(Shurb Hill.) (Poiton.) Paläolithische

Feuersteingeräte.

(Rügen.) (Irland.) (Schonen.)

_ (Dänemark.) (Dänemark.)

Feuersteinäxte und Schleifsteine.

(Rügen.) (Rügen.) (Schonen.) (Danemark.)

Feuersteinnucleus, Messer, Pfeilspitzen und Schaber.

chönow.) (Lübben.) (Hadersleben.) (Tondern.)

Brandenburg. Schleswig:.

(Schleswig.! (Rügen.)

Feuersteindolche, Lanzenspitze und Säge.

Meyers Konv. - Lexikon, 4. Aufl.

Tumulus mit Grabkammern.

Bibliographisches Institut in Leipzig.

(Waaren.) (Köthen.) (Asmusstadt.)

Mecklenburg. Anhalt.

Durchbohrte Steinhämmer.

Zum Artikel »Steinzeit«.

281

Steinzeit.

Spuren des paläolithischen Menschen auf gemeinschaftlicher

Lagerstätte angetroffen. Im Rheinthal und in Frankreich

aufgefundene Moschusochsenschädel, die hin und wieder die

Spuren menschlicher Thätigkeit erkennen lassen, sowie die in

den Höhlen des Perigord, im Keßlerloch bei Thayingen

(Kanton Schaffhausen) und anderwärts aufgefundenen

bearbeiteten Renntiergeweihe beweisen, daß der

paläolithische Mensch diese Gegenden zu einer Zeit bewohnt

hat, wo das Klima Nord- und Mitteleuropas ein kälteres gewesen

ist als heutzutage. Während die Funde von Taubach (unweit

Weimar) andeuten, daß der Mensch der ältern S. das

heutige Thüringen während der der letzten Vergletscherung

vorausgehenden Interglazialepoche (zwischen zwei Vergletscherungen

fallende wärmere Zwischenperiode) bewohnt hat, zeigen die

Funde von der Schussenquelle (Oberschwaben), bestehend in einer

nordische Moose enthaltenden, unmittelbar auf der

Rheingletschermoräne gelegenen Kulturschicht, daß der

Mensch hier während der letzten Vergletscherungsepoche lebte.

Die Nahrung des paläolithischen Menschen bestand aus dem

Fleisch der erwähnten Tiere und aus Fischen; auch das

diluviale Pferd hat, wie die Funde zahlreicher, zur Gewinnung des

Knochenmarks aufgeschlagener Pferdeknochen beweisen, als

Nahrungsmittel des Menschen der ältern S. eine wichtige Rolle

gespielt. Außer den Höhlen dienten ihm Erdgruben und aus

Fellen hergerichtete Zelte als Wohnungen. Daß er die Felle

des erlegten Wildes mit Hilfe von Tiersehnen zur Kleidung

aneinander nähte, deuten die in diluvialen Höhlen

gefundenen Knochennadeln an, welche durch langen Gebrauch abgenutzt

sind. Man fand auch Stücke farbiger Erde zum Bemalen des

Körpers und zum Teil höchst primitive

Schmuckgegenstände (durchbohrte Tierzähne, welche, mit

Darmsaiten zur Kette aneinander gereiht, getragen wurden, Knochen

kleiner Tiere, Schneckengehäuse und Muscheln, Stücke Jet,

Plättchen von Renntierhorn u. dgl.). Die in französischen

Höhlen, im Keßlerloch und anderwärts aufgefundenen

Gravierungen in Renntierhorn u. Mammutelfenbein und die aus diesem

Material hergestellten Schnitzereien beweisen eine gewisse Begabung

für bildnerische Thätigkeit. Als Material für die

primitiven Geräte, welche in paläolithischen

Fundstätten angetroffen werden, dienten vorzugsweise

Feuersteinknollen, die den Gegenstand eines ausgedehnten

Handelsverkehrs bildeten und zum Teil durch primitiven Bergbau (s.

Schmutzgruben) gewonnen wurden. In der Nachbarschaft der

Feuersteinlager entstanden auch jene Feuersteinwerkstätten,

von wo aus die Umgebung mit Werkzeugen und Waffen versehen wurde.

