Superfiziar)

während der Dauer des Rechts die Ausübung der Befugniffe

des Eigentümers zusteht. Der Entwurf eines deutschen

bürgerlichen Gesetzbuchs (§ 961 ff.) gebraucht statt

dessen die Ausdrücke Erbbaurecht und Erbbauberechtigter und

versteht unter Erbbaurecht das veräußerliche und

vererbliche Recht, auf oder unter der Oberfläche eines

Grundstücks ein Bauwerk zu haben. Hiernach gehört auch

das vererbliche und veräußerliche Kellerrecht mit zu dem

superfiziarischen Recht.

Superflua non nocent (lat., "das Überflüssige

schadet nicht"), besser zu viel als zu wenig.

Superfoecundatio (Superfoetatio) . s.

Überfruchtung.

Superga, La, die 10 km von Turin gelegene Grabeskirche

der Könige des Hauses Savoyen, welche König Amadeo I.

1717-37 durch Juvara in Form eines elliptischen Rundbaues mit

achtsäuliger Vor-

439

Superintendent - Suppé.

halle und hoher Kuppel auf einem 678 m hohen Berg erbauen

ließ.

Superintendent (lat.), Oberaufseher, Inspektor; besonders

in evangelischen Landeskirchen der erste Geistliche einer Ephorie,

welcher Wirksamkeit und Wandel der Geistlichen sowie die Verwaltung

der Kirchenärare etc. zu überwachen hat. Über

sämtlichen Superintendenten einer Provinz oder einer

Landeskirche steht der Generalsuperintendent. In

Süddeutschland wird der S. Dekan genannt.

Superior (lat.), der Obere, Vorsteher.

Superior City (spr. ssjupíhriör ssitti), Dorf

im nordamerikan. Staat Wisconsin, im Hintergrund des Obern Sees, 11

km von Duluth und eine der Kopfstationen der Nord-Pacificbahn,

schon 1854 gegründet, aber trotz seines guten Hafens mit nur

(1880) 655 Einwohnern.

Superiorsee (Lake Superior), s. Oberer See.

Superkargo, s. Kargo.

Superlativ (lat.), s. Komparation.

Supernaturalismus (Supranaturalismus, lat.), in der

Theologie im allgemeinen der Glaube an eine unmittelbare, der

natürlichen Vernunft, welche von der Sünde verfinstert

ist, durchaus unerreichbare Offenbarung Gottes. In dieser Form ist

er hauptsächlich durch Augustin begründet worden und

bildet den allgemeinen Schematismus für die gesamte

christliche, insonderheit für die altprotestantische Dogmatik,

der zufolge durch die Erbsünde alle moralische Kraft im

Menschen vernichtet, die Vernunft unfähig ist, in Sachen des

Heils (in rebus spiritualibus) zu entscheiden, und nur zur

Erfüllung der bürgerlichen Gerechtigkeit (justitia

civilis) hinreicht. Insbesondere wird mit dem Namen S. in der

Theologie diejenige Richtung bezeichnet, welche sich zu Ende des

vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts gegenüber dem

Rationalismus (s. d.) konstituierte, mit welchem sie übrigens

die fehlerhafte Auffassung der Religion als einer gleichartigen

Fortsetzung des Welterkennens über die Schranken des

Sichtbaren hinaus teilte.

Supernumerarius (lat.), ein Überzähliger,

über die gewöhnliche (Beamten-) Zahl Angestellter.

Superoxyd, s. Oxyde.

Superphosphat, saurer phosphorsaurer Kalk, ein

Düngerpräparat, welches aus verschiedenen Rohmaterialien

mit hohem Gehalt an unlöslichem basisch phosphorsauren Kalk

dargestellt wird, indem man das letztere Salz durch Behandeln mit

Schwefelsäure in löslichen sauren phosphorsauren Kalk

überführt, wobei sich außerdem schwefelfaurer Kalk

(Gips) bildet. Bleibt hierbei wegen unzureichender

Schwefelsäure ein Teil des basischen Phosphats unzersetzt, so

bildet dies mit dem sauren Phosphat unlösliches neutrales

Phosphat; ähnlich wird auch bei Gegenwart von Thonerde und

Eisenoxyd ein Teil der Phosphorsäure wieder unlöslich

(Zurückgehen des Superphosphats), und da nun das Präparat

hauptsächlich durch seinen Gehalt an löslicher

Phosphorsäure Wert erhält, so sind von dessen Bereitung

eisenoxyd- und thonerdereiche Materialien auszuschließen, und

man muß hinreichend Schwefelsäure anwenden, um das

basische Phosphat vollständig in saures

überzuführen. Man verarbeitet auf S. namentlich

Knochenmehl, Knochenkohle, Knochenasche, Koprolithen, Phosphorit,

Baker- und Sombreroguano etc. und benutzt zum Aufschließen

derselben Kammersäure, Pfannensäure oder auch die

Schwefelsäure, welche bei der Bereitung des Nitrobenzols

zurückbleibt, oder solche, die zum Reinigen des Solaröls

gedient hat. 1 Teil Phosphorsäure erfordert zum

Aufschließen 1,72 Teile Schwefelsäure von 60° B.,

und reiner basisch phosphorsaurer Kalk gibt, mit solcher Säure

zersetzt, ein S. mit 25,6 Proz. löslicher Phosphorsäure.

