Steinschmätzer (Saxicola Bechst.), Gattung aus der

Ordnung der Sperlingsvögel, der Familie der Drosseln

(Turdidae) und der Unterfamilie der S. (Saxicolinae), schlanke

Vögel mit pfriemenförmigem Schnabel, welcher an der

Wurzel breiter als hoch, auf der Firste kantig und an der Spitze

etwas abgebogen ist, etwas stumpfen Flügeln, in welchen die

dritte und vierte Schwinge am längsten sind, ziemlich kurzem

und breitem, gerade abgeschnittenem Schwanz und hohen und

dünnen Füßen mit mittellangen Zehen. Der S.

(Steinsänger, Steinpicker, Steinbeißer, S. oenanthe

Bechst.), 16 cm lang, 29 cm breit, oberseits hellgrau, an der Brust

rostgelblich, auf dem Bürzel, an der Unterseite und an der

Stirn weiß, mit weißem Augenstreifen, um die Augen, an

den Flügeln und den beiden mittlern Schwanzfedern schwarz; die

übrigen Schwanzfedern sind am Grund weiß, an der Spitze

schwarz; das Auge ist braun, Schnabel und Fuß schwarz. Er

bewohnt Mittel- und Nordeuropa, die asiatischen Länder

gleicher Breite und den hohen Norden Amerikas. Bei uns weilt er vom

März bis September. Er findet sich in steinreichen Gegenden

und geht in der Schweiz bis über den Gürtel des

Holzwuchses empor. Sehr gewandt, munter, ungesellig, vorsichtig,

lebt er einsam, läuft ungemein schnell, fliegt ausgezeichnet,

aber nicht hoch und macht, auf einem Felsen sitzend, wiederholt

Bücklinge. Sein Gesang ist unbedeutend. Er nährt sich von

Insekten, nistet in Felsritzen und Baumlöchern und legt im Mai

5-7 bläuliche oder grünlichweiße Eier (s. Tafel

"Eier I"), welche das Weibchen allein ausbrütet. In der

Gefangenschaft geht er durch seine Wildheit bald zu Grunde.

Steinschneidekunst (Glyptik, Lithoglyptik), die Kunst,

Gegenstände aus Edel- und Halbedelsteinen reliefartig erhaben

(Kameen, s. d.) oder vertieft (Gemmen, Intaglien) in dieselben

eingegraben darzustellen, sowie überhaupt die Kunst,

Edelsteine und Halbedelsteine zu bearbeiten, d. h. ihnen durch

Schleifen die verlangte Gestalt zu geben und sie zu polieren.

Ersteres geschieht auf der Schleifmaschine und vermittelst der

Steinzeiger, letzteres auf bleiernen und hölzernen Scheiben,

erst mit Schmirgel und Bimsstein, dann mit Tripel und Wasser.

Über die Geschichte der S. s. Gemmen nebst Tafel.

Steinschneider, Moritz, jüd. Gelehrter, geb. 30.

März 1816 zu Proßnitz in Mähren, studierte

Philologie und Pädagogik an der Universität Prag, darauf

Orientalia in Wien und wandte sich hier der jüdischen

Theologie und Litteratur zu. Nachdem er seine Studien seit 1839

noch in Leipzig, später in Berlin und 1842 in Prag

fortgesetzt, wurde er hier Lehrer an einer höhern

Töchterschule und ging 1845 nach Berlin, wo er seit 1859 an

der Veitel-Heine-Ephraimschen Lehranstalt Vorlesungen hält und

seit 1869 auch als Direktor der Töchterschule der Berliner

jüdischen Gemeinde thätig ist. Unter seinen

wissenschaftlichen Arbeiten stehen obenan seine an

Forschungsergebnissen reichen Kataloge, von denen wir den

"Catalogus librorum hebraeorum in bibliotheca Bodlejana" (Berl.

1852-60), den dazu gehörigen "Conspectus codicum manuscr.

hebraic. in bibl. Bodl." (das. 1857), "Die hebräischen

Handschriften der königlichen Hof- und Staatsbibliothek in

München" (Münch. 1875), den "Katalog der hebräischen

Handschriften in der Stadtbibliothek zu Hamburg" (Hamb. 1878) und

den "Katalog der hebräischen Handschriften der

königlichen Bibliothek zu Berlin" (Berl. 1878) hervorheben.

