Strehlen, 1) Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk

Breslau, an der Ohlau, Knotenpunkt der Li-nien Breslau

-Mittelwalde, S.-Nimptsch und S.-Grottkau der Preußischen

Staatsbahn, hat 2 evangelische, eine altlutherische, eine

reformierte und eine kath. Kirche, ein Gymnasium, ein Amtsgericht,

eine Zuckerfabrik, einen großen Steinbruch, Ziegelbrennerei,

lebhafte Getreide-, Woll- und Viehmärkte und (1885) mit der

Garnison (2 Eskadrons Husaren Nr. 4) 8854 meist evang. Einwohner.

Dabei das jetzt in S. einverleibte Dorf Woiselwitz, bekannt durch

den beabsichtigten Verrat des Barons Warkotsch an Friedrich d. Gr.

Vgl. Görlich, Geschichte der Stadt S. (Bresl. 1853). -

2) Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden,

Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt, 3 km südöstlich von

Dresden, mit dem es durch Pferdebahn verbunden ist, hat eine

königliche Villa, eine Dampfmahlmühle, Ziegelbrennerei

und (1885) 2106 Einw.

Strehlenau, s. Niembsch von Strehlenau.

Strehlitz, Stadt, s. Großstrehlitz.

Streichbrett, s. Pflug, S. 973.

Streichen, seemännisch das Gegenteil von

heißen (s. d.), also herunterziehen, z. B. die Segel oder die

Flagge. Wenn zu den Zeiten der Segelschiffahrt ein Schiff, das

verfolgt wurde, seine Segel strich, so gab es sich damit verloren;

daher figürlich die Segel s., s. v. w. sich ergeben.

Streichen der Schichten, die Richtung, in welcher sich

eine Gesteinsschicht oder ein Gang horizontal weiter erstreckt

(streicht). Sie wird durch den Winkel

385

Streichendes Feld - Streiter.

bestimmt, welchen eine in der Schichtungsfläche oder in der

Grenzfläche des Ganges gedachte Horizontallinie (Streichlinie)

mit der Magnetnadel bildet. Die Streichlinie steht senkrecht zur

Falllinie (s. Fallen der Schichten), und durch gleichzeitige Angabe

des Streichens und Fallens ist die Schicht oder der Gang im Raum

vollständig orientiert. Der Winkel gegen die Nordsüdlinie

wird entweder (neuerdings häufiger) in Graden angegeben oder

(früher ausschließlich) in Stunden (horae), indem man

sich den Limbus des Kompasses in zweimal 12 oder auch in 24 Stunden

(à 15°) und diese in Achtelstunden (à 1° 52'

30'', den Einheiten mißbräuchlich als Dezimalstellen

angefügt) geteilt denkt. Eine Schicht, welche hora 6 (oder

hora 18 zu 6) streicht, wird sich hiernach in westöstlicher

Richtung horizontal weiter erstrecken und gegen S. oder N.

einfallen. Horizontale (söhlige) Schichten streichen nach

allen Richtungen gleichzeitig.

Streichendes Feld, s. Gestrecktes Feld.

Streichinstrumente. Die heute allein in der europäischen

Kunstmusik gebräuchlichen S.: Violine, Bratsche,

Violoncello und Kontrabaß sind das Schlußergebnis einer

vielleicht tausendjährigen langsamen Entwickelung; sie sind

sämtlich nach demselben Prinzip gebaut, wie schon ein

flüchtiger Blick auf ihre äußern Umrisse lehrt.

