Stellvertreters, namentlich seitens eines
Prozeßbevollmächtigten, der seine Vollmacht auf einen
andern überträgt; Substitutorium, die zur Beurkundung
dessen ausgestellte Urkunde. Im Erbrecht versteht man unter S. eine
eventuelle Erbeinsetzung oder, wie der Entwurf eines deutschen
bürgerlichen Gesetzbuchs (§ 1804 ff.) es nennt, die
Nacherbfolge, welche dann vorliegt, wenn der Erblasser einen Erben
in der Weise einsetzt, daß derselbe erst, nachdem ein andrer
Erbe geworden ist, von einem bestimmten Zeitpunkt oder Ereignis an
Erbe sein soll. Mit diesem Moment hört der bisherige Erbe
(Vorerbe) auf, Erbe zu sein, und die Erbschaft fällt dem
Nacherben zu. Dahin gehört zunächst die
Vulgarsubstitution, d. h. die Einsetzung eines zweiten Erben
(Substituten, Nacherben) für den Fall, daß der erst
ernannte nicht Erbe wird; ferner die Pupillarsubstitution, darin
bestehend, daß der Vater seinem unmündigen Kind einen
Erben ernennen darf für den Fall, daß dieses nach ihm
noch unmündig versterben sollte; endlich die
Quasipupillarsubstitution (substitutio quasi pupillaris s.
exemplaris), vermöge deren es allen Aszendenten freisteht,
einem blödsinnigen Abkömmling einen Substituten zu
ernennen für den Fall, daß das Kind im Blödsinn
verstirbt, jedoch nur in betreff des Vermögens, welches der
Blödsinnige von dem Aszendenten hat, nicht seines anderweiten.
Der Entwurf eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs kennt nur
eine Art der Nacherbfolge, bestimmt aber (§ 1851)
bezüglich der eventuellen Erbeinsetzung für einen
Abkömmling folgendes: "Hat der Erblasser einem
Abkömmling, welcher zur Zeit der Errichtung der letztwilligen
Verfügung keinen Abkömmling hat, für die Zeit nach
dessen Tod einen Nacherben bestimmt, so ist anzunehmen, daß
die Einsetzung des Nacherben auf den Fall beschränkt sei, wenn
der Vorerbe keinen Abkömmling hinterlasse". In der Chemie
heißt S. oder Metalepsie die Vertretung eines Atoms oder
einer Atomgruppe in einer chemischen Verbindung durch ein
Äquivalent eines andern Elements oder einer andern Atomgruppe.
Bei der Einwirkung von Chlor auf manche organische Verbindungen
können ein oder mehrere Atome Wasserstoff in Form von
Chlorwasserstoff austreten, während gleich viel Atome Chlor
die Stelle des ausgetretenen Wasserstoffs einnehmen. Auf diese
Weise entstehen chlorhaltige Verbindungen (Substitutionsprodukte),
die, obgleich chlorhaltig, noch den Charakter ihrer Muttersubstanz,
aus der sie entstanden sind, besitzen. Behandelt man
Essigsäure C2H4O2 mit Chlor, so entstehen der Reihe nach
Monochloressigsäure C2H3ClO2, Dichloressigsäure
C2H2Cl2O2, Trichloressigsäure C2HCl3O2, und alle diese
Säuren zeigen noch den Charakter und die Basizität der
Essigsäure. Wie Chlor verhalten sich auch Brom und Jod und
gewisse Atomgruppen, wie NO2, NH2, SO2. Ebenso können an die
Stelle von Sauerstoff Schwefel, Selen oder Tellur, an die Stelle
von Stickstoff Phosphor, Arsen oder Antimon treten, ohne daß
der Charakter der betreffenden chemischen Verbindungen
geändert wird. Daraus muß man schließen, daß
der Charakter der organischen Substanzen bis zu einem gewissen Grad
weniger von der Natur ihrer Bestandteile als vielmehr von der Art
der Verbindung, von der Stellung, welche letztere einnehmen,
abhängig ist. Diese Thatsachen führten in der Chemie zur
Aufstellung der Typentheorie durch Dumas und Laurent und der
Kerntheorie durch Laurent, und wenn beide auch nicht allgemeine
Geltung erlangt haben, so bildeten sie doch die Brücke zu den
neuen, jetzt herrschenden Anschauungen.
