ordentlichen Professor der Litteratur und Kulturgeschichte am

Polytechnikum ernannt ward. Als Resultate dieser Jahre traten seine

"Gedichte" (Leipz. 1860, 3. Aufl. 1882), die Novellen: "Am

Königssee" (das. 1863) und "Historische Novellen" (das. 1866)

hervor, welche einen bedeutenden Fortschritt bekundeten. Als

Litterarhistoriker veröffentlichte er die Anthologie:

"Fünfzig Jahre deutscher Dichtung" (Leipz. 1871, 2. Aufl.

1877); "Katechismus der allgemeinen Litteraturgeschichte" (das.

1874, 2. Aufl. 1876); "Aus dem 18. Jahrhundert", Essays (das.

1874); "Zur Litteratur der Gegenwart", Studien und Bilder (das.

1880); "Lexikon der deutschen Nationallitteratur" (das. 1882);

"Geschichte der neuern Litteratur" (das. 1883-85, 7 Bde.);

"Geschichte der Weltlitteratur" (Stuttg. 1887-88) sowie mehrere

litterar-historische Monographien in Riehls "Historischem

Taschenbuch", Arbeiten, von denen namentlich der "Geschichte der

neuern Litteratur" umfassendes Wissen, Sicherheit des Urteils,

Geschmack in der Darstellung und Größe der historischen

Auffassung zugestanden werden. Spätere poetische Werke sind:

"Das Fräulein von Augsburg", Roman (Leipz. 1867); "Neue

Novellen" (das. 1875); die Tragödie "Die Deutschherren"

(Dresd. 1878); die epische Dichtung "Johannes Gutenberg" (Leipz.

1873, 2. Aufl. 1889); das Novellenbuch "Ans dunklen Tagen" (das.

1879, 2. Aufl. 1880); die Romane: "Die letzten Humanisten" (3.

Aufl., das. 1889), "Ohne Ideale" (das. 1881, .2 Bde.) und "Camoens"

(das. 1887); "Drei venezianische Novellen" (das. 1886), Werke,

welche uns S. als einen Dichter von reicher Phantasie und

künstlerischer Darstellung erkennen lassen. Er schrieb noch:

"Wanderbuch", Bilder und Skizzen (Leipz. 1877, 2. Aufl. 1886),

"Hermann Hettner", Lebensbild (das. 1885), "Die Musik in der

deutschen Dichtung" (das. 1888) und gab "W. Hauffs sämtliche

Werke" (Berl. 1879, 4 Bde.), "Herders ausgewählte Schriften"

(Leipz. 1881, 3 Bde.), "Chr. Gottfr. Körners gesammelte

Schriften" (das. 1882) und die 22. Auflage von Vilmars "Geschichte

der deutschen Nationallitteratur" mit Fortsetzung (1887, 23. Aufl.

1889) heraus. - Seine Gattin Margarete, geborne Herr, geb. 25. Nov.

1857 zu Dresden, Schülerin Liszts, ist eine namhafte, durch

echt musikalische Natur und Poesie der Auffassung hervorragende

Klavierspielerin.

3) Alfred, Historiker, geb. 22. Nov. 1846 zu Göttingen,

studierte in Heidelberg, Göttingen und Berlin, erhielt darauf

eine Anstellung im badischen Generallandesarchiv zu Karlsruhe,

habilitierte sich, nachdem er 1871 eine Studienreise nach England

unternommen, 1872 für Geschichte in Göttingen und wurde

1873 Professor der Geschichte in Bern, 1888 am Polytechnikum in

Zürich. Er schrieb: "Über die zwölf Artikel der

Bauern und einige andre Aktenstücke aus der Bewegung von 1525"

(Leipz. 1868), wozu sich Ergänzungen in den "Forschungen zur

deutschen Geschichte" (Bd. 12, 1872) befinden; "Milton und seine

Zeit" (das. 1877-79, 2 Bde.); "Geschichte der Revolution in

England" (in Onckens Geschichtswerk, Berl. 1881); "Briefe

englischer Flüchtlinge in der Schweiz", herausgegeben und

erläutert (Götting. 1874); "Abhandlungen und

Aktenstücke zur Geschichte der preußischen Reformzeit

1807-15" (Leipz. 1885). Gemeinsam mit W. Vischer gab er den 1. Band

der "Baseler Chroniken" (Leipz. 1872) heraus.

