renfreistaat Nieuwe Republik entstand, wodurch die Buren einen

Weg zum Indischen Ozean gewinnen wollten, annektierte England auch

hier das sämtliche noch freie Land und nötigte die Buren,

ihre Ansprüche auf die Meeresküste zurückzuziehen.

Somit war die S. R. rings von englischem Gebiet umschlossen. Nur

nach der Delagoabai blieb noch ein Weg durch portugiesisches

Gebiet, und hier ist denn auch bereits der Anfang zu einer

Eisenbahn gemacht worden, welcher das Innere der Republik mit

diesem Hafen verbinden soll (s. oben). Ein 1888 gemachter Versuch,

die Burenrepublik in einem alle von Europäern gegründeten

Staaten Südafrikas umfassenden Zollverband zu vereinigen,

verlief ohne Ergebnis, vielmehr schlossen sich die

Oranjefluß-Republik und die S. R. enger aneinander durch

einen Zollverband. Vgl. Jeppe, Die Transvaalsche Republik (Gotha

1868); E. v. Weber, Vier Jahre in Südafrika 1871-75 (Leipz.

1878,2 Bde.); Aylward, Transvaal of to-day (neue Ausg.,Lond. 1881);

Roorda-Smit, Die Transvaalrepublik und ihre Entstehung (2. Aufl.,

deutsch, Köln 1884); Nixon, Complete story of the Transvaal

(Lond. 1885); Bellairs, The Transvaal war 1880-81 (das. 1885);

Klössel, Die südafrikanischen Republiken (Leipz. 1888);

Heitmann, Transvaal (das. 1888); Jeppe, Transvaal Book. Almanac for

1887 (Maritzburg 1887); Merensky, Erinnerungen aus dem

Missionsleben in Südostafrika (Bielef. 1888).

Sudak (Ssudak), Flecken im russ. Gouvernement Taurien, am

Schwarzen Meer und am Südabhang der Krimschen Berge, 40 km von

Feodosia, hat bedeutenden Exporthandel in Wein und getrockneten

Früchten. Es war schon im 8. Jahrh. ein wichtiger Handelsplatz

der Byzantiner und kam im 13. Jahrh. in den Besitz der Venezianer.

1365 entrissen die Genuesen die Stadt den Venezianern und erbauten

eine Festung, deren Überreste noch heute erkennbar sind. Zu

Ende des 14. Jahrh. setzten sich die Türken hier fest, bis

nach dem Untergang des krimschen Chanats die russische Herrschaft

begann. Eine gleichnamige deutsche Kolonie liegt 3 km entfernt.

Südamerika, s. Amerika.

Sudamina (lat.), Schweiß- oder

Hitzblätterchen, Schweißfriesel (s. Friesel).

Sudan (Nigritien, Nigerland), vom arabischen

áswad, "schwarz", plur.: sud, der Teil des Binnenlandes von

Nordafrika, welcher im N. von der Sahara begrenzt wird, im

Süden bis an den Äquator, im W. bis an den Fuß der

innern Bergländer von Senegambien und Guinea, im O. bis an die

zwischen Dar Fur und Kordofan liegende Wüste sowie bis an den

Fuß der abessinischen Gebirge reicht und etwa 16 Breiten- und

36-40 Längengrade umfaßt (s. Karte "Ägypten etc.").

S. begreift hiernach außer dem langen und breiten Thal des

mittlern Nigerlaufs auch die östlich von letzterm unter

gleichen Breitengraden gelegenen sowie die im Süden bis an den

Äquator sich erstreckenden Länder (Bambarra, Dschinni,

Haussa, Bornu, Mandara, Baghirmi, Wadai, Dar Fur etc.). Die

ägyptische Geschäftssprache bezeichnet mit Sudanland

(Beled es= S.) insbesondere die Länder Dar Fur, Kordofan und

Senaar. Vgl. Afrika und die einzelnen Länderartikel. S. ward

1874 von den Ägyptern erobert und ägyptische Provinz.

