Stesichoros, der bedeutendste Vertreter der ältern

dorischen Lyrik, der "lyrische Homer" genannt, geb. um 630 v. Chr.

zu Himera in Sizilien, starb erblindet 556 in Catana. Von ihm

rührt die Einteilung der chorischen Lieder in Strophe,

Gegenstrophe und Epode her, auch galt er für den

Begründer des höhern frischen Stils. Seine von

Spätern in 26 Bücher eingeteilten Festgesänge

behandelten in prächtiger Darstellung vorwiegend epische

Stoffe; ebenso standen die einfachen metrischen Formen der epischen

nahe, wie auch der Dialekt der mit wenigen Dorismen gemischte

epische war. Wir besitzen von ihm nur Bruchstücke (in

Schneidewins "Delectus poesis Graecorum" , Götting. 1839, und

Bergks "Poetae lyrici graeci" , Bd. 3, 4. Aufl., Leipz. 1882).

Stethograph (griech.), ein Apparat, welcher die

Atmungsbewegungen einzelner Punkte des Brustkorbes in Form von

Kurven graphisch darstellt.

Stethoskop (griech.), s. Auskultation.

Stetig, fest, unbeweglich; ununterbrochen, fortdauernd.

Eine stetige (kontinuierliche) Größe ist eine solche,

deren Teile keine Unterbrechung zeigen, z. B. eine Linie im

Gegensatz zu einer Reihe voneinander getrennter (diskreter)

Punkte.

Stetigkeit, s. v. w. Kontinuität (s. d.).

Stetten, 1) (S. am Kalten Markt) Flecken im bad. Kreis

Konstanz, in rauher Gegend auf der Hardt, hat eine kath. Kirche,

Weißstickerei, Korsettnäherei und (1885) 1037 Einw.

-

2) Dorf im bad. Kreis Lörrach, im Wiesenthal, an der Linie

Basel-Zell i. W. der Badischen Staatsbahn, hat eine kath. Kirche,

Weinbau, Eisengießerei, Baumwollweberei,

Gewehrschäftefabrikation und (1885) 2186 Einw.

Stettenheim, Julius, humorist. Schriftsteller, geb. 2.

Nov. 1831 zu Hamburg, Sohn eines Kunsthändlers, verließ

1857 das väterliche Geschäft, in das er eingetreten war,

und begab sich nach Berlin, wo er studierte und gleichzeitig als

Schriftsteller auftrat. Unter den von ihm um jene Zeit

veröffentlichten Humoresken, Singspielen, Possen etc.

verdienen der "Almanach zum Lachen" (Berl. 1858-63) und das oft

gegebene Liederspiel "Die letzte Fahrt" (das. 1861) besondere

Hervorhebung. Nach vollendetem dreijährigen

Universitätskurs kehrte er nach Hamburg zurück und

gründete hier die bekannte humoristisch-satirische Zeitschrift

"Die Wespen", die jedoch erst eigentlichen Erfolg hatte, nachdem er

mit derselben Ende 1867 nach Berlin übergesiedelt war, wo im

Januar 1868 zuerst die "Berliner Wespen" erschienen, die er noch

gegenwärtig redigiert. S. ist einer der glänzendsten

Vertreter des satirischen Wortwitzes. Von seinen

Veröffentlichungen erwähnen wir noch: "Lohengrin",

humoristische Albumblätter (Berl. 1859); "Die Hamburger Wespen

auf der internationalen landwirtschaftlichen Ausstellung" (das.

1863); "Die Hamburger Wespen im zoologischen Garten" (das. 1863);

"Satirisch-humoristischer Volkskalender" (das. 1863); "Die Berliner

Wespen im Aquarium" (das. 1869); "Ungebetene Gäste", Posse

(das. 1869); "Berliner Blaubuch aus dem Archiv der Komik" (das.

1869-70, 2 Bde.); "Ein gefälliger Mensch", Posse (das. 1872);

"Wippchens sämtliche Berichte" (das. 1878-86, 5 Bde.);

"Muckenichs Reden und Thaten" (das. 1885); "Unter vier Augen" (das.

1885) u. a. Seit 1885 gibt er die illustrierte Monatsschrift "Das

humoristische Deutschland" (Bresl.) heraus.

