(Ungarn), besuchte die hohen Schulen von Modern und Preßburg,
studierte in Wien und Schemnitz, wurde 1850 Mitglied der k. k.
geologischen Reichsanstalt in Wien und 1877 Vizedirektor derselben.
Er lieferte zahlreiche Arbeiten, namentlich über
Pflanzenpaläontologie, und schrieb: "Geologie der Steiermark"
(Graz 1871, mit Karte); "Die Kulmflora des
mährisch-schlesischen Dachschiefers"(Wien 1875); "Die
Kulmflora der Ostrauer und Waldenburger Schichten" (das. 1877);
"Die Karbonflora der Schatzlarer Schichten" (das. 1885-87) u.
a.
Stura, Fluß in der ital. Landschaft Piemont,
entspringt auf der Höhe des Monte Argentera in den Seealpen,
tritt vor Cuneo in die oberitalienische Tiefebene und mündet
bei Cherasco in den Tanaro; 110 km lang. Noch drei andre
Wasserläufe im Piemontesischen heißen S.
Sturdza (Stourdza), moldauische Bojarenfamilie, die
urkundlich bis in den Anfang des 15. Jahrh. hinaufreicht. Gregor S.
war unter dem Fürsten Kallimachi Kanzler der Moldau und
leitete die Abfassung des 1817 erschienenen moldauischen
Gesetzbuchs. Als nach der langen Fremdenherrschaft der Fanarioten
der Hospodarensitz der Moldau wieder von Rumänen eingenommen
wurde, waren es zwei Sturdzas, die nacheinander denselben
besetzten: Johann S. (1822-28) und Michael S. (1834 bis 1. Mai
1849). Die Regierung beider war sehr erschwert durch das auf den
Donaufürstentümern lastende russische Protektorat. Johann
S. mußte einer russischen Besitznahme der Moldau weichen, die
1828-34 währte. Michael Sturdzas (geb. 14. April 1795, gest.
8. Mai 1884 in Paris) 14jährige Regierung wurde verhaßt
durch den russischen Zuschnitt, den er dem Fürstentum zu geben
sich bemühte (s. Walachei, Ge-
406
Sture - Sturm
schichte). Vgl. "Michel Stourdza et son administration"
(Brüssel 1848); "Michel Stourdza, ancien prince regnant de
Moldavie" (Par. 1874). Sein Sohn Gregor, geb. 1821, ist ein
Hauptvertreter der russischen Partei in Rumänien.
Außerdem haben sich einen Namen gemacht:
1) Alexander S., geb. 29. Nov. 1791, Sohn eines moldauischen
Bojaren, der als politisch Kompromittierter 1792 nach Rußland
auswanderte, erhielt seine Bildung in Deutschland und suchte sich
nach seiner Rückkehr nach Rußland der dortigen Regierung
als loyaler Publizist bemerklich zu machen. Seine Schrift
"Betrachtungen über die Lehre und den Geist der orthodoxen
Kirche" (deutsch, Leipz. 1817) erwarb ihm die Würde eines
russischen Staatsrats. Auf dem Kongreß zu Aachen schrieb er
im Auftrag seines Kaisers ein "Memoire sur l'etat actuel de
l'Allemagne" (deutsch in den "Politischen Annalen" 1819), worin er
unter andern ungerechten Urteilen über Deutschland namentlich
die deutschen Universitäten als Pflanzschulen
revolutionären Geistes und des Atheismus hinstellte. Die
bedeutendsten Gegenschriften sind: "Coup d'oeil sur les universites
de l'Allemagne" (Aach. 1818) und von Krug (Leipz. 1819). S. zog
sich 1819 nach Dresden zurück, wo er sich mit einer Tochter
Hufelands verheiratete, und 1820 auf seine Güter in der
Ukraine und lebte später zu Odessa, sich der Einrichtung und
Leitung wohlthätiger Anstalten, unter andern eines
Diakonissenvereins, widmend. Er starb 25. Juni 1854 zu Mansyr in
Bessarabien. Von seinen übrigen Schriften ist hervorzuheben
"La Grece en 1821" (Leipz. 1822). Nach seinem Tod wurden
herausgegeben: "OEuvres posthumes religieuses, historiques,
philosophiques et litteraires" (Par. 1858-61, 5 Bde.).
