Suffolk (spr. ssöffok), engl. Adelstitel, zuerst der

Familie Clifford als Grafen, seit dem 14. Jahrh. der Familie Pole

als Herzöge von S. Der letzte aus diesem Haus ward 1513

hingerichtet. Heinrich VIII. verlieh den Titel seinem

Günstling Charles Brandon, dem Gemahl seiner Schwester Maria,

dessen Schwiegersohn Henry Gray von Eduard VI. 1551 zum Herzog von

S. erhoben wurde. Derselbe ward nebst seiner Tochter Johanna Gray

(s. Gray 1) 1554 enthauptet. Demnächst erhielt Lord Thomas

Howard, Sohn des vierten Herzogs von Norfolk, der 1597 zum Baron

Howard ernannt war, 1603 den Titel eines Grafen von S. Schon in dem

Kampf gegen die unüberwindliche Flotte Philipps II. hatte er

sich ausgezeichnet, unter Jakob I. wurde er 1603 Geheimrat und 1605

Lord-Oberkämmerer, in welcher Eigenschaft er sich bei der

Entdeckung der Pulververschwörung hervorthat. 1614-18 war er

Lord-Großschatzmeister, wurde aber 1618 entlassen, wegen

Bestechlichkeit angeklagt und in den Tower gesetzt, aus dem er

jedoch nach einigen Tagen wieder befreit wurde. Er starb 1626. Sein

zweiter Sohn wurde 1626 zum Grafen von Berkshire erhoben und ist

Stammvater der jetzigen Grafen von S. und Berkshire;

gegenwärtiger Chef des Hauses ist Charles John Howard, Graf

von S. und Berkshire, geb. 7. Nov. 1804.

Suffragan (lat.), jedes zu Sitz und Stimme (suffragium)

berechtigte Mitglied eines Kollegiums von Geistlichen; insbesondere

der (einem Erzbischof untergeordnete) Diözesanbischof.

Suffrage universel (franz., spr. ssüffrahsch

üniwersséll), s. Allgemeines Stimmrecht.

Suffragium (lat.), die Stimme, die der röm.

Bürger in den Komitien (s. d.) oder als Richter in

Kriminalprozessen (judicia publica) abgab; auch die Abstimmung im

ganzen und das Stimmrecht selbst.

Suffrutex (lat.), s. Halbstrauch.

Suffusion (lat., Hyphämie), diffuse Blutunterlaufung

von größerer Ausdehnung in die Gewebsmaschen, wie sie

namentlich unter der Haut bei Quetschungen, Schlägen mit

stumpfen Instrumenten in seltenen Fällen spontan vorkommen, z.

B. bei Blutfleckenkrankheit, Skorbut u. dgl.

Sûfismus (Sofismus), der Mystizismus der

Mohammedaner, nach welchem der Mensch ein Ausfluß (Emanation)

Gottes ist und zur Wiedervereinigung mit demselben

zurückstrebt. Seine Anhänger heißen Sufi

("Wollbekleidete"), da sie nach der Sitte der ersten Gründer

im 3. Jahrh. nach Mohammed nur wollene Kleidung trugen, was aber

heute nicht mehr der Fall ist. Die Sûfi unterscheiden drei

Stationen in ihrem Orden: die der Methode, auf welcher der Moslem

die vorgeschriebenen Reinigungen und Gebete äußerlich

vollbringt; die der Erkenntnis, auf der er erkennt, daß alle

äußerliche Religionsübung keinen wahren Wert hat,

und sich vielmehr dem Studium der heiligen sûfistischen

Schriften und beschaulichem Versenken in die Gottheit widmet;

endlich die der Gewißheit, auf welcher er sich als eins mit

der Gottheit weiß und daher über alle Askese erhaben

ist. Als Stifter des S., der namentlich in Kleinasien und Persien,

auch in Indien Ausbreitung fand, wird ein arabischer Perser aus

Irak genannt; für seine bedeutendsten Vertreter gelten der

persische Dichter Dschelal eddin Rumi und Frerid eddin Attar aus

Nischabur wie auch die berühmten Dichter Hafis und Saadi. Vgl.

Tholuck, S., sive Theosophia Persarum pantheistica (Berl. 1821);

Kremer, Geschichte der herrschenden Ideen des Islams (Leipz. 1868);

Palmer, Oriental mysticism (Lond. 1867); Gobineau, Les religions et

les philosophes dans l'Asie Centrale (2. Aufl., Par. 1866).

