der Gewebe, welche die mechanische Festigkeit eines Pflanzenteils
bedingen, nämlich die Bastzellen, das Kollenchym und das
Libriform, im
Gegensatz zu dem Mestom (s.d.) oder dem Füllgewebe ohne
mechanische Bedeutung.
Stereometer (griech.), Apparat zur Bestimmung des von
fester Substanz ausgefüllten Volumens pulverförmiger
Körper. Das S. von Say (s. Figur) besteht aus einem
Glasgefäß A, dessen eben geschliffener Rand durch eine
Glasplatte luftdicht verschlossen werden kann; nach unten setzt
sich dasselbe in eine offene, mit einer Teilung versehene
Glasröhre fort, deren zwischen zwei Teilstrichen enthaltener
Rauminhalt genau bekannt ist. Wird die Röhre, während A
offen ist, in ein mit Quecksilber gefülltes
Standgefäßbis zum Nullpunkt o der Teilung eingetaucht
und die Glasplatte aufgelegt, so ist ein bestimmtes Luftvolumen v
abgesperrt, dessen Druck durch den herrschenden Barometerstand b
angegeben wird. Zieht man nun das Gefäß A in die
Höhe, so dehnt sich die in ihr enthaltene Luft um das an der
Teilung abzulesende Volumen w aus, ihr Druck wird geringer, u. der
äußere hebt eine Quecksilbersäule h in die
Röhre. Nach dem Mariotteschen Gesetz hat man nun die
Proportion v+w:v=b:b-h, aus welcher, da w, b und h bekannt sind, v
berechnet werden kann. Wiederholt man denselben Versuch, nachdem
der pulverförmige Körper, dessen Volumen x bestimmt
werden soll, in das Gefäß A gebracht ist, so ist das
Volumen der abgesperrten Luft, wenn die Röhre bis zum
Nullpunkt eingetaucht ist, v-x. Erhebt man nun die Röhre
wieder, bis das Volumen um w zugenommen hat, und wird dabei die
Quecksilbersäule h' gehoben, so kann man aus der Proportion
v-x+w: v-x=b : b-h' das Volumen x finden. Mittels Division des
absoluten Gewichts des Pulvers (in Grammen) durch sein Volumen (in
Kubikzentimetern)ergibt sich das spezifische Gewicht desselben. Die
Volumenometer von Kopp und Regnault gründen sich auf dasselbe
Prinzip und haben dieselbe Bestimmung wie das S.
299
Stereometrie - Stereoskop.
Stereometrie (griech., "Körpermessung"), eigentlich
die Lehre von der Ermittelung des Inhalts und der Oberfläche
der Körper; im weitern Sinn der Teil der Geometrie, welcher
sich mit den Gebilden beschäftigt, zu deren Konstruktion alle
drei Dimensionen des Raums erforderlich sind, im Gegensatz zur
Planimetrie. Vgl. Geometrie.