Steinschneiders Artikel "Jüdische Litteratur" in Ersch und

Grubers "Encyklopädie" (2. Sekt., 27. Bd.; englisch, Lond.

1857) ist die erste vollständige Darstellung des Gegenstandes

in größerm Umfang. Seine sonstigen Arbeiten sind meist

in der von ihm herausgegebenen "Hebräischen Bibliographie"

(Berl. 1859-64, 1869-81) veröffentlicht. Auf dem Gebiet der

arabischen Litteratur beleuchten seine Abhandlungen

hauptsächlich Philosophie ("Alfarabi", 1869), Medizin

("Donnolo. Pharmakologische Fragmente aus dem 10. Jahrhundert",

Berl. 1868; toxikologische Schriften u. a. in Virchows "Archiv"

1871, 1873) und Mathematik ("Baldi, Vite di matematici arabi", Rom

1874; "Abraham ibn Esra", Leipz. 1880, u. a. in Zeitschriften).

Steinschnitt, ein Teil der Stereometrie, s.

Stereotomie.

Steinschnitt (Blasensteinschnitt, Lithotomie), die

kunstmäßige Eröffnung der Harnblase oder ihres

Halses an irgend einer Stelle und in einem solchen Umfang,

daß ein darin befindlicher Harnstein (s. Harnsteine) entfernt

werden kann. Es gibt fünf verschiedene Methoden des

Steinschnitts beim Mann. Der S. mit der kleinen Gerätschaft,

von Celsus zuerst beschrieben, besteht darin, daß man am Damm

und am Blasenhals einen Einschnitt nach dem Stein zu macht und

denselben mit dem Steinlöffel heraushebt. Beim S. mit der

großen Gerätschaft, von Joh. de Romanis im 16. Jahrh.

erfunden, wird zuerst eine gefurchte Leitungssonde in die Blase

gebracht, an dem Damm die Harnröhre in ihrem schwammigen Teil

durch einen Einschnitt geöffnet und der Blasenhals mittels

besonderer Instrumente in dem Grad erweitert, daß der Stein

herausgenommen werden kann. Diese Methode hat zwar unbestreitbar

Vorzüge vor der erstern, doch sind dabei ebenfalls

Zerreißung und Quetschung leicht möglich und

außerdem die Ausziehung des Steins mit bedeutenden

Beschwerden für den Kranken verbunden. Der hohe Apparat oder

Bauchblasenschnitt, von Franco 1561 erfunden, besteht in der

Eröffnung der Blase zwischen dem obern Rande der

278

Steinschönau - Steinthal.

Schambeine und der Falte des die Blase überziehenden

Bauchfells. Üble Umstände während dieser Operation

und nach derselben sind besonders: Verletzung und heftige

Entzündung des Bauchfells, Infiltration des Harns in das

Zellgewebe, Abscesse, Brand. Ausgeführt wird derselbe

besonders bei Knaben und bei sehr großen Steinen, die sich

auf den andern Wegen nicht herausbefördern lassen. Der

Seitensteinschnitt, ebenfalls von Franco erfunden und

gegenwärtig am meisten üblich, charakterisiert sich im

allgemeinen dadurch, daß im Damm ein Einschnitt gemacht wird,

welcher sich von der linken Seite der Naht des Hodensackes gegen

das Sitzbein herzieht, darauf der häutige Teil der

Harnröhre geöffnet und der Blasenhals, die Prostata und

selbst ein Teil des Blasenkörpers eingeschnitten werden. Die

Methode des Steinschnitts durch den Mastdarm, von L. Hoffmann

vorgeschlagen, besteht darin, daß ein Bistouri durch den

Mastdarm eingeführt, die vordere Wand des Mastdarms und der

äußere Sphinkter des Afters sowie dann auf der

eingeführten Steinsonde der Blasenhals und die Prostata

eingeschnitten und der Stein durch die Zange entfernt wird.

Geringere Lebensgefahr, nicht gefährliche Blutung,

Möglichkeit der Entfernung großer Steine gelten als

Vorzüge, das Zurückbleiben einer Kot- und Urinfistel und

Impotenz als Nachteile dieser Methode. Der S. kommt bei Weibern

ungemein viel seltener vor als bei Männern; einmal, weil

Steine bei jenen überhaupt viel seltener sind, anderseits,

weil nicht zu große Steine bei ihnen durch die kurze, gerade

und sehr dehnbare Harnröhre leicht abgehen oder doch

ausgezogen oder zerstückelt (s. unten) werden können.

