Katharinen-Straße D4

Katholische Kirche, Alte DE2

Katholische Kirche, Neue B4

Keppler-Straße D1,2

Kerner-Straße F2,3

Kolb-Straße AB5

Königsbau D2

Königs-Straße CE2,3

Königs-Thor E2

Korps-Kommando DE1

Kreuser-Straße D1

Kreuz-Straße D4

Kriegsberg, Mittlerer E1

Kriegsberg, Unterer D1

Kriegsberg-Straße CE1

Kriegs-Ministerium DE4

Kronprinz-Straße CD3

Kronprinzen-Palais C2,3

Kühlesteig E5

Kunstausstellung, Permanente C3

Kunst-Verein D2

Landhaus-Straße F2

Lange-Straße C2,3

Lazarett-Straße D4

Legions-Kaserne C3

Lehen-Straße B5

Lerchen-Straße AC1

Liederhalle C2

Lindenspür-Straße AB1

Linden-Straße CD2,3

Loge Wilhelm B3

Loge zu den 3 Zedern D4

Lorenz-Straße D45

Ludwigsburger Straße EF1

Ludwigs-Spital B1

Ludwigs-Straße AB2

Maler-Straße F3

Marien-Platz A5

Marien-Straße B4

Markt-Halle D3

Markt-Platz D3

Markt-Straße D34

Marstall E2

Militär-Spital B2

Militär-Straße AB2

Minsterium des Äußern CD3

Möricke-Denkmal B4

Moser-Straße EF3

Mozart-Straße C5

Münze EF2

Münz-Straße D3

Museum für bildende Künste F3

Museum, Oberes D2

Museum, württemb. Altertümer E3

Neckar-Straße EF2,3

Nadler-Straße CD3

Naturalien-Kabinett E3

Neue Brücke C3

Olga-Spital A2

Olga-Straße CE4,5

Orangerie E1

Paulinen-Straße BC3,4

Paulinen-Straße, Verlängerte B2,3

Pfarr-Straße D4

Polizei C3

Polytechnische Schule D1

Postamt D2

Posthof C3

Post-Platz, Alter C3

Post-Straße C3

Prinzen-Palais D3

Prinzessinnen-Palais E3,4

Rathaus D3

Realgymnasium C1

Reinsburg A4

Reinsburg-Straße AB4

Reiter-Kaserne E1

Reuchlin-Straße A3

Röer-Straße B5

Rosen-Straße DE4

Rosenberg-Straße AC1

Rote-Straße C2,3

Rote Bühl-Straße AC3

Sankt Johannes-Kirche B3

Sankt Leonhards'Krche D4

Sankt Leonhards-Platz D4

Sankt Leonhards-Str D4

Sänger-Straße F2,3

Schellen-König F5

Schelling-Straße CD2

Schiler-Denkmal D3

Schiller-Straße E1

Schlachthaus C1

Schloß, Altes D3

Schlosser-Straße C4,5

Schloß-Garten EF1,2

Schloß-Kirche E3

Schloß, Königliches DE3

Schloß-Platz D2,3

Schloß-Platz, Alter D3

Schloß-Straße AD2

Schmale-Straße C3

Schul-Straße D3

Schützenhaus F3

Schützen-Straße F2,3

Schwab-Denkmal C2

Schwab-Straße D1,2

See-Straße D1,2

Seiden-Straße C1,2

Sennefelder-Straße A1-3

Silberburg B4

Silberburg-Straße B1-4

Silcher-Straße B2

Sonnenberg-Straße E5

Sophien-Straße C3,4

Stadt-Direktion D3

Stadt-Garten D1,2

Stafflenberg E5

Ständehaus D2,3

Stein-Straße C-D3

Stifts-Kirche D3

Stiftskirchen-Platz D3

Strohberg-Straße B5

Stützenburg DE5

Synagoge C2

Tannen-Straße A5

Telegraphen-Amt D2

Theater E2

Thor-Straße C4

Tübinger Straße C4

Tübinger Thor BC4

Turm-Straße D5

Turnhalle, Erste C2

Uhland-Denkmal E2

Uhlands-Höhe F3

Uhlands-Straße E4

Ulrich-Straße E3

Urban-Straße EF2-4

Vera-Straße F3

Vogelsang-Straße A2,3

Wagner-Straße D4

Waisenhaus D3

Wannen-Straße AB3,4

Wasser-Reservoir F5

Weber-Straße DE4

Wein-Straße C3

Weißenburg-Straße C5

Wilhelms-Platz CD4

Wilhelms-Straße D4,5

Wilhelms-Thor D5

Zorn, Villa B4

Zuchthaus A2

Zucker-Fabrik E1

Zwinger, Im D3,4

409

Stuttgart (Beschreibung der Stadt).

