Stimulieren (lat.), anreizen; Stimulantia, Reizmittel (s.

Erregende Mittel); Stimulation, Reizung, Anregung.

Stinde, Julius, Schriftsteller, geb. 28. Aug. 1841 zu

Kirch-Nüchel in Holstein, studierte Chemie und

Naturwissenschaften, war, nachdem er 1863 promoviert, in Hamburg

mehrere Jahre als Fabrikchemiker thätig, übernahm aber

schließlich die Redaktion des "Hamburger Gewerbeblatts" und

widmete sich ganz der Schriftstellerei, insbesondere dem

naturwissenschaftlichen Feuilleton. Außer zahlreichen

Aufsätzen in Fachzeitschriften veröffentlichte er:

"Blicke durch das Mikroskop" (Hamb. 1869); "Alltagsmärchen",

Novelletten (2. Aufl., das. 1873, 2 Bde.); "Naturwissenschaftliche

Plaudereien" (das. 1873); "Die Opfer der Wissenschaft" (unter dem

Pseudonym Alfred de Valmy, 2. Aufl., Leipz. 1879); "Aus der

Werkstatt der Natur" (das. 1880, 3 Bde.) u. a. Für die

Bühne schrieb S. eine Anzahl mit großem Erfolg

aufgeführter plattdeutscher Komödien, wie: "Hamburger

Leiden", "Tante Lotte", "Die Familie Karstens", "Eine Hamburger

Köchin", "Die Blumenhändlerin" u. a.; ferner das

Lustspiel "Das letzte Kapitel", die beiden Weihnachtsmärchen:

"Prinzeß Tausendschön" und "Prinz Unart" sowie

gemeinschaftlich mit G. Engels das Volksstück "Ihre Familie".

Seit 1876 in Berlin lebend, schrieb er noch: "Waldnovellen" (Berl.

1881, 2. Aufl. 1885); "Das Dekamerone der Verkannten" (das. 1881,

2. Aufl. 1886); "Berliner Kunstkritik und Randglossen" (das. 1883)

und seine ergötzlichen Bücher über die Familie

Buchholz: "Buchholzens in Italien" (Berl. 1883), "Die Familie

Buchholz" (das. 1884), "Der Familie Buchholz zweiter Teil" (das.

1885), "Der Familie Buchholz dritter Teil: Frau Wilhelmine" (das.

1886), welche seinen Namen am bekanntesten machten und in

zahlreichen Auflagen erschienen; endlich "Frau Buchholz im Orient"

(das. 1888); "Die Perlenschnur und andres" (das. 1887).

Stinkasant, s. Asa foetida.

Stinkasantpflaster, s. Pflaster.

Stinkbaum, s. Sterculia.

Stinkholz von Guayana, s. Gustavia.

Stinkkalk, s. Kalkspat.

Stinkkohle, s. Braunkohle, S. 356.

Stinkmalve, s. Sterculia.

Stinkmarin, s. Skink.

Stinknase (griech. Ozäna), eine krankhafte Affektion

der Nasenhöhle mit äußerst widerwärtigem,

manchmal direkt fauligem Geruch der ausströmenden Luft.

Derselbe rührt in vielen Fällen von einer fauligen

Zersetzung des zurückgehaltenen Schleimhautsekrets her,

besonders bei engen und verbogenen Nasenkanälen und

Krankheiten der Nebenhöhlen der Nase. In andern Fällen

ist ein wirklich jauchiger Ausfluß vorhanden, herstammend von

wirklichen Nasengeschwüren und am häufigsten durch

syphilitische oder skrofulöse Verschwärung der

Schleimhaut und der Nasenknochen bedingt. Die Behandlung kann nur

auf Grund sorgfältiger ärztlicher Untersuchung erfolgen

und hat das Grundübel sowie das Symptom selbst zu

bekämpfen. Letzteres geschieht durch Ausspülen der Nase

mit schwachem Salzwasser, Lösungen von Alaun, Tannin,

übermangansaurem Kali etc. mit Hilfe der Nasendouche, deren

ungeschickter Gebrauch aber böse Entzündungen des

Mittelohrs veranlassen kann.

Stinkspat (Stinkstein), s. Kalkspat.