Stettin (hierzu der Stadtplan), Hauptstadt der

preuß. Provinz Pommern und des gleichnamigen

Regierungsbezirks, Stadtkreis, an der Oder, Knotenpunkt der Linien

Berlin-Stargard, Breslau-S. und S.-Mecklenburgische Grenze, 7 m

ü. M., besteht aus der eigentlichen Stadt am linken

Flußufer mit ausgedehnten neuen Stadtteilen und

Vorstädten, welch letztere wegen der bis 1873 vorhandenen

Befestigung der innern Stadt zum Teil in großer Entfernung

von derselben angelegt sind, und aus der Lastadie und den

zugehörigen Anlagen am rechten User. Beide Ufer der Oder sind

für den allgemeinen Verkehr durch drei Brücken

(Baumbrücke, Lange Brücke und Neue Brücke)

verbunden; für den Eisenbahnverkehr sind über die Oder

und ihre Nebenströme besondere Überbrückungen

hergestellt. Die innere Stadt enthält acht Plätze: den

Paradeplatz, den Königsplatz mit den Statuen Friedrichs d. Gr.

(von Schadow) und Friedrich Wilhelms III. (von Drake), den

Roßmarkt mit monumentaler Fontäne, den Heumarkt und den

Neuen Markt, zwischen denen das alte Rathaus steht, den Marktplatz

und den Viktoriaplatz, durch das neue Rathaus getrennt, und den mit

Anlagen gezierten Kirchplatz. S. hat 6 evang. Kirchen, unter

welchen die in ihrer jetzigen Gestalt spätgotische Petrikirche

(1124 gegründet) als die erste christliche Kirche in Pommern

und die Jakobikirche (aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrh.)

wegen ihrer Größe etc. bemerkenswert sind;

außerdem eine kath. Kirche (im Schloß), eine

Baptistenkapelle, eine Kirche der Altlutherischen, eine der

apostolischen Gemeinde und eine neue Synagoge. Andre hervorragende

Gebäude sind: das königliche Schloß (1575 erbaut),

jetzt Sitz der Regierung und des Oberlandesgerichts, das

Militärkasino, das Schauspielhaus, die Börse, das

Vereins- und Konzerthaus, der Zirkus, das neue großartige

Krankenhaus (auf einer Anhöhe vor der Stadt, vgl. den Plan bei

Art. "Krankenhaus") etc. Bemerkenswert sind ferner zwei von

Friedrich Wilhelm I. erbaute monumentale Thorgebäude

(Königsthor und Berliner Thor), welche, seit Abtragung der

Wälle freigelegt und von der Stadt

Wappen von Stettin.

STETTIN.

