der Sansibarküste Ostafrikas und der vorliegenden Inseln, ein
durch die beinahe tausendjährige Vermischung der
eingewanderten Araber mit den eingebornen Negern der großen
südafrikanischen Völkerfamilie sowie durch das
jahrhundertelang fortgesetzte Einführen von Sklaven aus allen
Teilen des Innern entstandenes Mischvolk, welches alle
Schattierungen der Haut von den schwarzen Eingebornen bis zu den
hellen Arabern und alle Zwischenstufen der
Körperbeschaffenheit beider Rassen zeigt. Die Sprache der S.,
das Kisuaheli, bildet mit den übrigen Sprachen von Sansibar
zusammen die nördlichste Gruppe der östlichen Abteilung
des großen Bantusprachstammes (s. Bantu). Grammatiken
derselben lieferten Krapf (Tübing. 1850) und Steere (3. Aufl.,
Lond. 1884), der auch die nahe verwandte Kihian- oder Yaosprache
bearbeitete (das. 1871), ein Wörterbuch Krapf (das. 1882). Die
S. bilden das Hauptkontingent unter der Bevölkerung des
Sultanats Sansibar, und ihre Sprache ist das allgemeine
Verständigungsmittel von Ostafrika. Auch die frühere
Bevölkerung der Komoren ist zu den S. zu rechnen.
Suakin (Sauâkin), Hafenstadt in Nubien, am Roten
Meer, auf einer Küsteninsel in einem Becken, zu welchem
zwischen Korallenbänken ein schmaler, gewundener Kanal
führt. In diesem liegt eine zweite Insel, welche als
Quarantäne dient. Die Stadt hat eine Anzahl Moscheen mit
Minarets, steinerne, mit Schnitzwerk schön verzierte
Häuser und wird von Arabern, Türken, Leuten aus
Hadramaut, Griechen und Maltesern bewohnt. Sie ist durch eine feste
Brücke mit dem aus Mattenhütten bestehenden El Kef auf
dem gegenüberliegenden Ufer verbunden, dessen Bewohner die
Inselstadt mit Lebensmitteln und Trinkwasser versorgen. Um El Kef
gegen die Überfälle der Mahdisten zu schützen, hat
man den Ort mit Befestigungen umgeben. Die Einwohnerzahl der
Doppelstadt ist (1882) 11,000. Vor dem Krieg verkehrten hier
jährlich 760 europäische Schiffe und arabische Barken von
172,000 Ton., welche Reis, Datteln, Salz, Kauris und
europäische Waren gegen Gummi, Elfenbein, Straußfedern,
Felle, Wachs, Moschus, Getreide, Kaffee sowie Sklaven, Maulesel und
wilde Tiere eintauschten. Die Ausfuhr wertete früher 5,2 Mill.
Mk. S. ist auch Einschiffungshafen für Mekkapilger
(jährlich 6-7000). Auf der großen Karawanenstraße
zwischen hier und Berber am Nil verkehrten früher
jährlich 20,000 beladene Kamele. Englische Dampfer vermitteln
den Verkehr mit Suez; von dort läuft eine ägyptische
Linie über Dschiddah nach S. und nach Massauah. Ein Kabel geht
nach Suez und Dschiddah. Gegenwärtig ist S. von einer
englischen Garnison besetzt.
Suardi, Bartolommeo, s. Bramantino.
Suarez, Franz, berühmter kathol. Theolog, geb. 5.
Jan. 1548 zu Granada, wirkte als Professor in Segovia und
Valladolid, nach einem Aufenthalt in Rom wieder in Alcalá,
Salamanca und Coimbra; starb 25. Sept. 1617 in Lissabon. Unter
seinen Werken (Lyon u. Mainz 1632 ff., 23 Bde. ; Vened. 1740, 23
Bde.; Par. 1859, 26 Bde.; Auszug von Migne, das. 1858, 2 Bde.)
befindet sich eine "Defensio fidei catholicae" (1613), gegen die
kirchlichen Maßnahmen Jakobs I. von England gerichtet. Vgl.
Werner, Franz S. (Regensb. 1861, 2 Bde.).
Suasorisch (lat.), überredend; Suasorien,
Überredungsmittel, Überredungsgründe.
Sub (lat.), unter.