1881 aber erhob sich der Mahdi (s. d.) im S. und riß

während des Aufstandes Arabi Paschas in Ägypten die

Herrschaft an sich. Ein Versuch der Ägypter unter Hicks

Pascha, S. wiederzu erobern, endete mit der Vernichtung des

ägyptischen Heers bei Kaschgil (3. Nov. 1883). Die

Engländer schickten darauf im Januar 1884 Gordon, der

ägyptischer Gouverneur Sudans gewesen war, nach S., um die

Bevölkerung auf friedliche Weise wiederzugewinnen, sandten

aber gleichzeitig ägyptische Truppen unter Baker Pascha nach

Suakin am Roten Meer, um von hier aus in S. einzudringen. Der erste

Versuch der Ägypter hatte ihre Niederlage am Teb (4. Febr.

1884) gegen Osman Digma zur Folge. Nachgesandte englische Truppen

unter General Graham siegten zwar über die Aufständischen

bei Teb (29. Febr.) und bei Tamanieb (13. März) über

Osman Digma, doch wurde der weitere Vormarsch ins Innere

aufgegeben. Gordon richtete in Chartum durch gütliche

Verhandlungen nichts aus und wurde sogar von den

Aufständischen eingeschlossen. Die Engländer rückten

unter General Wolseley nilaufwärts vor, um ihn zu entsetzen,

doch kamen sie zu spät: 26.Jan. 1885 wurde Chartum von den

Anhängern des Mahdi erstürmt und Gordon getötet. Die

ägyptische Regierung verzichtete nun auf die Wiedereroberung

Sudans. Vgl. Nachtigal,Sahara und S. (Berl. u.Leipz. 1879-89, 3

Bde.); James, The wild tribes of the Soudan (2. Aufl., Lond. 1884);

Wilson u. Felkin, Uganda und der ägyptische S. (deutsch,

Stuttg. 1883); Paulitschke, Die Sudanländer (Freiburg 1884);

Buchta, Der S. unter ägyptischer Herrschaft (Leipz. 1888).

Sudation (lat.), das Schwitzen; Sudatorium, Schwitzbad,

Schwitzkasten.

Südaustralien, britisch-austral. Kolonie, begreift

den ganzen mittlern Teil des Australkontinents (s. Karte

"Australien") zwischen dem Indischen Ozean im Süden und dem

Timormeer im N., dem 129.° östl. L. v. Gr. im W. (gegen

Westaustralien) und Queensland, Neusüdwales und Victoria im O.

und besteht aus dem 983,655 qkm (17,864 QM.) großen

eigentlichen S., das vom Südlichen Ozean bis zum 26.°

südl. Br. reicht, und dem 1,356,120 qkm (24,628 QM.)

großen Nordterritorium nördlich davon. Über das

letztere s. den betreffenden Artikel. Das eigentliche S. hat zwei

tief ins Land eindringende Meereseinschnitte: den Spencergolf und

den Golf St. Vincent, gebildet durch die Halbinseln Eyria, York und

Kap Jervis; östlich von letzterm dringt auch die Encounterbai,

in welche der Murray mündet, tiefer ein. Vor dem Vincentgolf

liegt die große Känguruhinsel, die einzige bedeutendere

der Küste. Vom Kap Jervis im Süden erstreckt sich

nordwärts die MountLoftykette und daran anschließend die

Flinderskette (aus Sandstein, Schiefer und Kalkstein bestehend) mit

den höchsten Erhebungen (nicht über 1000 m) des Landes.

Nur auf diesen Bergen und in deren nächster Nachbarschaft

sowie in dem schönen Mount Gambierdistrikt mit ausgestorbenen

Vulkanen, Basalt- und Tropfsteinhöhlen im SO. fällt

hinreichender Regen, um das Land genügend für den

Ackerbau zu befeuchten. Von Süden nach N. schwindet derselbe

mehr und mehr, auch gegen W. und O. zu herrscht große

Dürre, die Gawlerberge auf der Eyriahalbinsel sind völlig

dürr und kahl. Beständig fließende Flüsse gibt

es daher außer dem Murray, der die Kolonie im SO.

durchfließt und vor seiner Mündung die

Süßwasserseen Alexandrina und Albert bildet, gar nicht,

die zahlreichen Seen (Torrens, Eyre, Frome, Gairdner u. a.) sind

nur schreckliche Salzsümpfe und ihre Nachbarschaft meist

traurige Wüste. Doch gibt es um den Eyresee zahlreiche zu Tage

tretende Quellen in freilich unfruchtbarer Gegend, auch hat man in

neuester Zeit durch Bohrungen große Waffervorräte

erschlossen. Das Klima ist durchaus gesund, in Adelaide steigt die

Temperatur im Januar bis

27*

420

Südbrabant - Südcarolina.

