"Grundzüge der Staatswissenschaft" (Frankf. 1847 bis 1848,

4 Bde.); "Das öffentliche Recht des Deutschen Bundes" (Mannh.

1846, 2 Bde.); "Geschichte der drei Volkserhebungen in Baden" (Bern

1849); "Das Revolutionszeitalter" (New York 1860, 7. Aufl. 1864);

"Diesseit und jenseit des Ozeans" (Koburg 1864, 4 Hefte);

"Geschichte der Neuzeit" (7. Aufl., das. 1864); "Die Pflanzenkost,

die Grundlage einer neuen Weltanschauung" (Stuttg. 1869); "Das

Seelenleben des Menschen" (Berl. 1869). - Seine Frau Amalie S.,

geborne Düsar, welche sich an den republikanischen

Unternehmungen ihres Mannes eifrig beteiligte und, gleichzeitig mit

diesem arretiert, bis 16. April 1849 in Haft blieb, schrieb:

"Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen" (Hamb. 1850)

und "Historische Zeitbilder" (Brem. 1850, 3 Bde.). Sie starb im

Februar 1862 in New York.

Struvit (Guanit), Mineral aus der Ordnung der Phosphate,

findet sich in rhombischen, ausgezeichnet hemimorph entwickelten

Kristallen, ist im frischen Zustand gelblich oder bräunlich,

glasglänzend, halbdurchsichtig bis undurchsichtig, Härte

1,5-2, spez. Gew. 1,66-1,75, zerfällt bei der Verwitterung in

ein weißes Pulver und besteht aus wasserhaltiger,

phosphorsaurer Ammoniakmagnesia (NH4)MgPO4+6H2O. S. ist hier und da

als ein offenbar sehr junges Produkt an Orten gefunden worden, an

denen menschliche oder tierische Abfallstoffe sich aufhäuften,

so unter der Nikolaikirche in Hamburg, in den Abzugskanälen

einer Dresdener Kaserne, zu Braunschweig und Kopenhagen, auch im

Guano (Guanit) der afrikanischen Küste und bei Ballarat in

Australien.

Strychuin C21H22N2O2, Alkaloid, findet sich neben Brucin

in den Brechnüssen (Krähenaugen) von Strychnos nux vomica

(0,28-0,5 Proz.) und in der Rinde dieses Baums (falsche

Angosturarinde), in den Ignatiusbohnen von S. Ignatii (1,5 Proz.),

im Schlangenholz von S. colubrina, in der Wurzelrinde von S.

Tieuté und dem daraus bereiteten Pfeilgift. Zur Darstellung

fällt man wässerigen Auszug von Krähenaugen mit

Alkohol, das verdampfte und wieder gelöste Filtrat mit

Kalkmilch, extrahiert den Niederschlag mit Alkohol, verdampft,

entfernt aus dem Rückstand das Brucin mit kaltem Weingeist und

reinigt das S. durch Umkristallisieren. S. bildet farb- und

geruchlose Kristalle, schmeckt äußerst bitter, hinterher

metallisch, ist sehr schwer löslich in Wasser, Alkohol und

Äther, etwas leichter in Chloroform, Benzol, zersetzt sich vor

dem Schmelzen bei 312°, ist nur in sehr geringen Mengen

sublimierbar, reagiert alkalisch und bildet meist

kristallisierbare, äußerst bitter schmeckende Salze, von

denen das salpetersaure S. C21H22N2O2.HNO3 in Wasser und Alkohol

schwer löslich ist. S. ist eins der stärksten Gifte und

wirkt besonders auf die motorischen Teile des Nervensystems; sehr

geringe Mengen erzeugen Starrkrampf, und meist wird durch Teilnahme

der Brustmuskeln an dem Starrkrampf schnell der Tod durch

Erstickung herbeigeführt. Morphium, Blausäure, Akonitin,

Curare und namentlich Chloralhydrat wirken dem S. entgegen. Vgl.

Falck, Die Wirkungen des Strychnins (Leipz. 1874).