Subaltern (lat.), untergeordnet, unter einem andern
stehend; Subalternbeamte, Beamte, welche nicht die höhern
Staatsprüfungen abgelegt haben und im Büreaudienst oder
sonst in untergeordneter Thätigkeit angestellt sind;
Subalternoffiziere, die niedrigste Rangstufe der Offiziere (s. d.),
zu welcher die Premier- und Sekondeleutnants gehören.
Subalternation (neulat.), in der Logik dasjenige
Verhältnis, wo eins unter dem andern enthalten ist, daher das
besondere (bejahende und verneinende) Urteil im Verhältnis zum
allgemeinen subalterniert, aber auch der Unterordnungsschluß
Subalternationsschluß heißt.
Subapenninenformation, s. Tertiärformation.
Subäraten (lat.), versilberte röm.
Kupfermünzen.
Subclavia (arteria, vena s.),
Schlüsselbeinschlagader, -Blutader.
Sub conditione (lat.), unter der Bedingung.
Subconductio (lat.), s. v. w. Aftermiete (s. d.).
Subdatarius (lat.), s. Dataria.
Subdelegat (lat.), Unterbevollmächtigter.
Subdiakonus, in der abendländischen Kirche seit dem
3. Jahrh. Gehilfe des Diakonen, erst seit Innocenz III. zu den
Ordines majores gerechnet; in der protestantischen Kirche der
zweite Hilfsprediger an einer Kirche.
Sub dio (sub Jove, lat.), unter freiem Himmel.
Subditius (lat.), untergeschoben.
Subdivision (lat.), Unterabteilung.
Subdominante (lat.), s. v. v. Unterdominante (s.
Dominante).
Subdominus (lat.), Unter- oder Afterlehnsherr; s.
Afterlehen und Lehnswesen, S. 633.
Suber (lat.), Kork, Korkbaum; Suberin, die reine
Korksubstanz (s. Kork); suberös, korkartig.
413
Subert - Sublimation.
Subert (spr. schubert), Franz Adolf, tschech. Dichter,
geb. 1845 zu Techonice, studierte in Prag, war Mitredakteur des
"Pokrok" und Sekretär des Böhmischen Klubs und ist seit
1883 Direktor des böhmischen Nationaltheaters. Er schrieb zwei
gehaltvolle historische Erzählungen: "Die Gefangennehmung des
Königs Wenzel" und "Georg Podiebrad" ; ferner das Lustspiel
"Petr Volk z Rozmberka" , ein fesselndes Intrigenstück aus der
Zeit des Bruderzwistes im Haus Habsburg, das Trauerspiel
"Probuzenci" ("Die Erwachten", 1882), aus der Zeit des
österreichischen Erbfolgekriegs und der
bayrisch-französischen Invasion in Böhmen. Wie dieses,
fußt auch das folgende: "Jan Vyrawa" (1886), in dem Kampf
zwischen den leibeignen Bauern und den Großgrundbesitzern.
Seine jüngsten Stücke sind: "Laska Raffaelova" ("Die
Liebe Raffaels", 1887), eine Frucht seiner italienischen Reisen und
Studien, die sich durch schwungvolle Diktion auszeichnet, indessen
in der Komposition viel zu wünschen übrigläßt,
und "Praktikus" (1888), worin S. seine genauen Kenntnisse der
journalistischen Welt in gar zu drastischen Effekten verwertet. Im
ganzen ist ihm mehr Fleiß und Routine als angebornes
dramatisches Talent nachzurühmen.
Subfeudum (lat.), s. Afterlehen.
Subhastation(lat.), öffentliche Versteigerung eines
Gegenstandes (vgl. Hasta), erfolgt entweder auf Antrag des
Eigentümers (freiwillige) oder auf Anordnung der Behörde
(notwendige), insbesondere um mit dem Erlös Gläubiger zu
befriedigen. Im engern Sinn versteht man unter S. die gerichtliche
Versteigerung von Immobilien und unter Subhastationsordnung ein
ausführliches Gesetz über die gerichtliche
Zwangsvollstreckung (s. d.) in Grundstücke. Subhastieren,
öffentlich versteigern.
Sub hodiérno dië (lat.), unter heutigem
Tag.
Subiáco (das röm. Sublaqueum), Stadt in der
ital. Provinz Rom, am Teverone, eng von Bergen umschlossen, hat
einen dem Papst Pius VI. 1789 errichteten Triumphbogen, ein
Kastell, Reste Neronischer Bauten, Fabrikation von Hüten,
Leder, Töpferwaren, Papier, Glocken, Ackerbauwerkzeugen etc.
und (1881) 6503 Einw. Die Umgebung von S. ist die Wiege des
Benediktinerordens; noch finden sich von zwölf dort erbauten
Klöstern zwei schon im 6. Jahrh. gestiftete vor: Santa
Scolastica und Sacro Speco mit der Felsengrotte, in die sich St.