Beim Weib wird der Schnitt entweder unterhalb des Schoßbogens

mit Einschneidung der Harnröhre und des Blasenhalses oder

unterhalb der Schoßfuge ohne Verletzung der Harnröhre

geführt, oder es wird die Harnblase von der Scheide aus oder

endlich oberhalb des Schoßbodens, wie beim Mann,

geöffnet. - Denselben Zweck wie mit dem S. sucht man mit der

Steinzermalmung (Steinzertrümmerung, Lithotritie,

Lithotripsie) zu erreichen. Hierbei werden mittels in die Harnblase

eingebrachter Werkzeuge die Steine zerstückelt, so daß

sie mit dem Urin abgehen. Dieses Verfahren, schon früher

vorgeschlagen, wurde von Gruithuisen (1813), Amussat (1821),

Civiale (1824), Heurteloup (1832) und Charrière durch

Erfindung passender Instrumente in Aufnahme gebracht. Hauptmethoden

sind: die jetzt obsolete Perforation oder Anbohrung des Steins

mittels eines in die Harnröhre einzuführenden, aus drei

ineinander passenden Teilen bestehenden Instruments (Lithotritor),

die lithoklastische Methode (Lithotripsie), welche bloß

zerdrückend und zermalmend wirkt und bei nicht sehr harten

Steinen angewendet wird, und die Perkussion, die durch Stoß

und Schlag wirkt, indem man mit einem zweiarmigen Instrument,

welches geschlossen in die Harnröhre eingeführt, durch

Zurückziehen des einen Arms geöffnet und dann wieder

vermittelst eines Hammers geschlossen wird, den Stein faßt

und zu zerdrücken sucht. Die Lithotritie ist zwar nicht so

verletzend wie der S., befreit aber den Kranken meist erst nach

mehreren Operationsversuchen von seinem Übel. Sie ist daher zu

beschränken auf weichere und namentlich kleinere Blasensteine

bei jüngern Individuen mit sonst gesunden Harnorganen,

während große und harte Steine bei ältern Personen

und sonstigen, die an Blasenkatarrh, Nierenreizung etc. leiden, dem

S. anheimfallen.

Steinschönau, Marktflecken in der böhm.

Bezirkshauptmannschaft Tetschen, an der Flügelbahn

Böhmisch-Kamnitz-S. der Böhmischen Nordbahn, ein

Hauptsitz der böhmischen Glasindustrie, mit Fachschule,

zahlreichen Glasraffinerien, bedeutendem Export, Möbelfabrik

und (1880) 4410 Einw.

Steinsetzungen, aus einzelnen oder mehreren Steinen

bestehende Denkmäler, die in vorgeschichtlicher, zum Teil auch

noch in geschichtlicher Zeit zur Erinnerung an gewisse Ereignisse

oder zum Gedächtnis der Toten errichtet wurden. Man

unterscheidet Menhirs (maen, men, keltisch = Stein, hir = lang) und

Cromlechs (crom, keltisch = gekrümmt, lech = Stein) oder

Steinkreise, Steinringe. Die Menhirs sind einzelne, senkrecht

gestellte, meist sehr große (bis 19 m), nicht oder grob

behauene Monolithen. Bisweilen finden sich mehrere Menhirs auf

beschränktem Raum und in geordneter Stellung, wie auf dem

Heerberg bei Beckum in Westfalen und bei Carnac in der Bretagne, wo

sich eine Gruppe aus unbehauenen Steinen, von denen der

größte 7,5 m hoch ist, in elf Reihen etwa 3 km weit

hinzieht. Die Menhirs bezeichnen oft die Stelle eines Grabes oder

einer gemeinsamen Begräbnisstätte der Vorzeit; sie werden

in der Ilias und in der Bibel erwähnt, manche aber

gehören der historischen Zeit an, wie das Denkmal an die

Schlacht bei Largs in Schottland dem 13. Jahrh. Häufig bilden

Reihen von Menhirs die Seitenwände von Gängen, welche zur

Grabkammer der Dolmen oder in das Innere prähistorischer

Grabhügel führen. Über die Steinkreise s. Cromlech.