Strychnos L., Gattung aus der Familie der Loganiaceen,

Bäume und (oft hoch schlingende) Sträucher, zum Teil

bewehrt, mit gegenständigen, kurzgestielten, ganzrandigen

Blättern, weißen oder grünlichen, häufig

wohlriechenden Blüten in achsel- oder endständigen,

dichten und fast kopfigen oder in kleinen, trugdoldigen oder in

rispigen Dichasien und meist kugeligen Beeren. Etwa 60 durchweg

tropische Arten. S. nux vomica L. (Krähenaugenbaum,

Brechnußbaum, s. Tafel "Arzneipflanzen II"), ein Baum mit

kurzem, dickem Stamm, eiförmigen, kahlen Blättern,

endständigen Trugdolden und großer, kugeliger,

orangefarbener, mehrsamiger Beere, in deren weißer,

gallertartiger Pulpa 1-8 Samen liegen, wächst in Ostindien,

besonders auf der Koromandelküste, auch auf der

Malabarküste, auf Ceylon, in Siam, Kotschinchina und

Nordaustralien und liefert in den Samen die offizinellen

Krähenaugen (Brechnüsse, Semen Strychni, Nux vomica).

Diese sind flach kreisrund, bis 3 cm breit und 0,5 cm dick,

graugelb, anliegend behaart und dadurch glänzend, mit

warzenförmig erhöhtem Mittelpunkt, schwer zu pulvern und

zu schneiden, schmecken sehr stark und anhaltend bitter und wirken

höchst giftig. Sie enthalten Strychnin, Brucin (und Igasurin),

gebunden an Igasursäure, und werden hauptsächlich als

Stomachikum bei Dyspepsie, Diarrhöe und Obstipation benutzt.

In den Arzneischatz wurden sie vielleicht durch die Araber

eingeführt und in Deutschland durch Valerius Cordus, Bauhin

und Geßner im 16. Jahrhundert näher bekannt. Die

schwärzlich aschgraue Rinde des Baums kam zu Anfang dieses

Jahrhunderts, der Angosturarinde beigemischt, in den Handel

(falsche Angosturarinde), ist jetzt aber wieder völlig

verschwunden. S. Tieuté Lesch. (Upasstrauch, Tschettek) ist

eine 25-30 m lange, einfache, astlose, armdicke Schlingpflanze,

welche mit ihren Ranken in den Urwäldern Javas die Bäume

erklettert, und aus deren Wurzelrinde ein furchtbares Pfeilgift,

das Upas-Tieuté, dargestellt wird. S. toxicaria Schomb.,

eine Schlingpflanze Guayanas, welche mit beindicken Gewinden andre

Stämme umschlingt, ferner S. Gobleri Planch. am Orinoko, S.

Castelnoeana Wedd. am obern Amazonas, S. Schomburgkii Kl., S.

cogens Beuth. und S. Crevauxii Planch. in Guayana liefern Curare.

S. potatorum L. (Atschier) ist ein Baum Indiens, dessen

Früchte von der Größe einer Kirsche und

genießbar sind, und dessen Samen (Klärnüsse)

schlammiges Wasser klar und trinkbar machen sollen. S. colubrina L.

(Schlangenholzbaum), ein Schlingstrauch in Ostindien etc., liefert

das Schlangenholz, welches gegen Schlangenbiß benutzt

wird.

Stryi, Stadt in Galizien, am Flusse S. (Nebenfluß

des Dnjestr), Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Zagorz-Husiatyn und

Lemberg-Lawoczne, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines

Bezirksgerichts, hat eine römisch-katholische und eine

griechisch-kath. Kirche, ein Schloß, ein Realgymnasium,

Dampfsäge, Gerberei und (1880) 12,625 Einw. (darunter 5450

Juden). S. ist 1886 größtenteils abgebrannt.

Strymon, Fluß, s. Struma.

Strzelecki (spr. -letzki), Paul Edmund, Graf von,

austral. Entdeckungsreisender, geb. 1796 in Preußen, wurde in

England erzogen und machte die ausgedehntesten Reisen in Nord- und

Südamerika, Westindien etc. Er besuchte die Südseeinseln,

Java, Teile von China, Ostindien und Ägypten, entdeckte 1840

die Gegend südlich von den Australischen Alpen, welche er

Gippsland benannte, erforschte die Blauen Berge von

Neusüdwales und 1841 und 1842 noch Vandiemensland; starb 6.

Okt. 1873 in London. Er schrieb "Physical description of New South

Wales and Van Diemen's Land" (Lond. 1845).