Solche Werkstätten wurden in Frankreich zu Pressigny le Grand,

in Belgien auf dem rechten Ufer der Trouille, unweit Spiennes,

aufgedeckt. Während für schneidende oder stechende

Werkzeuge und Waffen Gesteinsarten, welche beim Behauen eine

scharfe Kante liefern, wie Feuerstein, Jaspis, Quarz, Achat,

Obsidian u. dgl., vorzugsweise Verwendung fanden, wurden

Hämmer und Äxte aus Diorit, Porphyr, Basalt u. dgl.

angefertigt. Daß die Bearbeitung des Rohmaterials in der

nämlichen Weise stattfand, wie noch heutzutage die Eingebornen

Australiens ihr Steingerät herstellen, indem sie nämlich

gegen den zwischen den Füßen festgehaltenen Steinblock

rasch aufeinander folgende Schläge führen, dies beweisen

die an der Mehrzahl der paläolithischen Geräte und Waffen

nachweisbaren Schlagmarken. Letztere lassen die von Menschenhand

hergestellten Steinobjekte sicher von jenen Steinfragmenten

unterscheiden, welche durch zufällige Zersplitterung ohne

Mitwirkung des Menschen entstehen. Indem von den Feuersteinknollen

messerförmige Späne oder Splitter abgesprengt werden,

bleiben in der Regel jene charakteristisch geformten Steinkerne

(nuclei, s. Tafel "Kultur der Steinzeit") übrig.

Arbeitssteine, ovale Steine mit Aushöhlungen an einer oder

beiden Oberflächen, dienten als Hämmer oder Schnitzer.

Die Schlagsteine (Schlagkugeln) zeigen auf den Rändern die

Spuren der mit ihnen ausgeführten Schläge. Die

Steinmesser (s. Tafel) sind dünne, zweischneidige, einer

Barbierlanzette ähnelnde, länglich-ovale Splitter, die

Schabsteine (s. Tafel) im allgemeinen von mehr

unregelmäßiger Form. Sehr häufig finden sich in den

ältern paläolithischen Fundstätten

mandelförmige Steinäxte (s. Tafel), die wahrscheinlich

vermittelst Tiersehnen an einem Holzstiel befestigt, aber auch als

Meißel oder Pfrieme verwendet wurden. Steinobjekte von drei-

oder viereckiger Form, die auf der einen Seite flach, auf der

andern mehr oder weniger gewölbt, 2½-5½ Zoll

lang, 1½ bis 2½ Zoll breit sind, und die eine wenn

auch nicht scharfe, doch sehr starke Schneide besitzen, werden

vorzugsweise in den Küchenabfallhaufen Dänemarks

angetroffen und in der Regel als kleine Steinbeile bezeichnet, von

Steenstrup aber als Angelschnurgewichte gedeutet. Von

Schleudersteinen unterscheidet man einfache, roh bearbeitete

Feuersteinstücke und runde, etwas abgeflachte, zierlich

gearbeitete Scheiben. Aus Feuerstein hergestellte Sägen (s.

Tafel) gehören in paläolithischen Fundstätten

ebenfalls nicht zu den Seltenheiten. Die Pfeilspitzen (s. Tafel)

der ältern Stadien der paläolithischen Zeit sind von

plumper, dreieckiger Gestalt, später finden sich leichter und

besser gearbeitete, rautenförmige, blattförmige oder mit

Widerhaken versehene Stücke, und daß gegen das Ende der

ältern S. eine bedeutende Vervollkommnung in der Herstellung

der Geräte und Waffen stattgefunden hat, beweisen die

kunstvoll gearbeiteten, meist lorbeerblattförmigen Dolch- und

Speerspitzen (s. Tafel), wie sie in jüngern

paläolithischen Fundstätten wiederholt angetroffen

wurden. Ferner finden sich Speerspitzen und Harpunen aus Knochen,

Renntier- und Hirschgeweih sowie eigentümlich geformte, aus

dem nämlichen Material hergestellte und mit Gravierungen

versehene Objekte, welche als Kommandostäbe (Abzeichen des

Häuptlings etc.) bezeichnet werden. In Gemeinschaft mit

paläolithischen Geräten werden in Deutschland und

Belgien, aber nicht in Frankreich und England Scherben irdenen

Geschirrs, die, mit der Hand geformt und an der Sonne getrocknet,

nur geringe Kunstfertigkeit verraten, nicht selten angetroffen.