Auf den Menhirs wie auf den Felsblöcken der Cromlechs finden

sich hier und da Inschriften (Striche, Kreise, Spiralen etc.), von

denen aber nur sehr wenige entziffert werden konnten; auch ist

zweifelhaft, ob diese Inschriften mit den S. gleichaltrig sind oder

einer spätern Zeit angehören. Ausgrabungen in

unmittelbarer Nähe der S. haben Stein-, Bronze-, Eisen-,

Knochen- und Horngeräte, Thonscherben, Münzen aus

frühgeschichtlicher Zeit zu Tage gefördert. Mit den

Menhirs und Cromlechs werden die Dolmen (s. d.) als megalithische

Denkmäler zusammengefaßt. S. Tafel "Kultur der

Steinzeit".

Steintanz, s. Gräber, prähistorische.

Steinthal, Landstrich im Unterelsaß, Kreis

Molsheim, in den Vogesen zu beiden Seiten der Breusch, mit den

Orten Rothau, Waldersbach und Fouday, ehedem eine unfruchtbare,

öde und arme Gegend, jetzt durch die Bemühungen des

Pfarrers Oberlin (s. d.) in einen gewerbthätigen und

wohlhabenden Distrikt umgewandelt.

Steinthal, Heymann, Sprachphilosoph und Linguist, geb.

16. Mai 1823 zu Gröbzig im Anhaltischen, studierte in Berlin

seit 1843 Philologie und Philosophie und habilitierte sich 1850 an

der dortigen Universität, wo er über allgemeine

Sprachwissenschaft und Mythologie Vorträge hielt. 1852-55

verweilte er zum Behuf chinesischer Sprach- und Litteraturstudien

in Paris; seit 1863 ist er außerordentlicher Professor der

allgemeinen Sprachwissenschaft zu Berlin, wo er seit 1872 auch an

der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums

Religionsphilosophie und Religionsgeschichte lehrt. Von Steinthals

sprachwissenschaftlichen Werken, die sich im allgemeinen an die von

W. v. Humboldt begründete philosophische Behandlung der

Sprache anschließen, sind als die bedeutendsten zu nennen:

"Der Ursprung der Sprache im Zusammenhang mit den letzten Fragen

alles Wissens" (Berl. 1851, 4. erweiterte Aufl. 1888); die

"Klassifikation der Sprachen, dargestellt als die Entwicke-

279

Steintisch - Steinverband.

lung der Sprachidee" (das. 1850), welches Werk später

neubearbeitet unter dem Titel: "Charakteristik der

hauptsächlichsten Typen des Sprachbaues" (das. 1860) erschien

und sehr anregend gewirkt hat; ferner "Die Entwickelung der

Schrift" (das. 1852); "Grammatik, Logik, Psychologie, ihre

Prinzipien und ihre Verhältnisse zu einander" (das. 1855);

"Geschichte der Sprachwissenschaft bei den Griechen und

Römern" (das. 1863); "Die Mande-Negersprachen, psychologisch

und phonetisch betrachtet" (das. 1867); "Abriß der

Sprachwissenschaft" (Bd. 1: "Einleitung in die Psychologie und

Sprachwissenschaft", 2. Aufl. 1881). Von kleinern Arbeiten sind zu

nennen: "Die Sprachwissenschaft W. v. Humboldts und die Hegelsche

Philosophie" (Berl. 1848); "Philologie, Geschichte und Psychologie

in ihren gegenseitigen Beziehungen" (das. 1864);

"Gedächtnisrede auf W. v. Humboldt" (das. 1867) u. a. Von

einer Sammlung seiner "Kleinen Schriften" erschien der 1. Band

(Berl. 1880). Mit Lazarus gibt S. die "Zeitschrift für

Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft" (Berl. 1860 ff.)

heraus, die von ihm namentlich kritische Aufsätze

enthält. Auch besorgte er eine Ausgabe der

"Sprachwissenschaftlichen Werke W. von Humboldts, mit Benutzung

seines handschriftlichen Nachlasses" (Berl. 1884). Seine neueste

Veröffentlichung ist "Allgemeine Ethik" (Berl. 1885).

Steintisch, s. Dolmen.