2) Demeter S. von Miclauscheni, rumän. Staatsmann und
Schriftsteller, geb. 10. März 1833, studierte in München,
Göttingen, Bonn und Berlin, war 1857 Kanzleichef des Diwans ad
hoc der Moldau, 1866 einer der eifrigsten Mitarbeiter an dem Sturz
des Fürsten Alexander Cusa, 1866 bei der Wahl des Fürsten
Karl von Hohenzollern als Mitglied (Minister der öffentlichen
Arbeiten) der provisorischen Regierung thätig und bekleidete
im Kabinett Bratianus 1876-88 wiederholt den Ministerposten der
öffentlichen Arbeiten, der Finanzen, des Äußern und
des Unterrichts. Als Generalsekretär der rumänischen
Akademie leitet er die Herausgabe von zwei großen
Quellenwerken über rumänische Geschichte (Hurmuzakis
"Documente privitoare la Istoria Romanilor", Bukar. 1876-89, 11
Bde., u. Sturdzas "Acte si Documente privitoare la Istoria
Renascerei Romaniei", das. 1888-89, 3 Bde.). Er schrieb mehrere
historische und numismatische Abhandlungen, z. B. "La marche
progressive de la Russie sur le Danube" (Wien 1878); "Rumänien
und der Vertrag von San Stefano" (das. 1878); "Übersicht der
Münzen und Medaillen des Fürstentums Rumänien,
Moldau u. Walachei" (das. 1874); "Memoriu asupra numismaticei
romanesci" (Bukar. 1878).
Sture, altadliges Geschlecht in Schweden, das 1716
erlosch. Sten S. der ältere, Reichsvorsteher von Schweden,
Sohn Gustav Amundssons S. und Schwestersohn Karl Knutsons, ward
nach dessen Tod 1470 Reichsvorsteher und besiegte den
Dänenkönig Christian I. 10. Okt. am Brunkeberg. Er
errichtete 1476 die Universität zu Upsala, führte die
Buchdruckerei in Schweden ein und versöhnte sich 1497 mit
König Johann von Dänemark, der bloß den Titel eines
Königs von Schweden führte, während S. Regent war.
Er starb 13. Dez. 1503 in Jönkoping, wahrscheinlich an Gift.
Vgl. Palmen, Sten Stures strid med konung Hans (Helsingf. 1884);
Blink, Sten S. den äldre och hans samtider (Stockh. 1889). Ein
Seitenverwandter von ihm, Svante Nilsson S., folgte ihm als
Reichsvorsteher. Derselbe setzte den Krieg gegen die Dänen
fort, eroberte Kalmar, welches dieselben besetzt hielten, und
schlug Johann zu wiederholten Malen, starb aber schon 2. Jan. 1512
in Westeras, worauf sein Sohn Sten S. der jüngere 23. Juli
1512 zum Reichsverweser erwählt wurde. Er unterlag in der
Schlacht bei Bogesund, in welcher er verwundet wurde, den
Dänen und starb auf dem Weg nach Stockholm 3. Febr. 1520.
Seine Leiche wurde nach dem Stockholmer Blutbad auf einem
Scheiterhaufen verbrannt.
Sturluson, s. Snorri Sturluson.
Sturm, heftiger Wind (s. d.). Im Feldkrieg heißt S.
der entscheidende Angriff auf eine vom Feind besetzte Stellung,
Ortschaft, Schanze etc., wobei es zum Handgemenge (s. d.) kommt,
wenn der Feind standhält. Der S. auf Festungswerke ist in der
Regel nur nach vorhergegangenem förmlichen Angriff
möglich (s. Festungskrieg, S. 190).
