Stockach, Stadt im bad. Kreis Konstanz, an der Stockach

und der Linie Radolfzell-Mengen der Badischen Staatsbahn, 494 m

ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein

Bezirksamt, ein Amtsgericht, eine Bezirksforstei, Spinnerei,

Weberei, Teigwarenfabrikation, 3 Kunstmühlen und (1885) 2065

meist kath. Einwohner. - S. war ehedem Hauptstadt der

Landgrafschaft Nellenburg-Thengen, mit welcher es 1645 an

Österreich, 1805 an Württemberg und 1810 an Baden

überging. Hier siegte 25. März 1799 Erzherzog Karl

über die Franzosen unter Jourdan (s. Liptingen).

Stockausschlag, s. Knospe.

Stockbörse, s. Stock.

Stockbücher, s. Grundbücher.

Stöckke und Stockwerke, s. Bergbau, S. 722,

Erzlagerstätten und Lagerung der Gesteine.

Stößer, Adolf, preuß. Hofprediger, geb.

11. Dez. 1835 zu Halberstadt, studierte in Halle und Berlin

Theologie und Philologie, wurde 1863 Pfarrer in Seggerde bei

Halberstadt und 1866 in Hamersleben. 1871 ging er als

Divisionspfarrer nach Metz und 1874 als Hof- und Domprediger nach

Berlin. Das dreiste Auftreten der Sozialdemokratie und ihre

offenkundigen revolutionären Bestrebungen veranlagen S., 1877

in öffentlichen Versammlungen gegen die Führer der

Sozialdemokraten aufzutreten und durch Stiftung einer

christlich-sozialen Partei die Arbeiter für christliche und

patriotische Anschauungen wiederzugewinnen, zugleich aber ihre

Forderungen des Schutzes gegen die Ausbeutung des Kapitals und

338

Stockerau - Stockhausen.

einer bessern sozialen Lage zu unterstützen. Die neue

Partei gewann aber nur an wenigen Orten zahlreichere Anhänger,

da S. durch seinen fanatischen Eifer gegen alles, was liberal

hieß, besonders in kirchlicher Beziehung die Opposition der

öffentlichen Meinung gegen sich herausforderte. Auch ging er

in seinen Agitationen gegen das Judentum oft weiter, als es sich

mit seiner Stellung vertrug. 1879 wurde er von einem

westfälischen Wahlkreis in das Abgeordnetenhaus und 1880 auch

in den Reichstag gewählt, wo er sich der streng konservativen

Partei anschloß. Da S. durch seine sozialpolitische

Thätigkeit die auf der Mitwirkung der

Mittel-(Kartell-)Parteien beruhende Politik der Regierung

störte, so mußte er 1889 versprechen, ferner auf

politische Agitationen zu verzichten. Er veröffentlichte

mehrere Jahrgänge "Volkspredigten" und eine Sammlung seiner

Reden und Aufsätze: "Christlich-sozial" (Berl. 1885).

Stockerau, Marktflecken in der niederösterreich.

Bezirkshauptmannschaft Korneuburg, am Göllersbach und an der

Österreichifchen Nordwestbahn, Sitz eines Bezirksgerichts, mit

Pfarrkirche, Kavalleriekaserne, Realgymnasium, Fabriken für

Ceresin, Kerzen u. Seifen, Farben, Posamentierwaren u. (1880) 5955

Einw.

Stockfagott, f. Rackett.

Stockfalke, s. Habicht.

Stockfäule, f. Rotfäule.

Stockfisch, f. Schellfisch.

Stockfleth, Niels Joachim Christian Vibe, Apostel der

Lappländer, geb. 11. Jan. 1787 zu Christiania, stand erst in

schleswigschen und norwegischen Militärdiensten, studierte

dann Theologie in Christiania und ward 1825 Prediger zu Vadsöe

in Ostfinnmarken, in der Nähe des Nordkaps. Hier sowie in

Lebesby, ebenfalls in Ostfinnmarken, wohin er dann

übersiedelte, war sein Streben auf Herstellung einer

volkstümlichen lappländischen Litteratur gerichtet. Es

erschienen von ihm in lappländischer Sprache eine Fibel, eine

Übersetzung von Luthers "Kleinem Katechismus", eine

lappländische Grammatik (1840) und ein Neues Testament (1850).