Steinverband, diejenige Anordnung der Mauersteine, durch

welche auch ohne Bindemittel ein möglichst fester Zusammenhang

unter denselben hergestellt wird. Als Hauptregeln gelten: a) die

Lagerfugen der Mauersteine müssen möglichst horizontale

Ebenen bilden; b) die Stoßfugen der Mauersteine dürfen

in unmittelbar aufeinander folgenden Schichten nicht aufeinander

treffen. Je nach der Gattung der Mauersteine unterscheidet man den

Verband mit künstlichen Steinen (Backsteinen, Mauerziegeln),

mit regelmäßig bearbeiteten natürlichen Steinen

(Quadern, Hausteinen, Werksteinen), mit roh bearbeiteten

natürlichen Steinen (Bruchsteinen) und den gemischten

Verband.

I. S. künstlicher Steine. Die deutschen Normalziegel sind

25 cm lang, 12 cm breit und 6,5 cm dick, wobei zwei Steinbreiten,

vermehrt um eine Stoßfuge von 1 cm, einer Steinlänge

gleich sind (2 x 12 + 1 = 25 cm). Man vermauert ganze Steine, halbe

Steine von der halben Länge ganzer Steine, Dreiviertelsteine

(Dreiquartierstücke) von ¾ der Länge ganzer Steine

und Riem- oder Kopfstücke von der halben Breite und der vollen

Länge ganzer Steine. Steine, welche der Länge nach

parallel und normal zur Mauerflucht liegen, heißen bez.

Läufer und Binder (Strecker) und die aus solchen Steinen

hergestellten Mauerschichten bez. Läuferschichten und

Binderschichten (Streckerschichten). Man unterscheidet folgende

Hauptsteinverbände: 1) Den Schornsteinverband (Fig. 1), so

genannt, weil er für die meist ½ Stein starken Wangen

der Schornsteine verwendet wird, entsteht durch die

regelmäßige Versetzung der Stoßfugen von

Läufern um je ½ Stein und liefert also an den beiden

Enden eine regelmäßige Abtreppung (Fig. 1, rechts) und

eine regelmäßige Verzahnung (Fig. 1, links). 2) Der

Blockverband (Fig. 2-4) entsteht durch regelmäßige

Abwechselung von Binder- und Läuferschichten, wenn deren

Stoßfugen in der Mauerflucht um je ¼ Stein versetzt

werden. In der Ansicht bilden sich hierdurch die durch

Schraffierung (in Fig. 2) hervorgehobenen, zusammenhängenden

Kreuze. Fig. 2 zeigt eine 1 Stein starke Mauer, deren Abtreppung

rechts durch je zwei Stufen von ¾ und ¼ Stein, und

deren Verzahnung links durch Vor- oder Rücksprünge von je

¼ Stein gebildet wird. Aus Fig. 3 u. 4 ergeben sich die

Blockverbände für 1½ Stein u. 2 Steine starke

Mauern mit ihren natürlichen Abtreppungen rechts und

Verzahnungen links. 3) Der Kreuzverband (Fig. 5) entsteht aus dem

Blockverband, wenn die Stoßfugen der 3., 7., 11. etc.

Läuferschicht in der Mauerflucht um ½ Stein verschoben

werden. In der Ansicht bilden sich hierdurch die durch

Schraffierung hervorgehobenen unzusammenhängenden Kreuze,

während die Abtreppung rechts durch Stufen von je ¼

Stein und deren Verzahnung links durch Vor- oder

Rücksprünge von je 2¼ Stein gebildet wird. 4) Der

polnische oder gotische Verband (Fig. 6 u. 7) entsteht, wenn in

einer und derselben Schicht Läufer und Binder abwechseln,

wobei sich in der Ansicht das in Fig. 6 durch Schraffierung

hervorgehobene Muster ergibt. Dieser Verband verstößt

gegen die unter b) gegebene Hauptreael, indem stellenweise Fuge auf

Fuge trifft. Fig. 6 zeigt eine 1 Stein, Fig. 7 eine 1½ Stein

starke Mauer, wobei diejenigen Fugen, welche aufeinander treffen,

markiert sind, mit ihren Abtreppungen rechts und Verzahnungen

links. 5) Der holländische Verband (Fig. 8) vermeidet zwar den

eben angegebenen Fehler des polnischen Verbandes, findet aber

trotzdem nur beschränkte Verwendung. In der Ansicht bildet

Fig. 1. Schronsteinverband.

Fig. 2. Blockverband.

Fig. 3. und 4. Blockverband für 1½ und 2 Steine

starke Mauern.

Fig. 5. Kreuzverband.

Fig. 6. Polnischer Verband (1 Stein).

Fig. 7. Polnischer Verband (1½ Stein).

