chen ist das Kleingefieder braungrau, nur auf den Flügeln

und in der Schwanzgegend schwärzlich, Schwingen und

Steuerfedern sind unrein weiß, das Auge ist braun, der

Schnabel horngelb. Der S. bewohnt die Steppen und Wüsten

Afrikas und Westasiens vom Süden Algeriens bis tief ins

Kapland hinein, auch in den Steppen zwischen Nil und Rotem Meer, in

den Wüsten des Euphratgebiets, in Arabien und Südpersien,

überall nur, soweit ein wenn auch spärlicher

Pflanzenwuchs den Boden bedeckt und Wasser vorhanden ist, durcheilt

aber auch völlig pflanzenlose Striche. Er lebt in Familien,

die aus einem Hahn und 24 Hennen bestehen, macht auch, wo das Klima

dazu zwingt, Wanderungen und rottet sich dann zu Herden zusammen.

Er überholt im Lauf ein Rennpferd und breitet dabei seine

Flügel aus. Sein Gesicht ist außerordentlich scharf, und

auch Gehör und Geruch find ziemlich fein. Dagegen ist er sehr

dumm und flieht vor jeder ungewohnten Erscheinung. Oft findet man

ihn in Zebraherden, die von seiner Wachsamkeit u. feiner

Fähigkeit, weite Strecken zu übersehen, Vorteil ziehen.

Er nährt sich von Gras und Kraut, Körnern, Kerbtieren und

kleinen Wirbeltieren, verschlingt jedoch auch Steine, Scherben

etc., ist aber keineswegs gefräßig. Wasser trinkt er in

großer Menge. Der S. nistet in einer runden Vertiefung im

Boden, in welche die Hennen zusammen etwa 30 Eier legen,

während weitere Eier um das Nest herum zerstreut werden. Eine

Henne legt etwa 12-15 Eier. Das Ei ist 14-15,5 cm lang, 11-12,7 cm

dick, schön eiförmig, gelblichweiß, heller

marmoriert, wiegt durchschnittlich 1440 g und besitzt einen

schmackhaften Dotter. Die Bebrütung geschieht

hauptsächlich oder ausschließlich von seiten des

Männchens, und nur im Innern Afrikas werden die Eier

stundenlang verlassen, dann aber mit Sand bedeckt. Nach 45-52 Tagen

schlüpfen die Jungen aus, welche mit igelartigen Stacheln

bedeckt sind, die sie nach zwei Monaten verlieren; sie erhalten

dann das graue Gewand der Weibchen, und im zweiten Jahr färben

sich die Männchen und werden im dritten zeugungsfähig.

Das Nest und die Jungen werden von dem S. sorgsam bewacht und

verteidigt. Der S. erträgt die Gefangenschaft sehr gut, und in

Innerafrika wird er allgemein zum Vergnügen gehalten.

Gezüchtet hat man den S. zuerst 1857 in Algerien, bald darauf

wurden auch in Florenz, Marseille, Grenoble u. Madrid junge

Strauße erbrütet, und seit 1865 datiert die

Straußenzucht im Kapland, wo 1875 über 32,000

Strauße gehalten wurden und die Zucht gegenwärtig einen

der wichtigsten Erwerbszweige des Landes bildet. Man hält die

Tiere wenn möglich auf einem großen eingefriedeten, mit

Luzerne besäeten Feld und über läßt sie sich

selbst, wendet aber auch vielfach künstliche Brut an und

rühmt die größere Zähmbarkeit der auf diese

Weise erhaltenen Tiere, welche sich auch außerhalb der

Umzäunung auf die Weide treiben lassen. Von acht zu acht

Monaten schneidet man die wertvollen Federn ab. Straußenjagd

wird in ganz Afrika leidenschaftlich betrieben. Man ermüdet

das Tier und erlegt es schließlich durch einen heftigen

Streich auf den Kopf; in den Euphratsteppen erschießt man den

brütenden Vogel auf dem Nest, erwartet, im Sand vergraben, das

andre Tier und erlegt auch dieses. Am Kap ist die

Straußenjagd seit 1870 gesetzlich geregelt. Als die

schönsten Straußfedern gelten die sogen. Aleppofedern

aus der Syrischen Wüste; auf sie folgen die Berber-, Senegal-,

Nil-, Mogador-, Kap- und Jemenfedern. Zahmen Straußen

entnommene Federn sind immer weniger wert als die von wilden. Die

Eier und das Fleisch werden überall gegessen. Die Eierschalen

dienen in Süd und Mittelafrika zu Gefäßen, in den

koptischen Kirchen zur Verzierung der Lampenschnüre.

