Sulioten, albanes. Volksstamm im Südendes Paschaliks

Janina, dem alten Epirus, leitet seinen Ursprung von einer Anzahl

Familien ab, welche im 17. Jahrh. vor dem türkischen Druck in

den Gebirgen von Suli in der Nähe der Stadt Parga eine

Zuflucht suchten. Sie bekennen sich zur griechisch-katholischen

Kirche und sprechen als Muttersprache das Griechische, zugleich

aber auch das Albanesische. Neben Viehzucht und etwas Ackerbau war

ihr Hauptgewerbe das der Klephthen und Armatolen, worin sie sich

vorzüglich durch List und Ausdauer hervorthaten; besonders

galten ihre Angriffe den benachbarten Türken, gegen deren

Übermacht sie bei einem einfachen, aber ausharrenden

Verteidigungssystem geraume Zeit standhielten. Sie erlagen erst

1803 und verließen nun ihre bisherigen Wohnsitze, indem sie

erst nach Parga, dann, durch die Drohungen und Intrigen Ali Paschas

auch von da vertrieben, nach den Ionischen Inseln sich wandten.

Hier traten sie in den Militärdienst der verschiedenen

Mächte (Rußlands, Frankreichs, Englands), welche damals

nacheinander diese Inseln besaßen. Ali Pascha, 1820 in Janina

von den Türken unter Churschid Pascha eingeschlossen und von

den Albanesen verlassen, suchte bei den S. Hilfe und räumte

ihnen die Festung Kiagha ein. Die S. folgten seiner Einladung,

gerieten aber durch den Übertritt der albanesischen

Häuptlinge zu Churschid Pascha und den unglücklichen

Ausfall des im Sommer 1822 von Griechenland aus zu ihrer

Unterstützung unternommenen Feldzugs in große

Bedrängnis und mußten im September ihre Feste Suli den

Türken einräumen. Gegen 3000 S. wurden damals auf

englischen Schiffen nach Kephalonia gebracht, während sich die

übrigen in die Gebirge zerstreuten. Viele von ihnen

beteiligten sich tapfer an dem griechischen Freiheitskampf und

gelangten in Griechenland später zu Ansehen und Würden,

so die Botzaris und Tzavellas. Vgl. Perräbos, Geschichte von

Suli und Parga (neugriech., Vened. 1815, 2 Bde.; engl., Lond.

1823); Lüdemann, Der Suliotenkrieg (Leipz. 1825).

Sulkowski, eine aus Polen stammende, den Adelsfamilien

Lodzia und Sulima von Haus aus angehörige, seit 1752

reichsfürstliche Familie in Posen und

Österreichisch-Schlesien, blüht in den beiden Linien von

Reisen und von Bielitz, welche beide vom Grafen, seit 1752

Fürsten Alex. Jos. v. S. (gest. 1762) abstammen. Ersterer

gehörte an Anton Paul, Fürst S., geb. 31. Dez. 1785, der

nach Poniatowskis Tod einige Zeit die Reste der polnischen Armee

kommandierte und dann Generaladjutant des Kaisers Alexander I.

ward; starb 13. April 1836. Ihm folgte sein Sohn August Anton,

Fürst S., geb. 13. Dez. 1820, im Ordinat Reisen und in der

Grafschaft Lissa, und nach dessen Tod (20. Nov. 1882) Fürst

Anton, geb. 6. Febr. 1844. Herzog von Bielitz ist gegenwärtig

Fürst Joseph S., geb. 2. Febr. 1848.

Sulla, 1) Lucius Cornelius, röm. Diktator, geb. 138

v. Chr. als der Sprößling einer der Gens

430

Süllberg - Sullivan.