Fig. 9. Haustein-Eckverband.

Fig. 8. Holländischer Verband.

Fig. 10. Haustein-Eckverband.

280

Steinwald - Steinzeit.

sich das in der Figur durch Schraffierung hervorgehobene Muster,

welche zugleich die Abtreppung links und die Verzahnung links

darstellt. Verbände für Pfeiler und Säulen aus

künstlichen Steinen sowie für Ecken und Kreuzungen von

Mauern sind mit deren Stärke sehr verschieden und in den unten

bezeichneten Werken mehr oder minder ausführlich

dargestellt.

II. S. regelmäßig bearbeiteter natürlicher

Steine. Bei schwächern Mauern wird dieser Verband dem in Fig.

1 dargestellten Schornsteinverband nachgebildet. Bei stärkern

Mauern weicht man von dem Ziegelverband ab und zieht vor, nur

Läufer von verschiedener Breite zu verwenden (Fig. 9 u. 10).

Bei Mauerecken läßt man die in beiden Figuren durch

Schraffierung hervorgehobenen sogen. Flügelsteine in beide

Mauern eingreifen, um hierdurch den beiden Schenkeln der Ecke mehr

Zusammenhang zu geben.

III. S. roh bearbeiteter natürlicher Steine. Da die Steine

hierbei verwendet werden, wie sie aus dem Bruch kommen, und nur mit

dem Mauerhammer etwas zugerichtet werden, so kann von einem

regelmäßigen S. nicht mehr die Rede sein. Immerhin sucht

man den Hauptregeln desselben möglichst zu entsprechen und

möglichst ebene und horizontale Lagerfugen wenigstens in

gewissen, nicht zu hohen Schichten herzustellen, wobei man die

Unebenheiten durch passende Steinstücke ausfüllt, um das

Aufeinandertreffen der Stoßfugen möglichst zu

vermeiden.

IV. Gemischter S. Derselbe entsteht, wenn Bruchsteinmauern in

den Außenflächen mit Quadern oder auch Backsteinen oder

Ziegelmauern mit Quadern verkleidet (verblendet) werden, weshalb

dieses Mauerwerk auch Blendmauerwerk heißt. Gewöhnlich

wechseln hierbei Läufer und Binder der regelmäßigen

Steine in einer und derselben Schicht miteinander ab, während

deren Zwischenräume durch Bruchsteine ausgefüllt

werden.

Steinwald, s. Fichtelgebirge, S. 239.

Steinwärder, Vorort von Hamburg, auf einer Elbinsel

im Freihafengebiet, hat große Schiffswerften,

Maschinenfabrikation, Kesselschmiederei und (1885) 4039

Einwohner.

Steinweg, Heinrich, Pianofortebauer, geb. 15. Febr. 1797

zu Seesen, begann in Braunschweig mit dem Bau von Guitarren und

Zithern und ging dann zum Bau von Tafelklavieren, Pianinos und

Flügeln über. Erlernt hatte er nur die Tischlerei und den

Orgelbau zu Goslar. 1850 übergab er das Braunschweiger

Geschäft seinem Sohn Theodor und ging mit vier andern

Söhnen nach New York, wo sie zunächst in mehreren

Klavierfabriken arbeiteten, 1853 aber sich selbständig unter

der Firma Steinway and Sons etablierten. Das Geschäft nahm

schnell einen enormen Aufschwung, nachdem es 1855 auf der New

Yorker Industrieausstellung den ersten Preis für seine

kreuzsaitigen Pianofortes erhalten. Es liefert jetzt

wöchentlich ca. 60 Instrumente, und das Magazin der Firma ist

eins der schönsten Gebäude der Stadt New York sowie der

Musiksaal "Steinway-Hall" einer ihrer größten

Konzertsäle. Heinrich S. starb 7. Febr. 1871 in New York. Von

den übrigen Begründern der New Yorker Firma lebt nur noch

Wilhelm, der vierte Sohn. Theodor S. gab 1865 das Braunschweiger

Geschäft auf (jetzt: Theodor Steinweg Nachfolger, Helferich,

Grotrian u. Komp.) und trat in das New Yorker ein, nachdem seine

Brüder Heinrich 11. März 1865 in New York und Karl 31.

März 1865 in Braunschweig gestorben waren; er selbst starb 26.