Altägyptische Wandgemälde lassen erkennen, daß der

S. im Altertum den Königen als Tribut dargebracht wurde, die

Federn dienten damals schon als Schmuck und galten als Sinnbild der

Gerechtigkeit. Bei den Assyrern war der S. wahrscheinlich ein

heiliger Vogel, die ältesten Skulpturen zeigen mit

Straußfedern verzierte Gewänder. Vielfach berichten die

Alten über Gestalt und Lebensweise des Straußes.

Heliogabal ließ einst das Gehirn von 600 Straußen

auftragen, und bei den Jagdspielen des Kaisers Gordian erschienen

300 rot gefärbte Strauße. Auch von den alten Chinesen

werden Straußeneier als Geschenk für den Kaiser

erwähnt. Die Bibel zählt den S. zu den unreinen Tieren.

Seit dem Mittelalter gelangten die Federn auch auf unsre

Märkte. Vgl. Mosenthal und Harting, Ostriches and

ostrich-farming (2. Aufl., Lond. 1879).

Strauß, 1) Friedrich, protest. Theolog, geb. 24.

Sept. 1786 zu Iserlohn, ward 1809 Pfarrer zu Ronsdorf im Herzogtum

Berg, 1814 in Elberfeld und 1822 als Hof und Domprediger und

Professor nach Berlin berufen, wo er 1836 zum Oberhofprediger und

Oberkonsistorialrat ernannt ward. Seit 1859 in den Ruhestand

versetzt, starb er 19. Juli 1863. Außer vielen

Predigtsammlungen veröffentlichte er: "Glockentöne, oder

Erinnerungen aus dem Leben eines jungen Predigers" (Elberf. 181220,

3 Bdchn.; 7. Aufl., Leipz. 1840); "Helons Wallfahrt nach Jerusalem"

(Elberf.182021,4Bde.); "Das evangelische Kirchenjahr in seinem

Zusammenhang (Berl. 1850) ; "Abendglockentöne" (das.

1868).

2) Johann, Tanzkomponist, geb. 14. März 1804 zu Wien,

wirkte als Violinist im Lannerschen Tanzorchester, bis er 1824 ein

selbständiges Orchester er richtete, mit dem er rasch die

Gunst des Publikums eroberte. Später machte er mit seinem

Orchester auch Kunstreisen und erntete allenthalben

enthusiastischen Beifall. Er starb 25. Sept. l 849 in Wien als k.

k. Hofballmusikdirektor. Die Zahl seiner Werke beläuft sich

auf 249. Eine Gesamtausgabe seiner Tänze (für Klavier, 7

Bde.) gaben Breitkopf u. Härtel heraus. - Sein Sohn Johann,

geb. 25. Okt. 1825, übernahm nach des Vaters Tode dessen

Orchester, mit dem er neue ausgedehnte Kunstreisen machte, und hat

sich ebenfalls durch zahlreiche ansprechende Tänze ("An der

schönen blauen Donau", "Künstlerleben", "Wiener Blut"

etc.) sowie neuerdings durch die Operetten: "Indigo" (1871), "Die

Fledermaus" (1874), "Cagliostro" (1875), "La Tsigane" (1877),

"Prinz Methusalem" (1877), "Das Spitzentuch der Königin"

(1881), "Der lustige Krieg" (1881), "Eine Nacht in Venedig" (1883),

"Der Zigeunerbaron" (1885) u. a. in den weitesten Kreisen bekannt

gemacht.

3) David Friedrich, der berühmte Schriftsteller, geb. 27.

Jan. 1808 zu Ludwigsburg in Württemberg, bildete sich in dem

theologischen Stift zu Tübingen, ward 1830 Vikar, 1831

Professoratsverweser am Seminar zu Maulbronn, ging aber noch ein

halbes Jahr nach Berlin, um Hegel und Schleiermacher zu hören.