sind hervorzuheben: die Stiftskirche (1436-1531 erbaut), mit

zwei Türmen; die Leonhardskirche (1470 bis 1491 im gotischen

Stil erbaut), mit einem steinernen Kalvarienberg von großem

Kunstwert; die Hospitalkirche (1471-93 erbaut), mit vielen

Grabmälern (darunter das Reuchlins) und dem Modell der

Christusstatue von Dannecker; die prachtvolle, 1865-76 im gotischen

Stil von Leins aufgeführte Johanniskirche; die englische

Kirche; die neue Garnisonkirche von Dollinger (1879) im romanischen

Stil; die alte und die von Egle 1873-79 erbaute neue katholische

Kirche und die 1860 im maurischen Stil aufgeführte Synagoge.

Von weltlichen Gebäuden sind zu nennen: das Neue

Residenzschloß im französischen

Renaissancestil(1746-1807 erbaut); das Alte Schloß, in dessen

Hof sich das bronzene Reiterstandbild des Grafen Eberhard im Bart

(von Hofer) befindet; das 1845-46 umgebaute Hoftheater mit vier

ehernen Statuen von Braun; die sogen. Akademie, ein Nebenbau des

Schlosses (früher Sitz der Karlsschule, jetzt die

königliche Handbibliothek, den königlichen Leibstall, die

Schloßwache etc. enthaltend); der im italienischen Stil

erbaute Wilhelmspalast; das Kronprinzenpalais, im römischen

Palaststil aufgeführt (gegenüber das Denkmal Danneckers);

das Palais des Prinzen Hermann von Sachsen-Weimar; das

Ständehaus; das Museum der bildenden Künste (1838 bis

1843 im italienischen Palaststil erbaut), mit der Reiterstatue des

Königs Wilhelm, von Hofer; der Königsbau (1856 bis 1860

von Leins aufgeführt), mit Läden und der Börse in

den untern und mehreren großen Sälen in den obern

Räumen; das Rathaus (1456 erbaut); die Gebäude des

Staatsarchivs und der Naturaliensammlungen; das

Kanzleigebäude; das neue Justizgebäude; der Hauptbahnhof;

das neue Postgebäude; das Museum; das 1860-65 von Egle erbaute

Polytechnikum; die Blumen- und Gemüsehalle; das Schlachthaus

etc.

Die Zahl der Einwohner belief sich 1885 mit der Garnison (ein

Regiment und 2 Bataillone Infanterie Nr. 119 und 125 und ein

Ulanenregiment Nr. 19) auf 125,901 Seelen (gegen 107,289 im J.

1875), darunter 106,282 Evangelische, 16,067 Katholiken und 2568

Juden. Die industrielle Thätigkeit ist nicht unbedeutend. Ganz

besonders treten hervor die Bierbrauereien, die Farben-,

Pianoforte-, Harmonium-, Kassen-, Möbel-, Parkettboden-,

Zigarren-, Chemikalien- und Wagenfabrikation, die Eisen- und

Glockengießerei und die Fabrikation von Reiseartikeln.