Seit 1839 seines Predigerdienstes enthoben, um ungestörter

seinen Studien obliegen zu können, veröffentlichte er

noch : "Lappisk Sproglære" (Christ. 1850) ; "Norsklappisk

Ordbog" (das. 1852); eine Untersuchung "Om de finske Sprogforholde

in Finmarkens og Nordlandenes Amter" (das. 1851) und "Dagbog over

mine Missionsreiser i Finmarken" (das. 1860). Er starb 26. April

1866 in dem Städtchen Sandefjord.

Stockgetriebe, s. Trilling.

Stöckhardt, 1) Julius Adolf, Chemiker, geb. 4. Jan.

1809 zu Röhrsdorf bei Meißen, erlernte die Pharmazie in

Liebenwerda, studierte dann in Berlin, arbeitete nach einer Reise

nach England und Frankreich bei Struve in Dresden, ward 1838 Lehrer

der Naturwissenschaft daselbst, 1839 Lehrer der Chemie und Physik

an der Gewerbeschule in Chemnitz und 1847 Professor der

Agrikulturchemie an der Akademie zu Tharandt, wo er 1. Juni 1886

starb. Früherhin besonders der gewerblichen Chemie, namentlich

in Bezug auf Farbenfabrikation, beflissen, wandte er sich seitdem

vornehmlich der Agrikulturchemie zu und erwarb sich namhafte

Verdienste um dieselbe, besonders auch durch seine zahlreichen

Vorträge in Vereinen und Versammlungen. Er schuf das Institut

der agrikulturchemischen Versuchsstationen, welche sich in der

Folge zu landwirtschaftlichen Stationen erweiterten und für

den Fortschritt der Landwirtschaft höchst bedeutend wurden.

Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Schule der Chemie"

(Braunschw. 1846, 19. Aufl. 1881); "Chemische Feldpredigten

für deutsche Landwirte" (4. Aufl., Leipz. 1857);

"Guanobüchlein" (4. Aufl., das. 1856). Seit 1840 gab er mit

Schober die "Zeitschrift für deutsche Landwirtschaft" heraus

und seit 1855 als Fortsetzung der "Chemischen Feldpredigten" den

"Chemischen Ackersmann" (Lpz.).

2) Ernst Theodor, Landwirt, geb. 4. Jan. 1816 zu Bautzen,

widmete sich der Landwirtschaft und errichtete auf dem von ihm

gepachteten Rittergut Brösa bei Bautzen eine

landwirtschaftliche Lehranstalt, welche bald bedeutenden Ruf

erlangte. 1850 ward er Professor der landwirtschaftlichen

Disziplinen an der höhern Gewerbeschule zu Chemnitz und wirkte

hier sehr wesentlich für die Hebung der Landwirtschaft. 1861

folgte er einem Ruf nach Jena als Professor der Landwirtschaft und

Direktor einer landwirtschaftlichen Lehranstalt. 1862 übernahm

er auch die Direktion der Ackerbauschule zu Zwätzen, und

gleichzeitig war er als Vorsitzender der landwirtschaftlichen

Zentralstelle, der Thüringer Wanderversammlung etc.

thätig. 1872 ward er als Ministerialrat nach Weimar berufen

und gleichzeitig zum Kommissar der landwirtschaftlichen

Zentralstelle, der Gewerbekammer für das Großherzogtum

und zum Immediat-Finanzkommissar der Universität Jena ernannt.

Dem deutschen Landwirtschaftsrat gehört er seit dessen

Gründung an. Er schrieb: "Bemerkungen über das

landwirtschaftliche Unterrichtswesen" (Chemn. 1851); "Die Drainage"

(Leipz. 1852); "Der angehende Pachter" (mit A. Stöckhardt, 2.

Aufl., Braunschw. 1869); "Die Entwickelung der landwirtschaftlichen

Lehranstalt zu Jena 1861-67". Auch redigierte er 1855-66 die

"Zeitschrift für deutsche Landwirte" und 1863-1872 die

"Landwirtschaftliche Zeitung für Thüringen".

