Verschließung von Gefäßen oder Kanälen,
wodurch die normale Zirkulation des Inhalts verhindert wird, so z.
B. S. der Herzöffnungen, der Luftröhre etc.
Stenotachygraphie (griech., "Engschnellschrift"), Name
der Kurzschrift von A. Lehmann; s. Stenographie, S. 291.
Stenotelegraph (griech.), von Cassagnes in Paris
angegebener elektromagnetischer Druckapparat für
stenographische Zeichen, der die gewöhnlichen
Telegraphenapparate an Geschwindigkeit weit übertreffen soll.
Als Geber dient der mechanische Stenograph von Michela, welcher
seit 1880 im italienischen Senat benutzt wird (vgl.
Stenographiermaschine). Michela zerlegt die Wörter in ihre
phonetischen Elemente und verwendet zu deren Wiedergabe 20
Schriftzeichen, welche mittels einer Klaviatur auf mechanischem Weg
hervorgebracht werden. Bei Cassagnes ist jede Taste mit einem Pol
einer Linienbatterie verbunden, deren andrer Pol an der Erde liegt,
und zwar sind zwei Batterien vorhanden, welche mit
entgegengesetzten Polen so an den Geber geführt werden,
daß die Polarität von Taste zu Taste wechselt. Die
Tasten stehen mit den Kontaktplatten einer sehr
gleichmäßig wirkenden Verteilerscheibe in Verbindung;
über dieser Scheibe dreht sich eine metallische Bürste,
welche die Leitung in jeder Sekunde mehrmals mit jeder
Kontaktplatte in Berührung bringt. Auf der Empfangsstelle ist
eine gleichartige Verteilerscheibe mit
292
Stenschewo - Stephan.
völlig übereinstimmend sich drehender Bürste
aufgestellt; letztere teilt jeden aus der Leitung kommenden
Stromstoß einem der 20 mit den Kontaktplatten verbundenen
Elektromagnete mit, welcher sodann die Wiedergabe des
entsprechenden Zeichens auf dem Papierstreifen unter Zuhilfenahme
einer Lokalbatterie durch eine einfache Druckvorrichtung
herbeiführt. Nach jeder Zeichengebung tritt ein 21.
Elektromagnet in Thätigkeit, dessen Anker beim Abfallen
mittels eines Sperrrades den Papierstreifen um die Breite eines
Zeichens vorschiebt. Neuerdings hat Cassagnes die Anzahl der
Kontaktplatten in der Verteilerscheibe vergrößert, um
bei jedem Umlauf mehr als ein stenographisches Zeichen
telegraphieren zu können; statt einer einzigen Klaviatur
treten dann 2 oder 3 gleichzeitig in Thätigkeit, wobei auf
jeder Klaviatur ein andres Telegramm übermittelt wird.
Außerdem hat der Erfinder seinen Stenotelegraphen noch zur
automatischen Beförderung eingerichtet, indem er denselben mit
einem mechanischen Lochapparat verbindet und den gelochten Streifen
durch das Laufwerk der Verteilerscheibe hindurchgehen
läßt, wobei eine Anzahl von Kontaktstiften durch die
Löcher des Streifens die zum Abdruck der Schriftzeichen
dienenden Ströme entsenden. Mit diesem Apparat sollen von
Paris aus Versuche auf Entfernungen zwischen 200 und 920 km
angestellt und Leistungen von 12,000-24,000 Wörtern in der
Stunde erreicht worden sein.
Steuschéwo, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Posen, Kreis Posen (West-), hat eine kath. Kirche und (1885) 1506
Einw.
Stentando (ital.), musikal. Bezeichnung, s. v. w.
hemmend, zögernd. Stentato, s. v. w. ritenuto, aber mit dem
Ausdruck des Gehemmten, Mühevollen; in der Malerei s. v. w.
gezwungen, steif.
Stentor, bei Homer ein Thraker (oder Arkadier) mit
eiserner Stimme, dessen Ruf so laut tönte wie der 50 andrer
Männer; daher Stentorstimme.
