Esplanaden-Gasse F3
Esplanaden-Straße FG4
Feg-Gasse F3,4
Ferkel-Markt D4
Finkmatt C3
Finkmatt-Straße BC2
Finkweiler-Gasse BC5
Finkweiler-Staden C5
Fischart-Straße F2
Fischer-Gasse E3
Fischer-Staden E3
Fischerthor-Kaserne E3
Fisch-Markt D4
Fisch-Markt, Alter D4
Gasanstalt B3
Gaul-Staden EF4
Gedeckte Brücken B5
Gefängnis, Bezirks- B5
General-Kommando D3
Gerbergraben-Platz C4
Gerbergraben-Straße C4
Gestüt C5
Gewerbslauben, An d. C4
Goethe-Straße F2
Goldgießen D5
Grandidier-Straße E3
Groß-Metzig D4
Grünenbruch-Gasse B3
Gutenberg-Denkmal CD4
Gutenberg-Platz CD4
Gutleut-Gasse B2,3
Gymnasium C3
Hafen-Platz B5
Hafen-Staden B6
Hafen-Wallstraße B6
Hagenauer Platz B2
Handels-Gericht CD4
Haupt-Zollamt B3
Helenen-Gasse, St. C4
Helenen-Platz, E2
Hennen-Gasse E4
Hermann-Straße FG3
Heuwage, Bei der F4
Hospital, Bürger- D5
Hospital, Militär- F4
Johannes-Staden, St. B4
Juden-Brückchen D3
Juden-Gasse D3
Jung-St.-Peter-Kirche C3
Jung-St.-Peter-Platz C3
Junker-Straße E1
Justiz-Palast C3
Käfer-Gasse D4
Kagenecker Gasse B3,4
Kalbs-Gasse DE3,4
Kanal B4,CD2
Kasino, Deutsches Zivil- C3
Kasino, Offizier- CD3
Kasino, Zivil- C2
Katholisches Seminar D3,4
Kaufhaus-Gasse D4,5
Kellermann-Staden C3
Kinderspiel-Gasse B4
Kläber-Platz C4
Kleber-Staden BC3
Klöber-Denkmal C4
Klotz-Straße E2
Knoblochs-Gasse CD4,5
Koch-Staden E2,3
Kollegien-Haus EF2
Kommandantur C3
Königsbrücke E3
Königshofener Straße A5,6
Königs-Straße DE2,3
Krämer-Straße D4
Kreis-Direktion D3
Kriegs-Thor II A3
Kronenburger Ring AB3
Kronenburger Straße A3,B3,4
Kronenburger Thor A3
Kronenburger Wall-Straße A3
Krutenau-Straße E3 4
Kühnen-Gasse AB4
Langen-Straße BC4
Lazarett-Wallstraße EF4
Lehrer-Seminar C5
Lezai-Marnesia-Stad. D3
Lobstein-Straße F3
Lyceum D4
Magazin-Gasse A2,3
Magdal.-Gasse St. DE4
Manteuffel-Kaserne C1
Margareten-Gasse, St. AB5
Margareten-Kaserne AB5
Margareten-Wallstr AB5
Markt, Neuer C4
Martins-Brücke C5
Meisen-Gasse C3
Metzgergießen D4,5
Metzger-Platz E4,5
Metzger-Straße DE4,5
Metzger-Thor E5
Metzgerthor-Station E6
Militär-Baracken A6,G3
Militär-Hospital F4
Möller-Straße D2
Molsheimer Straße AB6
Moscherosch-Straße G2
Mühlen-Plan BC4,5
Müllenheim-Staden E1, 2
Münster D4
Münster-Gasse CD3
Münster-Platz D4
Murner-Straße F2
Musik-Kiosk D3
Musik-Konservator C3,4
Mutziger Straße A5
Neuer Markt C4
Neukirche C3,4
Neukirch-Platz C3,4
Niklaus-Brücke D5
Niklaus-Kaserne F3
Niklaus-Platz, St. F3
Niklaus-Staden, St. D4,5
