in England eingeführt worden; sie ahmen entweder das
Kehren mit Handbesen oder Krücken nach, und das arbeitende
Werkzeug macht eine fast geradlinige oder schlingende
fortschreitende Bewegung, oder das Bürsten- und Besensystem
arbeitet ausschließlich bei rotierender Bewegung, oder es
wird endlich der Besen wie eine endlose Kette in eine geradlinig
fortschreitende und gleichzeitig drehende Bewegung versetzt. Die
Maschinen der ersten Klasse sind am wenigsten brauchbar, die zweite
Klasse zählt die meisten Konstruktionen, von denen die
neueste
mit schräg liegender Cylinderbürste den Schmutz in
geradlinige Häufelstreifen zusammenkehrt. Sie unterscheidet
sich von der ältern Konstruktion dadurch, daß die
Cylinderbürste von dem einen Laufrad ab mittels konischer
Räder und durch Benutzung eines Hookschen Gelenks bewegt wird,
während der Betrieb der ältern Maschine durch eine
endlose Kette erfolgt. Um die gleiche von einer Maschine gereinigte
Straßenfläche in einer Stunde nur mit Handbesen zu
kehren und zu häufeln, sind 33-36 geübte Leute
nötig. Zur dritten Klasse gehören die Maschinen, bei
denen das Besensystem ein schräg liegendes Paternosterwerk
bildet, das den Schmutz auf einer festen schiefen Ebene
aufwärts schiebt und einem Sammelkasten übergibt,
während eine Brause die Straße schwach befeuchtet.
Straßenlokomotive, s. Lokomobile, S. 883 f.
Straßenraub, s. Raub.
Straßenrecht auf See (Seestraßenrecht,
Seestraßenordnung), Grundsätze und seepolizeiliche
Vorschriften, welche die Sicherung der Schiffe auf See, namentlich
vor dem Zusammenstoß mit andern Fahrzeugen, bezwecken.
Früher entschied in dieser
Hinsicht lediglich "das Herkommen auf See" , während in
neuerer Zeit die Seestaaten, England voran, dazu übergegangen
sind, im Verordnungsweg die
nötigen Vorschriften für ihre Schiffsführer zu
erlassen. Auf Anregung Frankreichs wurden dann jene Vorschriften
einer Revision unterzogen, um dieselben
möglichst in Einklang zu bringen und ihnen so einen
internationalen Charakter zu verleihen. Die betreffenden
deutschen Verordnungen stimmen mit den englischen ("Revidierte
Vorschriften zur Verhütung von Kollisionen auf See vom 14.
Aug. 1879, in Verfolg der Zusatzakte zum
Kauffahrteischiffahrtsgesetz
von 1862", nebst Nachtrag vom 21. Aug. 1884) zum Teil
wörtlich überein. Die nötige Strafbestimmung
enthält das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich
(§ 145). Es bedroht mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk.
ein Zuwiderhandeln gegen die vom Kaiser erlassenen Verordnungen
1) zur Verhütung des Zusammenstoßes der Schiffe auf See,
2) über das Verhalten der Schiffer nach einem
Zusammenstoß von Schiffen auf See, 3) in betreff der Not- und
Lotsensignale für Schiffe auf See und auf den
Küstengewässern. In ersterer Beziehung sind nun die
Verordnungen vom 7. Jan. 1880 und 16. Febr. 1881 erlassen,
während in zweiter die Verordnung vom 15. Aug. 1876
maßgebend ist, welche die Schiffsführer
verpflichtet,
nach einem Zusammenstoß dem andern Schiff und den dazu
gehörigen Personen Beistand zu leisten, soweit sie dazu ohne
erhebliche Gefahr für das eigne Schiff und die darauf
befindlichen Personen im stande sind. Dazu kommt dann endlich die
Not- und Lotsensignalordnung vom 14. Aug. 1876; letztere,
ebenso
wie die Verordnung vom 15. Aug. 1876, im wesentlichen der
englischen Merchant Shipping Act von
1873 entnommen. Was die Verhütung des Zusammenstoßes
von Schiffen auf See anbetrifft, so besteht die Vorschrift,
daß jedes Segelschiff auf Backbord eine rote, auf Steuerbord
eine grüne Laterne zu führen hat und keine andre; jeder
Dampfer außerdem eine weiße Topplaterne, ein Schlepper
zwei weiße Topplaternen übereinander; ein vor Anker
liegendes Schiff an einer gut sichtbaren Stelle und nicht
höher als 6 m über dem Schiffsrumpf eine weiße
Ankerlaterne und keine andre. Mit Bezug auf das Ausweichen
gilt im allgemeinen die Regel, daß das mit den besten
Mitteln zum Manövrieren ausgestattete Schiff dem andern
ausweicht; ein Dampfer muß daher einem Segelschiff stets
ausweichen, ebenso das überholende Schiff dem vorangehenden.