Stuart (spr. stjuh-ert), altes Geschlecht in Schottland,

das diesem Reich und England eine Reihe von Königen gegeben

hat. Es stammt von einem Zweig der anglo-normännischen Familie

Fitz-Alan ab, der sich in Schottland niederließ und unter

David I. die

400

Stuart - Stubbs.

erbliche Würde des Reichshofmeisters (steward, daher der

Name S.) erwarb. Walter S. heiratete um 1315 eine Tochter des

schottischen Königs Robert I. Bruce, auf deren Nachkommen nach

dem Erlöschen des königlichen Mannesstamms die Thronfolge

in Schottland überging. Als Roberts I. Sohn David II. 1370

ohne männliche Erben starb, bestieg Walter Stuarts Sohn als

Robert II. den schottischen Thron und ward der Gründer der

Dynastie, welche nach dem Ableben der Königin Elisabeth von

England mit Jakob VI. (I.), dem Sohn der Maria S., (1603) auch die

Krone dieses Reichs erhielt. Von einem Seitenzweig der Stuarts

stammen die Grafen von Lennox her, welche infolge der

Vermählung des Matthew S., Grafen von Lennox, mit Margarete

Douglas, einer Enkelin Heinrichs VII. von England, auch auf den

englischen Thron Ansprüche erwarben. Der Sohn dieser Ehe war

Heinrich Darnley (s. d.), der Gemahl der Maria S. und Vater

König Jakobs I. von England. Als mit dessen Enkel Jakob II.

(s. d.) der Mannesstamm der Stuarts 1688 aus England vertrieben

worden war, beschäftigten diese die öffentliche

Aufmerksamkeit nur noch durch die fruchtlosen Versuche, die

verlornen Reiche wiederzuerlangen. Diese nahm zuerst Prinz Jakob

Eduard, der Prätendent, der sich Jakob III. nannte und 1766

starb, dann dessen ältester Sohn, Karl Eduard, auf. Derselbe

lebte nach der Schlacht bei Culloden (1746), die seinen

Unternehmungen in Schottland ein Ziel setzte, als Graf von Albany

in Italien und starb kinderlos 31. Jan. 1788 in Rom. Weiteres

über ihn s. Karl 28). Er war mit der Tochter des Prinzen

Gustav Adolf von Stolberg-Gedern, Luise Maria Karoline (gest. 1824,

s. Albany, Gräfin), vermählt. Sein einziger Bruder,

Heinrich Benedikt, der 1747 die Kardinalswürde erhielt, lebte

zuletzt von einem Jahrgeld, welches ihm vom britischen Hof gezahlt

wurde, in Venedig und starb 13. Juli 1807 in Frascati, nachdem er

seine Ansprüche auf den britischen Thron auf Karl Emanuel II.

von Sardinien vererbt hatte. König Georg IV. ließ ihm in

der Peterskirche zu Rom von Canova ein Denkmal errichten. Seine

Familienpapiere kaufte die britische Regierung an und ließ

sie veröffentlichen ("S. papers", Lond. 1847). Von

Nebenzweigen des Stuartschen Stammes leben noch zahlreiche Glieder

in Schottland, England und Irland. Vgl. Vaughan, Memorials of the

S. dynasty (Lond. 1831, 2 Bde.); Klopp, Der Fall des Hauses S.

(Wien 1875-87, 14 Bde.).

Stuart (spr. stjuh-ert), 1) John Mac Douall, austral.

Entdeckungsreisender, geb. 1818 in Schottland, begleitete Sturt

1844-46 auf seiner Expedition und erforschte 1858 mit nur Einem

Begleiter einen großen Teil des Landes zwischen dem

Torrenssee und der Westgrenze von Südaustralien. 1859

unternahm er zwei neue Forschungsreisen ebenfalls in der Umgegend

der Torrenssees, versuchte dann 1860 von Süden aus den

Kontinent nach dem Norden zu durchwandern, erreichte 1861 zum

zweitenmal den 17.° südl. Br. und drang endlich bis zur

Nordküste durch, die er 24. Juli 1862 am Vandiemengolf

erreichte. Er starb 5. Juni 1866 in Nottingham Hill. Seine

Forschungen erschienen unter dem Titel: "Explorations in Australia"

(2. Aufl., Lond. 1864).