Stereoskop (griech.), optisches Instrument, welches dazu
dient, zwei ebene Bilder desselben Gegenstandes derart zu
kombinieren, daß der Beschauer den Eindruck eines
körperlichen Gegenstandes erhält. Beim Betrachten naher
Gegenstände bietet das Sehen mit zwei Augen ein wesentliches
Mittel zur richtigen Schätzung der Entfernungen. Mit dem
rechten Auge sehen wir einen nahen Gegenstand auf einen andern
Punkt des Hintergrundes projiziert als mit dem linken, und dieser
Unterschied wird um so bedeutender, je näher der Gegenstand
rückt. Richten wir beide Augen auf einen nicht allzu weit
entfernten Punkt, so machen die beiden Augenachsen einen Winkel
(Gesichtswinkel) miteinander, der um so kleiner wird, je weiter
sich der Gegenstand entfernt. Die Größe
dieses Winkels gibt uns daher ein Maß für die
Entfernung der Gegenstände. Wir unterscheiden also beim Sehen
mit zwei Augen deutlich, welche Punkte mehr vortreten, und welche
mehr zurückliegen. Dazu kommt noch, daß wir nahe
Gegenstände mit dem rechten Auge etwas mehr von der einen, mit
dem linken Auge etwas mehr von der andern Seite sehen, und
daß gerade die Kombination dieser etwas ungleichen Bilder zu
einem Totaleindruck wesentlich
dazu beiträgt, die flächenhafte Anschauung des
einzelnen Auges zu einer körperlichen, einer plastischen zu
erheben. Eine auf einer Fläche ausgeführte Zeichnung oder
ein Gemälde kann immer nur die Anschauung eines einzelnen
Auges wiedergeben; bietet
man aber jedem Auge das passend gezeichnete Bild eines
Gegenstandes dar, so werden sich beide Bilder zu einem einzigen
Totaleindruck vereinigen. Wheatstone erreichte diese Vereinigung
durch sein Spiegelstereoskop^ (Figur 1). Dasselbe besteht
aus zwei rechtwinkelig gegeneinandergeneigten Spiegeln ab u. a
c, deren Ebenen vertikal stehen. Der Beobachter schaut mit dem
linken Auge l in den linken, mit dem rechten Auge r in den rechten
Spiegel. Seitlich von den Spiegeln find zwei vorschiebbare
Brettchen angebracht, welche die umgekehrten perspektivischen
Zeichnungen d und e eines Objekts aufnehmen. Durch die Spiegel
werden nun die von entsprechenden Punkten der beiden Zeichnungen
ausgehenden Strahlen so reflektiert, daß sie von einem
einzigen hinter den Spiegeln gelegenen Punkt m zu kommen scheinen.
Jedes Auge sieht also das ihm zugehörige Bild an demselben
Orte des Raums, und der Beobachter erhält daher den Eindruck,
als ob sich daselbst der Gegenstand körperlich befände.
Brewster hat die Spiegel dieses Instruments durch linsenartig
gebogene Prismen ersetzt, und diese Stereoskope (Fig. 2) sind jetzt
allgemein im Gebrauch.
Fig. 1. Wheatstones Spiegelstereoskop.
^ Fig. 2. Brewster Linsenstereoskop.
Eine Sammellinse von etwa 18 cm Brennweite ist
durchschnitten; die beiden Hälften A und B sind, mit ihren
scharfen Kanten gegeneinander gerichtet, in einem
Gestell befestigt, und am Boden desselben wird das
Blatt, welches die beiden Zeichnungen aa' und bb'
(gewöhnlich
photographische Bilder) enthält,
eingeschoben. Durch die Anwendung der Linsenstücke ist es
zunächst möglich, die Bilder dem
Auge näher zu bringen; dann aber wirken sie auch wie
Prismen, indem die Linsenhälfte vor dem rechten Auge das Bild
etwas nach dem linken schiebt, während das Bild der mit dem
linken Auge betrachteten Zeichnung etwas nach rechts gerückt
erscheint. Auf diese Weise wird das vollständige
Zusammenfallen der beiden Bilder bei CC' hervorgebracht. Wenn man
durch eine zwischen den Bildern befindliche senkrechte Scheidewand
dafür sorgt, daß
jedes Auge nur das ihm zugehörige, nicht aber das für
das andre
bestimmte Bild sieht, so ist eine besondere Vorrichtung, um die
Bilder zur Deckung zubringen, gar nicht nötig
(S. von Frick). Im S. von Steinhauser mit konkaven Halblinsen
muß das für das rechte Auge bestimmte Bild links, das
für das linke bestimmte rechts liegen;
die Bilder des Brewsterschen Stereoskops würden darin mit
verkehrtem Relief erscheinen. Die Bedeutung der Stereoskope, welche
durch die Photographie eine so wesentliche Förderung gefunden
haben, ist bekannt; man benutzt sie außer zur Unterhaltung
auch zur Veranschaulichung trigonometrischer und stereometrischer
Lehrsätze und zum Studium der Gesetze des binokularen Sehens.