Benedikt zurückzog. Im erstgenannten Kloster stellten die
deutschen Buchdrucker Sweynheym und Pannartz 1464 die ersten in
Italien gedruckten Bücher her. Vgl. Gregorovius, Lateinische
Sommer (5. Aufl., Leipz. 1883).
Subito (ital.), schnell, plötzlich, sofort.
Subjekt (lat. subjectum), jeder Begriff, der in der
Voraussetzung gedacht wird, daß ihm ein andrer, das
Prädikat (s. d.), in einem Urteil als Merkmal beigelegt oder
abgesprochen werde; dann der Vorstellende im Gegensatz zu dem
Vorgestellten oder dem Objekt (s. d.); auch s. v. w. Person (oft im
verächtlichen Sinn). In der Musik bezeichnet S. das Thema
einer Fuge (s. d.); man spricht von Fugen mit 2 Subjekten
(Doppelfuge), 3 Subjekten (Tripelfuge), wo mehrere Themata
selbständig durchgeführt werden.
Subjektion (lat.), Unterwerfung; als Redefigur s. v. w.
Aufwerfung und Selbstbeantwortung einer Frage (z. B. bei Herder:
"Wes ist der Erdenraum? Des Fleißigen"). Subjizieren,
unterwerfen, unterordnen; eingeben, an die Hand geben.
Subjektiv (lat.), dem Subjekt eigen, persönlich, in
der individuellen Natur des Denkenden oder Empfindenden
begründet (vgl. Objekt).
Subjektivismus (neulat.), eine Weltauffassung, welche, im
Gegensatz zur objektiven, d. h. im Objekt (s. d.), in der Natur der
(vorgestellten oder empfundenen) Sache, begründeten,
Betrachtung der Dinge, viel mehr im Subjekt (s. d.), d. h. in der
(individuellen) Natur des Vorstellenden oder Empfindenden, ihren
bestimmenden Ursprung hat. Derselbe ist theoretisch, wenn er
dasjenige, was dem (individuellen) Subjekt wahr scheint,
ebendeshalb für wahr, praktisch, wenn er dasjenige, was dem
(individuellen, eignen) Subjekt nützt, ebendeshalb für
gut (und erlaubt) erklärt, und fällt in ersterer Hinsicht
mit der Lehre der Sophisten ("Der Mensch ist das Maß aller
Dinge": Protagoras), in letzterer mit der (Un-)Moral des
Eigennutzes und des Egoismus zusammen. Dadurch, daß der S.
die Existenz von Objekten weder leugnet, noch sich für den
Schöpfer derselben erklärt, unterscheidet er sich vom
(subjektiven) Idealismus (z. B. Fichtes) dadurch, daß er sich
gegen das Dasein anderer Subjekte (außer ihm) zwar
gleichgültig verhält, dasselbe aber nicht
ausschließt, vom (theoretischen und praktischen) Solipsismus
(z. B. M. Stirners).
Subjektivität (neulat.), subjektives Wesen,
subjektive Auffassung und Darstellung, im Gegensatz zu
Objektivität (s. d.). Vgl. Subjektivismus.
Subjizieren (lat.), s. Subjektion.
Sub Jove (lat.), unter freiem Himmel.
Sub judice (lat., "unter dem Richter"), noch
unentschieden (von Prozessen).
Subjungieren (lat.), unterordnend anknüpfen.
Subjunktiv (lat.), s. v. w. Konjunktiv, s. Verbum.
Subkonträr heißt in der Logik das besonders
bejahende im Verhältnis zum besonders verneinenden Urteil,
weil es unter dem allgemein bejahenden und dieses unter dem
allgemein verneinenden steht, welche beide einander konträr
entgegengesetzt sind.
Subkutan (lat.), unter der Haut befindlich.
Sublevieren (lat.), erleichtern, unterstützen,
aushelfen; besonders einen Teil der Amtslast übernehmen;
Sublevant, Helfer, Amtsgehilfe.
Sublim (lat.), erhaben.
Sublimat (lat.), jedes Produkt einer Sublimation,
speziell s. v. w. Quecksilberchlorid (ätzendes S.).