Außerdem gibt es Fabriken für Trikot- und Wollwaren,

Baumwollen- u. Wollenzeuge, Teppiche, Leder, Papier, Posamentier-

und Kautschukwaren, Parfümerien, Bijouterie-, Glas-,

Porzellan-, Gold- und Silberwaren, mechanische und optische

Instrumente, Maschinen, Schokolade etc. Der Handelsverkehr,

unterstützt durch eine Handels- und Gewerbekammer, eine

Börse, durch zahlreiche Banken (darunter eine

Reichsbankhauptstelle), viele Wechsel und Geldgeschäfte etc.,

ist recht bedeutend; im Buchhandel ist S. nach Leipzig sogar der

wichtigste Platz in Deutschland. Die Stadt zählt über 100

Buch- und Kunsthandlungen, zahlreiche Buchdruckereien, Schrift- und

Stereotypengießereien, litho-, xylo- und photographische

Anstalten etc. Alljährlich findet hier eine

Buchhändlermesse für Süddeutschland statt. Bekannt

sind auch die Tuchmesse sowie die dortigen Karte der Umgebung von

Stuttgart Hopfen- und Pferdemärkte. Den Verkehr nach

außen hin fördern die Linien Bretten-Friedrichshafen und

S.-Freudenstadt der Württembergischen Staatsbahn, für

welche S. den Knotenpunkt bildet; eine Zahnradbahn führt nach

dem auf der Filderebene liegenden, durch seinen guten Rotwein und

seinen Obstbau bekannten Dorf Degerloch und weiter nach Hohenheim;

den Verkehr in der Stadt und mit der nächsten Umgebung

vermitteln zwei Pferdebahnlinien. An Wohlthätigkeitsanstalten

besitzt S. das Bürgerhospital, das Armenhaus, die

Olgaheilanstalt, die Paulinenhilfe (orthopädische

Heilanstalt), die Nikolauspflege für blinde Kinder, die

Paulinenpflege etc. sowie mehrere Wohlthätigkeits- und

zahlreiche andre gemeinnützige Vereine. Unter den

Bildungsanstalten steht das Polytechnikum (Wintersemester 1888-89:

248 Studierende) obenan. Außerdem befinden sich in S. eine

Baugewerk-, eine Kunst- und eine Kunstgewerbeschule, ein

Konservatorium, eine höhere Handels-, eine Tierarznei- und

eine Landes-

410

Stütze - Stüve.

hebammenschule und eine Turnlehrerbildungsanstalt; ferner 2

Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Reallehranstalt, ein Privatlehr-

und Erziehungsinstitut, ein Lehrerinnenseminar und zahlreiche

niedere Schulanstalten. Unter den Sammlungen für Kunst und

Wissenschaft ist die königliche Sammlung, bestehend aus einer

Bibliothek von über 400,000 Bänden, Gemälde-,

Skulpturen-, Antiken-, Münzen- und Naturaliensammlung, die

wichtigste. Außerdem gehören hierher: die Sammlung

vaterländischer Altertümer, die Gemäldesammlung des

Museums der bildenden Künste und die des Kunstvereins, die

permanente Kunstausstellung, die mit der Zentralstelle für

Handel und Gewerbe verbundenen Sammlungen, die

Präparatensammlung der Tierarzneischule, der zoologische

Garten etc. Groß ist die Zahl der in S. erscheinenden

Zeitschriften und politischen Zeitungen. S. ist Geburtsort des

Philosophen Hegel, des Architekten Heideloff, der Dichter Hauff,

Schwab u. a. S. ist Sitz des Staatsministeriums und sämtlicher

Zentralstellen des Landes, eines Oberlandes- und eines

Landgerichts, eines Oberbergamtes und eines Bergamtes, des

evangelischen Konsistoriums, des katholischen Kirchenrats und der

israelitischen Oberkirchenbehörde, einer

Militärintendantur, eines Gouverneurs, der

Oberrechnungskammer, einer Stadtdirektion, einer Münze

(Münzzeichen F) etc.; ferner des Generalkommandos des 13.

Armeekorps, des Kommandos der 26. Division, der 51. Infanterie- und

26. Kavalleriebrigade. Die städtischen Behörden setzen

sich zusammen aus 25 Gemeinderats- und 25

Bürgerausschußmitgliedern. - In der Umgebung der Stadt

sind bemerkenswert: das am Ende des Schloßgartens liegende

und zum Stadtdirektionsbezirk gehörige Berg (s. d.) mit

königl. Villa, die königl. Lustschlösser Rosenstein

und Wilhelma; gegenüber die Stadt Kannstatt (s. d.); im

Süden die Silberburg, ein Vergnügungsort der Bewohner von

S.; über derselben die 340 m hohe Reinsburg mit schönen

Villen am Abhang; weiterhin die Uhlandshöhe über dem

Schießhaus, 350 m ü. M., mit Anlagen, einem Pavillon und

der Uhlandslinde; ferner der Bosper, 481 m ü. M., und die

Schillerhöhe, in deren Nähe das Dorf Degerloch (s. oben);

im SW. der Stadt das Jägerhaus mit Aussichtsturm,

sämtlich mit schöner Aussicht; das Lustschloß

Solitüde mit Wildpark; endlich die Feuerbacher Heide.