Die relativ hohe Entwicklungsstufe, welche der Mensch der

jüngern S. im Vergleich zum paläolithischen Menschen

einnimmt, äußert sich zunächst in der

außerordentlich sorgfältigen und stellenweise einen

nicht geringen Geschmack bekundenden Herstellung der Waffen und

Werkzeuge, die zum Teil auch bedeutende Dimensionen aufweisen. So

fanden sich z. B. in Skandinavien sorgfältig gearbeitete

Steinäxte, welche 33 cm lang sind und in der Mitte eine Breite

von 55-57 mm und eine Dicke von 35-38 mm aufweisen. Die

neolithischen Feuersteingeräte sind nicht von Knollen

abgeschlagene Steinsplitter, sondern von allen Seiten bearbeitete

Steinstücke. Dieselben sind geschliffen oder mehr oder weniger

sorgfältig gemuschelt, d. h. es sind aus dem Feuerstein

Teilchen in muschelförmigem Bruch herausgehoben. Neben

einfachen, beiderseits zur Schneide konvex sich zuschärfenden

Axtblättern finden sich Steincelte,

282

Steinzellen - Steißfuß

d. h. von der Schneide nach hinten zu schmäler werdende

Geräte, die als Messer, Hacken und Streitäxte dienten,

sowie lange und schmale Instrumente mit einseitig flacher Schneide,

die als Meißel oder Hobel bezeichnet werden; auch

Hohlmeißel wurden angetroffen. Ferner finden sich steinerne

Mörser und Handmühlen zum Zerreiben von

Getreidekörnern. Die Schleifsteine (s. Tafel) bestehen

gewöhnlich aus feinkörnigem Sandstein mit einer oder

mehreren Schliffflächen. Als Hämmer (s. Tafel) werden

Äxte bezeichnet, die statt der Schneide eine mehr oder weniger

abgestumpfte Fläche tragen, während Hammeräxte an

einem Ende die Schneide der Axt, am andern die Fläche des

Hammers besitzen. Zur Befestigung des keilförmigen Steinbeils

am hölzernen Stiel wurde es in einen Einschnitt an dem

umgebogenen Ende eines krummen Holzgriffs gesteckt und mit

kreuzweise umgelegten Riemen oder mit einer Schnur befestigt, oder

man höhlte ein Stück Hirschhorn oder Renntiergeweih zu

einer das Steingerät teilweise umfassenden Hülse aus,

welche dann am dicken Ende einer Holzkeule oder eines Stockes

befestigt wurde. Anderseits wurden die Steinäxte, um einen

hölzernen Stiel hindurchzustecken, durchbohrt. Rau hat

nachgewiesen, daß man das härteste Gestein mit einem

hölzernen Stab oder einem cylinderförmigen Knochen, den

man in schnelle Umdrehung versetzt, unter Anwendung von Sand und

Wasser durchbohren kann. Auch ein zugespitztes Hirschhornstück

oder ein an einem Holzstab angebrachter spitzer Feuerstein, der mit

Hilfe einer an einem Bogen befestigten, sich auf- und abwickelnden

Schnur in schnelle Umdrehung versetzt wurde, fand vielfach

Verwendung. Zur Zerteilung eines großen Steinblocks bediente

man sich einer an einem hin- und herschwingenden Baumast

befestigten Feuersteinsäge, mit der man den Block von

verschiedenen Seiten ansägte, während die

übrigbleibende Verbindung mit dem Meißel durchgesprengt

wurde. Besonderes Interesse knüpft sich an die aus Nephrit und

Jadeit hergestellten Geräte, da die Herkunft des Materials

mehr oder weniger zweifelhaft ist (vgl. Nephrit). Die aus Knochen

und Horn hergestellten Objekte der jüngern S. bekunden zum

Teil hervorragende technische Fertigkeit. Aus diesen Materialien

hergestellte Angel-haken, Harpunen und Stechspeere für den

Fischfang, ferner knöcherne Pfrieme, Meißel, Dolche,

Pfeil- und Lanzenspitzen, aus Rippen des Hirsches oder der Kuh

hergestellte Kämme zum Flachshecheln und ähnliche Objekte

gehören nicht zu den Seltenheiten. Aus Holz gefertigte

Gegenstände, wie Speerstangen, Bogen, Kämme aus

Buchsbaumholz, aus einem Baumstamm ausgehöhlte Kähne u.

dgl., haben sich ebenfalls hier und da erhalten. Die neolithischen

Schmuckgegenstände zeichnen sich vor den paläolithischen

durch größere Mannigfaltigkeit aus.