Stinktier (Mephitis Cuv.), Raubtiergattung aus der

Familie der Marder (Mustelida), dem Dachs ähnlich, nur

schlanker gebaute Tiere mit kleinem, zugespitztem Kopf,

aufgetriebener, kahler Nase, kleinen Augen, kurzen, abgerundeten

Ohren, kurzen Beinen, mäßig großen Pfoten,

fünf fast ganz miteinander verwachsenen Zehen, ziemlich

langen, schwach gekrümmten Nägeln, mindestens auf den

Ballen nackten Sohlen und langem, dicht behaartem Schwanz. Sie

besitzen zwei haselnußgroße Stinkdrüsen, welche

sich innen in den Mastdarm öffnen und eine gelbe,

ölähnliche Flüssigkeit von furchtbarem Gestank

absondern, die das Tier zur Verteidigung mehrere Meter weit

fortspritzen kann. Die Stinktiere leben in Amerika und Afrika,

besonders in steppenartigen Gegenden, liegen am Tag in hohlen

Bäumen, Felsspalten oder selbstgegrabenen Erdhöhlen und

jagen nachts auf kleine Wirbeltiere und niedere Tiere, fressen aber

auch Beeren und Wurzeln. Die Chinga (M. varians Gray), 40 cm lang,

mit fast ebenso langem Schwanz, ist schwarz, mit zwei weißen

Streifen auf dem Rücken und Schwanz, und bewohnt Nordamerika,

besonders die Hudsonbailänder. Sie lebt in Gehölzen

längs der Flußufer und in Felsengegenden, ist in ihren

Bewegungen langsam und unbeholfen, verteidigt sich lediglich durch

Ausspritzen des stinkenden Sekrets, gerät aber leicht in Zorn

und greift dann auch an.

335

Stint - Stirling-Maxwell

In der Gefangenschaft wird sie sehr zahm und entleert ihre

Drüse nur, wenn sie stark gereizt wird. Man benutzt das Fell

als Pelzwerk (s. Skunks), den Drüseninhalt als

nervenstärkendes Mittel.

Stint (Osmerus Cuv.), Gattung aus der Ordnung der

Edelfische und der Familie der Lachse (Salmonoidei), gestreckt

gebaute Fische mit starker, von der der Lachse bedeutend

abweichender Bezahnung und mittelgroßen Schuppen. Der gemeine

S. (Alander, O. eperlanus Lac.), 13-20 und 30 cm lang, auf dem

Rücken grau, an den Seiten silberfarben, bläulich oder

grünlich schimmernd, am Bauch rötlich, lebt in der Nord-

und Ostsee, auch in Haffen und größern

Süßwasserseen Norddeutschlands, bildet stets

größere Gesellschaften, hält sich im Winter in der

Tiefe verborgen, geht im Frühjahr weit in die Flüsse

hinauf (bis Anhalt, Sachsen, Minden) und legt seine kleinen, gelben

Eier aus sandigen Stellen ab. Die Jungen gehen im August ins Meer.

Das Auftreten des Stints ist sehr schwankend: während er in

manchen Jahren in unschätzbarer Menge erscheint, findet er

sich in andern Jahren nur spärlich, ohne daß sich

hierfür bestimmte Gründe angeben ließen. Man

fängt den S. während des Aufsteigens in großen

Massen; er riecht zwar unangenehm, schmeckt aber trefflich.

Vorteilhaft wird er auch als Nahrung für wertvollere Fische in

Teiche gesetzt. Bisweilen benutzt man ihn als Dünger.

Stintzing, Johann August Roderich von, namhafter Romanist

und Literarhistoriker, geb. 8. Febr. 1825 zu Altona, studierte in

Jena, Heidelberg, Berlin und Kiel die Rechte, bestand 1848, nachdem

er sich an der Erhebung der Herzogtümer gegen Dänemark

beteiligt, das Amtsexamen und ließ sich als Advokat in

Plön nieder, siedelte 1851 nach Heidelberg über, wo er

sich 1852 mit der Schrift "Das Wesen von bona fides und titulus in

der römischen Usukapionslehre" (Heidelb. 1852) als

Privatdozent in der juristischen Fakultät habilitierte. 1854

ging er als ordentlicher Prosessor der Rechte nach Basel, 1857 nach

Erlangen, wo ihm der persönliche Adel verliehen ward, 1870 mit

dem Charakter eines Geheimen Justizrats nach Bonn. Er starb 13.