1832 wurde er Repetent am theologischen Seminar zu Tübingen

und hielt zugleich philosophische Vorlesungen an der

Universität. Damals erregte er durch seine Schrift "Das Leben

Jesu, kritisch bearbeitet" (Tübing. 1835, 2 Bde.; 4. Aufl.

1840) ein fast bei spielloses Aufsehen. S. wandte in demselben das

auf dem Gebiet der Altertumswissenschaften begründete

382

Strauß (Personenname).

und bereits zur Erklärung alttestamentlicher und einzelner

neutestamentlicher Erzählungen benutzte Prinzip des Mythus

auch auf den gesamten Inhalt der evangelischen Geschichte an, in

welcher er ein Produkt des unbewußt nach Maßgabe des

alttestamentlich jüdischen Messiasbildes dichtenden

urchristlichen Gemeingeistes erkannte. Die Gegenschriften gegen

dieses Werk bilden eine eigne Litteratur, in der kaum ein

theologischer und philosophischer Name von Bedeutung fehlt. Seine

Antworten auf dieselben erschienen als "Streitschristen"

(Tübing. 1837). Für die persönlichen

Verhältnisse des Verfassers hatte die Offenheit seines

Auftretens die von ihm stets schmerzlich empfundene Folge,

daß er noch 1835 von seiner Repetentenstelle entfernt und als

Professoratsverweser nach Ludwigsburg versetzt wurde, welche Stelle

von ihm jedoch schon im folgenden Jahr mit dem Privatstand

vertauscht wurde. Früchte dieser ersten (Stuttgarter)

Muße waren die "Charakteristiken und Kritiken" (Leipz. 1839,

2. Aufl. 184) und die Abhandlung "Über Vergängliches und

Bleibendes im Christentum" (Altona 1839). Von einer

versöhnlichen Stimmung sind auch die in der 3. Auflage des

"Lebens Jesu" (1838) der positiven Theologie gemachten

Zugeständnisse eingegeben, aber schon die 4. Auflage nahm sie

sämtlich zurück. 1839 erhielt S. einen Ruf als Professor

der Dogmatik und Kirchengeschichte nach Zürich; doch erregte

diese Berufung tm Kanton so lebhaften Widerspruch, daß er

noch vor Antritt seiner Stelle mit 1000 Frank Pension in den

Ruhestand versetzt ward. 1841 verheiratete sich 5. mit der

Sängerin A. Schebest (s. d.), doch wurde die Ehe nach einigen

Jahren getrennt. Sein zweites Hauptwerk ist: "Die christliche

Glaubenslehre, in ihrer geschichtlichen Entwickelung und im Kampf

mit der modernen Wissenschaft dargestellt" (Tübing. 1840 1841,

2 Bde.), worin eine scharfe Kritik der einzelnen Dogmen in Form

einer geschichtlichen Erörterung des Entstehungs- und

Auflösungsprozesses derselben gegeben wird. Auf einige kleine

ästhetische und biographische Artikel in den "Jahrbüchern

der Gegenwart" folgte das Schriftchen "Der Romantiker auf dem Thron

der Cäsaren, oder Julian der Abtrünnige" (Mannh. 1847),

eine ironische Parallele zwischen der Restauration des Heidentums

durch Julian und der Restauration der protestantischen Orthodoxie

durch den König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. 1848

von seiner Vaterstadt als Kandidat für das deutsche Parlament

ausgestellt, unterlag S. dem Mißtrauen, welches die

pietistische Partei unter dem Landvolk des Bezirks gegen ihn

wachrief. Die Reden, welche er teils bei dieser Gelegenheit, teils

vorher in verschiedenen Wahlversammlungen gehalten hatte,

erschienen unter dem Titel: "Sechs theologischpolitische

Volksreden" (Stuttg. 1848). Zum Abgeordneten der Stadt Ludwigsburg

für den württembergischen Landtag gewählt, zeigte S.

wider Erwarten eine konservative politische Haltung, die ihm von

seinen Wählern sogar ein Mißtrauensvotum zuzog, in

dessen Folge er im Dezember 1848 sein Mandat niederlegte. Seiner

spätern, teils in Heidelberg, München und Darmstadt,

teils in Heilbronn und Ludwigsburg verbrachten Muße

entstammten die durch Gediegenheit der Forschung und schöne

Darstellung ausgezeichneten biographischen Arbeiten: "Schubarts

Leben in seinen Briefen" (Berl. 1849, 2 Bde.); "Christian

Märklin, ein Lebens und Charakterbild aus der Gegenwart"