Cornelia angehörigen patrizischen Familie, war nach einer

teils in leichtsinnigen Vergnügungen, teils in litterarischen

Beschäftigungen verbrachten Jugend 107 im Jugurthinischen

Krieg Quästor des Konsuls Marius und trug dadurch wesentlich

zur glücklichen Beendigung des Kriegs bei, daß er den

König Bocchus von Mauritanien durch geschickte Unterhandlungen

zur Auslieferung des Jugurtha bewog. Er wurde darauf 93

Prätor, und nachdem er sich im Marsischen Krieg als

Führer einer Abteilung des römischen Heers besonders

ausgezeichnet hatte, ward er für 88 zum Konsul erwählt

und mit der Führung des (ersten) Mithridatischen Kriegs

beauftragt. Als er sich bereits nach Nola in Kampanien zu seinem

Heer begeben hatte, wurde in Rom durch die Volkspartei unter

Führung des Volkstribunen P. Sulpicius Rufus der Oberbefehl im

Mithridatischen Krieg Marius übertragen. S. kehrte daher an

der Spitze seines Heers nach Rom zurück, schlug seine Gegner

und ächtete die hervorragendsten unter denselben, traf auch

einige Anordnungen, die dazu dienen sollten, die Ruhe in der Stadt

zu sichern, widmete sich dann aber zunächst völlig der

Führung des ihm aufgetragenen Kriegs, ohne sich um die

Vorgänge in Rom zu bekümmern, wo sich seine Gegner bald

unter den größten Grausamkeiten der Gewalt

bemächtigten, Marius 86 zum siebentenmal Konsul wurde und

große Heere gesammelt wurden, um den gefürchteten Kampf

mit S. bestehen zu können. Als dieser den Krieg mit

Mithridates glücklich beendigt hatte (s. Mithridates), kehrte

er an der Spitze von 40,000 Mann nach Italien zurück,

überwand in einer Reihe von Schlachten seine Gegner, zuletzt

den jüngern Gajus Marius bei Sacriportus und ein

hauptsächlich aus Samnitern bestehendes Heer unter den Mauern

von Rom, und wurde dann 82 zum Diktator auf unbestimmte Zeit

ernannt. Als solcher suchte er zunächst seine Stellung zu

sichern, indem er eine große Menge seiner Gegner

proskribierte, d. h. ihre Namen durch Proskriptionslisten bekannt

machte und auf ihren Kopf einen Preis setzte, und indem er die

Ländereien der in dem blutigen Bürgerkrieg Umgekommenen

unter seine Veteranen verteilte und 10,000 Sklaven die Freiheit

schenkte, die ihm als ihrem Patron gewissermaßen als

Leibwache dienten. Dann aber erließ er, hauptsächlich zu

dem Zweck, der Republik eine aristokratische Verfassungsform zu

geben, eine Reihe von Gesetzen (Leges Corneliae), unter denen die

Zurückgabe der Gerichte an den Senat und die Herabsetzung der

Macht der Volkstribunen auf ihr ursprüngliches geringes

Maß besonders hervorzuheben sind. Als er aber sein Ziel

erreicht zu haben glaubte (er liebte es, sein Gelingen nicht seinem

Verdienst, sondern seinem Glück beizumessen, und ließ

sich daher gern den Glücklichen, Felix, nennen), legte er 79

die Diktatur nieder und zog sich nach Puteoli zurück, wo er,

ohne sich jedoch den öffentlichen Angelegenheiten völlig

zu entziehen, hauptsächlich seinem Vergnügen lebte, starb

jedoch schon 78. Er schrieb in lateinischer Sprache

Denkwürdigkeiten seines Lebens, deren letztes Buch sein

Freigelassener Epicadus vollendet und die Plutarch in seiner

Biographie des S. benutzt hat. Neuere Biographien lieferten

Zachariä (Heidelb. 1834) und Lau (Hamb. 1855).

2) Faustus Cornelius, Sohn des vorigen, geboren um 88 v. Chr.,

diente im dritten Mithridatischen Krieg unter Pompejus und war der

erste, der 63 die Mauern des Tempels von Jerusalem erstieg; 54

bekleidete er die Quästur. Im Bürgerkrieg stand er auf

seiten des Pompejus, mit dessen Tochter er verheiratet war. Nach

der Schlacht bei Pharsalos floh er nach Afrika; nach der Schlacht

bei Thapsos (46) fiel er in Cäsars Hände und ward von

dessen Soldaten ermordet.

3) Publius Cornelius, Bruderssohn des Diktators S., ward 66 v.

Chr. zum Konsul für das folgende Jahr gewählt, aber,

bevor er sein Amt antrat, wegen Amtserschleichung (ambitus)

angeklagt und verurteilt. Dann wurde er 62 wieder wegen Teilnahme

an der Catilinarischen Verschwörung angeklagt, aber von

Hortensius und Cicero verteidigt und freigesprochen. Im

Bürgerkrieg war er Legat Cäsars und befehligte bei

Pharsalos den rechten Flügel. Er starb 45.

