um 1808 zu Rorydonhall in Suffolkshire, schrieb teilweise unter
Mitwirkung ihrer Schwester Jane S. unter anderm: "Historic scenes"
(neue Aufl., Lond. 1852); "Lives of the queens of England from the
Norman conquest" (das. 1840-49, 12 Bde.; neue Ausg., das. 1864, 6
Bde.; in verkürzter Fassung, das. 1867); "Letters of Mary,
queen of Scots" (das. 1843, 3 Bde.); "Lives of the queens of
Scotland and English princesses connected with the royal succession
of Great Britain" (das. 1850-59, 8 Bde.); "Lives of the bachelor
kings of England" (das. 1861); "Life of the seven bishops committed
to the Tower in 1688" (das. 1866). Ihre Arbeiten zeichnen sich
durch fleißiges Quellenstudium, übersichtliche Anordnung
des Materials und anziehende Darstellung aus. S. erhielt 1871 auf
Gladstones Antrag eine Pension aus der Staatskasse, starb aber
schon 8. Juli 1874. Ihr Leben beschrieb ihre Schwester Jane S.
(Lond. 1887).
2) Hugh Edwin, Geolog, geb. 2. März 1811 zu Righton in
Yorkshire, studierte zu Oxford, begleitete 1835 den Obersten
Hamilton auf dessen Reise in den Orient und veröffentlichte
als Frucht dieser Reise: "Bibliographia zoologiae et geologiae"
(Lond. 1847-54) und "The Dodo and its kindred" (das. 1848).
Später unterstützte er als Professor der Geologie in
Oxford Murchison in den Vorarbeiten zu dem "Siluriansystem". Er
starb 14. Sept. 1853. Vgl.Jardine, Memoirs and letters of H. E. S.
(Lond. 1858).
Strickmaschine. Das Stricken bezweckt die Bildung eines
Maschengebildes in der Weise, daß stets der Faden als
Schleife durch eine bereits vorhandene Masche hindurchgezogen wird,
während beim Wirken umgekehrt der Faden erst zur Schleife
gebogen und die vorhandene Masche über diese Schleife
ge-schoben wird. Demnach ist das Werkzeug (Nadel) der S. auch so
konstruiert, daß es durch eine Masche hindurchgeht, einen
Faden greift und beim Durchziehen durch die Masche in eine solche
umbildet. Den Vorgang und die Nadeleinrichtung zeigen Fig. 2-6. Die
Nadel g besitzt einen Haken a und unter diesem eine Klappe b,
welche sich mit a zu einer Öse schließen, übrigens
auch ganz zurückfallen kann. In jeder Masche befindet sich
eine solche Nadel, welche in einem Nadelblatt (Fig. 1) nur eine
Vertikalbewegung durch Führung in einer Nute erhält,
durch den Stab c am Herausfallen verhindert und durch den
verstellbaren Anschlag d in der Bewegung begrenzt wird. Eine Reihe
von Nadeln sind nun (Fig. 1) parallel nebeneinander so angeordnet,
daß sie mit den Köpfen g vortreten, und über das
Nadelbrett läßt sich an einem Schlitten ein sogen.
Schloß hin und her bewegen, dessen Hauptteile aus dem
dreieckigen Nadelheber e und den beiden Nadelsenkern ff bestehen.
Diese drei Stücke bilden eine hinauf und wieder hinab gehende
Rinne, welche beim Hin- und Hergehen des Schlosses die aus den
Nuten hervorsehenden Nadelköpfchen g aufnimmt und, an ihnen
anfassend, die Nadeln hinauf und wieder hinab schiebt. Ein sich mit
dem Schloß zusammen bewegender Fadenführer legt in den
Haken der Nadel, wenn diese in der höchsten Stelle steht, den
zu verstrickenden Faden ein. Die schon auf der Nadel befindliche
Masche hebt beim Sinken der Nadel die Klappe b und schließt
mit ihr den Haken zu einer Öse, über die sie dann bei der
tiefsten Nadelstellung selbst von der Nadel abrutscht (Fig. 3 u.
4). Der im Haken befindliche Faden bildet beim Wiederaufsteigen der
Nadel (Fig. 5) die neue Masche, durch welche die . Klappe b
zurückgeschlagen wird. In der höchsten Stel-
Fig. 1-6. Strickmaschine (Nadelbewegung).
