geb. 1774 in Frankreich, focht mit großer Auszeichnung in den
Napoleonischen Kriegen und leistete dem Kaiser Alexander
Diplomatendienste. 1809 nahm er teil an der Besetzung der
Alandsinseln. Hierauf war er im Türkenkrieg thätig. 1812
focht er insbesondere bei Walutina Gora und bei Borodino, weniger
erfolgreich bei Malojaroßlawez. 1814 nahm er teil an den
Schlachten bei Craonne und Laon. Der Schmerz um den Verlust seines
Sohns, welcher bei Craonne fiel, beugte ihn so sehr, daß er
auf einer Seereise 1817 starb. Der älteste Sohn des Grafen
Grigorij Alexandrowitsch, Graf Sergei, geb. 1795, General der
Kavallerie, bis 1835 Gouverneur von Riga und Minsk, dann bis 1847
Kurator des Universitätsbezirks von Moskau, erwarb sich als
Besitzer eines Teils der von seinen Vorfahren angelegten Salz- und
Hüttenwerke Verdienste um Hebung der Gewerbe, Künste und
Wissenschaften und machte sich auch als russischer Altertumskenner
bekannt. Seit 1857 Leiter der archäologischen Ausgrabungen,
welche auf Kosten des kaiserlichen Kabinetts in verschiedenen
Teilen Rußlands vorgenommen wurden, veröffentlichte er
die Resultate in den "Comptes-rendus de la commission
archeologique" 1860. Unter seiner Leitung erscheint auch ein
"Recueil d'antiquités de la Scythie" (1866 ff.). 1859 zum
Generalgouverneur von Moskau ernannt, schied er bald wieder aus
dieser Stellung und wurde Kurator des damaligen Thronfolgers
Nikolaus. Als solcher stand er dem jungen Großfürsten
bis zu dessen Tod zur Seite. Hiernächst wurde er zum
Vorsitzenden des Hauptkomitees der russischen Eisenbahnen ernannt
und starb 10. April 1882 in Petersburg. Sein Bruder, Graf
Alexander, war 1839-41 Minister des Innern, ward 1855 zum
Generalgouverneur von Neurußland und Bessarabien ernannt und
1856 mit der Wiederherstellung von Sebastopol beauftragt. Sein Sohn
Grigorij, ehemaliger Gardeoberst und seit September 1856
kaiserlicher Statthalter, war seit 1856 mit der verwitweten
Herzogin von Leuchtenberg (gest. 24. Febr. 1876) morganatisch
vermählt und starb 20. Febr. 1879.
Stroh, alle ihrer reifen Körner beraubten Halme und
Stengel von Feldfrüchten, im engern Sinne nur die des
Getreides. S. dient als Futter (chemische Zusammensetzung etc. s.
Futter) und als Einstreu, außerdem benutzt man Getreidestroh
als Brennmaterial (in Lokomotiven von besonderer Konstruktion), zum
Decken der Dächer, zu Matten, Geweben, künstlichen
Blumen, Zierarbeiten, als Packmaterial, zu Seilen, zur Darstellung
von Cellulose für Papierfabrikation etc. Besonders wichtig ist
die Strohflechterei (s. d.), welche langer, langgliederiger Halme
von gleichmäßiger Stärke bedarf. Man benutzt das S.
von Sommerweizen und Sommerroggen und baut erstern für diesen
Zweck in Italien (bei Florenz), letztern im Schwarzwald, wobei man
sehr dicht säet und zu gröbern Flechtarbeiten geeignete
Halme aus dem gemähten reifen Getreide ausliest oder zu
feinern Arbeiten das Getreide bald nach der Blüte bei
trockner, heißer Witterung schneidet. Das S. muß
schnell trocknen, eventuell unter Dach, und wird nun auf dem Rasen
gebleicht und schließlich geschwefelt.
Strohblumen, s. v. w. Immortellen (s. d.); auch
künstliche Blumen aus gehaltenem Stroh, wie sie auf
Damenhüten getragen werden.
