derjenigen von Fixsternen 4. Größe. Die Farbe ist meist
weiß, ins Gelbe oder Blaue spielend. Nach Schmidt steht
dieselbe im Zusammenhang mit der mittlern Dauer der sichtbaren
Bewegung; er findet dieselbe nämlich für weiße S.
0,75 Sekunden (886 Beobachtungen), für gelbe 0,98 Sek. (400
Beob.), für rote 1,63 Sek. (188 Beob.) und für grüne
1,97 Sek. (125 Beob.). Beim Erlöschen mancher S. beobachtet
man, wie bei den Feuerkugeln, Funkensprühen, auch bisweilen
ein erneutes Aufleuchten. Der leuchtende Schweif, den viele
hinterlassen, dauert häufig mehrere Minuten lang. Diese
Schweife zeigen oft merkwürdige Formverändernngen,
namentlich sieht man bei teleskopischer Beobachtung in den ersten
Sekunden starke wellenförmige Krümmungen; auch haben sie
nach Heis eine seitliche Bewegung. Das Spektrum der S. hat Konkoly
kontinuierlich von vorherrschend gelber oder grüner Farbe, je
nach der Färbung der S., gefunden; Indigo wurde selten, Rot
nur bei roten S., Violett nie beobachtet. Im Spektrum des Schweifs
wurde bei gelben S. Natrium, bei grünen Magnesium, bei roten
Strontium gefunden ; bei einem 156 Sekunden nachleuchtenden Schweif
einer Sternschnuppe, welche die Venus an Helligkeit übertraf,
zeigten sich außer den Natrium- und Magnesiumlinien noch
helle Banden in Grün und Blau. Coulvier-Gravier hat zuerst
darauf aufmerksam gemacht, daß die Zahl der S., die ein
Beobachter stündlich zählt, im allgemeinen im Lauf der
Nacht von den Abendstunden an zunimmt, und Schiaparelli hat dies
dadurch erklärt, daß ein Beobachter um so mehr S. sehen
werde, je höher über dem Horizont der Punkt des Himmels
steht, nach welchem hin die Bewegung der Erde gerichtet ist. Dieser
Punkt, der sogen. Apex, ist aber um einen Vierteltreis nach W. von
der Sonne aus ; er hat also seinen höchsten Stand um
Sonnenaufgang. Nach Schmidt fällt die größte
stündliche Zahl auf die Stunde von früh 2 1/2-3 1/2 Uhr.
Die stündliche Häufigkeit der S. ist auch nicht das ganze
Jahr hindurch gleich; nach Schmidt fällt der kleinste Wert auf
den Februar, der größte auf den August, wenn man absieht
von den gleich zu erwähnenden großen
Novemberströmen. Durch außerordentliche Häufigkeit
der S. sind nämlich die Nächte um den 12. Nov.
ausgezeichnet; insonderheit beobachtete man 12. Nov. 1799, 1833,
1866 und 1867 förmliche Sternschnuppenregen. Es erreicht
dieses Phänomen, wie H. A. Newton bis 902 zurück
dargethan hat, alle 33 Jahre seinen Höhepunkt. Weniger dicht,
aber gleichmäßiger wiederkehrend sind die
Sternschnuppenregen in den Nächten um den 10. Aug.
(Laurentiustag). deren schon in altenglischen Kirchenkalendern
unter dem Namen der "feurigen Thränen des heil. Laurentius"
gedacht wird. Außerdem sind auch die Nächte des 18.-20.
April, 26.-30. Juni, 9.-12. Dez. u. a. durch größere
Häufigkeit der S. ausgezeichnet. Bei den
Sternschnuppenfällen in diesen Nächten bewegt sich die
Mehrzahl der S. in parallelen Bahnen; sie scheinen von einem und
demselben Punkte des Himmels ausgestreut zu werden, wie es sein
muß, wenn diese Körper in größern
Schwärmen Bahnen um die Sonne beschreiben. Dieser
Ausstreuungspunkt oder Radiant liegt für die
Novembersternschnuppen im Sternbild des Löwen (10 Stund.
Rektaszension und 23° nördl. Deklination) , für die
Laurentius-S. im Perseus (2,9 Stund. Rektaszension und 56°
nördl. Deklination), weshalb man jene auch Leoniden, diese
Perseiden nennt. Doch gibt es in diesen Nächten nicht
bloß einen, sondern immer mehrere Radianten, so beim
Novemberphänomen nach Heis 5; derselbe Beobachter hat am
nördlichen Himmel über 80 Radianten bestimmt. Im
allgemeinen unterscheidet man die in bestimmten Nächten in
größerer Häufigkeit fallenden S. als periodische
von den sporadischen, die unregelmäßig aus den
verschiedensten Gegenden des Himmels kommen. Die Höhe, in
welcher die S. aufleuchten und verlöschen, läßt
sich aus korrespondierenden Beobachtungen von verschiedenen Punkten
aus ermitteln. Sie ist sehr verschieden; so fand Heis beim
Augustphänomen 1867 Höhen zwischen 20 1/2 und 4 geogr.