Dove demonstrierte mit Hilfe des Stereoskops die Entstehung des
Glanzes. Ist nämlich die Fläche einer Zeichnung blau und
die entsprechende der andern gelb angestrichen, so sieht man sie,
wenn man sie im S. durch ein violettes Glas
betrachtet, metallisch glänzend. Weiß und Schwarz
führen zu einem noch lebhaftern Bilde der Art. Auch zur
Unterscheidung echter Wertpapiere von unechten hat Dove das S.
benutzt. Betrachtet man nämlich die zu vergleichenden Papiere
mit dem Instrument, so werden sofort die kleinsten Unterschiede
bemerkbar. Die einzelnen Zeichen, die nicht genau mit dem Original
übereinstimmen, decken sich nicht und befinden sich
anscheinend in verschiedenen Ebenen. Es wurde schon erwähnt,
daß der Gesichtswinkel sehr klein wird, wenn wir beide Augen
auf einen weit entfernten Punkt richten. Darum vermindern sich die
Vorteile des Sehens mit zwei Augen in dem Maß, als die zu
beschauenden Gegenstände weiter weg liegen, und verschwinden
bereits völlig beim Betrachten einer landschaftlichen Ferne.
Die Augen liegen zu nahe, als daß sich einem jeden derselben
ein merklich verschiedenes
Bild darstellen könnte. Helmholtz hat deshalb das
Telestereoskop konstruiert, welches dem Beschauer zwei sich
deckende Bilder einer Landschaft darbietet, gleich als ob das eine
Auge von dem andern mehrere Fuß abstände. Das Instrument
besteht aus vier Planspiegeln, welche senkrecht in einem
hölzernen Kasten und unter 45° gegen die längsten
Kanten desselben geneigt befestigt sind. Das von dem fernen Objekt
kommende Licht fällt auf die zwei äußern
großen Spiegel, wird von diesen rechtwinkelig auf die
beiden
300
Stereotomie - Sterigmen.
innern reflektiert und gelangt, nachdem es auch von den kleinen
innern Spiegeln rechtwinkelig reflektiert wurde, in die Augen des
Beobachters. Jedes Auge erblickt in den kleinen Spiegeln das von
den großen Spiegeln reflektierte Bild der Landschaft in einer
solchen perspektivischen Projektion, wie sie von den beiden
großen Spiegeln aus erscheint. Will man das Bild
vergrößern, so kann man die Lichtstrahlen, ehe sie in
die Augen gelangen, auch noch durch kleine Fernrohre gehen lassen.
Wie man mikroskopische Bilder körperhaft erscheinen lassen
kann, ist unter Mikroskop, S. 602, angegeben worden. Vgl. Brewster,
The stereoscope (Lond. 1856); Ruete, Das S. (2. Aufl., Leipz.
1867); Steinhauser, Über die geometrische Konstruktion der
Stereoskopbilder (Graz 1870).
Stereotomie (griech.), der Teil der Stereometrie, welcher
die Durchschnitte der Oberflächen der Körper behandelt,
insbesondere der sogen. Steinschnitt, welcher bei
Gewölbekonstruktionen in Anwendung kommt. Ihre Darstellungen
werden durch die beschreibende Geometrie zur Anschauung
gebracht.
Stereotypie (griech.), das Verfahren, von aus beweglichen
Lettern gesetzten Druckseiten vertiefte Formen abzunehmen und
vermittelst derselben erhöhte, den Satzseiten genau
entsprechende Druckplatten zu gewinnen. Die S. bietet sehr
große Vorteile dar; ohne sie würde die Schnellpresse bei
weitem nicht ihren jetzigen hohen Wert erlangt haben, und das
Zeitungswesen hätte nicht annähernd seine
gegenwärtige Entwickelung gewinnen können. Die S.
ermöglicht jederzeit den Druck neuer Auflagen von den durch
sie erzeugten Platten; das Papierstereotypieverfahren bietet sogar
die Möglichkeit der Aufbewahrung billiger Matrizen, aus denen
bei Bedarf Platten gegossen werden können, reduziert somit
ganz außerordentlich die Anlagekosten für Druckwerke.