4) Daniel, Pseudonym, s. Agoult.

Sterna, Seeschwalbe.

Sternanis, Pflanzengattung, s. Illicium.

Sternapfel, s. Chrysophyllum.

Sternb., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung

für Kaspar Maria v. Sternberg (s. d. 1).

Sternbedeckugen, s. Bedeckung.

Sternberg, alte Landschaft im preuß.

Regierungsbezirk Frankfurt, im O. von der Oder und im Süden

von der Warthe, bildet jetzt die beiden Kreise Oststernberg

(Landratsamt in Zielenzig) und Weststernberg mit der Hauptstadt

Drossen. Vgl. Freier, Geschichte des Landes S. (Zielenzig

1887).

Sternberg, 1) Stadt in Mähren, an der

Ferdinands-Nordbahn (Linie Olmütz-S.) und der Mährischen

Grenzbahn (S.-Grulich), Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines

Bezirksgerichts, hat 9 Vorstädte, eine Landes-Unterrealschule,

eine Webschule, Tabaksfabrik, sehr starke Leinen- und

Baumwollwarenfabrikation, Obstbau (besonders Kirschen), Handel mit

diesen Erzeugnissen und (1880) 14,243 Einw. S. ist im 13. Jahrh.

von Jaroslaw von Sternberg gegründet worden, der hier 1241 die

Mongolen geschlagen hatte. Seit Ende des 17. Jahrh. bildet S. eine

Domäne des Hauses Liechtenstein. -

2) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis

Oststernberg, an der Linie Frankfurt-Posen der Preußischen

Staatsbahn, 91 m ü. M., hat eine evang. Kirche und (1885) 1568

Einw. -

3) Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Kreis

Mecklenburg, an einem See, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht,

eine Forstinspektion, (1885) 2646 Einw. und ist abwechselnd mit

Malchin Sitz der mecklenburgischen Stände. Nach S. benannt

sind die sogen. Sternberger Kuchen, Reste der Tertiärformation

innerhalb der Diluvialschichten.

Sternberg, 1) altes freiherrliches, später

reichsgräfliches Geschlecht aus Franken, das in

Österreich, Böhmen und Mähren begütert ist, in

Böhmen seit dem 13. Jahrh. urkundlich auftaucht und 1663 von

Kaiser Leopold I. in den Reichsgrafenstand erhoben ward. Die

böhmische Linie teilte sich Anfang des 18. Jahrh. in eine

ältere und jüngere. Jene erwarb durch Heirat 1762 die

reichsunmittelbaren, in der Eifel gelegenen Herrschaften der Grafen

Manderscheid mit Sitz und Stimme im westfälischen

Grafenkollegium, nannte sich seitdem S.-Manderscheid und ward

für den Verlust jener Besitzungen im Lüneviller Frieden

mit den vormaligen Abteien Schussenried und Weißenau

entschädigt, die jetzt eine Standesherrschaft unter

württembergischer Oberhoheit bilden. Die Linie starb 1843 im

Mannesstamm aus. Die jüngere Linie, S.-Serowitz, in

Böhmen begütert, hat zum Haupte den Reichsgrafen Leopold

von S., geb. 22. Dez. 1811, erbliches Mitglied des Herrenhauses des

Reichsrats. Aus dieser Linie stammte auch Kaspar Maria von S., geb.

6. Jan. 1761 zu Prag, anfänglich für den geistlichen

Stand bestimmt, sonders dem Studium der Kunst ergeben, 1748 im

Regensburger, 1788 im Freisinger Kapitel, seit 1795 der Botanik und

den Naturwissenschaften überhaupt ergeben und seit 1809

für Böhmens geistige Kultur rastlos thätig; gest.

20. Dez. 1838 zu Brzesina als Präsident des böhmischen

Nationalmuseums in Prag, dem er seine sämtlichen reichen

naturwissenschaftlichen Sammlungen, darunter eine nach

geognostische Zeitperioden geordnete Petrefaktensammlung,

vermachte. Man verdankt ihm die ersten tüchtigen Arbeiten

über gewisse Gruppen vorweltlicher Pflanzen; sein Hauptwerk

ist der "Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung der

Flora der Vorwelt" (Prag 1820-32, 2 Bde. mit 160 Tafeln). Auch

lieferte S. eine Monographie über die Saxifrageen und mehrere

Arbeiten über die böhmische Flora etc. Seinen

Briefwechfel mit Goethe aus den Jahren 1820-32 gab Bratranek

303

Sternberger Kuchen - Sternkarten.