Meilen (im Mittel 13 1/2 Meilen) für das Aufblitzen, solche
zwischen 11 1/2 und 3 Meilen (im Mittel 7 1/2) für das
Verlöschen; doch sind auch noch größere Höhen
bis zu 40 Meilen und darüber beobachtet worden. Die
Geschwindigkeiten, mit welchen sich die S. bewegen, sind solche,
wie wir sie nur bei selbständig um die Sonne laufenden
Weltkörpern antreffen, 3 und mehr, selbst 10-20 Meilen in der
Sekunde. Die kosmische Natur dieser Erscheinungen ist namentlich
seit dem bereits erwähnen glänzenden Sternschnuppenfall
im November 1866 außer Zweifel gestellt; derselbe hat uns
auch noch weitere Aufschlüsse über dieselben gegeben.
Schon früher hat man einen Zusammenhang zwischen den
Sternschnuppenschwärmen und den Kometen geahnt, und namentlich
hat Chladni bereits 1819 sich für einen solchen ausgesprochen.
Aber erst 1866 wurde es durch Schiaparelli fast außer Zweifel
gesetzt, daß manche Kometen, wenn auch nicht alle, zu den
Erscheinungen der periodischen Sternschnuppenfälle beitragen.
Insbesondere glaubte Schiaparelli aus der großen
Ähnlichkeit der Bahn des August- oder Laurentiusstroms mit
derjenigen des Kometen III des Jahrs 1862 auf eine Identität
beider Erscheinungen schließen zu müssen. Diese Meinung
fand rasch eine Bestätigung durch die von Leverrier
ausgeführte Berechnung der Bahn des großen
Novemberschwarms von 1866. Es machte nämlich sehr bald Peters
in Altona auf die auffallende Übereinstimmung dieser Bahn mit
derjenigen des Tempelschen Kometen I von 1866 aufmerksam. Seitdem
hat die Idee, daß die periodisch erscheinenden
Sternschnuppenschwärme Teile von Kometen seien, die, durch die
Anziehung der Erde aus ihrer Bahn abgelenkt, durch die obern
Regionen unsrer Atmosphäre schießen und hier infolge
ihrer raschen Bewegung durch die Luft ins Glühen geraten,
immer mehr Anklang gefunden. Insbesondere führt man auch die
glänzenden Sternschnuppenregen vom 27. Nov. 1872 und 1885 auf
kleine kosmische Körper zurück, die der zerfallende
Bielasche Komet längs seiner Bahn ausgestreut hat.
Während aus den größern Feuerkugeln nicht selten
Meteorsteine zur Erde niederfallen, ist bei den S. bis jetzt noch
nichts Ähnliches nachgewiesen. Ob die eisenhaltigen
Staubmassen, welche Nordenskjöld auf den Schneeflächen
Skandinaviens, Gaston Tissandier in Paris und Umgegend gesammelt
und untersucht haben, wirklich von den Schweifen der S. und
Feuerkugeln herrühren, wie letzterer glaubt, ist noch
zweifelhaft. Die gallertigen, frischem Eiweiß oder
Stärkekleister ähnlichen, oft tellergroßen Massen,
die man hin und wieder am Boden findet, und welche die Volksmeinung
in Europa und Nordamerika als Sternschnuppensubstanz bezeichnet,
sind nach Cohn aufgequollene Frosch-Eileiter, welche wahrscheinlich
von Nachtvögeln ausgeleert werden. Vgl. Schiaparelli, Entwurf
einer astronomischen Theorie der S. (deutsch, Stett. 1871);
Boguslawski, Die S. und ihre Beziehungen zu den Kometen (Berl
1874).
306
Sternschnuppengallerte - Sternwarte.
Steruschnuppengallerte, s. Nostoc.
Sterusingen, der in der Weihnachtszeit bis zum
Dreikönigsabend ehedem weit und breit übliche Brauch, mit
einem an einer Stange befestigten goldpapiernen Stern herumzuziehen
und Weihnachts- oder Dreikönigslieder zu singen, um dafür
eine Gabe zu erhalten. Bald sind es Erwachsene, bald Kinder,
welche, meist als die drei Könige aus dem Morgenland
verkleidet, von Haus zu Haus ziehen, um ihre Lieder vorzutragen und
den Stern oder statt dessen auch einen Kasten mit Puppen zu
zeigen.