Die Fundstätten der jüngern S. sind über ganz

Europa zerstreut, und auch außerhalb Europas werden dieselben

häufig angetroffen; ganz besonders reich aber hat sich

Skandinavien erwiesen. Außer den gewöhnlichen

neolithischen Objekten finden sich im N. und O. Schwedens aus

Schiefer hergestellte Altertümer, die man für

Überreste der S. der Lappen hält und als arktische

Steinkultur bezeichnet. Außerordentlich reich an

neolithischen Fundstücken ist Rügen, von wo aus in

prähistorischer Zeit ein großartiger Export von

Feuersteingeräten stattfand. Außer in Höhlen,

wohnte der neolithische Mensch auf im Wasser errichteten

Pfahlgerüsten (s. Pfahlbauten). Im nördlichen Europa

dienten ihm wohl während des Sommers aus Fellen hergestellte

Zelte, im Winter vermutlich niedrige Hütten aus einem

Gerüst von Walfischrippen und Holz, das mit Rasenstücken

oder mit einer Lage Torf und darübergeschütteter Erde

bedeckt wurde, als Wohnungen. Die Form der letzterwähnten

Behausungen ist nach Sven Nilsson in den skandinavischen

Ganggräbern nachgeahmt. Das Andenken seiner Toten ehrte der

neolithische Mensch durch Aufwerfen von Grabhügeln (s.

Gräber u. Tafel) sowie durch Errichtung von Dolmen und

Steinsetzungen (s. d.). Ein besonders wichtiges Kennzeichen der

neolithischen Kultur besteht darin, daß während dieses

Abschnitts der Prähistorie der Mensch zuerst Tiere zähmt,

daß ebensowohl die Anfänge der Viehzucht als diejenigen

des Ackerbaues dieser Epoche angehören, daß der

neolithische Mensch aus Pflanzenfasern rohe Gewebe und Gespinste

herstellt, und daß derselbe, wie die Funde an

Gefäßen und Gefäßscherben beweisen, in der

Thonbildekunst bereits erhebliche Fortschritte gemacht hat. Vgl.

Joly, Der Mensch vor der Zeit der Metalle (Leipz. 1880); de

Nadaillac, Die ersten Menschen und die prähistorischen Zeiten

(deutsch, Stuttg. 1884); Kinkelin, Die Urbewohner Deutschlands

(Lindau 1882); Fischer, Betrachtungen über die Form der

Steinbeile auf der ganzen Erde ("Kosmos", Bd. 10,S. 117); Tischler,

Beiträge zur Kenntnis der S. in Ostpreußen etc.

(Königsb. 1882-83, 2 Hefte); Montelius, Die Kultur Schwedens

in vorchristlicher Zeit (deutsch, Berl. 1885); Maska, Der diluviale

Mensch in Mähren (Neutitschein 1886); Rau, Drilling in stone

without the use of metals (Washington 1869); Baier, Die Insel

Rügen nach ihrer archäologischen Bedeutung (Strals.

1886).

Steinzellen, s. Steinigwerden.

Steinzeug, s. Thonwaren.

Steiß, das hintere Rumpfende der Wirbeltiere,

besonders wenn es, wie bei den Vögeln, über den Rumpf

hinausragt.