2) James E. B., amerikan. General, geb. 6. Febr. 1833 in Patrick

County (Virginia), wurde zu West Point ausgebildet, trat 1855 als

Offizier in ein Reiterregiment, ging beim Ausbruch des

Bürgerkriegs (1861) zu den Konföderierten über und

wurde Oberst eines Reiterregiments. Er zeichnete sich durch seine

kühnen Unternehmungen in der Flanke und im Rücken des

Feindes aus, erhielt bald als General den Befehl über ein

Reiterkorps, befehligte 1863 den linken Flügel des

südstaatlichen Heers, ward aber schon 11. Mai 1864 im Gefecht

bei Yellow Tavern gegen Sheridan schwer verwundet und starb 12. Mai

in Richmond. Vgl. Mac Clellan, Life and campaigns of Major-General

J. E. B. S. (Bost. 1886).

Stuart de Rothesay (spr. roth-sse), Charles, Lord, brit.

Diplomat, geb. 2. Jan. 1779, ward 1808 bei der Gesandtschaft in

Spanien angestellt, 1810 zum englischen Bevollmächtigten bei

der provisorischen Regierung in Lissabon ernannt und fungierte

sodann als Botschafter von 1815 bis 1820 und 1828 bis 1830 zu Paris

und von 1840 bis 1844 zu St. Petersburg. 1824 brachte er in Rio de

Janeiro den Vertrag zu stande, durch den die Unabhängigkeit

Brasiliens von Portugal bestätigt war. Seit 1828 war er

britischer Peer; seine Verdienste um Portugal erwarben ihm die

Titel eines Grafen von Machico und Marquis von Angoa. Er starb 6.

Nov. 1845 auf seinem Landsitz Highcliff in Hampshire.

Stub, Ambrosius, dän. Dichter, geb. 1705,

absolvierte 1725 die Schule zu Odense, kam aber nicht weiter

vorwärts und mußte lange Zeit sein Brot als Bibliothekar

und Schreiber von Gutsbesitzern auf Fünen verdienen, welche

nicht selten in brutalem Übermut ihren Scherz mit ihm trieben.

Schließlich kam er nach Ribe, wo er 1758 als armer

Schulmeister starb. S. hat eine Menge Gedichte und Lieder

geschrieben, von denen einige von der finstern religiösen

Stimmung der Zeit beeinflußt zu sein scheinen, während

andre reizend und zierlich im Schäferstil der Zeit gehalten

sind oder von Scherz und Lebenslust strotzen. Solange er lebte,

unbeachtet geblieben, fanden sie nach seinem Tod (zum erstenmal

gedruckt 1771) allgemeinen Beifall und die weiteste Verbreitung,

und jetzt wird S. mit Recht als Vater der neuern dänischen

Lyrik betrachtet. Eine neue Ausgabe seiner "Samlede Digte" mit

Biographie besorgte Fr. Barfod (5. Aufl., Kopenh. 1879).

Stubai, linkes, vom Rutzbach durchströmtes

Seitenthal der Sill in Nordtirol, Bezirkshauptmannschaft Innsbruck,

mit (1880) 4246 Einw., die besonders Viehzucht und Fabrikation von

Eisen-, Blech- und Stahlwaren betreiben, und den Hauptorten:

Mieders (mit Bezirksgericht), Vulpmes und Neustift. S. gibt den

Stubaier Alpen ihren Namen, die einen Hauptteil der Ötzthaler

Gruppe (s. Ötzthal) bilden und im Zuckerhütl (3508 m)

kulminieren. Vgl. Pfaundler und Barth, Die Stubaier Gebirgsgruppe

(Innsbr. 1865).

Stübbe, s. Kohlenklein.

Stubbenkammer, s. Rügen.

Stubbs (spr. stöbbs), William, namhafter engl.

Geschichtschreiber, geb. 21. Juni 1825 zu Knaresborough in Essex,

studierte zu Oxford, wurde 1848 Geistlicher, 1862 Bibliothekar zu

Lambeth, 1866 Professor der neuern Geschichte zu Oxford und 1869

Kurator der großen Bodleyschen Bibliothek daselbst. 1875

erhielt er die Pfründe des Rektorats zu Cholderton und ward

1884 Bischof von Chester. Abgesehen von einer großen Anzahl

von meist mustergültigen Ausgaben mittelalterlicher Chroniken

und Urkunden, hat er sich besonders durch seine "Constitutional

history of England" (2. Aufl., Oxf. 1875-78, 3 Bde.) bedeutende

Verdienste erworben, außerdem "Select charters and other

illustrations of English history" (1870) und "Lectures on study of

mediaeval and modern history" (das. 1886) veröffentlicht.