Sterustein, s. Korund.
Sterntag, s. Tag.
Sterntypen, s. Fixsterne, S. 325.
Sternum (lat.), Brustbein.
Sternutatio (lat.), das Niesen (s. d.).
Stern von Indien, großbrit. Orden, gestiftet 26.
Juni 1861 von der Königin Viktoria für das indische
Reich. Der Orden besteht aus dem Souverän, dem
Großmeister, welcher der Vizekönig von Indien ist, und
246 ordentlichen Genossen sowie einer unbegrenzten Zahl
Ehrenmitglieder. Die Genossen teilen sich in drei Klassen:
Großkommandeure (30), Kommandeure (72) und Genossen (144).
Die Dekoration besteht in einer Kette aus Lotus, Palmzweigen und
roten und weißen Rosen, in der Mitte die königliche
Krone, an welcher das Ordenszeichen hängt, ein kameenartig in
Onyx geschnittenes Brustbild der Königin in einem
durchbrochenen Oval, mit der Devise: "Heaven's light our guide",
überragt von einem Stern aus Diamanten. Der Ordensstern
besteht in einem Mittelschild mit Diamantstern, von welchem
Goldstrahlen ausgehen, und der auf einem blau und weiß
geränderten Band ruht, welches die Devise in Diamanten
zeigt.
Stern von Rumänien, fürstlich rumän.
Zivil- und Militärverdienstorden, gestiftet 10. Mai 1877 vom
Fürsten Karl I. Der Orden hat fünf Klassen:
Großkreuze, Großoffiziere, Kommandeure, Offiziere und
Ritter, deren Zahl festgestellt ist. Die Dekoration besteht in
einem blau emaillierten Kreuz, das, mit Strahlen verziert, die
goldene Fürstenkrone trägt. Militärverdienst wird
durch gekreuzte Schwerter gekennzeichnet. Der Mittelschild des
Kreuzes zeigt in rotem Email vorn einen Adler mit der Devise: "In
fide salus" in grünem Randreif, hinten die fürstliche
Chiffer. Die Ritter tragen das Kreuz in Silber, die andern von
Gold; die Großkreuze und Großoffiziere außerdem
einen diamantierten Silberstern mit darauf liegendem Kreuz. Das
Band ist rot mit dunkel-blauen Randstreifen.
Sternwarte (Observatorium, hierzu Taf. "Sternwarte"), ein
zu astronomischen Beobachtungen und Messungen bestimmtes
Gebäude. Während man früher die Sternwarten der
bessern Umsicht halber gern auf Türmen einrichtete, hat man,
namentlich im vorigen Jahrhundert, eingesehen, daß so hohe
Gebäude einen für Erschütterungen sehr empfindlichen
und infolge der ungleichen Erwärmung durch die Sonne sehr
schwankenden Standort gewähren, weshalb sich auf ihnen genaue,
der gegenwärtigen Vollendung der Instrumente und der
Ausbildung der Beobachtungskunst entsprechende Beobachtungen gar
nicht ausführen lassen. Man baut daher die Sternwarten
heutzutage niedrig und stellt die größern Instrumente
auf steinerne Pfeiler, die mit den übrigen Fundamenten
außer Zusammenhang stehen. Im Meridian, auch im ersten
Vertikal (s. d.), müssen Einschnitte für das
Passageinstrument vorhanden sein. Ferner baut man für die
größern Äquatoriale Türme mit drehbarem Dach,
die Beobachtungen nach den verschiedensten Richtungen gestatten;
auch sorgt man für eine Terrasse od. dgl. zu Beobachtungen im
Freien. Die ganzen Baulichkeiten, mit den Wohnräumen für
das Personal, sollen an einem ruhigen, nicht zu nahe an frequenten
Straßen gelegenen Platz, nicht im Innern größerer
Städte, gelegen sein; die freie Umsicht am Horizont ist nicht
nötig, wenn nur in größerer Höhe der Himmel
frei ist, denn Beobachtungen dicht am Horizont sind wenig
zuverlässig. Zur Ausstattung einer S. gehören:
Meridiankreis, Mittagsrohr, Äquatorial, Vertikalkreis,
Heliometer, kleinere Fernrohre, gute Uhren, elektrische
Registrierapparate und meteorologische Instrumente, zunächst
zur Reduktion der astronomischen Beobachtungen. Neuerdings sind
aber viele Sternwarten auch zugleich meteorologische