Diese der Bildung eines edlen, vollen Tons günstigste Bauart

wurde etwa zu Ende des 15. Jahrh. zunächst für die

Violine gefunden und allmählich auf die größern

Arten der S. übertragen, so daß Cello, Bratsche und

Kontrabaß erheblich später die ältern S., welche

Violen hießen (Viola da braccio, Viola da gamba und Violone),

verdrängten (vgl. Viola und Violine). Wie alt die S. sind, ist

nicht recht festzustellen; noch ist kein Denkmal aus

vorchristlicher Zeit aufgefunden, welches die Abbildung eines

Streichinstruments aufweist. Nach gewöhnlicher Annahme ist der

Orient die Wiege der S.; doch ist dieselbe schlecht genug

begründet, nämlich damit, daß die arabischen

Musikschriftsteller des 14. Jahrh. die S. Rebab oder Erbeb und

Kemantsche kennen. Obgleich nichts auf eine wesentlich frühere

Existenz dieser Instrumente bei ihnen hinweist, hat man doch daraus

geschlossen, daß das Abendland sie von den Arabern nach der

Eroberung Spaniens erhalten habe, während auf der andern Seite

eine große Zahl Beweise vorhanden sind, daß seit dem 9.

Jahrh., wo nicht länger, das Abendland Instrumente dieser Art

kannte. Es genüge hier, darauf hinzudeuten, daß die

älteste Abbildung eines Streichinstruments (in Gerberts "De

musica sacra" wiedergegeben), eine einsaitige "Lyra" , die dem 8.

oder 9. Jahrh. angehört, eine der spätern Gigue sehr

ähnliche Gestalt aufweist, daß wir aus dem 10. Jahrh.

eine Abbildung der keltischen Chrotta (s. d.) haben, und daß

bereits im 11.-12. Jahrh. mancherlei verschiedene Formen der S.

nebeneinander bestanden. Es hielten sich jahrhundertelang

nebeneinander zwei prinzipiell verschiedene Formen der S., von

denen die (vermutlich minder alte) mit plattem Schallkasten aus der

Chrotta hervorging, die andre mit mandolinförmig

gewölbtem Bauch aber (die altdeutsche Fidula) wahrscheinlich

germanischen Ursprungs ist. Auch das frühere Vorkommen der

Drehleier deutet auf einen abendländischen Ursprung der S. Die

ältesten S. hatten keine Bünde; diese tauchen erst zu

einer Zeit auf, wo die nachweislich von den Arabern importierte

Laute anfing, sich im Abendland auszubreiten, d. h. im 14. Jahrh.,

und um dieselbe Zeit tauchen auch allerlei andre Wandlungen im

Äußern der S. auf (große Saitenzahl, die Rose),

welche den Einfluß der Laute verraten. Im 15.-16. Jahrh.

finden wir zahlreiche verschiedene Arten großer und kleiner

Geigen nebeneinander, die dann sämtlich von den

Violineninstrumenten verdrängt wurden. Zur Erklärung der

so verschiedenartigen äußern Umrisse der S. älterer

Zeit sei noch darauf hingewiesen, daß für diejenigen,

welche eine größere Saitenzahl (über 3) und

demzufolge einen höher gewölbten Steg hatten, die

Seitenausschnitte nötig wurden, und man ging in der

Vergrößerung der letztern so weit, daß

schließlich Instrumente zu Tage kamen, deren

Schallkörper beinahe die Gestalt eines x hatte. Für die

Instrumente mit höchstens 3 Saiten bedurfte es der

Saitenausschnitte nicht, u. sie behielten daher auch ihren

birnenförmigen Schallkasten noch lange Zeit (s. Gigue).

Streichmaß (Streichmodel), s.

Parallelreißer.

Streichorchester, s. Orchester.

Streichquartett, das Ensemble von 2 Violinen, Bratsche

und Violoncello sowie eine Komposition für diese Instrumente

(s. Quartett).

Streichquintett, das Ensemble von 2 Violinen, 2 Bratschen

und Cello oder 2 Violinen, Bratsche und 2 Celli, auch wohl von 2

Violinen, Bratsche, Cello und Kontrabaß, selten von 3

Violinen, Bratsche und Cello oder andre Zusammenstellungen. In

ähnlicher Weise sind auch Streichsextette, Septette etc. in

verschiedenartiger Zusammenstellung möglich.

Streichschalen, s. Schleifsteine.

Streichwolle, s. Wolle.

Streifen, in der Jägersprache s. v. w.

Abstreifen.

Streifenbarbe, s. Seebarbe.

Streifenfarn, s. Asplenium.

Streifenruderschlange, s. Wasserschlangen.