Ober-Ehnheimer Str. A6
Odilien-Straße A6
Oktroi E5,H4
Palast-Straße D2
Pariser Brücke B3
Pariser -- Staden B3,4
Pflanzbad B4
Pionier-Kaserne DE3
Polizei-Direktion D3
Post D4
Präfektur D3
Protest. Predigerstift C5
Raben-Brücke D4
Raben-Platz D4
Rathaus D3
Reformierte Kirche C4
Reichsbank C3
Renn-Gasse, Große AB4,5
Renn-Gasse, Kleine A4
Ring, Bahnhof A4
Ring, Kanal Hl,2
Roseneck, Am C2
Rosheimer Straße A5
Rothauer Straße A6
Ruprechtsauer Allee Fl,2
Saarburger Straße A2,3
Schöpflin-Staden CD2,3
Schießrain, Am DE1
Schiffahrts-Kanal B4,5
Schiffleut-Gasse E4
Schiffleut-Staden DE4
Schimper-Straße F3
Schirmecker Ring AB6
Schirmecker Thor A6
Schlachthaus B5
Schlachthaus-Platz B5
Schlachthaus-Staden B4,5
Schleuse, Große B5
Schloß D4
Schlosser-Gasse C4
Schloß-Platz D4
Schwarzwald-Straße GH2
Schweighauser Straße F2
Seelos-Gasse A4
Seminar, Kathol. D3,4
Seminar, Kathol. Lehrer- C5
Spieß-Gasse D4
Spital-Platz D5
Spital-Thor D5
Spitzmühl-Kanal B5
St. Aurelien-Kirche A5
St.--Johannes-Kirche B4
St.-Ludwigs-Kirche C5
St.--Magdal.-Kirche E4
St.--Peterkirche, Alt- B4
St.--Peterkirche, Jung- C3
St.--Stephan-Kirche E3
St.-Thomas-Kirche C5
St.-Wilhelm-Kirche E3
Steg, Am hohen C3
Stein-Brücke C3
Stein-Platz B2
Stein-Ring C1,2
Stein-Straße BC2,3
Stein-Thor B2
Stephans-Brücke, St. E5
Stephans-Platz, St. D3
Stephans-Staden, St. E3
Sternwarte G2
Steuer-Direktion C5
Storch-Gasse B2,3
Sturmeck-Staden CD2
Synagoge C4
Tabaks-Magazin D4,5/C5
Tabaks-Manufaktur E3,4
Telegraphen-Amt B4
Theater D3
Theater-Brücke D2
Thomanns-Gasse C3
Thomas-Brücke, St. C5
Thomas-Platz, St. C4,5
Thomas-Staden, St. CD5
Tränk-Gasse F4
Türkheim-Staden B4,5
Umleitungs-Kanal FG5
Universität F2
Universität, (Alte, im Schloß) D4
Universitäts-Platz E2
Universitäts-Straße F2,3
Verbindungsbahn CD6
Verbrannten Hof, Auf dem D3
Vieh-Gasse EF3,4
Vogesen-Straße B-E2
Vorbrucker Straße A6
Waisen-Gasse E4
Waisenhaus E4
Waisen-Platz E4
Wärterhaus B6,D6
Waseneck, Am D2
Wasselnheimer Straße A5,6
Wasserturm F4
Wein-Markt, Alter B4
Weißenburger Straße B2
Weißenturm--Platz A5,6
Weißenturm-Ring A5
Weißenturm-Straße AB4,5
Weißenturm--Thor A5,6
Weißenturm-Wallstraße A4
Wilhelmer-Gasse E3
Wilhelms-Brücke E3
Wimpfeling-Straße F2
Zaberner Ring B2
Zaberner--Wall-Straße AB2
Zarrer Straße A6
Zentral-Bahnhof A4
Zeughaus F4
Zeughaus-Gasse F4
Zollamt, Haupt- B3
Zoll-Büreau A3
Zornmühl-Kanal BC5
Zürcher Straße E3,4
STRASSBURG Maßstab 1:19000.