Strohelevator (Stacker, Stackmaschine), Apparat, um das
von der Dampfdreschmaschine ausgedroschene Stroh zum Zweck der
Errichtung eines Feimens anzuheben. Der S. besitzt als
Hebevorrichtung ein endloses Kettenband, mit hervorstehenden,
gekrümmten Zähnen besetzt, welches, von der Dampfmaschine
betrieben, das aus den Strohschüttlern der Dreschmaschine in
den Elevator gelangende Stroh anhebt. Der Apparat muß nach
verschiedenen Richtungen, und um dem sich vergrößernden
Feimen folgen zu können, in der Höhe stellbar sein. In
Deutschland haben die Strohelevatoren keine ausgedehnte Verbreitung
gefunden; in England und Ungarn sind dieselben dagegen vielfach in
Anwendung.
Strohfiedel (Holzharmonika, Gigelyra, hölzernes
Gelächter), das bekannte, bei den Tiroler Sängern
beliebte Schlaginstrument, welches aus abgestimmten, mit
Klöppeln geschlagenen Holzstäben besteht, die auf einer
Strohunterlage ruhen. Wie dasselbe zum Namen "Fiedel" und
"Gigelyra" kommt, ist bisher noch nicht untersucht worden. Die S.
wird bereits in Virdungs "Musica getuscht" (1511) erwähnt.
Strohflechterei, die Kunst, aus Stroh (s. d.)
verschiedene Gegenstände, wie Hüte, Kappen,
Arbeitstaschen, Schuhe, Zigarrentaschen, feine Tressen etc., durch
Flechtarbeit herzustellen. Diese Kunst, etwa seit Anfang dieses
Jahrhunderts in Italien blühend, hat sich von dort auch
über andre Länder verbreitet. Das zur Flechtarbeit
bestimmte Stroh stammt von einer besondern Sorte Sommerweizen
(Marzolano) oder Sommerroggen (s. Stroh) und wird nach dem Bleichen
nach den Knoten in 20-24 cm lange Stücke geteilt, die man von
neuem bleicht und sehr sorgfältig sortiert. Das sehr feine
italienische Stroh wird in ungespaltenen Halmen verarbeitet und
dann flach gepreßt; das minder feine Stroh andrer Länder
wird mittels eines Werkzeugs (Strohspalter) mit sternförmig
gestellten Schneiden in 7-15 Streifen (Zähne) gespalten. Aus
11-13 solchen Streifen werden zunächst lange Tressen
geflochten, die man nach dem Waschen und Pressen mittels einer
feinen Naht zu Hüten etc. zusammenfügt. Das fertige
Stück wird abermals gewaschen, gebleicht und zuletzt
geglättet. Die feinsten Strohflechtereien liefert Toscana, von
wo auch viele Tressen und sortiertes Stroh ausgeführt werden.
In Vicenza werden ebenfalls sehr feine, bei Mantua und Lodi aber
geringere Waren hergestellt. Die Schweiz liefert den italienischen
nahekommende Tressen in Freiburg, geringere in Aarau, Glarus, Genf.
Ebenso hoch steht die Industrie in Belgien, während Frankreich
nur gröbere Landware zu erzeugen scheint. In England sind
Bedford, Hertford, Bux Hauptsitze der S. In Deutschland blüht
diese Industrie in Sachsen, im Schwarzwald, auch in den
schlesischen Webereidistrikten und vor allem in Lindenberg bei
Lindau, wo sie schon 1765 bestand. Böhmen, Tirol und Krain
liefern geringere Tressen. Die Tressen bilden überhaupt die
gewöhnliche Handelsware, welche in allen größern
Städten in den sogen. Strohhutfabriken vernäht wird.
Strohmänner nennt man bei Aktiengesellschaften
diejenigen, welche als Bevollmächtigte mit offener oder
verdeckter Vollmacht, als Borger oder Mieter von meist aus den
Depots von Bankiers entliehenen Aktien neben wirklichen
Aktionären in den Generalversammlungen der Gesellschaft
erscheinen.
Strohrost, s. Rostpilze, S. 989.
Strohschüttler, s. Dreschmaschine, S. 139.
