Sülze, Stadt im Großherzogtum

Mecklenburg-Schwerin, Herzogtum Güstrow, an der Recknitz, hat

eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine Dampfmolkerei, eine

Saline, ein Solbad und (1885) 2342 fast nur evang. Einwohner.

Sulzer, 1) Johann Georg, Ästhetiker, geb. 5.Okt.

1720 zu Winterthur, erhielt seine Bildung in Zürich und ging

1742 nach Berlin, wo er mit Euler und Maupertuis in nähere

Verbindung trat und 1747 die Professur der Mathematik am

Joachimsthaler Gymnasium, 1763 an der neugestifteten Ritterakademie

erhielt und auch in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen

ward. Durch Kränklichkeit 1773 genötigt, seine Professur

niederzulegen, starb er 27. Febr. 1779. Sein Hauptwerk ist die

einst vielbenutzte "Allgemeine Theorie der schönen

Künste" (neue Ausg., Leipz. 1792-94, 4 Bde.), zu welcher

Blankenburg "litterarische Zusätze" (das. 1796-98, 3 Bde.)

sowie Dyk und Schulze "Nachträge" (das. 1792-1808, 3 Bde.)

lieferten. S. suchte darin die Wolfsche Philosophie mit den

Ansichten der Franzosen und Engländer eklektisch in

Übereinstimmung zu bringen. Vgl. seine "Selbstbiographie"

(Berl. 1809).

2) Salomon, Begründer des modernen Synagogengesangs, geb.

30. März 1804 zu Hohenems in Vorarlberg, lebt als emeritierter

Oberkantor der israelitischen Gemeinde und Professor am

Musikkonservatorium in Wien. S. veröffentlichte eine Sammlung

gottesdienstlicher Gesänge: "Schir Zion" (Wien 1845-66, 2

Bde.), die sich in allen Synagogen einbürgerten. Vgl.

"Gedenkblätter an Oberkantor S. S." (Wien 1882).

Sulzer Belchen, s. Belchen 2) und Sulz 2).

Sulzmatt, Flecken im deutschen Bezirk Oberelsaß,

Kreis Gebweiler, in einem engen Thal der Vogesen, hat eine kath.

Kirche, Baumwollspinnerei und -Webe-rei, Spinnerei von Flockseide,

guten Weinbau und (1885) 2807 Einw. In der Nähe das Bad S. mit

mehreren Mineralquellen, darunter einem Sauerbrunnen und einer

Schwefelquelle, die bei Gliederschmerzen und Hautkrankheiten zu

Bädern gebraucht wird. Vgl. Bach, Des eaux alcalines de

Soultzmatt (Straßb. 1853).

Sumach, Pflanzengattung , s. Rhus.

Sumarokow, Alexander Petrowitsch, russ. Dichter, geb. 14.

Nov. (a. St.) 1718 zu Moskau, versuchte sich in fast allen

Gattungen der Poesie, besonders in der Satire, und gilt als

Schöpfer des russischen Dramas, insofern er zuerst nationale

Lust- und Trauerspiele (nach dem pseudoklassischen Muster der

Franzosen) lieferte. Er wurde von der Kaiserin Katharina II. zum

Staatsrat erhoben und starb 1. Okt. (a. St.) 1777 in Moskau. S. war

auch der erste Direktor des russischen Hoftheaters. Von seinen

Dramen, die mehr nach ihrem sittlichen Gehalt und historischen Wert

als nach Form und Konzeption zu beurteilen sind, stehen die

Tragödien: "Horew", "Sinaw und Trubor" und "Mstislaw" oben an.

Unbedeutend sind seine Komödien wie seine Epen etc.; dagegen

zeichnen sich viele seiner Satiren durch Kühnheit und Energie

der Gedanken aus und lassen in S. einen feurigen Verfechter des

Rechts und der Wahrheit erkennen. Seine gesammelten Werke

erschienen zuletzt in St. Petersburg 1787. Vgl. Bulitsch, Sumarokow

(Petersb. 1854).