372
Straßburg (Beschreibung der Stadt).
Wappen von Straßburg.
armige Ill in drei Teile geteilt, hat elf Thore u. durch die
engen, unregelmäßigen Straßen ein
altertümliches Aussehen. Ein neuer Stadtteil, im NO. liegend
und aus dem durch Hinausschieben der Festungswerke gewonnenen
Terrain errichtet, ist bereits stark bebaut. Von öffentlichen
Plätzen verdienen Erwähnung: der Kléberplatz mit
dem ehernen Standbild Klébers, der Gutenbergplatz mit der
Statue Gutenbergs (von David d'Angers), der Broglieplatz, der
Schloßplatz etc. Außer den genannten Denkmälern
sind noch zu nennen: das Denkmal des Generals Desaix hinter dem
Theater und das Denkmal des Präfekten Lezay-Marnesia auf einer
Rheininsel. Unter den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten
Gebäuden (7 evangelische, eine reformierte und 6 kath. Kirchen
und eine Synagoge) ist das katholische Münster ein
Meisterstück altdeutscher Baukunst, 110 m lang, 41 m breit, im
Mittelschiff 30 m hoch. Den Grundstein zu dem gegenwärtigen
Bau legte 1015 Bischof Werner; 1277 begann unter Bischof Konrad von
Lichtenstein Erwin von Steinbach den Bau der Fassade und der
Türme, den nach seinem Tod (1318) sein Sohn Johannes (bis
1339) fortsetzte und Hans Hültz aus Köln 1439 zum
Abschluß brachte. Aber nur der nördliche Turm (142 m
hoch) erreichte seine Vollendung, der südliche wurde
bloß bis zur Plattform gebracht. Das Münster vereinigt
fast alle Baustile des Mittelalters: spätromanisch sind
Krypte, Chor u. Querschiff, selbst ein Teil des untern Schiffs;
weiterhin findet ein Übergang zum gotischen Spitzbogen statt,
der in der Fassade bis zur Vollendung gedieh. Von vorzüglicher
Schönheit ist das Hauptportal mit zahlreichen Statuen u. einer
großen Fensterrose (50 m im Umfang). Noch sind die herrlichen
Glasmalereien aus dem 14. und 15. Jahrh., die Kanzel, ein
Meisterwerk von Johann Hammerer (1486), die vortreffliche Orgel von
Silbermann und die berühmte astronomische Uhr von
Schwilgué (1839-42 neuhergestellt) hervorzuheben (vgl.
Strobel, Das Münster in S., 13. Aufl., Straßb. 1874;
Kraus, Straßburger Münsterbüchlein, das. 1877). Von
den evangelischen Kirchen verdienen die Neue Kirche (an Stelle der
alten, 1870 eingeäscherten neuerbaut) und die Thomaskirche
(13. u. 14. Jahrh.) mit dem Denkmal des Marschalls Moritz von
Sachsen (von Pigalle) Erwähnung. Hervorragende Gebäude
sind ferner: der neue Kaiserpalast, das Schloß (ehemals
bischöfliche Residenz, später Universität, jetzt
Universitäts- und Landesbibliothek), das Stadthaus und das
Theater am Broglieplatz (beide nach der Einäscherung von 1870
neuerbaut), der Statthalterpalast, das neue
Universitätsgebäude, das Bezirkspräsidium, das
Landgerichtsgebäude, das Offizierkasino, das
Aubettegebäude am Kléberplatz, das Gebäude der
Lebensversicherungsgesellschaft Germania, das Bürgerhospital,
die Manteuffelkaserne, der Zentralbahnhof, die Westmarkthalle etc.