Urkundlich kommt S., das seinen Namen von einem Gestütgarten

oder Fohlenhof führt, zuerst 1229 vor. 1312 wurde es dem

Grafen Eberhard entrissen und ergab sich an Eßlingen, wurde

jedoch 1316 wieder ausgeliefert. Seitdem haben die Grafen von

Württemberg hier ihren Sitz gehabt und es 1482 zur Hauptstadt

der württembergischen Lande gemacht. Doch verlegte Herzog

Eberhard Ludwig 1727 und nochmals Karl Eugen 1764 die Residenz

für mehrere Jahre nach Ludwigsburg. Bis 1822 stand S. unter

einer eignen Regierung, seitdem sind Stadt und Bezirk mit dem

Neckarkreis vereinigt und bilden ein eignes Oberamt unter dem Namen

einer Stadtdirektion. Vom 6.-18. Juni 1849 hielt der Rest der

deutschen Nationalversammlung, das sogen. Rumpfparlament, in S.

seine Sitzungen. Im September 1857 fand hier eine Zusammenkunft

zwischen Alexander I. von Rußland und Napoleon III. statt.

Vgl. Pfaff, Geschichte der Stadt S. (Stuttg. 1845-47, 2 Bde.);

Wochner, S. seit 25 Jahren (das. 1871); Nick, Chronik und Sagenbuch

von S. (das. 1875); "S. Führer durch die Stadt und ihre

Bauten" (Festschrift, das. 1884); "Beschreibung des

Stadtdirektionsbezirks S." (hrsg. vom statistisch-topographischen

Büreau, das. 1886); Hartmann, Chronik der Stadt S. (das.

1886).

Stütze, örtlich auch Stützel genannt, im

Bauwesen meist lotrechter hölzerner oder eiserner Pfosten zur

Unterstützung einer Decke oder eines Daches, seltener

geneigte, einem Seitendruck widerstehende Strebe. Die S. ist ein

insbesondere im Gegensatz zur Säule interimistischer

schmuckloser Träger und besteht entweder aus einem runden oder

vierkantigen beschlagenen Holzstamm auf Holz- oder Steinunterlage,

oder aus gußeisernen, im Querschnitt meist

kreuzförmigen, zusammengeschraubten Barren auf gemauertem

Fundament, oder aus winkel- oder I-förmigen Façoneisen,

welche zu kreuz- oder H-förmigen Querschnitten zusammengesetzt

und an eine gußeiserne, mit einem gemauerten Fundament

verankerte Unterlagsplatte geschraubt werden.

Stutzen, kurzes Gewehr, das zum Abschießen gegen

die Brust gestützt wurde; dann verkürztes, leichteres,

gezogenes Gewehr der Jäger und Scharfschützen.

Stützerbach, Dorf im preuß. Regierungsbezirk

Erfurt, Kreis Schleusingen, im Thüringer Wald, 587 m ü.

M., mit evang. Kirche, Hohlglas- und Glasinstrumentenfabrikation

und (1885) 1081 Einw. Dabei der gleichnamige weimarische Ort mit

675 Einw.

Stützpunkte, Punkte, an die sich irgend etwas, z. B.

ein Hebel, stützt oder lehnt. Im Kriegswesen sind taktische S.

solche Örtlichkeiten, z. B. Anhöhen, Ortschaften etc.,

die meist befestigt, für die Verteidigung besonders

günstig sind, ihr als Stütze dienen; strategische S. sind

meist große Festungen, auf welche sich operierende Armeen

zurückziehen können.

Stützzapfen, Zapfen, bei welchem der Druck zum

größten Teil in der Längenrichtung desselben wirkt.

Man unterscheidet hierbei Spurzapfen und Kammzapfen, je nachdem der

Druck nur von der Stirnfläche des Zapfens oder von seitlichen,

mit dem Zapfen fest verbundenen Ringen aufgenommen wird.