Steißbein (Os coccygis, Schwanzbein), der

Endabschnitt der Wirbelsäule (s. d.) nach hinten vom

Kreuzbein. Während der Schwanzteil derselben bei den mit einem

deutlichen Schwanz versehenen Wirbeltieren oft aus sehr vielen und

beweglichen Wirbeln besteht, sind beim Menschen 4, seltener 5, bei

andern Säugetieren noch weniger, bei den Vögeln 4-6, bei

den Fröschen ebenfalls einige wenige Wirbel zu einem

Knochenstück, dem sogen. S., verschmolzen. Die Wirbel, in der

menschlichen Anatomie als falsche Wirbel (vertebrae spuriae)

bezeichnet, entbehren des dorsalen Bogens, so daß das

Rückenmark hier nicht in einem Kanal, sondern frei liegt, was

auch schon am letzten Kreuzbeinwirbel der Fall ist (s. Tafeln

"Nerven II", "Skelett II" und "Bänder"). In abnormen

Fällen, bei den sogen. geschwänzten Menschen, ist das S.

nicht nach dem Innern des Körpers zu, sondern nach außen

zu gekrümmt und bildet dann ein ordentliches Schwänzchen,

das übrigens regelmäßig beim Embryo (s. d.)

vorhanden ist.

Steißdrüse, ein kleiner, unpaarer,

drüsenartiger Körper von unbekannter Bedeutung in der

Gegend des Steißbeins.

Steißfuß (Lappentaucher, Podiceps Lath.),

Gattung aus der Ordnung der Taucher und der Familie der Seetaucher

(Colymbidae), Vögel mit breitem, platt gedrücktem Leib,

langem, ziemlich dünnem Hals, kleinem, gestrecktem Kopf,

langem, schlankem, seitlich zusammengedrücktem, zugespitztem,

an den Schneiden sehr scharfem Schnabel, am Ende des Leibes

eingelenkten, nicht sehr hohen, seitlich stark

zusammengedrückten Füßen, mit Schwimmlappen be-

283

Steißfußhuhn - Stellvertretung.

setzten Vorderzehen mit breiten, platten Nägeln,

stummelartiger Hinterzehe, kurzen, schmalen Flügeln und statt

des Schwanzes mit einem Büschel zerschlissener Federn. Die

Steißfüße sind vollkommene Wasservögel,

welche ausgezeichnet tauchen, unter Wasser sich sehr schnell

fortbewegen, auch auf dem Wasser ruhen und in einem schwimmenden

Nest aus nassen Stoffen brüten. Das Gelege besteht aus 3-6

Eiern, welche von beiden Eltern gezeitigt werden. Sie nähren

sich von Fischen, Insekten, Fröschen, verschlucken auch

Pflanzenteile und ihre eignen Federn, welche sie sich aus der Brust

rupfen. Der Haubensteißfuß (Haubentaucher, Blitzvogel,

Seedrache, Fluder, P. cristatus L.), 66 cm lang, 95 cm breit,

oberseits schwarzbraun, mit weißem Spiegel an den

Flügeln, weißen Wangen und weißer Kehle,

unterseits weiß, seitlich dunkel gefleckt, im Hochzeitskleid

mit zweihörnigem Federbusch auf dem Kopf und aus langen,

zerschlissenen Federn gebildetem rostroten, schwarz

geränderten Kragen; die Augen sind karminrot, Zügel und

Schnabel blaßrot, die Füße hornfarben. Er bewohnt

die Seen und Gewässer Europas bis 60° nördl. Br.,

weilt in Deutschland von April bis November, überwintert auf

dem Meer, in Südeuropa oder Nordafrika und findet sich auch in

Asien und Nordamerika. Er lebt paarweise an größern

bewachsenen Teichen oder Seen, hält sich sehr viel auf dem

Wasser auf, ist auf dem Land sehr unbehilflich, fliegt aber

verhältnismäßig schnell und schwimmt und taucht

vortrefflich. Er ist sehr vorsichtig und sucht sich bei Gefahr

stets durch Tauchen zu retten. Das Nest steht in der Nähe von

Schilf auf dem Wasser, und das Weibchen legt drei weiße Eier.

Die Jungen werden von der Mutter beim Schwimmen oft auf dem

Rücken, beim Fluge nicht selten zwischen den Brustfedern

versteckt getragen. Man jagt ihn des kostbaren Federpelzes halber.