Sturm, 1) Jakob S. von Sturmeck, elsäss. Staatsmann,
geb. 10. Aug. 1489 zu Straßburg, stammte aus einer edlen
Familie des Niederrheins, widmete sich zuerst dem Studium der
Theologie auf der Universität zu Freiburg, dann der
Rechtswissenschaft in Lüttich und Paris. 1525 wurde er zum
erstenmal Stadtmeister in seiner Vaterstadt. Schon früh
schloß er sich der Reformation an und nahm 1529 an dem
Religionsgespräch zu Marburg teil, sonderte sich dann aber von
den Lutheranern , weil er ihnen die Schuld an der Spaltung der
Evangelischen zuschrieb, und überreichte 1530 im Namen
Straßburgs und andrer Städte auf dem Reichstag zu
Augsburg die Confessio tetrapolitana. Um die Aufnahme seiner
Vaterstadt in den Schmalkaldischen Bund zu erreichen, machte er
1532 Luther einige Zugeständnisse. Fortan leitete er
Straßburgs Angelegenheiten mit großer Umsicht und
vertrat ihre Interessen auf mehreren Gesandtschaften mit Geschick.
Auch gelang es ihm, 1547 nach der Schlacht bei Mühlberg die
von Karl V. auferlegte Kontribution zu ermäßigen. S. hat
die Bibliothek und ein Gymnasium in Straßburg begründet,
das bald erfreulich gedieh (s. S. 2). Er starb 30. Okt. 1553 in
Straßburg. Vgl. Baum, Jakob S. (3. Aufl., Straßb.
1872); Baumgarten, Jakob S. (das. 1876).
2) Johannes von, verdienter Schulmann, geb. 1. Okt. 1507 zu
Schleiden in der Eifel, besuchte das Gymnasium der Hieronymianer zu
Lüttich, vollendete seine Studien auf der Universität
Löwen, ward 1530 akademischer Lehrer der klassischen Sprachen
in Paris und 1537 Rektor des neugegründeten Gymnasiums zu
Straßburg, welches unter seiner Leitung europäischen Ruf
erlangte. Als eifriger Calvinist mit den Lutheranern in Streit
über die Annahme der Konkordienformel verwickelt, verlor S.
1582 seine Stelle und starb 3. März 1589 in Straßburg.
Kaiser Karl V. verlieh ihm den Reichsadel. Sturms Studienordnung,
im wesentlichen auf Melanchthons Grundsätzen erbaut, war das
Vorbild für zahlreiche Schulpläne des 16. und 17. Jahrh.
und hatte namentlich auch wesentlichen Einfluß auf die Ratio
studiorum der Jesuiten. Vgl. Schmidt, La vie et les travaux de Jean
S. (Straßb. 1855); Laas, Die Pädagogik des J. S. (Berl.
1872); Kückelhahn, J. S., Straßburgs erster Schulrektor
(Leipz. 1872); Paulsen, Geschichte des gelehrten Unterrichts (das.
1885).
407
Sturmbock - Sturmvogel.
3) Jakob, Kupferstecher und Naturforscher, geb. 21. März
1771 zu Nürnberg, gest. 28. Nov. 1848 daselbst, verdient durch
seine ikonographischen Werke über die deutsche Flora und
Fauna, nach Sturms Tod fortgesetzt von seinem Sohn Johann Wilhelm
S. (geb. 19. Juli 1808, gest. 7. Jan. 1865 in Nürnberg),
nämlich: "Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur"
(Nürnb. 1798-1855, 163 Hefte mit 2472 Tafeln; 1. Abt.:
Phanerogamen, 96 Hefte, bearbeitet von Hoppe, Schreber, Sternberg,
Reichenbach und Koch; 2. Abt.: Kryptogamen mit Ausschluß der
Pilze, 31 Hefte, von Launer und Conde; 3. Abt.: Die Pilze, 36
Hefte, von Ditmar, Rostkovius, Conde, Preuß, Schnizlein und
F. v. Strauß); "Deutschlands Fauna in Abbildungen nach der
Natur" (das. 1805-57; Vögel, Amphibien, Mollusken,
Käfer).