Süllberg, s. Blankenese.

Sülldorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk

Magdeburg, Kreis Wanzleben, hat eine evang. Kirche, eine Zucker-

und eine Thonwarenfabrik, Kalk- und Ziegelbrennerei, ein Solbad und

(1885) 1133 Einw.

Sulliv., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung

für William S. Sullivant, geb. 1803 zu Franklinton, gest. 1873

in Columbus (Bryolog).

Sullivan (spr. ssölliwän), 1) Timothy Daniel,

irischer Politiker, geb. 1827 zu Bantry in der Grafschaft Cork,

nahm als Herausgeber und Eigentümer der Zeitung "Nation" sowie

andrer der irischen Nationalpartei als Organe dienender

Zeitschriften an den politischen Kämpfen seiner Landsleute in

den letzten Jahrzehnten hervorragenden Anteil. 1850-85 war er

für Westmeath Mitglied des Parlaments, welchen Sitz er 1885,

für Dublin gewählt, seinem jüngern Bruder, Donal S.,

überließ. 1886 wurde er Lord-Mayor von Dublin und 1887

einstimmig wieder- und 1880-82 als Parlamentsmitglied für

Meath gewählt. Auch ein dritter Bruder, Alexander Martin S.,

geb. 1830, seit 1855 Mitarbeiter an der "Nation", seit 1876

Parlamentsmitglied für Louth und in demselben Jahr Lord-Mayor

von Dublin, seit 1876 irischer und seit 1877 englischer

Rechtsanwalt, gest. 17. Okt. 1884, hat in der irischen Partei eine

bedeutende Rolle gespielt.

2) Arthur, engl. Komponist, geb. 13. Mai 1842 zu London, war

Chorknabe in der königlichen Vokalkapelle, als er zum

Stipendiaten der Mendelssohn-Stiftung erwählt wurde (1856).

Seine fernere musikalische Ausbildung erhielt er zunächst in

der Royal Acaderny of music in London, wo besonders Bennett sein

Lehrer war, und 1858-61 am Konservatorium in Leipzig. Er wurde

darauf 1861 Nachfolger Bennetts als Kompositionsprofessor an der

Akademie, 1876 Direktor der National training school for music in

London und 1880 Vorstandsmitglied des Royal college of music

daselbst. S. ist der hervorragendste unter den jüngern

englischen Komponisten, hat jedoch weniger originelle

Erfindungstraft als wohlgeschulte Gestaltungskunst. Seine

bekanntesten Werke sind die Musik zu Shakespeares "Sturm",

"Kaufmann von Venedig" und "Heinrich VIII.", das Ballett

"L'île enchantée" (1864), die Ouvertüren: "The

sapphire necklace" und "In memoriam", eine Symphonie in E dur, die

Oratorien: "The light of the world", "The prodigal son" und "The

martyr of Antioch", mehrere Kantaten, Kammermusikstücke und

Klavierkompositionen sowie zahlreiche Lieder und Operetten, wie:

"Cox and Box" (1866), "The contrabandista", "Her Majesty's ship

Pinafore", "Jolanthe", "The pirates of Penzance". "The Mikado",

"The golden legend" (1887) u. a., die namentlich in England und

Amerika großen Erfolg hatten. 1883 wurde S. von der

Königin in den Ritterstand erhoben.

431

Süllö - Sulpicius.

Süllö, s. Sander.