Stüve, Johann Karl Bertram, hannöv. Staatsmann,

geb. 4. März 1798 zu Osnabrück, ließ sich 1820

daselbst als Advokat nieder und war, 1830 zum Schatzrat

gewählt, seit 1831 in freisinniger Richtung auf dem Landtag

thätig. 1832 veröffentlichte er die Schrift "Über

die gegenwärtige Lage des Königreichs Hannover" (Jena).

1833 wurde er Bürgermeister seiner Vaterstadt. Nach der

Thronbesteigung des Königs Ernst August 1837 und nach der

durch denselben verfügten Vertagung des Landtags

veröffentlichte S. eine "Verteidigung des

Staatsgrundgesetzes". Am 20. März 1848 übernahm er unter

Graf Bennigsen das Ministerium des Innern, dessen Programm auf

Beseitigung der privilegierten Landesvertretung, Reform der

Administration und Justiz, Selbständigmachung der Gemeinden,

Freigebung der Presse, Einrichtung von Schwurgerichten etc.

lautete. Dagegen war er in der deutschen Sache der Bildung eines

kleindeutschen Bundesstaats unter preußischer Leitung abhold

und suchte die Sonderrechte der Kleinstaaten sowie die Verbindung

mit Österreich aufrecht zu erhalten. Im Oktober 1850 legte er

sein Portefeuille nieder, blieb aber als Bürgermeister seiner

Vaterstadt (seit 1852) ein hervorragendes Mitglied der

Ständeversammlung, bis er wegen Differenzen mit dem

Bürgervorsteherkollegium 1864 sich veranlaßt sah, sein

Amt als Bürgermeister von Osnabrück niederzulegen. 1869

übernahm er auf kurze Zeit das Amt eines

Bürgervorstehers; er starb 16. Febr. 1872. Im J. 1882 wurde

sein Denkmal auf dem Marktplatz in Osnabrück enthüllt.

Obwohl liberal und echt deutsch gesinnt, ver-

411

Stygisch - Styrax

mochte er sich doch nicht mit der neuen Wendung der Dinge in

Deutschland zu befreunden. Die Annexion Hannovers und die Einigung

Deutschlands unter Preußen widerstrebten ihm ebensosehr wie

die Freizügigkeit und Gewerbefreiheit. Litterarisch

beschäftigte er sich mit der Geschichte Osnabrücks. Er

gab den 3. Band von Mösers "Osnabrückischer Geschichte"

(Berl. 1824) und den 3. Band von Fridericis "Geschichte

Osnabrücks aus Urkunden" (Osnabr. 1826) heraus; von seinen

selbständigen Arbeiten erwähnen wir: eine Darstellung des

Verhältnisses der Stadt Osnabrück zum Stift (Hannov.

1824); "Geschichte des Hochstifts Osnabrück" (Bd. 1 u. 2, das.

1853-1872; Bd.3, 1882); "Wesen und Verfassung der Landgemeinden in

Niedersachsen und Westfalen" (Jena 1851); "Untersuchungen über

die Gogerichte in Westfalen und Niederfachsen" (das. 1870) u.

a.

Stygisch (griech.), der Styx, d. h. der Unterwelt,

angehörig; daher s. v. w. fürchterlich, schauerlich.

Styl (griech.), s. Stil.

Stylidiaceen, dikotyle, etwa 100 Arten umfassende,

vorzugsweise in Australien einheimische Pflanzenfamilie aus der

Ordnung der Kampanulinen; von ihren nächsten Verwandten durch

ihre beiden mit dem Griffel in eine auf dem Eierstock stehende

Säule verwachsenen Staubgefäße verschieden.

Styliten (griech., Säulenheilige), eine im 5. Jahrh.

im Morgenland aufgekommene Klasse christlicher Asketen, welche ihr

Leben auf der Spitze hoher Säulen stehend zubrachten (s.

Simeon 3). Die S. hielten sich in Syrien und Palästina bis ins

12. Jahrh.; im Abendland fand ihr Beispiel keine Nachahmung.

Stylobat (griech.), aus der Vereinigung einzelner

Postamente (Stereobate) entstandenes fortlaufendes, abgestuftes

Fußgestell der Säulen; Säulenstuhl.

Stylodisch (styloidisch, griech.),

griffelförmig.