Als erste Erzeugnisse der S. können betrachtet werden die
Reproduktionen von Holzschnitten in einem 1483 zu Ulm von Konrad
Dinkmut gedruckten Buch: "Der Seele Wurzgarten". Van der Mey und
Johann Müller zu Leiden (1700-1716), Ged in Edinburg
(1725-49), Valeyre in Paris (1735), Alexander Tilloch und Foulis zu
Glasgow (um 1775), F. J. Joseph Hoffmann zu Schlettstadt im
Elsaß (1783), der eine Anzahl experimentierender Nachfolger
(unter andern Carez in Toul) erhielt, sind nacheinander als
Erfinder der S. bezeichnet worden; zu dauernder Verbreitung aber
wurde das Verfahren erst gebracht durch Earl Stanhope (s. d. 2) in
London (1800) sowie um dieselbe Zeit durch Pierre und Firmin Didot
und Herhan in Paris. Zu ihrer heutigen großen Bedeutung
gelangte die S. durch die Erfindung von Genoux (1829), welcher die
Matrize aus Lagen von Seidenpapier mit einem dazwischengestrichenen
Gemisch von Kleister und Schlämmkreide etc. bildete. Bei dem
Stanhopeschen oder Gipsverfahren wird die Satzform in einem
eisernen Rahmen festgeschlossen (eingespannt) und leicht
geölt, worauf der Gips als dünnflüssiger Brei
über den Typensatz gegossen und mit Bürste oder Pinsel
gehörig eingearbeitet wird. Die Gipsmatrize erstarrt in 15-20
Minuten; sie wird dann abgehoben und in einen Trockenofen gebracht.
Der Guß geschieht in sargähnlichen eisernen
verschließbaren Pfannen. Auf den Boden der Pfanne wird zuerst
eine abgedrehte Eisenplatte gelegt, hierauf die erhitzte Gipsform
mit der Bildfläche nach unten und nun der ebenfalls abgedrehte
Pfannendeckel, welcher an allen vier Ecken abgestumpft ist, um dem
Metall den Einlauf zu gestatten. Das Ganze wird durch einen
Bügel geschlossen und mittels eines Krans in den mit
flüssigem Metall versehenen Schmelzkessel versenkt; nach
erfolgtem Guß wird die Pfanne aufgewunden und auf ein mit
nassem Kies angefülltes Kühlfaß abgesetzt. Nach dem
völligen Erstarren des Metalls wird die Stereotypplatte
gerichtet, auf der Rückseite abgeebnet und an den Rändern
bestoßen. Bei dem von Daulé in Paris um 1830
erfundenen Flaschenguß bleibt die Gipsmater in dem nach innen
mit einem Vorstoß versehenen Rahmen, welcher hinlänglich
groß ist, um noch Raum für einen Nachdruck gebenden
Anguß zu gewähren. Nach dem Trocknen bringt man diesen
Matrizenrahmen in die Gießflasche, die aus zwei abgeebneten
Eisenplatten besteht, von denen die der Bildfläche zugekehrte
mit Papier beklebt ist, um das Metall beim Eingießen weniger
abzuschrecken. Beide Platten sind unten durch ein Scharnier
verbunden und während des Gusses durch einen
Schraubenbügel zusammengehalten. Bei dem
Papierstereotypieverfahren wird die Matrize aus Seiden- und
Schreibpapier angefertigt; zwischen die einzelnen Bogen kommen
dünne, gleichmäßig ausgestrichene Schichten eines
Breies, der aus gekochter, mit Schlämmkreide oder Magnesia,