Substitutionsverfahren, s. Zucker.
Substrat (lat.), Unterlage, Grundlage; der vorliegende
Fall; in der Logik s. v. w. Substanz.
Substruktion (lat.), Unter-, Grundbau.
Subsultus tendinum (lat.), Sehnenhüpfen (s. d.).
Subsumieren (lat.), unter etwas zusammenfassen, mit
begreifen, etwas folgern; Subsumtion, Zurückführung des
Besondern auf ein Allgemeines; Voraussetzung, Annahme; subsumtiv,
voraussetzend.
Subtil (lat.), zart, fein; spitzfindig.
Subtrahendus (lat.), s. Subtraktion.
Subtraktion (lat.), in der Arithmetik die zweite der vier
Spezies, welche zu zwei gegebenen Zahlen, dem Minuendus und dem
Subtrahendus, eine
416
Subtropen - Suchitoto.
dritte, die Differenz (den Unterschied), findet, die, zu dem
Subtrahendus addiert, den Minuendus gibt. Das Zeichen der S. ist -
oder -, gelesen minus oder weniger, z. B. 12-4=8. Das Verfahren bei
S. mehrzifferiger Zahlen besteht gewöhnlich darin, daß
man die einzelnen Ziffern des Subtrahendus von den (nach Befinden
um 10 vermehrten) des Minuendus subtrahiert, z. B. 25831-16543 wird
gerechnet 3 von 11 gibt 8, 4 von 12 gibt 8, 5 von 7 gibt 2, 6 von
15 gibt 9, 1 von 1 gibt 0; in Österreich und auf einzelnen
Schulen anderwärts rechnet man dagegen: 3+8 ist 11, 5
(nämlich 4+1)+8 ist 13, 6(5+1)+2 ist 8, 6+9 ist 15, 2+0 ist 2.
Das Resultat ist also 9288. Das letztere Verfahren ist vorzuziehen,
weil man bei Gewöhnung an dasselbe bei der Division die
abzuziehenden Tellprodukte nicht hinzuschreiben braucht, sondern
gleich den Rest angeben kann.
Subtropen, der zu beiden Seiten der Tropen gelegene
Gürtel, ausgezeichnet durch die Gleichmäßigkeit der
Temperatur, umfaßt die Gegenden mit ausgesprochenem
Winterregen. Subtropisch, dem Tropischen sich annähernd, z. B.
subtropische Vegetation.
Subulirostres, s. v. w. Pfriemenschnäbler.
Sub una specie (lat.), unter einerlei Gestalt,
nämlich nur des Brotes, wie die Katholiken das Abendmahl
genießen; sub utraque specie, unter beiderlei Gestalt (vgl.
Abendmahl und Hussiten).
Subura, im alten Rom eine zwischen dem Kapitol und
Esquilinus befindliche Niederung, durch welche eine sehr belebte,
mit zahlreichen Tavernen und Bordellen besetzte Straße
führte.
Subvention (lat.), Beihilfe, Unterstützung,
insbesondere aus öffentlichen Mitteln.
Subverfion (lat.), Umsturz; subversiv, Umsturz
bezweckend; subvertieren, umstürzen, zerstören.
Sub voce (lat.), unter dem und dem Wort.
Subzow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Twer, am
Einfluß der Wasusa in die Wolga, mit 5 griechisch-russ.
Kirchen und (1885) 4191 Einw.
Succedaneum (lat.), Ersatz, Notbehelf.
Suceedieren (lat.), nachfolgen, in ein
Rechtsverhältnis als Berechtigter eintreten (s.