(Leipz. 1866) heraus. Vgl. Palacky, Leben des Grafen Kaspar S.

(Prag 1868).

2) Alexander von, Schriftsteller, s. Ungern-Sternberg.

Sternberger Kuchen, s. Tertiärformation.

Sternbilder (Konstellationen), Gruppen von Fixsternen zu

leichterer Übersicht und Bezeichnung, wurden schon von den

alten Ägyptern aufgestellt und mit zum Teil noch jetzt

gültigen Namen belegt; die Griechen führten viele

mythologische Bezeichnungen ein. Nähere Angaben sowie ein

Verzeichnis der S. enthält das Textblatt der Karte

"Fixsterne".

Sternblume, s. Aster und Narcissus.

Sterndeutekunst, s. Astrologie.

Sterndienst (Sternanbetung), s. Sabäismus.

Sterndolde, s. Astrantia.

Sterne, 1) (spr. stern) Lawrence, berühmter engl.

Humorist, geb. 24. Nov. 1713 zu Clonmel in Irland, widmete sich zu

Cambridge theologischen Studien und wurde 1720 Pfarrer in Sutton,

siedelte 1760 nach London über, bereiste dann Frankreich und

Italien und starb 18. März 1768 in London. Sein Hauptwerk ist

: "The life and opinions of Tristram Shandy" (Lond. 1759-67, 9

Bde., oft aufgelegt; deutsch von Gelbke, Hildburgh. 1869), von dem

die beiden ersten Bände ihn bereits auf den Gipfel der

Popularität erhoben. Die Neuheit und Seltsamkeit seines Stils

erregte allgemeines Aufsehen; er wurde der verzogene Liebling der

feinen Gesellschaft Londons. "Tristram Shandy" ist eine

Erzählung, die aus einer Reihe von Skizzen besteht und teils

unter der Maske des Yorick (S. selbst), eines Geistlichen und

Humoristen, teils unter derjenigen des phantastischen Tristram

vorgetragen wird. Das Ganze ist, ähnlich wie bei unserm Jean

Paul, mit wunderlicher Gelehrsamkeit verquickt und mehr ein buntes

Durcheinander als ein planvolles Kunstwerk. Viel lesbarer als

"Tristram Shandy" ist Sternes "Sentimental journey through France

and Italy" (Lond. 1768 u. öfter; deutsch von Böttger,

Berl. 1856; von Eitner, Hildburgh. 1868) geblieben. Der geistvolle,

scharf beobachtende, tief empfindende Reisende, hinter dessen

leicht hingeworfenen Liebesabenteuern man übrigens kaum einen

Geistlichen vermutet, ist eins der frischesten und

unvergänglichsten Charakterbilder des 18. Jahrh. Außer

den genannten Schriften erschienen von S. mehrere Bände

"Sermons" (1760 ff.), die nicht minder den Humoristen verraten,

sowie nach seinem Tod "Letters to his most intimate friends" (1775,

3 Bde.) und sein Briefwechsel mit Elisa (Elizabeth Draper), einer

indischen Lady, zu der er eine Zeitlang in einem

Liebesverhältnis stand (1775). Von den vielen Gesamtausgaben

der Sterneschen Werke ist die neueste, mit Sternes

Selbstbiographie, von Browne besorgt (1884, 2 Bde.). Vgl. Ferriax,

Illustrations of S. (Lond. 1798); Traill, L. S. (das. 1882);

Fitzgerald, Life of L. S. (das. 1864, 2 Bde.), worin auch Sternes

merkwürdiges Schicksal nach dem Tod mitgeteilt ist, indem sein

Leichnam von den Wiederauferstehungsmännern nach Cambridge auf

die Anatomie verkauft wurde.

2) Carus, Pseudonym, s. Krause 5).

Sterneichuugen, das von William Herschel angewandte

Verfahren, um die Verteilung der Sterne im Weltraum zu ermitteln:

ein Fernrohr wird nach und nach auf verschiedene Punkte des Himmels

eingestellt und die Zahl der gleichzeitig im Gesichtsfeld

erscheinenden Sterne abgezählt, worauf aus mehreren

benachbarten Zählungen unter Berücksichtigung der

Größe des Gesichtsfeldes ein Schluß auf die Dichte

der Sterne an der betreffenden Stelle des Himmels gemacht werden

kann. Herschel kam 1785 auf dieses Verfahren und durchmusterte nach

demselben mit seinem 20füßigen Spiegelteleskop, dessen

Gesichtsfeld ungefähr 1/833000 des ganzen Himmels betrug, die

Zone vom 45.° nördl. bis 15.° südl. Deklination,

in welcher er 3400 Felder abzählte.