389
Stricknadeln - Strikt.
lung hat die Klappe die Masche vollständig passiert, und
nachdem neuer Faden gefaßt ist, wiederholt sich der Vorgang,
sobald die betreffende Nadel von dem an dem Nadelbett entlang
gehenden Schloß erfaßt wird. Bei der von Bickford in
New York gebauten Maschine stehen die Nadeln im Kreis herum in
einem cylindrischen Nadelbett, und das Schloß wird im Kreis
um sie her bewegt (Rundstuhl). Es können auf solcher Maschine
schlauchförmige Sachen gestrickt werden, deren Maschenzahl im
Durchmesser gleich der Nadelzahl der Maschine ist. Mehr Maschen
nebeneinander, als Nadeln vorhanden sind, können auf keiner
Maschine gestrickt werden; weniger Maschen geben aber auf der
Bickford-Maschine stets nur ein plattes, nie ein rund geschlossenes
Stück. Lamb in Chicopee Falls (Massachusetts) stellte zuerst
zwei Nadelreihen, welche schräg stehen, in zwei ebenen Betten
versetzt, einander gegenüber. Strickt hier ein Schloß
auf dem einen Bett hingehend, so strickt ein andres auf dem zweiten
Nadelbett beim Zurückgehen, und da nur ein Fadenführer
mit Fadenspanner beiden Schlössern folgt, so geht der Faden
von einer Nadelreihe auf die andre über und strickt so
geschlossen rund, auch dann, wenn an einem oder beiden Enden beider
Betten eine Anzahl nebeneinander liegender Nadeln außer
Thätigkeit gestellt ist. Fig. 6 zeigt eine Nadel in
Ruhestellung; das Köpfchen g kann von dem darüber
hinweggehenden Nadelheber nicht mehr gefaßt werden. Jede
beliebige Maschenzahl ist so bei geschlossenem Rundstricken
möglich. Legt man die Masche der letzten arbeitenden Nadel
beider Reihen mit auf die neben ihr arbeitende Nadel und stellt sie
selbst in Ruhe, so nimmt die Maschine ab. Bei geeigneter
Wiederholung kann man so einen Strumpf bis zur letzten Masche
zustricken. Ähnlich läßt sich ein Zunehmen
bewerkstelligen. Durch gewisse Vorkehrungen werden auch die Hacken
in Strümpfe gestrickt, ohne daß eine
vervollständigende Naht nachher nötig ist. Besondere
Mechanismen ermöglichen, die Nadelsenker ff nach Bedarf derart
verschieden zu stellen, daß sie die Nadeln weniger oder mehr
in die Nuten hinabziehen, wobei festere oder losere Maschen
entstehen; auch kann man jeden Nadelsenker sowie die Nadelheber
ganz außer Thätigkeit stellen. Bei letztern thut dies
die Maschine, wenn sie dazu eingestellt ist, selbstthätig je
nach der Bewegungsrichtung des Schlosses. Läßt man in
geeigneter Weise beide Nadelreihen in einer Bewegungsrichtung
zusammenwirken, so kann man rechts und links platt gestrickte Waren
erhalten. Mittels Ausladens gewisser Nadeln, Verstellens der
Nadelbetten gegeneinander und variierten Ein- und Abstellens der
Nadelheber können die mannigfaltigsten Muster erzielt werden,
die durch Aufeinanderfolgenlassen verschieden gefärbter Garne
noch zu vermehren sind. Die Lambsche Maschine hat eine hohe
Vollkommenheit erreicht, so daß geübte Arbeiter damit an
einem Arbeitstag 8 Paar lange Frauenstrümpfe und bis 20 Paar
Männersocken vollenden können (s. Wirkerei).
Stricknadeln, s. Nadeln, S. 974.
Stricto jure (lat.), nach strengem Recht. Stricto sensu,
im strengen Sinn.
Stride (engl., spr. streid', "weiter Schritt"), Ausgriff
eines Pferdes, besonders bei Rennpferden die Weite des
Galoppsprungs, die Räumigkeit der Bewegung; ein Pferd mit
gutem S. deckt mit jedem Sprung viel Terrain.
Stridor (lat.), das zischende, pfeifende
Atmungsgeräusch, welches bei Kehlkopfverengerung entsteht.
Stridores (Schwirrvögel), s. Kolibris.
Stridulantia (Singzirpen), Familie aus der Ordnung der
Halbflügler, s. Cikaden.