Sublimation (lat.), Operation, welche zum Zweck hat,
starre, flüchtige Körper von nicht flüchtigen zu
trennen. Von der Destillation (s. d.) unterscheidet sich die S. nur
dadurch, daß ihr Produkt, das Sublimat, starr und nicht
flüssig ist. Die zur S. dienenden Apparate bestehen aus einem
Teil, in welchem der zu sublimierende Körper erhitzt wird, und
einem andern, geräumigern, in welchem sich die Dämpfe
verdichten. Bisweilen (Kalomelbereitung) genügt ein einziges
Gefäß, z. B. ein Glaskolben, dessen Boden in einem
Sandbad erhitzt wird. Der flüchtige Körper verwandelt
sich in Dampf, der sich an den obern Wandungen des Kolbens wieder
verdichtet. Das Sublimat bildet dann einen nahezu
halbkugelförmigen Kuchen. Bei der S. mancher Substanzen
(Benzoesäure, Pyrogallussäure) ist es praktisch, sie auf
einer Metallplatte oder in einer flachen Schale zu erhitzen und die
Dämpfe in einem Hut von Papier, den man auf die Platte oder
Schale setzt, aufzufangen. In der Technik benutzt man Töpfe
aus Steinzeug, welche über einer Feuerung in Sand eingebettet
stehen und mit ihrem Hals bis an eine eiserne Platte reichen,
welche für jeden Topf eine Öffnung besitzt. Das Sublimat
wird in kleinen irdenen Töpfen aufgefangen, welche man
über die Mündungen der größern stülpt.
Häufig sublimiert man auch in eisernen Kesseln, die über
einer Feuerung eingemauert und innen bisweilen mit feuerfesten
Stei-
414
Sublokation - Substantiv.
nen ausgekleidet werden. Man verschließt sie fest mit
einem eisernen Deckel, der nur ein kleines Loch zum Entweichen
nicht kondensierbarer Gase enthält. Derartige einfache
Apparate sind nur anwendbar, wo die Dämpfe des zu
sublimierenden Körpers sich sehr leicht kondensieren lassen.
In andern Fällen ist es notwendig, die Dämpfe aus dem
Gefäß, in welchem sie sich gebildet haben, abzuleiten
und in besondern Räumen zu verdichten. Dies geschieht z. B.
bei der S. des Schwefels, dessen Dämpfe in großen
gemauerten Kammern verdichtet werden. Sind die Dämpfe des zu
sublimierenden Körpers nicht entzündlich, so ist es
vorteilhaft, sie durch einen Luftstrom, den ein Ventilator liefert,
in die Kondensationsräume zu treiben. Dies geschieht auch
dann, wenn man das Sublimat in Form eines feinen Pulvers und nicht
als kompakte Masse erhalten will, und zwar kann man statt der Luft
auch irgend ein indifferentes Gas oder Wasserdampf anwenden. Manche
Sublimate entstehen bei der Einwirkung von Gasen auf starre
Körper, z. B. wenn man ein Bündel von Eisendraht in dem
Hals einer tubulierten Retorte erhitzt und trocknes Chlor
hindurchleitet. Es entsteht dann Eisenchlorid, welches sich in der
Retorte verdichtet. Bisweilen kann man mit der S. eine Reinigung
der Substanz von flüchtigen Verunreinigungen, z. B. von
empyreumatischen Stoffen, in der Art verbinden, daß man die
Beschickung mit Holz- oder Teerkohle mischt, welche jene
Verunreinigungen zurückhält. Manche Sublimate bilden
feste Kuchen (Zinnober, Quecksilberchlorür und -Chlorid,
kohlensaures Ammoniak, Salmiak); andre bilden Kügelchen
(Schwefelblumen) oder isolierte kleinere oder größere
Kristalle (Benzoesäure, Pyrogallussäure, Jod); alle aber
zeichnen sich meist durch große Reinheit aus. Daher benutzt
man auch die S. in der Analyse, um an wohl ausgebildeten Kristallen
den sublimierenden Körper zu erkennen.
Sublokation (lat.), Aftermiete (s. d.).
Sublunarisch (lat.), unter dem Mond befindlich.
Subluxation (lat.), eine Verrenkung, wobei die
Gelenkflächen nicht gänzlich voneinander gewichen sind,
sondern sich noch teilweise berühren.
Submarin (lat.), unterseeisch.
Submergieren (lat.), untertauchen, unter Wasser setzen;
Submersion, Untertauchung.