4) Julius, Lyriker, geb. 21. Juli 1816 zu Köstritz im
Reußischen, studierte zu Jena Theologie und wirkte seit 1857
als Pfarrer in Köstritz, bis er 1885 mit dem Titel eines
Geheimen Kirchenrats in den Ruhestand trat. Von seinen Dichtungen
sind hervorzuheben: "Gedichte" (Leipz. 1850, 5. Aufl. 1882);
"Fromme Lieder" (das. 1852, 11. Aufl. 1889); "Zwei Rosen oder das
Hohelied der Liebe" (das. 1854); "Neue Gedichte" (das. 1856, 2.
Aufl. 1880); "Neue fromme Lieder und Gedichte" (das. 1858, 3. Aufl.
1880); "Für das Haus", Liedergabe (das. 1862); "Israelitische
Lieder" (3. Aufl., Halle 1881) und "Von der Pilgerfahrt" (das.
1868); ferner die neue Sammlung "Lieder und Bilder" (Leipz. 1870, 2
Tle.); "1870. Kampf- und Siegesgedichte" (Halle 1870); "Spiegel der
Zeit in Fabeln" (Leipz. 1872); "Gott grüße dich" (das.
1876, 3. Aufl. 1887); "Das Buch für meine Kinder" (das. 1877,
2. Aufl. 1880); "Immergrün", neue Lieder (das. 1879, 2. Aufl.
1888); "Märchen" (das. 1881, 2. Aufl. 1887); "Aufwärts!",
neue religiöse Gedichte (das. 1881); "Neues Fabelbuch" (5.
Aufl., das. 1881); "Dem Herrn mein Lied", religiöse Gedichte
(Brem. 1884); "Natur, Liebe, Vaterland", neue Gedichte (Leipz.
1884); "Bunte Blätter" (Wittenb. 1885); "Palme und Krone",
Lieder zur Erbauung (Brem. 1887). Tief religiöser Sinn,
Innigkeit der Empfindung und echt deutsche Gesinnung zeichnen die
Dichtungen Sturms durchweg aus. Er gab auch die Anthologie
"Hausandacht in frommen Liedern unsrer Tage" (Leipz. 1870, 5. Aufl.
1883) und unter dem Pseudonym Julius Stern die Märchensammlung
"Das rote Buch" (das. 1855) heraus.
5) Eduard, österreich. Abgeordneter, geb. 8. Febr. 1830 zu
Brünn, studierte in Olmütz und Brünn die Rechte,
ward 1852 Advokat zu Brünn und 1856 in Pest. 1861 nach
Brünn zurückversetzt, beteiligte er sich daselbst an der
Gründung und Förderung vieler öffentlicher Vereine
und Anstalten. 1865 ward er zu Iglau in den mährischen Landtag
und von diesem 1867 in das österreichische Abgeordnetenhaus
gewählt, dem er seitdem ununterbrochen angehörte. Er ist
Mitglied der verfassungstreuen Partei und ein vortrefflicher
Redner. 1870 siedelte er als Advokat nach Wien über, schadete
aber hier in der Zeit des Gründungsschwindels seinem Ansehen
sehr durch seine Beteiligung an unsoliden finanziellen
Unternehmungen.
Sturmbock (Mauerbrecher), s. Aries.
Sturmbretter, s. Fußangeln.
Sturmfeuer, mit Pulver oder heftig brennenden Stoffen
gefüllte Fässer, Töpfe, Säcke etc., welche
ehemals brennend auf den die Bresche stürmenden Feind
geschleudert wurden.
Sturmflut, der durch andauernden auf die Küste zu
wehenden Sturm hervorgerufene ungewöhnlich hohe Wasserstand.