Strohseile werden mit der Hand oder auf
Strohseilspinnmaschinen dargestellt, die eine
eigentümliche Konstruktion besitzen oder den Watermaschinen
nachgebildet sind. S. dienen in der Landwirtschaft, in der
Metallgießerei zur Kernbildung, zum Umhüllen von
Dampfleitungsröhren, als Packmaterial etc.
393
Strohstoff - Strongyliden.
Strohstoff (Strohzeug), die aus Stroh durch Kochen mit
Lauge isolierte und auf Holländern gemahlene Cellulose, welche
in der Papierfabrikation benutzt wird.
Strohwitwer (entsprechend dem englischen Grasswidow,
"Graswitwe"), der zeitweilig von der andern Hälfte verlassene
Ehegatte. Stroh steht hier für Bett, wie in der Klage Marthas
im "Faust": "Und läßt mich auf dem Stroh allein!"
Strom, s. v. w. Fluß, besonders ein
größerer, welcher sich unmittelbar ins Meer
ergießt.
Stroma, Insel im Pentland Firth (Nordküste
Schottlands), mit dem gefürchteten Swelkiestrudel.
Stromatik (griech.), Teppichwebekunst.
Strombau, s. Wasserbau.
Stromberg, Bergrücken im württemberg.
Neckarkreis, zwischen Zaber (zum Neckar) und Metter (zur Enz),
erreicht im Scheiterhäule eine Höhe von 473 m.
Stromberg, 1) Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Koblenz, Kreis Kreuznach, am Hunsrück, am Guldenbach und an
der Eisenbahn Langenlonsheim-Simmern, 195 m ü. M., hat eine
evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, eine
Oberförsterei, Eisenhüttenwerke mit Blech- und
Gußwarenfabrikation, Kalkbrennerei und (1885) 1021 Einw.
Dabei die Burg Goldenfels und die Ruine Fustenburg. - 2) Flecken
und Wallfahrtsort im preuß. Regierungsbezirk Münster,
Kreis Beckum, hat eine kath. Kirche, eine Burgruine, eine
Bandfabrik, Steinbrüche und (1885) 1534 Einw. Dabei die
Stromberger Hügel, im Monkenberg 190 m hoch, wohin man
neuerdings die Varusschlacht verlegt.
Stromboli, s. Liparische Inseln.
Stromenge, die Stelle eines Stroms, wo das Bett durch
Felsen so verengert wird, daß dadurch das Wasser mehr Tiefe
und einen schnellen Fluß bekommt.
Stromeyerit, s. Kupfersilberglanz.
Stromkorrektion, s. Wasserbau.
Strommesser, s. Rheometer.
Strömö, Insel, s. Färöer, S. 58.
Stromprofil, rechtwinkeliger, senkrechter Querschnitt
eines Flusses oder Kanals.
Stromregulator, s. v. w. Rheostat.
Stromschicht (Zahnfries), s. Fries.
Stromschnelle, die Stelle eines Stroms, welche in einer
frühern Zeit ein Wasserfall gewesen ist, dessen
Felsfläche sich aber jetzt infolge langjähriger
erodierender Thätigkeit des Wassers der horizontalen Ebene
mehr genähert hat. Ist das Strombett, wie z. B. bei dem Nil,
ein steileres, so nennt man seine Stromschnellen Katarakte
(s.d.).
Strömstad, kleine Hafenstadt im schwed. Län
Gotenburg, am Skagerrak, 15 km von der norwegischen Grenze, in
kahler und wilder Gegend, mit Seebad und (1885) 2417 Einw.; brannte
1876 zu zwei Drittteilen nieder. S. ist Sitz eines deutschen
Konsulats.
Stromtiefenmesser, s. Rheobathometer.
Stromvermessung, s. Flußvermessung.
