Die pflanzlichen und tierischen Reste der S. unterliegen einer

ähnlichen Trennung wie das Gesteinsmaterial. Die erstern sind

wesentlich auf die Steinkohlenflöze und die sie begleitenden

Schieferthone beschränkt, die tierischen Reste an den

Kohlenkalk und den Kulm geknüpft. Die Flora der S. war trotz

aller Üppigkeit, wie sie sich in der großartigen

Aufhäufung zu mächtigen Kohlenflözen ausspricht,

eine formenarme: es fehlen die höhern Dikotyledonen

vollständig, und auch Koniferen, Palmen und Cykadeen spielen

eine untergeordnete Rolle. Der Schwerpunkt des pflanzlichen Lebens

lag in den Kryptogamen, von denen einige Geschlechter in

größter Anzahl der Individuen und in später nie

wieder erreichten Dimensionen auftreten. Die Kalamiten (s. Tafel

"Steinkohlenformation II", Fig. 5) haben unter der Flora der

Jetztwelt die Schafthalme (Equiseten) zu nächsten Verwandten,

und in die gleiche Klasse dürften auch die zierlichen Rosetten

der Annularien (Fig. 8 und Sphenophyllen gehören. Zu den

Lykopodiaceen zählen die Siegelbäume (Sigillarien, Fig.

6), die Schuppenbäume (Lepidodendren, Fig. 2) und vielleicht

auch die Cordaites-Arten (Fig. 3), die jedoch von andern mit mehr

Wahrscheinlichkeit den Cykadeen zugezählt werden. Besonders

die erstgenannten Angehörigen einer Familie, welche jetzt fast

ausschließlich niedrige, krautartige Pflanzen ausweist,

mögen als baumartige Formen mit ihren Stämmen, welche

deutliche, im Quincunx gestellte, bald rhombische, bald

sechsseitige Blattnarben tragen, den Wäldern der S.

274

Steinkohlenformation (Tierreste).

den typischen Charakter aufgeprägt haben. Die Stigmarien

(Tafel II, Fig. 7) gehören zu ihnen als die Wurzelstöcke

mit weithin verzweigten Wurzeln, während die Lücken

zwischen den Stämmen durch zahlreiche krautartige Farne (man

kennt über 200 Arten), zum Teil noch jetzt lebenden

engverwandt, ausgefüllt waren (z. B. Odontopteris, Fig. I).

Außer diesen niedrigen farnformen kamen aber auch Baumfarne

vor (z. B. Pecopteris, Fig. 4). Neben den

Gefäßkryptogamen treten die Cykadeen (Noeggerathia,

Pterophyllum) und die Koniferen (aus der Abteilung der Araukarien)

nach Arten- und Individuenzahl weit zurück. Die meisten gut

erkennbaren Pflanzenreste sind den die Kohlenflöze

begleitenden Schieferthonen eingelagert; es unterliegt aber keinem

Zweifel und ist durch viele mikroskopische Untersuchungen

dargethan, daß die Kohlenflöze selbst aus dem Detritus

derselben Pflanzen bestehen, deren einzelne Fragmente in den

benachbarten Thon eingeschlossen wurden. Sigillarien, ihre

Wurzelstöcke, die Stigmarien, und Lepidodendren sind

nachweisbar die Hauptkohlenpflanzen, schon der Masse nach

untergeordnet die Kalamiten (manche Rußkohle) und Araukarien,

noch seltener Farne. Das Gesamtbild der Flora der S. ist das einer

üppigen tropischen Sumpfflora; aber trotzdem ist die in den

Kohlenflözen aufgehäufte Pflanzenmenge eine erstaunliche:

hat doch Chevandier berechnet, daß ein 100jähriger

Buchenwald beim Verkohlen ein Schichtchen von nur 2 cm Kohle

liefern würde. Man hat deshalb geglaubt, lokale

Aufhäufungen der Pflanzenleichen durch Anschwemmungen annehmen

zu müssen. Aber das Vorkommen aufrecht stehender Stämme,

die große Reinheit des kohligen Materials, die

ununterbrochene Verbreitung eines und desselben Kohlenflözes

über mitunter große Horizontalstrecken widersprechen

einer solchen Anschwemmungshypothese und lassen sie höchstens

für kleinere Kohlenschmitzchen oder stockartige, in

horizontaler Richtung unbedeutend entwickelte Vorkommnisse gelten.