Stylograph (griech.), Fabrikname für einen mit Tinte

gefüllten Schreibgriffel; Füllfederhalter.

Stylographie (griech.), ein von dem Kupferstecher

Schöler in Kopenhagen erfundenes Verfahren zur leichtern

Herstellung von Kupferdruckplatten durch Gravierung in eine nicht

leitende Masse, von welcher dann zuerst eine erhabene, dann von

dieser eine vertiefte Platte auf galvanischem Weg abgeformt

werden.

Stylolithen (griech., "Säulensteine"),

stengelartige, gestreifte oder geriefte Gebilde in Kalken und

Mergeln, besonders im Muschelkalk, 1-30 cm lang und von 1 mm bis zu

mehr als 1 cm im Durchmesser. Die Längsachse der S. steht

gewöhnlich senkrecht zur Schichtungsfläche, doch gibt es

auch liegende S. Die Entstehung wird bald auf Erosion

zurückgeführt, bald mit der Entwickelung von Gasen in

Zusammenhang gebracht, am richtigsten aber wohl als Folge von Druck

und Pressung von noch plastischem Material aufgefaßt,

wofür Experimente, durch welche es Gümbel gelang, S.

künstlich darzustellen, sprechen. Eine verwandte Erscheinung

ist der Nagelkalk (Tutenmergel), konische, mit einer rohen innern

Struktur versehene Körper, ineinander gesteckten Tüten

vergleichbar, die hier und da im Lias vorkommen.

Stylosporen, die bei Kernpilzen in besondern

Fruchtbehältern, den Pykniden, durch Abschnürung an

Hyphenenden entstehenden Sporen (s. Pilze, S. 72 f.).

Stylus (lat.), Griffel, s. Blüte, S. 69.

Stymphalische Vögel (Stymphaliden), im griech.

Mythus Raubvögel mit ehernen Flügeln und Federn, die sie

wie Pfeile abschießen konnten, hausten am Stymphalischen See

in Arkadien und wurden von Herakles verscheucht.

Styphninfäure, s. Resorcin.

Styptische Mittel (Styptica), s. v. w. blutstillende

Mittel, s. Blutung, S. 90.

Styr, rechter Nebenfluß des Pripet im westlichen

Rußland, entspringt in Ostgalizien unweit der russischen

Grenze und mündet nach einem Laufe von über 500 km.

Styraceen, dikotyle Pflanzenfamilie aus der Ordnung der

Diospyrinen, durch die der Blumenkrone angewachsenen

Staubblätter und das ganz oder halb unterständige Ovar

von den nächstverwandten Ebenaceen und Sapotaceen verschieden.

Die nur Holzpflanzen enthaltende Familie zählt über 220

Arten, welche meist im tropischen Asien und Amerika einheimisch und

wegen der eigentümlichen aromatischen Harze (Storax, Benzoe),

welche ihre Stämme enthalten, zum Teil wichtige Arzneipflanzen

sind.

Styracinen, s. Diospyrinen.

Styrax Tourn. (Storaxbaum), Gattung aus der Familie der

Styraceen, an allen Teilen, mit Ausnahme der Blattoberseite, mit

Schuppen besetzte oder sternhaarig filzige, selten kahle

Sträucher oder Bäume mit ganzrandigen oder schwach

gesägten Blättern, meist weißen Blüten in

achsel- oder endständigen, einfachen oder zusammengesetzten

Trauben und kugeliger oder eiförmiger, ein- bis dreisamiger

Frucht. Etwa 60 Arten meist in den Tropengebieten Asiens und

Amerikas, spärlich im gemäßigten Asien und

Südeuropa. S. Benzoin Dryand. (Benzoebaum), mittelgroßer

Baum mit gestielten, eiförmig länglichen, lang

zugespitzten, oberseits kahlen, unterseits weißfilzigen

Blättern, innen braunroten, außen und am Rand

silberweißen Blüten und holziger,

weißlich-brauner, nicht aufspringender Frucht, wächst

auf Java und Sumatra, in Siam und Kotschinchina, wird auch

kultiviert und liefert die Benzoe. S. officinalis L. (echter

Storaxbaum), ein Strauch oder kleiner Baum mit kurz gestielten,

breit länglichen, unterseits weißfilzigen Blättern,

endständigen, nickenden, zwei- bis vierblütigen Trauben

mit wohlriechenden Blüten und filziger grüner

Steinfrucht, wächst in den östlichen

Mittelmeerländern nördlich bis Dalmatien und lieferte

früher Styrax, der gegenwärtig allein von Liquidambar

orientalis gewonnen wird.