Sumatra, die westlichste und nächst Borneo die

größte der Sundainseln (s. Karte "Hinterindien"), wird

durch die Sundastraße von Java, durch die Straße von

Malakka von der Halbinsel Malakka getrennt und vom Äquator

mitten durchschnitten. Die von NW. nach SO. langgestreckte Insel

hat ein Areal, das offiziell auf 406,705 qkm (7386,2 QM.) angegeben

wird, nach Behm und Wagner aber 428,813 qkm (7787,7 QM.)

beträgt, ohne die Inseln an der Westküste (Babi, Nias,

die Batu-, Mantawi-, Poggiinseln, Engano) mit einem Areal von

14,421 qkm (261,9 QM.), welche, in derselben Richtung wie die

Hauptinsel streichend, wie die Trümmer einer zweiten Insel

erscheinen. Die Westküste ist hoch, und unter ihren

zahlreichen Buchten und Ankerplätzen ist die Bai von Tapanuli

die geräumigste und sicherfte; dagegen ist die Ostküste

niedrig und mit Strandmorästen bedeckt; nach innen zu steigt

das Land ganz allmählich auf, um sich endlich in

Hügelreihen an die Gebirgskette Boukit-Barissan

anzuschließen, welche S. in ihrer ganzen Länge

durchzieht. Durch dieselbe wird S. in einen schmalen, gebirgigen

westöstlichen und einen größern, von Tiefland

erfüllten östlichen Teil geschieden. Aus dem Gebirge

erheben sich 19 Vulkane, darunter 6 noch thätige: der

Indrapura (3833m), Dempo (3200m), Ophir oder Pasaman (2927 m),

Merapi (2660 m), Salasi und Ipo, zugleich die beträchtlichsten

Bodenerhebungen auf der Insel. Verheerende Ausbrüche (wie der

des Tambora, der über 12,000 Menschen das Leben kostete) haben

wiederholt stattgefunden. Am Südostende bilden die

Ausläufer der Parallelketten des Gebirges drei Landspitzen,

zwischen denen die Lampong- und die Kaiserbucht ins Land

hineintreten. Infolge der orographischen Verhältnisse sind die

Flüsse der Westküste unbedeutend, doch kann der Singkel

20 km von seiner Mündung aufwärts durch einheimische

Boote befahren werden. Dagegen wird die Ostseite von einer Anzahl

wasserreicher Flüsse (Rokan, Siak, Indragiri, Jambi, Palembang

oder Musi, Tulan-Bawan) durchzogen, die teilweise 150 km und weiter

aufwärts selbst von größern Kriegsschiffen befahren

werden können. Unter den Seen ist der Sinkara der

bedeutendste. Das Klima ist heiß und in den sumpfigen

Niederungen bei 27-32° C. Maximaltemperatur ungesund, in 1200 m

hohen Lagen aber bei einem Maximum von 24° C. zuträglich.

Der Wechsel des Monsuns ist auf den beiden Seiten des Äquators

ein entgegengesetzter. Die Tierwelt zeigt mehr Verwandtschaft mit

der von Borneo als der von Java. Affenarten sind zahlreich, sehr

häufig ist der Königstiger; sonst sind noch zu

erwähnen der Elefant, zwei Rhinozerosarten, der Tapir,

Nebelpanther; die Flüsse wimmeln von Kaimans (Crocodilus

biporcatus). Die Pflanzenwelt ist außerordentlich reichhaltig

und üppig. Als Repräsentant derselben kann die dort

heimische Rafflesia Arnolda gelten, ein Schmarotzergewächs mit

der größten Blüte der Welt (bis 1 m im Durchmesser

und über 5 kg schwer). S. hat in seinen ungeheuern

Wäldern eine Fülle von nutzbaren Holzarten und erzeugt

zugleich durch Kultur eine Reihe von Massenprodukten zur Ausfuhr,

wie Reis, Zucker, Tabak, Indigo, Baumwolle, Katechu, Kautschuk,

Guttapercha, Benzoe, Rotang, Kampfer, Betel- und Kokosnüsse,

eingeführt ist die Kultur von Kaffee, Muskatnüssen u. a.