Sully (spr. ssülli), Maximilian von Béthune,

Baron von Rosny, Herzog von, franz. Staatsmann, geb. 13. Dez. 1560

zu Rosny bei Nantes, ward in der reformierten Kirche erzogen und

zugleich mit Heinrich von Navarra unterrichtet. Er nahm mit

Auszeichnung an den Feldzügen des jungen Königs von

Navarra teil und kämpfte bei Coutras (1587) und bei Ivry

(1590) mit. Ein strenger Calvinist, stolz und schroff, trat er auch

seinem königlichen Freund, besonders seiner Verschwendung und

Ausschweifung, wiederholt mit Energie entgegen; doch vereinte beide

bald wieder die gemeinsame Liebe zum Vaterland. Deswegen riet er

auch 1593 Heinrich zur Annahme des Katholizismus, um den

Bürgerkrieg zu beendigen. 1597 an die Spitze der Finanzen

gestellt, tilgte er eine Staatsschuld von 200 Mill. Livres, erwarb

den größten Teil der verschleuderten Domänen

zurück, hob eine Menge überflüssiger Ämter auf,

ordnete und vereinfachte das Steuerwesen, baute Straßen,

führte die Seidenkultur und andre Erwerbszweige ein und

begünstigte den Ackerbau; diesen und die Viehzucht

erklärte er für die Brüste, von denen Frankreich

sich nähre. Seit 1601 auch Großmeister der Artillerie

und Oberaufseher über alle Befestigungen des Landes, stellte

er in kurzem die öffentliche Ruhe wieder her, namentlich durch

Vernichtung vieler Räuberbanden. Auf Heinrichs Zug nach

Savoyen (1600) eroberte S. die für unüberwindlich

gehaltenen Festungen Montmelian und Bourg. Nach dem Frieden

übernahm er unter dem Titel eines erblichen Kapitäns der

Häfen, Flüsse und Kanäle das Departement der

öffentlichen Bauten, hob Zölle auf, erklärte den

Getreidehandel für frei, legte Kanäle an und leistete in

dieser Stellung viel für Verbesserung der Kommunikationsmittel

des Landes. Zugleich leitete er auch die auswärtigen

Verhandlungen. 1604 wurde er zum Gouverneur von Poitou und 1606

für sein Gut Sully an der Loire zum erblichen Herzog ernannt.

Dabei erwarb er für sich selbst ein bedeutendes Vermögen.

Nach der Ermordung Heinrichs IV. (14. Mai 1610) ward er seiner

Stellung am Hof entbunden und von diesem auf sein Schloß S.

verwiesen; doch bediente sich auch Ludwig XIII. öfters seines

Rats und ernannte ihn 1634 zum Marschall; er starb 21. Dez. 1641.

Wichtig für die Geschichte seiner Zeit, obwohl nicht durchaus

zuverlässig, sind seine in Stil und Form ungenießbaren

"Memoires" (Amsterd. 1634, 2 Bde.; 2 Supplementbände 1662),

die vom Abbé L'Ecluse (das. 1745, 8 Bde.) modernisiert, aber

auch sehr verändert und gefälscht wurden. Vgl. die

biographischen Schriften von Legouvé (Par. 1873), Gourdault

(3. Aufl., Tours 1877), Bouvet de Cresse (das. 1878), Dussieux

(Par. 1887) und Chailley (das. 1888); Ritter, Die Memoiren Sullys

(Münch. 1871).

Sully - Prudhomme (spr. ssülli-prüdómm),

Rene Francois Armand, franz. Dichter, geb. 16. März 1839 zu

Paris, wurde nach dem frühen Tod seines Vaters von einem

Oheim, dem Notar Sully, an Kindes Statt angenommen, widmete sich

dem Studium der Rechtswissenschaft, lebte dann aber ganz seinen

litterarischen Neigungen und veröffentlichte 1865 seine ersten

Gedichte: "Stances et poèmes", die das Glück hatten,

von Sainte-Beuve bemerkt zu werden, der namentlich auf das formell

vollendete und eine tiefe Innigkeit des Gefühls bekundende

Gedicht "Le vase brise" aufmerksam machte. Als weitere Sammlungen

folgten: "Les épreuves", "Les écuries d'Augias",

"Croquis italiens", "Les solitudes", "Impressions de la guerre",

"Les destins", "Les vaines tendresses", "La France" (Sonette), "La

revolte des fleurs" u. a. S. ist in diesen Dichtungen den Idealen

seiner Jugend treu geblieben; die Reinheit, die ihn kennzeichnete,

die Tiefe der Empfindung, der Adel des Gedankens wurden nie durch

Mißklänge getrübt, und die philosophierende

Richtung, die in seinen letzten Werken den Vorrang behauptet, hat

in ihrem Streben nach Aussöhnung zwischen einer schmerzvollen

Wirklichkeit und einer höhern Gerechtigkeit ebenfalls etwas

Wohltuendes. S. schrieb außerdem ein Lehrgedicht: "La

Justice" (1878), übersetzte den Lukrez (neue Ausg. 1886) und

veröffentlichte ein kunsthistorisches Werk: "L'expression dans

les beaux arts". Seine "OEuvres complètes" erschienen

1882-88 in 5 Bänden. Seit 1881 ist S. Mitglied der

französischen Akademie.