Albrecht-Straße

Arndt-Platz

Arndt-Straße

Artillerie-Kaserne

Artillerie-Straße

Artillerie-Zeughaus

Augusta-Straße

Bäckerberg-Straße

Badeanstalt

Bahnhof

Barnim-Straße

Baum-Brücke

Baum-Straße

Bellevue

Bellevue-Straße

Berg-Straße

Berliner Thor, Am

Birken-Allee

Bismarck-Platz

Bismarck-Straße

Bleichholm

Blumen-Straße

Bollwerk

Börse

Breite-Straße

Buggenhagen-Straße

Bürger-Ressource

Burg-Straße

Charlotten-Straße

Deutsche-Straße

Dom Straße, Große

Dom Straße, Kleine

Elisabeth-Straße

Exerzierplatz

Falkenwalder Straße

Fischer-Straße

Fort Preußen

Frauen-Straße

Friedrich-Karl-Straße

Friedrich-Straße

Friedrichs II. Denkmal

Friedrichs Wilhelms III. Denkmal

Fuhr-Straße

Furage-Magazin

Galg-Wiese

Garnison-Lazarett

Garten-Straße

General-Kommando

Gertruden-Kirche

Giesebrecht-Straße

Grabow

Grabower Straße

Grüner Graben

Grüne Schanze

Grünhof

Gastav-Adolf-Straße

Gutenberg- Straße

Güter-Bahnhof

Gymnasium, Kaiser-Wilhelm

Gymnasium, Marienstifts-

Gymnasium, Stadt-

Hauptwache

Heilige Geist-Straße

Heilige Geist-Thor

Heumarkt

Hohenzollern-Platz

Hohenzollern-Straße

Holzmarkt

Holz-Straße

Hühnerbeiner Straße

In den Anlagen

Jageteufel-Straße

Jakobi-Kirche

Johannes-Kirche

Johannis-Kloster

Johannis-Straße

Kaiser-Wilhelm-Platz

Kaiser-Wilhelm-Straße

Karl-Straße

Kirchen-Straße

Kirchplalz

Kohlmarkt

Kommandantur

König-Albert Straße

Königs-Platz

Königs-Straße

Königsthor, Am

Krankenhaus

Krautmarkt

Kronenhof-Straße

Kronprinzen-Straße

Kurfürsten-Straße

Landgericht

Lange Brücke

Lastadie

Linden-Straße

Loge

Logen-Garten.

Löwe-Straße

Luisen-Straße

Lutherischer Kirchhof

Marien-Platz

Marktplatz

Masches Insel

Militär-Kirchhof, Alter

Militär-Kirchhof, Neuer

Mittwoch-Straße

Moltke-Straße

Mönchen-Straße

Münz-Straße

Museum

Neue Brücke

Neuer Markt

Ober-Wick

Oder-Straße, Große

Oder-Straße, Kleine

Offizier-Kasino

Papen-Straße

Parade-Platz

Parnitzer Bollwerk

Passauer Straße

Pelzer Straße

Pölitzer Straße

Polizei-Direktion

Post

Preußische Straße

Prutz-Straße

Rahms Insel

Rathaus

Realschule

Reformierter Kirchhof

Reichsbank

Reifschläger-Straße

Rosengarten-Straße

Roßmarkt

Roßmarkt-Straße

Sankt Petri-Kirche

Sanne-Straße

Schiller-Straße

Schloßkirche

Schloß, Königliches

Schuh-Straße

Schulzen-Straße

Schützengarten

Schwerin-Straße

Schwimm-Anstalt

Sellhaus-Bollwerk

Silberwiese

Speicher-Straße

Synagoge

Tattersall

Theater

Töpfers Park

Töpfers Park-Straße

Turner-Straße

Unter-Wick

Viktoria-Platz

Wall-Straße

Westend

Wilhelm-Straße

Wollweher-Straße, Große

Wrangel-Straße

Zeughaus

Zirkus

Zum. Artikel "Stettin".

308

Stettiner Haff - Steub.

entsprechend ausgebaut, den Mittelpunkt breiter, mit Anlagen

versehener Passagen bilden. Die Zahl der Einwohner belief sich 1885

mit der Garnison (ein Grenadierregiment Nr. 2, 2 Füsilierbat.

Nr. 34 und 2 Abteilungen Feldartillerie Nr. 2) auf 99,543 Seelen,

darunter 2881 Katholiken, 923 sonstige Christen und 2501 Juden. Die

Industrie ist bedeutend. S. hat große Eisengießereien

und Maschinenfabriken, darunter die große Maschinenfabrik und

Schiffbauanstalt "Vulkan" in Bredow (s. d.) mit 4-5000 Arbeitern,

Fabrikation von chemischen Produkten (in Pommerensdorf) mit 800-900

Arbeitern, Zementfabriken (in Züllchow, Bredow und Podejuch)

mit 300-600 Arbeitern, große Mühlenetablissements (in

Züllchow), ferner Fabriken für Zucker, Zichorie,

Parfümerien, Seife, Stearin, Öl, feuerfeste

Geldschränke, Kartonagen, Dachpappe etc., Gartenbau,

Bierbrauerei und Branntweinbrennerei. Für den Handel, der

durch eine Handelskammer, eine Börse, eine Reichsbankstelle

(Gesamtumsatz 1887: 756 Mill. Mk.) und andre große

Geldinstitute unterstützt wird, ist S. der erste Seeplatz des

preußischen Staats. Ausgeführt werden vorzüglich:

Getreide, Mehl, Sprit, Ölfrüchte, Holz, Chemikalien,

Kartoffeln, Heringe, Zichorie, Zucker, Steinkohlen, Zink etc.,

dagegen werden eingeführt: Eisen und Eisenwaren, Erden und

Erze, Getreide, Mehl, Bau- und Nutzholz, Heringe, Reis, Fettwaren,

Petroleum, Steine, Schiefer, Steinkohlen etc. Der Wert der 1887

eingeführten Waren betrug 16,760,036 Mk., der

ausgeführten Waren 17,019,190 Mk. Die Stettiner Reederei

zählte 1887: 193 Schiffe, darunter 58 Seedampfer, mit zusammen

44,259 Registertonnen Raumgehalt. In den Hafen liefen ein 1887:

3826 Schiffe zu 1,116,438 Registertonnen, es liefen aus: 3884

Schiffe zu 1,142,427 Registertonnen. Regelmäßige

Dampferverbindungen unterhält S. mit den wichtigsten

Häfen der Ostsee, mit London und New York. An Bildungs- und

andern ähnlichen Anstalten besitzt S. 3 Gymnasien, 2

Realgymnasien, eine Handelsschule, ein Lehrerinnenseminar, eine

Taubstummen- und eine Blindenanstalt, ein Stadt-, ein pommersches

und ein antiquarisches Museum, einen Verein für

Altertumskunde, einen Kunstverein, mehrere Theater etc.; ferner:

eine Hebammenlehranstalt, ein Johanniskloster,

Diakonissenanstalten, ein Mädchenrettungshaus u. a. m. S. ist

Sitz eines Oberpräsidiums, einer königlichen Regierung,

eines Konsistoriums, eines Medizinal- und eines

Provinzial-Schulkollegiums und einer Provinzial-Steuerdirektion,

der Provinzialverwaltung , der pommerschen

Generallandschaftsdirektion, einer Rentenbank für die

Provinzen Pommern und Schleswig-Holstein, eines Oberlandes- und

eines Landgerichts, einer Oberpostdirektion, eines Seeamtes, eines

Landratsamtes (für den Kreis Randow) etc.; ferner: des

Generalkommandos des 2. Armeekorps, des Kommandos der 3. Division,

der 5. und 6. Infanterie-, der 3. Kavallerie- und der 2.

Feldartilleriebrigade. - Zum Landgerichtsbezirk S. gehören die

14 Amtsgerichte zu Altdamm, Bahn, Gartz a. O., Greifenhagen,

Kammin, Neuwarp, Pasewalk, Penkun, Pölitz, Stepenitz, S.,

Swinemünde, Ückermünde und Wollin. Geschichte. S.

ist schon im 11. Jahrh. gegründet worden, erscheint aber erst

im 12. Jahrh., seit der Zerstörung von Jumne durch die

Dänen, als der erste Seehandelsplatz an der Oder. Von Herzog

Barnim I. erhielt es 1243 Stadtrecht. Seit 1107 war es Sitz eines

pommerschen Fürstenhauses und blieb es, den Zeitraum von 1464

bis 1532 abgerechnet, bis zum Aussterben der einheimischen

Dynastie. 1360 trat es dem Hansabund bei und nahm 1522 die

Reformation an. Hier wurde im Dezember 1570 ein Friede zwischen

Schweden und Dänemark unter Vermittelung des Kaisers

geschlossen. Am 11. Juli 1630 wurde S. Gustav Adolf

eingeräumt, der große Verbesserungen an der Befestigung

vornahm. Im Westfälischen Frieden nebst Vorpommern an Schweden

abgetreten, ward die Stadt 6. Jan. 1678 von dem Kurfürsten von

Brandenburg durch Kapitulation eingenommen, aber schon 1679 an

Schweden zurückgegeben. Eine abermalige Belagerung hatte sie

1713 im Nordischen Krieg von den verbündeten Russen und

Sachsen auszuhalten, wurde infolge einer Übereinkunft (29.

Sept.) von Preußen und Holstein besetzt und erst im Frieden

von Stockholm 1720 nebst Vorpommern an Preußen abgetreten.

Nach der Katastrophe von 1806 ward die Festung 29. Okt. vom General

v. Romberg ohne Widerstand den Franzosen übergeben, die sie

bis 5. Dez. 1813 besetzt hielten. Durch das Reichsgesetz über

den Umbau der deutschen Festungen (19. Mai 1873) ist die Festung S.

aufgehoben. Vgl. Thiede, Chronik von S. (Stett. 1849); Berghaus,

Geschichte der Stadt S. (Wriezen 1875-76, 2 Bde.); Th. Schmidt, Zur

Geschichte des Handels und der Schiffahrt Stettins 1786-1846

(Stett. 1875); K. F. Meyer, S. zur Schwedenzeit (das. 1886); W. H.