Streifkorps, s. v. w. Fliegendes Korps (s. d. und

Freikorps).

Streifzug, s. Raid.

Streik (engl. strike, "Schlag, Streich", franz.

Grève, daher in Belgien Grevist, der Anteilnehmer am S.), s.

Arbeitseinstellung.

Streitaxt, Hieb- und Wurfwaffe, bei den Römern als

securis gebräuchlich, im Mittelalter aus einem

beilförmigen Eisen auf der einen und einer Art Hammer auf der

andern Seite bestehend, zwischen denen oft noch eine gerade, zum

Zustoßen geeignete Spitze in der Stielrichtung hervorragte.

Die S. war auf einem kurzen Stiel befestigt und bis zum 16. Jahrh.,

bei den Kaukasusvölkern bis in die neueste Zeit,

gebräuchlich (s. Fig. 1 u. 2). Über prähistorische

Streitäxte s. Metallzeit und Steinzeit.

Streitbefestigung, s. Litiskontestation.

Streitberg, Dorf im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken,

Bezirksamt Ebermannstadt, 483 m ü. M. an der forellenreichen

Wiesent, in der sogen. Fränkischen Schweiz, hat eine protest.

Kirche, Burgruinen, ein Mineralbad nebst Molkenkuranstalt und

(1885) 283 Einw. In der Nähe ein gelber Marmorbruch.

Streiter, Joseph, Schriftsteller, geb. 8. Juli 1804 zu

Bozen, studierte in Innsbruck die Rechte, ward Rechtsanwalt in

Cavalese, dann in Bozen, 1861

386

Streitgedichte - Strelitz.

Bürgermeister daselbst, 1866 Abgeordneter der Bozener

Handelskammer im Landtag, legte 1871 sein Amt nieder und starb 17.

Juli 1873 auf Payersberg bei Bozen. Er schrieb: "Jesuiten in Tirol"

(Heidelb. 1845); "Die Revolution in Tirol" (Innsbr. 1851); "Studien

eines Tirolers" (Berl. 1862); "Blätter aus Tirol" (Wien 1868);

auch mehrere Dichtungen, wie: "Heinrich IV.", Tragödie (1844),

"Der Assessor", Lustspiel (1858), u. a. Nicht bloß als

Abgeordneter und Bürgermeister, sondern auch als

Schriftsteller bekämpfte er mutig den mächtigen

Klerus.

Streitgedichte, eine Art altdeutscher Dichtungen, worin

die Vorzüge verschiedener Gegenstände voreinander oder

die Erwägung, was an einem Gegenstand das Bessere sei, als

Streit unter Personifikationen dargestellt wurde. Die frühste

Veranlagung dazu haben wohl die uralten, schon in der frühern

lateinischen Poesie des Mittelalters vorkommenden allegorischen

Sommer- und Winterstreite gegeben; seit dem Ende des 13. Jahrh.

werden dergleichen Dichtungen sehr häufig und finden sich

unter dem Namen "Kampfgespräche" noch bei Hans Sachs. Auch der

"Wartburgkrieg" (s. d.) ist hierher zu rechnen.

Streitgenossen (Litiskonsorten), im bürgerlichen

Rechtsstreit die in einer Parteirolle vereinigten Personen, sei es

als Kläger (Mitkläger), sei es als Beklagte

(Mitbeklagte). Ob eine solche Streitgenossenschaft

(Litiskonsortium) eintreten soll oder nicht, das hängt in der

Regel von der freien Entschließung der Klagpartei ab. Ich

kann z. B. die Erben meines verstorbenen Schuldners wegen meiner

Forderung einzeln verklagen, oder ich kann diese Forderung in einer

und derselben Klage gegen die sämtlichen Erben verfolgen.