Sully sur Loire (spr. ssülli ssürr loahr),

Stadt im franz. Departement Loiret, Arrondissement Gien, an der

Loire und der Eisenbahn von Argent nach Beaune la Rolande, hat ein

schönes Schloß (mit Statue Sullys, der hier 1604-41

wohnte) und (1881) 2037 Einw.

Sulmirschütz (Sulmirzyce), Stadt im preuß.

Regierungsbezirk Posen, Kreis Adelnau, hat (1885) 3130 meist kath.

Einwohner.

Sulmo, Stadt, s. Solmona.

Sulphur (lat.), s. Sulfur.

Sulpicia, röm. Dichterinnen: 1) S., s. Tibullus;

2) S., unter Domitian lebende Verfasserin von erotischen

Gedichten, die bis auf wenige Reste verloren sind; eine ihren Namen

tragende "Satira" von 70 Versen, eine ziemlich frostige Betrachtung

der traurigen Lage der Gelehrten unter Domitian, ist ein ihr

untergeschobenes Machwerk aus spätrömischer Zeit (hrsg.

von Bährens in "De Sulpiciae quae vocatur satira. Jena 1873,

und in den "Poetae latini minores", Bd. 5, Leipz. 1883; auch

häufig in Verbindung mit Persius und Juvenal).

Sulpicius, angesehenes röm. Geschlecht, aus mehreren

Familien mit verschiedenen Beinamen (Camerinus, Galba, Gallus,

Longus, Paterculus Peticus, Prätextatus, Rufus und Saverrio)

bestehend. Publius S. Galba befehligte 210 v. Chr. und in den

folgenden Jahren die gegen König Philipp III. von Makedonien,

den Verbündeten Hannibals, ausgesandte Flotte und führte

als Konsul 200 und dann auch noch einen Teil des Jahrs 199 gegen

denselben Philipp den Oberbefehl. Servius S. Galba erlitt 151 als

Prätor eine Niederlage in Lusitanien, ließ im folgenden

Jahr viele tausend Lusitanier niederhauen, nachdem er sie unter der

Vorspiegelung, ihnen fruchtbare Ländereien anzuweisen, zur

Ergebung verlockt hatte, wurde deshalb 149 angeklagt, wandte aber

durch seine Beredsamkeit die Verurteilung von sich ab. 144

bekleidete er das Konsulat. Sein gleichnamiger Enkel war einer der

Verschwornen gegen Cäsar und wurde nebst den übrigen

Mördern Cäsars 43 von Oktavian geächtet; er ist der

Urgroßvater des Kaisers Galba. Publius S. Rufus, geb. 124,

wird von Cicero als Redner gerühmt, zeichnete sich 89 im

Bundesgenossenkrieg durch die Unterwerfung der Marruciner auch als

Feldherr aus und wurde für das Jahr 88 zum Volkstribun

erwählt. Sein Gesetzvorschlag, die mit dem Bürgerrecht

ausgestatteten Bundesgenossen in alle Tribus zu verteilen, fand auf

seiten der von den Konsuln Sulla und Quintus Pompejus Rufus

geführten Optimatenpartei den heftigsten Widerstand. Hierdurch

wurde er bewogen, sich an Gajus Marius anzuschließen, und

brachte daher ein Gesetz durch, daß der Oberbefehl gegen

Mithridates

432

Sultan - Sulze.

von Sulla (s. d. 1) auf Marius übertragen werden sollte.

Sulla aber schlug seine Gegner innerhalb der Mauern Roms und

ächtete die vornehmsten derselben, darunter auch S., der auf

seiner Villa entdeckt und getötet wurde. Der Sklave, der ihn

verraten, ward von Sulla zwar freigelassen, aber darauf vom

Tarpejischen Felsen gestürzt.

Sultan (arab., "Herr, Mächtiger"), gewöhnlicher

Titel mohammedan. Herrscher im Orient, besonders des osmanischen

Reichs. Auch den Frauen der Sultane wird der Titel Sultanin

beigelegt, in der Türkei aber nur der wirklichen Gemahlin des

Sultans sowie seinen Töchtern, welche Chanimsultaninnen

("Frauen von Geblüt") genannt werden. Die Mutter des

Großherrn heißt Walide S.