Sturmfluten haben mit dem Wechsel der Gezeiten keinen notwendigen
Zusammenhang und treten zu allen Mondphasen auf, das Wasser steigt
und fällt in denselben nur weniger gleichförmig als
sonst. Ebb- und Flutstand werden um gleiche Beträge über
das gewöhnliche Maß emporgetrieben. Wenn sich bei
starkem Wind hohe Wellen bilden, auf deren Hinterseite der Wind
drückt, so daß die Wellenkronen sich
überstürzen, dann findet offenbar nicht mehr ein Hin- und
Herschwingen, sondern ein teilweises Vorwärtsbewegen des
Wassers statt. Hält der Sturm einige Zeit an, so ist die
Wassermasse, welche er vor sich hertreibt, sehr bedeutend, und wenn
die Küste, welche dem Sturm ausgesetzt ist, diesem eine offene
Bucht zuwendet, so kann dort ein mächtiger Wasserstau
stattfinden. Für die deutsche Bucht der Nordsee sind daher
andauernde schwere Stürme aus nordwestlicher Richtung die
gefürchtetsten. Bei den höchsten Sturmfluten der letzten
hundert Jahre stieg das Wasser bei Kuxhaven jedesmal nach
tagelangem Sturm aus W. bis NW. über den mittlern
Hochwasserstand: 22. März 1791 um 3 m, 3. Febr. 1825 um 3,18
m, 2. Jan. 1855 um 3,03 m. Bei der großen S. vom November
1872 wehte zwei Tage lang der Sturm aus der Richtung NO. bis ONO.
und trieb in der Ostsee die Wassermassen von der livländischen
Küste geradeswegs bis in die Buchten von Travemünde und
Kiel hinein, am erstern Ort einen Wasserstand von 3,38 m, am
letztern einen solchen von 3,17m über Mittelwasser
verursachend. Die Orkane der Tropen geben Anlaß zu ungeheuern
Sturmfluten, von denen die in der Bucht von Bengalen die
berüchtigtsten sind. Am 1. Dez. 1876 kamen durch eine solche
S. im Delta des Brahmaputra nahe an 200,000 Menschen um. Die
außerordentliche Verminderung des Luftdrucks in diesen
Orkanen ist für das Steigen des Wassers hier noch besonders
günstig. Vgl. Mayer, Über Sturmfluten (Berl. 1873);
Lentz, Flut und Ebbe und die Wirkungen des Windes auf den
Meeresspiegel (Hamb. 1879).
Sturmhaube (Sturmhut), s. Helm, S. 364.
Sturmhaube (Große und Kleine), Berggipfel, s.
Riesengebirge.
Sturmhut, Pflanzengattung, s. v. w. Aconitum.
Sturmpfähle, s. Palissaden.
Sturmrose, s. Kompaß.
Sturmschritt (früher auch Chargierschritt), beim
Militär die beim Vorgehen zum Angriff beschleunigte Gangart,
die zuletzt in vollen Lauf übergeht.
Sturmschwalbe, s. Sturmvogel.
Sturmsignale, die bei Sturmwarnungen gegebenen Signale,
s. Wetter.
Sturmsold, die den Soldaten für eine gewonnene
Schlacht oder die Erstürmung einer befestigten Stadt ehedem
gezahlte Belohnung, von der sich die heute noch gebräuchlichen
Douceurgelder herleiten.
Sturm- und Drangperiode, s. Deutsche Litteratur, S.
748.
Sturmvogel (Procellaria L.), Gattung aus der Ordnung der
Schwimmvögel und der Familie der Sturmvögel
(Procellariidae), kleine Vögel mit schlankem Leib,
großem Kopf, kurzem Hals, sehr langen, schwalbenartigen
Flügeln, mittellangem Schwanz, kleinem, schwächlichem,
geradem, an der Spitze herabgebogenem Schnabel, kleinen,
schwächlichen, langläufigen Füßen mit drei
langen, schwachen, durch Schwimmhäute verbundenen Vorderzehen
und rudimentärer Hinterzehe. Die Sturmschwalbe (Gewittervogel,
Petersläufer, Procellaria [Thalassidroma] pelagica L., s.