Sept. 1883 durch einen Sturz von einem Berghang in Oberstdorf bei

Sonthofen (Bayern). Seine bedeutendsten Werke sind

litterargeschichtlichen Inhalts, wie: "Ulrich Zasius" (Basel 1857);

"Geschichte der populären Litteratur des

römisch-kanonischen Rechts in Deutschland" (Leipz. 1867);

"Hugo Donellus in Altdorf" (Erlang. 1869); "Geschichte der

deutschen Rechtswissenschaft" (Münch. u. Leipz. 1880-84, 2

Abtlgn.). Auch gab er J. de Wals "Beiträge zur

Litteraturgeschichte des Zivilprozesses" (Erlang. 1866) heraus.

Außerdem erwähnen wir: "Über das Verhältnis

der Legis actio sacramento zu dem Verfahren durch Sponsio

praejudicialis" (Heidelb. 1853); "Friedrich Karl v. Savigny" (Berl.

1862); "Macht und Recht" (Bonn 1876); "Georg Tanners Briefe an

Bonifacius und Basilius Amerbach" (das. 1879).

Stinzomarin, s. Skink.

Stipa L. (Pfriemengras), Gattung aus der Familie der

Gramineen, weitverbreitete, zierliche, ausdauernde Gräser mit

einblütigen, großen Grasährchen, grannenartig

gespitzten Hüllspelzen und lang begrannten, zusammengerollten

Deckspelzen. S. pennata L. (Federgras, Marienflachs, Reihergras),

30-90 cm hoch, mit steifem, hartem Halm, borstenartigen

Blättern, sparsam verästelter Rispe und 30 cm langen,

geknieten, federigen Grannen, wächst auf dürrem Boden,

wird zu Winterbouketts benutzt; ebenso S. capillata L.

(Federhaargras), mit sehr langen, geknieten, kahlen Grannen. S.

tenacissima L. (Macrochloa tenacissima Kunth), mit 90 cm langen,

cylindrischen, halmähnlichen Blättern, wächst in

Spanien und Nordafrika und findet als Esparto (s. d.) ausgedehnte

Verwendung.

Stipendium (lat.), Geldunterstützung, welche

namentlich Studierende auf eine bestimmte Zeit erhalten. Die

Stipendien werden entweder ganz im allgemeinen für Studierende

oder für ein besonderes Fachstudium oder mit

Berücksichtigung eines bestimmten Landes, Ortes, eines Standes

(Adelsstipendien) oder auch der Familienherkunft

(Familienstipendien) vergeben und zwar nach Maßgabe

ausdrücklicher Verfügungen der Stifter, wo solche

vorhanden sind. Vgl. Baumgart, Die Stipendien und Stiftungen an

allen Universitäten des Deutschen Reichs (Berl. 1885). Die

sogen. Reisestipendien werden jungen Gelehrten oder Künstlern

nach Vollendung ihrer Studien zu weiterer Ausbildung auf Reisen

verliehen.

Stipes (Mehrzahl: Stipites, lat.), Stiel, Stengel;

Stipites Dulcamarae, Bittersüßstengel.

Stipula (lat.), Nebenblatt (s. Blatt, S. 1015).

Stipulation (lat.), vertragsmäßige Festsetzung

zwischen zwei oder mehreren Personen, s. Vertrag.

Stirbey (Stirbei, Kalarasch), Hauptstadt des Kreises

Jalomitza in der Walachei, an dem Donauarm Bortscha, nahe dem

großen See von Kalarasch, Silistria gegenüber, Sitz des

Präfekten und eines Tribunals, mit 3 Kirchen, einem Gymnasium

und 7734 Einw. Hier hatten 1854 die Russen sich verschanzt und

schlugen 4. März d. J. einen Angriff der Türken

zurück.

Stirling, Hauptstadt der nach ihr benannten schott.

Grafschaft, am schiffbaren Forth und am Abhang eines steilen

Hügels (mit dem altberühmten S. Castle) gelegen, hat ein

altertümliches Gepräge, eine Kirche aus dem 15. Jahrh.,

ein Militärhospital (in dem ehemaligen Palais der Grafen von

Argyll), eine Kornbörse, ein Versorgungshaus, ein

Athenäum, landwirtschaftliches Museum, Latein- und

Kunstschule, Fabrikation von Wollwaren (Tartans), Gerberei,

Malzdarren, Ölmühlen und (1881) 12,194 Einw. Südlich

davon liegt das Dorf St. Ninian's, mit Nagelschmieden. - Als

"Schlüssel der schottischen Hochlande" spielte das in

unbekannter Zeit erstandene Schloß eine große Rolle. In

der benachbarten Ebene schlug Wallace 1297 die Engländer,

welchen Sieg ein Denkmal verherrlicht. 1304 bemächtigten sich

die Engländer des Schlosses, mußten es aber nach der

Schlacht von Bannockburn (1314) wieder räumen. An diesen Sieg

der Schotten erinnert eine 1877 vor dem Schloß errichtete

Statue von Robert Bruce. 1651 nahm der englische General Monk das

Schloß, und 1745 wurde es von den Hochländern vergeblich

belagert.