Styrax (Storax, Judenweihrauch), ein Balsam, welcher aus

der Rinde des Amberbaums, Liquidambar orientalis Mill., im

südlichen Kleinasien und Nordsyrien durch Behandeln mit warmem

Wasser und Abpressen gewonnen wird. Er ist zäh,

dickflüssig, schwerer als Wasser, grau, etwas

grünbräunlich, undurchsichtig, wird beim Erwärmen

braun und durchsichtig, trocknet nicht an der Luft, löst sich

in Alkohol und Äther, riecht angenehm, schmeckt scharf

aromatisch, kratzend, besteht aus Zimtsäurestoresinäther,

Zimtsäurephenylpropyläther, Zimtsäurezimtäther,

freier Zimtsäure, Äthylvanillin, Styrol etc. Man benutzt

ihn in der Parfümerie und als Mittel gegen Krätze. Die

Produktion beträgt jährlich etwa 800 Ztr. S. wird schon

von Herodot erwähnt und kam durch die Phöniker nach

Griechenland. Neben oder vor dem Liquidambarstyrax war aber auch

das feste Harz von Styrax officinalis L. im Gebrauch, welches etwa

seit Beginn unsers Jahrhunderts nirgends mehr in einiger Menge

gewonnen wird. Die bei der Bereitung des S. ausgepreßte Rinde

wird getrocknet und dient mit nicht gepreßter Borke in der

griechischen Kirche als Christholz neben Weihrauch zum

Räuchern; früher kam sie als Cortex Thymiamatis in den

Handel. Gegenwärtig wird sie vielfach zerkleinert und mit S.

zu einem schmierigen oder ziemlich trocknen Gemenge verarbeitet,

welches als Styrax calamita von Triest aus

412

Styrum - Suber.

in den Handel kommt, statt jener Rinde aber oft auch nur

Sägespäne enthält. Aus dem amerikanischen

Liquidambar styraciflua L. gewinnt man durch Einschnitte in den

Stamm einen braungelben, ziemlich festen S. (Sweet gum), der

besonders von Kindern gern gekaut wird.

Styrum (Stirum), Fabrikort im preuß.

Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Mülheim a. d. Ruhr,

unweit der Ruhr und an der Linie Ruhrort-Holzwickede der

Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath.

Kirche, ein Schloß (Stammort der Grafen von S.), ein

großes Eisenwerk (zu Oberhausen), Fabrikation von feuerfesten

Steinen und Leim und (1885) 8896 meist kath. Einwohner.

Styx, in der griech. Mythologie älteste Tochter des

Okeanos und der Tethys, eilte zuerst von allen Göttern mit

ihren Kindern Zelos (Eifer), Nike (Sieg), Kratos (Kraft) und Bia

(Gewalt), die sie von Pallas, dem Sohn des Titanen Krios, geboren,

dem Zeus gegen die Titanen zu Hilfe. Dafür behielt er ihre

Kinder bei sich im Olymp, sie selbst erhob er zur Eidesgöttin

der Unsterblichen. Sie wohnt als Nymphe des mächtigen Flusses

S., der als ein Arm des Okeanos unter die Erde fließt und

(nach späterer Vorstellung) die Unterwelt neunmal

durchströmt, im äußersten Westen in einem von hohen

Felsen überschatteten und von silbernen Säulen getragenen

Haus. Ist ein Streit unter den Göttern nur durch Eidschwur zu

lösen, so holt Iris von ihrem heiligen Wasser in goldener

Kanne, und wehe demjenigen, der bei diesem Wasser falsch

schwört. Den Fluß S. hat man später in dem jetzt

Mavronéri genannten arkadischen Gewässer

wiedergefunden.

Su (türk.), s. v. w. Wasser, Fluß.

Suada (Suadela, lat.), s. v. w. Peitho (s. d.); dann

überhaupt Rede- und Überzeugungsgabe.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 119 / 302 段