Der Zwergsteißfuß (P. minor L.), 25 cm lang, 43 cm

breit, oberseits glänzend schwarz, unterseits grauweiß,

dunkler gewölkt, an der Kehle schwärzlich, an Kopf-,

Halsseiten und der Gurgel braunrot; das Auge ist braun, der

Zügel gelbgrün, der Schnabel an der Wurzel gelbgrün,

an der Spitze schwarz, der Fuß schwärzlich. Er ist wie

der vorige weit verbreitet, weilt in Deutschland vom März, bis

die Gewässer sich mit Eis bedecken, und überwintert in

Südeuropa. Man findet ihn an bewachsenen Teichen, in

Brüchern und Morästen, er lebt wie der vorige, fliegt

aber schlecht und deshalb sehr ungern, nährt sich

hauptsächlich von Insekten, nistet im Schilf und legt 3-6

weiße, schwach gefleckte Eier (s. Tafel "Eier II"), welche in

20 Tagen ausgebrütet werden. Der Ohrensteißfuß (P.

auritus L.), 33 cm lang, 60 cm breit, an Kopf, Hals und Oberteilen

schwarz, mit breitem, goldgelbem Zügel, an Oberbrust und

Seiten lebhaft braunrot, an Brust und Bauchmitte weiß, das

Auge ist rot, der Schnabel schwärzlich, der Fuß

graugrün, bewohnt den gemäßigten Gürtel der

Alten Welt. Die Eier (s. Taf. "Eier II") sind weiß, lehmgelb

gefleckt.

Steißfußhuhn (Megapodius Quoi et Gai.),

Gattung aus der Ordnung der Hühnervögel und der Familie

der Wallnister (Megapodiidae). Das Großfußhuhn (M.

tumulus Less.), von der Größe des Fasans, oberseits

braun, unterseits grau, mit rötlich-braunem Auge und Schnabel

und orangefarbigem Fuß, lebt auf den Philippinen und

Neuguinea im Gestrüpp an der Küste paarweise oder

einzeln, ist sehr scheu, fliegt schwerfällig und nährt

sich von Wurzeln, Sämereien und Insekten. Es erbaut aus Sand

und Muscheln große Haufen, welche, von mehreren Geschlechtern

benutzt und vergrößert, 5 m Höhe und einen Umfang

von 50 m erreichen, und legt in diese sein weißes Ei, welches

es tief vergräbt.

Steißhühner, s. Hühnervögel.

Steißtier, s. Aguti.

Stele (griech.), Grabstein, gewöhnlich ein

viereckiger, nach oben sich etwas verjüngender und mit

Blätter- oder Blumenverzierungen (Anthemien) gekrönter

Pfeiler, welcher den Namen des Verstorbenen trägt (s.

Abbildung). Mitunter finden sich auch auf der S.

Reliefdarstellungen, die sich auf das Leben des Geschiedenen

beziehen. In makedonischer und römischer Zeit wird die S.

niedriger und breiter und meist mit einem Giebel besetzt. Vgl.

Brückner, Ornament und Form der attischen Grabstele

(Straßb. 1886).

Stell., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung

für G. W. Steller, geb. 1709 zu Windsheim, Arzt in Petersburg,

starb 1745 (Seetiere).

Stella (lat.), Stern.

Stella, 1) Pseudonym, s. Lewis 2);

2) s. Swift.

Stellage (französiert, spr. -lahsche), Gestell,

Gerüst; auch s. v. w. Stellgeschäft (s. Börse, S.

238).

Stellaland, s. Westbetschuanen.

Stellaria L. (Sternkraut, Sternmiere), Gattung aus der

Familie der Karyophyllaceen, kleine, einjährige oder

ausdauernde Kräuter mit weißen Blüten in allen

Klimaten, doch meist auf der nördlichen Erdhälfte. S.

Holostea L. (Augentrostgras, Jungferngras), in ganz Europa,

ausdauernd, mit aufsteigendem, vierkantigem Stengel, sitzenden,

lanzettlichen, lang zugespitzten, am Rand und auf dem Kiel scharfen

Blättern, ward früher medizinisch benutzt; S. media Vill.

(Vogelmiere, Hühnerdarm), sehr gemein, wird allgemein als

Vogelfutter benutzt.

Stellaten, s. Rubiaceen.

Stellbrief, s. Engagementsbrief.

Stelldichein, s. Rendezvous.

Stellenvermittelungsbüreaus, s.