45° C. und sinkt im August bis 2° C.; Gewitter,

Hagelschlag und heftige Regengüsse sind namentlich im Sommer

häufig, dann machen sich auch die aus dem Innern wehenden

glühenden Winde sehr zum Schaden der Vegetation bemerkbar. Die

einheimische Pflanzen- und Tierwelt unterscheidet sich in nichts

von denen des übrigen Australien. Die europäischen

Ansiedler haben die Orange, Olive, den Pfirsich- und Feigenbaum,

den Weinstock sowie Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln u. a.

eingeführt; namentlich zeichnet sich die Kolonie durch ihren

vorzüglichen Weizen aus, der nebst Mehl Absatz in England

findet, auch der Wein gewinnt jetzt dort Freunde. Von den 1,9 Mill.

Hektar kultivierten Landes waren 1885 mit Wetzen bestellt 776,981

Hektar, mit Wein bepflanzt 1836 Hektar. Infolge ihrer Trockenheit

eignet sich die Kolonie vornehmlich für Schafzucht; man

zählte 1884: 6,696,406 Schafe, 389,726 Rinder, 168,420 Pferde

und 163,807 Schweine. An Mineralien ist das Land reich. Die

frühern außerordentlichen Erträge von Kupfer

(Kapunda, Wallaroo, Moonta, Blinman) haben zwar sehr nachgelassen,

und die Bearbeitung der Silber-, Blei- und Eisengruben hat man ganz

aufgegeben; dafür findet man Wismut und Gold, letzteres in

neuester Zeit in der ganzen mittlern Gebirgskette vom Süden

bis zum hohen Norden. Kohle aber hat man trotz eifriger Forschungen

bis jetzt nirgends entdeckt, dieselbe muß aus Newcastle und

Neusüdwales eingeführt werden. Die Bevölkerung

(1887: 317,446, wovon 65,199 männlich, 52,247 weiblich) ist

fast ganz britisch; die Zahl der Deutschen, welche in der

Hauptstadt stark vertreten sind und eine Reihe ganz deutscher

Ortschaften gegründet haben, wie Hahndorf, Lobethal, Tanunda

u. a., mag 30,000 betragen. Die der sehr zusammengeschmolzenen

Eingeborgen (s. Tafel "Ozeanische Völker", Fig. 1 u. 2),

welche man 1836 noch auf 12,000 schätzte, wurde 1881 auf 5628

ermittelt. Hinsichtlich der Religion folgen ihrer numerischen

Stärke nach aufeinander: Anglikaner, Katholiken, Wesleyaner,

Lutheraner, Presbyterianer etc. Die Industrie entwickelt sich

kräftig; nennenswert sind die Mahlmühlen (meist mit

Dampfbetrieb), Anstalten für den Bau landwirtschaftlicher

Maschinen und Geräte, Gerbereien, Brauereien. Der

auswärtige Handel geht zum allergrößten Teil

über den Hafen der Hauptstadt, Port Adelaide, dann über

Port Augusta. Ausgeführt werden namentlich Wolle (1884

für 2,6, 1887 nur für 2 Mill. Pfd. Sterl.), ferner

Weizen, Mehl, Kupfer, Häute und Felle, Talg, Gerberrinde, im

ganzen 1884 für 6,6, 1887 nur für 5,3 Mill. Pfd. Sterl.

Die Einfuhr (1887 nur 5,1 Mill. Pfd. Sterl.) besteht in Geweben,

Eisenwaren, Thee, Zucker etc. Der Tonnengehalt der in allen

Häfen der Kolonie ein- und ausgelaufenen Schiffe betrug

1,677,833 Ton., die Kolonie besaß selber eine Handelsflotte

von 230 Segelschiffen von 27,640 T. und 94 Dampfern von 10,890 T.