Rechtsnachfolge).
Succeß (lat.), glücklicher Erfolg.
Succession (lat.), s. Rechtsnachfolge.
Successive (lat.), nach und nach, allmählich.
Successor (lat.), Rechtsnachfolger.
Succinate, s. Bernsteinsäure.
Succinit, s. v. w. Bernstein; auch eine bernsteinfarbige
Varietät des Granats.
Succiusäure, s. Bernsteinsäure.
Succinum (lat.), Bernstein.
Succus (lat.), Saft, S. entericus, Darmsaft; dann
besonders Pflanzensaft; z. B. S. Citri, Zitronensaft; S. Juniperi
inspissatus, Wacholdermus, eingedampfter Saft frischer
Wacholderbeeren; S. Liquiritiae (Glycyrrhizae), Lakritzen, Extrakt
der Süßholzwurzel; S. Sambuci inspissatus, Fliedermus,
der eingedampfte Saft der Holunderbeeren.
Suche, Jagdmethode, bei welcher man das Wild mit dem Hund
aufsucht, um es beim Verlassen seiner Lagerstätte zu
schießen; auch die Nachsuche auf angeschossenes Wild mit dem
Schweißhund.
Suchenwirt, Peter, der berühmteste Wappendichter des
14. Jahrh., im Österreichischen geboren, begleitete 1377 den
Herzog Albrecht III. von Österreich auf seinem Kriegszug nach
Preußen, lebte später in Wien und starb nach 1395. Unter
seinen zahlreichen Dichtungen (hrsg. von Primisser, Wien 1827)
behauptet die poetische Erzählung "Von Herzog Albrechts
Ritterschaft" (Ritterzug) den ersten Platz.
Sucher, kleines Fernrohr mit großem Gesichtsfeld,
welches mit einem größern astronomischen Fernrohr
derartig verbunden ist, daß die Achsen beider Instrumente
genau parallel sind. Hierdurch wird die Auffindung eines Objekts am
Himmel, welche mit dem großen Instrument allein wegen der
Kleinheit seines Gesichtfeldes schwierig wäre, wesentlich
erleichtert. Denn richtet man das Instrument so, daß der zu
betrachtende Gegenstand in der Mitte des Gesichtsfeldes des Suchers
erscheint, so wird er auch für das größere Fernrohr
im Gesichtsfeld sich befinden.
Sucher, Joseph, Komponist und Dirigent, geb. 1843 zu St.
Gotthardt in Ungarn, erhielt seinen ersten Musikunterricht in Wien
als Sängerknabe der kaiserlichen Hofkapelle, studierte
später die Rechte, widmete sich aber schließlich ganz
der Musik und übernahm nach absolviertem gründlichen
Studium der Komposition unter Leitung Sechters die Direktion des
Wiener akademischen Gesangvereins. Nachdem er dann zeitweilig auch
als Kapellmeister der Komischen Oper fungiert hatte, folgte er 1876
einem Ruf als Theaterkapellmeister nach Leipzig, wo er sich
namentlich um die Vorführung der Wagnerschen Musikdramen
großes Verdienst erwarb. Im folgenden Jahr verheiratete er
sich mit der Sängerin Rosa Hasselbeck, einer Zierde der
Leipziger Oper. 1879 wurden beide an das Stadttheater nach Hamburg,
1888 an das Berliner Opernhaus berufen.