Striegau, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk
Breslau, am Striegauer Wasser (Nebenfluß der Weistritz),
Knotenpunkt der Linien Kamenz-Raudten und S.-Bolkenhain der
Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine
große gotische kath. Kirche, ein Progymnasium, eine
Strafanstalt (im ehemaligen Karmeliterkloster), ein Amtsgericht,
bedeutende Granit- und Basaltbrüche, Granitschleiferei,
Buchbinderwaren-, Zigarren-, Bürsten-, Peitschen-, Stuhl-,
Leder- und Zuckerfabriken und (1885) 11,784 meist evang. Einwohner.
Nahebei die bis 355 m hohen Striegauer Berge mit hübschen
Anlagen. S. erhielt 1242 deutsches Stadtrecht. Nach S. wird auch
die Schlacht bei dem 7 km entfernten Hohenfriedeberg (s. d.)
benannt.
Striefen, Dorf in der sächs. Kreis- und
Amtshauptmannschaft Dresden, östlich von Dresden, hat
bedeutende Kunst- und Handelsgärtnerei, Bierbrauerei und
(1885) 8011 Einw.
Strigel, 1) Bernhard, Maler, der früher sogen.
Meister der Sammlung Hirscher, geboren um 1460 zu Memmingen,
bildete sich nach Zeitblom und Burgkmair, war zumeist in seiner
Vaterstadt, zeitweilig auch in Wien thätig, wo er von Kaiser
Maximilian geadelt wurde und das Vorrecht erhielt, den Kaiser
allein porträtieren zu dürfen, und starb 1528 in
Memmingen. Er hat sowohl Bildnisse, unter denen das
Familienporträt des Kaisers Maximilian in der kaiserlichen
Galerie zu Wien und das des kaiserlichen Rats Cuspinian im Berliner
Museum hervorzuheben sind, als Kirchenbilder gemalt, welche sich in
Berlin (Museum), München (Pinakothek und Nationalmuseum),
Nürnberg (Moritzkapelle) und Donaueschingen befinden. Vgl.
Bode im "Jahrbuch der königlich preußischen
Kunstsammlungen", Bd. 2 (Berl. 1881).
2) Viktorin, namhafter luther. Theolog, geb. 1514 zu Kaufbeuren,
bildete sich in Wittenberg unter Melanchthons Leitung und wurde
1548 als Professor der Theologie zu Jena angestellt. Hier in den
synergistischen Streit verwickelt, ward er 1559 vier Monate lang in
Haft gehalten, ging 1562 als Professor nach Leipzig und von da nach
Wittenberg, endlich 1567 nach Heidelberg, wo er zum Calvinismus
übergetreten sein soll und 26. Juni 1569 starb. Sein Hauptwerk
sind die "Loci theologici" (Neust. a. d. H. 1581-84, 4 Bde.). Vgl.
Otto, De Victorino Strigelio (Jena 1843).
Strigen (Striges), nach dem Volksglauben der Alten
vogelähnliche Unholdinnen, welche in der Nacht unheimlich
umherschwirren und den Kindern in der Wiege das Blut aussaugen
etc.
Strigiceps, s. Weihen.
Strigidae (Eulen), Familie aus der Ordnung der
Raubvögel, s. Eulen, S. 905.
Strij (spr. strei), Abraham van, holländ. Maler,
geb. 1753 zu Dordrecht, malte Genrebilder aus dem häuslichen
Leben in der Art von Metsu, aber auch Porträte, Landschaften
und Viehstücke im Geschmack von A. Cuijp. Er stiftete 1774 die
Gesellschaft Pictura in Dordrecht und starb 1826 daselbst. - Sein
Bruder Jacob van S. (1756-1815) schloß sich in Landschaften
und Tierstücken so eng an A. Cuijp an, daß seine Bilder
oft mit denen seines Vorbildes verwechselt werden. Es sollen auch
einige derselben zum Zweck der Täuschung mit dem Namen von
Cuijp bezeichnet worden sein.
Strike (engl., spr. steik), s. Streik.
Strikt (lat.), genau, streng, pünktlich.
390
Striktur - Stringocephalenkalk.