Die Eisenbahnen hatten Ende 1887 eine Länge von 2272 km, die

Telegraphenlinien von 8756 km. Eine große Telegraphenlinie

läuft von Adelaide quer durch den Kontinent nach Port Darwin

im N. zum Anschluß an ein untermeerisches Kabel, wodurch

Australien in direkte Verbindung mit Europa gebracht wird; eine

andre große Linie geht nach Westaustralien. Die Verfassung

ist der englischen nachgebildet; dem Gouverneur steht ein

verantwortliches Ministerium, Oberhaus und Unterhaus zur Seite. Die

Einnahmen betrugen 1887: 2,014,102, die Ausgaben 2,145,135, die

Schuld der Kolonie 19,168,500 Pfd. Sterl. Für das Schulwesen

wurde in jüngster Zeit viel gethan, und der Schulbesuch ist

ziemlich allgemein; die höhern Schulen sind meist

Gründungen religiöser Gemeinden oder Privatanstalten. In

Adelaide besteht eine Universität nach englischem Muster,

öffentliche Bibliotheken sind an vielen Orten vorhanden; die

Presse ist stark vertreten. Für die Verteidigung der Kolonie

besteht ein Freiwilligenkorps, auch besitzt die Kolonie ein kleines

Kriegsschiff. Vgl. Trollope, South Australia and West Australia

(Lond. 1874); Harcus, South Australia (das. 1876); Stow, South

Australia (Adelaide 1883); Jung, Der Weltteil Australien, Bd. 2

(Leipz. 1882).

Südbrabant, belg. Provinz, s. Brabant.

Sudbury (spr. ssöddberi), Stadt in der engl.

Grafschaft Suffolk, am Stour, hat Seiden- und Samtweberei,

Ziegelbrennerei, Malzdarren, eine Kornbörse und (1881) 6584

Einw.

Südcarolina (South Carolina, abgekürzt S. C.),

einer der südlichen Staaten der nordamerikan. Union, am

Atlantischen Meer zwischen Nordcarolina und Georgia gelegen,

zerfällt der Bodengestaltnng nach in drei scharf geschiedene

Teile: Unter-, Mittel- und Oberland. Das erstere, das sich von der

See aus etwa 130 km weit landeinwärts erstreckt, ist niedrige

Ebene und besteht größtenteils aus Pine Barrens,

unterbrochen von Sümpfen und Savannen; es gehören zu ihm

die sogen. Sea Islands, vom Festland durch Flußarme

abgetrennte Inseln. Das Mittelland, in der Breite von 50-70 km,

besteht hauptsächlich aus Sandhügeln; das Oberland

dagegen, im W., ist ein ziemlich steil aufsteigendes romantisches

Hochland, aus dem sich die Berge der Blue Ridge bis zur Höhe

von 1220 m erheben. Noch 60 Proz. des Staats sind bewaldet,

vorwiegend mit Föhren. Die Hauptflüsse sind: der Great

Pedee (Yadkin), Santee, Ashley, Edisto und Savannah, der

Grenzfluß gegen Georgia. Die mittlere Jahrestemperatur bewegt

sich zwischen 15 und 20° C., und es fallen 1200-1500 mm Regen.

S. hat ein Areal von 78,616 qkm (1609,4 QM.) mit (1880) 995,577

Einw., worunter 604,332 Farbige. Die Schulen wurden 1886 von

183,966 Kindern besucht; 21 Proz. der über 10 Jahre alten

Weißen und 78 Proz. der Farbigen sind des Schreibens

unkundig. An höhern Bildungsanstalten bestehen 9 Colleges mit

1075 Studenten. Die Landwirtschaft beschäftigt 76 Proz. der

Bevölkerung, und 1,677,330 Hektar sind der Kultur gewonnen.

Gebaut werden namentlich Mais, Reis (an der Küste) und Hafer,

Bataten, Baumwolle (1880: 522,548 Ballen) und Zucker. An Vieh

zählte man 1880: 61,000 Pferde, 67,000 Maultiere, 365,000

Rinder, 119,000 Schafe und 628,000 Schweine. Die Fischereien

beschäftigten 1880: 1005 Personen mit 523 Booten. Gold wird im

W. gewonnen, und auch Eisen, Kupfer und Blei kommen vor. Dagegen

werden Porzellanerde, Bausteine und namentlich Phosphorite in

bedeutenden Mengen gewonnen, und die Herstellung eines

künstlichen Düngers aus denselben beschäftigte 1880:

9059 Arbeiter. Wichtig ist noch die Gewinnung von Teer und

Terpentin (4619 Arbeiter). Sonst ist die Industrie unbedeutend,

doch gab es 1880 bereits 14 Baumwollfabriken mit 2018 Arbeitern.