Zur Vermischung der nötigen Falls staubfein zerkleinerten

Materialien mit der Säure benutzt man mit Blei ausgeschlagene

hölzerne Kasten oder gemauerte Behälter, oft unter

Anwendung eines mechanischen Rührwerkes, läßt dann

das Präparat liegen, bis es durch Bindung des Wassers

abgetrocknet ist, worauf es zerkleinert und gesiebt wird.

Namentlich bei Verarbeitung von Phosphoriten müssen die

Behälter mit einem hölzernen Mantel bedeckt werden, um

Dämpfe von Chlor- und Fluorwasserstoffsäure in die Esse

leiten zu können. Mineralische Phosphate werden viel leichter

aufgeschlossen, wenn man 7-10 Proz. der Schwefelsäure durch

Salzsäure ersetzt oder Kochsalz hinzufügt. Häusig

mischt man auch das S. mit stickstoffhaltigen Substanzen, wie

schwefelsaurem Ammoniak oder Chilisalpeter, ferner Horn, Leder,

Lumpen, welche gedämpft und dann gemahlen werden, auch mit

Leimbrühe vom Dämpfen der Knochen etc. Vgl. Marek,

Über den relativen Düngewert der Phosphate (Dresd.

1889).

Superporte (neulat., ital. soprapporto), ein über

einer Zimmerthür angebrachtes, mit dieser gleich breites, aber

niedriges Bild in Malerei, Stuck, Weberei etc.; besonders bei den

Dekorateuren des Barock- und Rokokostils beliebt.

Superrevision (lat.), nochmalige Prüfung.

Supersedeas (lat., "laß ab"), in England Befehl,

das Verfahren einzustellen.

Superstition (lat.), Aberglaube; superstitiös,

abergläubisch.

Supertara, s. Tara.

Suphan, Bernhard Ludwig , Literarhistoriker, geb. 18.

Jan. 1845 zu Nordhausen, studierte in Halle und Berlin

Altertumswissenschaft und veröffentlichte die

preisgekrönte Schrift "De Capitolio romano commentarius"

(1867), wandte sich dann aber dem Studium der deutschen Litteratur,

besonders des 18. Jahrh., zu und war in dieser Richtung ein

eifriger Mitarbeiter der "Preußischen Jahrbücher" und

des "Goethe-Jahrbuchs". Seit 1868 lebte er, im höhern Lehrfach

beschäftigt, in Berlin, bis er 1887 einem Ruf als Direktor des

Goethe-Archivs nach Weimar folgte. Große Verdienste hat sich

S. um die Wiedererweckung Herders erworben, von dessen

"Sämtlichen Werken" er eine kritische und mustergültige

Ausgabe in 33 Bänden (Berl. 1877 ff.) veranstaltete.

Supination (lat.), s. Pronation.

Supinum (lat.), in der lat. Sprache eine besondere Form

des Zeitwortes, eigentlich ein Verbalsubstantiv der vierten

Deklination, wovon jedoch nur zwei Kasus gebräuchlich sind.

Das S. auf um drückt den Zweck aus ("um zu"), das S. auf u den

Inhalt oder Betreff eines Adjektivums u. dgl. (schwer "zu" sagen).

Vgl. Jolly, Geschichte des Infinitivs im Indogermanischen

(Münch. 1874).

Suppé, Franz von, Komponist, geb. 18. April 1820

zu Spalato (Dalmatien), studierte auf der Wiener Universität,

um sich dem Staatsdienst zu widmen, folgte aber seiner

überwiegenden Neigung zur Musik und bildete sich unter Leitung

Seyfrieds in der Komposition aus. Später bekleidete er

nacheinander die Kapellmeisterstellen am Josephstädter

Theater, am Theater an der Wien und zuletzt am Carl-Theater u.

komponierte gleichzeitig Quartette, Ouvertüren, Symphonien,

Lieder und Operetten, von denen namentlich letztere wegen ihres

populären, gefälligen Wesens allgemeine Verbreitung

gefunden haben. Man könnte S. den "deutschen Offenbach"

nennen.

440

Suppeditieren - Surate.

jedoch ist er in seiner Musik gemütvoller als letzterer.

Die bekanntesten Operetten von S. sind: "Flotte Bursche", "Die

schöne Galathea", "Zehn Mädchen und kein Mann", "Franz

Schubert", "Fatinitza", "Boccaccio" und "Donna Juanita".

Suppeditieren (lat.), Unterstützung

gewähren.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 127 / 302 段