(Mannh. 1851); "Leben und Schriften des Nikodemus Frischlin"

(Frankf. 1855); "Ulrich von Hutten (Leipz. 858; 4. Aufl., Bonn

1878), nebst der Übersetzung von dessen "Gesprächen"

(Leipz. 1860); "Herm. Samuel Reimarus" (das. 1862); "Voltaire,

sechs Vorträge" (das. 1870; 4. Aufl., Bonn 1877); ferner

"Kleine Schriften biographischen, litteratur- und

kunstgeschichtlichen Inhalts" (Leipz. 1862; neue Folge, Berl.

1866), woraus "Klopstocks Jugendgeschichte etc." (Bonn 1878) und

der Vortrag "Lessings Nathan der Weise" (3. Aufl., das. 1877)

besonders erschienen. Eine neue, "für das Volk bearbeitete"

Ausgabe seines "Lebens Jesu" (Leipz. 1864; 5. Aufl., Bonn 1889)

ward in mehrere europäische Sprachen übersetzt. Einen

Teil der hierauf gegen ihn erneuten Angriffe wies er in der gegen

Schenkel und Hengsten berg gerichteten Schrift zurück: "Die

Halben und die Ganzen" (Berl.1865), wozu noch gehört: "Der

Christus des Glaubens und der Jesus der Geschichte, eine Kritik des

Schleiermacherschen Lebens Jesu" (das. 1865). Noch einmal, kurz vor

seinem 8. Febr. 1874 zu Ludwigsburg erfolgten Tod, erregte S.

allgemeines Aufsehen durch seine Schrift "Der alte und der neue

Glaube, ein Bekenntnis" (Leipz.1872; 11.Aufl., Bonn 1881), in

welcher er mit dem Christentum definitiv brach, alle gemachten

Zugeständnisse zurücknahm und einen positiven Aufbau der

Weltanschauung auf Grundlage der neuesten, materialistisch und

monistisch gerichteten Naturforschung unternahm. S.' "Gesammelte

Schriften" hat Zeller herausgegeben (Bonn 187678, 11 Bde.; dazu als

Bd. 12: "Poetisches Gedenkbuch", Gedichte). Vgl. Hausrath, D. F. S.

und die Theologie seiner Zeit (Heidelb. 187678, 2 Bde.); Zeller,

S., nach seiner Persönlichkeit und seinen Schriften

geschildert (Bonn 1874).

4) (S. und Torney) Viktor von, Schriftsteller, geb. 18. Sept.

1809 zu Bückeburg, studierte zuerst in Bonn und Göttingen

die Rechte, sodann Theologie, um in die kirchlichen Kämpfe der

Gegenwart, in denen er durchaus auf seiten der Orthodoxie stand,

besser gerüstet eingreifen zu können, und wurde 1840 zum

Archivrat in Bückeburg ernannt. Schon seine ersten Dichtungen:

"Gedichte" (Bielef. 1841), "Lieder aus der Gemeine" (Hamb. 1843),

die Epen: "Richard" (Bielef. 1841) und "Robert der Teufel"

(Heidelb. 1854), erwiesen neben echt poetischem Talent und einer

seltenen Formbegabung die Entschiedenheit seines

religiös-konservativen Standpunktes. 1848 zum Kabinettsrat des

regierenden Fürsten von Schaumburg-Lippe, später auch zum

Bundestagsgesandten ernannt, fand er auch auf politischem Feld

vielfach Gelegenheit, diese konservativen Anschauungen zu

bethätigen. 1866 mit dem Rang eines Wirklichen Geheimen Rats

aus seiner amtlich en Stellung ausgeschieden, lebte er zuerst in

Erlangen, seit 1872 in Dresden, eine vielseitige litterarische

Thätigkeit entwickelnd. Bereits 1851 in den

österreichischen Adelstand erhoben, fügte er später

seinem Namen auch den seiner Gattin, einer gebornen von Torney,

bei; 1882 ernannte ihn die Universität Leipzig zum Doktor der

Theologie. Es erschienen von ihm noch: "Lebensfragen in sieben

Erzählungen" (Heidelb. 1846, 3Bde.); die dramatischen

Dichtungen: "Gudrun" und "Polyxena" (beide Frankf. 1851) und "Judas

Ischariot" (Heidelb. 1855); "Weltliches und Geistliches in

Gedichten und Liedern" (das. 1856); der Roman "Altenberg" (Leipz.

