schiffbaren San Joaquin, inmitten eines der ergiebigsten
Weizengebiete, mit 2 Irrenanstalten, bedeutendem Handel und (1880)
10,282 Einw.
Stockton on Tees (spr. tihs), Stadt in der engl.
Grafschaft Durham, am Tees, 6 km oberhalb Middlesbrough , mit South
S. (Yorkshire) durch eine Brücke verbunden. Beide zusammen
haben (1881) 41,015 Einw. S. hat Segeltuchfabriken , Seilerbahnen,
Schiffswerfte, Hochöfen, Gießereien, Glashütten
etc. Zum Hafen gehörten 1887: 26 Seeschiffe von 10,323 Ton.;
Wert der Einfuhr vom Ausland 192,923 Pfd. Sterl., der Ausfuhr
27,641 Pfd. Sterl. S. ist Sitz eines deutschen Konsulats.
Nördlich davon Wynyard, Sitz des Grafen Clarendon.
Stockwerk, in der Baukunst s. Geschoß.
Stockwerksbau, s. Bergbau, S. 725.
Stockwerksporphyr, s. Greisen.
Stoddard, Richard Henry, amerikan. Dichter und
Schriststeller, geb. 2. Juli 1825 zu Hingham (Massachusetts), kam
mit zehn Jahren nach New York, wo er bei einem Erzgießer in
die Lehre gegeben wurde, begann aber früh sich als Mitarbeiter
an Zeitschriften litterarisch zu bethätigen. Von 1853 an
bekleidete er eine Stelle beim Steueramt zu New York, bis er zu
Anfang der 70er Jahre Stadtbibliothekar von New York wurde. Als
Dichter hat S. mit besonderm Erfolg das Gebiet kleiner, sangbarer
Lieder angebaut, die nicht selten an den Ton deutscher Volkslieder
erinnern. Wir nennen von seinen zahlreichen
Veröffentlichungen, die außer poetischen Sachen
hauptsächlich populär-historische Werke umfassen:
"Footprints", Gedichte (1849); "Poems "(1850); "Adventures in
fairy-land", Kindermärchen (1853); "Songs of summer" (1857);
"Town and country" (1857); "Life, travels and books of Alexander
von Humboldt" (1859); "Loves and heroines of the poets", geistvoll
geordnete Sammlung englischer Liebesgedichte (1860); "The king's
bell" (1863); "The story of little Red Riding Hood" (1864); "Under
green leaves" (1865); "The children in the wood" (1866); "Putnam,
the brave" (1869); "The book of the East, and other poems" (1871);
schließlich das wichtige "Memoir of Edgar Allan Poe" (1875),
die "Anecdote biography of Percy B. Shelley" (1876) und "H. W.
Longfellow" (1882). Seine gesammelten "Poetical works" erschienen
1880.
Stoff, s. Materie.
Stoffdruckerei, s. Zeugdruckerei.
Stoffe, s. Gewebe.
Stoffel, Eugène Georges Henri Céleste,
Baron von, franz. Offizier, geb. 1. März 1823 zu Arbon im
Thurgau, erhielt seine Bildung auf der polytechnischen Schule zu
Paris, trat in die Artillerie und zog 1856 durch ein
"Militärisches Wörterbuch" die Aufmerksamkeit des Kaisers
Napoleon III. auf sich, der ihn zu verschiedenen Missionen
verwendete und ihn 1866 als Oberstleutnant und
Militärattaché bei der kaiserlichen Botschaft nach
Berlin schickte. Von hier erstattete er 1866 bis Juli 1870
eingehende, sehr sachkundige Berichte über das deutsche
Heerwesen nach Paris, welche den Kaiser vom Kriege gegen
Deutschland hätten abhalten müssen, wenn sie
gebührend gewürdigt worden wären. Sie wurden nach
dem 4. Sept. 1870, zum Teil noch versiegelt, in den Tuilerien
aufgefunden und 1871 veröffentlicht ("Rapport militaire
écrit de Berlin", Par. 1871; deutsch, Berl. 1872). Im Krieg
1870/71 war S. zuerst in der Operationskanzlei des Kaisers, entkam
nach der Kapitulation von Sedan, befehligte beim Ausfall von Paris
30. Nov. bis 2. Dez. 1870, dann auf dem Mont Avron mit Auszeichnung
die Artillerie, ward aber, weil er Thiers' Armeereorganisation
opponierte und eifriger Bonapartist war, nicht befördert und
nahm 1872 seinen Abschied, ja er wurde wegen Beleidigung des
Berichterstatters im Prozeß Bazaine, des Generals
Rivière, 1873 zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Er
setzte die Geschichte Cäsars von Napoleon III. fort ("Histoire
de Jules César: guerre civile", Par. 1887, 2 Bde.).