Sultanabad, Hauptstadt der pers. Provinz Irak Adschmi,

1844 m ü. M., wurde erst zu Anfang dieses Jahrhunderis

gegründet, hat die Form eines Rechtecks, durch zahlreiche

Türme verstärkte Mauern und treibt lebhaften Handel mit

Teppichen, von denen die meisten nach Europa gehen; der Wert dieser

Ausfuhr belief sich 1877 auf 1,600,000 Mk.

Sultanshuhn, s. Purpurhuhn.

Sultepec, Bergwerksort im mexikan. Staat Mexiko, 2340 m

ü. M., in engem Thal, mit (1880) 7613 Einw. Dabei kamen Gold,

Silber, Kupfer, Eisen, Blei, Zinn, Antimon, Zinnober und andre

Metalle vor.

Sulu (Joloinseln), eine Gruppe kleiner gebirgiger, aber

fruchtbarer Inseln im Ostindischen Archipel zwischen der

Nordostspitze von Borneo und der Südwestspitze von Mindanao,

2456 qkm (45 QM.) groß mit 75,000 malaiischen Bewohnern, die

sich zum Islam bekennen und früher als kühne

Seeräuber weithin berüchtigt waren. Trotzdem sie mehrmals

durch französische, spanische und niederländische

Schiffe, auch vom Radscha Brooke von Borneo, schwer gezüchtigt

wurden, hörten ihre Seeräubereien nicht auf, bis Spanien

von den Philippinen aus 1876 die Hauptinsel S. besetzte und den

ganzen Archipel dem Generalkapitanat der Philippinen einverleibte.

Das Recht Spaniens auf den Archipel wurde auch 1885

vertragsmäßig von Deutschland und England anerkannt.

Seitdem bilden das Einsammeln eßbarer Vogelnester und die

Perlenfischerei die ergiebigste Einnahmequelle der Insulaner, deren

geringer Handel fast ganz in den Händen von Chinesen aus

Manila ruht. Die Stadt S. wurde bei ihrer Einnahme 1876 durch die

Spanier niedergebrannt, aber von spanischen Genieoffizieren neu

aufgebaut und durch Sträflingsarbeit befestigt. Nach dem

Archipel führt der südlich bis Celebes sich erstreckende

Meeresteil den Namen Sulusee. S. Karte "Hinterindien".

Sulz, 1) Oberamtsstadt im württemberg.

Schwarzwaldkreis, am Neckar und an der Linie Plochingen-Villingen

der Württembergischen Staatsbahn, 427 m ü. M., hat eine

evang. Kirche, ein Amtsgericht, ein Hauptsteuer- und ein

Kameralamt, eine Saline, ein Solbad und (1885) 1895 meist evang.

Einwohner. -

2) (Obersulz, franz. Soultz) Stadt und Kantonshauptort im

deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Gebweiler, an der Eisenbahn

Gebweiler-Lautenbach, hat eine alte kath. Kirche, ein Amtsgericht,

eine Oberförsterei, Seidenspinnerei, Seiden- und

Baumwollweberei, Eisengießerei und (1885) 4511 meist kath.

Einwohner. Westlich der 1432 m hohe Sulzer Belchen, der

höchste Gipfel der Vogesen. -

3) (S. unterm Wald) Stadt und Kantonshauptort im deutschen

Bezirk Unterelsaß, Kreis Weißenburg, an der Eisenbahn

Straßburg-Weißenburg, hat eine evangelische und eine

kath. Kirche, ein Amtsgericht, Bergbau auf Petroleum, Asphalt und

Eisen, eine Petroleumraffinerie, Hopfenbau und (1885) 1566 Einw.

-

4) Bad, s. Schongau.

Sülz, Dorf im preuß. Regierungsbezirk und

Landkreis Köln, 2 km südwestlich von Köln, hat

Spinnerei, Fabrikation von Maschinen, Goldleisten,

Buchdruckerschwärze, Bürsten und Lack, Ziegelbrennerei

und (1885) 2496 Einw.

Sulza (Stadtsulza), Stadt im sachsen-weimar.