An Metallen finden sich, und zwar reichlich, Gold, Kupfer, Zinn,

Eisen, auch Steinkohlen. Die Bevölkerung, deren Zahl man auf

3,8 Mill. berechnet, gehört zur malaiischen Rasse; im SO.

wohnen die Lampong, in der Mitte die Passumah und Redschang, nach

N. hin

434

Sumatrakampfer - Sumerier.

die Batta und Atschinesen. Als besonderer Stamm hausen,

abgeschieden von der übrigen Bevölkerung, noch die

Orang-Kubu ohne feste Wohnsitze. Die Unterschiede zwischen den

verschiedenen Völkerschaften sind hauptsächlich bedingt

durch das Maß, in welchem arabisch-islamitische,

indo-javanische und europäische Einflüsse nacheinander

auf dieselben eingewirkt haben. Die Mehrzahl der Bewohner bekennt

sich zum Islam, und zwar sind sie meist fanatische Mohammedaner;

die Batta dagegen sind Heiden, die Passumah und Redschang zwar

nicht dem Namen, aber der That nach. Ackerbau und Schiffahrt sind

Hauptbeschäftigungen; Seeräuberei und Menschenraub waren

früher eingebürgert. Die industrielle Thätigkeit

beschränkt sich auf das Weben baumwollener Kleiderstoffe und

Arbeiten in Gold, mit Benutzung sehr einfacher Geräte. Ihr

Gemeinwesen ist sehr zersplittert. Die wichtigsten

Ausfuhrhäfen sind Padang und Palembang. Die Insel wurde seit

der Eroberung von Atschin und Siak fast ganz den Niederländern

unterworfen. Sie teilen dieselbe administrativ ein wie folgt:

QKilom. QMeilen Bevölkerung 1885

Gouvernement Westküste 121171 2200,6 1192661

Benkulen 25087 455,6 149923

Lampongsche Distrikte 26155 475,0 118889

Palembang 140873 2558,4 627914

Ostküste 42321 768,6 171399

Atschin 51098 928,0 544634

Unter dieser gezählten Bevölkerung von 2,805,420

Seelen, welche gegen die oben angeführte Berechnung um 1 Mill.

zurücksteht, wurden 3944 Europäer, 62,053 Chinesen und

2549 Araber ermittelt. überall, wohin die Macht der

Holländer reicht, sind seit 1876 Sklaverei und Leibeigenschaft

aufgehoben worden. S. ward den Europäern durch den Portugiesen

Lopez de Figueira 1508 zuerst bekannt. Die Portugiesen errichteten

daselbst Handelsfaktoreien, wurden aber zu Ende des 16. Jahrh. von

den Holländern verdrängt, die 1620 auf der Insel festen

Fuß faßten. Neben dem Sultan von Bantam auf Java hatte

damals der Herrscher von Atschin (Atjeh) die meiste Macht auf S.

Zwischen 1659 und 1662 gelang es den Niederländern, die

Südwestküste ihrer Schutzherrschaft zu unterwerfen, und

1664 bemächtigten sie sich Indrapuras, Salidas und mehrerer

andrer Plätze, 1666 auch Padangs. Weiter im Süden hatten

sich seit 1685 die Engländer zu Benkulen festgesetzt, und

zwischen beiden regte sich bald lebhafte Eifersucht. 1803 fiel der

ganze südliche Teil der Ostküste mit Palembang ebenfalls

unter niederländische Herrschaft. Die Niederländer und

Engländer schlossen 1824 einen Vertrag, wonach diese gegen

Einräumung der niederländischen Besitzungen auf der

Halbinsel Malakka auf ihre Niederlassung auf S. zu gunsten der

Niederländer verzichteten. 1835 unterwarfen sich letztere auch

die Fürsten von Dschambi, und in einem Kriege gegen die

Atschinesen erweiterten sie ihren Besitz an der Westküste, wie

sie auch das malaiische Oberland des Reichs Menangkabu und zugleich

einen Teil der Battaländer unter ihre Botmäßigkeit

brachten. Es bestehen seitdem neben ihrem Reich nur noch die beiden

Reiche Atschin und Siak; auch ist ein Teil der Korintjier und Batta

im Innern noch unabhängig. Nachdem sich die Niederländer

durch die Abtretung Guineas an England dessen Zustimmung zur

Unterwerfung Atschins gesichert, begannen sie 1873 einen Krieg

gegen dies Reich (s. Atschin), der aber nur langsam und unter

großen Verlusten fortschritt. Vgl. Miquel, S., seine

Pflanzenwelt und deren Erzeugnisse (Leipz. 1862); Mohnike, Bangka

und Palembang, nebst Mitteilungen über S. (Münst. 1874);

Rosenberg, Der Malaiische Archipel (Leipz. 1878) ; Bock, Unter den

Kannibalen auf Borneo etc. (Jena 1882); Marsden, History of S.(3.