Meyer, S. in alter und neuer Zeit (das. 1887). Der Regierungsbezirk

S. (s. Karte "Pommern") umfaßt 12,074 qkm (219,29 QM.) mit

(1885) 728,046 Einw. (darunter 709,671 Evangelische, 8871

Katholiken und 6832 Juden) und 13 Kreise:

Kreise QKilom. QMeil. Einwohner Einw. auf 1 qkm

Anklam 648 11,77 31088 48

Demmin 984 17,87 46464 47

Greifenberg 764 13,88 36257 47

Greifenhagen 964 17,51 52158 54

Kammin 1135 20,63 43626 38

Naugard 1228 22,30 55208 45

Pyritz 1045 18,98 43968 42

Randow 1316 23,90 109462 83

Regenwalde 1190 21,61 46036 40

Saatzig 1220 22,16 66688 55

Stettin (Stadt) 60 1,09 99543 -

Ückermünde 831 15,09 48693 59

Usedom- Wollin 689 12,51 48855 71

Stettiner Haff, s. Pommersches Haff.

Steub, Ludwig, Schriftsteller, geb. 20. Febr. 1812 zu

Aichach in Oberbayern, siedelte mit seinen Eltern später nach

München über und studierte daselbst erst Philologie, dann

aber Rechtswissenschaft. 1834 ging er nach Griechenland, wo er erst

eine Stelle im Büreau der Regentschaft zu Nauplia, dann auf

dem Staatskanzleramt zu Athen bekleidete und bis 1836 blieb. Nach

seiner Rückkehr, die ihn über Rom, Florenz und Venedig

führte, ließ er sich in München nieder, wurde hier

1845 zum Anwalt, 1863 zum Notar ernannt und starb 16. März

1888. Steubs Schriften behandeln vorzugsweise die ethnographischen

und kulturhistorischen Verhältnisse der Alpenländer;

hierher gehören zunächst: "Über die Urbewohner

Rätiens und ihren Zufammenhang mit den Etruskern" (Münch.

1843); "Zur rätischen Ethnologie" (Stuttg. 1854); "Die

oberdeutschen Familiennamen" (Münch. 1870); "Onomatologische

Belustigungen aus Tirol" (Innsbr. 1879); "Zur Namens- und

Landeskunde der Deutschen Alpen" (Nord l. 1885) und "Zur Ethnologie

der Deutschen Alpen" (Salzb. 1887). Mit vielem Glück hat S.

sodann die

309

Steuben - Steuerbewilligung.

Ergebnisse strenger Forschung in das Gewand des gefällig

unterhaltenden Reisebildes zu kleiden gewußt, so in: "Drei

Sommer in Tirol" (Münch. 1846; 2. Aufl., Stuttg. 1871, 3

Bde.); "Aus dem bayrischen Hochland" (das. 1850); "Das bayrische

Hochland" (Münch. 1860); "Wanderungen im bayrischen Gebirge"

(das. 1862); "Herbsttage in Tirol" (das. 1867); "Altbayrische

Kulturbilder" (Leipz. 1869); "Lyrische Reisen" (Stuttg. 1878) und

"Aus Tirol" (das. 1880). Eine Frucht seines Aufenthalts in

Griechenland waren die "Bilder aus Griechenland "(Leipz. 1841, 2.

Ausg. 1885). Außerdem veröffentlichte er

Belletristisches, wie: "Novellen und Schilderungen" (Stuttg. 1853),

"Deutsche Träume", Roman (Braunschweig 1858, 3 Bde.), die

Erzählungen: "Der schwarze Gast" (Münch. 1863), "Die Rose

der Sewi" (Stuttg. 1879), die Lustspiele: "Das Seefräulein"

und "D1e Römer in Deutschland" (1873), "Sängerkrieg in

Tirol", Erinnerungen aus den Jahren 1842-44 (Stuttg. 1882), u. a.

Seine "Kleinern Schriften" erschienen gesammelt Stuttgart 1873-75,

4 Bde.; seine "Gesammelten Novellen" daselbst 1881 (2. Aufl. 1883).

In der "Deutschen Bücherei" erschien von ihm: "Mein Leben"

(mit Anhang von Felix Dahn: "Über Ludwig S.", Bresl.

1883).