Stoffmühle, s. v. w. Holländer, s. Papier, S.
674.
Stoffwechsel, die Gesamtheit der chemischen Vorgänge
im Organismus, auf welchen die Lebenserscheinungen beruhen, und
durch welche der Organismus als solcher erhalten wird. Der
Organismus lebt, indem er fortwährend Stoffe aufnimmt, diese
umwandelt, assimiliert und in integrierende Teile seines
Körpers verwandelt, während andre, ältere Teile des
Körpers aus dem Verband, in welchem sie bis dahin standen,
ausscheiden, umgewandelt und aus dem Körper entfernt werden.
Unterscheidet sich das Reich der Organismen von der unbelebten
Natur wesentlich durch den S., so sind wieder Pflanzen und Tiere
durch die besondere Art des Stoffwechsels voneinander verschieden,
aber so, daß sie durch diese Verschiedenheit innig
zusammenhängen. Die Pflanzen nehmen aus Luft und Boden
anorganische Verbindungen (Kohlensäure, Wasser und Ammoniak
oder Salpetersäure und gewisse Salze) auf und bilden unter dem
Einfluß des Lichts und unter Abscheidung von Sauerstoff
organische Verbindungen von zum Teil sehr komplizierter
Zusammensetzung. Über die hierbei verlaufenden Prozesse wissen
wir sehr wenig. Aus Kohlensäure und Wasser entstehen
Kohlehydrate, Fette und andre Verbindungen, durch Einwirkung von
Ammoniak auf einige derselben wahrscheinlich die weitverbreiteten
Amidosubstanzen und aus diesen eiweißartige Körper. Die
Pflanzen atmen aber auch: sie nehmen Sauerstoff auf, und unter
dessen Einfluß wird ein Teil der gebildeten organischen
Substanz oxydiert. Immerhin tritt dieser Prozeß gegen den der
Ernährung, der Bildung organischer Substanz, stark
zurück, und so präsentiert sich der S. der Pflanze
wesentlich unter dem Bild eines Reduktionsprozesses, bei welchem
lebendige Kraft (die Wärme der Sonnenstrahlen) in Spannkraft
umgesetzt wird. Im Gegensatz zu den Pflanzen nehmen die Tiere als
Nahrungsmittel wesentlich organische Stoffe auf, direkt oder
indirekt die wichtigsten Pflanzenbestandteile; sie sind nicht im
stande, wie die Pflanzen, aus unorganischen Stoffen synthetisch
organische zu bilden, vielmehr bedürfen sie der letztern, die
nach verhältnismäßig geringer Wandlung zu
Bestandteilen des tierischen Organismus werden und dann einer
rückschreitenden Metamorphose unterliegen, unter Mitwirkung
des eingeatmeten Sauerstoffs oxydiert und in Form sehr einfacher
chemischer Verbindungen ausgeschieden werden. Der tierische S. ist
mithin im wesentlichen ein Oxydationsprozeß, als dessen
Endglieder Kohlensäure, Wasser und Ammoniak, die Nah-
342
Stoffwechsel - Stoffwechselgleichungen.
rungsstoffe der Pflanzen, auftreten. Die von den Pflanzen
aufgespeicherte Spannkraft gibt das Tier hauptsächlich in Form
von Wärme und Arbeit wieder aus. Die zum Teil sehr
verwickelten Vorgänge des tierischen Stoffwechsels sind noch
wenig bekannt. Die Nahrungsstoffe: Eiweißkörper, Fette,
Kohlehydrate, Salze, werden durch die Verdauungssäfte mehr
oder weniger verändert, die Produkte werden dem Blut und durch
dieses den Geweben zugeführt, um letztere zu ernähren.