Ausg., Lond. 1811); Marre, S. Histoire des rois de Pasey (Par.

1875); Bastian, Indonesien, Teil 3 (Berl. 1886); Verbeek,

Topographische en georgische beschrijving van een gedeelte Van

Sumatra's westkust (1886).

Sumatrakampfer, s. v. w. Borneokampfer, s. Kampfer.

Sumatrawachs (Geta-Lahoe), der eingedickte Milchsaft von

Ficus ceriflua Jungh., ist aschgrau, härter als Bienenwachs,

spez. Gew. 0,963 bei 16°, fast vollständig löslich in

Äther, wenig in kaltem Alkohol, schmilzt bei 61°.

Sumba (auch Sandelbosch, "Sandelholzinsel"), eine der

Kleinen Sundainseln, durch die Sandelboschstraße von Floris

und Sumbawa geschieden, im Besitz der Holländer, aber unter

einheimischen Häuptlingen und zur Residentschaft Timor

gehörig, hat mit dem südwestlich gelegenen kleinen Savu

ein Areal von 11,360 qkm (206 QM.) und etwa 200,000 Einw. Das

Innere ist ein Tafelland von 1000 m Höhe mit gesundem Klima.

Produkte sind: Baumwolle, Sandelholz, Pferde, Geflügel. An der

Westküste der Ort Manukaka

Sumbawa (Sumbaua), eine der Kleinen Sundainseln, zwischen

Lombok und Floris, 13,980 qkm (254 QM.) groß, mit gebirgigem

und vulkanischem Boden, gut bewässert und sehr fruchtbar

(Sandelholz, Baumwolle, Tabak, Reis), hat etwa 150,000 Einw.

malaiischer Rasse und Bekenner des Islam. Die Insel bildet einen

Teil des niederländischen Gouvernements Celebes und

zerfällt in drei unter Radschas stehende Reiche: S., Bima und

Dompo; Sitz des niederländischen Residenten ist Bima. Vom 5.

bis 11. April 1815 fand hier ein Ausbruch des 4300 m hohen Vulkans

Tambora (Temboro) statt, welcher dabei zusammenstürzte, so

daß er jetzt nur noch 2339 m Höhe hat. Ein großer

Teil des umliegenden Landes wurde mit Asche bedeckt, und über

12,000 Menschen kamen ums Leben.

Sumbulwurzel, s. Ferula.

Sümeg (spr. schü-), Markt im ungar. Komitat

Zala, mit Sommerschloß des Veszprimer Bischofs,

Franziskanerkloster, (1881) 5029 ungar. Einwohnern, Weinbau und

Bezirksgericht.

Sumerier (Akkadier), altes Volk, welches in frühster

Zeit das Euphrat- und Tigrisland ("Land Sumir und Akkad") bewohnte

und eine nicht flektierende, agglutinierende Sprache redete, also

nicht semitischen Ursprungs war. Sie besaßen bereits eine

bedeutende Kultur, welche die Semiten, Babylonier und Assyrer, die

spätern Einwohner jenes Gebiets, neben denen sich aber die S.

noch lange behaupteten, von ihnen annahmen, und von der uns in den

bilinguen (assyrisch-sumerischen) Thontäfelchen der Bibliothek

Assurbanipals ansehnliche Reste, Lieder, Hymnen, Gesetzsammlungen,

astronomische und astrologische Schriften etc., erhalten sind. Ihre

ältesten Herrschaftssitze und Priesterstädte befanden

sich im untern Euphratgebiet, das nach einem ihrer Stämme auch

Chaldäa genannt wurde (vgl. Babylonien). Die S. besaßen

die Keilschrift (s. d.), welche nicht bloß Babylonier und

Assyrer, sondern auch Meder und Perser von ihnen überkamen,

beobachteten die Himmelskörper, Sonne, Mond und fünf

Planeten, welche sie als Götter verehrten, und nach denen sie

die sieben Tage der Woche,

435

Sumiswald - Sumpfbiber.