Suganathal (Val Sugana),Flußthal der Brenta, soweit

sie tirolisches Gebiet durchströmt, zieht sich von den Quellen

der Brenta ab über 50 km bis zur italienischen Grenze, wo es

bei Tezze in eine wilde Schlucht übergeht, enthält die

Seen von Caldonazzo und Levico, hat südliche Vegetation, Wein-

und Seidenkultur und ca. 70,000 Bewohner. Wichtige Orte sind

Pergine, Levico, Borgo und der Badeort Roncegno. Der Name wird von

dem Volksstamm der Euganeer abgeleitet, welche hier angesiedelt

waren.

Sugatag (spr. schú-), Dorf im ungar. Komitat

Marmaros, bei Marmaros-Sziget, mit großem Salinenwerk

(jährliche Produktion 165,000 metr. Ztr. Salz). Vom Bergwerk

führt eine 20 km lange schmalspurige Bahn nach

Marmaros-Sziget.

Suger (spr. ssühsche), franz. Kirchenfürst und

Staatsmann, geb. 1081 zu St.-Omer, seit 1122 Abt zu St.-Denis,

hatte unter Ludwig VI. und Ludwig VII. bedeutenden Einfluß

auf das Staatswesen, verbesserte die Justiz, beförderte

Ackerbau, Handel und Gewerbe, begünstigte die Städte, war

während Ludwigs VII. Kreuzzug 1147-49 Reichsregent, hob die

Macht des Königtums und starb 12. Jan. 1151. Er schrieb unter

anderm: "Vita Ludovici VI." (hrsg. von Molinier, Par. 1887) und "De

rebus in sua administratione gestis" (bei Duchesne, "Scriptores",

Bd. 5). Sein Leben beschrieben Combes (Par. 1853) und Nettement (3.

Aufl., das. 1868).

Suggerieren (lat.), einem etwas eingeben, ihn

beeinflussend zu etwas veranlassen.

Suggestion (franz., "Eingebung"), die

Einflößung bestimmter Vorstellungen in der Hypnose (s.

Hypnotismus). Die Erfahrungen der letzten Jahre haben bewiesen,

daß die geistige Beeinflussung der durch die Hypnotisierung

ihres selbständigen und logischen Denkens beraubten Personen

viel weitere Ausdehnung zuläßt, als man bis dahin

geneigt war, zu glauben, und daß dadurch erstaunliche

Wirkungen erzielt werden können. Richet in Paris will einer

Dame von mittlern Jahren nacheinander suggeriert haben, sie sei

eine Bäuerin, eine Schauspielerin, ein alter General, ein

Prediger, eine Nonne, eine alte Frau, ein kleines Kind, ein junger

Mann etc., und sie habe sich jedesmal der eingebildeten Rolle

gemäß betragen. In einem kürzlich zu Pforzheim

verhandelten Prozeß handelte es sich um Personen, die in der

künstlich erregten Wahnvorstellung, Hunde zu sein, auf andre

gehetzt worden waren. Der bekannte Psycholog J. Delboeuf in

Lüttich hat einer Person sogar mit Erfolg vorgeredet, sie sei

ein geheizter eiserner Ofen oder eine brennende Petroleumlampe. Dem

Träumenden mangelt eben jede Logik und Fähigkeit, sich

durch eignes Denken einer gebieterischen Wahnvorstellung zu

entreißen. Man begreift die Gefährlichkeit der Macht

eines gewissenlosen Hypnotiseurs über seine Opfer, und es sind

bereits mehrere Fälle vor die Gerichte gekommen, in denen

Frauen unter dem Vorgeben, mit ihrem Gatten zu verkehren,

gemißbraucht oder zu schriftlichen Schenkungen

veranlaßt worden sind. Es ist somit höchst bedenklich,

sich ohne Beisein einer Vertrauensperson hypnotisierenzu lassen.