Steuben, 1) Friedrich Wilhelm von, amerikan. General,

geb. 15. Nov. 1730 zu Magdeburg, wo sein Vater preußischer

Ingenieurhauptmann war, trat 1747 als Fahnenjunker in das

preußische Infanterieregiment Lestwitz, ward 1753 Leutnant,

machte den Siebenjährigen Krieg meist als Adjutant mit

Auszeichnung mit, nahm nach dem Ende desselben als Kapitän

seinen Abschied, ward Hofmarschall des Fürsten von

Hohenzollern-Hechingen und trat 1775 als Oberst in badische

Dienste. Er begab sich 1777 auf Veranlassung des französischen

Ministers Saint-Germain und Beaumarchais' nach Nordamerika, wo er

1778 als Generalmajor und Generalinspektor der Armee in die Dienste

der Vereinigten Staaten trat, erwarb sich um die Disziplinierung,

die Organisation und die Einübung der Truppen große

Verdienste, war auch zeitweilig Generalstabschef Washingtons, der

ihn besonders hochschätzte, und beteiligte sich in

hervorragender Weise am Entwerfen der Operationspläne. 1780

ward er Greenes Generalquartiermeister in Virginia, wo er auch

selbständig operierte und mit kleinen Mitteln bedeutende

Erfolge errang. Trotz seiner Verdienste mußte er nach

Beendigung des Kriegs sieben Jahre warten, ehe der Kongreß

seinen Ansprüchen auf Entschädigung seiner Verluste und

eine Pension einigermaßen gerecht wurde; doch machten ihm

einige Staaten Landschenkungen. S. lebte nach seiner Verabschiedung

teils in New York, teils aus seiner Farm in Oneida County, wo er

28. Nov. 1794 starb. Vgl. F. Kapp, Leben des amerikanischen

Generals F. W. v. S. (Berl. 1858).

2) Karl von, franz. Maler, geb. 19. April 1788 zu Bauerbach in

Baden, bildete sich in Paris unter David und Gros und malte nach

dem Vorbild dieser Meister eine große Zahl von

Geschichtsbildern von theatralischer Haltung, darunter Peter d. Gr.

in einem Sturm auf dem Ladogasee (1813), der Schwur auf dem

Rütli, Tell den Nachen von sich stoßend, Peter d. Gr.

als Kind durch seine Mutter vor den aufständischen Strelitzen

gerettet, Napoleons I. Rückkehr von Elba und Napoleons I. Tod,

die Schlachten von Tours, Poitiers und Waterloo (im Museum zu

Versailles) u. a. Er starb 21. Nov. 1856 in Paris.

Steubenville (spr. stuhbenwill), nach Steuben 1) benannte

Stadt im nordamerikan. Staat Ohio, am Ohio, hat lebhaften Verkehr,

eine höhere Schule, ein sehr geschätztes Seminar für

Mädchen und (1880) 12,097 Einw. In der Nähe sind

Kohlengruben.

Steud., bei botan. Namen Abkürzung für H.

Steudner (s. d.).

Steudner, Hermann, Naturforscher und Afrikareisender,

geb. 1832 zu Greiffenberg in Schlesien, studierte in Berlin und

Würzburg Botanik und Mineralogie und ließ sich dann

durch Barth zur Teilnahme an der deutschen Expedition nach den

Nilländern unter Heuglin gewinnen. Er begleitete denselben

1861 über Massaua und Keren (im Lande der Bogos) nach Adoa,

Gondar und südlich davon über Magdala hinaus bis zum

Kriegslager des Kaisers Theodoros bei Edschebet. Die Rückreise

erfolgte vom Tsanasee ab in nordwestlicher Richtung zum Blauen Nil

und nach Chartum. 1863 reiste er wieder mit Heuglin und im

Anschluß an die Tinnésche Expedition von Chartum nach

dem Bahr el Ghasal und zum See Reck; bei seinem weitern Vorgehen

aber nach Westen über den Djurfluß erlag er in dem Dorf

Wau 1863 einer Krankheit. Seine sorgfältigen Berichte (in der

"Zeitschrift für allgemeine Erdkunde" 1862-64) sind um so

wichtiger, als weite von ihm bereiste Strecken vorher von einem

Botaniker von Fach noch nicht durchforscht waren.

Steuer, s. Steuerruder.

Steuerabwälzuug, s. Steuer, S. 312.