Adreßbüreaus.

Stelleriden, s. Asteroideen.

Stellgeschäft, s. Börse, S. 238.

Stellio, Dorneidechse (s. d.). Der S. der Alten ist der

Gecko (s. Geckonen).

Stellionat (Crimen stellionatus), im römischen

Strafrecht die Verletzung und Unterdrückung der Wahrheit zur

Gewinnung unrechtmäßiger Vorteile durch Täuschung,

d. h. durch vorsätzliche Erweckung einer unrichtigen

Vorstellung bei andern. Der Name ist von der Behendigkeit der

Eidechse (stellio) im Entschlüpfen hergenommen.

Stellknorpel, s. Kehlkopf.

Stellmacher (Wagner), ehemals zünftige Handwerker,

die das Holzwerk für Fuhrwerke, Kutschen, Schlitten,

Pflüge etc. verfertigen. An manchen Orten fertigen die

Radmacher die Räder allein.

Stellung, s. Attitüde und Position.

Stellvertretung, das Rechtsverhältnis, in welchem

eine Person die Geschäfte einer andern ausführt, sei es,

daß es sich dabei um einzelne Geschäfte, sei es,

daß es sich um eine Summe von Geschäften handelt. Im

284

Stellvertretung, militärische - Stelzhamer.

privatrechtlichen Verkehr setzt die S. in der Regel einen

Auftrag seitens der zu vertretenden Person voraus (s. Mandat).

Handelt es sich dagegen um die Vertretung eines öffentlichen

Beamten, so wird der Stellvertreter oder Vikar (s. d.) in der Regel

von der vorgesetzten Dienstbehörde bestellt. Dem als

Volksvertreter gewählten Beamten fallen die Kosten der S.

nicht zur Last. Die S. des deutschen Reichskanzlers

(Generalstellvertretung durch einen Vizekanzler oder

Spezialvertretung durch die Chefs der Reichsämter) ist durch

Reichsgesetz vom 17. März 1878 geordnet. Bei gekrönten

Häuptern wird zwischen S. und Regentschaft unterschieden.

Letztere ist auf die Dauer berechnet und tritt kraft gesetzlicher

Bestimmung ein, während man unter S. die auf Anordnung des

Monarchen selbst eintretende vorübergehende Vertretung

versteht.

Stellvertretung, militärische, früher

Ableistung der Dienstpflicht im Kriegsheer durch und für einen

andern, wofür der Stellvertreter (Einsteher, Remplacant) eine

meist gesetzlich geregelte Abfindungssumme erhielt. Nach

Deutschlands Vorgang bis auf Belgien und Niederlande, wo die m. S.

noch heute besteht, nach dem Krieg 1870/71 überall

abgeschafft. S. Loskauf.

Stelter, Karl, lyr. Dichter, geb. 25. Dez. 1823 zu

Elberfeld, widmete sich in einer Seidenweberei daselbst dem

kaufmännischen Beruf, zu dem er auch nach einem kurzen

Versuch, als Schauspieler eine künstlerische Zukunft zu

gewinnen, zurückkehrte und bis 1880 (in den letzten 30 Jahren

als Prokurist) thätig war. Seitdem lebt er in Wiesbaden. S.

gehört als Dichter zu der kleinen Gruppe der "Wupperthaler

Poeten", welche im materiellen Treiben ideale Gesinnungen zu wecken

und zu erhalten bemüht waren und eine freisinnige und freudige

Auffassung des Daseins dem trüben Wupperthaler Pietismus

entgegensetzten. Er veröffentlichte: "Gedichte" (Elberf. 1858,

3. Aufl. 1880); "Die Braut der Kirche", lyrisch-epische Dichtung

(Bresl. 1858); "Aus Geschichte und Sage", erzählende

Dichtungen (Elberf. 1866, 2. Aufl. 1882); die Anthologie

"Kompaß auf dem Meer des Lebens" (4. Aufl., Berl. 1884);

"Kompendium der schönen Künste" (Düsseld. 1869);

"Gedichte", 2. Band (Elberf. 1869); "Novellen" (das. 1882); "Neue

Gedichte" (das. 1886) u. a.

Stelvio, Monte, s. Stilfser Joch.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 81 / 302 段