Tafel "Schwimmvögel II"), 14 cm lang, 33 cm breit, mit
abgestutztem
408
Sturmwarnungen - Stuttgart.
Schwanz, rußbraun, auf dem Oberkopf schwarz, auf dem
Bürzel, Steiß und an den Wurzeln der Steuerfedern
weiß und an den Spitzen der Flügeldeckfedern
trübweiß, und der Sturmsegler (P. Leachi Rchb.), 20 cm
lang, 50 cm breit, mit verhältnismäßig langem, tief
gegabeltem Schwanz, der vorigen ähnlich gefärbt, bewohnen
den Atlantischen und Stillen Ozean mit Ausnahme des höchsten
Nordens, leben meist auf hoher See, erscheinen nur zur Brutzeit am
Land, fliegen bald höher in der Luft, bald unmittelbar
über den Wogen, welche sie bald mit den trippelnden
Füßchen, bald mit den Spitzen der Schwingen
berühren, und lassen sich selten auf das Wasser nieder, um
auszuruhen. Sie sind hauptsächlich in der Nacht thätig,
nähren sich von allerlei Seetieren, brüten in
selbstgegrabenen Höhlen nahe der See und legen ein einziges
weißes Ei, welches wahrscheinlich von beiden Geschlechtern
ausgebrütet wird. Sie sind vollkommen harmlos, verlieren,
ihrem Element entrückt, gleichsam die Besinnung und sind auf
dem Land ganz hilflos. Angegriffen, suchen sie sich nur durch
Ausspeien von Thran zu verteidigen. Den Schiffern gilt die
Sturmschwalbe als Unglücksbote. Der Eissturmvogel (Fulmar, P.
[Fulmarus] glacialis Steph., s. Tafel "Schwimmvögel II"), 50
cm lang, 110 cm breit, ist weiß, auf dem Mantel
möwenblau, mit schwärzlichen Schwingen, braunen Augen,
gelbem Schnabel und Füßen, bewohnt das Nördliche
Eismeer, fliegt und schwimmt vortrefflich und kommt fast nur zur
Brut ans Land, auf welchem er sich sehr hilflos zeigt. Er
nährt sich von Fischen und Weichtieren, ist sehr
gefräßig und zudringlich, lebt und brütet gesellig
auf allen hochnordischen Inseln und legt nur ein weißes Ei;
gleichwohl werden auf Westmanöer bei Island jährlich
über 20,000 Junge ausgenommen, und trotzdem nimmt die Zahl der
Vögel von Jahr zu Jahr zu.
Sturmwarnungen, s. Wetter.
Sturnus, Star; Sturnidae (Stare), Familie aus der Ordnung
der Sperlingsvögel (s. d.).
Sturt (spr. stört), Charles, Australienreisender, in
England geboren, wollte 1827 einen in Zentralaustralien vermuteten
See entdecken und fand, dem Macquariefluß folgend, zu Anfang
1828 den Darlingfluß und, 1829 mit einer neuen
Forschungsreise betraut, den Murrayfluß. Begleitet von Stuart
(s.d. 1), führte er 1844-45 eine dritte große Reise aus,
auf der er den Cooper Creek entdeckte und nordwestlich bis fast in
das Zentrum des Kontinents vordrang. Er starb 16. Juni 1869 zu
Cheltenham in England. Seine ersten beiden Reisen beschrieb er in
"Two explorations into the interior of Southern Australia etc."
(Lond. 1833, 2 Bde.), die dritte in "Narrative of an expedition
into Central Australia etc." (das. 1848, 2 Bde.).
Sturz, der eine Thür oder ein Fenster oben
abschließende, horizontal aufliegende Teil, in der primitiven
Baukunst meist ein schwerer Steinblock oder Balken aus Holz.
Sturz, Helferich Peter, Schriftsteller, geb. 16. Febr.