Bewegen sich zwei Schiffe auf gerader Linie gegeneinander, so haben
sich dieselben mit den Backbordseiten zu passieren; kreuzen sich
die Kurse zweier Segelschiffe, welche den Wind von verschiedenen
Seiten haben, so muß dasjenige, welches den Wind von Backbord
hat, dem andern aus dem Wege gehen; nur in dem Fall, wenn ersteres
dicht am Wind segelt und das andre raumen Wind hat, muß
letzteres ausweichen; haben beide Schiffe den Wind von derselben
Seite, oder segelt eins derselben vor dem Wind, so weicht das
luvwärts befindliche aus. Vgl. Gray, Bemerkungen über das
S.
(deutsch von Freeden, Oldenb. 1885).
Straßeureinigungsmaschinen, s.
Straßenkehrmaschinen.
Straßmann-Damböck, Marie, hervorragende
Schauspielerin, geb. 16. Dez. 1827 zu Fürstenfeld in
Steiermark, betrat 1843 zuerst zu Innsbruck die Bühne
mit glücklichem Erfolg und folgte von Brünn aus, wo
sie als tragische Liebhaberin wirkte, 1845 einem Ruf
nach Hannover, der eigentlichen Wiege ihres Ruhms.
Als sie 1849 ehrenvolle Anträge von Wien, Berlin,
Stuttgart, München erhielt, entschied sie sich für
letzteres, verheiratete sich daselbst mit dem Heldenspieler
Straßmann und siedelte mit demselben 1868 an das
Stadttheater zu Leipzig über, das sie jedoch schon 1870
mit dem Wiener Burgtheater vertauschte. Früher im Fach der
Liebhaberinnen glänzend, ging sie bereits in Hannover in das
der Heldinnen und weiblichen Charakterrollen über und
leistete, unterstützt durch reiche äußere Mittel,
besonders in der Darstellung dämonischer und hochtragischer
Gestalten Ansgezeichnetes. Zu ihren Hauptrollen auf diesem Gebiet
gehörten Antigone, Iphigenie, Medea, Judith, Thusnelda,
Jungfrau, Deborah etc. In der letztern Zeit wandte sie sich dem
Fach der Heldenmütter zu.
Straßnitz, Stadt in der mähr.
Bezirkshauptmannschaft Göding, an der Lokalbahn
Wessely-Sudomeritz unweit der March (Kettenbrücke), mit
Bezirksgericht,
Piaristenkollegium, Schloß, Weinbau, Dampfmühle,
Spiritus-, Preßhefe- und Malzfabrikation und (1880)
5229 Einw.
Strategem (griech., oder nach dem Franz. Stratagem),
Kriegslist.
Strategen, bei den alten Athenern die 10
gewählten
Befehlshaber größerer Heeresabteilungen, welche an
den Schlachttagen das Oberkommando, im Frieden in täglichem
Wechsel den Oberbefehl führten. Ihr Amt dauerte ein Jahr (vgl.
Phalanx). Vgl. Hauvette-Besnault, Les stratèges
athéniens (Par. 1885). Jetzt bedeutet Stratege allgemein s.
v. w. kriegskundiger Heerführer, Kriegsleiter (vgl.
Strategie).