Stenzel, Gustav Adolf Harald, deutscher
Geschichtsforscher, geb. 21. März 1792 zu Zerbst, studierte in
Leipzig Theologie und Geschichte, habilitierte sich, nachdem er als
freiwilliger Jäger den Befreiungskrieg von 1813 mitgemacht, zu
Leipzig, 1817 zu Berlin, folgte 1820 einem Ruf als Professor der
Geschichte nach Breslau und ward 1821 Archivar des schlesischen
Provinzialarchivs. 1848 war er Abgeordneter zur deutschen
Nationalversammlung in Frankfurt, später Mitglied der
preußischen Zweiten Kammer. Er starb 2. Jan. 1854. Von seinen
Arbeiten sind hervorzuheben: "Geschichte Deutschlands unter den
fränkischen Kaisern" (Leipz. 1827, 2 Bde.); "Geschichte des
preußischen Staats" (Hamb. u. Gotha 1830-54, 5 Bde.) und
"Geschichte Schlesiens" (Bresl. 1853, Bd. 1). Auch besorgte er die
Herausgabe der "Scriptores rerum silesiacarum" (Bresl. 1835-1851, 5
Bde.) und der "Urkunden zur Geschichte Breslaus im Mittelalter"
(das. 1845).
Stenzler, Adolf Friedrich, namhafter Sanskritist, geb. 9.
Juli 1807 zu Wolgast, studierte 1826-1829 in Greifswald, Berlin und
Bonn orientalische Sprachen, ging, nachdem er 1829 in Berlin
promoviert, nach Paris, wo er die Vorlesungen von Chezy, S. de Sacy
und A. Remusat besuchte, arbeitete dann bis 1833 in der Bibliothek
des East-India House in London und erhielt noch im genannten Jahr
die Professur der orientalischen Sprachen an der Universität
Breslau, wo er bis 1872 zugleich als Kustos und zweiter
Bibliothekar an der Universitätsbibliothek thätig war.
Seine Hauptwerke sind: "Raghuvansa, Kâlidâsae carmen"
(sanskr. u. lat., Lond. 1832); "Kumâra Sambhava,
Kâlidâsae carmen" (sanskr. u. lat., das. 1838);
"Mricchakatika. i. e. Curriculum figlinum, Sûdrakae regis
fabula" (sanskr., Bonn 1847); "Yâjnavalkyas Gesetzbuch"
(sanskr. u. deutsch, Berl. 1849); "Indische Hausregeln" (sanskr u.
deutsch, 1. Teil: "Acvalâyana" . Leipz. 1864-65, 2 Bde.; 2.
Teil: "Pâraskara", das. 1876-78, 2 Bde.); "Elementarbuch der
Sanskritsprache" (Bresl. 1868, 5. Aufl. 1885); "Meghadûta,
der Wolkenbote, Gedicht von Kalidasa" (mit Anmerkungen und
Wörterbuch, das. 1874); "The Institutes of Gautama" (sanskr.,
Lond. 1876); außerdem Abhandlungen in Webers "Indischen
Studien" und in der "Zeitschrift der Deutschen
Morgenländischen Gesellschaft" (z. B. über die indischen
Gottesurteile, im 9. Band) und Gelegenheitsschriften. S. starb 27.
Febr. 1887 in Breslau.
Stepenitz, rechter Nebenfluß der Elbe im
preuß. Regierungsbezirk Potsdam, entspringt bei Meyenburg,
fließt in südwestlicher Richtung und mündet nach 75
km langem Lauf bei Wittenberge.
Stepenitz (Groß- S.), Flecken im preuß.
Regierungsbezirk Stettin, Kreis Kammin, am Einfluß des
Gubenbachs in das Papenwasser, hat eine evang. Kirche, ein
Amtsgericht, eine Oberförsterei, Sägemühlen,
Fischerei, Dampfschiffahrt nach Stettin und (1885) 1572 Einw.