Der Staat besitzt (1886) 227 Seeschiffe von 12,806 Ton. Gehalt und

ein Eisenbahnnetz von 2772 km. Die alte Verfassung von 1775, eine

der am wenigsten demokratischen, wurde 1868 durch eine neue

ersetzt, durch welche den Farbigen die Rechte von Bürgern

verliehen wurden. Die gesetzgebende Gewalt wird ausgeübt von

einer General Assembly, welche aus einem Senat von 35 Mitgliedern

und einem Repräsentantenhaus von 124 Mit-

421

Süden - Südliches Kreuz.

gliedern besteht. Der Governor und die höhern Beamten

werden auf 2 Jahre vom Volk gewählt. Die Richter ernennen der

Governor und die Assembly auf 6 Jahre. Die Einnahmen beliefen sich

1885 auf 1,065,001 Dollar; die Staatsschuld betrug 1887: 6,399,742

Doll. Hauptstadt ist Columbia, die bedeutendste Stadt aber

Charleston. - S. bildete seit der Trennung von Nordcarolina 1729

(s. Carolina) eine besondere Kolonie und schloß sich 1775 der

Erhebung gegen England an, nach deren Sieg es einen Staat der Union

bildete. Im Bürgerkrieg 1861-65 war S. einer der eifrigsten

Staaten der Konföderation des Südens und war in der

letzten Periode desselben 1865 Kriegsschauplatz. Die früher

wohlgeordneten Finanzen wurden durch den Krieg und die

nachfolgenden Wirren gänzlich zerrüttet, und die

Staatsschuld war 1875 zur angeblichen Höhe von 68 Mill. Mk.

angewachsen, betrug jedoch thatsächlich noch weit mehr.

Süden, s. v. w. Mittag.

Suderode, Dorf im preuß. Regierungsbezirk

Magdeburg, Kreis Aschersleben, bei Gernrode, am Nordfuß des

Harzes und an der Linie Frose-Quedlinburg der Preußischen

Staatsbahn gelegen, hat eine evang. Kirche, ein besuchtes Bad

(Beringer Brunnen, s. d., 1887: 3364 Kurgäste) und (1885) 1189

Einw. Vgl. Reinhardt, Bad S. (Suderode 1881).

Süderoog, eine der nordfriesischen Inseln im

schleswigschen Wattenmeer, südwestlich von Pellworm.

Sudeten (sudetisches Gebirgssystem), im weitern Sinn

geographische Bezeichnung einer Anzahl nach Form und geognostischer

Beschaffenheit sehr verschiedener Gebirgszüge und

Gebirgsgruppen, die sich vom Elbdurchbruch an in

südöstlicher Richtung bis zu der Einsenkung erstrecken,

welche das deutsche Bergland von den Karpathen trennt (s. Karte

"Schlesien"). Die Längenachse dieser Gebirgsmasse beträgt

340, die Breite 60-90 km. Die Kuppen und Hochkämme ragen zum

Teil über die obere Grenze der Nadelholzregion (1230 m) hinaus

und zeigen hinsichtlich der Form der Gipfel und der Thalränder

wie des Pflanzenwuchses alpinen Charakter, während das

hügelige Vorland gut kultiviert ist. Das

südöstlichste und ausgedehnteste Glied dieses

Gebirgssystem ist das Mährisch-Schlesische Gebirge, bestehend

aus dem Mährisch-Schlesischen Gesenke (Gessénike),bis

zu 777 m Höhe, das zwischen Oder und Betschwa auch Odergebirge

heißt, als dem südöstlichsten, und dem

Altvatergebirge oder den S. im engern Sinn, im Altvater 1490 m

hoch, als dem nordwestlichsten Teil. Vom Altvater breiten sich die

allmählich abfallenden Züge nach Süden und SO., N.

und NW. gegen die Thäler der Oder und Oppa strahlenartig aus,

indem die nördlichen Verzweigungen in der Bischofskuppe noch

886 m hoch ansteigen, sich dann aber in das Tiefland der obern Oder

verflachen. Nordwestlich streicht ein Querzug nach NO., der

Hunsrück, der nur eine kurze Strecke über 1000 m hoch ist

und steil gegen das Neißethal bei Neiße abfällt.