Strategie (griech.), Kriegsleitungslehre, Feldherrnkunst,
die Lehre von der Heer- oder Truppenführung auf dem
Kriegsschauplatz bis zum Schlachtfeld, hier
379
Stratford - Stratifizieren.
wird sie Taktik. Die S. entwirft den Kriegsplan und wacht
über dessen Ausführung; sie leitet die Kriegshandlung
selbst und gibt ihr Richtung und Ziele. Sie bestimmt also im
allgemeinen, wann, wohin und auf welchen Wegen die Truppen
marschieren, wann sie schlagen sollen etc. Diese Anordnungen
hängen wesentlich von den Nachrichten ab, die man über
den Feind erhält; der Feldherr muß ferner außer
den materiellen eignen und feindlichen Kräften und der
Beschaffenheit des Kriegsschauplatzes auch die Charaktere der
Führer, den Zustand und die Stimmung der Heere wie der
Landeseinwohner in Betracht ziehen. Dadurch wird die S. zu einer
schwer auszuübenden Kunst. Hauptgrundsätze der S. sind:
getrennt marschieren und rechtzeitige Vereinigung zur Schlacht;
keine Zeit verlieren; errungene Erfolge mit allem Nachdruck
benutzen und auch mitten im Siegeslauf an die Möglichkeit
denken, geschlagen zu werden, und deshalb aus Sicherung des
Rückzugs stets bedacht sein. Obwohl die Grundsätze der S.
einfach sind, so ist doch die Kriegführung selbst sehr
schwierig; indessen haben die Schnelligkeit des heutigen
Nachrichtenwesens wie die zahlreichen Verkehrswege und
Verkehrsmittel die Heeresleitung gegen früher sehr
erleichtert, so daß Operationen getrennter Heeresteile auch
aus rückwärtiger Stellung geleitet werden können.
Vgl. Friedrich II., OEuvres militaires; Napoleon, Maximes de
guerre; Erzherzog Karl, Grundsätze der S. (Wien 1814, 3 Bde.);
Valentini, Die Lehre vom Krieg (Berl. 1821-23, 4 Bde.); Jomini,
Précis de l'art de guerre (deutsch, das. 1881); die Werke
des Generals v. Clausewitz (s. d.); v. Willisen, Theorie des
großen Kriegs (2. Aufl., Leipz. 1868, 4 Bde.); Rüstow:
Der Krieg und seine Mittel (das. 1856), S. und Taktik der neuesten
Zeit (Stuttg. 1872-75, 3 Bde.), Die Feldherrenkunst des 19.
Jahrhunderts (3. Aufl , Zürich 1878); Leer, Positive S. (a. d.
Russ., 2. Aufl., Wien 1871); Blume, Strategie (2. Aufl., Berl.
1886), und die Litteratur bei Art. Taktik.
Stratford (spr. strättförd), Stadt in der
britisch-amerikan. Provinz Ontario, am Avon, nördl. von
London, Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnen, mit (1881) 8239
Einwohnern.
Stratford de Redcliffe (spr. réddkliff),
eigentlich Sir Stratford Canning, Viscount de Redcliffe, brit.
Diplomat, geb. 6. Jan. 1788 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns
zu London, Vetter des Ministers George Canning (s. d.), war bereits
1809 britischer Gesandtschaftssekretär in Konstantinopel. 1814
ging er als bevollmächtigter Minister nach Basel, wo er an der
Abfassung der Schweizer Bundesakte teilnahm. 1815 war er
während des Kongresses in Wien und ging dann in diplomatischen
Sendungen nach Washington und Petersburg. Im Februar 1826 wurde er
Gesandter in Konstantinopel und wirkte für Beilegung der
Differenzen zwischen der Türkei und Griechenland. Da indes die
Pforte seine Vorschläge verwarf, verließ er 1827
Konstantinopel, ging 1828 als außerordentlicher Gesandter
nach Griechenland und kehrte sodann, nachdem er an den Pariser
Konferenzen zur Feststellung der Grenzen dieses Königreichs
teilgenommen, nach England zurück. Im Oktober 1831 abermals
zum Gesandten in Konstantinopel ernannt, nahm er wiederum an den
Verhandlungen über die Regulierung der Grenzen Griechenlands
teil und sah seine Bestrebungen durch den Londoner Vertrag vom 7.