Verwaltungsbezirk Weimar II (Apolda), an der Ilm, Knotenpunkt der

Linie Neudietendorf-Weißenfels der Preußischen

Staatsbahn und der Eisenbahn Straußfurt-Großheringen,

134 m ü. M., hat eine evang. Kirche, eine Baugewerkschule, ein

besuchtes Solbad (1887: 2225 Kurgäste), Wollwarenfabrikation

und (1885) 2105 Einw. Dabei die zu Meiningen gehörige Saline

Neusulza mit drei Gradierwerken. Vgl. Rost, Führer und

Ratgeber durch Bad S. (Sulza 188l).

Sulzbach, 1) Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk

Oberpfalz, an der Linie Nürnberg-Furth i. W., 400 m ü.

M., hat 3 Kirchen, ein Schloß (jetzt Gefängnis für

weibliche Sträflinge), ein Amtsgericht, starken Hopfenbau und

(1885) mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 6) 4670 meist

kath. Einwohner. In der Nähe die Wallfahrtskirche Annaberg,

zahlreiche Eisensteingruben und ein großes

Eisenhüttenwerk. Das ehemalige gleichnamige deutsche

Fürstentum, dessen Hauptstadt S. war, und das 1028 qkm (19

QM.) mit 32,000 Einw. umfaßte, erscheint am Ende des 11.

Jahrh. als Grafschaft, kam 1305 an Bayern und fiel dann mit der

Oberpfalz an die Pfalz. Die Pfalzgrafen von S. waren eine

Nebenlinie derer von Pfalz-Neuburg (seit 1614) und folgten unter

Karl Theodor 1742 in der Kurpfalz, 1777 in Bayern (vgl. Pfalz, S.

933). -

2) Flecken im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Backnang,

an der Murr und der Linie Waiblingen-Hessenthal der

Württembergischen Staatsbahn, 260 m ü. M., zur Grafschaft

Löwenstein gehörig, hat eine evang. Kirche, ein

Schloß (Lautereck), Gerberei, Schuhmacherei, Holzhandel,

Viehzucht und (1885) 2660 Einw. -

3) Dorf im deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Kolmar, in

einem Thal der Vogesen, hat eine kath. Kirche, eine Mineralquelle

mit Bad und (1885) 756 Einw. -

4) Dorf im preuß. Regierungsbezirk Trier, Kreis

Saarbrücken, an der Linie Wellesweiler-Saarbrücken der

Preußischen Staatsbahn und einer Industriebahn, hat eine

evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, eine

Steinkohlengrube, Eisenerzbergbau, Koks- und Glasfabrikation, eine

chemische Fabrik und (1885) 11,177 meist kath. Einwohner.

Sulzbacher Alpen, s. Steiner Alpen.

Sulzbad, Dorf im deutschen Bezirk Unterelsaß, Kreis

Molsheim, an der Eisenbahn Zabern-Schlettstadt, hat eine kath.

Kirche und (1885) 772 Einw. In der Nähe das Bad S. mit zwei

Mineralquellen, welche Chlor, Soda, Brom, Jod und Eisenoxyd

enthalten und namentlich gegen Hautkrankheiten und Rheumatismus

angewendet werden, sowie der besuchte Wallfahrtsort Avolsheim. Vgl.

Eissen, Soultzbad près Molsheim (Par. 1857).

Sulzberg (Val di Sole), s. Noce.

Sulzburg, Stadt im bad. Kreis Lörrach, am Sulzbach

und am Fuß des Schwarzwaldes, 339 m ü. M., hat eine

evang. Kirche, ein altes Schloß, eine Bezirksforstei,

vortrefflichen Weinbau, Weinhandel, eine Dampfsägemühle

und (1885) 1152 meist evang. Einwohner. Nahebei in einem

hübschen Waldthal das Bad S. mit alkalischer Kochsalzquelle

von 15° C.

Sulze, s. Salzlecke.

433

Sülze - Sumatra.

Sülze, kalte Fleischspeise, bereitet aus in

säuerlicher, stark gewürzter Brühe gekochtem und

fein geschnittenem Fleisch, welches mit der durchgeseihten, zu

Gelee eingedickten Brühe vermischt wird. Das Ganze

läßt man in einer Schüssel erstarren.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 125 / 302 段