Beobachtungsstationen. Die erste nach neuern Grundsätzen
erbaute S. ist die von Greenwich, 1672 errichtet; die noch
ältere, 1664-72 erbaute Pariser S. ist den Ansprüchen der
Gegenwart nicht mehr ganz entsprechend. Ein großartiges
Institut ist die 1833-39 auf dem Pulkowaberg bei Petersburg
errichtete Nikolai-Zentralsternwarte. Auch die Vereinigten Staaten
von Nordamerika besitzen eine Anzahl sehr gut eingerichteter
Sternwarten, unter denen namentlich die Marinesternwarte in
Washington sich durch ihre Leistungen hervorgethan hat und das
Lick-Observatorium auf dem 1400 m hohen Mount Hamilton in
Kalifornien durch seine Lage und Ausstattung außerordentlich
begünstigt ist. Ebenso sind in Südamerika,
Südafrika, Ostindien und Australien einzelne Sternwarten
thätig. Die Gesamtzahl aller Observatorien übersteigt
jetzt 200, während sie Ende des vorigen Jahrhunderts nur 130
betrug. Auf dem Kontinent von Europa sind die meisten Sternwarten
Staatsanstalten, in Großbritannien aber haben sich viele
Privatsternwarten durch ihre Leistungen einen Namen erworben. Als
Beispiel einer allen Anforderungen der Neuzeit, sowohl für die
Zwecke des Unterrichts als der wissenschaftlichen Forschung,
entsprechenden S. dient uns die auf beifolgender Tafel dargestellte
neue S. zu Straßburg (die Beschreibung derselben siehe auf
der Textbeilage zur Tafel, wo sich auch eine Übersicht der
bedeutendsten Sternwarten befindet). Seitdem in den letzten
Jahrzehnten Physik und Chemie insbesondere in der Photographie und
Spektralanalyse neue Hilfsmittel dargeboten haben, welche den
Untersuchungen über die physische Beschaffenheit der
Himmelskörper einen früher ungeahnten Grad von
Genauigkeit und Zuverlässigkeit verleihen, bilden derartige,
ehemals nur einzelnen Liebhabern überlassene Forschungen eine
wesentliche Aufgabe des Astronomen von Fach. Indessen sind die
ältern Sternwarten neben ihren sonstigen, vorzugsweise auf
Erforschung der Bewegung der Himmelskörper gerichteten
Arbeiten nur unvollkommen im stande, sich dieser Aufgabe zu widmen;
denn dieselbe stellt nicht nur an die Ausbildung und Arbeitskraft
der Beobachter Forderungen besonderer Art, sondern sie verlangt
auch bedeutende instrumentelle Hilfsmittel und macht physikalische
und chemische Arbeiten nötig, für welche die ältern
Sternwarten nicht eingerichtet sind. So wie man daher früher
einzelne Sternwarten speziell zur Beobachtung der Erscheinungen auf
der Sonne eingerichtet hat, so ist man in der neuesten Zeit an die
Errichtung von Observatorien gegangen, welche der Pflege der
verschiedensten Zweige der Astrophysik dienen sollen, so in
Frankreich das Observatorium zu Meudon und in Deutschland das
astrophysikalische Observatorium auf dem Telegraphenberg bei
Potsdam, das 1879 seiner Bestimmung übergeben wurde.
STERNWARTE DER KAISER WILHELMS-UNIVERSITÄT ZU
STRASSBURG.
Grosser Refraktorbau. (Ansicht.)
Grosser Refraktorbau. (Durchschnitt von A nach B.)
Grosser Refraktorbau.
a. Grosser Refraktor,
b. Raum für konstante Temperatur,
c. Halle.
d. Boden.
e. Gang.
f. Hörsaal.
g. Keller.
h. Vestibül.
i. Bibliothek
k. Direktionszimmer
Gemeinschaftliches Observatoriengebäude.
a. Treppenhaus.
b. Rechenzimmer.
c. Treppengang zum Instrument
d. Instrumente.
e. Eingang zum Meridiansaal.
f. Passageninstrument.
g. Meridiankreis.
Beamtenwohnhaus.
Situationsplan der Sternwarte
Gemeinschaftliches Observatoriengebäude. (Meridianbau.)
(Durchschnitt von A nach B.)
Turm des Altazimuth
Turm des Bahnsuchers.
[Zu Artikel und Tafel Sternwarte.]
Die Sternwarte der Kaiser Wilhelms-Universität zu
Straßburg.