In der Längenachse der Gebirgsmasse nach NW. streicht das

Reichensteiner Gebirge, mit dem Jauersberg (882 m), bis zu dem

Warthaberg (619 m), wo das Durchbruchstal der Glatzer Neiße

(280-290 m) diesen Gebirgszug begrenzt. Von dem Knotenpunkt des

Hunsrücks nach SW. zieht sich längs der

böhmisch-schlesischen Grenze das Glatzer Schneegebirge, mit

dem Großen oder Spieglitzer Schneeberg (1424), dann von dem

südlichen Ende der Grafschaft Glatz das Habelschwerdter

Gebirge, mit dem Kohlberg (963 m), nach NW., und von diesem durch

das Thal der Erlitz geschieden, laufen die Böhmischen

Kämme oder das Adlergebirge, mit der Hohen Mense (1085 m),

beinahe parallel. Nördlich von letztgenannter Kuppe trennt ein

tief einschneidender Paß die an ihrem Nordende durch die

sumpfige Hochfläche der Seefelder (784 m) verbundenen

Habelschwerdter Gebirge und Böhmischen Kämme, zusammen

auch Erlitzgebirge genannt, von dem scharf begrenzten

Sandsteinplateau der Heuscheuer, auf dessen bewaldeter, 750 m hoher

Fläche sich die Kuppe der Großen Heuscheuer (920 m)

erhebt. Weiter nach NW. liegt ein andres zerklüftetes

Sandsteinplateau, das Adersbacher Gebirge (780 m). Von dem

Durchbruch der Neiße bei Wartha aber gegen NW. erstreckt sich

in der Längenachse des südlichen Sudetenzugs das

Eulengebirge, mit der Hohen Eule (1000 m), bis an die Weistritz,

und aus dem nördlichen Vorland desselben steigt der Zobten

(718 m) empor. Westlich von der Weistritz breitet sich eine

Berglandschaft aus, die mit dem Gesamtnamen Niederschlesisches

Steinkohlengebirge, in einzelnen Teilen auch Waldenburger und

Schweidnitzer Gebirge benannt wird, im Hochwald 840, im Sattelwald

778, im Heidelberg 954 m erreicht und im. W. in das bis zum Bober

reichende Katzbachgebirge (Hohe Kullge 740 m) übergeht. Der

bedeutend niedergedrückte und verbreiterte Hauptkamm zieht

sich nach NW. im Überschargebirge (640 m) bis an die

Boberquelle fort. Dann folgen von Süden nach N. sich

aneinander reihend das Rabengebirge, der Schmiedeberger Kamm, mit

dem Forstberg (982 m), und der Landeshuter Kamm, mit dem

Friesenstein (800 m), sämtlich mit breiten, dicht bewaldeten,

abgerundeten Kuppen. Da, wo das Rabengebirge und der Schmiedeberger

Kamm bei den Grenzbauden zusammentreffen, beginnt das

Riesengebirge, das eigentliche Hochgebirge des Systems, mit der

1603 m hohen Schneekoppe, dem südlich parallel der

Böhmische Kamm (Brunnberg 1502 m) zieht, und an das sich im

NW. das Isergebirge, mit der 1123 m hohen Tafelfichte,

anschließt. Das Ende des ganzen Gebirgssystems bildet das

Lausitzer Gebirge, im Jeschken 1013, in der Lausche 796 m hoch,

welches sich links der Neiße und an der

sächsisch-böhmischen Grenze hinzieht. Von diesem, als dem

letzten Gliede des ganzen Gebirgssystems, treten einzelne

Vorhöhen, darunter die vulkanische Landskrone (432 m) bei

Görlitz, auf preußisches Gebiet über. Näheres

s. die einzelnen Artikel.

Südfall, eine der nordsriesischen Inseln im

schleswigschen Wattenmeer, südöstlich von Pellworm.

Südfrüchte, aus Südeuropa, bez. Nordafrika

frisch, trocken oder eingemacht eingeführte, den dortigen

Ländern eigenartige Fruchtsorten, wie z. B. Apfelsinen,

Zitronen, Datteln, Feigen, Traubenrosinen etc.

Sudhaus, der Teil einer Bierbrauerei, in welchem die

Würze gekocht wird.

Südhollaud, Provinz, s. Holland, S. 655.

Sudler, bei den Landsknechten (s. d.) der Koch; Sudlerin,

die Marketenderin.