Besteht in Ansehung des Streitgegenstandes eine Rechtsgemeinschaft,

oder sind mehrere Personen aus demselben tatsächlichen und

rechtlichen Grund berechtigt oder verpflichtet, so können

dieselben eben gemeinschaftlich klagen oder verklagt werden; ja,

dies kann nach der deutschen Zivil-Prozeßordnung auch schon

dann geschehen, wenn gleichartige und auf einem im wesentlichen

gleichartigen tatsächlichen und rechtlichen Grund beruhende

Ansprüche oder Verpflichtungen den Gegenstand des

Rechtsstreits bilden. Die Zivilprozeßordnung kennt aber auch

eine notwendige Streitgenossenschaft, welche dann eintritt, wenn

das streitige Rechtsverhältnis allen S. gegenüber nur

einheitlich festgestellt, oder wenn nach bestehender

Rechtsvorschrift ein Rechtsanspruch nur von mehreren zusammen oder

gegen mehrere zusammen wirksam geltend gemacht werden kann. Dies

ist z. B. nach preußischem Recht bei Grundstücken der

Fall, welche im Miteigentum von mehreren Personen stehen. Das Recht

zur Betreibung des Prozesses steht aber auch im Fall einer

notwendigen Streitgenossenschaft jedem Streitgenossen zu; er

muß aber, wenn er den Gegner zu einem Termin ladet, auch die

übrigen S. laden. Vgl. Deutsche Zivilprozeßordnung,

§ 56 ff., 95, 434; v. Amelunxen, Die sogen. notwendige

Streitgenossenschaft der deutschen Zivilprozeßordnung (Mannh.

1881).

Streithammer, Hammer mit Schaft, als Waffe schon im

Altertum gebräuchlich, im Mittelalter aus einem

stählernen Hammer mit gegenüberstehender scharfer,

rückwärts gebogener Spitze und kurzer Stoßklinge am

vordern Ende bestehend (s. Figur). Er wurde vom Fußvolk auf

langem Schaft, von Reitern an kurzem Stiel, am Sattel hängend,

geführt.

Streitkolben, aus der Keule hervorgegangene Schlagwaffe,

meist eiserner Stiel mit Handgriff und schwerem Knopf am andern

Ende. Letzterer erhielt geeignete Formen zum Durchbohren der

Panzer. Der S. wurde meist von Reitern bis ins 16. Jahrh.

geführt; vgl. Morgenstern.

Streitkolbenbaum, s. Casuarina.

Streitverkündigung (Litisdenunziation), im

bürgerlichen Rechtsstreit die von seiten einer Partei an einen

Dritten ergehende Aufforderung, ihm in dem Prozeß zur Seite

zu treten und zum Sieg zu verhelfen. Die betreffende Partei wird

Streitverkünder (Litisdenunziant) genannt, die dritte Person

ist der Litisdenunziat. Eine S. erfolgt dann, wenn eine Partei

für den Fall des Unterliegens im Prozeß einen

Rückanspruch gegen den Litisdenunziaten zu haben glaubt. Ich

habe z. B. eine Ware gekauft, und diese Ware macht mir jemand im

Weg der Klage streitig. Ich kann alsdann meinem Verkäufer den

Streit verkünden, weil ich im Fall meiner Verurteilung zur

Herausgabe der Sache einen Ersatzanspruch an den Verkäufer

habe. Außerdem kann eine S. aber auch in dem Fall erfolgen,

daß die Hauptpartei den Anspruch eines Dritten (des

Litisdenunziaten) besorgt. Der Kommissionär kann z. B.

für Rechnung des Kommittenten einen Prozeß führen.

Verliert er denselben, so kann unter Umständen der Kommittent

mit einem Schadenersatzanspruch hervortreten. Der Kommissionär

wird daher gutthun, dem Kommittenten von dem Rechtsstreit

Mitteilung zu machen, um ihn zur Teilnahme an demselben zu

veranlassen. Die S. erfolgt nach der deutschen

Zivilprozeßordnung durch die Zustellung eines Schriftsatzes,

in welchem der Grund der S. und die Lage des Rechtsstreits

anzugeben sind. Abschrift des Schriftsatzes ist dem Gegner

mitzuteilen. Tritt der Dritte dem Streitverkünder bei, so wird

er dessen Nebenintervenient (s. Intervention, S. 1005); lehnt er

den Beitritt ab, oder erklärt er sich nicht, so wird der

Rechtsstreit ohne Rücksicht auf ihn fortgesetzt. Vgl. Deutsche

Zivilprozeßordnung, § 69 ff.; Kipp, Die

Litisdenunziation im römischen Zivilprozeß (Leipz.