Gleichzeitig findet eine Abnutzung der Gewebe statt, die
Abnutzungsprodukte gelangen in das Blut, unterliegen hier einer
weitern Umbildung und werden schließlich ausgeschieden: die
stickstoffhaltigen Substanzen wesentlich in der Form von Harnstoff
(der leicht in Kohlensäure und Wasser zerfällt) durch die
Nieren, die schwefelhaltigen durch die Leber, die letzten
Oxydationsprodukte, Kohlensäure und Wasser, durch Lunge und
Haut. Die Energie, mit welcher der S. verläuft, ist sehr
verschieden. Der Säugling verbraucht an Nahrungsmitteln
täglich 1/7 seines Körpergewichts, später 1/5, der
Erwachsene 1/20. Während des Schlafs ist der S. wesentlich
vermindert, bei Bewegung und Arbeit beträchtlich erhöht,
aber auch im hungernden Tier steht der S. nicht still, der
hungernde Organismus lebt von sich selbst, bis die
Möglichkeit, dies zu thun, erschöpft ist. Da das
Körpergewicht des erwachsenen und gesunden tierischen
Körpers konstant bleibt, so müssen die durchschnittlichen
täglichen Zufuhren genau die durchschnittlichen Ausgaben
decken, es muß ein Zustand des Gleichgewichts zwischen
Einnahmen und Ausgaben vorhanden sein, und in der That haben genaue
Versuche ergeben, daß bei Berechnung des Gehalts der Nahrung
und der Ausscheidungsstoffe an Kohlenstoff, Wasserstoff,
Sauerstoff, Stickstoff und Salzen im wesentlichen dieselben Zahlen
erhalten werden. Ein gut beköstigter gesunder Mensch verliert
in 24 Stunden bei mäßig bewegter Lebensweise durch die
Atmung etwa 32, die Hautausdünstung 17, den Harn 46,5, den Kot
4,5 Proz. der gesamten Exkretionsmasse, und zwar scheidet die
Atmung aus: Wasser 330, Kohlensäure 1230, die
Hautausdünstung Wasser 660, Kohlensäure 9,8, der Harn
Wasser 1700, Harnstoff 40, Salze 26 g, der Kot Wasser 128, andre,
meist organische Substanzen 53 g. Die Bilanz zwischen Einnahmen und
Ausgaben des Körpers bezieht sich auf den
Durchschnittsmenschen, der weder ungewöhnlichen
äußern Einflüssen ausgesetzt ist, noch von
einzelnen Funktionen, namentlich der Muskelthätigkeit, einen
einseitigen Gebrauch oder Nichtgebrauch macht. Derselbe vollbringt
ein bestimmtes Mittelmaß der Leistungen, d. h. von innern
Bewegungen, von nach außen übertragener mechanischer
Arbeit und von Wärmeeinheiten. Für die beiden letztern
Verausgabungen verlangt er ein bestimmtes Äquivalent an
Zufuhren. Dafür ist er im stande, diese Leistungen Tag
für Tag in derselben Größe zu wiederholen, ohne
daß sein Körpergewicht oder die proportionale Menge der
Einzelbestandteile seines Körpers wesentliche
Veränderungen erleidet. Dieses Durchschnittsverhältnis
kann aber bedeutend abgeändert werden, und zwar entweder durch
Veränderung der Zufuhren, dann ändern sich natürlich
auch die Leistungen, ja unter Umständen sogar der Körper
selbst; oder durch Veränderung der Leistungen, welche nun
wiederum eine entsprechende Modifikation der Zufuhren erheischt.
Wenn die Zufuhren steigen, so sind zwei Erfolge möglich.