Die im Sommer 1881 ihrer Bestimmung übergebene Sternwarte
der Kaiser Wilhelms-Universität zu Straßburg besteht aus
drei Gebäuden, von denen das eine Wohnungen, die andern beiden
die zur Aufstellung der Instrumente nötigen Räume
enthalten. Der Refraktorbau für das Hauptinstrument der
Sternwarte (s. Tafel) ist ein von einer mächtigen Kuppel
gekrönter Turm, der sich 24 m über den Boden erhebt. Die
Mitte des aus Sandstein aufgeführten Unterbaues, dessen
Querschnitt die Form eines gleicharmigen Kreuzes zeigt, nimmt eine
Halle ein, um welche sich eine Anzahl verschiedenen Zwecken
dienender Räume gruppieren. Die diese Halle
einschließenden sehr starken Mauerpfeiler tragen ein
mehrfaches Gewölbe, auf welchem die den großen Refraktor
tragende Säule ruht. Dieses Gewölbe ist von der obern,
die Kuppel tragenden Umfassungswand des Turms und von dem
Fußboden des Kuppelraums isoliert, so daß sich
Erschütterungen dieser Teile nicht direkt auf das Instrument
übertragen können; es umschließt einen Hohlraum,
der im Innern des ganzen Mauerwerks zu allen Tages- und
Jahreszeiten sehr nahe dieselbe Temperatur behält, und in
welchem daher die Normaluhren des Observatoriums ihre Aufstellung
gefunden haben. Ein zweiter Raum mit konstanter Temperatur ist noch
inmitten des Kellergeschosses gelegen. Die halbkugelförmige
Kuppel des Turms (vgl. den Durchschnitt auf der Tafel) von 11 m
Durchmesser ist aus eisernen Bogenträgern konstruiert, die
eine außen mit Zink verkleidete Holzverschalung tragen, und
an der Innenfläche zum Schutz gegen die sich hier leicht
ansetzende Feuchtigkeit mit Tuch ausgeschlagen. Ein Spalt von 2 m
Breite, vom Horizont durch den Scheitel bis wieder zum Horizont
gehend, ermöglicht den Ausblick auf den Himmel; bei
ungünstigem Wetter wird derselbe durch zwei halbcylindrische
Stücke geschlossen, die sich beim Öffnen symmetrisch
voneinander entfernen. Die Kuppel ist drehbar und läuft auf
dem obern Rande der Turmwand vermittelst an ihr befestigter
Räder von 1 m Durchmesser. Sie ist mit einem Zahnkranz
versehen, in den eine Transmission eingreift, welche durch ca. 1000
kg schwere, in tiefen, zu diesem Zweck im Mauerwerk ausgesparten
Schächten niedersteigende Gewichte getrieben wird. Durch
Umschaltung einer Welle in dieser Transmission kann man die Drehung
rechts- oder linksherum vor sich gehen lassen, und dieses
Umschalten ebenso wie das Auslösen der Gewichte erfolgt, indem
man durch Schluß eines am Okularende des Fernrohrs
angebrachten Kontakts einen Elektromagnet wirken läßt,
so daß also der Beobachter, ohne seinen Platz zu verlassen
und ohne alle Mühe den Spalt der ca. 34,000 kg schweren Kuppel
auf die gerade zu beobachtende Himmelsgegend richten kann. Eine
breite Terrasse um die Kuppel ist bestimmt für die mit
bloßem Auge oder mit kleinem transportabeln Instrumenten
anzustellenden Beobachtungen. Auf ihr befindet sich auch ein
großer Kometensucher von 16,2 cm Öffnung und 1,3 m
Brennweite, welchen der auf einem Drehstuhl sitzende Beobachter auf
jede Gegend des Himmels richten kann, ohne dabei die Lage seines
Kopfes verändern zu müssen. Derselbe dient außerdem
zur fortlaufenden Beobachtung des Lichtwechsels der in ihrem Glanz
veränderlichen Fixsterne. Unter der Kuppel ruht auf einer 4 m
hohen gußeisernen Säule der große parallaktisch
montierte Refraktor, dessen Objektiv einen freien Durchmesser von
48,7 cm und 7 m Brennweite hat (vgl. Äquatorial).