Stirling-Maxwell, Sir William, engl. Gelehrter, geb. 1818

zu Kenmure bei Glasgow, ward im Trinity College zu Cambridge

gebildet, lebte längere Zeit in Frankreich und Spanien, ward

1866 durch den Tod seines Onkels John Maxwell Baronet, 1872 Rektor

der Universität Edinburg, 1875 Kanzler der Universität

Glasgow sowie Kommissar am Britischen Museum und an der

National-Porträtgalerie. Er starb 15. Jan. 1878 in Venedig. S.

schrieb: "The annals of the artists of Spain" (1848, 3 Bde.; 2.

Aufl. 1853); "Cloister-life of Charles V." (1852; deutsch, Leipz.

1853) und "Velasquez and his works" (1855; deutsch, Berl.

1856).

336

Stirlingshire - Stöber.

Stirlingshire, Grafschaft im südlichen Schottland,

westlich am Forthbusen der Nordsee, umfaßt 1195 qkm (21,7

QM.) mit (1881) 112,443 Einw. und bildet im NW. ein kahles

Gebirgsland (Ben Lomond 973 m), das ein Strich Moorlandes von den

Campsie Fells (577 m) im Süden trennt, während der

östliche Teil eine Ebene mit fruchtbarem Ackerland darstellt.

Die bedeutendsten Flüsse sind: der Forth, Carron und Endrick.

Die Grafschaft enthält großen Mineralreichtum, besonders

an Steinkohlen und Eisen. Nur 24,9 Proz. der Oberfläche

bestehen aus Ackerland, 14,8 Proz. aus Wiesen, 1,8 Proz. aus Wald.

Die Viehzucht ist von Bedeutung (17,575 Schafe, 28,052 Rinder). Die

Industrie beschäftigt sich mit Wollweberei, Kattundruckerei,

Hüttenbetrieb und Eisengießerei. Der Südosten der

Grafschaft wird von dem Forth-Clydekanal durchzogen, welcher die

Nordsee mit dem Irischen Meer verbindet. - Geschichtlich

merkwürdig ist S. als der Schauplatz heftiger Kämpfe der

Römer mit den Kaledoniern, gegen welche jene den

berühmten Pikten- oder Hadrianswall (s. d.) zwischen dem

Forthbusen und dem Clydebusen errichteten.

Stirm, Karl Heinrich, protest. Theolog, geb. 22. Sept.

1799 zu Schorndorf, ward 1828 Landgeistlicher und 1835 Hofkaplan

und Mitglied des Konsistoriums in Stuttgart. In dieser Eigenschaft

entfaltete er eine einflußreiche Thätigkeit im Kirchen-

und Schulwesen seines Vaterlandes und starb als Prälat und

Oberkonsistorialrat 24. April 1873. Sein bekanntestes Werk ist die

"Apologie des Christentums in Briefen für gebildete Leser" (2.

Aufl., Stuttg. 1856).

Stirn (Frons), bei den Wirbeltieren diejenige Gegend des

Kopfes, welche die Stirnbeine zur knöchernen Grundlage hat,

beim Menschen also der vorderste unterste Teil des Vorderkopfes. Im

gewöhnlichen Leben wird sie mit zum Gesicht gerechnet, das

jedoch für den Anatomen erst unterhalb derselben anfängt.

Beim Menschen ist sie haarlos und ragt weit hervor, während

sie bei den übrigen Säugetieren gewöhnlich behaart

ist und stark hinter dem Mundteil zurücktritt. Bei den

Gliedertieren (Insekten, Krebsen etc.) wird der zwischen den Augen

liegende Teil des Kopfes gleichfalls S. genannt.

Stirnbein, s. Schädel, S. 373.

Stirner, Max, s. Schmidt 4).

Stirngrübler, Schafbremse, s. Bremen, S. 384.

Stirnhöhlen, s. Schädel, S. 373.