Einige

427

Suggestion mentale - Suifon.

forscher, namentlich Charkot in Paris, dem aber auch

Krafft-Ebing in Graz, Obersteiner in Wien und andre deutsche

Autoritäten in neuerer Zeit beigestimmt haben, gehen noch

weiter und behaupten, es ließen sich durch S. Eindrücke

aus Körper- und Gemütsleben hervorbringen, die über

die Hypnose hinauswirken und so Heilwirkungen,

Charakteränderungen, erziehliche Einflüsse etc.

befördern könnten. Krafft-Ebing will einer Person die

Körpertemperatur, die sie am nächsten Morgen zeigen

sollte, und ein französischer Arzt einer andern durch die

Eingebung, sie werde mit glühendem Eisen gebrannt, sogar

Brandblasen erzeugt haben. Auch zu persönlichen Angriffen,

Verbrechen etc. nach der Hypnose soll durch S. ein Anstoß

gegeben werden können. Diese Angaben bedürfen aber noch

sorgfältiger Prüfung. Vgl. Obersteiner, Der Hypnotismus

mit besonderer Berücksichtigung seiner klinischen und

forensischen Bedeutung (Wien 1887); v. Krafft-Ebing, Eine

experimentelle Studie auf dem Gebiet des Hypnotismus (Stuttg.

1888); Bernheim, Die S. und ihre Heilwirkung (Wien 1888).

Suggestion mentale (franz., spr.

ssüggschestióng mang-tall), die angebliche

Gedankenübertragung ohne Berührung; s. Gedankenlesen, S.

990.

Suggestivfragen (eingebende Fragen), verfängliche

Fragen des Richters an den Angeklagten oder an Zeugen, welche so

gestellt werden, daß die von letztern erst anzugebenden

Thatsachen schon von dem Richter in die Frage hineingelegt werden;

nach moderner Rechtsanschauung unstatthaft.

Sughlio, stark gewürzte Fleischbrühe, welche

mit Weißwein statt Wasser bereitet wird, dient zum Kochen von

Maccaroni, Geflügel und Wild.

Sugillation (lat.), der Austritt von Blut in die Gewebe

nach Zerreißung kleinerer Gefäße. Der Ausdruck ist

aus den Worten sub ciliis ("unter den Augenlidern") entstanden und

bedeutet ursprünglich als Succiliatio die so häufigen bei

Schlägerei vorkommenden roten Flecke der Augenlider, welche

später alle Regenbogenfarben durchmachen und in der

Volkssprache schlechtweg als blaues Auge bekannt sind.

Suheir, arab. Dichter, s. Sohair.

Suhl (Suhla), Stadt im preuß. Regierungsbezirk

Erfurt, Kreis Schleusingen, an der Südseite des Thüringer

Waldes im Thal der Hasel und an der Linie Plaue-Ritschenhausen der

Preußischen Staatsbahn, 438 m ü. M., hat 2 evang.

Kirchen, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, eine

Reichsbanknebenstelle und (1885) 10,602 meist evang. Einwohner.

Hauptnahrungszweig derselben ist Eisenwaren- und Gewehrfabrikation,

welch letztere seit Jahrhunderten in großem Ruf steht und

nicht nur Kriegswaffen aller Art, sondern auch Jagdgewehre und die

verschiedensten Luxuswaffen liefert. Andre Gewerbe sind:

Barchentweberei, Holzwaren-, Porzellan-, Lederfabrikation,

Maschinenbau etc. Über der Stadt erhebt sich der Domberg mit

dem Ottilienstein (520 m), einem aussichtsreichen Porphyrfelsen. S.

wird urkundlich zuerst 1330 als Dorf erwähnt, das durch Kauf

an die Grafen von Henneberg kam und 1527 Stadtrecht erhielt; seit

1815 gehört es zu Preußen. Vgl. Werther, Chronik der

Stadt S. (Suhl 1846-47, 2 Bde.).

Suhle, morastige Vertiefung, in welche sich Rot- und

Schwarzwild, besonders bei trocknem, heißem Wetter,

niederlegt, um sich darin zu kühlen und vom Ungeziefer,

namentlich den Hirschlausfliegen, zu reinigen. Der Hirsch

schlägt gewöhnlich zuerst mit dem Vorderlauf den Morast

zu einer breiartigen Masse, legt sich dann hinein und wälzt

sich behaglich darin umher. Beim Austreten aus der S.

schüttelt er sich den Schmutz ab und reibt (marlt) sich dabei,

wie namentlich auch die Sauen, an Bäumen. In Revieren, in

welchen es an natürlichen Suhlen fehlt, schlägt man

muldenförmige Vertiefungen mit strengem Letten aus, damit das

darin zusammenlaufende Wasser nicht in den Boden einsickern

kann.

Suhler Weißkupfer, s. Nickellegierungen.