Bemerkenswert sind noch die an der großen Drehkuppel
angebrachten Vorrichtungen, um dieselbe auf ihrer
Außenfläche vollständig mit Wasser zu berieseln und
so im heißen Sommer vor Beginn der Beobachtungen eine
raschere Abkühlung derselben zu bewirken. In den ersten
Abendstunden würden sonst die das Instrument zunächst
umgebenden Luftschichten eine bedeutend höhere Temperatur als
die äußere Luft zeigen, was eine Störung der
durchgehenden Lichtstrahlen und ein verwaschenes und zitterndes
Ausheben der im Fernrohr beobachteten Gestirne zur Folge haben
müßte. Der Meridianbau (s. Tafel) enthält in seinem
Ostflügel den Meridiansaal, dessen Längsachse in der
Richtung OW. liegt; er wird in nordsüdlicher Richtung von zwei
je 1 m breiten, durch Klappen verschließbaren Spalten
durchschnitten, unter denen der Meridiankreis von 16,2 cm
Öffnung und 1,9 m Brennweite und das Passageinstrument
aufgestellt sind. Diese Instrumente ruhen, um ihnen eine feste und
unveränderliche Aufstellung zu geben, auf starken Pfeilern,
die frei aus dem Boden aufsteigen und vom ganzen übrigen
Gebäude isoliert sind. Die äußern Grundmauern des
Gebäudes sind gleichfalls sehr stark und mit zwischenliegenden
Luftschichten aufgeführt, um die Instrumentenpfeiler
möglichst vor Temperaturschwankungen, welche Verziehungen
derselben zur Folge haben könnten, zu sichern; sie tragen ein
flaches Bogengewölbe, durch das jene Pfeiler frei
hindurchgehen. Der Fußboden ist in der
verhältnismäßig beträchtlichen Höhe von
fast 5 m über der Erde angelegt, um die Gesichtslinien der
Instrumente auch bei nahezu horizontaler Stellung des Fernrohrs aus
dem Bereich der an der Erdoberfläche stattfindenden
unregelmäßigen Strahlungen zu bringen. Der Oberbau des
Meridiansaals ist aus Eisen konstruiert; Wandung und Dach sind aus
verzinntem Wellenblech hergestellt und außen mit einer
jalousieartigen Holzverkleidung versehen, um die Innentemperatur
des Raums möglichst gleich der äußern
Schattentemperatur zu machen und auf diese Weise sowohl alle
störenden Luftströmungen durch die geöffneten
Spalten zu vermeiden als auch namentlich die Bildung von nach oben
wärmer werdenden Luftschichten zu verhindern, wodurch auch die
obern und untern Teile der Instrumente sich ungleich erwärmen
und infolgedessen ihre genaue Gestalt verlieren würden. Der
Westflügel des Meridianbaues wird im N. und S. von zwei mit
Drehkuppeln versehenen Türmen begrenzt, die sich bis zur
Höhe von 20 m erheben. In dem südlichen Turm ist
aufgestellt der Bahnsucher, in dem nördlichen das Altazimut
mit einem Fernrohr von 13,6 cm Öffnung und 1,5 m Brennweite,
welche Instrumente auf sehr starken, vom übrigen Gebäude
völlig getrennten Pfeilern ruhen. Diese verjüngen sich
nach oben, sind im Innern bis auf radiale Versteifungen hohl und
werden zum Schutz gegen Wärmeänderungen, welche leicht
merkliche Schwankungen der 16 m hohen Pfeiler verursachen
könnten, von einem Hohlcylinder aus Backsteinen
eingeschlossen. Um diesen windet sich dann die Wendeltreppe, die
von der äußern Turmwand getragen wird. Die beiden
drehbaren Kuppeln haben einen Durchmesser von 5,5 m; die
südliche ist ganz ähnlich der des Refraktorbaues, die
nördliche dagegen ist, weil das unter ihr befindliche
Altazimut eine besonders große Öffnung derselben bei der
Beobachtung erforderte, durch einen senkrecht durch ihren Scheitel
gelegten Schnitt in zwei gleiche Hälften geteilt, die sich
durch einen Bewegungsmechanismus bis zum Abstand von 2,5 m
voneinander entfernen lassen. Die Galerien und Terrassen, welche
die beiden Kuppeln umgeben, können ebenfalls mit Wasser
berieselt werden. Außer den erwähnten
Meßwerkzeugen besitzt die Sternwarte noch eine Anzahl
kleinerer Instrumente, ein Heliometer, ein transportables
Passageinstrument, welche im Freien unter Bedachung ihre
Aufstellung gefunden haben, etc.
Übersicht der bedeutendsten Sternwarten.
Sternwarte Länge in Bogen von Greenwich Breite
Deutschland.