Stirnmauer, s. Gewölbe, S. 311.

Stirnnaht, s. Schädel, S. 373.

Stirnrad, Zahnrad, dessen Zähne auf einer

cylindrischen Fläche radial angebracht sind.

Stirnzapfen, am Ende einer Welle etc. befindliche Zapfen,

bei welchen der Druck rechtwinkelig gegen ihre Achse wirkt. Vgl.

Zapfen.

Stirnziegel, in der antiken Baukunst aufrecht stehende

Ziegel in Form von Palmetten und Köpfen, welche an der Ecke

eines Daches angebracht wurden. Vgl. Akroterien.

Stirps (lat.), Stamm.

Stirum, Ort, s. Styrum.

Stitny, Thomas von, Philosoph aus altem böhmischen

Geschlecht, lebte im 14. Jahrh., wahrscheinlich von 1325 bis 1410,

und hat sich als einer der ersten Zöglinge der von Kaiser Karl

IV. 1348 gegründeten Universität zu Prag durch

zahlreiche, meist auf seiner Burg Stitné bei Pilgram

verfaßte philosophische Schriften, die zu den besten

Prosawerken der böhmischen Litteratur gerechnet werden,

bekannt gemacht. Die darin niedergelegte Weltanschauung stimmt mit

der christlich-scholastischen, insbesondere des von ihm als

Autorität verehrten Thomas von Aquino, dem Inhalt nach

überein, unterscheidet sich von derselben jedoch sehr

wesentlich der Form nach, welche vielmehr homiletisch als

syllogistisch ist. Nähert er sich hierin den eifrigen

Predigern seines Zeitalters, den Vorläufern des spätern

Hussitentums, so entfernt er sich anderseits von deren fanatischem

Vernunfthaß, indem er die Vernunft als höchste

Autorität aufstellt. Sein Hauptwerk sind die bisher nur

teilweise veröffentlichten "Gespräche" (hrsg. von Erben,

Prag 1850; von Vrtátko, das. 1873). Vgl. Wenzig, Studien

über Ritter Thomas von S. (Leipz. 1856).

Stoa (griech.), s. v. w. Portikus (s. Halle); auch

gebraucht für die Lehre der Stoiker (s. d.), weil Zenon, der

Stifter dieser Philosophie, seine Vorträge in der S. Poikile

zu Athen zu halten pflegte.

Stobäos, Joannes, aus Stobi in Makedonien, um 500 n.

Chr., ist Verfasser einer philosophischen Blumenlese aus mehr als

500 griechischen Dichtern und Prosaikern, der wir die Erhaltung

zahlreicher Bruchstücke aus jetzt verlornen Schriften

verdanken. Ursprünglich ein Ganzes bildend, ist die Sammlung

im Lauf der Zeit in zwei besondere Werke von je zwei Büchern

getrennt worden: "Eclogae physicae et ethicae" (hrsg. von Gaisford,

Oxf. 1850, 2 Bde.; von Meineke, Leipz. 1860-64, 2 Bde., und

Wachsmuth, Berl. 1884, 2 Bde.) und "Anthologion" oder "Florilegium"

(hrsg. von Gaisford, Oxf. 1822-25, 4 Bde., und Meineke, Leipz.

1856-57, 4 Bde.).

Stobbe, Johann Ernst Otto, angesehener Germanist, geb.

28. Juni 1831 zu Königsberg i. Pr., widmete sich daselbst

zuerst philologischen und historischen Studien, dann der

Rechtswissenschaft und promovierte 1853 mit der Differtation "De

lege Romana Utinensi" (Königsb. 1853), worauf er seine

germanistischen Studien zu Leipzig im nahen Anschluß an

Albrecht und in Göttingen fortsetzte. Nachdem er sich 1855 in

Königsberg als Privatdozent für deutsches Recht

habilitiert hatte, wurde er 1856 zum außerordentlichen und

noch in demselben Jahr zum ordentlichen Professor ernannt. 1859 in

gleicher Eigenschaft nach Breslau versetzt, folgte er 1872 einer

Berufung nach Leipzig an v. Gerbers Stelle. 1880 wurde er zum

Geheimen Hofrat ernannt. Er starb 19. Mai 1887. Seine

hervorragendsten Schriften, sämtlich durch Klarheit und

Gründlichkeit ausgezeichnet, sind: "Zur Geschichte des

deutschen Vertragsrechts" (Leipz. 1855); "Geschichte der deutschen

Rechtsquellen" (Braunschw. 1860-64, 2 Bde.); "Beiträge zur

Geschichte des deutschen Rechts" (das. 1865); "Die Juden in

Deutschland während des Mittelalters" (das. 1866) ; "Hermann

Conring, der Begründer der deutschen Rechtsgeschichte" (Berl.