Stockhausen, Julius, Konzertsänger (Bariton), geb. 22. Juli

1826 zu Paris als Sohn des Harfenspielers Franz S. aus Köln,

wurde am Pariser Konservatorium gebildet und zeichnete sich schon

während seiner Lehrzeit so vorteilhaft aus, daß ihm von

Habeneck die Leitung der Proben zu den musikalisch-dramatischen

Übungen der Schüler übertragen wurde. Seine

höhere Ausbildung als Sänger erhielt er von Manuel Garcia

in London, woselbst er auch 1848 am Italienischen Theater mit

Glück debütierte. Später wirkte er mit gutem Erfolg

als Bühnensänger in Mannheim und an der Opéra

Comique in Paris. Seine Haupttriumphe feierte S. aber als

Konzertsänger, namentlich steht er als Liedersänger

einzig in seiner Art da. 1862 übernahm er die Direktion der

Hamburger philharmonischen Konzerte, nachdem er das Jahr zuvor in

Gebweiler im Elsaß seine Kräfte als Chor- und

Orchesterdirigent erprobt hatte. Sieben Jahre später folgte er

einem Ruf nach Stuttgart, wo er zum Kammersänger und

Gesangsinspektor ernannt war, gab jedoch diese Stelle im folgenden

Jahr wieder auf, um längere Konzertreisen zu unternehmen. Von

1874 bis 1878 wirkte er in Berlin als Direktor des Sternschen

Gesangvereins und entwickelte zugleich eine ungemein fruchtbare

Lehrthätigkeit. Dann nahm er ein Engagement als erster

Gesanglehrer am Hochschen Konservatorium in Frankfurt a. M. an,

legte indessen 1880 dies Amt nieder und gründete daselbst eine

eigne Schule. S. verdankt seine außerordentlichen Erfolge als

Sänger nicht so sehr seinen natürlichen Stimmmitteln als

vielmehr dem vollendeten Kunstgeschmack, mit welchem er seine

lyrischen Gebilde zu beleben weiß, wobei die tadellose

Reinheit seiner Textesausspache wesentlich mitwirkte. Seine

"Gesangsmethode" erschien in der Edition Peters (Leipz. 1885).

339

Stockholm (Län) - Stockholm (Stadt).

Stockholm, schwed. Län, begreift den östlichen

Teil von Upland und den nordöstlichen Teil von

Södermanland, grenzt im W. an das Län Upsala, im SW. an

Södermanland, ist zu fast 4/5 des Umfanges von der Ostsee und

dem Mälar umgeben und hat (mit der Stadt S.) ein Areal von

7643,7 qkm (138,6 QM.). Die Küstenlandschaften sind bergig und

bewaldet, während weiter im Innern offene Ebenen mit Seen und

Wäldern und größere oder kleinere Bodenerhebungen

abwechseln. Die Bevölkerung zählt ohne die Stadt S.

(1888) 152,160 Seelen. Von der uralten Kultur Uplands zeugen unter

anderm zahlreiche Runensteine. Der Boden ist im ganzen fruchtbar,

doch nimmt das Ackerland nur 14,5 Proz. der Bodenfläche ein,

während auf natürliche Wiesen 9 und auf Wald 51 Proz.

entfallen. Angebaut werden vornehmlich Hafer (1886: 744,000 hl

geerntet), Roggen (353,000 hl), Mengkorn, Gerste und Weizen. 1884

zählte man 21,397 Pferde, 84,389 Stück Rindvieh, 39,823

Schafe, 16,441 Schweine. Von großer Bedeutung sind Fischerei,

Schiffahrt und Handel.

Stockholm (hierzu der Stadtplan, mit Karte der Umgebung

von S.), Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Schweden,

liegt am Ausfluß des Mälar in die Ostsee (Salzsee

genannt), welche einen insel- und schärenreichen Busen bildet,

und ist durch Eisenbahnen mit Malmö, Gotenburg, Christiania

und Drontheim verbunden. Die einzelnen Teile der Stadt sind:

Staden, die eigentliche Stadt, in der Mitte des Ganzen auf einer

Insel gelegen, mit den dazu gehörigen kleinern Inseln

Riddarholm und Helgeandsholm; Södermalm ("Südvorstadt")

im Süden, groß und regelmäßig gebaut, aber

sehr uneben, durch zwei Zugbrücken mit der eigentlichen Stadt

verbunden; Norrmalm ("Nordvorstadt") im N., durch die aus

Granitquadern erbaute neunbogige Nordbrücke und seit 1878

durch die westlich davon belegene Wasabrücke mit der Stadt und

durch eine 1861 vollendete eiserne Brücke mit dem Skeppsholm

("Schiffsinsel") verbunden, von wo eine hölzerne Brücke

nach dem Kastellholm führt, welche beide Inseln die

Marineetablissements enthalten; Kungsholm ("Königsinsel") im

W. von Norrmalm; Ladugårdslandet ("Meiereiland") im NO. von

Norrmalm, jetzt Östermalm genannt, die Kasernen enthaltend.