Suchet (spr. ssüschä), Louis Gabriel, Herzog
von Albufera, franz. Marschall, geb. 2. März 1770 zu Lyon,
trat 1792 als Freiwilliger in die Lyoner Nationalgarde, focht 1794
und 1795 in Italien unter Laharpe, ward 1797 Brigadegeneral und
befehligte 1798-1800 als Divisionsgeneral erst in der Schweiz, dann
in Italien. Nach dem Frieden von Lüneville 1801 wurde S. zum
Generalinspektor der Infanterie ernannt und erhielt 1804 eine
Division im Lager von Boulogne. In den Feldzügen von 1805,
1806 und 1807 zeichnete sich seine Division, die erste des 5. Korps
unter Lannes, vielfach aus. Nach dem Frieden von Tilsit befehligte
S. das 5. Korps in Schlesien und führte gegen Ende 1808
dasselbe nach Spanien. Nach Saragossas Fall übernahm er im
April 1809 das Kommando der Armee von Aragonien, siegte bei Mavia,
Belchite und Lerida und eroberte Tortosa und Tarragona, womit er
sich den Marschallsstab erwarb. 1812 schlug er Blake abermals bei
Sagunto und eroberte 9. Jan. Valencia, wofür er den
Herzogstitel erhielt. Nachdem er Anfang 1814 über die
Pyrenäen zurückgegangen, erklärte er aus seinem
Hauptquartier Narbonne 14. April die Anerkennung Ludwigs XVIII. und
schloß einen Waffenstillstand mit Wellington. Bei der
Rückkehr Napoleons I. von Elba ließ er sich jedoch von
demselben das Kommando der Alpenarmee übertragen, drang 14.
Juni in Savoyen ein, ward aber von den Österreichern
zurückgeworfen. Bei Ludwigs XVIII. Rückkehr verlor er die
Pairswürde, erhielt dieselbe aber 1819 zurück. Er starb
3. Jan. 1826 in Marseille. In Lyon ist ihm ein Denkmal errichtet.
Seine "Mémoires sur les campagnes en Espagne depuis 1808
jusqu'en 1814" (2. Aufl., Par. 1834, 2 Bde.) veröffentlichte
sein Stabschef Saint-Cyr-Nuguas. - Suchets Sohn Napoléon S.,
Herzog von Albufera, geb. 23. Mai 1813, war 1852-70 Mitglied des
Gesetzgebenden Körpers, starb 23. Juli 1877 in Paris.
Suchitoto (spr. ssutschi-), Hauptstadt des Departements
Cuscutlan im mittelamerikan. Staat Salvador, auf einer Anhöhe
beim Rio Lempa, hat Anbau von Mais, Zuckerrohr etc. und (1878) 5826
Einw.
417
Suchona - Südafrikanische Republik.
Suchoua (Ssuchona), einer der beiden Quellströme der Dwina
im russ. Gouvernement Wologda, kommt aus dem Kubenskischen See,
wendet sich bald nach NO. und behält diese Richtung bis zur
Vereinigung mit dem Jug bei. Die Länge dieses im ganzen Lauf
schiffbaren Flusses beträgt 580 km. Durch den Kanal des
Herzogs Alexander von Württemberg steht der Fluß mit der
Ostsee wie mit dem Kaspischen Meer in Verbindung.
Sucht, in der Medizin ein veraltetes Wort, das nur noch
in Zusammensetzung vorkommt, wahrscheinlich gleichen Stammes mit
"Seuche" und "siechen", früher ganz allgemein Krankheit, hat
sich dann erhalten in Schwind-, Wasser-, Fett-, Gelbsucht etc.
Süchteln, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Düsseldorf, Kreis Kempen, unweit der Niers und an der Linie
Viersen-S. der Krefelder Eisenbahn, hat eine evangelische und kath.
Kirche, starke Samt- und Samtbandweberei, Seidenfärberei,
Zeugdruckerei, Flachsbereitung, Appreturanstalten, Gerberei,
Ziegeleien, Ölmühlen und (1885) 9465 meist kath.
Einwohner. Nahe der Stadt auf einem Höhenzug das
Kriegerdenkmal und ein Aussichtsturm mit prachtvoller Fernsicht
sowie auf dem Heiligenberg die alte Irmgardiskapelle, ein
vielbesuchter Wallfahrtsort.