Sterngewölbe, s. Gewölbe, S. 312 (mit

Abbild.).

Sterngucker, s. Dummkoller.

Sternhaufen, s. Fixsterne, S. 322, und Nebel

(Nebelflecke).

Sternhaufen, s. Stör.

Sternjahr, s. Jahr.

Sternkammer (lat. Camera stellata, engl. Star Chamber),

engl. Gerichtshof, von König Heinrich VII. eingesetzt,

welcher, aus dem Lord-Kanzler und aus königlichen Räten

bestehend, über Staats- und Majestätsverbrechen urteilte

und unter den letzten Stuarts durch Härte und Willkür

sich sehr verhaßt machte. Sterne zierten die Decke des

Sitzungssaals, daher der Name. Sie ward 1641 aufgehoben (s.

Großbritannien, S. 797).

Sternkarten, Darstellung der Himmelskugel mit den Sternen

auf einer ebenen Fläche, gewöhnlich in stereographischer

oder zentraler Projektton (vgl. Landkarten). Die älteste

bemerkenswerte Sammlung von S. ist Bayers "Uranometria" (Augsb.

1603), 51 Blätter nebst einem Katalog von 1706 Sternen;

gleichfalls aus dem 17. Jahrh. ist Schillers "Coelum stellatum

christianum" (das. 1627) in 55 Blättern, worin an die Stelle

der alten Sternbilder die Apostel, Propheten und Heiligen gesetzt

waren, sowie Hevels "Firmamentum Sobiescianum" (Danz. 1690), 54

Blätter mit 1900 Sternen. Verdrängt wurden diese Atlanten

durch Flamsteeds "Atlas coelestis britannicus" (Lond. 1729, 28 Bl.;

kleinere Ausg. von Fortin, Par. 1776, und neu aufgelegt 1796),

welcher 2919 Sterne enthält und von Bode in Berlin 1782

verbessert in 34 Blättern herausgegeben wurde. 1782 erschien

Bodes "Représentation des astres" (Stralsund), auf 34

Blättern gegen 5000 Sterne enthaltend, worauf seine 20

großen Himmelskarten in der "Uranographia" (Berl. 1802; 2.

Aufl., das. 1819) mit 17,240 Sternen folgten. Diese ältern

Karten, auf denen überdies die ausführliche Zeichnung der

Sternbilder sehr störend wirkt, konnten dem Bedürfnis der

Astronomen nicht mehr genügen, seitdem man das Kreismikrometer

zur Beobachtung der Kometen anwandte; es kam jetzt darauf an,

möglichst viel Sterne, auch schwächere, in der Karte zu

haben. Hardings "Atlas novus coelestis" (Götting. 1822; neue

Ausg., Halle 1856), der auf 27 Tafeln 120,000 Sterne enthält,

war in dieser Hinsicht epochemachend. Aus späterer Zeit sind

zu nennen: Argelanders "Neue Uranometrie" (Berl. 1843), welche ein

getreues Bild des gestirnten Himmels gibt, wie er sich im mittlern

Europa dem bloßen Auge darstellt; dessen "Atlas des

nördlichen gestirnten Himmels" (Bonn 1857-63, 40 Karten) und

Schwincks "Mappa coelestis" (Leipz. 1843), welche in 5

Blättern den nördlichen gestirnten Himmel bis zu 30°

südl. Deklination darstellt. Eine bis dahin unbekannte

Ausführlichkeit zeigen die "Akademischen S.", welche auf

Bessels Anregung und auf Kosten der Berliner Akademie der

Wissenschaften 1830-59 von Argelander, Bremiker, Harding,

Göbel, Hussey, Inghirami, d'Arrest, Boguslawski, Fellecker,

Hencke, Knorre, Morstadt, Bluffen, Steinheil und Wolfers

veröffentlicht worden sind und alle Sterne zwischen 15°

nördlicher und südl. Deklination bis herab zur neunten

und teilweise bis zur zehnten Größe enthalten. Diese

304

Sternkataloge - Sternschnuppen.