März 1889 in Braunschweig; Albert S. war bereits 1876 in New

York gestorben. Von den patentierten Verbesserungen der Firma seien

erwähnt: die Patent-Agraffeneinrichtung (1855), welche die

Widerstandsfähigkeit des Rahmens gegen die Saiten erhöht;

die Patentkonstruktion in Flügeln von kreuzsaitiger Mensur

(1859), deren Vorteile der Hauptsache nach in den verlängerten

Stegen und deren Verschiebung von den Rändern ab nach der

Mitte des Resonanzbodens zu suchen sind, wodurch größere

Räume zwischen den Chören der Saiten entstehen und somit

größere Resonanzflächen in Bewegung gesetzt werden;

der vibrierende Resonanzbodensteg mit akustischen Klangpfosten

(1869), beruhend auf der Tonleitung durch Stäbe und besonders

bei Pianinos und Flügeln von kleinerer Dimension angewendet;

der Patentringsteg am Resonanzboden (1869), wodurch eine bis dahin

unerreichte Gleichheit der Klangfarbe im Übergang von den

glatten zu den übersponnenen Saiten erzielt wird; die

Doppelmensur (1872); das Patent-Tonhaltungspedal (1874); die neue

Metallrahmenkonstruktion (1875) u. a.

Steinweichsel, s. Kirschbaum, S. 789.

Steinwein, s. Frankenweine.

Steinwurz, s. Agrimonia.

Steinzeit (Steinzeitalter, hierzu Tafel "Kultur der

Steinzeit"), der erste große Abschnitt der Prähistorie,

in welchem der auf niedriger Kulturstufe befindliche Mensch den

Gebrauch der Metalle noch nicht kannte und seine Geräte,

Werkzeuge und Waffen aus Holz, Knochen, Horn, besonders aber aus

Stein herstellte. Solche Steingeräte wurden früher als

vom Himmel herabgefallene Blitzsteine oder Donnerkeile betrachtet,

auch wegen ihrer Form Katzenzungen genannt. Im Gegensatz zur

Metallzeit (s. d.) umfaßt die S. außerordentlich lange

Zeiträume, innerhalb deren der Kulturfortschritt durch

allmähliche Vervollkommnung der besagten Geräte sich zu

erkennen gibt. Man unterscheidet die ältere S. oder

paläolithische Periode und die jüngere S. oder

neolithische Periode. In der ältern wurden die im allgemeinen

sehr primitiven Steingeräte durch Zuhauen, bez. vermittelst

des durch Schläge bewirkten Absplitterns geeigneter

Stücke von größern Steinklumpen hergestellt,

während Waffen und Geräte der jüngern S. durch

Schleifen und Polieren ihre Form erhalten haben. Eine scharfe

Grenze zwischen beiden Perioden läßt sich

selbstverständlich nicht ziehen, und bezüglich einzelner

Funde, wie der dänischen Küchenabfälle, ist es

zweifelhaft, ob sie der paläo- oder der neolithischen Periode

oder einer Übergangszeit angehören. Die ältere S.

fällt im allgemeinen zusammen mit der diluvialen und

eiszeitlichen Existenz des Menschengeschlechts, die jüngere S.

mit der alluvialen und nacheiszeitlichen Existenz des Menschen. Das

Zusammenfallen der ältern S. in Deutschland mit der

Diluvialperiode erklärt sich nach Penck aus dem gegen Ende der

Diluvialzeit stattgehabten klimatischen Wechsel (Abschmelzen der

Gletscher), welcher Veränderungen in der Bewohnbarkeit

gewisser Länderstrecken hervorrief, die ihrerseits wieder zu

Wanderungen des vorgeschichtlichen Menschen Anstoß gaben, bei

welchen im Besitz der neolithischen Kultur befindliche

Volksstämme nach Europa gelangten und der paläolithischen

Kultur den Untergang bereiteten. Die Fundstätten, welche

über die Existenzbedingungen und Lebensweise des Menschen der

ältern S. Aufschlüsse liefern, liegen in diluvialen

Ablagerungen der Flußthäler und in den Kalkhöhlen

Deutschlands, Belgiens, Frankreichs und Englands. Knochen des

Höhlenbären und Höhlenlöwen, des Mammuts,

Auerochsen, Hippopotamus, mehrerer Rhinozerosarten, des irischen

Riesenhirsches u. a. werden mit körperlichen Überresten,

Geräten und sonstigen

Kultur der Steinzeit.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 80 / 302 段