Mai 1832 gekrönt. 1833 und 1834 war er außerordentlicher
Gesandter zu Madrid und Petersburg. 1841 ging er wieder als
Gesandter nach Konstantinopel und war hier nun 16 Jahre lang
unermüdlich thätig, den russischen Einfluß in der
Türkei zu bekämpfen und auch jedes Vorwiegen eines
französischen oder österreichischen Einflusses zu
verhindern. Schon 1852 war er mit dem Titel Viscount de Redcliffe
zum Peer erhoben worden. Im Juli 1858 nach England
zurückgekehrt, nahm er seinen Sitz im Oberhaus ein; 1869
erhielt er den Hosenbandorden. Ohne seitdem an der aktiven Politik
teilzuhaben, galt er doch immer als eine der ersten
Autoritäten in Sachen der orientalischen Fragen und erhob
namentlich in den Verwickelungen seit 1876 wiederholt seine Stimme,
nicht durchweg die Maßregeln des Ministeriums Beaconsfield
billigend. Er starb 14. Aug. 1880 auf seinem Landsitz Fermt Court
in Kent. Er veröffentlichte einen Band Gedichte ("Shadows of
the past", Lond. 1865), ein theolog. Werk: "Why am I a Christian?"
(1873); "Alfred the Great in Athelnay" (1876) u. a.
Stratford le Bow (spr. li boh), Vorstadt von London, in
der engl. Grafschaft Essex, östlich von Lea, mit (1881) 36,455
Einw. Vor der St. Johannskirche steht ein Denkmal zur Erinnerung an
die hier 1555-56 verbrannten Protestanten. S. hat zahlreiche
Fabriken (s. Ham).
Stratford on Avon (spr. ehw'n), Stadt in Warwickshire
(England), am Avon, mit Lateinschule, Getreide- und Malzhandel und
(1881) 8054 Einw. S. ist besonders denkwürdig als Geburts- und
Sterbeort Shakespeares, dessen noch vorhandenes Geburtshaus vom
Shakespeare-Verein angekauft wurde. Im Chor der schönen
Stadtkirche befinden sich das Grab und Denkmal des Dichters; vor
dem Stadthaus steht eine Statue desselben. Auch ist ein besonderes
"Shakespeare-Gebäude" (mit Theater und Bibliothek) errichtet
worden.
Strath (gäl.), s. v. w. breites kultiviertes Thal,
im Gegensatz zu Glen (s. d.).
Strathaven (spr. strath-éhw'n oder strehw'n),
Stadt in Lanarkshire (Schottland), am Avon, 12km südwestlich
von Hamilton, mit Schloßruine und (1881) 3812 Einw.
Strathclyde (spr. strath-klaid') , s. v. w. Clydesdale,
d. h. Thal des Clyde, Landschaft im südwestl. Schottland,
bestand bis 1124 als unabhängiges Königreich.
Strathmore (spr. strath-móhr), fruchtbare
Thalebene in Schottland, welche sich von Stonehaven bis zum Clyde
erstreckt und im N. durch die Hochlande, im Süden durch die
Sidlaw- und Ochillhügel begrenzt wird.
Strathnairn (spr. -nern), Hugh Henry Rose, Lord, engl.
General, geb. 1803 zu Berlin, wo sein Vater britischer Gesandter
war, trat 1820 in die Armee und ward, nachdem er den Grad eines
Oberstleutnants erreicht hatte, nacheinander Generalkonsul in
Syrien, Gesandtschaftssekretär in Konstantinopel und
britischer Kommissar im französischen Hauptquartier
während des Krimkriegs. Beim Ausbruch des indischen Aufstandes
erhielt er ein selbständiges Kommando und zeichnete sich so
aus, daß er bei der Rückkehr Lord Clydes nach Europa
diesem im Generalkommando der britischen Truppen in Indien folgte,
in welcher Stellung er sich große Verdienste um die
Reorganisation der indischen Armee erwarb. Von 1865 bis 1870
kommandierte er die britischen Truppen in Irland, 1866 wurde er zum
Baron S. und zum Peer erhoben und 1877 zum Feldmarschall ernannt.
Er starb 16. Okt. 1885 in Paris ohne Nachkommen.
Stratifikation (lat.), die Schichtung der Gesteine;
Stratigraphie, die Lehre von derselben.