Suchum Kale (Soghum Kala), befestigte Gebietshauptstadt
in der russ. Statthalterschaft Kaukasien, am Schwarzen Meer, mit
vortrefflichem, gegen alle Winde geschütztem Hafen, aber nur
(1879) 1947 Einw. Der Ort steht auf den Ruinen des alten
griechischen Dioskurias, einer Gründung der Milesier, wurde
1809 von den Russen erobert, aber erst 1829 im Frieden von
Adrianopel von der Türkei abgetreten und erhielt nun
ansehnliche Magazine und einen schönen Bazar. 1854 wurde es
von den Russen bei Annäherung einer
englisch-französischen Flottille eiligst geräumt,
teilweise zerstört und von den Abchasen, welche die
türkische Flagge aufpflanzten, geplündert. Im September
1855 landete Omer Pascha mit einem türkischen Korps und begann
von hier aus die Operationen gegen Tiflis. Im Mai 1877 wurde der
Ort abermals von den Türken besetzt, aber, da die
beabsichtigte Insurgierung der Bergvölker nicht gelang, im
September wieder geräumt und darauf von den Abchafen
verbrannt.
Suckow, Albert, Freiherr von, württemberg.
Kriegsminister, geb. 13. Dez. 1828 zu Ludwigsburg, Sohn des 1863
verstorbenen Obersten Karl von S. (Verfassers der
militärischen Erinnerungen aus der Napoleonischen Zeit: "Aus
meinem Soldatenleben", Stuttg. 1863), der, ein Mecklenburger, in
der Rheinbundszeit in württembergische Dienste getreten war,
und der als Schriftstellerin unter dem Pseudonym Emma von Niendorf
bekannten Freifrau Emma v. Callatin (gest. 1876 in Rom). 1848 wurde
S. Leutnant der Artillerie, seit 1861 als Hauptmann mit der Leitung
der Kriegsschule betraut. 1866 als Major
Militärbevollmächtigter im Hauptquartier der Bayern, nahm
er an den Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen mit
Preußen teil, ward Adjutant des Kriegsministers v. Wagner,
den er bei der Einführung des preußischen Heersystems
unterstützte, sodann Oberst und Generalquartiermeister, 24.
März 1870 als Generalmajor Chef des Kriegsdepartements und
machte sich um die Organisation der württembergischen Division
und ihre Ergänzung und Verpflegung während des Kriegs
hochverdient. Er wurde dafür 19. Juli d. J. zum
Generalleutnant und Kriegsminister befördert, als welcher er,
mehrmals in das preußische Hauptquartier in Frankreich
gesandt, die Militärkonvention mit Preußen und die
Reichsverträge abschloß; er erhielt eine Dotation von
300,000 Mk. S. nahm 1874 seinen Abschied und lebt zu Baden-Baden.
Gegen Arkolay (Streubel) schrieb er die Broschüre "Wo
Süddeutschland Schutz für sein Dasein findet?" (Stuttg.
1869).
Sucre (spr. ssuhkre), 1) Stadt in Bolivia, s. Chuquisaca.
- 2) (Puerto de S.) Einfuhrhafen der Stadt Cariaco (s. d.) in
Venezuela.
Sucre (spr. ssuhkre), Antonio José de,
Präsident von Bolivia, geb. 1793 zu Cumana in Venezuela, trat
1810 in die südamerikanische patriotische Armee, diente
1814-17 im Generalstab und dann unter Bolivar gegen Neugranada,
brachte den Spaniern mehrere Niederlagen bei und entschied als
Oberbefehlshaber der republikanischen Truppen durch den Sieg bei
Ayacucho 9. Dez. 1824 die Befreiung Südamerikas vom spanischen
Joch. Er erhielt hierfür durch den Kongreß von Bolivia
den Titel Großmarschall von Ayacucho und ward 1825 von der
Republik Bolivia zum lebenslänglichen Präsidenten
erwählt, legte aber infolge der innern Unruhen 1. Aug. 1828
diese Würde nieder und ward im Juni 1830 bei Pasto unweit
Cartagena, wo er für Bolivar zu wirken suchte, meuchlings
erschossen.