wohl auch mit Asbest oder China Clay, versetzter Weizenstärke
besteht. Auf die mit einem zarten Pinsel oder auch mittels einer
mit Flanell bezogenen Walze leicht geölte Form wird dann das
Matrizenpapier gelegt und entweder mit einer Bürste
gleichmäßig in den Schriftsatz eingeklopft, oder die
Form wird mit der Matrize unter eine feststehende Walze geschoben,
mit Filzen bedeckt und unter derselben durchgedreht; sodann schiebt
man dieselbe mit der darauf befindlichen Papiermatrize in eine
erhitzte Trockenpresse und bedeckt sie reichlich mit Filz und
Fließpapier zum Aufsaugen der Feuchtigkeit; schon nach 6-8
Minuten ist die Matrize trocken und kann abgenommen werden. Nachdem
sie beschnitten, in größern, beim Druck weiß
bleibenden Stellen durch Hinterkleben von Pappstückchen oder
auch durch Ausfüllen mit einer aus in dünner
Gummiarabikumlösung verrührter Schlämmkreide
erzeugten, leicht trocknenden Masse verstärkt und ein
Eingußstreifen angeklebt worden, kommt sie mit dem Gesicht
nach oben in das Gießinstrument, das dem beim
Dauléschen Verfahren gebräuchlichen sehr ähnlich
ist; ein verstellbarer eiserner Rahmen, Gießwinkel genannt,
hält sie glatt und gibt das Maß ab für ihre Dicke,
und der Guß kann erfolgen. Das Abschneiden des Angusses, das
Anhobeln von Facetten an den Rändern der Platten geschieht in
Zeitungsdruckereien mit eigens dafür hergerichteten Maschinen,
wodurch eine große Betriebsbeschleunigung ermöglicht
wird, so daß z. B. in der Londoner "Times" bei deren
Morgenausgabe die letzte Druckplatte innerhalb 8 Minuten, vom
Empfang der Satzform seitens des Stereotypeurs ab gerechnet, fertig
gestellt werden kann. Für den Kleinbetrieb der Buchdruckereien
hat man die S. durch Konstruktion kleiner, kompendiöser
Stereotypie-Einrichtungen nutzbar gemacht; diese ermöglichen
die Herstellung von Platten bis zu einer gegebenen Größe
schon nach kurzer Übung bei geringen Anlagekosten. Vgl.
außer den ältern Werken von Camus (Par. 1802) und
Westreenen de Tiellandt (Haag 1833): H. Meyer, Handbuch der S.
(Braunschw. 1838); Isermann, Anleitung zum Stereotypengießen
(Lpz. 1869); Archimowitz, Die Papierstereotypie (Karlsr. 1862);
Böck, Die Papierstereotypie (Leipz. 1885); Kempe, Wegweiser
durch die S. und Galvanoplastik (das. 1888).
Sterigmen, s. Basidien.
301
Steril - Stern.
Steril (lat.), unfruchtbar, dürr; Sterilität,
Unfruchtbarkeit; sterilisieren, unfruchtbar machen, in der
Bakteriologie von entwicklungsfähigen Keimen befreien ; s.
Bakterioskopische Untersuchungen.
Sterkoral (lat.), kotig.
Sterkrade, Dorf im preuß. Regierungsbezirk
Düsseldorf, Kreis Ruhrort, Knotenpunkt der Linien
Oberhausen-Emmerich und Ruhrort-Wanne (Emscherthalbahn) der
Preußischen Staatsbahn, 41 m ü. M., hat eine
evangelische und eine kath. Kirche, ein großes
Eisenhüttenwerk, Maschinenfabrikation, Kettenschmiederei und
(1885) 7164 meist kath. Einwohner.