deren Einteilung von ihnen herrührt, benannten; die Namen

der Göttin Istar (Astarte), des Mondgottes Sin, des

Löwengottes Nergal u. a. sind in die semitische Religion

übergegangen. Ihre religiösen Hymnen, mitunter von tiefem

Gefühl, sind den Psalmen der Bibel ähnlich. Ihren

Rechnungen legten sie das Sexagesimalsystem zu Grunde, welches sich

bei der Einteilung unsrer Tagesstunden in Minuten und Sekunden, der

Grade etc. bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Vgl. Lenormant,

Études accadiennes (Par. 1872-80); Derselbe, Études

cunéiformes (das. 1878-80); Derselbe, La langue primitive de

la Chaldée et les idiomes touraniens (das. 1875) ; Haupt,

Die sumerischen Familiengesetze (Leipz. 1879); Derselbe, Die

akkadische Sprache (Berl. 1883).

Sumiswald, Gemeinde im schweizer. Kanton Bern, Bezirk

Trachselwald, im untern Emmenthal, am Grünenbach, hat eine

schöne Kirche aus dem 16. Jahrh. und (1888) 5738 Einw., welche

Landwirtschaft, Viehzucht, Fabrikation von Leinwand und Uhren und

Handel mit Käse betreiben. Unweit das Schloß

Trachselwald, ehemals Sitz einer Deutschordens-Kommende, jetzt

Armenhaus.

Summarischer Prozeß, diejenige Prozeßart, bei

welcher zum Zweck der Beschleunigung des Verfahrens Abweichungen

von dem regelmäßigen Prozeßgang und

Abkürzungen des letztern statuiert sind. Den Gegensatz bildet

der ordentliche bürgerliche Prozeß, und zum Unterschied

wird der summarische auch der "außerordentliche Prozeß"

genannt. Die moderne Gesetzgebung, welche für alle

Rechtsstreitigkeiten ein schleunigeres Verfahren an Stelle des

schwerfälligen gemeinrechtlichen Prozeßganges

einführte, hat die Fälle des summarischen Prozesses

wesentlich eingeschränkt. So kennt die deutsche

Zivilprozeßordnung als eigentlichen summarischen Prozeß

nur noch den Exekutiv- oder Urkundenprozeß (s. d.) und den

Wechselprozeß (s. d.); außerdem gehören noch das

sogen. Mahnverfahren (s. d.) hierher sowie der Arrest (s. d.) und

die "einstweiligen Verfügungen" (s. d.). Auch im

Strafprozeß ist in geringfügigen Fällen ein

summarisches Verfahren gestattet (s. Mandatsprozeß). Vgl.

Deutsche Zivilprozeßordnung, (§ 555-567, 628-643;

Deutsche Strafprozeßordnung, § 447-452.

Summarium (lat.), kurz gefaßter Hauptinhalt einer

Schrift etc.; daher summarisch, dem Hauptinhalt nach

zusammengefaßt.

Summation (lat.), s. Addition.

Summe (lat. Summa), in der Arithmetik das Resultat einer

Addition (s. d.). Summenformel oder summarisches Glied einer Reihe

nennt man den algebraischen Ausdruck, der die S. einer bestimmten

Anzahl von Gliedern der Reihe in allgemeinen Zeichen (Buchstaben)

ausdrückt.

Summis desiderantes affectibus (lat.), Bulle des Papstes

Innocenz VIII. von 1484 zu gunsten der Hexenprozesse (s. Hexe, S.

103).

Summisten, im Gegensatz zu den Sententiariern Bezeichnung

der spätern Scholastiker, welche sogen. Summen (summae

theologiae), d. h. selbständige Lehrgebäude der

Theologie, lieferten, wie Alexander von Hales, Albertus Magnus,

Thomas von Aquino u. a.

Summitates (lat.), pharmazeut. Bezeichnung der

blühenden Stengelspitzen oder auch der ganzen obern Teile der

Pflanzen; S. Sabinae, Sadebaumspitzen.

Summum bonum (lat.), s. Höchstes Gut.

Summumjus summa injuria (lat.), röm.

Rechtssprichwort: "das höchste Recht (d. h. das Recht, wenn es

auf die Spitze getrieben wird) ist die höchste

Ungerechtigkeit".

Sumner (spr.ssömmner), Charles, am erikan.