Stephan, Name von zehn Päpsten: 1) S. I., ein
Römer, folgte 253 Lucius als Bischof von Rom und entschied den
Streit über die Ketzertaufe dahin, daß auch eine solche
gültig sei; er starb 2. Aug. 257, nach der Sage als
Märtyrer, und ward später kanonisiert. Sein Tag ist der
2. August. -
2) S. (II.), gewählt 27. März 752, starb zwei Tage
nach der Wahl; wird daher gewöhnlich nicht gezählt. -
3) S. II. (III.) bestieg den päpstlichen Stuhl 752. Als er
den Kaiser Konstantin Kopronymos gegen den Langobardenkönig
Aistulf, welcher das Exarchat eroberte, vergebens um Schutz
angefleht hatte, rief er die Hilfe des Königs der Franken,
Pippin, an und erhielt 755 von diesem das wiedereroberte Exarchat
nebst der Pentapolis geschenkt, wodurch der Grund zum Kirchenstaat
gelegt ward. S. starb 26. April 757. -
4) S. III. (IV.), ein Sizilier, folgte auf Paul I. nach
Abfetzung des Gegenpapstes Konstantin 768 und bestimmte, daß
keiner, der nicht durch alle niedern Stufen der Geistlichkeit bis
zur Würde eines Kardinaldiakonus gestiegen sei, auf den
päpstlichen Stuhl erhoben werden sollte. Von dem
Langobardenkönig Desiderius bedrängt, suchte er bei den
Frankenkönigen Karl und Karlmann Hilfe. Er starb 772. -
5) S. IV. (V.), erst Diakonus zu Rom, Nachfolger Leos III. seit
816, krönte den Kaiser Ludwig den Frommen; starb 817. -
6) S. V. (VI.), ein Römer, solgte auf Hadrian III. 885,
krönte den Herzog Guido von Spoleto zum Kaiser; starb 891.
-
7) S. VI. (VII.) bestieg 896 den römischen Stuhl,
ließ den ausgegrabenen Leichnam seines Vorgängers
Formosus in den Tiber werfen, wurde aber selbst schon 897 im Kerker
erdrosselt. -
8) S. VII. (VIII.), ein Römer, Nachfolger Leos VI. seit
929, stand ganz unter dem Weiberregiment der Theodora und Marozia;
starb 931. -
9) S. VIII. (IX.), Verwandter des Kaisers Otto, folgte 939 Leo
VII., ward aber von den Römern gefangen gesetzt und starb 942.
-
10) S. IX. (X.) hieß früher Friedrich und war Bruder
des Herzogs Gottfried von Lothringen, ward vom Papst als Gesandter
nach Konstantinopel geschickt, blieb dann als Mönch in Monte
Cassino, ward Kardinal und nach Viktors II. Tod 1057 zum Papst
gewählt. Als solcher stand er ganz unter dem Ein-
293
Stephan (Fürsten) - Stephan (Zuname).
fluß Hildebrands. Er starb bereits 29. März 1058 in
Florenz. Vgl. Wattendorf, Papst S. IX. (Münster 1883).
Stephan, Name mehrerer Fürsten. Bemerkenswert
sind:
1) S. von Blois, König von England, ward nach dem Tod
König Heinrichs I., dessen Schwester Adele seine Mutter war,
1135 von den normännischen Großen an Stelle von
Heinrichs Tochter Mathilde als König anerkannt, wofür er
den Prälaten und Baronen einen umfassenden Freibrief
gewährte. Die Widersetzlichkeit der Großen suchte er
nicht immer mit Erfolg durch vlämische und französische
Söldner niederzuhalten. Mit Schottland kämpfte er
glücklich, als aber 1139 die von der Thronfolge
ausgeschlossene Mathilde in England landete, fiel S. 1141 selbst in
ihre Gewalt, ward 1142 zwar befreit, behauptete sich aber nur unter
fortwährenden Kämpfen im Besitz der Herrschaft und starb
25. Okt. 1154, nachdem er Mathildens Sohn Heinrich Plantagenet als
Erben anerkannt hatte.
2) Erzherzog von Österreich, Sohn des Erzherzogs Joseph
(gest. 1847) und dessen zweiter Gemahlin, Hermine, gebornen
Prinzessin von Anhalt-Bernburg-Schaumburg, geb. 14. Sept. 1817,
wurde im Dezember 1843 Zivilgouverneur von Böhmen, 1847 nach
dem Tod seines Vaters zum stellvertretenden Palatin von Ungarn
ernannt und im November d. J. durch die Wahl des Reichstags und die
Bestätigung des Kaisers definitiv mit dieser Würde
betraut. Infolge der Märzereignisse 1848 wurde seine Stellung
sowohl der nationalen Partei als auch der österreichischen
Regierung gegenüber eine unhaltbare, namentlich als er im
September vom Reichstag zum Oberbefehlshaber der ungarischen Armee
gegen Jellachich ernannt worden war; er entsagte daher 24. Sept.
dem Palatinat, zog sich 1850 auf seine Besitzungen in Nassau
(Grafschaft Holzappel und Schaumburg) zurück und starb 19.