Suhm, Ulrich Friedrich von, Freund Friedrichs d.Gr., geb.

29. April 1691 zu Dresden, studierte in Genf, kam 1720 als

kursächsischer Gesandter an den Berliner Hof, trat hier mit

dem damaligen Kronprinzen (Friedrich II.) in enge Verbindung und

stand mit demselben auch nach seinem Abgang von Berlin (1730) noch

in philosophischem Briefwechsel, der nach dem Tode des Königs

unter dem Titel: "Correspondance familiaire de

Frédéric II avec U. F. de S." (2 Bde.) erschien. 1737

ward S. Gesandter am russischen Hof; er starb im November 1740.

Sühneverfahren, gerichtliches Verfahren zum Zweck

der gütlichen Beilegung eines Rechtsstreits. Nach der

deutschen Zivilprozeßordnung (§ 268) kann das Gericht in

jeder Lage eines bürgerlichen Rechtsstreits die gütliche

Beilegung desselben oder einzelner Streitpunkte versuchen oder die

Parteien zum Zweck des Sühneversuchs vor einen beauftragten

oder ersuchten Richter verweisen. Auch kann zum Zweck des

Sühneversuchs das persönliche Erscheinen der Parteien vor

Gericht angeordnet werden. In Ehesachen muß dem Verfahren vor

dem Landgericht in der Regel ein Sühnetermin vor dem

Amtsgericht vorhergehen, bei welchem der Ehemann seinen allgemeinen

Gerichtsstand hat. Die Parteien müssen zu diesem

Sühneversuch persönlich erscheinen (§ 570 ff.).

Handelt es sich ferner um eine geringfügigere Rechtssache,

welche im einzelrichterlichen Verfahren vor dem Amtsgericht zu

verfolgen ist, so kann der Kläger zunächst seinen Gegner

zum Zweck eines Sühneversuchs vor das Amtsgericht laden

lassen. Kommt hier ein Vergleich nicht zu stande, so wird auf

Antrag beider Parteien sofort zur Verhandlung des Rechtsstreits

geschritten, indem alsdann die Klagerhebung durch den

mündlichen Vortrag der Klage erfolgt (§ 471). Bei

einfachen Beleidigungen ist nach der deutschen

Strafprozeßordnung (§ 420) die Erhebung der Klage erst

dann zulässig, wenn vor der zuständigen

Vergleichsbehörde die Sühne fruchtlos versucht worden

ist. Hierüber hat der Kläger mit der Klage eine

Bescheinigung einzureichen. Die Vergleichsbehörde ist in den

meisten deutschen Staaten der Schiedsmann (s. d.), der auch die

gütliche Beilegung von privatrechtlichen Streitigkeiten

versuchen kann.

Suicidium (lat.), Selbstmord.

Suidas, griech. Lexikograph, um 970 n. Chr., Verfasser

eines Worterklärungen und Notizen (namentlich biographische)

über die alten Schriftsteller enthaltenden lexikalischen

Werkes. Eilig und ohne Kenntnis und Kritik aus ältern

Wörterbüchern, Scholien und grammatischen Schriften

zusammengeschrieben, leidet es an zahlreichen schweren Mangeln und

Irrtümern, ist aber dennoch durch die Fülle nur hier

erhaltener Nachrichten besonders für die Litteraturgeschichte

von unschätzbarem Wert. Neuere Ausgaben besorgten Gaisford

(Oxford 1834, 3 Bde.), Bernhardy (Halle 1834-53, 2 Bde.) und Beker

(Berl. 1854). Vgl. Daub, De Suidae biographicorum origine et fide

(Leipz. 1880).

Suifon (Suifun), Fluß im Südussuriland

(ostsibirisches Küstengebiet), welcher in der Mandschurei

entspringt und sich im Sichota Alin durch eine Felsspalte in die

Peters d. Gr.-Bai Bahn bricht. Die

428

Sui juris - Suleiman Pascha.

Mündung des S. ist nur für Schiffe von 1,5 m Tiefgang

zugänglich.

Sui juris (lat.), sein eigner Herr, mündig.

Suina (Schweine), Familie der paarzehigen Huftiere.

Suinter, s. v. w. Wollschweiß.

Suir (spr. schuhr), Fluß in Irland, entspringt in

der Grafschaft Tipperary, fließt an Thurles, Caher, Carrick

und Clonmel vorbei und vereinigt sich unterhalb Waterford mit dem

Barrow (s. d.).