Stromwender (Gyrotrop, Kommutator), Vorrichtung, um den
galvanischen Strom nach Belieben umzukehren, zu schließen
oder zu öffnen. Von den zahlreichen Formen mögen die
folgenden als Beispiele dienen. Der S. von Pohl (Fig. 1) besteht
aus einem Brettchen A mit sechs Quecksilbernäpfchen b c d e f
g, von welchen d mit g und c mit f durch die Drähte h und i
verbunden sind. Die beiden dreiarmigen Metallbügel k l m und n
o p sind durch den Glasstab q zu einer Wippe vereinigt, deren
mittlere Arme l und o in die Näpfchen b und e tauchen; in
diese Näpfchen sind auch die Enden der Poldrähte der
Batterie eingesenkt, während die Enden der Leitung r, in
welcher der Strom wechseln soll, in die Näpfe f und g tauchen.
Liegt die Wippe wie in der Figur, so nimmt der Strom den Weg b l k
g r f n o e und durchfließt die Leitung r in der Richtung des
Pfeils; legt man aber die Wippe um, so daß ihre Arme m und p
resp. in die Näpfe e und d eintauchen, so macht der Strom den
Weg b l m c i f r g [h] d p o e und fließt demnach in der
Leitung r in entgegengesetzter Richtung wie vorhin. Der S. von
Ruhmkorff (Fig. 2) besteht aus einer Elfenbeinwalze c, welche mit
zwei diametral gegenüberliegenden Messingwülsten d und e
versehen ist und von der metallenen Achse a b getragen wird. Diese
Achse geht nicht durch die Walze durch, sondern besteht aus zwei
Stücken, deren vorderes a mit dem Wulst d, das hintere b mit
dem Wulst e leitend verbunden ist. Die beiden Teile der Achse
stehen durch ihre messingenen Lager mit den Klemmschrauben f und g,
welche die Poldrähte aufnehmen, in Verbindung, während
die Klemmschrauben h und i, in welche die Enden der Leitung r
geklemmt werden, auf den Messingblechstreifen k und l, die gegen
die Walze federn, leitend aufgesetzt sind. Wird die Walze mittels
des Knopfes so gedreht, daß d mit k, e mit l in
Berührung sind, so ist die Bahn des Stroms g b e l i r h k d a
f; stellt man die Walze aber so, daß d gegen l und e gegen k
federn, so kehrt sich der Strom um, indem er jetzt den Weg g b e k
h r i l d a f einschlägt. Berühren die Messingwülste
die Blechstreifen nicht, so ist der Strom unterbrochen. Vgl.
Magnetelektrische Maschinen.
Stromzölle, s. Zölle.
Strongyliden (Strongylidae), Familie der Nematoden oder
Fadenwürmer, fadenförmige Eingeweidewürmer mit
rundlichem Körper, endständiger, von Papillen umgebener,
bald enger, bald klaffender Mundöffnung und am Hinterleibsende
im Grund einer schirm- oder glockenförmigen Tasche liegender
männlicher Geschlechtsöffnung. Der Palisfadenwurm
(Eustrongylus gigas Rud.), der größte Spulwurm, ist rot,
besitzt je eine Längsreihe von Papillen auf den Seitenlinien,
sechs vorspringende Mund-
394
Strontian - Strophe.
papillen und eine weit nach vorn gerückte weibliche
Geschlechtsöffnung, lebt vereinzelt meist im Nierenbecken
verschiedener Raubtiere, besonders der Fischotter und Robben,
selten im Rind, Pferd und Menschen. Das Weibchen wird gegen 1 m
lang und etwa 12 mm dick, während das Männchen nur 1/3
dieser Länge erreicht. Über die Entwicklungsgeschichte
ist nichts Sicheres bekannt; wahrscheinlich wird der Jugendzustand
durch Fische übertragen. Mehrere Arten der Gattung Strongylus
Müll. leben in Haustieren, so S. paradoxus Mehlis in den
Bronchien des Schweins, S. filaria Rud. in den Bronchien des
Schafs, S. micrurus Mehlis in Aneurysmen der Arterien des Rindes.
Dochmius duodenalis Dub. (Ancylostomum duodenale Dub.), 10-18 mm
lang, lebt im Zwölffingerdarm und Dünndarm des Menschen,
besonders in den Nilländern, beißt mit seiner starken
Mundbewaffnung Wunden in die Darmhaut, saugt Blut aus den
Darmgefäßen und erzeugt die sogen. ägyptische
Chlorose. In der Jugend lebt dieser Wurm in andrer Form (als sogen.