Febr. 1867 in Mentone. Vgl. "Erzherzog S. Viktor von
Österreich, sein Leben, Wirken etc." (Wiesb. 1868).
3) Bathori, König von Polen, geb. 1532 aus einer vornehmen
ungarischen Familie (s. Bathori), ward 1571 von den
siebenbürgischen Ständen zum Großfürsten von
Siebenbürgen und 1575, nachdem er die Jagellonische Prinzessin
Anna geheiratet, vom polnischen Reichstag zum König von Polen
erwählt. Er verbesserte die Rechtspflege, suchte dem
Jesuitenorden gegenüber die Gewissensfreiheit der Protestanten
zu schützen, kämpfte im Bund mit Schweden glücklich
gegen die Russen (1578-82) und eroberte einen Teil Livlands,
versuchte aber mit seinem Günstling Zamojski vergeblich, ein
starkes nationales Königtum in Polen zu schaffen und die Krone
in seinem Geschlecht erblich zu machen. Er starb 12. Dez. 1586 in
Grodno.
4) S. I., der Heilige, erster König von Ungarn, 997-1038,
war der Sohn des Herzogs Geisa, Urenkels des Großfürsten
Arpad (s. d.), hieß ursprünglich Wajk, ward 995 in
seinem 20. Lebensjahr angeblich durch den Bischof Adalbert von Prag
zum Christentum bekehrt und nahm in der Taufe den Namen Stephanus
an. Mit der bayrischen Herzogstochter Gisela vermählt, zog er
zahlreiche Deutsche nach Ungarn und rottete, zur Regierung gelangt,
das Heidentum mit Feuer und Schwert in seinem Land aus. Er nahm den
Königstitel an, ließ sich mit der vom Papst Silvester
II. ihm gesandten Krone 1001 krönen und gab dem Land eine
Verfassung, durch welche die Krone im Geschlecht Arpads für
erblich erklärt und eine geregelte politische Verwaltung
eingeführt wurde. Die widerspenstigen Stammeshäuptlinge
im Süden und Osten seines Landes zwang er in siegreichen
Kämpfen zur Anerkennung seiner Herrschaft. Er starb 1038 und
ward 1087 heiliggesprochen (sein Tag der 20. August). Nach ihm
werden Ungarn und seine Teile die "Länder der Stephanskrone"
genannt. - S. II.-V., s. Ungarn (Geschichte).
Stephan, 1) Martin, Stifter einer nach ihm benannten
Sekte, geb. 13. Aug. 1777 zu Stramberg in Mähren, machte, seit
1810 Pfarrer der böhmischen Gemeinde in Dresden, hier, im
Muldenthal und im Altenburgischen Propaganda für ein
starkgläubiges Altluthertum. Seine Veranstaltung von
nächtlichen Erbauungs- und Erholungsstunden veranlagte endlich
die Einleitung einer Untersuchung gegen ihn; er entzog sich jedoch
derselben, indem er im Oktober 1838 sich von Bremen mit 700 seiner
Anhänger nach Amerika einschiffte, wo er bereits zu Wittenberg
am Mississippi Ländereien hatte ankaufen lassen. Er ließ
sich dort zum Bischof ernennen, ward aber schon 30. Mat 1839 wegen
Unzucht und Veruntreuung von seiner Gemeinde abgesetzt und nach
Illinois gebracht, wo er 21. Febr. 1846 starb. Über S. und
seine Sekte schrieben unter andern v. Polenz (Dresd. 1840) und
Vehse (das. 1842).