Steuerbewilliguug und Steuerverweigerung ist als Recht der

Volksvertretung nicht erst mit der konstitutionellen Staatsform

anerkannt worden. Die Entstehung dieser Befugnis reicht vielmehr

viel weiter zurück. Den mittelalterlichen Ständen in den

einzelnen deutschen Territorien, welche allerdings nicht die

Gesamtheit des Volkes, sondern nur gewisse bevorzugte Klassen

desselben vertraten, stand sie unbestritten zu. Aus dem Recht,

Steuern zu bewilligen, d. h. ihre Erhebung zuzulassen, entwickelte

sich aber auch ein Recht der Mitwirkung bei ihrer Verwendung, und

so entstand das parlamentarische Budgetrecht. In England

unterscheidet man dabei einen festen und einen beweglichen Teil des

Staatshaushalts. Zu dem festen Teil gehören alle diejenigen

Einnahmen, welche durch Gesetz auf unbestimmte Zeit, d. h. auf so

lange bewilligt sind, bis sie durch ein andres Gesetz aufgehoben

werden, und alle diejenigen Ausgaben, welchedem Betrag nach

gesetzlich feststehen. Von den Ausgaben für das Heer

abgesehen, welche in England alljährlich neu bewilligt werden

müssen, gehören die meisten Staatsausgaben dem festen

Teil des Budgets an. Dieser feste Teil unterliegt der

jährlichen Bewilligung nicht. Das Recht des Unterhauses bei

Feststellung des Staatshaushalts besteht nur in folgenden

Befugnissen: jeder neuen von der Regierung geforderten Steuer,

jeder Verlängerung einer nur periodisch oder auf einen

bestimmten Zeitraum eingeführten Steuer, jeder Erhöhung

oder Abänderung bestehender Steuern die Zustimmung versagen zu

können und in dem beweglichen Teil der Staatsausgaben die von

der Regierung geforderten Beträge im einzelnen abzusetzen oder

zu streichen. Je nach der Richtung, in welcher diese Befugnisse

ausgeübt werden, spricht man von einer Bewilligung oder

Verweigerung der Steuern. Diese beiden Rechte sind offenbar

Korrelate: man kann nur bewilligen, was man auch verweigern

dürfte. Die meisten Verfassungen enthalten gegenwärtig

die Bestimmung, daß alle Einnahmen und Ausgaben des Staats

jährlich auf den Staatshaushaltsetat gebracht und dort

bewilligt werden müssen. Infolgedessen kann ein

310

Steuerbord - Steuern.

Widerspruch zwischen einem Gesetz und einem

Geldbewilligungsbeschluß entstehen und damit ein Konflikt,

dessen Lösung nicht durch eine Interpretation des geltenden

Rechts herbeigeführt, sondern der als eine Machtfrage

behandelt wird. Ein solcher Konflikt war der preußische

"Militärkonflikt", der von 1862 bis 1866 währte.

übrigens bleiben Steuergesetze, welche auf die Dauer erlassen

sind, so lange wirksam , bis sie auf verfassungsmäßigem

Weg wieder aufgehoben werden; gleichviel ob das Budget zu stande

kommt oder nicht. Dies ist z. B. in der preußischen

Verfassungsurkunde (Artikel 109) ausdrücklich anerkannt. Um

der Volksvertretung ein wirksames Recht der S. u. S. zu geben, ist

notwendig, daß wenigstens Eine periodische und bewegliche

Steuer vorhanden sei, durch deren Bewilligung oder Verweigerung die

Volksvertretung einen Einfluß auf die beweglichen Ausgaben

gewinnt. Im Deutschen Reich ersetzen die Matrikularbeiträge

diese periodische, bewegliche Steuer, und durch sie übt der

Reichstag ein Recht der S. u. S. Vgl. Gneist, Budget und Gesetz

(Berl. 1867); Laband, Das Budgetrecht (das. 1871).

Steuerbord, die rechte Seite des Schiffs, wenn man in der

Richtung von hinten nach vorn sieht. Der Ausdruck stammt daher,

daß der Steuermann eines mit einem Riemen oder losen Ruder

gesteuerten Fahrzeugs seinen Platz an dessen hinterm Ende auf

dieser Seite hatte. Vgl. Bord.

Steuerbuch, s. v. w. Kataster (s. d.).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 89 / 302 段