Die Bevölkerung beläuft sich (1885) mit der 10,523 Mann
starken Garnison (Infanterieregimenter Nr. 105, 126, 132 und 138,
je 2 Infanteriebataillone Nr. 99 und 137, ein Ulanenregiment Nr.
15, ein Feldartillerieregiment Nr. 15, ein
Fußartillerieregiment Nr. 10 und ein Pionierbataillon Nr. 15)
auf 111,987 Seelen, darunter 52,306 Evangelische, 55,406
Katholiken, 363 andre Christen u. 3767 Juden.
DerStaatsangehörigkeit nach waren 68,993
Elsaß-Lothringer, 40,103 andre Reichsangehörige u. 2891
Ausländer. Die Industrie ist bedeutend und in fortdauernder
Steigerung begriffen. S. hat Fabriken für Maschinen,
Meterwaren, Tabak, musikalische Instrumente (Pianinos, Orgeln),
Wachstuch, Tapeten, Schokolade, Teigwaren, Senf, Öfen, Papier,
Leder, Möbel, Bürsten, Hüte, Chemikalien, Seife,
Wagen, künstliche Blumen und Federn, Strohhüte,
Handschuhe, Bijouteriewaren etc. Bekannt sind die
Gänseleberpasteten und die Bierbrauereien von S. Ferner gibt
es Wollspinnereien, Gerbereien, Färbereien, Buchdruckereien,
große Mühlwerke etc., auch hat S. eine große
Artilleriewerkstätte. Der lebhafte Handel, unterstützt
durch eine Handelskammer und eine Reichsbankhauptstelle wie durch
andre Geldinstitute, durch das verzweigte Eisenbahnnetz (S. ist
Knotenpunkt der Eisenbahnen S.-Weißenburg,
S.-Deutsch-Avricourt, S.-Kehl, S.-Schiltigheim,
S.-Königshofen, S.-Basel, S.-Rothau und S.-Lauterburg), durch
vortreffliche Landstraßen, durch die schiffbare Ill, den
Ill-, Rhein-Rhône- und Rhein-Marnekanal und durch eine
Pferdebahn, welche die innern Stadtteile mit den Vororten
verbindet, ist besonders bedeutend in Steinkohlen, Kolonial- und
Lederwaren, Papier, Tabak, Eisen, Getreide, Wein, Holz,
Gänseleberpasteten, Sauerkraut, Schinken, Hopfen,
Gartengewächsen der verschiedensten Art etc. An Bildungs- und
andern ähnlichen Anstalten hat S. die 1872 neugegründete
Kaiser Wilhelms-Universität (Sommersemester 1888: 828
Studierende), die neue Universitäts- und Landesbibliothek mit
ca. 600,000 Bänden (größtenteils durch freiwillige
Gaben entstanden und zum Ersatz für die in der Nacht vom 24.
zum 25. Aug. 1870 verbrannte Stadtbibliothek bestimmt), ferner ein
protestantisches Gymnasium (1538 gegründet), ein Lyceum
(katholisches Gymnasium, verbunden mit Realgymnasialabteilung), 2
Realschulen, eine höhere katholische Schule, ein
Priesterseminar, ein evangelisches Schullehrer- und ein
evangelisches Lehrerinnenseminar, 2 Taubstummenanstalten, ein
Konservatorium, ein Kunstmuseum, ein Kunstgewerbemuseum, ein
Naturalienkabinett, ein Stadttheater, eine Bezirksfindel- und
Waisenanstalt, zahlreiche Sammlungen etc. In S. erscheinen
fünf Zeitungen. Die städtischen Behörden zählen
36 Gemeinderatsmitglieder. Sonst ist S. Sitz des kaiserlichen
Statthalters, des Ministeriums und der höchsten
Landesbehörden für Elsaß-Lothringen, des
Bezirkspräsidenten für Unterelsaß, einer
Polizeidirektion für den Stadt- und einer Kreisdirektion
für den Landkreis S., eines katholischen Bischofs, des
Oberkonsistoriums für die Kirche Augsburgischer Konfession und
des jüdischen Konsistoriums, eines Land- und eines
Handelsgerichts, eines Bergreviers etc. An
Militärbehörden befinden sich dort: das Generalkommando
des 15. Armeekorps, die Kommandos der 31. und 33. Division, der 61.
und 66. Infanterie-, der 31. Kavallerie- und der 15.