2) Heinrich von, Staatssekretär des deutschen
Reichspostamtes, geb. 7. Jan. 1831 zu Stolp in Pommern, trat 1848
in das Postfach ein, wurde 1856 als Geheimer expedierender
Sekretär ins Generalpostamt nach Berlin berufen, 1858 zum
Postrat, 1865 zum Geheimen Postrat und vortragenden Rat ernannt. In
dieser Zeit war er in besonders hervorragender Weise auf dem Gebiet
der internationalen Postreform thätig, indem er den
Abschluß von Postverträgen mit fast allen
europäischen Staaten bewirkte. Daneben fand er Gelegenheit,
sich reiche Sprachkenntnisse zu erwerben und durch weite Reisen die
internationalen Kulturhebel des Postwesens näher kennen zu
lernen. Nachdem S. 1866 und 1867 die Verhandlungen zur Beseitigung
der Thurn und Taxisschen Lehnspostwesens beendet und die taxissche
Post durch einen Staatsvertrag vom 28. Jan. 1867 an die Krone
Preußen übereignet hatte, wurde er im April 1870 zum
Generalpostdirektor und obersten Chef des Postwesens des
Norddeutschen Bundes ernannt. Gleich in den ersten Monaten seiner
Verwaltung trat die große Aufgabe der Entwickelung der
deutschen Feldpost im deutsch-französischen Krieg an ihn
heran, welche von ihm in vollendeter Weise gelöst wurde. 1871
wurde S. zum kaiserlichen Generalpostdirektor, 1876 nach erfolgter
Verschmelzung der Telegraphenverwaltung mit der Post zum
Generalpostmeister und 1879 zum Staatssekretär des deutschen
Reichspostamtes ernannt. Nach der Errichtung des Reichspostwesens
begann S. das Werk des innern Ausbaues, welches eine neue Epoche
für das Postwesen eröffnete und die deutsche Reichspost
zu mustergültiger Höhe erhoben hat. Er schuf eine
einheitliche Postgesetzgebung, führte den einheitlichen Tarif
für Pakete durch, führte das von ihm erfundene neue
Verkehrsmittel der Postkarten ein, rief den Postanweisungs- und
Postauftragsverkehr sowie die für den litterarischen Verkehr
wichtige Bücherpost ins Leben und führte eine Reihe
erheblicher Erleichterungen bei Benutzung der Postanstalt ein. Dann
folgte 1875 die auf Stephans Veranlagung eingeleitete Vereinigung
der Telegraphie mit der Reichspost, welche zur Folge hatte,
daß die Zahl der deutschen Telegraphenanstalten sich seitdem
von 1700 auf 13,000 gehoben hat. Das bedeutendste Werk Stephans
aber war die Gründung
294
Stephani - Stephansorden.
des Weltpostvereins. Er hat diese Bildung zuerst angeregt und
sie mit umsichtiger und kräftiger Hand gefördert, so
daß dieser Gemeinschaft jetzt mit geringen Ausnahmen alle
zivilisierten Staaten der Erde angehören. Daneben hat S. in
umfassendster Weise für Hebung der materiellen Lage und des
geistigen Wohls der Post- und Telegraphenbeamten (Kaiser
Wilhelm-Stiftung für die Post- und Telegraphenbeamten,
Bewilligung von Stipendien für Studienreisen, Einrichtung der
Postspar- und Vorschußvereine, deren Vereinsvermögen
jetzt 14 Mill. Mk. beträgt, Errichtung der Post- und
Telegraphenschule in Berlin mit akademischem Lehrkursus, Errichtung
des Reichspostmuseums, Gründung von Amtsbibliotheken,
Sonntagsruhe etc.) gesorgt. Bis in die neueste Zeit hinein hat S.
die umfassendsten Umgestaltungen sowohl bei der Post als bei der
Telegraphie durchgeführt; die Zahl der Postanstalten wurde von
5400 im J. 1871 auf 18,000 im J. 1888 erhöht. Das flache Land
ist mit einem dichten Netz von Landbriefträgerverbindungen zu
Fuß und zu Wagen durchzogen (Verstärkung der Zahl der
Landbriefträger im Reichspostgebiet von 10,000 auf über
20,000), in den Städten machen die Fernsprecheinrichtungen
zusehends Fortschritte; unterirdische Telegraphenleitungen sorgen
für eine von atmosphärischen Störungen
unabhängige Zuverlässigkeit des Verkehrs;
überseeische Kabel und Postverbindungen haben sich von Jahr zu
Jahr vermehrt, und seit 1886 haben die auf Stephans Initiative ins
Leben gerufenen deutschen subventionierten Postdampfschiffe ihre
Fahrten eröffnet. In den ersten zehn Jahren nach Gründung
des Weltpostvereins lieferte die Verwaltung unter Stephans Leitung
180 Mill. Überschuß an das Reich ab. S. gründete im
Verein mit Werner Siemens den Elektrotechnischen Verein in Berlin,
welchem er seit seiner Errichtung als Ehrenpräsident vorsteht.