Südliche Krone, Sternbild, s. Krone, S. 248.

Südlicher Kontinent, s.

Südpolarländer.

Südliches Dreieck, Sternbild der südlichen

Hemisphäre, zwischen Paradiesvogel, Altar, Lineal und

Winkelmaß, Zirkel und Kentaur, nahe der Milchstraße,

mit einem Stern zweiter, zwei dritter Größe.

Südliches Eismeer, s. Eismeer, S. 487.

Südliches Kreuz, kleines Sternbild der

südlichen Halbkugel, im engsten Teil der Milchstraße,

rechts neben der dunkeln Region des sogen. Kohlensacks, unweit des

Pols der Ekliptik gelegen. Es wird gebildet durch vier helle

Sterne, welche in den Ecken

422

Südliches Kreuz (Orden) - Südpolarländer.

eines Vierecks stehen,dessen Diagonalen das Kreuz darstellen;

der eine Arm des letztern, an dessen Ende der Hauptstern erster

Größe steht, ist länger als der andre (s. Figur).

Schon Vespucci gedenkt desselben auf seiner dritten Reise (1501),

und von Corsali (1517) wird es bereits als "Wunderkreuz"

bezeichnet. Dante (im Eingang seines "Fegfeuers") kannte es

wahrscheinlich aus arabischen Quellen. Das Sternbild ist

Flaggenzeichen der Deutschen Ostafrikanischen Gesellschaft (s.

Tafel "Flaggen II"). Danach ist auch benannt der Orden vom

südlichen Kreuz, höchster brasilischer Orden, gestiftet

1. Dez. 1822 vom Kaiser Dom Pedro I. zur Erinnerung an seine

Berufung auf den Thron und so benannt mit Anspielung auf die

geographische Lage des Reichs, in welchem sich das Sternbild des

südlichen Kreuzes zeigt. Der Orden hat vier Klassen:

Großkreuze, Dignitäre, Offiziere und Ritter. Die

Dekoration besteht in einem fünfarmigen, weiß

emaillierten Goldkreuz, durchwunden von einem Kranz aus Kaffee- und

Tabaksblättern, an einer goldenen Kaiserkrone hängend.

Der goldene Mittelavers zeigt Dom Pedros Bild mit der Umschrift :

"Petrus I., Brasiliae Imperator", der blaue Revers ein Kreuz aus 19

Sternen mit der Umschrift: "Bene merentium Praemium". Die

Großkreuze, Dignitäre und Offiziere tragen das Kreuz und

eine Plaque, bestehend aus dem Kreuz mit goldenen Strahlen zwischen

den Armen, dem Mittelrevers und der Krone, die Dignitäre das

Kreuz am Hals, die beiden letzten Klassen auf der Brust. Das Band

ist himmelblau. Die Großkreuze sind Exzellenzen, den

Dignitären gebührt die Senhoria. Auch sind Pensionen mit

dem Orden verknüpft.

Südlicht, s. Polarlicht.

Süd-Nordkanal, Kanal in der Provinz Hannover, der

bedeutendste unter den neuen Anlagen in den Mooren auf der linken

Emsseite (Bourtanger Moor), zum Zweck der Kultivierung derselben.

Er hat eine Länge von 71 km, eine Breite von 15,7 m und wird

zu beiden Seiten (wie der Ems-Vechtekanal) von Wegen begleitet. Der

Kanal verläßt bei Nordhorn den Ems-Vechtekanal und zieht

sich nach N. durch die großen Moore in geringer Entfernung

von der niederländischen Grenze bis Rhede, wo er sich mit dem

Rhede-Bellingwolder Kanal verbindet und mit diesem zur Ems geht.

Zahlreiche Seitenkanäle sind aus ihm in die Moore

geführt, auch mehrfach Verbindungen mit dem

niederländischen Kanalsystem hergestellt.

Sudogda (Ssudogda), Kreisstadt im russ. Gouvernement

Wladimir, am Flusse S., mit (1885) 1987 Einw. Im Kreise sind 15

Fabriken, welche Kristall- und Glaswaren liefern.

Sudorifera (lat.), s. Schweißtreibende Mittel.

Südpol, s. Pol und Magnetismus.

Südpolarexpeditionen, s.

Südpolarländer.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 122 / 302 段