401

Stübchen - Stuck

Stübchen, altes Flüssigkeitsmaß im

nördlichen und westlichen Deutschland, in Hamburg = 3,62 Lit.,

in Hannover = 3,89 L., in Bremen = 3,22 L.

Stuben (ungar. Stubnya), höchst gelegener ungar.

Badeort im Komitat Turocz, Eigentum der nahen Stadt Kremnitz, mit

alkalisch-salinischen, bei Rheuma, Gicht und Hautkrankheiten

wirksamen Thermen von 46,5° C. S. ist Station der Ungarischen

Staatsbahn.

Stubenarrest, s. Arrest.

Stubenfliege, s. Fliegen, S. 373.

Stubensandstein, s. Triasformation.

Stubenvögel (Käfigvögel, hierzu Tafel

"Ausländische Stubenvögel"). Die Liebhaberei für S.

ist uralt. In Indien, Japan und China richtet man schon seit

Jahrtausenden kleine Vögel zu Kampfspielen ab. Alexander d.

Gr. brachte den ersten Papagei von seinem Zug aus Asien mit, und

auch später haben bei Eroberungen und Entdeckungen

prächtige Schmuckvögel die Triumphzüge der

Heimkehrenden verherrlichen müssen. Aus Amerika, wo die

Peruaner seit alten Zeiten Papageien zähmten, brachte Kolumbus

diese Vögel nach Europa. In Deutschland fanden der Fink und

der Dompfaff in manchen Landstrichen, wie in Tirol, im Harz und in

Thüringen, begeisterte Freunde, und dem Vogelmarkt, der sich

in manchen Städten, wie namentlich in Berlin,

außerordentlich entwickelte, verdankt auch die Wissenschaft

manche Bereicherung. Viel größere Verbreitung als irgend

ein heimischer Vogel fand aber der Kanarienvogel, dem sich seit dem

Beginn des vorigen Jahrhunderts andre überseeische Sing- und

Schmuckvögel anschlossen. Schon 1790 gab Vieillot ein

besonderes Werk über dieselben heraus. Zu Bechsteins Zeit

wurden 72 Arten fremdländischer Vögel nach Deutschland

eingeführt, und 1858 gab Bolle ein Verzeichnis von 51 Arten.

Zehn Jahre später nahm aber diese Liebhaberei einen ganz

außerordentlichen Aufschwung, und wenn damals die Zahl der

eingeführten Arten auf 250 veranschlagt werden konnte, so hat

sich dieselbe bis 1878 auf nahezu 700 gesteigert. Neben den

Singvögeln, wie Spottdrossel und andre Drosseln,

Grasmücken, Finken, Starvögel, Bülbüls etc.,

spielen gegenwärtig besonders die Prachtfinken (Astrilds und

Amadinen), Witwenvögel (Widafinken), Weber, Reisvogel,

Tangaren, Sonnenvogel, Dominikanerfink, Kardinal und Papageien die

größte Rolle und erregen ein besonderes Interesse

dadurch, daß sie in der Gefangenschaft leicht zur Brut

schreiten. Die Tafel zeigt eine Auswahl der beliebtesten

ausländischen S. Man züchtet sie vielfach in sogen.

Vogelstuben oder Heckkäfigen, und der Handel mit den bei uns

gezüchteten fremdländischen Vögeln erreicht bereits

einen namhaften Betrag. Trotz der großen Mannigfaltigkeit der

fremdländischen sind aber auch die einheimischen Vögel

noch immer ein bedeutsamer Gegenstand der Liebhaberei. Sprosser,

Nachtigall, Schwarzplättchen, von Südeuropa her Stein-

und Blaudrossel sind von großer Wichtigkeit für den

Vogelhandel, dann nicht minder verschiedene Grasmücken, Rot-

und Blaukehlchen, Meisen, Drosseln, Hänfling, Stieglitz,

Edelfink, Gimpel u. a. m., welche auch zugleich zahlreich nach

Nordamerika und andern Weltteilen ausgeführt werden.