Feldartilleriebrigade, die 3. Ingenieur-, eine Artilleriedepot- und
die 10. Festungsinspektion, ein Gouverneur, ein Stadtkommandant
etc. Die Festungswerke, deren Anlage 1682-84 von Vauban mit der auf
der Ostseite der Stadt liegenden fünfeckigen Citadelle
begonnen wurde, haben seit 1870 eine bedeutende Erweiterung und
Verstärkung erfahren. Ein Teil der Befestigung ist im NO.
hinausgerückt, und 13 Forts, 4-8 km vom Mittelpunkt der Stadt
entfernt, krönen die umliegenden Höhen, 3 davon auf der
badischen Seite des Rheins bei Kehl. Die Stärke der Werke wird
dadurch noch bedeutend erhöht, daß durch die Ill und den
Rhein-Rhônekanal ein großer Teil der Umgegend von S.
unter Wasser
373
Straßburg (Geschichte der Stadt).
gesetzt werden kann. Die Umgebung der Stadt (s. die Karte) ist
zwar flach, gleicht aber ihrer Fruchtbarkeit halber einem
großen Garten. Die außerhalb der Umwallung liegenden
Orte: Rupprechtsau, Neudorf, Neuhof, Königshofen und
Grünenberg sind der Stadt einverleibt. - Zum
Landgerichtsbezirk S. gehören die 14 Amtsgerichte zu Benfeld,
Bischweiler, Brumath, Hagenau, Hochfelden, Illkirch, Lauterburg,
Niederbronn, Schiltigheim, S., Sulz unterm Wald, Truchtersheim,
Weißenburg und Wörth.
[Geschichte.] Unter der Regierung des Kaisers Augustus entstand
auf der Stelle des heutigen S. eine städtische Ansiedelung,
Argentoratum, welche der achten Legion als Standquartier diente.
Durch den großen Sieg bei S. 357 über die Alemannen
rettete Kaiser Julian die Rheingrenze, doch schon um 406 fiel das
Elsaß jenem germanischen Volksstamm zu. Damals ging die Stadt
in Flammen auf, ward aber bald neu erbaut und in der Karolingerzeit
durch die Neustadt im W. vergrößert. Hier schwuren 14.
Febr. 842 Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle den Eid
gegenseitiger Treue, der in altromanischer und altdeutscher Sprache
erhalten ist. Seit der Begründung des Bistums (s. unten) hob
sich die Bedeutung der Stadt; doch blieb sie noch lange Eigentum
des Bischofs, der den Schultheißen ernannte. Wie andre
bischöfliche Städte, wußte sich auch S.