1866, 4 Bde.); "Novellen" (das.1872, 3 Bde.); die epische Dichtung

"Reinwart Löwenkind" (Gotha 1874); "Lebensführungen",

Novellen (Heidelberg 1881, 2 Bde.), und "Die Schule des Lebens",

drei Novellen (das. 1885). Aus seinem Studium de Chinesischen

gingen ein Werk über Laotse" (Leipz. 1870) und eine

meisterhafte Übertragung des älte-

383

Sträußchen - Streckbarkeit.

sten chinesischen Liederbuchs, des "Schiking" (Heidelb. 1880),

hervor, mit der er den Geist der ältern chinesischen Kultur,

soweit er sich poetisch geoffenbart, vollständig

erschloß. Von seinen sonstigen Schriften sind zu

erwähnen die Biographie des Polycarpus (Heidelb. 1860);

"Meditationen über das erste Gebot" (Leipz. 1866); "Essays zur

allgemeinen Religionswissenschaft" (Heidelb. 1879) und "Der

altägyptische Götterglaube" (das. 1888, Bd. 1).

5) Friedrich Adolf, Sohn von S. 1), ebenfalls Theolog, geb.

1.Juni 1817 zu Elberfeld, wurde Hilfsprediger an der Hof- und

Domkirche und, nachdem er das Morgenland bereist hatte, 1847

Divisionsprediger und 1859 Professor in Berlin, seit 1870

Hofprediger zu Potsdam und starb daselbst 16. April 1888. Er

schrieb unter anderm: "Sinai und Golgatha. Reise ins Morgenland"

(Berl. 1846; 11. Aufl. 1882); "Die Länder und Stätten der

Heiligen Schrift" (mit seinem Bruder Otto S., Stuttg. 1861 ; 2.

Aufl., Leipz. 1876) ; "Liturgische Andachten" (1850; 4. Aufl.,

Berl. 1886) und "Trost am Sterbelager" (2. Aufl., das. 1874).

Sträußchen (der Bienen), s.

Büschelkrankheit.

Straußelster, s. Würger.

Straußgras, s. Agrostis.

Straußhyazinthe, s. Muscari.

Straußvögel (Ratitae, hierzu Tafel

"Straußvögel", auch Kurzflügler [Brevipennes] oder

Laufvögel [Cursores]), eine der Hauptgruppen der Vögel,

in erster Linie durch den Bau ihres Brustbeins charakterisiert, das

nicht, wie bei allen andern Vögeln, einen hohen Knochenkamm

zum Ansatz der Flugmuskeln besitzt, sondern flach bleibt. Die

Flügel sind mehr oder weniger verkümmert und können

höchstens zur Beschleunigung des Laufs dienen. Der ganze

Knochenbau weicht ferner in manchen Punkten wesentlich von dem der

übrigen, d. h. der fliegenden, Vögel ab: so sind die

Knochen nicht hohl und mit Luft erfüllt, sondern fest und

schwer (namentlich sind die Hinterbeine sehr massiv); so bleiben

die Schädelknochen in der Jugend noch lange Zeit voneinander

getrennt; so verwachsen die einzelnen Teile des

Schultergürtels zu einem einzigen Knochen; so sind die

Schlüsselbeine rückgebildet etc. Der Oberarm ist entweder

lang, wie bei den Straußen im engern Sinn, oder sehr kurz

oder ganz und gar verkümmert. Die Zahl der Zehen wechselt

zwischen zwei und vier und gibt ein gutes Unterscheidungsmerkmal

für die Unterabteilnngen der S. ab. Der Schnabel ist stets

flach, meist auch kurz. Die Zunge ist sehr klein. Ein Kropf fehlt

meistens; der Magen ist außerordentlich muskulös und

derb ("Straußenmagen"); die Gallenblase fehlt bei einigen

Formen. Der untere Kehlkopf ist nirgends vorhanden. Auch die

Bürzeldrüse fehlt. Im männlichen Geschlecht sind die

Begattungsorgane zum Teil sehr gut entwickelt (s. Vögel). Das

Gefieder entbehrt durchaus der Schwung- und Steuerfedern; die

Federn selbst unterscheiden sich von den gewöhnlichen

Vogelfedern dadurch, daß die Strahlen nicht

zusammenhängen, sondern lockere Büschel bilden, und sind

daher weich und wie Flaumfedern anzufühlen. An den

Konturfedern sind bisweilen ein oder zwei Afterschäfte von

gleicher Größe mit dem Hauptschaft vorhanden. Manche

Stellen am Kopf, Hals und an der Brust bleiben ganz nackt. Die S.