Er ist Mitglied des preußischen Herrenhauses (seit 1872) und
des preußischen Staatsrats, Ehrendoktor der Universität
Halle und Ehrenbürger der Städte Stolp und Bremerhaven.
Auch als Schriftsteller zeichnete sich S. aus. Außer einem
"Leitfaden zur Anfertigung schriftlicher Arbeiten für junge
Postbeamte" schrieb er: "Geschichte der preußischen Post"
(Berl. 1859), "Das heutige Ägypten" (Leipz. 1872), "Weltpost
und Luftschiffahrt" (Berl. 1874) sowie zahlreiche kleinere Essays.
Er begründete das "Archiv für Post und Telegraphie" und
gab das "Poststammbuch" (3. Aufl., Berl. 1877) heraus.
3) (Meister Stephan), s. Lochener.
Stephani, 1) Heinrich, verdienter Pädagog der
Aufklärungszeit, geb. 1. April 1761 zu Gemünden im
Würzburgischen, studierte zu Erlangen, ward 1808 bayrischer
Kirchen- und Schulrat und 1818 Dekan in Gunzenhausen, trat aber
1834 infolge von theologischen Streitigkeiten vom geistlichen Amt
zurück und starb 24. Dez. 1850 zu Gorkau in Schlesien. Er
veröffentlichte zahlreiche ihrer Zeit angesehene theologische,
kirchenrechtliche, pädagogische und methodologische Schriften.
Sein bleibendes Verdienst besteht in der Ausbildung und
Einführung der Lautiermethode beim ersten Leseunterricht,
welche vom Lautwert der Buchstaben ausgeht, statt, wie die
ältere Buchstabiermethode, von den Lautzeichen und Namen der
Buchstaben.
2) Ludolf, Philolog und Archäolog, geb. 29. März 1816
zu Beucha bei Leipzig, studierte hier, erhielt auf Grund seiner
kunstgeschichtlichen Schrift "Der Kampf zwischen Theseus und
Minotaurus" (Leipz. 1842) durch Gottfr. Hermanns Empfehlung eine
Hauslehrerstelle in Athen, gab diese aber bald auf, um zu
wissenschaftlichen Forschungen eine Reise durch Nordgriechenland
und Kleinasien zu unternehmen, die sich schließlich bis
Unteritalien und Sizilien erstreckte. Nach seiner Rückkehr
folgte er 1846 einem Ruf als Professor der Philologie an die
Universität Dorpat und siedelte von da 1850 nach Petersburg
über, wo er als Mitglied der Akademie der Wissenschaften und
Konservator der klassischen Altertümer eine große und
erfolgreiche Thätigkeit entwickelte. Er starb 11. Jun. 1887 in
Pawlowsk. Seine Hauptwerke sind: "Reise durch einige Gegenden des
nördlichen Griechenland" (Leipz. 1843); "Über einige
angebliche Steinschneider des Altertums" (das. 1851); "Der
ausruhende Herakles" (das. 1854); "Antiquités du Bosphore
Cimmérien" (Petersb. 1854, Prachtwerk mit Bilderatlas);
"Nimbus und Strahlenkranz in den Werken der alten Kunst" (das.
1859); "Die Vasensammlung der kaiserlichen Eremitage" (das. 1869, 2
Bde); "Die Antikensammlung zu Pawlowsk" (das. 1872) etc. Zahlreiche
Abhandlungen von S. enthalten die "Comptes rendus" der kaiserlichen
Archäologischen Kommission.