1736 zu Darmstadt, studierte in Göttingen die Rechte und
Ästhetik, erhielt 1763 eine Anstellung zu Kopenhagen im
Departement der auswärtigen Angelegenheiten, 1770 bei dem
Generalpostdirektorium, ward 1773 Regierungsrat und zwei Jahre
später Etatsrat zu Oldenburg und starb 12. Nov. 1779 in
Bremen. S. war einer der geschmackvollsten deutschen Prosaiker, wie
seine "Erinnerungen aus dem Leben des Grafen von Bernstorff" (1777)
und seine "Briefe eines Reisenden" (1768) mit ihren trefflichen
Charakterschilderungen bekunden. Seine Schriften erschienen
gesammelt in 2 Bänden (Leipz. 1779-1782). Vgl. Koch, Helf.
Peter S. (Münch. 1879).
Sturzblech, dünnste Sorte Eisenblech.
Stürze, die starke Erweiterung der
Blechblasinstrumente an der dem Mundstück entgegengesetzten
Seite.
Sturzenbecker, Oskar Patrik, unter dem Namen Orvar Odd
bekannter schwed. Dichter und Schriftsteller, geb. 1811 zu
Stockholm, studierte und promovierte in Upsala, trat kurz darauf in
die Redaktion des "Aftonblad" in Stockholm ein und erwarb sich bald
einen Namen als gewandter und geistreicher Feuilletonist.
Später lebte er teils in Helsingborg, wo er mehrere Jahre lang
den "Öresundsposten" herausgab, teils in Kopenhagen; er starb
im Februar 1869 auf seinem Landsitz in der Nähe von
Helsingborg. Unter seinen Prosaschriften verdienen die meisterhaft
ausgeführten feuilletonartigen Skizzen: "Grupper och
personagen fran igar" ("Gruppen und Persönlichkeiten von
gestern") und "La Veranda" besondere Auszeichnung; auch viele
seiner Gedichte sind durch ihre frische, lebhafte Stimmung
anziehend. Seine gesammelten Werke erschienen in 5 Bänden (2.
Aufl., Stockh. 1880-82).
Stürzfurche, s. Brache.
Sturzgüter, beim Beladen von Schiffen durch die
Luken in den Schiffsraum gestürzte Güter, z. B. Kohlen,
Getreide, Erze u. dgl.
Stutereien (Gestüte), s. Pferde, S. 949.
Stuttgart (hierzu der Stadtplan), Haupt- und
Residenzstadt des Königreichs Württemberg, des
württembergischen Neckarkreises und des Stadtdirektionsbezirks
S., liegt in einer kesselförmigen, reizenden Erweiterung des
Nesenbachthals, das 1 km von der Stadt in das Neckarthal
ausläuft, von Weinbergen, Gärten und Villen rings
umgeben, unter 48° 46' nördl. Br. und 9° 10'
östl. L. v. Gr., 249 m ü. M., und wird durch die 1100 m
lange Königs- und die sich an diese anschließende
Marienstraße in die "obere" (im NW.) und die "untere Stadt"
(im SO.) geteilt, von denen letztere auch die Altstadt in sich
schließt. Außer den genannten Straßen sind die
Neckar-, Olga-, Reinsburg-, Silberburg- und Rote
Bühlstraße sowie unter den Plätzen der
Schloßplatz, der Alte Schloßplatz, die Planie, der
Dorotheen-, der St. Leonhards- und der Charlottenplatz, der
Feuerseeplatz und der Marktplatz hervorzuheben. Den
Schloßplatz zieren schöne Anlagen, inmitten deren sich
die 18 m hohe, mit einer Konkordia gezierte
Jubiläumssäule (1841 zur Feier des 25jährigen
Regierungsjubiläums König Wilhelms errichtet) erhebt, auf
dem Alten Schloßplatz steht das von Thorwaldsen modellierte
Standbild Schillers. Von den öffentlichen Anlagen und
Promenaden sind noch zu nennen: der Schloßgarten (mit der
Danneckerschen Nymphengruppe, der Eberhardsgruppe von Paul
Müller, der Hylasgruppe und den zwei Pferdebändigern von
Hofer), welcher sich bis in die Nähe von Kannstatt zieht, der
Silberburggarten (Eigentum der Museumsgesellschaft), die Planie mit
den neuerrichteten Denkmälern Bismarcks u. Moltkes
(Büsten, von Donndorf modelliert), der Stadtgarten, die
Anlagen bei der Seidenstraße, die neue Weinsteige etc. Von
den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden (9
evangelische, eine reformierte und eine kath. Kirche und eine
Synagoge) Wappen von Stuttgart.