sind meist ansehnliche Vögel und haben namentlich unter den

Fossilen riesige Vertreter. In der Schnelligkeit des Laufs

übertreffen einige von ihnen sogar die besten Renner unter den

Säugetieren. Sie be-wohnen meist die Steppen und Ebenen der

Tropen und nähren sich von Vegetabilien; vielfach lebt ein

Männchen mit mehreren Weibchen zusammen. Die zuweilen sehr

großen Eier werden vorzugsweise vom Männchen

bebrütet. In der Gegenwart fehlen die S. in Europa, waren

jedoch einst vorhanden, wie die Funde in England darthun. Ihre

Existenz in den frühern Epochen der Erdgeschichte war so lange

möglich, wie noch nicht die großen Raubtiere aufgetreten

waren; zur Zeit ist die Gruppe im Aussterben begriffen und hat

sogar in historischer Zeit sich wesentlich vermindert (s. unten).

Sie umfaßt nur noch 5 Gattungen mit 20 Arten, zu denen noch 5

Gattungen und 14 Arten jüngst ausgestorbener hinzukommen. Als

schwimmender Strauß ist der neuerdings in der Kreide von

Kansas aufgefundene Hesperornis zu betrachten, dessen Schnabel aber

mit Zähnen besetzt war; er leitet zu den Reptilien über

(s. Vögel). Abgesehen von ihm teilt man die S. in 6

Familien:

1) Äpyornithiden (Aepyornithidae) mit der Gattung Aepyornis

(3 Arten). Bewohnten Madagaskar, wo man im Alluvium Teile des

Skeletts und die enormen Eier (achtmal größer als

Straußeneier) gefunden hat. A. maximus ist vielleicht der

Vogel Rok der Sage.

2) Palapterygiden (Palapterygidae) mit 2 Gattungen und 4 Arten.

Füße dreizehig, Flügel sehr verkümmert. Lebten

auf Neuseeland.

3) Moas oder Dinornithiden (Dinornithidae) mit 2 Gattungen und 7

Arten. Füße zweizehig, Flügel fehlten

wahrscheinlich ganz. Lebten auf Neuseeland zum Teil noch mit

Menschen zusammen und leben in kleinern Arten dort vielleicht auch

jetzt noch. Hierher Dinornis giganteus oder Moa (s. d.).

4) Kiwis oder Schnepfenstrauße (Apterygidae). Schnabel

sehr lang, Nasenlöcher an seiner Spitze, Flügel und

Schwanz nicht hervortretend, Beine sehr stark, Füße

vierzehig. Hierher die Gattung Apteryx (Kiwi, s. d.) mit 4 Arten,

sämtlich von Neuseeland.

5) Kasuare (Casuaridae). Schnabel ziemlich lang, hoch, Schwanz

nicht hervortretend, Hals kurz, Füße dreizehig. Hierher

die Gattungen Casuarius (Kasuar, s. d., 9 Arten, Australien und

benachbarte Inseln) und Dromaeus (Emu, s. d., 2 Arten,

Australien).

6) Strauße (Struthionidae). Schnabel breit, flach, Hals

und Läufe sehr lang, Flügel zum Teil verkümmert,

Füße drei- oder zweizehig. Hierher die Gattungen Rhea

(amerikanischer oder dreizehiger Strauß, oder Nandu, 3 Arten,

Südamerika) und Struthio (afrikanischer oder zweizehiger

Strauß, s. Strauß, 2 Arten, Afrika, Arabien,

Syrien).

Strazze (v. ital. stracciafoglio) , s. v. w. Kladde (s.

d.); Strazzen, s. v. w. Lumpen oder Hadern.