1870); "Handbuch des deutschen Privatrechts" (das. 1871-85, 5 Bde.;

2. Aufl., Bd. 1 u. 2, 1882-83). Aus seinem Nachlaß erschien

noch "Zur Geschichte des ältern deutschen Konkursprozesses"

(Berl. 1888). Seit 1857 beteiligte er sich an der Redaktion der

"Zeitschrift für deutsches Recht", seit 1862 an der Herausgabe

des "Jahrbuchs des gemeinen deutschen Rechts" von Bekker und

Muther. Vgl. E. Friedberg, O. S. (Berl. 1887).

Stober, rechter Nebenfluß der Oder in Schlesien,

entspringt in der Nähe von Rosenberg, mündet bei

Stoberau; 98 km lang und flößbar.

Stöber, 1) Daniel Ehrenfried, elsäss. Dichter

und Schriftsteller, geb. 9. März 1779 zu Straßburg,

studierte hier und später in Erlangen Rechtswissenschaft und

wurde 1806 zu Straßburg Lizentiat der Rechte. Hier gab er das

"Alsatische Taschenbuch" (1806-1809) heraus, übersetzte

französische Dramen

337

Stobi - Stöcker.

und veröffentlichte nach Pfeffels Tode die "Blätter,

dem Andenken K. G. Pfeffels gewidmet" (Straßb. 1810). Unter

der Restauration gehörte S. zur liberalen Opposition; er

übersetzte die Schriften des Generals Foy, gab politische

Broschüren in Form von Dialogen ("Gradaus") heraus und

veröffentlichte: "Gedichte" (Basel 1814; 3. Aufl., Stuttg.

1821) sowie das volkstümliche "Neujahrsbüchlein vom

Vetter Daniel" (das. 1818) und eine Biographie Oberlins ("Vie de

Frédéric Oberlin", Straßb. 1821), der er seine

"Kurze Geschichte und Charakteristik der schönen Litteratur

der Deutschen" (das. 1826) nachfolgen ließ. Sein letztes

größeres Werk war die Übersetzung von Lamennais'

"Paroles d'un croyant". S. starb 28. Dez. 1835. Seine

"Sämtlichen Gedichte und kleinen prosaischen Schriften"

erschienen in 4 Bänden (Straßb. 1835-36). Zu seinen

besten poetischen Leistungen gehören seine in

elsässischer Mundart geschriebenen Gedichte, die voller Witz

und Humor sind.

2) August, Sohn des vorigen, geb. 8. Juli 1808 zu

Straßburg, studierte 1826-32 Theologie, wirkte 1838-41 als

Lehrer der deutschen Sprache und Litteratur am Kollegium zu

Buchsweiler, 1841-71 als Professor am Kollegium zu Mülhausen

und ward 1864 zugleich zum Oberstadtbibliothekar, 1874 zum

Konservator des von ihm mitbegründeten historischen Museums

ernannt. Er starb daselbst 19. März 1884. Gleich seinem Vater

und Bruder trug er durch seine litterarische Thätigkeit viel

zur Erhaltung des deutschen Wesens im Elsaß bei. Er

veröffentlichte: "Alsabilder", vaterländische Sagen und

Geschichten (mit seinem Bruder Adolf, Straßb. 1836);

"Gedichte" (das. 1842; neue Aufl., Basel 1873); "Oberrheinisches

Sagenbuch", Gedichte (Straßb. 1842); "Elsässisches

Volksbüchlein", Kinder- und Volkslieder, Märchen etc.

(das. 1842; 2. Aufl., Mülh. 1859); "Der Dichter Lenz und

Friederike von Sesenheim" (Basel 1842); "Geschichte der

schönen Litteratur der Deutschen" (Straßb. 1843); "Die

Sagen des Elsasses" (St. Gallen 1852, 2. Aufl. 1858); "Der Aktuar

Salzmann, Goethes Freund" (Mülh. 1855); "Zur Geschichte des

Volksaberglaubens im 16. Jahrhundert" (Basel 1856); "Chr. Fr.