Rhabditis, s. Nematoden) frei und wird erst später zum
Schmarotzer. Andre Arten leben im Hund, Schaf, Rind und in der
Katze. - Im Pferd als lästiger Parasit findet sich
Sclerostomum equinum Duj. vor. Dieser Wurm wird 20-40 mm lang, lebt
ebenfalls eine Zeitlang in Rhabditisform frei und gelangt mit dem
Wasser in den Darm des Pferdes. Von hier aus dringt er in die
Gekrösarterien, erzeugt dort Erweiterungen (Aneurysmen) und
tritt dann in den Darm zurück, um in ihm geschlechtsreif zu
werden. Nach den Untersuchungen von Bollinger ist die Kolik der
Pferde in den meisten Fällen auf Verstopfungen der Arterien
mit dem genannten Wurm zurückzuführen. - Cucullanus
elegans Zed., der Kappenwurm, lebt in Flußfischen; seine
Jugendform haust in kleinen Wasserflöhen (Cyklopiden). Das
Weibchen wird etwa 10, das Männchen nur 5 mm lang.
Strontian (Strontianerde, Strontiumoxyd) SrO entsteht bei
heftigem Glühen von salpetersaurem S. als graue, poröse,
unschmelzbare Masse, welche sich wie Baryumoxyd verhält und
mit Wasser farbloses Strontiumhydroxyd (Strontiumoxydhydrat,
Strontianhydrat) SrOH2O bildet. Dies kristallisiert aus
wässeriger Lösung mit 8 Mol. Kristallwasser, reagiert
stark alkalisch, wirkt ätzend, zieht begierig Kohlensäure
an und bildet mit Säuren die Strontiansalze. Man hat es
für die Zuckerfabrikation verwertet.
Strontian (spr. stronnschien), Dorf in der schott.
Grafschaft Argyll, am obern Ende des Loch Sunart, mit Bleigruben
und (1881) 691 Einw.
Strontianit, Mineral aus der Ordnung der Carbonate,
findet sich in rhombischen, säulen- oder nadelförmigen,
auch spießigen Kristallen, auch in derben und in faserigen
Massen, ist weiß, oft grünlich, seltener gräulich
und gelblich, durchsichtig bis durchscheinend, glasglänzend,
Härte 3,5, spez. Gew. 3,6-3,8, besteht aus kohlensaurem
Strontian SrCO3, meist mit einem Gehalt von isomorph beigemischtem
Calciumcarbonat (Aragonit). Er tritt gewöhnlich auf
Erzgängen auf, so bei Freiberg, am Harz, bei Hamm in Westfalen
(hier auf Gängen im Kreidemergel), in Salzburg, bei Strontian
in Schottland (daher der Name), und dient zur Darstellung von
Strontiumpräparaten. Das westfälische Vorkommen wird
für die Zuckerfabrikation ausgebeutet.
Strontiansalze (Strontiumsalze, Strontiumoxydsalze)
finden sich zum Teil in Mineralien, Quellwasser und Pflanzen. Am
verbreitetsten sind der schwefelsaure (Cölestin) und der
kohlensaure Strontian (Strontianit), aus welchen alle übrigen
S. mittelbar oder unmittelbar dargestellt werden. Sie sind farblos,
wenn die Säure ungefärbt ist, und verhalten sich im
allgemeinen wie die Barytsalze. Aus ihren Lösungen fällt
Schwefelsäure sehr schwer löslichen weißen,
schwefelsauren Strontian, der aber immer noch löslicher ist
als schwefelsaurer Baryt, so daß eine durch Schütteln
desselben mit destilliertem Wasser dargestellte Lösung in
Chlorbaryumlösung noch eine Ausscheidung von schwefelsaurem
Baryt hervorbringt. Mehrere S. färben die Flamme rot und
werden in der Feuerwerkerei benutzt. In neuerer Zeit ist Strontian
auch für die Zuckerfabrikation wichtig geworden.