Hierzu kommt noch die mit dem vorigen Stadtteil

zusammenhängende Tiergartenstadt mit Beckholm. Außerdem

liegen bei Södermalm im Mälar die beiden Inseln

Langholmen, mit Straf- und Besserungsanstalt, und Reimersholmen.

Die Stadt enthält 40 öffentliche Plätze und ca. 300

Straßen und Gassen. Die Eisenbahn, welche über den

Mälar mittels einer großen Brücke geführt ist,

durchschneidet einen großen Teil der Stadt. Die eigentliche

Stadt ist an der Salzsee und am Mälar mit einem Kai von Granit

umgeben, welcher sich auch jenseit der Nordbrücke am Norrmalm

noch eine gute Strecke fortsetzt und den Hafen begrenzt. An der

Salzsee zieht sich eine breite Straße, die Schiffbrücke,

hin, an der Westseite mit ansehnlichen Häusern besetzt

(darunter die Bank und das Pack- oder Zollhaus). Am Fuß des

mit einem hohen Obelisken von Granit gezierten Schloßbergs

steht die Statue Gustavs III. (von Sergel) sowie zwischen dem

Mälarsee und der Salzsee die Reiterstatue von Karl XIV. Johann

(von Fogelberg). Plätze am Mälar sind: der

Ritterhausplatz (mit der Statue Gustav Wasas), von wo man über

eine Brücke auf den Riddarholm gelangt, welcher außer

der als Königsgruft benutzten Riddarholmskirche (mit 90 m

hohem Turm, zum Teil Gußeisen, seit 1839) mit fast lauter

öffentlichen Gebäuden (Haus des Reichstags, Hofgericht

etc.) besetzt und mit der Statue des Birger Jarl, des Gründers

der Stadt, geziert ist. Für den täglichen Verkehr

bestimmt sind die Plätze: Mönchsbrücke, Fleischmarkt

und Kornhafen. Unter den Plätzen der innern Stadt ist nur der

Große Markt bemerkenswert wegen des Stockholmer Blutbades vom

8. Nov. 1520, mit dem schönen Börsengebäude. Auf

Norrmalm sind der Gustav Adolfsplatz, mit der Reiterstatue des

Helden und dem königlichen Theater, sodann der

Brunkebergsplatz, der Heumarkt und der Platz Karls XIII. an der

Salzsee (mit der Statue des Königs), endlich auf Blasiiholm

der Berzeliusplatz, mit der Statue des berühmten Chemikers

(von Quarnström), zu bemerken. Die schönsten

Straßen hat Norrmalm, darunter die Regierungs-(Regeringsgata)