Stratifizieren (neulat., "schichtenförmig legen"),
das Einschlagen von Samen (Weißdorn, Quitte, Clematis etc.),
welche erst keimen, nachdem sie ein Jahr und länger in der
Erde gelegen, oder auch von Samen,
380
Stratiokratie - Strauß.
welche an der Luft bald ihre Keimfähigkeit verlieren, wie
Aesculus, Castanea, Fagus, Juglans, Magnolia, Quercus u. a. Man
benutzt hierzu Sand, Erde, Spreu, Sägespäne u. a., womit
man die Samen vermischt und bedeckt und so in einem
Gefäß in einen trocknen Keller stellt; bei hartschaligen
Samen, z. B. Weißdornkernen, dürfen diese Stoffe einen
geringen Grad von Feuchtigkeit besitzen. Größere Massen
gräbt man im Erdboden ein, um sie dem Temperaturwechsel zu
entziehen. Sobald der Keim sich zu zeigen beginnt, gießt man
die Samen ein; ist das Würzelchen schon lang geworden,
muß es abgekneipt werden.
Stratiokratie (griech.), Soldatenherrschaft.
Stratiomys, Waffenfliege; Stratiomydae (Waffenfliegen),
Familie aus der Ordnung der Zweiflügler, s. Waffenfliegen.
Stratioten (griech., "Soldaten", auch Stradioten),
halbwilde leichte Reiter aus Albanien und Morea, die im Solde der
Venezianer standen, im 15. Jahrh. auch im französischen und
spanischen Heer dienten, trugen türkische Tracht ohne Turban,
ein Panzerhemd und kleinen Helm und führten als Waffen eine
bis 4 m lange, an beiden Enden mit Eisen beschlagene Wurflanze,
breiten Säbel und Gewehr.
Stratiotes L. (Wasserscher, Krebsscher), Gattung aus der
Familie der Hydrocharideen, untergetauchte oder nur mit den
Blattspitzen auftauchende, aloeartige Wasserpflanzen mit dicht
rosettenartig gestellten, sitzenden, breit linealen, zugespitzten,
stachlig gezahnten, starren Blättern, zusammengedrücktem
Blütenschaft und diözischen Blüten. S. aloïdes
L. (Meeraloe), mit schwertförmig dreikantigen Blättern,
weißen Blüten und sechsfächeriger Beere, in
stehenden und langsam fließenden Gewässern
Norddeutschlands, meist gesellig, eignet sich gut für
Aquarien.
Stratocumulus (lat.), die geschichtete Haufenwolke, s.
Wolken.
Stratos, alte Bundeshauptstadt des wahrscheinlich
illyrischen Volkes der Akarnanen (Mittelgriechenland), im
Binnenland in der fruchtbaren Ebene des Acheloos gelegen,
strategisch wichtig. Im Peloponnesischen Krieg mit Athen
verbündet, schlug S. 429 den Angriff der Ambrakioten
zurück, wurde etwa um 300 von den Ätoliern besetzt und
blieb in deren Gewalt, bis 189 v. Chr. die Römer es den
Akarnanen zurückgaben. Die sehr ausgedehnten, mit Türmen
und stattlichen Thoren (daher der heutige Name Portäs)
versehenen Stadtmauern und Reste eines Tempels liegen beim
Walachendorf Surovigli.
Strato von Lampsakos, peripatetischer Philosoph,
Theophrasts Schüler und Nachfolger als Vorstand der
Aristotelischen Schule im Lykeion zu Athen, starb daselbst 240 v.
Chr. Seiner vorwiegenden Beschäftigung mit der Physik halber,
während er die Ethik fast vernachlässigte, hieß er
der "Physiker". Von seinen Schriften ist nichts erhalten geblieben.
Vgl. Nauwerk, De Stratone Lampsaceno (Berl. 1836).
Stratum (lat.), Schicht.
Stratus (lat.), die Schichtwolke, s. Wolken.
Strauben, feines, in steigender Butter gebackenes
Gebäck aus einem Teig von Mehl, Zucker und Weißwein, den
man durch einen im Kreis geschwenkten Trichter in die heiße
Butter rinnen läßt.
Stranbfuß der Pferde, s. Igelfuß.
Straubing, unmittelbare und Bezirksamtsstadt im bayr.