Entweder nehmen die Verausgabungen in äquivalenter Weise zu,
der Körper leistet jetzt mehr (an mechanischer Arbeit und
Wärmebildung), aber er verändert sein Gewicht nicht; oder
die Verausgabungen steigen nicht oder doch nicht in gleichem Grad
mit der Zufuhr, dann vermehrt sich das Körpergewicht, es wird
mehr Stoff angesetzt. Werden die Zufuhren mäßig
gemindert, so zehrt der Körper, insoweit das Bedürfnis
nicht von außen her gedeckt wird, aus eigne Kosten, er
verliert allmählich an Gewicht. Mit Abnahme der
Körpermasse sinken auch die Umsetzung gen, überhaupt die
Leistungen; es muß aber ein Punkt kommen, wo die geminderten
Zufuhren hinreichen, die nunmehrigen Verausgabungen zu decken. Auf
diesem neuen Beharrungszustand bleibt der mager gewordene
Körper stehen, und zwar, wenn die Zufuhren nur eine
mäßige Herabsetzung erfahren haben, im Zustand relativer
Gesundheit. Werden endlich die Zufuhren bedeutend geschmälert
oder gänzlich aufgehoben, so magert der Körper ab, um so
schneller, je beträchtlicher die Nahrungsentziehung; er wird
immer leistungsunfähiger und geht endlich dem Hungertod
entgegen. Der Gesamtstoffwechsel bewegt sich auch im normalen
Zustand innerhalb einer bedeutenden Breite, das Körpergewicht
wechselt nicht unbeträchtlich. Damit gehen aber auch
Schwankungen der Funktionen Hand in Hand; doch gibt es
genügende Ausgleichungsmittel, welche das Bestehen des
Organismus sichern und ihn den jedesmaligen Verhältnissen
anpassen. Eins der wichtigsten Ausgleichungsmittel besteht darin,
daß der schlecht genährte Körper wenig, der reich
beköstigte viel verausgabt. Auch die Individualität ist
von dem verschiedensten und mannigfachsten Einfluß auf den S.
Der Einfluß des Körperzustandes auf die Intensität
und Richtung des Stoffwechsels tritt besonders hervor in gewissen
Krankheiten, wo der S. manchmal ganz sein gewohntes Geleise
verlassen hat, z. B. in der Zuckerharnruhr. Besonders interessante
Beispiele hierfür bieten die heftigern Fiebergrade. Beim
Unterleibstyphus z. B. kann die tägliche Harnstoffmenge auf
fast das Doppelte steigen, obschon der Kranke sich nicht bewegt und
die stickstoffhaltige Zufuhr so gut wie vollständig
abgeschnitten ist, er sich also unter Bedingungen befindet, unter
welchen der normale Körper nur sehr wenig Harnstoff bilden
würde. So verschieden auch der S. sich gestalten mag infolge
äußerer Verhältnisse oder im Individuum selbst
liegender Ursachen, so handelt es sich doch dabei im wesentlichen
immer um dieselben Vorgänge und zwar sogar unter der
abweichendsten Bedingungen der Ernährung. Das hungernde Tier
so gut wie das wohlgenährte scheidet Harnstoff,
Kohlensäure und Wasser aus. Das Tier mag ausschließlich
von Fleischnahrung oder von Pflanzenkost leben, der Organismus mag
gesund oder schwer erkrankt sein, er mag gemästet oder
gehörig genährt, unzureichend beköstigt oder im
Verhungern begriffen sein: er lebt zunächst immer nur auf
Kosten seiner eignen Bestandteile. Der S. wird somit zunächst
ausschließlich bestimmt durch den jedesmaligen Zustand der
Gewebe, Organe und Säfte des Körpers, und die uns noch
unbekannten vitalen Energien der Gewebe und Organe geben bei der
Bestimmung des Stoffumsatzes, der Anbildung wie der
Rückbildung, sowohl in Bezug auf Qualität als
Quantität den Hauptausschlag. Vgl. Moleschott, Der Kreislauf
des Lebens (5. Aufl., Mainz 1876-86, 2 Bde.); Voit, Physiologie des
allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung (Leipz. 1881);
Wilckens, Briefe über den tierischen S. (Bresl. 1879); Seegen,
Studien über S. (Berl. 1887).