1887).

Streitwagen dienten entweder dazu, die Streiter im

Gefecht schneller fortzuschaffen, worauf diese beim

Zusammenstoß mit dem Feind vom Wagen herab kämpften oder

auch zu diesem Zweck abstiegen, oder sie sollten durch ihren

Einbruch den Feind selbst schädigen, wie die Sichelwagen (s.

d.). Die S., von einem Wagenführer gelenkt, von einem, auch

mehreren Kämpfenden besetzt, finden sich namentlich beiden

Griechen (s. Figur) in ihrer Heldenzeit und ersetzten die Reiterei.

Im Mittelalter waren die S. stark bemannt und dienten den

Armbrustschützen auch wohl gleichzeitig als Verschanzung, wie

bei den Hussiten und Vlämen im 14. Jahrh., die ihre

Walkerkarren (ribeaudequins) sogar mit Geschützen

besetzten.

Strelitz, Herzogtum (auch Herrschaft Stargard genannt),

einer der beiden Bestandteile des Groß-Herzogtums

Mecklenburg-Strelitz, östlich von Meck-

[Luzerner Streithamm er (14. Jahrh.).]

[Griechischer Streitwagen.]

387

Strelitzen - Stricken.

lenburg-Schwerin gelegen und außerdem von Brandenburg und

Pommern umschlossen, 2548 qkm (46,28 QM.) groß mit 82,288

Einw. Darin die Stadt S. (Altstrelitz), südlich bei

Neustrelitz (s. d.) und an der Linie Berlin-Stralsund der

Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein altes

Schloß (jetzt Straf- und Irrenanstalt), ein Amtsgericht,

Leder- und Tabaksfabrikation, starken Pferdehandel und (1885) 3096

Einw.

Strelitzen (russ. Strjelzi, "Schützen"), russische

Leibwache, ward vom Zaren Iwan Wasiljewitsch dem Schrecklichen in

der Mitte des 16. Jahrh. errichtet und machte, zuweilen 40-50,000

Mann stark, die ganze Infanterie Rußlands aus. Mit ihnen

erkämpften jener Zar und dessen Nachfolger die großen

Siege, die Rußlands Macht gründeten. Sie waren aber eine

wilde, zuchtlose Soldateska, achteten weder Gesetze noch Disziplin

und empörten sich bei dem geringsten Anlaß. 1682

rebellierten sie und übten bei dem Thronwechsel nach dem Tode

des Zaren Feodor eine Zeitlang einen politischen Einfluß.

Peter d. Gr. suchte daher die Macht der S. nach und nach zu

schwächen, indem er ihnen ein Vorrecht nach dem andern entzog,

bis er es ohne Gefahr unternehmen durfte, sie ganz aufzulösen.

Zur Beobachtung Polens an die litauische Grenze postiert,

empörten sie sich im Sommer 1698, wurden aber in einer offenen

Feldschlacht von dem General Gordon geschlagen. Nahezu 2000 der

Rebellen wurden gefangen genommen und mit beispielloser Grausamkeit

gefoltert und hingerichtet. Die Regimenter der S. wurden

aufgelöst. Die Reste derselben nahmen noch wiederholt an den

folgenden Rebellionen während der Regierung Peters d. Gr.

teil.

Strelna, kaiserliches Lustschloß im russ.

Gouvernement St. Petersburg, mit schönem Park, nach dem Muster

des Versailler Schlosses 1711 von Peter I. angelegt, liegt an der

Baltischen Bahn, 9,5 km von Peterhof am hohen Ufer des Finnischen

Meerbusens, hat in den zwei dazu gehörigen Dörfern

Farmen, Schulen, eine Papierfabrik und 1350 Einw.

Strelno (Strzelno), Kreisstadt im preuß.

Regierungsbezirk Bromberg, an der Linie Mogilno-S. der

Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath.

Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht und (1885) 4332 meist kath.

Einwohner.