Striktur (lat.), die auf einzelne Stellen
beschränkte und unnachgiebige organische Verengerung eines mit
einer Schleimhaut ausgekleideten Kanals. Solche Strikturen kommen
vor an der Speiseröhre, am Magen und Darm, in den
Thränenkanälen, in der Luftröhre, in der
Harnröhre u. a. O. Sie entstehen entweder dadurch, daß
die Schleimhaut des betreffenden Kanals an einer mehr oder weniger
umschriebenen Stelle nach vorangegangener Verschwärung in ein
festes Narbengewebe umgewandelt wird, welches sich zusammenzieht,
schrumpft und nun wie ein fester um den Kanal herumgelegter Ring
diesen bleibend zusammenschnürt; oder sie beruhen auf der
Einlagerung von Krebsmasse in das Schleimhautgewebe, wodurch sich
dieses beträchtlich verdickt, unnachgiebig wird und den Kanal
auf verschieden große Strecken verengert. Die Strikturen der
Speiseröhre beruhen meist auf Krebseinlagerung, seltener auf
Narbenbildung infolge von Verbrennungen oder Einführung von
ätzenden und scharfen Substanzen (Vergiftung mit
Schwefelsäure, Ätzkali). Die Strikturen des Magens sind
bedingt entweder durch Magenkrebs oder durch die sich stark
zusammenziehenden Narben, welche nach einem Magengeschwür
zurückbleiben. Ähnliches gilt von den Strikturen des
Darms, welche außerdem auch noch infolge der
Verschwärung der Schleimhaut beim Ruhrprozeß entstehen
können. Die Strikturen der Harnröhre, welche
überwiegend beim männlichen Geschlecht vorkommen, sind
fast immer die Folge einer Tripperentzündung. Die Folgen der
Strikturen bestehen darin, daß der betreffende Kanal mehr
oder weniger unwegsam wird, daß die Massen, welche durch den
Kanal hindurchgehen sollen, an der S. aufgehalten und unter
Umständen in umgekehrter Richtung wieder entleert werden.
Daher ist bei der S. der Speiseröhre das Schlingen erschwert,
die Speisen werden meist sofort wieder ausgewürgt. Bei
Strikturen des Magens wird der Speisebrei, welcher nicht in den
Zwölffingerdarm gelangen kann, durch Erbrechen wieder nach
außen entleert. Bei Strikturen des Darms treten
Stuhlverhaltung, einfaches oder Kotbrechen, bei Strikturen der
Harnröhre erschwertes Harnen, Ablenkung des dünnen
Harnstrahls, tropfenweises Abgehen des Urins etc. ein.
Natürlich werden in allen diesen Fällen auch noch
subjektive Symptome der S. vorhanden sein, wie Schmerz, Gefühl
von Druck in der betreffenden Gegend etc. Die Behandlung der
Strikturen kann nur da eine direkte sein, wo wir sie mit unsern
mechanischen Hilfsmitteln erreichen können, wie in der
Speiseröhre, der Harnröhre und im Mastdarm, während
die Strikturen des Magens und Darms an sich keiner Behandlung
zugänglich sind. Krebsige Strikturen geben unter allen
Umständen eine schlechte Prognose, die narbigen Strikturen im
allgemeinen eine bessere; doch sind auch sie sehr schwierig und oft
nur unvollkommen zu beseitigen. Der hierzu eingeschlagene Weg
besteht darin, daß man durch Einführung von glatten
cylinderförmigen Körpern den verengerten Kanal
allmählich zu erweitern sucht, indem man Cylinder von immer
zunehmender Dicke anwendet. Bei Strikturen der Speiseröhre
verwendet man hierzu die sogen. Schlundsonde, beim Mastdarm die
sogen. Mastdarmbougies, bei Strikturen der Harnröhre starre
oder elastische Sonden und Bougies aus verschiedenen Substanzen.
Erreicht man hiermit den beabsichtigten Zweck nicht, und ruft die
S. eine gefährliche Harnverhaltung hervor, so muß man
dem Harn auf operativem Weg Abfluß verschaffen, entweder
durch den Blasenstich oder durch den Harnröhrenschnitt (hinter
der S.). Der künstliche Abweg für den Harn muß so
lange offen gehalten werden, bis es gelungen ist, von vorn oder von
hinten her der S. beizukommen und den normalen Weg für den
Harn wieder zu eröffnen. Die neuere Chirurgie beginnt auch die
Strikturen der Thränengänge und der Luftröhre mit
Erfolg zu behandeln. Vgl. die Schriften von Dittel (Stuttg. 1880),
Thompson (deutsch von Casper, Münch. 1888), Distin-Maddick
(deutsch, Tübing. 1889).