Pfeffel" (daf. 1859); "E Firobe (ein Feierabend) im e Sundgauer

Wirtshaus" , Volksszene in zwei Abteilungen (Musik von Heyberger,

Mülh. 1865, 2. Aufl. 1868); "Jörg Wickram,

Volksschriftsteller und Stifter der Kolmarer

Meistersängerschule" (das. 1866); "Aus alten Zeiten. Allerlei

über Land und Leute im Elsaß" (2. Aufl., das. 1872);

"Erzählungen, Märchen, Humoresken etc." (das. 1873);

"Drei-Ähren", Gedichte (das. 1873, 2. Aufl. 1877); "J. S.

Röderer und seine Freunde" (2. Aufl., Kolm. 1874). Auch gab er

"Elsässische Neujahrsblätter" (mit Otte, Straßb.

1843-48, 6 Bde.), "Erwinia", belletristische Wochenschrift (daf.

1838-39), und "Alsatia", Jahrbuch für elsässische

Geschichte etc. (Mülh. 1850-75, 10 Bde.), zu denen nach

Stöbers Tod noch ein Band "Neue Alsatia" (das. 1885) erschien,

heraus.

3) Adolf, Bruder des vorigen, geb. 7. Juli 1810, studierte

1826-31 in Straßburg Theologie, wurde 1839 Lehrer am

Kollegium zu Mülhausen, 1840 Pfarrer daselbst und ist seit

1860 Präsident des reformierten Konsistoriums und Oberschulrat

zu Mülhausen. Außer den mit dem vorigen herausgegebenen

"Alsabildern" veröffentlichte er: "Gedichte" (Hannov. 1845);

"Reisebilder aus der Schweiz" (St. Gallen 1850, neue Folge 1857);

"Reformatorenbilder" (Basel 1857); "Einfache Fragen eines

elsässischen Volksfreundes" (Mülh. 1872) und einiges

Theologische.

Stobi (Stoboi), Stadt im alten Päonien (Makedonien),

westlich vom Axios (Wardar), bei der Mündung des Erigon, nach

der Diokletianischen Einteilung Hauptstadt der nordwestlichen

Hälfte Makedoniens, wurde 479 von den Ostgoten zerstört,

wird aber in den Kämpfen zwifchen Bulgaren und Byzantinern

noch 1014 erwähnt. Ruinen bei Gradsko.

Stöchaden, s. v. w. Hyèrische Inseln, s.

Hyères.

Stochasmus (griech.), veraltete Bezeichnung für

Wahrscheinlichkeitsberechnung; Stochastik, Lehre von der

Wahrscheinlichkeit.

Stöchiometrie (griech.), chemische Meßkunst,

die Lehre von den Gewichts- und Raumverhältnissen, nach

welchen sich ungleichartige Materien zu neuen gleichartigen

Körpern chemisch verbinden, und die Anwendung derselben zu

chemischen Berechnungen (vgl. Atom und Äquivalent). Die S.

wurde von J. B. Richter gegen Ende des 18. Jahrh. begründet

und seitdem vielfach, unter andern von Meineke, Bischof,

Döbereiner, Gay-Lussac, Berzelius, Liebig, Dumas, Laurent,

Gerhardt u. a. bearbeitet. Vgl. Rammelsberg, Lehrbuch der S. (Berl.

1842); Frickhinger, Katechismus der S. (5. Aufl., Nördling.

1873).

Stock (Caudex), bei den Pflanzen im allgemeinen der mit

Blättern besetzte Stengel; dann der einfache, am Grund nur

durch Nebenwurzeln befestigte, am obern Ende mit einer einzigen

großen Gipfelknospe abschließende, holzige Stamm der

Baumfarne, Cykadeen und baumartigen Monokotyledonen, besonders der

Palmen und Drachenbäume. - Über S. in der Geologie s.

Lagerung der Gesteine.

Stock (engl.), Stamm, Grundlage; übertragen:

Grundkapital von Aktiengesellschaften, dessen einzelne Teile

(Aktien) shares heißen. S.-exchange, "Aktienbörse",

thatsächlich Effektenbörfe, da an derselben auch

Obligationen (bonds), Staatspapiere (funds) und andre Wertpapiere

gehandelt werden; S.-holder, Eigentümer von Stocks; S.-broker,

Makler für Wertpapiere, S.-jobber. Spekulant in Wertpapieren

(vgl. Jobber).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 97 / 302 段