Stremayr, Karl, Edler von, österreich. Minister,

geb. 30. Okt. 1823 zu Graz, studierte daselbst die Rechte, trat bei

der k. k. Kammerprokuratur in den praktischen Staatsdienst, war

1848-49 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, ward dann

Supplent des römischen Rechts an der Universität und

Staatsanwaltssubstitut in Graz, 1868 von Giskra als Ministerialrat

in das Ministerium des Innern berufen und war dreimal, vom 1. Febr.

bis 12. April 1870, vom Mai 1870 bis 7. Febr. 1871 und seit 25.

Nov. 1871 bis 15. Febr. 1879, Unterrichtsminister. Er führte

die Aufhebung des Konkordats durch und brachte die neuen

Unterrichts- und Kirchengesetze im Reichsrat zustande, verstand es

aber dennoch, mit dem katholischen Klerus ein gutes Verhältnis

aufrecht zu erhalten. Nach dem Rücktritt des Ministeriums

Auersperg übernahm S. 15. Febr. 1879 zunächst den Vorsitz

des Ministerrats und ging im August 1879 als Justizminister mit

einstweiliger Verwaltung des Unterrichtsministeriums in das

Taaffesche Kabinett über, nahm aber 1880 seine Entlassung und

schied aus dem politischen Leben. Er ward zum zweiten

Präsidenten des obersten Gerichtshofs und 1. Jan. 1889 zum

Mitglied des Herrenhauses ernannt.

Stremma, neugriech. Flächenmaß, = 1000 qm.

Strenae (lat.), bei den alten Römern Geschenke, die

man sich zu Anfang des neuen Jahrs mit Glückwünschen zu

übersenden pflegte, bestanden in Lorbeer- und Palmenzweigen,

Süßigkeiten und Früchten, die wie bei uns mit

Goldschaum überzogen wurden. Eine letzte Spur derselben hat

sich in den französischen Étrennes (s. d.) erhalten.

Der Name S. hängt mit der alten sabinischen Segensgöttin

Strenia zusammen, welcher die römische Salus entsprach.

Strenger Arrest, s. Arrest.

Strenglot, s. Lot, S. 920.

Strengnäs, alte Stadt im schwed. Län

Södermanland, am Mälar, ist seit dem Brand von 1871 neu

aufgebaut, hat eine in ihrem Kern aus dem 13. Jahrh. stammende

Domkirche mit den Grabmälern Karls IX. u. a., eine gute

bischöfliche Bibliothek und (1885) 1614 Einw. S. steht mit

Stockholm in regelmäßiger Dampferverbindung. Seit dem

Anfang des 12. Jahrh. ist es Bischofsitz.

Strenuität(lat.), Hurtigkeit, Betriebsamkeit.

Strepitoso (ital.), lärmend, rauschend.

Strepsiceros, s. Antilopen, S. 639.

Strepsiptera, s. Fächerflügler.

Stretford, Stadt in Lancashire (England), 3 km

südwestlich von Manchester, hat Baumwollfabriken,

Schweineschlächtereien und (1881) 19,018 Einw.

Stretto (ital., "gedrängt"), in der Musik

Bezeichnung für die Engführungen in der Fuge; auch eine

längere, lebhafter vorzutragende Schlußpassage, wie sie

häufig am Ende von Konzertsätzen auftritt, desgleichen

ein schnell bewegter Satz am Ende des Opernfinales etc. heißt

S. (Stretta).

Streu (Stallmist), s. Dünger, S. 219 f.

Streu, rechtsseitiger Nebenfluß der

Fränkischen Saale im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken,

entspringt auf der Hohen Rhön und mündet bei

Heustreu.

Streublau, s. Schmalte.

Streukügelchen, kleine Kügelchen von Zucker,

deren sich die Homöopathie zur Verabreichung der kleinsten

Dosen ihrer Arzneien bedient.

Streupulver, s. Lycopodium.

Streuzucker, s. Dragée.

Strich, deutsche Bezeichnung für Millimeter.

Strichfarn, s. Asplenium.

Strichprobe, s. Goldlegierungen.