Suczawa (spr. ssutschawa), Stadt in der Bukowina, unweit
des Flusses S. (Nebenfluß des Sereth), über den hier
eine Brucke zur Station S.-Itzkany (mit Grenzzollamt) der
Lemberg-Jassyer Eisenbahn führt, dicht an der rumänischen
Grenze, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines
Kreisgerichts, hat ein Obergymnasium, eine alte
griechisch-oriental. Kathedrale mit dem Grab des heil. Johann von
Novi, Landespatrons der Bukowina, Burgruinen, eine nichtunierte
Armeniergemeinde, Bierbrauerei, ansehnlichen Speditionshandel und
(1880) 10,104 Einw. S. war ehedem die Hauptstadt der Moldau und als
solche ein großer und blühender Ort.
Südafrikanische Republik, seit 1884 offizieller Name
des früher Transvaal genannten Freistaats in Südafrika
(s. Karte bei Artikel "Kapland"), erstreckt sich von dem
Vaalfluß im Süden über den Wendekreis hinaus bis
zum Limpopo im N. und wird im W. und N. begrenzt von
Britisch-Betschuanaland, im O. von Portugiesisch-Ostafrika und
Swasiland, im Süden von der Neuen Republik, Natal und der
Oranjefluß-Republik und umfaßt 308,200 qkm (5597 QM.)
mit Einschluß der Neuen Republik (s. d.), als Distrikt
Vrijheid einverleibt, 315,590 qkm (5681 QM.). Die Bodengestaltung
der Republik wird wesentlich bedingt durch den Verlauf zweier
Gebirge. Durch das eine derselben, die Drakenberge mit der 2188 m
hohen Mauchspitze, ein nordsüdlich sich hinziehendes Plateau,
das steil gegen O. abfällt, gegen W. aber sich allmählich
abdacht, wird das Land geteilt in eine größere und
höher gelegene westliche Hälfte und eine kleinere
östliche, welch letztere in eine sandige Ebene übergeht,
aus welcher als Grenzscheide gegen portugiesisches Gebiet der lange
nordsüdlich verlaufende Höhenzug des Lebombo hervorragt.
Das zweite Gebirge besteht aus einer Reihe westöstlich
verlaufender Ketten (Magalisberge, Witwatersrand), welche wiederum
die S. R. in einen südlichen höhern Teil, das Hooge Veld,
und einen nördlichen tiefern, das Bosch Veld, trennen. Diese
Bergzüge bilden auch in klimatischer Beziehung eine Scheide.
Im Hochfeld sind die Tage im Winter zwar warm, nachts aber sinkt
das Thermometer gewöhnlich unter den Gefrierpunkt, und die
Drakenberge sind häufig mit Schnee bedeckt, im Buschfeld aber
sind die Winter milder,
418
Südafrikanische Republik.
und es gedeihen dort Kaffee, Baumwolle, Zuckerrohr u. a. Auch
östlich von den Drakenbergen ist es wärmer; infolge der
vom Indischen Ozean her wehenden Südostpassate ist die
Ostseite regenreich, während die westlichen Hochebenen arm an
Regen sind. Die Regenzeit fällt in den Sommer. In dieser Zeit
herrschen im Buschfeld Fieber, während das Hochfeld eine der
gesündesten Gegenden der Erde ist. Hier leben die Buren im
Sommer, im Winter ziehen sie mit ihren Herden ins Buschfeld. Die
Pflanzenwelt in den einzelnen Gebieten ist sehr verschieden. Das
Land trägt fast durchgehends den Charakter der Steppe, aber
während das Hochfeld fast ganz aus weiten, einförmigen
Grassteppen besteht, ist das Buschfeld mit dichtem, vielfach
undurchdringlichem Strauchwerk bedeckt, in dem man nur einzelne
offene Stellen antrifft. Hier finden sich auch Adansonien und andre
tropische Gewächse. In Klüften am Ostabhang des
Tafellandes trifft man noch majestätische Urwälder aus
Gelbholzbäumen (Taxus elongata), Eisen- und Stinkholz und
Mimosen; Akazien, Proteen, Euphorbia candelabrum etc.