allmählich größere Selbständigkeit zu
verschaffen: an die Stelle der bischöflichen Ministerialen
trat ein aus der Bürgerschaft hervorgehender Rat, und die
Richter der Stadt, die Consules, sprachen vom Bischof
unabhängig Recht. Aber die Reichsfreiheit hat erst Philipp von
Schwaben S. verliehen und Bischof Heinrich III. von Stahleck
(1245-60) anerkannt. Sein Nachfolger Walther von Geroldseck ward
1262, als er die Stadt wieder unterwerfen wollte, bei
Oberhausbergen geschlagen. Für die hohe Blüte
Straßburgs in dieser Zeit zeugen nicht nur Namen wie
Gottfried von S., Meister Eckard, Johannes Tauler, sondern vor
allem das Münster (über dessen Entstehung s. oben). Der
Familienhaß zweier Adelsgeschlechter führte 1332 zur
Aufnahme der Zünfte in den Rat, zu den bisherigen vier
Stadtmeistern trat zugleich als Vertreter der Handwerker ein auf
Lebenszeit gewählter Ammeister. Die Stadt schloß sich
1381 dem Städtebund zu Speier an und leistete ein Jahrhundert
später den Schweizern gegen Karl den Kühnen bei Granson
und Nancy erfolgreiche Unterstützung. In S. hat der Mainzer
Gutenberg die erste Druckerpresse aufgestellt, hier haben einige
Jahrzehnte später die Dichter Sebastian Brant und Thomas
Murner sowie der Humanist Wimpfeling gewirkt. Die Bedeutung der
Stadt war damals weit größer, als man nach ihrer
geringen Bevölkerung (um 1475 nur 20,700 Seelen) erwarten
sollte. Die Reformation fand früh Eingang, besonders infolge
des rastlosen Eifers Martin Butzers, der 1523 in S. eine Zuflucht
fand. Doch erst nach Abschaffung der Messe 1529 kann die Stadt als
protestantisch gelten. In der gefährlichen Zeit der
religiösen Streitigkeiten und Fehden hatte sie einen
vorzüglichen Führer in dem gelehrten und welterfahrenen
Jakob Sturm (s. d.), welcher ihr z. B. nach dem Schmalkaldischen
Krieg einen billigen Frieden vom Kaiser erwirkte. Durch ihn wurde
S. auch eine Stätte der Wissenschaft, besonders als der
Philolog Johannes Sturm sich hier niederließ. Ihm
gegenüber vertrat das deutsch-volkstümliche Element in
der Litteratur der Straßburger Johann Fischart. Für
ihren Rücktritt von der Union belohnte Kaiser Ferdinand II.
die Stadt 1621 mit der Errichtung der Universität.
Während des Dreißigjährigen Kriegs ersparte die auf
reichsstädtischer Tradition beruhende und durch innere
Parteiungen geförderte Neutralitätspolitik S. viel Elend.
Im Westfälischen Frieden blieb es dem Reich erhalten. Ludwig
XIV. ließ 1680 durch die Reunionskammer in Breisach den
Spruch fällen, daß S. für die der Krone Frankreich
gehörenden, aber noch in städtischem Besitz befindlichen
Vogteien von Wasselen, Barr und Illkirchen dem König den
Huldigungseid zu leisten habe. Die Stadt wagte keine ablehnende
Antwort zu erteilen, nur seitens des Reichs wurden Verhandlungen
eröffnet; aber Ludwig XIV. sandte 1681 mitten im Frieden
Louvois mit 30,000 Mann gegen das wehrlose S. Nicht der Verrat
einzelner Ratsmitglieder, wie das Volk meinte, nicht die Ränke
des bestochenen Bischofs Egon von Fürstenberg, sondern die
Erkenntnis der Aussichtslosigkeit jeglichen Widerstandes
führte 30. Sept. die Übergabe der Stadt herbei. Der
Friede von Ryswyk 1697 bestätigte diese Annexion, und auch der
von Utrecht änderte nichts daran, nachdem Deutschland einmal
versäumt hatte, die Zeit der Ohnmacht Frankreichs (1710) zur
Wiedererwerbung Straßburgs zu benutzen. Hier begünstigte
die neue Regierung mit Erfolg die Ausbreitung des katholischen
Bekenntnisses, vermochte aber nicht, der Stadt ihr deutsches Wesen
zu rauben. Für dessen Erhaltung sorgte besonders die
Universität, an welcher der Theolog Spener, die Sprachforscher
Scherz und Oberlin und der Historiker Schöpflin lehrten. Die
französische Revolution zertrümmerte die Vorrechte der
alten deutschen Reichsstadt; an die Spitze trat ein Maire, ihm
standen zur Seite 17 Munizipalräte und 36 Notabeln, welche
alle aus unmittelbaren Volkswahlen hervorgingen. Nach dem Fall des
Königtums blieb der Stadt die Schreckensherrschaft nicht
erspart; auch hier wurde 1793 ein Revolutionstribunal eingerichtet,
dem der deutsche Emigrant Eulogius Schneider vorstand. Erst unter
dem ersten Kaiserreich schwanden die partikularistischen Neigungen,
welche noch das 18. Jahrh. kennzeichnen. S., das Napoleon I. die
Wiederherstellung seiner in den Revolutionsstürmen verfallenen
Universität zu danken hatte, ward wirklich eine
französische Stadt. Der Versuch Ludwig Napoleons 30. Okt.