Strick, in der Jägersprache 2-3 zusammengekoppelte

Wind- oder Hatzhunde.

Stricken, die Herstellung von Maschen mit Hilfe eines

Fadens und zweier Nadeln. Als Material gebraucht man Seide, Wolle

oder Baumwolle. Die Nadeln werden aus Stahl, Holz oder Knochen

angefertigt, sind 20-50 cm lang, von oben bis unten gleich stark

und an den Enden etwas zugespitzt. Wenn man nur mit zwei Nadeln

strickt, so sind diese an einem Ende mit einem Knopfe versehen,

damit die Maschen nicht abgleiten können. Auf die eine Nadel

werden durch Knüpfen Maschen aufgelegt; diese Nadel nimmt man

in die linke Hand und legt den an der letzten Masche hängenden

Faden über den Zeigefinger um die andern Finger; mit der von

der rechnen Hand gehaltenen zweiten Nadel sticht man in die erste

Masche, faßt mit der Nadel den straff angezogenen Faden,

zieht ihn durch die Masche hindurch und läßt diese von

der Nadel heruntergleiten. Dadurch, daß der Faden ohne

Unterbrechung fortläuft, sind alle Maschen miteinander

verbunden. Man unterscheidet Rechts- oder Glatt- und Linksstricken.

Beim Rechtsstricken sticht man von vorn in die Masche und zieht den

Faden von hinten nach vorn durch, beim Linksstricken ist es

umgekehrt. Ist die Strickarbeit lappen-

388

Stricker - Strickmaschine.

oder streifenartig, so bedient man sich zweier Nadeln und wendet

jedesmal am Ende der Nadel das Strickzeug um. Will man ein Rund

stricken, so braucht man fünf Nadeln. Auf vier verteilt man

die Maschen, mit der fünften strickt man. Der Faden wird ohne

Unterbrechung von der letzten Masche einer Nadel durch die erste

der nächsten gezogen. Durch die Abwechselung von Rechts- und

Linksstricken, Ab- und Zunehmen, Verschränken u. andre Arten

von Maschenbilden kann man verschiedene Muster in die Strickerei

bringen. Strickarbeiten werden zu fast allen Kleidungsstücken

verwendet (Strümpfe, Röcke, Jacken, Hauben etc.). In

neuerer Zeit werden Strickereien vielfach durch Maschinen

hergestellt (s. Strickmaschine). Das S. soll bereits im 13. Jahrh.

in Italien bekannt gewesen, nach andern aber erst im 16. Jahrh. in

Spanien erfunden worden sein. Von hier gelangte es nach England u.

Schottland, u. 1564 wird William Rider als erster Strumpfstricker

in England genannt. Um dieselbe Zeit gab es in Deutschland

Hosenstricker, und noch lange wurde das S. von Männern

ausgeübt. Vgl. Heine, Schule des Strickens (Leipz. 1879);

Hillardt, Das S. (3. Aufl., Wien 1887).

Stricker (der Strickäre), mittelhochd. Dichter, von dessen

Lebensverhältnissen nur bekannt ist, daß er in

Österreich um 1240 lebte. Er verfaßte einen "Daniel von

Blumenthal" (noch ungedruckt), eine Bearbeitung des "Rolandslieds"

(hrsg. von Bartsch, Quedlinb. 1857), kleine Erzählungen,

Gleichnisse, Fabeln, die man damals unter dem Namen Beispiele

zusammenfaßte (mehrere hrsg. von Hahn, das. 1839), und

besonders die Schwanksammlung "Der Pfaffe Amis", die älteste

derartiger Dichtungen, deren Inhalt die Schwänke und

Gaunerstreiche eines geistlichen Herrn, des Amis, bilden (hrsg. von

Benecke in den "Beiträgen zur Kenntnis der altdeutschen

Sprache etc.", Götting. 1810-32, 2 Bde.; neuerdings von

Lambelin "Erzählungen und Schwänke", 2. Aufl., Leipz.

1883; deutsch von Pannier, das. 1878). Vgl. Jensen, Über den

S. als Bispeldichter (Marb. 1886).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 112 / 302 段