Neuerdings züchtet man auch vielfach einheimische Finken und

selbst Insektenfresser in Volieren und Vogelstuben. - Was die

Gesundheitszeichen aller S. betrifft, so ist darüber folgendes

zu sagen: jeder Vogel muß munter und frisch aussehen,

natürliche Lebhaftigkeit, glatt anliegendes, am Unterleib

nicht beschmutztes Gefieder, nicht trübe oder matte Augen,

nicht verklebte oder schmutzige Nasenlöcher, keinen spitz

hervortretenden Brustknochen haben; er darf nicht traurig, struppig

oder aufgebläht dasitzen und nicht kurzatmig sein;

abgestoßenes Gefieder, fehlender Schwanz und beschmutzte

Federn bergen nicht immer Gefahr, doch muß bei

Wurmvögeln dann wenigstens ein voller Körper vorhanden

sein. Die Fütterung soll der Ernährung im Freileben

gleichen, und daher lassen sich keine allgemein gültigen

Regeln geben. Die hauptsächlichsten Futtermittel für alle

Körnerfresser sind Hanf, Kanariensame, Hirse, Hafer u. a. m.,

für die Insektenfresser: frische oder getrocknete

Ameisenpuppen, Mehlwürmer, Eierbrot, Eikonserve u. dgl. wie

auch süße Beeren und andre Früchte. Unentbehrlich

sind auch Kalk (Sepia, wohl auch Mörtel von alten Wänden)

und sauberer, trockner Stubensand. Reinlichkeit, sorgfältige

Bewahrung vor Zugluft, Nässe, schnellem Temperaturwechsel,

plötzlichem Erschrecken und Beängstigen sind die

hauptsächlichsten Hilfsmittel zur Erhaltung der Gesundheit

für alle S. Vgl. die Schriften von Ruß (s. d.);

Friderich, Naturgeschichte der deutschen Zimmer-, Haus- und

Jagdvögel (3. Aufl., Stuttg. 1876); Reichenbach, Die

Singvögel (als Fortsetzung der "Vollständigsten

Naturgeschichte"); Gebr. Müller, Gefangenleben der besten

einheimischen Singvögel (Leipz. 1871); Lenz, Naturgeschichte

der Vögel (5. Aufl., Gotha 1875); A. E. Brehm, Gefangene

Vögel (Leipz. 1872-75, 2 Bde.); Chr. L. Brehms "Vogelhaus",

neubearbeitet von Martin (3. Aufl. , Weim. 1872), und die

Zeitschrift "Die gefiederte Welt" (hrsg. von Ruß, Berl., seit

1872).

Stüber (holländ. Stuiver), frühere

Scheidemünze in den Niederlanden (20 S. = 1 Gulden); in

Ostfriesland etc. (72 S. = 1 preußischen Thaler); auch alte

schwedische Silbermünze, s. v. w. Ör (s. d.).

Stubica, Badeort im kroatisch-slawon. Komitat Agram, 8 km

von Krapina-Teplitz, mit vielen indifferenten Thermen von 58,7°

C.

Stuck (ital. stucco), Mischung von Gips, Kalk und Sand,

welche in der Baukunst sowohl zum Überzug der Wände als

zur Verfertigung der Gesimse und Reliefverzierungen dient. Man

unterscheidet je nach der Zubereitung: Weißstuck, Kalkstuck,

Graustuck, Glanzstuck (ital. stucco lustro), Leinölstuck.

Schon die alten Griechen wandten eine Art S. als Überzug bei

nicht in Marmor aufgeführten Bauten an. Die eigentliche

Stuckaturarbeit zur Verzierung hieß bei den Römern Opus

albarium oder coronarium und ward von ihnen vielfach an Decken und

Wänden, meist bemalt oder vergoldet, angewandt. Nachdem die

Kunst lange in Vergessenheit geraten war, soll sie zuerst von

Margaritone um 1300 von neuem erfunden worden sein. Vervollkommt

ward dieselbe namentlich durch den Maler Nanni von Udine zur Zeit

Raffaels, wie die nach diesem benannten Logen im Vatikan zeigen.

Recht in Aufnahme kam aber die Stuckaturarbeit in Deutschland und

anderwärts erst mit dem Rokokostil zu Anfang des 18. Jahrh.

Zur Stuckaturarbeit muß das feinste Material angewandt

werden. Die Masse wird in weichem Zustand aufgetragen und erst,

wenn sie etwas hart und zäh geworden, mit den Fingern und dem

Bossiereisen in beliebige Formen gebracht. Gute Stuckaturarbeit

trotzt jeder Witterung. Eine Art S. ist auch der sogen. Gips- oder

Stuckmarmor, mit welchem man Säulen etc. bekleidet, um ihnen

ein marmorartiges Ansehen zu geben. Vgl. Heusinger v. Waldegg, Der

Gipsbrenner (Leipz. 1863); Fink, Der Tüncher, Stuckator etc.