u. Königinstraße (Drottninggata). Unter den Kirchen ist

keine von besonderer architektonischer Bedeutung. Die Hauptkirche

St. Nikolai (aus dem 13. Jahrh., 1736-43 umgebaut) wird als

Krönungskirche benutzt. Unter den weltlichen Gebäuden

nimmt das königliche Schloß, am nördlichen Ende der

eigentlichen Stadt, den ersten Rang ein. Es wurde 1697-1753 nach

Nik. Tessins Plänen im edelsten neuitalienischen Stil

aufgeführt und bildet ein großes Viereck mit vier

niedrigern Flügeln an den Ecken und zwei halbrunden, frei

stehenden Flügelgebäuden an der Westseite. Sonst sind von

Gebäuden noch zu nennen: der Palast des Oberstatthalters; in

Norrmalm der Palast des Erbprinzen (gegenwärtig unbewohnt),

die Akademie der Wissenschaften, das Observatorium, das

Nationalmuseum (1850-65 nach Stülers Zeichnungen

aufgeführt), der große Zentralbahnhof, das Gebäude

der Reichsbibliothek (ca. 250,000 Bände) u. a.; auf Kungsholm

die Krankenhäuser und außerhalb der Stadt die

Kriegshochschule Marieberg u. a. Die Stadt besitzt seit 1861 eine

treffliche Wasserleitung. Promenaden sind: das Stromparterre, der

Humlegarten, besonders aber der Tiergarten im O. der Stadt, mit

Villen, Wirtshäusern, Theater, dem königlichen

Lustschloß Rosendal etc. Die Bevölkerung der Stadt

betrug Ende 1887: 227,964 Seelen, meist Lutheraner (1880 nur 577

Römisch-Katholische und 1259 Juden). Die Industrie ist

lebhaft. Die meisten Gewerbe werden fabrikmäßig

betrieben; außerdem gibt es mehrere Zuckerraffinerien,

Tabaks-, Seiden- und Bandfabriken, mechanische Werkstätten

(darunter 3 große), Stearin- und Talgfabriken, Lein- und

Baumwollzeugwebereien, Lederfabriken, Eisengießereien etc.

1883 besaß die Stadt 292 Fabriken, deren Fabrikate einen Wert

von 33 1/2 Mill. Kronen hatten. Der Handel, durch die Lage der

Stadt und gute Häfen sehr begünstigt, ist zwar noch sehr

lebhaft; doch beginnen andre Städte des Landes, namentlich

Gotenburg, mit S. erfolgreich zu rivalisieren. Drei Wasserwege

führen durch die Schären zur Stadt: im N. bei Furusund,

im O. bei Sandhamn und im Süden bei Landsort an Dalarö

vorbei. Da aber diese Wege lang und schwierig sind und der Hafen

jährlich 3-5 Monate lang durch Eis gesperrt ist, so ist die

Anlage eines äußern Hafens bei dem Gut Nynäs, etwa

50 km von der Stadt, projektiert, welcher durch Eisenbahn mit S. in

Verbindung gesetzt werden soll. Die Stockholmer Schiffsdocks sind

neuerdings sehr erweitert worden. Die Stadt be-

Wappen von Stockholm.

UMGEBUNG VON STOCKHOLM. 1 : 15OOOO.

339b

STOCKHOLM

Adolf Fredriks-Kyrka BC1

Arfprinsens-Pal. C3

Baptist-K. C2

Bibliotheket D4

Blasiholmen D3

Bernharden B3

Börsen CD4

Djurgarden F3,4

Dramat. Teater

Drottninggatan D3

Gustav-Adolfs-Torg C3

Helgeandsholm C3

Hötorget C2

Hundegarden D1

Jakobs-K. C3

Johiannis-K. C1

Kanzli C3,4

Karl Johanns-K. E4

Karl XIII Torg CD2,3

Kastellholmen E4

Katharina-K. D5

Konigl. Slottet D3,4

Konigl. Stora Teater C3

Konst. Akademi C3

Kungsholms Kyrka A3

Lodugardslands-K. D2

Lif Gardets-Kas. E2

Mosebacke D5

Musik Akademi B3

National-Museum D3

Nia. Teater D3

Nikolai-K. CD4

Nord. Museum B2

Norrbro C3

Norska Statsmin. Höt. D3

Posthuset C3

Radhuset C4

Regeringsgatan C1-3

Riddarholmen C4

Riddarholms-K. C4

Riddarhuset C4

Riksbanken D4

Serafaner Laz. B3

Skeppsbron D3,4

Skeppsholmen E4

Slöjdskolan C2

Slussen D5

Stortorget CD4

Strömparterren CD3

Sven Lif-Gardets-Kas. F2

Synagoge D2,3

Trädgardsgatan CD2,3

Tyska Kyrka D4

Vetenskaps-Akad. BC4

Wasabro C3

Westerlängatan CD4

Wasagatan BC2,3

Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl. Bibliographisches Institut in

Leipzig. Zum Artikel »Stockholm«.