Karten haben bei der ersten Aufsuchung des Planeten Neptun und

bei der Entdeckung der Planetoiden wesentliche Dienste geleistet.

Für derartige Zwecke genügt es aber, alle Fixsterne in

der Nähe der Ekliptik genau zu verzeichnen, da jeder Planet

zweimal bei seinem Umlauf die Ekliptik schneidet; dies gab den

Anlaß zur Entwerfung der "Ekliptischen Atlanten" von Hind und

Chacornac, welcher letztere von der Pariser Sternwarte vollendet

wird und die Sterne bis herab zur 13. Größe und bis auf

2 1/2° Abstand von der Ekliptik auf mehr als 72 Karten

darstellen wird. Für Laien sind geeignet: Littrow, Atlas des

gestirnten Himmels (3. Aufl., Stuttg. 1866); Dieu, Atlas celeste

(Par. 1865); Proctor, A star atlas showing all the stars visible to

the naked eye and 1500 objects of interest in 12 circular maps

(Lond. 1870); Heis, Neuer Himmelsatlas (Köln 1872), welcher

auf 12 Karten alle im mittlern Europa am Himmel sichtbaren Objekte

darstellt und namentlich auch durch sehr genaue Zeichnung der

Milchstraße sich auszeichnet; etwas Ähnliches leistet

für den südlichen Himmel Gould, Uranometria Argentina

(1879), und für beide Hemisphären Houzeau,

Uranométrie générale (Brüssel 1878);

Klein, Sternatlas (Köln 1887); Schurig, Himmelsatlas (Leipz.

1886); Messer, Sternatlas für Himmelsbeobachtungen (Petersb.

1888).

Sternkataloge, Verzeichnisse der Örter von

Fixsternen für einen bestimmten Zeitpunkt mit Angabe

derjenigen Größen, welche notwendig sind, um die

Örter zu andern Zeiten zu berechnen. Der älteste, von

Hipparch entworfene enthielt 1080 Sternpositionen für das Jahr

128 v. Chr.; ihm ist wahrscheinlich der im "Almagest" des

Ptolemäos enthaltene mit 1025 Sternen nachgebildet. Aus dem

Mittelalter sind zu nennen die S. des Abd al Rahmân al

Sûfi (903-986): "Description des étoiles fixes,

composée au milieu du X. siècle de notre ère

par l'astronome persan Abd al Rahmân al Sûfi, par

Schjellerup" (Petersb. 1874) und der des Herrschers von Samarkand,

Ulugh Beigh, mit 1019 Sternpositionen für 1437: "Ulugh Beigh,

tabulae astronomicae, ed. Th. Hyde" (Oxf. 1665) und das Sammelwerk

von Baily: "The catalogues of Ptolemy, Ulugh Beigh. Tycho Brahe,

Halley, Hevelius" (Lond. 1843). Im christlichen Abendland entwarf

zuerst Tycho Brahe (1600) ein Verzeichnis von 777 Sternen, sodann

(1660) Hevel eins von 1564 Sternen. Leider konnte der letztere sich

nicht zum Gebrauch des Fernrohrs bei seinen Beobachtungen

entschließen, weshalb auch sein Katalog rasch verdrängt

wurde durch den von Flamsteed in der "Historia coelestis

britannica" (Lond. 1712; 2. Ausg. von Halley, 1725)

veröffentlichten, welcher 2866 Sterne zählt. Lalandes

"Histoire celeste" (Par. 1801) enthält die Örter von

47,390 Sternen, die später von Baily mit Hilfe der von

Schumacher gegebenen Reduktionstafeln auf die Epoche 1800 reduziert

wurden (Lond. 1847), und Piazzi veröffentlichte (1803) ein

Verzeichnis von 6748 Sternen, welche Zahl in der spätern

Ausgabe ("Praecipuarum stellarum inerrantium positiones mediae

ineuntesaeculo XIX., ed. altera", Pal. 1814) auf 7646 vermehrt ist.

Epochemachend sind Bessels "Fundamentaastronomiae" (Königsb.