Berlin ö. 13° 23' 43" +52° 30' 16,7"
Bonn ö. 7 5 58 +50 43 45,0
Bothkamp b. Kiel (Priv.) ö. 10 7 42 +54 12 9,6
Breslau ö. 17 2 16 +51 6 56,5
Danzig ö. 18 39 51 +54 21 18,0
Düsseldorf (Bilk) ö. 6 46 13 +51 12 25,0
Gotha ö. 10 42 37 +50 56 37,5
Göttingen ö. 9 56 33 +51 31 47,9
Hamburg ö. 9 58 25 +53 33 7,0
Kiel ö. 10 8 52 +54 20 29,7
Königsberg ö. 20 29 43 +54 42 50,6
Leipzig ö. 12 23 30 +51 20 6,3
Lübeck ö. 10 41 24 +53 51 31,2
Mannheim ö. 8 27 41 +49 29 11,0
Marburg ö. 8 46 15 +50 48 46,9
München (Bogenhausen) ö. 11 36 28 +48 8 45,5
Straßburg ö. 7 45 35 +48 34 55,0
Wilhelmshaven ö. 8 8 48 +53 31 57,0
Österreich.
Krakau ö. 19 57 37 +50 3 50,0
Kremsmünster ö. 14 8 3 +48 3 23,7
Pola ö. 13 50 52 +44 51 49,0
Prag ö. 14 25 19 +50 5 18,5
Wien ö. 16 22 55 +48 12 35,5
Wien (Josephstadt) ö. 16 21 19 +48 12 53,8
Schweiz.
Bern ö. 7 26 24 +46 57 6,0
Genf ö. 6 9 16 +46 11 58,8
Neuchâtel ö. 6 57 31 +47 0 1,2
Zürich ö. 8 32 58 +47 22 42,1
Niederlande u. Belgien.
Leiden ö. 4 29 3 +52 9 20,3
Utrecht ö. 5 8 1 +52 5 10,5
Brüssel ö. 4 22 8 +50 51 10,7
Großbritannien.
Armagh w. 6 38 53 +54 21 12,7
Birr Castle w. 7 55 14 +53 5 47,0
Cambridge ö. 0 5 40 +52 12 51,6
Dublin w. 6 20 31 +53 23 13,0
Durham w. 1 34 57 +54 46 6,2
Edinburg w. 3 10 54 +55 57 23,2
Glasgow w. 4 17 39 +55 52 42,6
Greenwich 0 0 0 +51 28 38,4
Liverpool w. 3 4 17 +53 24 3,8
Markree w. 8 27 2 +54 10 31,8
Oxford w. 1 15 39 +51 45 36,0
Portsmouth w. 1 5 55 +50 48 3,0
Tulse Hill w. 0 6 56 +51 26 47,0
Rußland.
Abo (aufgelöst) ö. 22 17 2 +60 26 56,8
Charkow ö. 36 13 40 +50 0 10,2
Dorpat ö. 26 43 22 +58 22 47,1
Helsingfors ö. 24 57 16 +60 9 42,3
Kasan ö. 49 7 13 +55 47 24,2
Kiew ö. 30 30 16 +50 27 12,5
Moskau ö. 37 34 13 +55 45 19,8
Nikolajew ö. 31 58 31 +46 58 20,6
Odessa ö. 30 45 35 +46 28 36,2
Petersburg ö. 30 18 22 +59 56 29,7
Pulkowa ö. 30 19 38 +59 46 18,7
Warschau ö. 21 1 50 +52 13 5,7
Wilna ö. 25 17 58 +54 41 0,0
Schweden u. Norwegen.
Lund ö. 13° 11' 15" +55° 41' 54,0"
Stockholm ö. 18 3 32 +59 20 34,0
Upsala ö. 17 37 30 +59 51 31,5
Christiania ö. 10 43 32 +59 54 43,7
Dänemark.
Kopenhagen ö. 12 34 47 +55 41 13,6
Italien.
Bologna ö. 11 21 9 +44 29 47,0
Florenz ö. 11 15 22 +43 46 4,1
Mailand ö. 9 11 31 +45 28 0,7
Modena ö. 10 55 42 +44 38 52,8
Neapel ö. 14 14 42 +40 51 45,4
Padua ö. 11 52 14 +45 24 2,5
Palermo ö. 13 21 1 +38 6 44,0
Rom ö. 12 28 50 +41 53 53,7
Turin ö. 7 42 5 +45 4 6,0
Venedig ö. 12 21 11 +45 25 49,5
Frankreich.
Marseille ö. 5 23 50 +43 18 19,1
Paris ö. 2 20 13 +48 50 11,2
Toulouse ö. 1 27 44 +43 36 47,0
Spanien.
Madrid w. 3 41 18 +40 24 29,7
San Fernande w. 6 12 33 +36 27 40,4
Portugal.
Lissabon w. 9 6 15 +38 42 15,2
Griechenland.
Athen ö. 23 43 55 +37 58 20,0
Vereinigte Staaten von Nordamerika.