Stoffwechselgleichungen, s. Respirationsapparat.
343
Stohmann - Stokes.
Stohmann, Friedrich Karl Adolf, Agrikulturchemiker und
Technolog, geb. 25. April 1832 zu Bremen, studierte in
Göttingen und London, war 1853-1855 Assistent von Graham und
arbeitete in der Folge in mehreren chemischen Fabriken. 1857 wurde
er Assistent von Henneberg erst in Celle, dann in Weende bei
Göttingen, und hier beteiligte er sich an den klassischen
Untersuchungen Hennebergs über die Ernährung der
Haustiere. 1862 begründete er die landwirtschaftliche
Versuchsstation in Braunschweig, 1865 folgte er einem Ruf nach
München, ging aber noch in demselben Jahr nach Halle und
übernahm 1871 die Leitung des
landwirtschaftlich-physiologischen Instituts in Leipzig. Er
schrieb: "Handbuch der technischen Chemie" (auf Grundlage von
Payen, Précis de chimie technique, mit Engler, Stuttg.
1870-1874, 2 Bde.); "Biologische Studien" (Braunschw. 1873);
"Handbuch der Zuckerfabrikation" (2. Aufl., Berl. 1885); "Die
Stärkefabrikation" (das. 1878); "Encyklopädisches
Handbuch der technischen Chemie" (auf Grundlage von Muspratts
"Chemie", 4. Aufl. mit Kerl, Braunschw. 1886 ff.).
Stöhrer, Emil, Mechaniker, geb. 25. Sept. 1813 zu
Delitzsch, lernte bei Wießner in Leipzig und gründete
1846 daselbst ein eignes Geschäft, welches er 1863 seinem Sohn
Emil (geb. 2. März 1840) Übergab. Er gründete darauf
in Dresden ein zweites Geschäft, speziell für
elektro-therapeutische Apparate, übergab dasselbe 1880
ebenfalls seinem Sohn, mußte aber nach dessen Tod, 26. Dez.
1882, beide Geschäfte wieder übernehmen. Er konstruierte
weitverbreitete Batterien und Induktionsapparate und 1846 den
ersten mit Wechselströmen eines Magnetinduktors betriebenen
Zeigertelegraphen, auch einen elektrochemischen und
elektromagnetischen Doppelschreiber.
Stoiker, griech. Philosophenschule, welche sich
gleichzeitig mit dem Epikureismus entwickelte und ihren Namen von
dem Säulengang (stoa) hat, wo der Gründer derselben,
Zenon aus Kittion auf Kypros, in Athen zu lehren pflegte (340-260
v. Chr.). Zenons Lehrbegriff ward zum Teil im Kampf mit der
jüngern Akademie durch seine nächsten Schüler und
Anhänger, Kleanthes aus Assos in Troas, Chrysippos aus Soli in
Kilikien (280-210), bestimmter ausgebildet, während andre, wie
Ariston aus Chios und Heryllos aus Karthago, sich ihm vorzugsweise
nur in der Strenge der sittlichen Denkart angeschlossen zu haben
scheinen. Ein allgemeines Merkmal der Lehre der S. liegt in dem
Bemühen, die Philosophie in einer einfachen und
gemeinverständlichen Form und mit vorherrschender
Rücksicht auf das praktische Leben zu entwickeln, daher die
eigentliche Bedeutung derselben in ihrer Ethik zu suchen ist,
welcher sie zwar die Physik beiordnen, weil diese die allgemeinsten
Grundbestimmungen für jene darbiete, die Logik aber
unterordnen, so daß diese ihnen mehr für ein Werkzeug
als für einen Teil der Philosophie gilt. In der Logik ward die
Erfahrung als Grundlage aller Erkenntnis statuiert, insofern alle
Vorstellungen in einem Leiden der Seele durch den Eindruck des
Vorgestellten bestehen sollen. In Übereinstimmung hiermit geht
auch ihre Physik von dem Satz aus, daß alles, was Ursache
sei, Körper sei, welcher Begriff bei ihnen wesentlich durch
den Gegensatz von Thun und Leiden bestimmt wird.