1836, sich hier von der Garnison zum Kaiser ausrufen zulassen,
mißlang. Am 13. Aug. 1870 begann die Einschließung der
Stadt durch General v. Werder, den Befehlshaber der badischen
Division. Die hartnäckige Verteidigung durch den Kommandanten,
General Uhrich, und die Beschießung des unbefestigten Kehl
veranlaßten v. Werder zu einem Bombardement (24.-27. Aug.),
welches die kostbare Bibliothek zerstörte und den Turm des
Münsters beschädigte. Doch da die Beschießung kein
Resultat hatte, schritt der deutsche Befehlshaber zur regelrechten
Belagerung. Am 12. Sept. war die dritte Parallele fertig; schon war
Bresche in den Hauptwall geschossen und alles zu einem Sturm
vorbereitet, als 27. Sept. die Festung kapitulierte. Die Besatzung
(noch 17,000 Mann) wurde kriegsgefangen, 1200 Kanonen und
zahlreiches Kriegsmaterial wurden eine Beute der Sieger (s. Plan
der Belagerung von S. bei Artikel "Festungskrieg"). Die
deutschfeindliche Haltung der Stadtbehörde in S.
veranlaßte die kaiserliche Regierung, 7. April 1873 den
Bürgermeister Lauth seines Amtes zu entsetzen und den
Gemeinderat, dessen überwiegende Mehrheit sich gegen diese
Maßregel aussprach, zunächst auf zwei Monate, dann auf
ein Jahr zu suspendieren. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte
des Magistrats wurde der Polizeidirektor Back betraut, unter
welchem das Gemeindeschul-
374
Straßenbahnen - Straßenbau.
wesen ausgebildet, Straßenbahnen gebaut, eine
Wasserleitung hergestellt und die großartige Stadterweiterung
nach Ankauf der alten Festungswerke durchgeführt wurden. Erst
1886 wurde wieder die Wahl eines Gemeinderats gestattet, welche
deutschfreundlich ausfiel, und Back zum Bürgermeister ernannt.
Vgl. Silbermann, Lokalgeschichte der Stadt S. (Straßb. 1775);
Frese, Vaterländische Geschichte der Stadt S. (das. 1791-95, 4
Bde.); v. Apell, Argentoratum (Berl. 1884); Schmoller,
Straßburgs Blüte im 13. Jahrhundert (Straßb.
1875); "Straßburger Chroniken", herausgegeben von Hegel
(Leipz. 1870-71, 2 Bde.); Rathgeber, Reformationsgeschichte der
Stadt S. (Stuttg. 1871); Holländer, S. im französischen
Krieg 1552 (Straßb. 1888); Reißeissen,
Straßburger Chronik 1667-1710 (hrsg. von Reuß, das.
1877; Nachtrag 1879); Schricker, Zur Geschichte der
Universität S. (das. 1872); Wagner, Geschichte der Belagerung
von 1870 (Berl. 1874-77, 3 Bde.); "Urkunden und Akten der Stadt S."
(Straßb. 1880-86, Bd. 1-4); Kindler und Knobloch, Das goldene
Buch von S. (das. 1885 ff.); Ludwig, S. vor hundert Jahren (Stuttg.
1888); Krieger, Topographie der Stadt S. (Straßb. 1885).
Straßenbahnen, s. v. w.
Straßeneisenbahnen.