Albany w. 73 44 35 +42 39 49,6
Alfred Centre w. 77 46 46 +42 15 19,8
Alleghany-City w. 80 0 49 +40 27 36,0
Ann Arbor w. 83 43 44 +42 16 48,0
Cambridge w. 71 7 41 +42 22 48,0
Chicago w. 87 36 38 +41 50 1,0
Cincinnatiw. 84 29 41 +39 6 26,5
Clinton w. 75 24 18 +43 3 16,5
Georgetown w. 77 4 30 +38 54 26,1
Licks Sternwarte w. 98 54 34 +19 25 17,0
Mew York w. 73 59 12 +40 43 48,5
Philadelphia w. 75 9 37 +39 57 7,5
Washington w. 77 3 2 +38 53 38,8
Südamerika
Cordova w. 64 11 15 -31 25 15,0
Rio de Janeiro w. 43 8 56 -22 53 51,0
Santiago de Chile w. 70 40 34 -33 26 42,0
Ostindien.
Madras ö. 80 14 19 +13 4 8,1
Australien.
Melbourne ö. 144 58 34 -37 49 53,4
Sydney ö. 151 11 27 -33 51 41,1
Williamstown ö. 144 54 38 -37 52 7,2
Windsor ö. 150 48 50 -33 36 29,2
Kapland.
Kap der Guten Hoffnung ö. 18 28 44 -33 56 3,0
1 1825--63 unter dem Direktorat von J. F. Encke. -- 2
Bonn: Argelander, von 1837--75 Direktor, bearbeitete daselbst
seine ausgezeichneten Sternkarten. -- 3 Gotha: Encke begann
hier seine astronomische Thätigkeit; ihm folgte 1825 im
Direktorat P. A Hansen -- 4 Göttingen: K F Gauß
1807--55 Direktor. -- 6 Königsberg: 1810--46 F.
W. Bessel Direktor. -- 6 Prag: Tycho Brahe und Kepler haben
daselbst gewirkt. - 7 Greenwich: Halley beschloß hierselbst
als Direktor der Sternwarte seine ruhmreiche Thätigkeit; ihm
folgte 1725 Bradley. -- 8 Abo: Argelanders
Fixsternbeobachtungen. -- 9 Dorpat: W. Struves Untersuchungen
über Doppelsterne. 1840--66 J. H. Mädler Direktor. -
10 Pulkowa: 1839 -- 65 W. Struve Direktor. -- 11 Bologna:
Cassinis erste Beobachtungen. -- 12 Palermo: Piazzi entdeckte
daselbst den ersten kleinen Planeten. -- 13 Rom: Pater Secchis
(gest. 1878) spektralanalytische Untersuchungen. -- 14 Paris:
Cassini erster Direktor 1669; spätere: Bouvard, Arago,
Leverrier.
307
Sternweite - Stettin.
Sternweite, Entfernung eines Fixsterns von der Sonne,
wenn seine jährliche Parallaxe (s. d.) eine Bogensekunde
beträgt, gleich 206,264,8 Erdbahnhalbmessern oder
ungefähr 30 2/3 Bill. km.
Sternwürmer, s. Gephyreen.
Sternzeit, die durch die scheinbare tägliche
Bewegung der Fixsterne bestimmte Zeit; vgl. Sonnenzeit und Tag.
Sterrometall, Legierung aus 55 Kupfer, 41 Zink und 4
Eisen, von großer Festigkeit und Zähigkeit, dient zu
Blech- und Gußwaren, Achsenlagern etc.
Stertmorchel, s. Phallus.
Stertor (lat.), das Röcheln (s. d.).
Stertz, ein steir. Nationalgericht, bestehend aus einem
aus Buchweizenmehl bereiteten großen Kloß, welcher mit
Speckgriefen und Milch genossen wird.
Sterzing, Stadt in Tirol, Bezirkshauptmannschaft Brixen,
am Eisack und an der Brennerbahn, 947 m ü. M.,
altertümlich gebaut, mit gotischer Pfarrkirche, schönem
gotischen Rathaus, einem Deutschordenshaus (1263 gestiftet),
Kapuzinerkloster, einem Bezirksgericht, Fabrikation von Sensen,
Sicheln, Beinlöffeln etc. und (1880) 1528 Einw.
Südöstlich das nunmehr ausgetrocknete Sterzinger Moos. S.
hieß zur Römerzeit Vipitenum. Gegenwärtig ist es
ein beliebtes Standquartier der Touristen. Vgl. Fischnaler S. am
Eisack (2. Aufl., Innsbr. 1885).