Demgemäß unterscheiden sie die Materie als das
qualitätslose leidende und Gott als das thätige und
bildende Prinzip, so jedoch, daß nicht das eine wirklich
getrennt von dem andern existiere, sondern die wirkliche Kraft in
dem Stoff selbst vorhanden sei. So wie daher die Welt
vernünftig und göttlich ist, so hat auch jeder einzelne
Teil seinen besondern Anteil an der allgemeinen Vernunft. Diese
bestimmte schon Zenon, sich an die Naturlehre des Heraklit
anschließend, als ein denkendes, lebendiges Feuer, welches
sich in stetigen Übergängen und nach einem bestimmten
unausweichlichen Gesetz in die Elemente und die daraus entstehenden
besondern Bedingungen verwandle, um nach periodischem Kreislauf
wieder in die ursprüngliche Einheit zurückzukehren
(Weltverbrennung). In genauem Zusammenhang mit dieser Physik steht
der oberste Grundsatz der Ethik, welcher für deren
höchsten Endzweck die Übereinstimmung mit der Natur
erklärt. Die Unabhängigkeit der sittlichen Gesinnung
stellten sie der äußerlich erscheinenden Handlung und
deren zufälligen Umständen gegenüber. Einer
selbständigen Fortbildung war das System an sich nicht
fähig. Die wesentlichste Umbildung erfuhr die stoische Lehre
durch Panaitios und Posidonios, welche auch hauptsächlich ihre
Verpflanzung nach Rom bewirkten. Durch Wechselwirkung der stoischen
Philosophie und des römischen Geistes aufeinander entwickelte
sich hier aus ersterer eine räsonnierende praktische
Popularphilosophie von zum Teil fromm-erbaulichem Charakter. Unter
dem Despotismus der Cäsaren erhielt der Stoizismus eine
politische Bedeutung, denn zu ihm flüchteten sich
größtenteils die Oppositionsmänner; er wurde ein
Gegenstand der Verfolgung, bis er mit Marcus Aurelius Antoninus auf
den Kaiserthron kam und kaiserliche Fürsorge demselben noch
einmal Geltung und Anhang erwarb. Nach der Zeit der Antonine
verschwindet er völlig aus der Geschichte, in dem allgemeinen
philosophischen und religiösen Synkretismus aufgehend, in
welchen die antike Weltanschauung sich auflöste. Vgl.
Tiedemann, System der stoischen Philosophie (Leipz. 1776, 3 Bde.);
Ravaisson, Essai sur le stoicisme (Par. 1856); Noack in der
Zeitschrift "Psyche", Bd. 5 (Leipz. 1862); Winckler, Der Stoizismus
(das. 1878); Weygoldt, Die Philosophie der Stoa (das. 1883) ;
Ogereau, Essai sur le système philosophique des stoiciens
(Par. 1885); L. Stein, Die Psychologie der Stoa (Berl. 1886-88, 2
Bde.); Zeller, Philosophie der Griechen, Bd. 3.
Stoische Philosophie, s. Stoiker.
Stoizismns, Lehre der Stoiker (s. d.); streng moralisches
oder vielmehr finsteres, freudenloses Leben.
Stoke Poges (spr. stohkpódschis), Dorfin
Buckinghamshire (England), bei Slough, mit Denkmal des Dichters
Gray, der hier seine Elegie schrieb, u. 109 Einw.