STUTTGART.
Akademie E3
Alexander-Straße C-F3-5
Alleen-Straße C-E1
Archiv E3
Archiv-Straße E3,4
Augusten-Straße AB3
Bach-Straße, Obere CD4
Bach-Straße, Untere D3
Bahnhof D2
Bahnhof-Straße E1
Band-Straße D3
Baugewerk-Schule CD2
Berg-Straße C2
Bibliothek C3
Blumen-Straße E4
Böblinger Straße B4,5
Böheim-Straße A5
Bopser Brunnen D5
Bopser Straße C4,5
Bopser Weg D5
Bothanger Straße A2
Breite-Straße C3
Brunnen-Straße D4
Büchsen-Straße C2,3
Bürger-Hospital C2
Bürger-Museum C3
Bürger-Schule B2
Calwer Straße CD3
Charlotten-Platz DE3,4
Charlotten-Straße E4
Christophs-Straße C4
Classon Villa F3
Cotta-Straße B5
Dannecker-Denkm. D3
Diakonissen-Anstalt B1
Diemershalden F4,5
Dobel-Straße E5
Dorotheen-Straße u. Platz D3
Eberhards-Standbild D3
Eberhards-Straße CD4
Eich-Straße D3
Enge-Straße D3
Englische Kirche D4
Eßlinger Berg, Oberer F4
Eßlinger Straße D4
Etzel-Straße CD5
Eugens-Denkmal F3
Eugen-Straße EF3
Falbenhennen-Straße C5
Falkert-Straße B1
Fangelsbach-Friedhof B5
Fangelsbach-Straße B4,5
Färber-Straße D4
Feuer-See B3
Filder-Straße AB5
Finanzministerium E2
Forst-Straße AC1
Friedrichs-Straße D1,2
Furthbach-Straße B1
Gaisburg-Straße E4
Garnison-Kirche C1
Garten-Straße C23
Gebel-Straße A4
Gerber-Straße C4
Gewerbe-Halle CD1
Gewerbe-Museum C3
Goethe-Straße D1
Graben-Straße D3
Güter-Bahnhhof E1
Gutenberg-Straße AB3
Hasenberg-Straße A1-4
Hauptstätter Straße BD4
Hauptzollamt EF1
Hebammen-Schule D1
Hegel-Straße C1
Heiler E4
Herdweg C1
Hermanns-Straße B3
Herzog-Straße B3
Heslacher-Straße A5
Heu-Straße C2
Heusteig-Straße BD5
Hirsch-Straße CD3
Hohe-Straße C2
Hohenheimer Straße DE5
Holzgärten, Königl. C1
Holz-Straße D3,4
Hoppenlau-Friedhof C1
Hoppenlau-Straße C1,2
Hospital-Kirche C2
Hospital-Platz C2
Hospital-Straße C2
Hühnerdieb F3
Ilgen-Platz D4
Ilgen-Straße D3
Immenhofen-Straße BC5
Infanterie-Kaserne B3
Jäger-Straße DE1
Jakob-Straße D4
Johannes-Straße B1-3
Johannes-Kirche B3
Jubiläums-Säule D3
Justiz-Palast E3,4
Kanal-Straße E4
Kanonen-Weg F3
Kanzlei-Straße D1,2
Karls-Linde A4
Karls-Straße D3
Kasernen-Straße BC2
Katharinen-Hospital D1
Katharinen-Platz D4
Katharinen-Stift D2