Sterkuliaceen, dikotyle, etwa 500 Arten umfassende, der
Tropenzone eigentümliche Familie aus der Ordnung der
Kolumniferen, meist Bäume, deren grüne Teile mit
sternförmigen Haaren bekleidet sind. Die
Blätter sind wechselständig, meist an der Basis des
Blattstiels mit abfallenden Nebenblättern versehen. Die
regelmäßigen, meist zwitterigen,
fünfzähligen
Blüten haben einen verwachsenblätterigen, in der
Knospe klappigen Kelch, eine gedrehte, selten verkümmerte,
fünfblätterige Blumenkrone, einen doppelten
Staubblattkreis mit mehr oder weniger verwachsenen, zum Teil durch
Spaltung vermehrten oder auch zu Staminodien verkümmerten
Gliedern und einen
oberständigen, aus meist fünf Fruchtblättern
gebildeten Fruchtknoten. Die Frucht ist entweder eine
fünffächerige Kapsel und springt meist fachspaltig mit
fünf Klappen auf, welche auf ihrer Mitte die von der
Mittelsäule sich lösenden Scheidewände tragen, oder
sie ist eine Steinbeere oder Beere mit 5, 3, 2 oder einem Fach,
oder sie besteht aus mehreren freien, holzigen, krustigen oder
häutigen Balgfrüchten, welche an der Bauchnaht aufgehen
und innen häufig dicht wollig behaart sind. Die Samen haben
ein fleischiges oder kein Endosperm und einen geraden oder
gekrümmten Keimling mit faltigen, blattartigen oder
fleischigen Kotyledonen. Die mit den Malvaceen verwandte Familie,
zu welcher man auch die Bombaceen und Büttneriaceen (s. d.)
rechnet, waren schon in der Tertiärzeit durch eine Anzahl von
Arten aus den Gattungen Sterculia L. und Bombax L. vertreten.
Sterlett, s. Stör.
Sterling, im Mittelalter engl. Silbermünze,
welche
um 1190 aufkam, jetzt englische Währung, die seit
1816 in dem in Gold ausgeprägten Sovereign ihre
Einheit findet. Ein Pfund S. in Gold wiegt gesetzlich 7,9881 g,
enthält 7,3224 g fein Gold, ist 11/12 fein und hat einen Wert
von 20,4295 deutschen Goldmark.
Das Pfund S. (meist geschrieben L oder l.) zerfällt
in 20 Schillinge (s.) à 12 Pence (d.). Der Ursprung des
Namens S. ist von den Osterlingen (Easterlings) abzuleiten,
worunter die Normannen diejenigen deutschen Stämme verstanden,
die den Dänen nahe wohnten. Ein damaliger Penny Easterling wog
24 Gran, 240 machten 1 Pound Easterling (= 12 Unzen) aus, aus dem
das neuere Pfund S. entstand.
Sterling, Stadt im nordamerikan. Staat Illinois, am Rock
River, 170 km westlich von Chicago, hat lebhaften Handel und (1880)
5087 Einw.
Sterling, John, engl. Dichter und Schriftsteller, geb.
20. Juli 1806 zu Kaimes-Castle auf der Insel Bute, Sohn des
Kapitäns Edward S. (geb. 1773, gest. 1847), eines eifrigen und
angesehenen Mitarbeiters an der "Times" (genannt "the thunderer of
the Times"), studierte in Glasgow und Cambridge, ging dann nach
London, wo er für Zeitschriften thätig war und den Roman
"Arthur Coningsby" (1833) veröffentlichte, ließ sich
1834 zum Geistlichen ordinieren und erhielt das Pfarrverweseramt zu
Hurstmonceaux, das er indessen bald wieder aufgab. Er lebte nun
wieder litterarischen Beschäftigungen meist
im Süden Englands und starb 18. Sept. 1844 in
Ventor auf der Insel Wight. Seine übrigen Werke sind:
"Poems" (1839); "The election", ein satirisches Gedicht in 7
Büchern (1841), und das Trauer-
spiel "Stafford" (1843). Seine gesammelten Prosawerke: "Essays
and tales" gab Hare (1848, 2 Bde.) heraus; aus seinem Nachlaß
erschienen: "Twelve letters by John S." (1851) und "The onyx
ring"
(hrsg. von Hale, Boston 1856). Seine Biographie schrieb sein
Freund Carlyle (Lond. 1851).