Strindberg, August, schwed. Schriftsteller, geb. 22. Jan.
1849 zu Stockholm, ist einer der talentvollsten Vertreter der
jüngsten Dichterschule in Schweden, welche der Richtung G.
Brandes' (s. d.) folgt. Er trat bereits 1872 mit einem Drama:
"Master Olof", hervor, das, besonders in einer spätern
Umarbeitung (1878), von bedeutender Wirkung war, erregte aber erst
mit seinem Roman "Röda rummet" (1879) die allgemeinste
Aufmerksamkeit. S. bezeichnet das Buch als "Schilderungen aus dem
Schriftsteller- und Künstlerleben" und geißelt darin mit
überlegener Satire die konventionellen gesellschaftlichen und
staatlichen Verkehrtheiten. Noch schonungsloser thut er dies in
"Det nya riket" (1882), welches seitens der reaktionären
Presse einen wahren Sturm von Angriffen gegen den Verfasser
hervorrief, welche diesen veranlagten, ins Ausland zu gehen.
Seitdem lebt er abwechselnd in Frankreich, Italien und der Schweiz.
Im J. 1883 erschienen, in demselben Geist gehalten: "Svenska
öden och äfventyr" (3 Bde.) und "Dikter p°a vers och
prosa", 1884 eine Sammlung kleinerer Abhandlungen unter dem Titel:
"Likt och olikt", ein Gedichtcyklus: "Sömngangarnätter",
und eine Novellensammlung: "Giftas" (letztere auch französisch
u. d. T.: "Les mariés"). Wegen einiger Auslassungen
über das Sakrament des Altars wurde "Giftas" konfisziert und
gegen den Verleger Anklage wegen Beschimpfung kirchlicher
Einrichtungen erhoben, worauf S. von Genf, wo er eben wohnte, nach
Stockholm reiste und dort vor Gericht seine Verteidigung so
glänzend führte, daß er gegen alle Erwartung von
den Geschwornen freigesprochen wurde. In "Giftas" behandelt S. das
Verhältnis zwischen Mann und Frau vom Standpunkt des Russen
Tschernyschewsky (s. d.) aus; noch mehr aber tritt seine
Verwandtschaft mit diesem in dem folgenden Werk: "Utopier i
verkligheten" (1885), hervor, worin er in novellistischer Form
"verwirklichte Utopien" schildert und auf diesem Weg den Nachweis
zu liefern sucht, daß eine Lösung der Arbeiterfrage im
Sinn des Sozialismus ersprießlich und möglich sei. Von
sonstigen Werken Strindbergs sind zu nennen die Schauspiele.
"Gillets hemlighet" (1880), "Herr Bengts hustru" (1882) und
"Lycko-Pers resa" (1882), seine kulturhistorischen Arbeiten:
"Svenska folket i helg och söken" (1882) und "Gamla Stockholm"
(im Verein mit Claes Lundin, 1882); ferner: "Svenska
berättelser" (1883); "Tjensteqvinnans son" (1886);
"Hemsöborna" (1887); "Skärkarlslif" (1888); "Fröken
Julie" etc. Durch seinen Kampf gegen die übertriebene
Frauenvergötterung, welche in der schwedischen Litteratur
durch Ibsens "Dukkehjem" angebahnt wurde, hat sich S. in den
letzten Jahren viele Feinde erworben, besonders unter den
jüngern Vertretern der Frauenemanzipation.
Stringéndo (ital., spr. strindsch-), musikal.
Vortragsbezeichnung, s. v. w. immer schneller, bis zur
nächsten Tempobezeichnung.
Stringieren (lat.), eng zusammenziehen, genau nehmen;
streifen; stringent, zwingend, bündig.
Stringocephalenkalk, s. Devonische Formation.
391
Stringocephalus - Stroganow.
Stringocephalus, s. Brachiopoden.