Suite (franz., spr. sswiht), Folge, Gefolge, besonders

von Militärpersonen, welche den Landesherrn oder höhere

Vorgesetzte bei Besichtigungen begleiten; Offiziere, welche zu

Dienststellungen außerhalb der Truppe berufen sind, wie z. B.

Lehrer an den Militärbildungsanstalten, werden "à la

s." ihres Truppenteils geführt, d. h. sie bleiben in dessen

Listen, bis ihre Wiedereinrangierung in denselben oder einen andern

Truppenteil erfolgt. - In der Musik ist S. (Partie, Partita) eine

der ältesten mehrsätzigen (cyklischen) Formen, die ihren

Ursprung in den Musikvorträgen der Kunstpfeifer hat, welche

schon im 16.-17. Jahrh. Tänze verschiedener Nationalität,

kontrastierend in Tempo und Takt, aber in der Tonart

zusammenstimmend, nacheinander vortrugen und eine solche Folge

Partie benannten. Der Name und die Form wurden im 17. Jahrh. von

den deutschen Klavierkomponisten aufgegriffen, welche auch die in

ähnlicher Weise aus mehreren Stücken zusammengesetzten

Variationen (Doubles) als Partie bezeichneten. Durch diese sowie

durch die Violinkomponisten (Corelli) wurden allmählich die

Formen der Tanzstücke erweitert, es begannen aber bald die

verschiedenen Teile durch überhandnehmende Figuration, wie sie

der Violine gemaß war, ihre charakteristischen Merkmale zu

verlieren, und es ist das Verdienst der französischen

Klavierkomponisten (Couperin), die Rhythmik wieder schärfer

präzisiert zu haben. Ihre letzte Ausbildung erfuhr die

Kammersuite durch J. S. Bach. Neben den Tanzstücken fanden

später auch die Introduktion, das Präludium, die Fuge,

die Tokkata, der Marsch und das Thema mit Variationen Aufnahme in

die S. In neuerer Zeit ist die S. auf volles Orchester

übertragen und zu großem Umfang ausgestaltet worden,

besonders durch Franz Lachner, der in seinen Suiten große

kontrapunktische Meisterleistungen hingestellt hat. Die vier

charakteristischen Teile der ältern S. sind: Allemande,

Courante, Sarabande und Gigue; wurden mehr Sätze eingeschoben

(Intermezzi: Gavotte, Passepied, Branle, Bourrée, Menuett,

auch Doubles über ein Tanzstück), so geschah das in der

Regel zwischen Sarabande und Gigue. Selten erscheint ein

eingeschobener Satz vor der Sarabande. über den Charakter der

einzelnen Sätze s. die Spezialartikel.

Suiten (vulgär Schwieten gesprochen), mutwillige,

lose Streiche; Suitier (Schwietjeh), Streichemacher, lustiger

Bruder.

Sujet (franz., spr. ssüscheh), s. v. w. Subjekt;

Gegenstand, besonders Stoff einer Rede etc.

Sukkade (ital.), kandierte Schale verschiedener

Citrus-Arten, besonders Zitronat.

Sukkador, Holzart, s. Jacaranda.

Sukkuba (lat.), nach dem mittelalterlichen Volksglauben

ein dem Inkubus (s. d.) ähnlicher weiblicher Nachtgeist (vgl.

Alp).

Sukkulent (lat.), saftig, kraftvoll, nahrhaft; Sukkulenz,

Saftfülle, Nahrhaftigkeit.