Staatsmann, geb. 6. Jan. 1811 zu Boston, studierte an der

Harvard-Universität, dann an der juristischen Akademie in

Cambridge, ward 1834 Advokat in Boston, dann Referent des

Bezirksgerichtshofs der Vereinigten Staaten, lehrte auch an der

Universität Cambridge Staats- und Völkerrecht, bereiste

1837-40 Europa und gab Veseys "Reports" mit Anmerkungen heraus

(1844-46, 20 Bde.). In der Politik schloß er sich zuerst der

Whigpartei, 1848 aber, da er mit der Kriegserklärung gegen

Mexiko nicht einverstanden war und schon damals die Aufhebung der

Sklaverei verlangte, der Freibodenpartei an. 1850 wurde er in den

Bundessenat gewählt, wo er sich als hervorragender Redner und

heftiger Gegner der Sklaverei auszeichnete. Infolge einer

glänzenden, aber scharfen Rede gegen die Sklaverei aus

Anlaß des Kansas-Nebraskakonflikts (19. und 20. Mai 1856)

ward er 22. Mai von einem Repräsentanten aus Südcarolina,

Preston Brooks, körperlich gemißhandelt, so daß er

erkrankte und in Europa Erholung suchen mußte. 1859 nahm er

seinen Sitz im Senat wieder ein, ward einer der Führer der

neuen republikanischen Partei, unterstützte mit Eifer und

Erfolg die Wahl Lincolns und nahm unter dessen Präsidentschaft

als Vorsitzender des Senatskomitees für auswärtige

Angelegenheiten eine hervorragende Stellung in den

öffentlichen Angelegenheiten der Union ein. Auch die Rechte

des Kongresses Johnson gegenüber hatten an ihm einen

energischen Verteidiger. Ebenso trat er mutig und offen gegen Grant

auf, dessen Wahl er unterstützt hatte, als derselbe in der

Domingofrage eine Annexionspolitik verfolgte und die

schändlichste Korruption in der Verwaltung einreißen

ließ. S. verlor daher 1871 den Vorsitz im auswärtigen

Komitee, obwohl er das Recht der Union in der Alabamafrage noch

zuletzt ausführlich verteidigt hatte ("The case of the United

States", 1872). 1872 unterstützte er Greeleys Kandidatur und

starb 11. März 1874 in Washington. Er schrieb: "White slavery

in the Barbary States" (Bost. 1853). Gesammelt erschienen seine

Werke in 12 Bänden (Bost. 1871-75), seine Reden Boston 1851, 2

Bde., und 1855. Vgl. Lester, Life and public services of Charles S.

(New York 1874); Pierce, Life and letters of Ch. S. (Lond. 1877, 2

Bde.).

Sumpf, ein Gebiet mit stagnierendem Wasser, welches durch

Gegenwart von Schlamm und Vegetation nicht schiffbar ist, aber auch

nicht betreten werden kann und niemals austrocknet. Am

häufigsten finden sich Sümpfe an Ufern solcher

Flüsse, welche mit geringem Gefälle große Ebenen

durchlaufen (Oder, Warthe, Netze, Theiß, Deltasümpfe),

ferner auf großen, wenig geneigten, waldbedeckten Ebenen, wo

Quell- und Regenwasser keinen genügenden Abfluß haben,

und an Küsten (Maremmen und Valli in Italien, Swamps in

Nordamerika). Die Vegetation der Sümpfe (vgl. Sumpfpflanzen)

ist verschieden, je nachdem Wasser oder Erde vorherrschen; oft

finden sich große Strecken mit Wald bedeckt, und die

absterbenden Pflanzen bilden mächtige Torflager. Meist sind

die Sümpfe berüchtigt durch ihre

gesundheitsschädlichen Ausdünstungen; kulturfähig

werden sie erst, wenn eine hinreichende Ableitung des stagnierenden

Wassers gelingt; andernfalls verwertet man sie nur durch

Rohrnutzung und Erlenwuchs. - Im Bergbau heißt S. der tiefste

Teil des Schachts, in welchem die Wasser behufs Hebung und

Entfernung aus dem Bergwerk gesammelt werden.

Sumpfbiber (Schweifbiber, Myopotamus

436

Sumpfbussard - Sundainseln.