Strontium Sr, Metall, findet sich in der Natur als
schwefelsaures (Cölestin) und kohlensaures Strontiumoxyd
(Strontianit), ganz allgemein als Begleiter des Baryts, auch,
wenngleich nur spurenweise, in Kalkstein, Marmor, Kreide, in
Mineralwässern, im Meerwasser und in Pflanzenaschen. Man
erhält es durch Zersetzung von geschmolzenem Chlorstrontium
durch den galvanischen Strom oder von Strontiumoxyd durch Kalium
als schwach gelbliches, dehnbares Metall vom spez. Gew. 2,54,
Atomgew. 87,2; es schmilzt bei mäßiger Rotglut, zersetzt
Wasser bei gewöhnlicher Temperatur, oxydiert sich an der Luft
sehr leicht und verbrennt beim Erhitzen mit glänzendem Licht
zu Oxyd. Es ist zweiwertig und bildet mit Sauerstoff Strontiumoxyd
(Strontian) SrO, welches zu den alkalischen Erden gerechnet wird,
und Strontiumsuperoxyd SrO2. Seine Verbindungen gleichen denen des
Baryums. Strontianit wurde 1790 durch Crawfurd und Cruikshank vom
Witherit unterschieden; Klaproth wies 1793 die Strontianerde nach,
und das Metall stellte Davy 1808 dar.
Strontiumchlorid (Chlorstrontium) SrCl2 entsteht beim
Lösen von Strontianit (kohlensaurer Strontian) in heißer
Salzsäure, wird aber meist aus Cölestin (schwefelsaurer
Strontian) dargestellt, indem man denselben durch Glühen mit
Kohle in Schwefelstrontium verwandelt und dies mit Salzsäure
zersetzt. Es bildet farblose Kristalle mit 6 Mol. Kristallwasser,
vom spez. Gew. 1,603, schmeckt scharf, bitter, salzig, löst
sich leicht in Wasser und Alkohol, verwittert an der Luft, wird
beim Erhitzen wasserfrei und schmilzt bei 829°. Es färbt
die Alkoholflamme rot und wird in der Feuerwerkerei benutzt.
Strontiumoxyd, s. Strontian.
Strontiumsulfuret (Schwefelstrontium) SrS entsteht, wenn
man Cölestin (schwefelsauren Strontian) mit Kohle heftig
glüht, ist farblos, verhält sich wie Baryumsulfuret (s.
d.) und bildet namentlich auch mit Wasser kristallisierbares
Strontiumsulfhydrat SrSH2S. Das durch Glühen von
schwefelsaurem Strontian mit Kohle erhaltene S. phosphoresziert
nach der Bestrahlung durch Sonnenlicht schwach gelblichgrün.
Erhitzt man aber das Salz in Wasserstoff, so erhält man
grün, blau, violett oder rötlich leuchtende und beim
Glühen von kohlensaurem Strontian mit Schwefel blau oder
smaragdgrün leuchtende Präparate.
Strophäden (jetzt Strivali oder Stamphanäs),
zwei kleine Inseln im Ionischen Meer, südlich von Zante;
galten für den Wohnsitz der Harpyien.
Strophe (griech.), in der Poesie, insbesondere der
lyrischen, die Verbindung mehrerer Verse zu einem metrischen
Ganzen, dessen Maß und Ordnung den einzelnen Teilen eines
Gedichts zu Grunde liegt und sich demnach wiederholt. Man sagt
deshalb: ein Gedicht besteht aus so und so viel Strophen. Bei
den
395
Strophion - Strubberg.