340

Stockhorn - Stockport.

saß 1883 eine Handelsflotte von 277 Schiffen, davon 192

Dampfschiffe von 21,184 Ton. Die innere Kommunikation der Stadt

wird durch viele kleine Dampfschiffe sowie Omnibusse und

Pferdebahnen besorgt. Als Beförderungsmittel des Handels sind

zu nennen: die Reichsbank, die Stockholmer Privatbank, die

Börse, die Seeassekuranz etc. Die Einfuhr besteht vornehmlich

in Getreide (Roggen, Weizen), Mehl, Wein, Reis, Heringen, Ölen

und Ölkuchen, Kupfer, Zink, Baumwolle, Korkrinde, die Ausfuhr

in Eisen und Stahl, Hafer, Teer, Thran, Asphalt. Im

ausländischen Verkehr kamen 1886: 1769 Schiffe von 598,889

Ton. an, 1790 Schiffe von 605,572 Ton. gingen ab. Von

Wohlthätigkeitsanstalten sind das große und das

Freimaurerwaisenhaus, die Murbeksche Erziehungsanstalt, ein

großes Entbindungshaus (auf Kungsholm), ein Taubstummen- und

Blindeninstitut, das Irrenhaus auf Konradsberg zu bemerken. Von

wissenschaftlichen Anstalten hat die Stadt eine Akademie der

Wissenschaften mit Sternwarte und das naturhistorische Relchsmuseum

sowie Akademien der Geschichte und Altertumskunde, der freien

Künste, der Musik, der Kriegswissenschaften, des Landbaues

(mit Versuchsstation). S. besitzt zahlreiche öffentliche

Lehranstalten, darunter zwei für Ausbildung von Lehrerinnen,

und gelehrte Schulen. Fachschulen sind außer der genannten

Kriegshochschule: eine Artillerie- und eine Seekriegsschule, das

Karolinische medizinisch-chirurgische Institut, das gymnastische

Zentralinstitut, eine technische Hochschule, eine Gewerbeschule,

Navigationsschule, Veterinärschule, ein pharmazeutisches und

ein Forstinstitut. Eine Universität ist in der Bildung

begriffen. Von Kunstinstituten verdienen Erwähnung das

Nationalmuseum, welches Sammlungen ägyptischer und

vorhistorischer Altertümer, von Skulpturen, Gemälden und

Kupferstichen enthält, und das für die Völkerkunde

des skandinavischen Nordens wichtige Nordische Museum. Von den

fünf Theatern sind am bedeutendsten das Opernhaus, das Neue

Theater und das Dramatische Theater. S. ist Sitz der

sämtlichen höchsten Reichskollegien u.

Regierungsdepartements sowie zahlreicher auswärtiger

Gesandtschaften und Konsuln (darunter auch ein deutscher

Berufskonsul). Die Ausgaben der Stadt beliefen sich 1884 auf 16,6

Mill. Kronen, das Vermögen auf 43,2 Mill. Kr., die Schulden

auf 41,3 Mill. Kr. In der Umgebung Stockholms liegen das

Lustschloß Haga mit Park, Ulriksdal und auf der

Mälarinsel Lofö Drottningholm, das schönste der

königlichen Lustschlösser, mit herrlichen Parkanlagen.

Die Stadt S. ist wahrscheinlich aus einem Fischerdorf entstanden,

das auf einer der zahlreichen Inseln lag. Als 1187 die Esthen in

Schweden einfielen, erbaute der König Knut Erikson, um die

Räuber abzuhalten, an der Stelle, wo jetzt S. liegt, ein

Schloß, um welches sich nach und nach ein Flecken bildete,

den König Birger 1255 zur Stadt erhob. 1389 wurde S. von der

Königin Margarete von Dänemark belagert und auf Befehl

des gefangenen Königs Albrecht (von Mecklenburg)

übergeben. In der Nähe erfochten 14. Okt. 1471 die

Schweden unter Sten Sture jenen glänzenden Sieg über die

Dänen, welcher der dänischen Herrschaft über

Schweden ein Ende machte. 1497 ward hier von den Schweden ein

abermaliger Sieg über die Dänen erfochten. Christian II.

belagerte die Stadt 1518 vergebens, nahm sie aber 1520 nach einer

neuen Belagerung durch Vertrag ein, worauf im November das

berüchtigte Stockholmer Blutbad erfolgte, bei welchem

Christian, um seinen Thron zu befestigen, mehrere hundert

schwedische Edelleute und Bürger hinrichten ließ. Vgl.

Ferlin, Stockholmstad (Stockh. 1854-58, 2 Bde.); Wattenbach, S.,

ein Blick auf Schwedens Hauptstadt (Berl. 1872); Lundin und

Strindberg, Gamla S. ("Das alte S.", Stockh. 1882); Heurlin,

Illustrated guide to S. (das. 1888).