Sterlitamak, Kreisstadt im russ. Gouvernement Ufa, am
Flüßchen Sterleja, das in die Bjelaja mündet, hat 2
Kirchen, eine Moschee, bedeutende Gerbereien und (1886) 9447
Einw.
Stern, leuchtender Himmelskörper, s. Fixsterne,
Planeten, Kometen; heraldische Figur, Symbol des Glücks und
des Ruhms; in der Nautik (unrich-
tig) das Hinterteil des Schiffs (vgl. Heck); als kriti-
sches Zeichen, s. Asteriskos.
Stern, 1) Julius, Komponist und Dirigent, geb.
8. Aug. 1820 zu Breslau, trat schon mit zwölf Jahren als
Violinspieler öffentlich auf, ward 1834 auf
der Akademie der Künste zu Berlin Rungenhagens und Bachs
Schüler in der Komposition und empfing 1843 auf zwei Jahre ein
Staatsstipendium, das er zunächst zu einem längern
Aufenthalt in Dresden benutzte, um bei Mieksch gründliche
Studien im Gesang zu machen. Von hier begab er sich nach Paris, wo
er als Dirigent des Deutschen Männergesangvereins
glänzende Erfolge hatte. 1847 nach Berlin
zurückgekehrt, gründete er hier seinen später
berühmt gewordenen Chorgesangverein, dessen Direktion 1873
Stockhausen, 1878 M. Bruch, 1880 E. Rudorff übernahm. 1850
begründete er gemeinschaftlich mit Kullak und Marx das
Konservatorium der Musik, welches er, nachdem 1855 Kullak und zwei
Jahre später auch Marx ausgeschieden waren, allein
übernahm und bis an seinen Tod mit ungewöhnlichem
Geschick geleitet hat. Geringern Erfolg hatte seine Wirksamkeit als
Orchesterdirigent 1869-71 an der Spitze der Berliner
Symphoniekapelle sowie 1873-75 an der von ihm organisierten Kapelle
der Reichshallen, wiewohl seine Leistungen auch auf diesem Gebiet
hervorragend waren. Er starb 27. Febr. 1883. Von seinen
Kompositionen haben namentlich die Lieder und
Gesangunterrichtswerke vielen Beifall gefunden. Vgl. R. Stern,
Erinnerungsblätter an J. S. (Leipz. 1886).
2) Adolf, Dichter und Literarhistoriker, geb. 14. Juni 1835 zu
Leipzig, trat, nachdem er seine Bildung in bedrängten
Jugendjahren auf selbständigem Wege gewonnen, sehr früh
in die Litteratur ein, indem er
mit "Sangkönig Hiarne" (Leipz. 1853, 2. Aufl. 1857),
einer nordischen Sage, debütierte, der die Dichtungen:
"Zwei Frauenbilder" (das. 1856) und "Jerusalem"
(das. 1858, 2. Aufl. 1866) folgten. Nachdem S. 1852
bis 1853 in Leipzig philosophischen und historischen Studien
obgelegen, lebte er in den folgenden Iahren teils in Weimar, teils
in Chemnitz und Zittau litterarischen Studien und ging 1859,
nachdem er die
philosophische Doktorwürde erworben, als Lehrer der
Geschichte und deutschen Litteratur nach Dresden, wo der Roman "Bis
zum Abgrund" (Leipz. 1861, 2 Bde.) und das Lustspiel "Brouwer und
Rubens" (das. 1861) entstanden. Im Herbst 1861 siedelte er dann zu
erneuten sprachwissenschaftlichen und historischen Studien nach
Jena über, ließ sich 1863 in
Schandau nieder und kehrte 1865 nach Dresden zurück, wo er
1868 zum außerordentlichen, 1869 zum
302
Sterna - Sternberg.