Strinnholm, Andreas Magnus, schwed. Geschichtsforscher,
geb. 25. Nov. 1786 in der Provinz Westerbotten, studierte zu
Upsala, schrieb zuerst "Svenska folkets historia under konungarna
af Wasaätten" (Stockh. 1819-24, 3 Bde.), die er aber mit der
Erbvereinigung von Westeräs 1544 abbrach, und begann, nachdem
er eine Zeit hindurch am statistischen Archiv zu Stockholm
beschäftigt gewesen, 1830 eine vollständige Geschichte
Schwedens nach den Quellen zu bearbeiten, von welcher unter dem
Titel: "Svenska folkets historia fran äldsta till nuvarande
tider" (das. 1835-54; daraus einzelne Abschnitte deutsch von Frisch
u. d. T.: "Wikingszüge, Staatsverfassung und Sitten der alten
Skandinavier", Hamb. 1839-41, 2 Bde.) 5 Bände erschienen,
welche bis 1519 reichen. Der erste Teil dieses Werkes ward von der
schwedischen Akademie mit dem höchsten Preis gekrönt.
Auch die kürzere "Sveriges historia i sammandrag" (Stockh.
1857-60, 3 Bde.) blieb unvollendet. S. ward 1845 Mitglied der
Akademie der Wissenschaften und starb 18. Jan. 1862 in
Stockholm.
Strix, s. Eulen, S. 907.
Strizzo (ital., Mehrzahl Strizzi), s. Louis.
Strjetensk, Stadt im sibir. Gebiet Transbaikalien,
Haupthafen am obern Amur, mit einem Hospital und verschiedenen
Faktoreien. Die Ladenbesitzer sind fast durchgängig deutsch
sprechende Juden.
Ströbeck, Pfarrdorf im preuß. Regierungsbezirk
Magdeburg, Kreis Halberstadt, hat eine evang. Kirche und (1885)
1251 Einw., die seit alter Zeit als Schachspieler in Ruf stehen.
Alljährlich bei der Osterprüfung wird in der Schule ein
Wettspiel um sechs als Prämien ausgesetzte Schachbretter
veranstaltet.
Strobel, Adam Walther, elsäss. Geschichtsforscher,
geb. 23. Febr. 1792 zu Straßburg, seit 1830 Professor am
Gymnasium daselbst, starb 28. Juli 1850. Sein Hauptwerk ist die
"Vaterländische Geschichte des Elsaß" (Straßb.
1840-49, 6 Bde.), die Heinr. Engelhardt (für die Zeit
1789-1815) vollendete. Außerdem veröffentlichte S.:
"Sebastian Brants Narrenschiff" (Quedlinb. 1839) samt dessen
kleinern Gedichten; Closeners "Straßburger Chronik" (Stuttg.
1841); "Mitteilungen aus der alten Litteratur des nördlichen
Frankreich" (Straßb. 1834); "Französische Volksdichter"
(Baden 1846); "Das Münster in Straßburg" (Straßb.
1845, 14. Aufl. 1876) u. a. Auch an dem "Code historique et
diplomatique de la ville de Strasbourg" (Straßb. 1843, 2
Bde.) nahm S. hervorragenden Anteil.
Strobilus (lat.), s. v. w. Zapfen, s. Koniferen.
Stroboskopische Scheibe, s. Phänakistoskop.
Strobus Loud., Gruppe der Gattung Pinus (s. Kiefer, S.
714).
Strodtmann, Adolf, Dichter und Schriftsteller, geb. 24.
März 1829 zu Flensburg als Sohn des auch als Dichter bekannten
Pädagogen Sigismund S. (gest. 12. Sept. 1888; "Dichtungen", 2.
Aufl., Hamb. 1888), beteiligte sich 1848 als Kieler Student an der
Erhebung seines Heimatlandes, ward in einem der ersten Gefechte
verwundet und fiel in dänische Gefangenschaft. Befreit, setzte
er seine Studien in Bonn fort, wo er zu Kinkels Schülern
gehörte, dichtete seine revolutionären "Lieder der Nacht"
(Bonn 1850) und wurde wegen des in denselben enthaltenen Gedichts
"Das Lied vom Spulen" von der Universität verwiesen. Er ging
zunächst nach Paris und London, wo er die Biographie
"Gottfried Kinkel" (Hamb. 1850, 2 Bde.) schrieb, begab sich 1852
nach Amerika, gründete eine bald wieder eingehende
Buchhandlung, lebte dann als Journalist in New York und
Philadelphia, ließ auch ein aus den Reminiszenzen der
deutschen Revolution erwachsenes Gedicht: "Lotar", erscheinen. 1856
nach Deutschland zurückgekehrt, ließ er sich in Hamburg
nieder, wo er das Bürgerrecht erwarb und eine ausgebreitete
litterarische Thätigkeit entwickelte. Der poetischen
Erzählung "Rohana, ein Liebesleben in der Wildnis" (Hamb.