Griechen bildete die S. einen Teil der Chorgesänge auf dem
Theater, die sich in S., Antistrophe ("Gegenstrophe"), die der
erstern genau nachgebildet war, und Epode ("Nachgesang"), mit
eigner metrischer Form, gliederten. Die lyrische Poesie behielt
diese Benennungen bei, wie in den Pindarischen Oden; andre lyrische
Gedichte des Altertums kennen die Epode und Antistrophe nicht,
sondern bestehen aus Strophen mit regelmäßig
wiederkehrendem Metrum. Die Alten teilten die Strophen nach der
Anzahl ihrer Verse in zwei-, drei- und vierzeilige (Distichen,
Tristichen und Tetrastichen) und nach ihren Erfindern und andern
Merkmalen in Alkäische, Sapphische, choriambische und andre
Strophen. Die einzelnen Verse derselben hießen Kola und
bildeten ein andres Einteilungsmerkmal. Strophen, deren Verse ein
gleiches Metrum hatten, galten zusammen nur als ein Kolon und
hießen Monokola; solche, in denen zwei, drei oder vier
Versarten wechselten, Dikola (z. B. das Sapphische Metrum), Trikola
(z. B. das Alkäische Metrum) und Tetrakola. In der Poesie des
Mittelalters und der neuern Zeit betrachtet man neben dem
regelmäßig wiederkehrenden Versmaß besonders die
Einteilung in Aufgesang und Abgesang (s. d.) sowie den Reim als
Prinzip bei der Strophenbildung, während in den
allitterierenden altdeutschen Dichtungen eine strophische
Gliederung noch nicht vorkommt. Erst in der Zeit des deutschen
Minnegesangs entstand eine künstliche Strophenbildung, die
auch auf die epische Poesie ihren Einfluß hatte. Die
bekanntesten Strophen dieser Periode sind: die Nibelungenstrophe,
Hildebrandstrophe, die Titurel- und die fünfzeilige
Neidhartstrophe. Im weitern Verlauf haben die Dichter der neuern
Zeit, von dieser Grundlage des Mittelalters ausgehend, eine
großartige Mannigfaltigkeit in der Strophenbildung
entwickelt. Vgl. Seyd, Beitrag zur Charakteristik und
Würdigung der deutschen Strophen (Berl. 1874).
Strophion (griech.), Stirnbinde der griechischen Frauen
und Priester, auch Gürtel; bei den römischen Frauen ein
Busenband, welches unter den Brüsten zur Aufrechterhaltung
derselben getragen wurde.
Strophulus, Flechtenausschlag bei Kindern.
Stroppen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau,
Kreis Trebnitz, westlich von der Station Gellendorf, hat eine
evang. Kirche und (1885) 749 Einw.
Strosse, stufenförmiger Absatz in einem Grubenbau,
dann auch Abbaustoß beim Strossenbau.
Strossenbau, s. Bergbau, S. 724.
Stroßmayer, Joseph Georg, kroat. Bischof, geb. 4.
Febr. 1815 zu Essek in Slawonien, studierte in Pest Theologie,
empfing 1838 die Priesterweihe und ward Professor am Seminar zu
Diakovár, dann kaiserlicher Hofkaplan und Direktor des
Augustianiums in Wien und 1849 Bischof in Diakovár. Auf dem
vatikanischen Konzil trat er mit ungewöhnlichem Freimut gegen
das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit auf und hielt am
längsten von allen Bischöfen seinen Widerspruch aufrecht,
unterwarf sich aber doch und führte 1881 eine slawische
Pilgerschar nach Rom. Hauptsächlich widmete sich S. der
kroatischen Volkssache, ward einer der Führer der kroatischen
Nationalpartei und verwandte seine reichen Einkünfte zur
geistigen Hebung der Nation: er errichtete Volksschulen,
gründete ein Seminar für die bosnischen Kroaten, stellte
das alte nationale Kapitel der Illyrier, San Girolamo degli
Schiavoni in Rom, her, ließ durch A. Theiner "Vetera
monumenta Slavorum meridionalium historiam illustrantia" (Rom 1863)
herausgeben, veranstaltete eine Sammlung der kroatischen Lieder und
Volksbücher, betrieb die Errichtung der Akademie und
Universität zu Agram und baute eine prächtige Kathedrale
in Diakovár. Auch ist er eifrig bemüht, durch Zulassung
der slawischen Liturgie die Südslawen der
römisch-katholischen Kirche zuzuführen.
Strotten, s. v. w. Molken.
Stroud (spr. straud), Stadt in Gloucestershire (England),
südlich von Gloucester, hat Tuch- und Walkmühlen,
Scharlachfärberei und (1881) 7848 Einw.