Sukkulenten (Succulentae), 1) Fettpflanzen, im

allgemeinen alle Gewächse mit fetten, saftreichen

Blättern oder mit sehr dicken, fleischigen, grünen

Stengeln mit rudimentären Blättern oder ganz ohne solche,

daher die meisten aus den Familien der Krassulaceen, Kakteen,

Mesembryanthemeen und den Gattungen Aloe, Agave etc. Die

oberirdischen Stengel dieser Pflanzen sterben meist nicht, wie die

der echten Kräuter, alljährlich ab, sondern dauern mit

ihren Blättern mehrere, oft viele Jahre. Sie können

Trockenheit der Umgebung länger als andre Gewächse

schadlos ertragen, weil ihre Transpiration äußerst

gering ist, so daß ihr ungewöhnlicher Wasserreichtum in

den voluminösen Organen zurückgehalten wird. -

2) (Opuntinae) Ordnung im natürlichen Pflanzensystem unter

den Dikotyledonen, Choripetalen mit dicken, fleischigen

Blättern oder, wenn diese nicht ausgebildet sind, mit

fleischigem, kugeligem bis säulenförmigem oder

zusammengedrücktem, grünem Stamm, die Blüten mit

Kelch- und Blumenblättern, welche, meist in großer

Anzahl, bald in Quirlen, bald in Spiralen geordnet sind, ebenso

gestellten Staubgefäßen und unter-, seltener

oberständigem Fruchtknoten mit meist wandständiger

Placenta, umfaßt die Familie der Kakteen und in einigen

Systemen auch die der Mesembryanthemeen. S. Tafel "Kakteen".

Sukkumbeuzgeld, Buße, welche im bürgerlichen

Rechtsstreit der mit einem Rechtsmittel (Berufung, Revision etc.)

Abgewiesene an die Staatskasse zu entrichten hat. Wo

partikularrechtlich in Deutschland ein S. vorkam, ist es durch die

deutsche Zivilprozeßordnung beseitigt. Das französische

Recht kennt dagegen das S. in der Form eines Einsatzes, welchen der

Beschwerdeführer an die Staatskasse verliert, wenn seine

Beschwerde abgewiesen wird. Das S. bezweckt die Verhütung des

leichtfertigen Gebrauchs von Rechtsmitteln.

Sukkumbieren (lat.), unterliegen, verlieren; Sukkumbenz,

das Unterliegen.

Sukkurrieren (lat.), beispringen, zu Hilfe eilen.

Sukkurs (lat.), Hilfe, Beistand, Unterstützung;

Sukkursale, Filiale eines Handlungshauses etc.

Sulamith (hebr., d. h. Mädchen aus Sulem oder

Sunem), die Braut im Hohenlied Salomos (7, 1).

Suleika, pers. Frauenname, unter welchem Goethe im

"Westöstlichen Diwan" seine Freundin Marianne v. Willemer (s.

d.) verherrlicht.

Suleiman, s. Soliman.

Suleimankette (Suleimankoh), Meridiangebirge im

östlichen Afghanistan, an der Grenze gegen Indien, erreicht im

Takht i Suleiman 3441 m Höhe, geht im W. in ein Hochland

über, fällt steil gegen Indien ab und ist von hier nur in

tief eingeriffenen, schwer zugänglichen Flußthälern

zu übersteigen.

Suleiman Pascha, türk. General, geb. 1838 in

Thrakien, wurde in der Militärschule erzogen, trat 1854 in die

Armee, ward schon 1862 Kapitän und kämpfte mit

Auszeichnung in Montenegro, wurde darauf als Bataillonskommandeur

in die Kaisergarde versetzt und 1867 nach Kreta gesandt, wo er

namentlich bei Erstürmung des Bergs Rova ein hervorragendes

strategisches Talent entwickelte, und, nach Konstantinopel

zurückgekehrt, Professor der Litteratur an der Kriegsschule.

Er schrieb in dieser Zeit mehrere wissenschaftliche Werke,

namentlich eine allgemeine Geschichte in drei Bänden und eine

Grammatik der türkischen Sprache, kämpfte unter Redif

Pascha in Jemen, avancierte dann zum Generalmajor und Unterdirektor

der Militärschule, endlich zum Direktor derselben, die er nach

europäischem Muster erweiterte und verbesserte, und nahm an

der Verschwörung zur Entthronung Abd ul Asis' teil. 1875

zum

429

Sulfat - Sulla.

Divisionsgeneral (Ferik) befördert, befehligte er im

serbischen Krieg 1876 zuerst eine Division, dann ein Korps, nahm

Knjaschewatz und die Höhen von Djunis und drang als einer der

ersten in Alexinatz ein. 1877 ward er zum Muschir und

Oberkommandanten von Bosnien und der Herzegowina ernannt,

verproviantierte Nikschitz und rückte in Montenegro ein, wurde

aber im Juli, als die Russen in Rumelien eindrangen,

zurückgerufen. Er warf dieselben bei Eski Zagra zurück,

griff sie 21.-26. Aug. vergeblich im Schipkapaß an, wobei er

seine vortreffliche Armee zu Grunde richtete, setzte auch im

September seine Angriffe hartnäckig fort, ward 2. Okt.