(das. 1866).

Meyers Konv.- Lexikon, 4. Aufl., xv. Bd.

26

AUSLÄNDISCHE STUBENVÖGEL.

1. Helenafascäuclxen (Habropyga. Astrild).-

2. Grauer Astrild ( Habropyga cinerea). -

3. Tigerfink (Pytelia ampdava).-

4. Zebrafink ( Zonaeginthus casta.notis) (1-4 Ait.^4strU<fj).

~

5. Bandvogel (Spermestes fasciai-a).-

6. Erz amadme, Meines Eisterchen (Spermestes cucullata) (5,6 ATI

. ^tmacUnen,). -

7. Schwarzköpfiger Webervoge| (HyphAntornis toxtor) (Art.

Webervögel]. -

8. Paradieswitwe (Vidua paradisea) (Art. wwwanmS/Ä). -

9. Beisvogel (Padda oryzivora) (Art. Retevogel}. -

10. Tangara ('Rhamphocehis Tyrasiliensis) (Art. Tan#aren). -

11. Socopvogel (I,eiofhrix Juteus) (Art. SomunvoffA) -

12. Dominikanerfink (Paroraria dominicana)..-

13. Kardinal,

virginische Nachtigall (Cardinalii viriniatius ) ( 12, 13

Aj-t.Kas°£isi<tf)o

402

Stück - Studieren.

Stück, s. v. w. Geschütz.

Stuckatur, s. Stuck.

Stücke in Esther, s. Esther.

Stückelalgen, s. v. w. Diatomaceen, s. Algen, S.

343.

Stückelberg, Ernst, Maler, geb. 22. Febr. 1831 zu

Basel, ging 1850 auf die Antwerpener Akademie, von da nach Paris,

1854 nach München, 1856 nach Italien, wo er ein Jahrzehnt

blieb, und ließ sich dann in Basel nieder. Von seinen

poetisch empfundenen und zart gemalten Bildern sind die

hervorragendsten: Prozession im Sabinergebirge (1859-60, Museum zu

Basel); Kirchgang aus "Faust" (1865); der Kindergottesdienst,

Marionetten, Jugendliebe (Museum in Köln); Echo und Narkissos,

als Pendants; Zigeuner an der Birs; der Eremit von Maranno; das

helvetische Siegesopfer. 1877 malte er ein großes Fresko:

Erwachen der Kunst, in der Kunsthalle zu Basel, und im selben Jahr

erhielt er den ersten Preis für Entwürfe zu Fresken der

neuen Tell-Kapelle am Vierwaldstätter See, welche er bis 1887

ausführte.

Stückelung (franz. coupure), im Münzwesen und

bei Wertpapieren die Festsetzung der Teilmünzen und der

Appoints (s. d.).

Stückfaß, Gebinde Wein, in Frankfurt a. M. = 8

¼ Ohm, in Leipzig = 4, in Nürnberg = 15 bis 15 ½

Eimer Visiermaß. Das dänische Stykfad à 5 Oxhoft

= 11,231 hl.

Stückgießerei, s. v. w.

Geschützgießerei (s. d.).

Stückgut, Bronze zu Geschützen.

Stückgüter (auch zählende Güter),

Waren, welche nach der Zahl (Groß, Dutzend, Schock, Ballen

etc.) angegeben werden, beim Eisenbahn- und Wassertransport

diejenigen, welche nicht in ganzen Wagen- oder Schiffsladungen,

sondern als besondere Frachtstücke oder Kolli (s. d.)

aufgegeben werden. Vgl. Eisenbahntarife.

Stückjunker, im 17. und 18. Jahrh. Name des

Fähnrichs bei der Artillerie.

Stückkugel, s. Geschoß, S. 213.

Stücklohn, s. Arbeitslohn, S. 759.

Stuckmarmor, s. Gips, S. 357.

Stückzahlung, s. v. w. Abschlagszahlung.

Stückzinsen, bei Wertpapieren derjenige Teil vom

Betrag des nächstfälligen Zinskoupons, welcher auf die

seit dem letzten Zinstermin verflossene Zeit entfällt.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 116 / 302 段