charakterisieren die Hochebenen der Mittelstufen. Mais, Kafferkorn,
Hirse, Bohnen, Erbsen, Melonen werden kultiviert. In der Tierwelt
herrschen Antilopen vor, Springböcke finden sich auf den
grasreichen Hochebenen noch in Herden. Gnus, Zebras und Quaggas,
Giraffen, Büffel, Elefanten und Nashörner sind selten
geworden, ebenso Löwen, Leoparden und Hyänen sowie der
Strauß. Krokodile hausen in den Flüssen; giftige
Schlangen sind zahlreich, in den nordwestlichen, nördlichen
und östlichen Grenzgebieten erschwert die Tsetsefliege die
Viehzucht. Von einheimischen Haustieren fanden die Europäer
Rinder, Schafe mit Fettschwänzen, Ziegen und Hunde vor, Pferde
und Merinoschafe wurden eingeführt. Viehzucht bildet die
Hauptbeschäftigung der Ansiedler. Sehr fruchtbar sind die
kahlen Hochebenen des Südens. Mais, Korn, Hirse,
Hülsenfrüchte, Zuckerrohr, Wein gedeihen hier sehr gut.
Das Land ist reich an Gold, Silber, Kupfer, Graphit, Nickel,
Kobalt, Blei, Steinkohle, Zinn, Salz, Alaun u. a. Gold wurde seit
1871 gefunden, in größern Mengen aber erst seit 1883 auf
den Goldfeldern von De Kaap (Barberton) und Witwatersrand
(Johannesburg); ausgeführt wurde über die Kapkolonie und
Natal 1871 bis Mitte 1888 für 1,266,530 Pfd. Sterl.;
Silbererze gewinnt man in der Nähe von Pretoria. Die
weiße Bevölkerung wird auf 60-75,000 Seelen
geschätzt, zum größten Teil Buren, nur 12-15,000
Europäer, unter den letztern auch zahlreiche Deutsche, die auf
mehreren von hannöverschen Missionären gegründeten
Ansiedelungen wohnen. Dazu kommt seit den letzten Jahren eine
20,000 Köpfe starke Bevölkerung, meist englischer
Abstammung, auf den genannten Goldfeldern. Die Zahl der Kaffern
(Betschuanen, Basuto u. a.) ermittelte der Zensus von 1886 zu
299,848 Seelen, die Gesamtbevölkerung kann daher zu 490,000
angenommen werden. Das Christentum hat trotz zahlreicher
Missionäre nur teilweise unter den Eingebornen Platz
gegriffen. Die Beschäftigung der Bevölkerung ist
ausschließlich Naturalwirtschaft. Die Ausbeutung der
großen natürlichen Reichtümer des Landes wird
erschwert durch den Mangel an genügenden
Transportverhältnissen. Die Ausfuhr besteht in Wolle,
Rindvieh, Cerealien, Leder, Fellen, Früchten, Tabak, Butter,
Branntwein, Straußfedern und Elfenbein, außerdem Gold.