Subministrieren (lat.), behilflich sein, an die Hand
gehen; Subministration, Vorschubleistung, namentlich bei
Unterschleifen.
Submiß (lat.), unterwürfig.
Submission (Summission, lat.), die Vergebung
öffentlich ausgebotener Arbeiten, bez. Materiallieferungen an
den Mindestfordernden auf Grund schriftlich eingereichter geheimer
Angebote. Dieselbe ist eine allgemeine, wenn jedermann zur
Konkurrenz zugelassen wird, eine beschränkte oder engere, wenn
von vornherein eine Auswahl getroffen, die Zulassung vom Nachweis
bestimmter Fähigkeiten, Berufs-, Staats- oder
Gemeindeangehörigkeit, Kapitalbesitz zur Kautionsstellung u.
dgl. abhängig gemacht wird. über Bedeutung, Vorteile und
Mißstände der S., dann über die in der neuern Zeit
vorgeschlagenen und durchgeführten Maßregeln zur
Besserung vgl. F. C. Huber, Das Submissionswesen (Tübing.
I885). S. auch Staatsschulden, S. 204.
Suboles (Soboles. lat.), in der Botanik s. v. w.
Ausläufer.
Subordination (lat.), "Unterordnung", Dienstgehorsam;
beim Militär die Pflicht des Untergebenen, jedem Befehl seines
Vorgesetzten sich ohne Widerrede zu fügen, die Grundlage aller
Disziplin und Mannszucht (vgl. Insubordination). In der Logik ist
S. der Begriffe dasjenige Verhältnis derselben, vermöge
dessen ein Begriff zum Umfang eines andern, ihm übergeordneten
gehört (vgl. Koordinieren).
Suboxyd und Suboxydul, s. Oxyde.
Sub poena (lat.), unter Androhung einer Strafe.
Subreption (lat.), Erschleichung (s. d.), insbesondere
durch Angabe falscher Thatsachen (vgl. Obreption).
Subrogieren (lat.), jemand in eines andern Stelle setzen;
einem sein Recht abtreten.
Sub rosa (lat.), im Vertrauen, unter der Bedingung der
Verschwiegenheit. Der Ausdruck bezieht sich auf den Brauch im
Altertum, daß man bei Gastmählern eine Rose als Symbol
der Verschwiegenheit über den Gästen auszuhängen
pflegte.
Subsekutiv (lat.), nachfolgend.
Subsellien (lat.), Schulbänke; s.
Schulgesundheitspflege, S. 649.
Subsemitonium modi, der Halbton unter der Tonika, also
die große Septime in der aufsteigenden Tonleiter, der Leitton
der Tonart.
Subsequenz (lat.), das Nachfolgende.
Subsidien (lat.), ursprünglich bei den Römern
das dritte Treffen der Schlachtordnung, welches den beiden ersten
Treffen im Notfall zu Hilfe zu kommen hatte, später
überhaupt die Reserve in der Schlachtordnung; dann Bezeichnung
für Hilfsmittel überhaupt, daher "in subsidium",
subsidiär (subsidiarisch), s. v. w. unterstützend,
hilfeleistend. Namentlich versteht man unter S. Gelder, die im Fall
eines Kriegs vermöge eines besondern Vertrags
(Subsidientraktats) ein Staat dem andern zahlt (s. Allianz). In
England werden mit dem Ausdruck Subsidiengelder (grants,
"Bewilligungen") auch diejenigen Gelder bezeichnet, welche vom
Parlament jährlich für die Land- und Seemacht bewilligt
werden. Charitativsubsidien, die ehedem von der reichsfreien
Ritterschaft dem Kaiser entrichteten zeitweiligen Abgaben.
Sub sigillo (lat.), unter dem Siegel (der
Verschwiegenheit); vgl. Beichtsiegel.
Subsistieren (lat.), Bestand haben; seinen Unterhalt
haben; Subsistenz, Lebensunterhalt.
Subskribieren (lat.), unterschreiben, auf etwas
unterzeichnen, eine Subskription (s. d.) eingehen.