Stokes (spr. stohks), 1) George Gabriel, Mathematiker und
Physiker, geb. 13. Aug. 1819 zu Skreen in Irland, studierte zu
Cambridge und wurde 1849 Professor der Mathematik daselbst. Seit
1854 ist er auch Sekretär der Royal Society. S.' Arbeiten
erstrecken sich über das Gebiet der reinen Mathematik, der
Mechanik und der mathematischen und experimentellen Physik. Seine
theoretischen Untersuchungen beschäftigen sich
hauptsächlich mit Hydrodynamik, der Theorie des Lichts und der
Theorie des Schalles, seine experimentellen Arbeiten vorwiegend mit
den Erscheinungen des Lichts. Eine seiner hervorragendsten Arbeiten
ist die über die Fluoreszenz des Lichts, deren Natur er zuerst
erkannte. Die frühern Beobachter, Brewster und Herschel,
glaubten in der Erscheinung eine eigentümliche Zerstreuung des
Lichts zu erkennen; S. wies aber nach, daß die
fluoreszierenden Substanzen in der That selbst leuchtend werden,
indem sie das auf sie treffende Licht in sich aufnehmen, und indem
dadurch die Moleküle der Körper in Schwingungen geraten.
S. begründete durch diese Ar-
344
Stokessche Regel - Stolberg.
beiten gleichzeitig die richtige Theorie der Absorption des
Lichts. In der Folge beschäftigte er sich viel mitder
Absorptions-Spektralanalyse und untersuchte den ultravioletten Teil
des Spektrums. Gesammelt erschienen seine "Mathematical and
physical papers" (Cambr. 1880-83, 2 Bde.), deutsch die Vorlesungen:
"Das Licht" (Leipz. 1888).
2) Whitley, engl. Keltolog, geb. 28. Febr. 1830, studierte in
Dublin Rechtswissenschaft und Philologie, insbesondere Keltologie,
begab sich als Barrister 1862 nach Indien (Madras), wurde zwei
Jahre später zum Sekretär des Legislative Council zu
Kalkutta ernannt und war 1877-82 Law Member of the Council of the
governor general of India (s. v. w. Justizminister), in welcher
Stellung er sich um die Gesetzgebung Indiens große Verdienste
erwarb. Seine wichtigsten keltologischen Arbeiten sind: "Irish
glosses" (Dubl. 1860); "Three Irish glossaries" (Kalk. 1868);
"Goidelica", Sammlung altirischer Texte (2. Aufl., Lond. 1872);
"Fis Adamnain" (Simla 1870); "A Cornish glossary" (Lond. 1870);
"The life of Saint Meriasek, a Cornish drama" (das. 1872);
"Middle-Breton hours" (Kalk. 1876); "Three middle Irish homilies"
(das. 1879); "Togail Troi. The destruction of Troy" (das. 1881);
"On the calendar of Oengus" (Dubl. 1881); "Saltair na Rann" (Oxf.
1883). Neuerdings erschienen von ihm "The Anglo-Indian codes"
(Lond. 1887-88, 2 Bde.).
Stokessche Regel, s. Fluoreszenz.
Stoke upon Trent (spr. stóhk oponn trent),
schmutzige Stadt in Staffordshire (England), im Distrikt der
Potteries (s. d.), hat einen großartigen Bahnhof (mit den
Bildsäulen Wedgwoods und Mintons), ein Athenäum, eine
Kunstschule, Fabriken für Porzellan und Steingut (Minton,
Copeland and Sons u. a.) und (1881) 19,261 Einw.
Stola (lat.), langes, faltiges, bis auf die Knöchel
herabreichendes und unten mit einer Falbel (instita) verziertes
Kleid der römischen Frauen, das auch vom Pontifex maximus
getragen ward; jetzt Festgewand der katholischen Geistlichen, bei
denen es jedoch nur aus einer langen Binde von weißer Seide
oder Silberstoff besteht, die, mit drei Kreuzen am Ende versehen,
bei den Priestern über beide Schultern und die Brust
kreuzweise, bei den Diakonen bloß über die linke
Schulter nach der rechten Hüfte zu herabhängt (s. Alba,
Abbild.). Ein ähnliches Gewandstück trugen auch die
ältern französischen und englischen Könige.
Stolac, Bezirksstadt in Bosnien (Kreis Moftar), an der
Bregava, hat eine weitläufige, mit Türmen versehene
uralte Burg, ein Bezirksgericht, (1885) 3397 meist mohammedan.
Einwohner und Weinbau.