1857; 2. Aufl., Berl. 1872) folgten seine "Gedichte" (Leipz. 1858,
3. Aufl. 1880), "Ein Hohes Lied der Liebe" (Hamb. 1858) und die
Zeitgedichte "Brutus, schläfst du?" (das. 1863). Gleichzeitig
widmete sich S. dem eingehenden Studium Heines, von dessen Werken
er eine Gesamtausgabe (Hamb. 1866-68, 20 Bde.) veranstaltete. Im
Zusammenhang damit stand sein biographisches Buch "Heinrich Heines
Leben und Werke" (Berl. 1869, 2 Bde.; 3. Aufl. 1884). 1870
begleitete S. als Korrespondent mehrerer großer Zeitungen die
dritte deutsche Armee auf ihrem Siegeszug nach Frankreich und
veröffentlichte aus den Eindrücken dieser Tage:
"Alldeutschland in Frankreich hinein!" (Berl. 1871). Nach dem
Feldzug ließ er sich in Steglitz bei Berlin nieder, wo er 17.
März 1879 starb. Als poetischer Übersetzer hatte er
zuerst eine Anzahl Gedichte neuerer amerikanischer Lyriker
meisterhaft übertragen; es folgten dann: "Die Arbeiterdichtung
in Frankreich" (Hamb. 1863); "Tennysons ausgewählte
Dichtungen" (Hildburgh. 1868); "Shelleys Dichtungen" (das. 1867, 2
Bde.); die "Amerikanische Anthologie" (das. 1870) sowie zahlreiche
Übersetzungen prosaischer Werke aus dem Französischen,
Dänischen und Englischen, darunter Montesquieus "Persische
Briefe" (Berl. 1866), Eliots "Daniel Deronda" (das. 1876-77),
Brandes' "Hauptströmungen der Litteratur des 19. Jahrhunderts"
(das. 1872-76, 4 Bde.), I. Simes "Lessing" (das. 1878). Auch
kritisch und litterarhistorisch vielfach thätig,
veröffentlichte er: "Das geistige Leben in Dänemark"
(Berl. 1873); "G. A. Bürgers Briefe" (das. 1874, 4 Bde.);
"Dichterprofile. Litteraturbilder aus dem 19. Jahrhundert" (Stuttg.
1878).
Stroganow, angesehene russische, jetzt gräfliche
Familie, hat zum Ahnherrn Anikij S., der zu Ende des 15. Jahrh.
große Salinen und Eisenwerke im Ural besaß, und dessen
Söhne Jakow und Grigorij sich durch Erfindungen sowie
großartige Einrichtengen im Berg- und Salzwesen bekannt
machten und sich zur Zeit Iwan Wasiljewitsch' des Schrecklichen
zwischen der Kama und nördlichen Dwina ansiedelten. Indem sie
den Kosakenhetman zum Schutz ihrer Besitzungen herbeiriefen, trugen
sie mittelbar zur Eroberung Sibiriens bei. Iwan Wasiljewitsch
verlieh den Brüdern bedeutende Vorrechte und Handelsmonopole;
dieselben brachten den ganzen Handel Sibiriens an sich und wurden
Besitzer von mehr als 100 Städten, Kolonien und
Hüttenwerken, wozu später noch Goldwäschen kamen. Im
Polenkrieg zu Anfang des 17. Jahrh. rüsteten die Stroganows
ein eignes Armeekorps aus und trugen zur Rettung Rußlands
bei, wofür sie der Zar mit der Befugnis belohnte, ihre eigne
Soldateska zu haben und freie Jurisdiktion über ihre
Untergebenen zu üben. Peter d. Gr. nahm jedoch 6. Mai 1722 den
Repräsentanten der Familie, den Brüdern Alexander,
Nikolaus und Sergei S., die sämtlichen Vorrechte ihrer Ahnen
und verlieh ihnen hierfür bloß den Baronstitel.
Gri-gorij Alexandrowitsch S., geb. 1770, russischer Diplomat und
1826 in den Grafenstand erhoben, rettete 1821 als russischer
Gesandter in Konstantinopel durch sein energisches Auftreten vielen
tausend Grie-
392
Stroh - Strohseile.