Subskription (lat.), die Verpflichtung durch
Namensunterschrift zur Teilnahme an einem Unternehmen oder zur
Annahme einer Ware, besonders einer litterarischen Arbeit oder
eines Kunstwerks, aber auch zur Übernahme von Aktien oder zur
Beteiligung an einer Anleihe (s. Staatsschulden, S. 204). Die S.
bewirkt für den Subskribenten rechtliche Verbindlichkeit, wenn
auch vom andern Teil alle Versprechungen sowohl hinsichtlich der
Zeit der Lieferung als auch der Beschaffenheit des zu liefernden
Gegenstandes eingehalten werden. Der Subskriptionspreis ist oft
niedriger gestellt als der spätere Kaufpreis. Das Sammeln von
Subskribenten durch Buchhandlungsreisende wird nicht als
Hausiergewerbe behandelt.
Sub sole (lat.), unter der Sonne.
Substantiell (lat.), wesenhaft, wesentlich (s. Substanz);
derb, kräftig (von Speisen); materiell; Substantialität,
Wesenheit, Selbständigkeit.
Substantiv (Nomen substantivum, Haupt-, Dingwort), in der
Grammatik Bezeichnung einer Person oder Sache oder eines Begriffs.
Der Ausdruck S. findet sich im Altertum noch nicht, sondern ist
erst bei den Grammatikern des Mittelalters aufgekommen, die ihn aus
dem lateinischen substantia ("Stoff") bildeten. Er drückt
besonders den Gegensatz dieser Wort-
415
Substanz - Subtraktion
klasse zu den Eigenschaftswörtern (Adjektiven) aus, die
bloß ein einzelnes Merkmal bezeichnen. Schon die Alten
teilten das S. in verschiedene Klassen ein; die noch jetzt
allgemein gebräuchlichen Einteilungen sind folgende. Je
nachdem ein S. ein bestimmtes, persönliches Wesen oder eine
ganze Gattung von Personen, Sachen oder Begriffen bezeichnet,
heißt es Nomen proprium (Eigenname) oder Nomen appellativum
(Gattungsname). Das Appellativum kann wieder Abstractum oder
Concretum sein, je nachdem es entweder etwas bloß Gedachtes
oder Vorgestelltes, oder etwas wirklich im Raum Vorhandenes
bedeutet. Andre Unterarten des Nomen appelativum sind die
Collectiva (Sammelwörter), die eine Gesamtheit von Individuen
bezeichnen, wie z. B. Volk, Menge, Schar, und die Materialia
(Stoffwörter), wie Gold, Wasser, Wein, Getreide. Für die
historische und vergleichende Sprachforschung sind alle diese
Unterschiede nicht vorhanden, da die Substantiva aller Arten und
selbst die Adjektiva und Partizipia fortwährend ineinander
übergehen, auch die Eigennamen stets aus einem Appellativum
entstanden sind und auch wieder zu einem solchen werden
können, wie z. B. Cäsar ursprünglich "Töter,
Mörder" bedeutete, dann ein Beiname des Gajus Julius
Cäsar, hierauf der gewöhnliche Titel der römischen
und später der deutschen "Kaiser", zuletzt in manchen
Fällen im Deutschen wieder ein Eigenname geworden ist. Das S.
ist neben dem Verbum der wichtigste der Redeteile, und es gibt
keine Sprache, der das S. fehlt. Die Flexion der Substantiva durch
angehängte Kasusendungen (s. Kasus) heißt
Deklination.
Substanz (lat.), im gewöhnlichen Sinn das Grund
wesen, das Wesentliche oder der Hauptinhalt einer Sache, der Stoff,
im Gegensatz zum Accidens (s. d.), der zufälligen, nicht
wesentlichen Eigenschaft eines Dinges. So bezeichnet man z. B.
Kapitalien als S. eines Vermögens im Gegensatz zum Ertrag oder
den Zinsen als seinen Accidenzien. In der Philosophie ist S. das
unbekannte Seiende, welches als beharrlich und bleibend
gegenüber allem Wechsel der Erscheinung gedacht wird und dem
Vielen und Mannigfaltigen die Einheit gibt. Hinsichtlich der
Bestimmung des Wesens dieser S. gehen die philosophischen Systeme
auseinander. Ob es eine Vielheit von Substanzen gebe (Monaden des
Leibniz, reale Wesen Herbarts), oder ob nur eine anzunehmen sei (S.
des Spinoza), ob dieselbe oder dieselben geistiger oder materieller
Natur seien, darüber ist der alte Streit bis auf den heutigen
Tag nicht entschieden.
Substituieren (lat), an eines andern Stelle setzen.
Substitut (lat.), ein Amts- oder Stellvertreter;
Beigesetzter, Nachgeordneter im Amt, auch s. v. w. Nacherbe (s.
Substitution).