Regierungsbezirk Niederbayern, an der Donau, Knotenpunkt der Linien
Neufahrn-S. und Passau-Würzburg der Bayrischen Staatsbahn, 318
m ü. M., hat 7 Kirchen, ein Schloß, einen schönen
Marktplatz mit Dreifaltigkeitssäule, eine Studienanstalt, eine
Realschule, ein Schullehrer- und ein bischöfliches
Knabenseminar, ein Waisenhaus, eine Taubstummen- und eine
Idiotenanstalt, 4 Klöster, mehrere Hospitäler etc., ein
Landgericht, eine Filiale der königlichen Bank in
Nürnberg, eine Bankagentur der Bayrischen Notenbank,
bedeutende Ziegel-, Kalk- und Zementfabrikation, Gerberei,
Bierbrauerei, Getreidehandel und (1885) mit der Garnison (ein
Infanteriebataillon Nr. 11) 12,804 meist kath. Einwohner. Zum
Landgerichtsbezirk S. gehören die 7 Amtsgerichte zu Bogen,
Kötzting, Landau a. I., Mallersdorf, Mitterfels, Neukirchen
bei Heiligblut und S. - Die Stadt, an deren Stelle schon in der
Römerzeit eine Ansiedelung, Sorbiodurum, bestand, soll um 1208
von Ludwig von Bayern gegründet worden sein. Bei der Teilung
Niederbayerns (1353) wurde eine Linie Bayern-S. von Wilhelm und
Albrecht begründet, die 1425 mit Johann I. ausstarb, worauf
wegen S. ein Streit (Straubinger Erbfall) entstand. Durch
König Siegmund wurde 1429 S. dem Herzog Ernst von
Bayern-München verliehen. 1435 wurde hier Agnes Bernauer (s.
d.) von der Donaubrücke in den Strom gestürzt. Vgl.
Wimmer, Sammelblätter zur Geschichte der Stadt S. (Straub.
1882-86, 4 Hefte).
Strauch (Frutex), ein Holzgewächs, dessen Stamm
gleich vom Boden an in Äste geteilt ist, wodurch allein es
sich von den Bäumen unterscheidet. Daher können manche
Sträucher künstlich baumartig gezogen werden durch
Abschneiden der untern Äste, und Bäume können unter
ungünstigen äußern Verhältnissen
strauchförmig werden. Vgl. Halbstrauch.
Strauchkraut, f. Datisca.
Strauchweichsel, s. Kirschbaum, S. 789.
Strausberg, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Potsdam, Kreis Oberbarnim, am Straussee und an der Linie
Berlin-Schneidemühl der Preußischen Staatsbahn, hat eine
evang. Kirche aus dem 16. Jahrh., ein Realprogymnasium, eine
Landarmen- und Korrektionsanstalt, ein Amtsgericht, Federbesatz-,
Flanell-, Schnittwaren- und Teppichfabrikation und (1885) 6525
meist evang. Einwohner. S. wird zuerst 1238 urkundlich
erwähnt.
Strauß (Struthio L.), Gattung aus der Ordnung der
Straußvögel (Ratitae) und der Familie der Strauße
(Struthionidae), mit der wohl einzigen Art S. camelus L. (s. Tafel
"Straußvögel"). Der S. ist 2,5 m hoch, 2 m lang, 1,5
Ztr. schwer; er besitzt einen sehr kräftigen Körper,
einen langen, fast nackten Hals, einen kleinen, platten Kopf, einen
mittellangen, stumpfen, vorn abgerundeten, an der Spitze platten,
mit einem Hornnagel bedeckten, geraden Schnabel mit biegsamen
Kinnladen, bis unter das Auge reichender Mundspalte und offen
stehenden, länglichen, ungefähr in der Mitte des
Schnabels befindlichen Nasenlöchern, große,
glänzende Augen, deren oberes Lid bewimpert ist, unbedeckte
Ohren, hohe, starke, nur an den Schenkeln mit einigen Borsten
besetzte, nackte Beine mit groß geschuppten Läufen und
zwei Zehen, von denen die innere mit einem großen, stumpfen
Nagel bewehrt ist, ziemlich große, zum Fliegen aber
untaugliche, mit doppelten Sporen versehene Flügel, welche
anstatt der Schwingen schlaffe, weiche, hängende Federn
enthalten, einen kurzen, aus ähnlichen Federn bestehenden
Schwanz, mäßig dichtes, ebenfalls aus schlaffen,
gekräuselten Federn gebildetes Gefieder und an der Mitte der
Brust eine unbefiederte, hornige Schwiele. Beim Männchen sind
alle kleinen Federn des Rumpfes schwarz, die langen Flügel-
und Schwanzfedern blendend weiß, der Hals hochrot, die
Schenkel fleischfarben; beim Weib-
381
Strauß (Vogel) Strauß (Personenname).