Geoffr.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Nagetiere

und der Familie der Trugratten (Echimyina). Der Koipu (M. Coypu

Geoffr., s. Taf. "Nagetiere II"), 40-45 cm lang, mit fast ebenso

langem, drehrundem, geschupptem und borstig behaartem Schwanz,

untersetztem Leib, kurzem, dickem Hals, dickem, langem, breitem,

stumpfschnäuzigem Kopf, kleinen, runden Ohren, kurzen,

kräftigen Gliedmaßen, fünfzehigen Füßen,

an den hintern Füßen mit breiten Schwimmhäuten und

stark gekrümmten, spitzigen Krallen, ist oberseits

dunkelbraun, an den Seiten rot-, unterseits schwarzbraun, an der

Nasenspitze und den Lippen weiß oder hellgrau. Er bewohnt das

gemäßigte Südamerika vom 24.-43.° südl.

Br., vom Atlantischen bis zum Stillen Ozean und lebt paarweise an

Seen und Flüssen in selbstgegrabenen Höhlungen, fast

ausschließlich im Wasser. Auf dem Land bewegt er sich

langsam, dagegen schwimmt er vortrefflich, taucht aber schlecht. Er

nährt sich hauptsächlich von Gras, frißt aber auch

Wurzeln, Blätter, Körner. Das Weibchen wirft 4-6 Junge.

Man jagt den S. des kostbaren Pelzes halber, welcher als Rakunda

Nutria (amerikanisches Otterfell) in den Handel kommt, und in

manchen Gegenden ist das Tier fast schon ausgerottet. Das

weiße Fleisch wird an vielen Orten von den Eingebornen

gegessen. Alt eingefangene S. gehen bald zu Grunde, jung

eingefangene sind sehr lebhaft.

Sumpfbussard, s. Weihen.

Sumpfkresse, s. Taxodium.

Sumpfdlstel, s. Cirsium.

Sumpfeiche, s. Casuarina.

Sumpferz, s. v. w. Raseneisenerz.

Sumpffieber, diejenigen schweren Formen des

Wechselfiebers, welche in Sumpfgegenden endemisch vorkommen und

durch das sogen. Malariagift bedingt werden. S. Malaria und

Wechselfieber.

Sumpfgarbe, s. Ptarmica.

Sumpfgas, s. Methan.

Sumpfgras, s. Cladium.

Sumpfmiasma, s. v. w. Malaria.

Sumpfotter, s. Nörz.

Sumpfpflanzen, diejenigen Pflanzen, welche im sumpfigen

oder mit Wasser bedeckten Boden wurzeln, mit dem übrigen Teil

in der Luft wachsen. Dies sind besonders: Phragmites communis,

Glyceria spectabilis und fluitans, Phalaris arundinacea, Scirpus

lacustris, viele Arten Riedgräser (Carex), Eriophorum, Typha,

Sparganium, Alisma plantago, Sagittaria sagittaefolia, Acorus

Calamus, Iris Pseudacorus, Hippuris vulgaris, Rumex hydrolapathum,

Nasturtium palustre, N. amphibium, Cicuta virosa, Sium, Oenanthe,

Epilobium palustre, E. pubescens, Lythrum salicaria, Caltha

palustris, Myosotis palustris, Pedicularis palustris, Veronica

Beccabunga. Menyanthes trifoliata, Equisetum limosum.

Sumpfporst, s. Ledum.

Sumpfrodel, s. Pedicularis.

Sumpfsassafras, s. Magnolia.

Sumpfseidelbast, s. Dirca.

Sumpfvögel, s. v. w. Watvögel (s. d.).

Sumpfzeder, s. Taxodium.

Sumter (spr. ssömmtter), Fort auf einer

künstlichen Insel am Eingang des Hafens von Charleston im

nordamerikan. Staat Südcarolina, 1845-55 erbaut, wurde 14.

April 1861 vom Konföderiertengeneral Beauregard genommen,

womit der Bürgerkrieg begann, und, obwohl im August 1863 durch

ein Bombardement zerstört, bis 14. April 1865 gegen die

Unionstruppen verteidigt. Vgl. Crawfurd, Story of S. (New York

1888).

Sumtion (Sumption, lat.), Annahme, hypothetischer Satz;

in der katholischen Kirche das Nehmen und Genießen der

Hostie.

Sumtum (lat.), genommene Abschrift.

Sumtus (lat.), Aufwand, Kosten; sumtibus publicis. auf

Staatskosten; sumtuös, kostspielig.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 126 / 302 段