Stéphanie, Louise Adrienne Napoléone,
Großherzogin von Baden, Tochter des Grafen Claude de
Beauharnais (s. Beauharnais 1) und Nichte der Kaiserin Josephine,
geb. 28. Aug. 1789, war 1806 von Napoleon I. adoptiert, zur Fille
de France und kaiserlichen Hoheit erklärt und 8. April mit
Karl Ludwig Friedrich, Erbgroßherzog von Baden,
vermählt, welcher ihr aber mehrere Jahre lang entschiedene
Abneigung zu erkennen gab, da er nur gezwungen die Ehe eingegangen
war. Seit 1811 Großherzogin, aber seit 1818 verwitwet,
residierte sie in Mannheim und starb 29. Jan. 1860 in Nizza. Sie
hinterließ zwei Töchter, Josephine, geb. 21. Okt. 1813,
Witwe des Fürsten Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, und
Maria, geb. 11. Okt. 1817, seit 1863 verwitwete Herzogin von
Hamilton, gest. 18. Okt. 1888; ihre Söhne waren kurz nach der
Geburt gestorben.
Stephanit, s. Sprödglaserz.
Stephanos, röm. Bildhauer zur Zeit Cäsars,
durch eine Knabenstatue in Villa Albani bekannt, Schüler des
Pasiteles (s. d.).
Stephanos von Byzanz, griech. Grammatiker, lebte in der
ersten Hälfte des 6. Jahrh. n. Chr. und ward bekannt als
Verfasser eines umfangreichen geographischen Wörterbuchs
("Ethnica"), das uns aber nur noch in einem Auszug des Grammatikers
Hermolaos erhalten ist. Die besten Ausgaben sind die von Westermann
(Leipz. 1839) und Meineke (Berl. 1849).
Stephansfeld, Irrenanstalt, s. Brumath.
Stephanskörner, Stephanskraut, s. Delphinium.
Stephauskrone, s. Stephan 4).
Stephansorden. 1) Königlich ungarischer
Zivilverdienstorden, von Maria Theresia als Pendant des
Militär-Maria-Theresienordens 5. Mai 1764 gestiftet und unter
den Schutz des heil. Stephan gestellt. Großmeister ist der
König von Ungarn. Der Orden soll 100 Ritter und drei Grade
haben. Die Dekoration besteht in einem achteckigen, grün
emaillierten, goldgeränderten Kreuz mit der Stephanskrone; im
rot emaillierten Mittelschild steht auf einer goldenen, auf einen
grünen Berg gestellten Krone ein silbernes apostolisches Kreuz
und zu beiden Seiten M. T. mit der Umschrift: "Publicum meritorum
praemium"; auf dem Revers, umgeben von einem Eichenkranz: "STO.
ST.R.I.AP." Das große
295
Stephansstein - Stephenson.
Kreuz tragen die Ritter erster Klasse und Kommandeure, das
kleine die Ritter, sämtlich am grünen Band mit rotem
Streifen in der Mitte in der üblichen Weise. Die
Großkreuze tragen dazu einen brillantierten Silberstern, in
dessen Mitte das Ordensmedaillon angebracht ist, und außerdem
noch eine Kette aus S S und M T, der Königskrone und einem
Wolkenkranz, in dem ein Band die Inschrift: "Stringit amore"
trägt, und zwischen dem ein Adler schwebt.
Auch hat der Orden, der nur dem Adel zugänglich, eine
besondere Ordenskleidung, Beamte und seinen Ordenstag an St.
Stephan. Die Großkreuze heißen Kousins des Königs.
Vgl. Dominus, Der S. und
seine Geschichte (Wien 1873). - 2) Toscanischer
Militärorden, gestiftet 1562 von Cosimo de Me-
dici zur Bekämpfung der Seeräuberei und Verteidigung
des Glaubens, mit religiöser Observanz, wurde 22. Dez. 1817
vom Großherzog Ferdinand III. erneuert und in vier Grade:
Prioren- Großkreuze, Bali-Großkreuze, Kommendatoren und
Ritter (di giustizia und di grazia), eingeteilt. Jeder Adlige von
vier Ahnen, mit freiem Einkommen von 300 Skudi aus seinem Besitz,
hat Anspruch auf den Orden, der in der Familie erblich ist, wenn
der Ritter eine Kommende als Majorat stiftet. Die Cavalieri di
grazia erhalten solche Kommende für ihre Verdienste. Die
Dekoration besteht in einem achtspitzigen, rot emaillierten Kreuz
mit Krone und goldenen Lilien in den Winkeln, das an rotem Band von
den drei ersten Klassen am Hals, von den Rittern im Knopfloch
getragen wird. Die Plaque wird auf der Brust getragen. Viktor
Emanuel hob den Orden 16. Nov. 1859 auf.