1818), welche auf den Beobachtungen Bradleys fußen; daran

reiht sich Argelanders "Bonner Durchmusterung" ("Bonner

Beobachtungen", Bd. 3-5, 1859-62), welche 324,198 am

nördlichen Himmel bis zu 2° südl. Br. sichtbare

Sterne aufzählt (von Schönfeld bis 10° südl. Br.

fortgesetzt). Ferner sind zu nennen: Baily, "The catalogue of stars

of the British Association" (Lond. 1845, 8377 Sternpositionen

für 1850); von Airy eine Reihe von Katalogen nach Greenwicher

Beobachtungen von 1836-41 (das. 1843), 1836-47 (das. 1849), 1848-53

(das. 1856), 1854-60 (das. 1862), 1861-67 (das. 1868); von

Groombridge "Catalogue of circumpolar stars"; Weißes

"Positiones mediae stellarum tixarum in zonis Regiomontanis a

Besselio observatarum" (Petersb. 1846 u. 1863, gegen 70,000

Sterne); Argelanders "Zonenbeobachtungen" (geordnet von W.

Öltzen, Wien 1851, 1852, 1857); Lamonts in den Annalen der

Münchener Sternwarte erschienene Verzeichnisse von Sternen

zwischen 15° nördlicher und südlicher Deklination

(34,634 Sterne, darunter an 12,000 zum erstenmal bestimmte); das

Verzeichnis von Sternen in der Nähe der Ekliptik, die Cooper

und Graham zu Markree Castle in Irland beobachteten, u. a. Von der

südlichen Halbkugel hat zuerst Halley einen Sternkatalog

geliefert, ferner im vorigen Jahrhundert Lacaille ("Coelum australe

stelliferum", Par. 1763; neue engl. Ausg., Lond. 1847); in unserm

Jahrhundert haben Henderson, Fallows, Brisbane, Maclear u. a.

solche S. geliefert, der neueste ist Ellerys "Melbourne catalogue".

Kataloge von Doppelsternen haben hauptsächlich W. Herschel, W.

Struve und I. Herschel geliefert; den des letztern (mit 10,300

Doppel- und vielfachen Sternen) haben Main und Pritchard im 40.

Bande der "Memoiren der Londoner Astronomischen Gesellschaft"

(Lond. 1874) veröffentlicht. Kataloge der veränderlichen

Sterne haben Schönfeld (1866 u. 1874), Dreyer (1888) und

Chandler (1889) geliefert.

Sternkegel, s. Globus, S. 436.

Sternkrant, s. Stellaria.

Sternkreuzorden, österreich. Frauenorden, 18. Sept.

1668 von der Kaiserin Eleonore, zur Erinnerung an ein verlornes und

wiedergefundenes Reliquienkreuz, für adlige Damen zur

Förderung der Andacht zum heiligen Kreuz, des tugendhaften

Lebens und wohlthätiger Handlungen gestiftet. Die Zahl der

Damen ist unbeschränkt, alter Adel unbedingt erforderlich. Die

Ernennungen gehen von der Großmeisterin des Ordens, "der

höchsten Ordensschutzfrau", immer einer österreichischen

Erzherzogin, aus. Die Dekoration, welche viermal geändert

wurde, besteht jetzt in einem kaiserlichen Adler, auf welchem ein

achteckiges rotes Kreuz auf einem blauen liegt; das Ganze ist

medaillonartig gefaßt, und an dem obern Rand zieht sich ein

weiß emailliertes Band mit der Devise: "Salus et gloria" hin.

Das Band ist schwarz. Ordensfesttage sind der 3. Mai und 14.

September.

Sternkunde, s. Astronomie.

Sternmiere, s. Stellaria.

Sternocleidomastoideus (Musculus s.),

Kopfnickermuskel.

Sternsaphir, s. Korund.

Sternschanze, Schanze mit sternförmigem

Grundriß.

Sternschnuppen, Lichtpunkte, die in heitern Nächten

plötzlich am Himmel aufleuchten, rasch eine meist scheinbar

geradlinige, mehr oder minder ausgedehnte Bahn beschreiben und dann

erlöschen, öfters einen leuchtenden Schweif

hinterlassend. Größere derartige Erscheinungen nennt man

Feuerkugeln (s. d.). Während man sie früher für

entzündete, von der Erde aufgestiegene Gase hielt, hat sich

seit Chladni die Überzeugung Bahn gebrochen, daß diese

Erscheinungen herrühren von Körpern, die aus dem Weltraum

zu uns kommen und in den obern Schichten unsrer Atmosphäre zum

Leuchten erhitzt werden. Die

305

Sternschnuppen.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 87 / 302 段