Streatham (spr. stréttam), Vorstadt von London, 10

km im SSW. der Londonbrücke, hoch gelegen, mit chemischen

Fabriken, dem von Johnson besuchten Thrale House und (1881) 21,611

Einw.

Streator (spr. strihtór), Stadt im nordamerikan.

Staat Illinois, am Vermilion River, 130 km südwestlich von

Chicago, Hauptknotenpunkt von Eisenbahnen, mit (1880) 5157

Einw.

Strebe, im Bergbau Grubenholz, welches zur

Unterstützung des Gesteins oder der Zimmerung in geneigter

Stellung eingetrieben wird.

Strebebau, s. Bergbau, S. 725.

Strebebogen, in der got. Baukunst an Kirchen ein von dem

obern Teil der Mauer des Mittelschiffs zur Sicherung derselben

über das Dach des Seitenschiffs bis zum äußern

Strebepfeiler hinübergeschlagener Bogen (s. Tafel "Dom zu

Köln II", Fig. 4 u. 8). Die Strebepfeiler sind viereckig aus

den Mauern hervortretende Stützen, welche ein Gegengewicht

gegen den Gewölbeschub des Innern bilden sollen, meist durch

Absätze gegliedert und von Fialen gekrönt sind. Vgl.

Baustil, S. 527.

Strebepfeiler, s. Strebebogen und Pfeiler.

Streckbarkeit, s. Dehnbarkeit.

Straußvögel.

Strauß (Struthio camelus). 1/16. (Art. Strauß.)

Nandu (Rhea amcricana). 1/10. (Art. Nandu.)

Helmkasuar (Casuarius galeatus). 1/8. (Art. Kasuar.)

Kiwi (Apteryx australis). 1/20 (Art. Kiwi.)

Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl.

Bibliographisches Institut in Leipzig.

Zum Artikel »Straußvögel

384

Streckbett - Streichen der Schichten.

Streckbett, orthopädische Vorrichtung, besteht in

einer Bettstelle mit Matratze, woran sich Apparate befinden, durch

welche der verkrümmte Körper mittels Zugs (an Kopf, Hals,

Becken, Füßen), auch wohl mittels Drucks (z. B. von der

Seite her), eine Zeitlang in der Richtung erhalten wird, die er

behufs der Beseitigung gewisser Krümmungen oder Streckung

gewisser verkürzter Muskeln oder Sehnen etc. einnehmen soll.

In der neuern Chirurgie bedient man sich der Streckbetten nur in

frischen und subakuten Fällen, namentlich bei Beinbrüchen

der untern Extremität, Entzündungen der Gelenke,

Resektionen etc., hier aber mit dem segensreichsten und

eklatantesten Erfolg. Für veraltete Fälle,

Verkrümmungen der Wirbelsäule und des Brustkorbs ist man

von dem Gebrauch der Streckbetten fast ganz

zurückgekommen.

Strecke, ein Grubenbau innerhalb der Lagerstätten,

deshalb (zum Unterschied von Stollen und Schacht) fast immer ohne

Mundloch über Tage, in seiner Längsrichtung wesentlich

horizontal, in der Regel von andern Grubenbauen aus angelegt. In

der Jägersprache heißt S. das nach beendeter Jagd in

Reihen zusammengelegte Wild, das bei großen Jagden nach

Wildart, Geschlecht und Stärke geordnet und dann von dem

Jagdherrn und den Gästen besichtigt wird, wobei die

verschiedene Totsignale geblasen werden. Nach altem Brauch darf

niemand über das gestreckte Wild wegschreiten. Zur S. bringen,

s. v. w. ein Wild erlegen.

Strecker, Adolf, Chemiker, geb. 21. Okt. 1812 zu

Darmstadt, studierte in Gießen Chemie und Naturwissenschaft,

wurde 1842 Lehrer an der Realschule in Darmstadt, 1846

Privatassistent Liebigs in Gießen und habilitierte sich 1848

an der dortigen Universität als Privatdozent. 1851 folgte er

einem Ruf an die Universität Christiania, wurde 1860 Professor

der Chemie in Tübingen und 1870 in Würzburg, wo er 9.

Nov. 1871 starb. Er lieferte eine vielbenutzte Bearbeitung von

Regnaults "Lehrbuch der Chemie" (Braunschw. 1851, nach seinem Tod

fortgeführt von Wislicenus) und schrieb: "Das chemische

Laboratorium der Universität Christiania" (Christ. 1854);

"Theorien und Experimente zur Bestimmung der Atomgewichte"

(Braunschw. 1859).