Oberbefehlshaber der Donauarmee, richtete aber nichts aus und ging

im Januar 1878 mit einem Teil derselben über den Balkan

zurück. Bei Philippopel ward 16. und 17. Jan. sein Heer

völlig zersprengt, S. im März zu Konstantinopel verhaftet

und vor ein Kriegsgericht gestellt und 2. Dez. besonders wegen

seines Verfahrens in Rumelien zur Degradation und zu 15 Jahren

Festung verurteilt, aber vom Sultan begnadigt. Er starb 15. April

1883. Vgl. Macrides, Procès de S. (Konstant. 1879).

Sulfat, s. v. w. schwefelsaures Natron; in der

Färberei s. v. w. schwefelsaure Thonerde; Sulfate, s. v. w.

Schwefelsäuresalze; z. B. Kaliumsulfat, schwefelsaures

Kali.

Sulfatofen, s. Soda, S. 1047.

Sulfide, s. Schwefelmetalle.

Sulfindigosäure, s. Indigo, S. 919.

Sulfite, s. v. w. Schwefligsäuresalze; z. B.

Natriumsulfit, schwefligsaures Natron.

Sulfobasen, s. Schwefelmetalle.

Sulfocarbonate, s. Schwefelkohlenstoff.

Sulfocyan, s. v. w. Rhodan.

Sulfonal (Diäthylsulfondimethylmethan), ein

Oxydationsprodukt einer Verbindung von Äthylmerkaptan mit

Aceton, bildet farb-, geruch- und geschmacklose, gut lösliche

Kristalle und kann als schlafbringendes Mittel dem Morphium und

Chloral an die Seite gestellt werden, ja es übertrifft

dieselben in mancher Hinsicht, da es deren nachteilige Wirkung auf

Puls, Atmung und Körpertemperatur nicht teilt. Bei

Schlaflosigkeit durch Herzfehler, fieberhafte Krankheiten, welche

die Anwendung von Morphium oder Chloral ausschließen, leistet

S. ausgezeichnete Dienste, ebenso besonders bei Schlaflosigkeit aus

nervösen Ursachen, bei Geisteskrankheiten und bei Kindern. Der

Schlaf tritt erst nach einer halben bis ganzen Stunde ein, aber er

ist tief, dauert 6-8 Stunden, und Nebenwirkungen, wie Kopfschmerz

etc., treten selten ein.

Sulfopurpursäure, s. Indigo, S. 919.

Sulfosalze, s. Salze, S. 245, u. Schwefelmetalle.

Sulfosäuren, s. Säuren und Schwefelmetalle.

Sulfostannat, s. Zinnsulfide.

Sulfozon, mit schwefliger Säure imprägnierte

Schwefelblumen, dient als Desinfektionsmittel und gegen Parasiten

auf Pflanzen.

Sulfur (Sulphur, lat.), Schwefel; S. auratum Antimonii,

S. stibiatum aurantiacum, Goldschwefel, s. Antimonsulfide; S.

depuratum, gewaschene Schwefelblüte, s. Schwefel, S. 724; S.

jodatum, Jodschwefel, aus 1 Teil Schwefel und 4 Teilen Jod

zusammengeschmolzen; S. praecipitatum, Schwefelmilch, s. Schwefel,

S. 725; S. stibiatum rubeum, Stibium sulfuratum rubeum,

Mineralkermes, s. Antimonsulfide; S. sublimatum,

Schwefelblumen.

Sulfüre, Sulfurete, s. Schwefelmetalle.

Sulfuröl, s. Olivenöl.

Sulina, der zweite Hauptmündungsarm der Donau (s.

d., S. 54 u. 55). An der Südseite desselben liegt im

rumänischen Kreis Tultscha (Dobrudscha) die Stadt S., mit

Leuchtturm und 5000 Einw., Sitz eines Pilotenkorps, Freihafen (seit

1879) und Hauptstationsort für die Dampsschiffahrt nach

Odessa. S. wurde 8. Okt. 1877 von den Russen beschossen und arg

verwüstet.

Sulingen (Suhlingen), Flecken und Kreishauptort im

preuß. Regierungsbezirk Hannover, hat eine evang. Kirche, ein

Amtsgericht, bedeutende Sensenfabrikation und (1885) 1645 Einw.

Hier 3. Juni 1803 Konvention zwischen Franzosen und

Hannoveranern.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 124 / 302 段