Stockhorn, s. Freiburger Alpen.

Stockkrankheit (Knoten, Kropf, Wurmkrankheit), eine durch

Älchen (Anguillula) veranlaßte Krankheit des Roggens,

bei welcher die jungen Pflanzen nach Ausgang des Winters dicht bei

einander stehende, schmale und kurze Blätter entwickeln, meist

keinen langen Halm treiben und zuletzt unter Gelbwerden absterben.

Die Parasiten leben in den Stengelgliedern des jungen Halms und im

Grunde der Blattscheiden. Nach Kühn erzeugt dieselbe

Älchenart auch die Kernfäule der Kardenköpfe

(Kardenkrankheit), bei welcher dieselben im Innern sich

bräunen und die Fruchtknoten sich zu verkümmerten

Körnern entwickeln.

Stocklack, s. Lack.

Stockloden, aus dem Stock eines abgehauenen Baumstamms

sich entwickelnde Schößlinge.

Stockmalve, Stockrose, s. Althaea.

Stolkmar, Christian Friedrich, Freiherr von, deutscher

Staatsmann, geb. 22. Aug. 1787 zu Koburg aus einer mit Gustav Adolf

nach Deutschland gekommenen schwedischen Familie, studierte 1805-10

Medizin, ließ sich darauf in Koburg als Arzt nieder, diente

1814 und 1815 als Militärarzt in den Lazaretten am Rhein, ward

1816 Leibarzt des Prinzen Leopold von Koburg, als dieser sich mit

der präsumtiven Thronerbin von England vermählte, und

blieb von da an der einsichtigste, einflußreichste und

uneigennützigste Ratgeber und Vertraute desselben. 1821 ward

er in den Adel- und 1831 in den bayrischen Freiherrenstand erhoben.

Bei den Verhandlungen über die Erhebung Leopolds auf den

griechischen und dann auf den belgischen Thron stand S. dem Prinzen

aufs treueste zur Seite, er war sein Agent bei den Londoner

Konferenzen, und während er ihm von der Annahme der

griechischen Krone abriet, beförderte er seine Wahl zum

König von Belgien und unterstützte ihn durch weise

Ratschläge. Nachdem er 1834 aus seiner Stellung bei Leopold

ausgeschieden, stand er 1837 der Königin Viktoria bei ihrer

Thronbesteigung mit seinem Rat bei, begleitete 1838-39 den Prinzen

Albert von Koburg nach Italien und blieb nach dessen

Vermählung mit der Königin Vertrauter und Hausfreund des

Königspaars. Er nahm, teils in England, teils in Koburg

lebend, an allen wichtigen Verhandlungen beratenden Anteil, war

1848 koburgischer Gesandter beim Bundestag, wo er für die

Einigung Deutschlands unter Preußens Führung zu wirken

suchte, und starb 9. Juli 1863 in Koburg. Vgl. die von seinem Sohn

Ernst von S. (geb. 7. Aug. 1823, gest. 6. Mai 1886) herausgegebenen

"Denkwürdigkeiten aus den Papieren des Freiherrn Chr. F. v.

S." (Braunschw. 1872); Juste, Le baron S. (Brüssel 1873).

Stockmorchel, s. Helvella.

Stockport, Fabrikstadt in Cheshire (England), 8 km

südöstlich von Manchester, am Mersey, über den

fünf Brücken und ein großartiger Eisenbahnviadukt

führen, alt, aber erst in neuerer Zeit infolge der

Baum-wollindustrie zu einer volkreichen Stadt herangewachsen. Sie

ist auf unebenem Terrain unregelmäßig gebaut, hat eine

große eiserne Markthalle, ein Theater, eine Freibibliothek u.

großartige Baumwollindustrie,

341

Stockrose - Stoffwechsel.

ferner Fabriken von Hüten, Maschinen, Bürsten, Eisen-

und Messingwaren und (1881) 59,553 Einw.

Stockrose, s. Althaea.

Stockschnupfen, s. Schnupfen.

Stockschwamm, s. Agaricus V.

Stockflößer, s. Sperber.

Stockteilung, Vermehrungsmethode bei Stauden und kleinen

Sträuchern mit vielen Trieben, besteht im Zerschneiden des

Wurzelstocks in so viele Teile, als sich Triebe oder Knospen daran

befinden.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 98 / 302 段