Streckfuß, 1) Adolf Friedrich Karl, Dichter und

Übersetzer, geb. 20. Sept. 1778 zu Gera, studierte in Leipzig

die Rechte, ward 1819 Oberregierungsrat zu Berlin, 1840 Mitglied

des Staatsrats und starb daselbst 26. Juli 1844. S. hat sich

namentlich durch seine Übersetzungen von Ariostos "Rasendem

Roland" (Halle 1818-20, 5 Bde.; 2. Aufl. 1840), von Tassos

"Befreitem Jerusalem" (Leipz. 1822, 2 Bde.; 4. Aufl. 1847) und

Dantes "Göttlicher Ko-mödie" (Halle 1824-26, 3 Bde. ; 9.

Aufl. 1871) einen Platz in der deutschen Litteratur erworben. Seine

eignen Werke bestehen in lyrischen und epischen Dichtungen

("Gedichte", neue Ausg., Leipz. 1823; "Neuere Dichtungen", Halle

1834) sowie in Erzählungen (Dresd. 1814 u. Berl. 1830).

2) Adolf, Schriftsteller, Sohn des vorigen, geb. 10. Mai 1823 zu

Berlin, studierte, nachdem er die Landwirtschaft praktisch erlernt,

1845-48 auf der landwirtschaftlichen Akademie zu Möglin und

Eldena, wurde 1848 beim Ausbruch der Revolution in Berlin in die

demokratische Bewegung gerissen und war für dieselbe auch

schriftstellerisch thätig. In den folgenden Reaktionsjahren

wurde er wegen des Werkes "Die große französische

Revolution und die Schreckensherrschaft" (Berl. 1851, 2 Tle.) in

den Anklagestand versetzt, indessen vom Schwurgericht

freigesprochen; doch unterblieb die Vollendung des Werkes. S.

ergriff nun die gewerbliche Thätigkeit und kehrte erst beim

Regierungsantritt des Prinz-Regenten zur Schriftstellerei

zurück, daneben sich vorzugsweise dauernd dem Kommunaldienst

seiner Vaterstadt widmend. 1862 wurde er zum Stadtverordneten, 1872

zum Stadtrat ernannt. Von seinen Schriften sind, abgesehen von

zahlreichen Romanen und Erzählungen ("Die von Hohenwald",

1877; "Schloß Wolfsburg", 1879, etc.), zu erwähnen: "Vom

Fischerdorf zur Weltstadt. 500 Jahre Berliner Geschichte" (4.

Aufl., Berl. 1885, 4 Bde.); "Berlin im 19. Jahrhundert" (das.

1867-69, 4 Bde.) und "Die Weltgeschichte, dem Volk erzählt"

(das. 1865 bis 1867).

Streckmaschiue (Streckwerk, Strecke), in der Spinnerei

eine Vorrichtung zum Parallellegen der Fasern und zum Ausstrecken

der Lagen zu Bändern mit Hilfe von Streckwalzen (s. Spinnen,

S. 149); in der Appretur eine Vorrichtung zum Strecken der Gewebe

in die Breite, um die Einschlagfäden in gerade Richtung zu

bringen.

Streckmuskeln (Extensoren), die Antagonisten der Flexoren

(Beugemuskeln), die durch ihre Zusammenziehung bewirken, daß

das vorher gebeugte Glied gestreckt wird.

Streckverse (Polymeter), bei Jean Paul Fr. Richter

Bezeichnung für kurze Sätze oder Aphorismen, welche in

einer Art rhythmischer Prosa und meist in überschwenglicher

Form poetischen Empfindungen Ausdruck geben. Auch W. Menzel

veröffentlichte einen Band "Streckverse" (Heidelb. 1823).

Streckwalzen, Streckwerk, s. Streckmaschine.

Street (engl., spr. striht), Straße.

Strehla, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft

Leipzig, Amtshauptmannschaft Oschatz, an der Elbe, hat eine evang.

Kirche, ein altes Schloß, Fabrikation von Leim und

künstlichem Dünger, Schiffahrt, Kohlenhandel und (1885)

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Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 111 / 302 段