Die Einfuhr (1887: 1,695,978 Pfd. Sterl.) besteht in
Industrieprodukten. Der Handel nimmt seinen Weg, da die S. R. vom
Meer abgeschloffen ist, über D'Urban, Port Elisabeth und
Kapstadt, wird sich aber, nachdem die im Bau begriffene Eisenbahn
von der Delagoabai bereits bis zur Grenze (81 km) vollendet ist und
jetzt nach Pretoria weitergeführt wird, zum großen Teil
über die portugiesische Kolonie richten. Telegraphenlinien
bestehen zwischen Pretoria und Standerton, Heidelberg und Heilbron
im Oranjefreistaat und von Pretoria nach den Kaap-Goldfeldern, im
ganzen 1116 km, im Bau sind 895 km. Das Land wird eingeteilt in 16
von Landdrosten verwaltete Distrikte, an der Spitze steht ein auf
fünf Jahre gewählter Präsident, eine aus 46 vom Volk
erwählten Mitgliedern bestehende Legislative hat die
Gesetzgebung. Staatskirche ist die niederdeutsch-reformierte, doch
sind alle Konfessionen geduldet. Die Staatseinnahmen fließen
meist aus direkten Steuern und Zöllen; dieselben betrugen
1887: 668,433 Pfd. Sterl., die Ausgaben 721,073 Pfd. Sterl. Die
öffentliche Schuld beträgt 430,000 Pfd. Sterl., davon
250,000 Pfd. Sterl. an die englische Krone; das Staatsvermögen
besteht in Ländereien im geschätzten Wert von mehreren
Millionen Pfund Sterling. Ein stehendes Heer gibt es nicht; im
Kriegsfall werden sämtliche Bürger aufgeboten. Hauptstadt
ist Pretoria.
Geschichte. Die Transvaalrepublik wurde gegründet durch
holländische Buren, welche englische Mißwirtschaft aus
der Kapkolonie zunächst nach Natal und dann von dort über
die Drakenberge trieb, wo sie 1848 die Oranjefluß-Republik
und die anfänglich getrennten, aber 1852 durch Pretorius zur
Republik Transvaal vereinigten Freistaaten Potschefstroom,
Zoutpansberg und Lydenburg bildeten. Diese Republik wurde in
demselben Jahr von England anerkannt. Als aber das Transvaal mit
Portugal in Unterhandlungen trat zum Zweck der Erbauung einer
Eisenbahn nach der Delagoabai, wodurch die Ausfuhr des Freistaats
von Natal, über welchen sie den Weg nehmen mußte,
abgelenkt worden wäre, benutzte England einen für die
Buren verderblichen Raubzug des Kaffernhäuptlings Sikukuni, um
1877 das Transvaal zu annektieren unter dem Vorgeben, dadurch die
christliche Bevölkerung schützen zu wollen, in Wahrheit
aber, um sich das bedrohte Handelsmonopol zu sichern. Die Proteste
der Buren blieben unbeachtet. In dem nun folgenden Aufstand
erlitten die Engländer bei ihrem Versuch, in das Gebiet der
Republik einzudringen bei Laings-Nek (24. Jan. 1881), am Ingogo (8.
Febr.) und am Majubaberg (27. Febr.) empfindliche Niederlagen, so
daß England es vorzog, dem Land durch Vertrag vom 3. Aug.
1881 seine Unabhängigkeit wiederzugeben. In der 1884
abgeschlossenen Konvention nahm das Land den alten Namen
"Südafrikanische Republik" wieder an. Die
Souveränität der britischen Krone wurde wesentlich
beschränkt, indem nur Verträge und Verbindlichkeiten,
welche die Republik mit einem Staat oder Volk (außer dem
Oranjefreistaat) oder mit einem eingebornen Volksstamm einzugehen
beabsichtigt, der englischen Krone zur Genehmigung zu unterbreiten
sind. Als 1881 die im Westen der Republik neuentstandenen
Burenfreistaaten Stellaland und Goschen sich bildeten, trat
letzteres unter den Schutz der Südafrikanischen Republik, doch
mußte derselbe auf einen von seiten Englands erhobenen
Protest zurückgezogen werden. Zugleich proklamierte England
sein Protektorat über das zwischen Transvaal und den deutschen
Besitzungen an der Westküste Afrikas liegende Gebiet und
über einen Landstreifen nördlich von Transvaal, somit die
Buren nach diesen Seiten völlig einschließend. Und als
1884 der Bu-
419
Sudak - Südaustralien.