Man hat ferner (Mohr) das eigentliche kohlenbildende Material nicht

in den oben beschriebenen Pflanzen, sondern vielmehr in Seetangen

gesucht, welche, wie die heutigen Sargassomeere (deren Ausdehnung

übrigens nach neuern Forschungen auch nicht so bedeutend ist,

als man bislang annahm), in großen Bänken aufgetreten

und nach dem Absterben in geschlossenen Massen auf den Boden

gesunken seien. Aber die mikroskopische Untersuchung der

Steinkohlen widerspricht dieser Auffassung vollständig. So

bleibt nichts übrig, als Sümpfe und Moräste auf

flachen Ufern des Meeresstrandes, den Dschangeln (s. d.)

vergleichbar, anzunehmen, in denen unter tropischer Sonne eine die

unsrige an Üppigkeit weit übertreffende Pflanzenwelt sich

entwickelte. Periodische Einbrüche des Meers vernichteten

vorübergehend dieses Leben und führten Schlamm und Sand,

das jetzt als Schieferthon und Sandstein die einzelnen

Kohlenflöze trennende Material, herbei, welches nach

Rückzug des Meers für eine neue Vegetation den Boden

darbot. Ob sich von diesen pelagischen oder paralischen

Kohlenbecken einige kleinere als limnische abtrennen lassen, die

sich an und in Süßwasserseen gebildet haben würden,

diese Ansicht steht und fällt mit der Deutung gewisser

Molluskenreste (Anthracosia) in der Unterlage der betreffenden

Flöze als Süßwasser- oder Seeformen (vgl.

Süßwasserformationen). - Der Typus der Kohlenpflanzen

weist auf eine mittlere Temperatur von 20-25° hin, und der

Umstand, daß selbst hochnordische Kohlenbecken eine

tropischen Charakter tragende Flora geliefert haben, scheint die

Annahme zu rechtfertigen, es sei diese hohe Mitteltemperatur damals

eine allgemein herrschende gewesen. Auf den Zustand der

Atmosphäre während der S. lassen die großartigen

Kohlenschätze insofern schließen, als die

aufgehäuften Pflanzen zum Aufbau ihrer Körper der

Atmosphäre den in ihr als Kohlensäure enthaltenen

Kohlenstoff entzogen. Vor und während der S. mußte

demnach die Luft viel reicher als heute an Kohlensäure sein.

Man hat auf Grund einer Schätzung der Menge der Kohlen den

damaligen Gehalt auf 0,06 Proz. berechnet, also auf das 150fache

des heutigen. Die Tierreste der S. widersprechen der Annahme einer

kohlensäurereichen Atmosphäre nicht: fehlen doch alle

warmblütigen Tiere, während die Reptilien

erfahrungsmäßig in kohlensäurereicher Luft leben

können. In der obern Abteilung der S. war das tierische Leben

auf ein Minimum beschränkt, ähnlich wie heute in unsern

Urwäldern. Interesse erregen einige Landschnecken, Skorpione

(z. B. Cyclophthalmus Bucklandi, s. Tafel I), Spinnen,

Tausendfüße, Heuschrecken, Schaben und Käfer (s.

die Flügeldecke auf derselben Platte). Die Wassertümpel

waren von kleinen Schalenkrebsen (Leaia, Leperditia, Estheria)

bevölkert, während als höchst organisierte Tiere

Amphibien auftreten. Die meisten derselben gehören

Mittelformen zwischen den Echsen und Batrachiern an, den

großschädeligen Labyrinthodonten. Weit

größern Reichtum an tierischen Resten, unzweifelhaften

Meeresbewohnern, birgt der Bergkalk. Von Protozoen kommt eine

weizenkorngroße Foraminifere, Fusulina cylindrica (s. Tafel

I), namentlich in Rußland und Amerika in zahllosen Exemplaren

vor, bestimmte Lagen des Kalks (Fusulinenkalk) fast

ausschließlich zusammensetzend. Die Korallen (Chaetetes, s.

Tafel I), welche ebenfalls mitunter in gesteinsbildender Fülle

auftreten, gehören denselben Ordnungen wie die des Silurs und

der Devonischen Formation (s. d.) an. Die Krinoideen sind zahlreich

nach Formen und Individuen; zu der Krinoideenabteilung der

Blastoideen gehört das Genus Pentremites (s. Tafel I), welches

zwar schon im Silur und Devon auftritt, in der Steinkohle aber

seine zahlreichsten Vertreter besitzt. Aus der Ordnung der

Seelilien stellt die Tafel die Stielglieder (Entrochiten) von

Rhodocrinus Verus dar, welche sich schichtenweise ebenso

aufgehäuft vorfinden wie die Säulenglieder von Encrinus

im Muschelkalk oder von Pentacrinus im Lias sowie Platycrinus

triacanthodactylus. Seeigel, aus 30-35 Reihen sechsseitiger Platten

zusammengesetzt, sind durch mehrere Genera (darunter Palaeocidaris,

s. Tafel I) vertreten. Unter den Mollusken sind die Ordnungen der

Brachiopoden und Cephalopoden, wenn auch noch artenreich, doch

nicht mehr so vorwaltend wie in den noch ältern Formationen

(Chonetes Dalmanni, Spirifer hystericus, Goniatites Jossae und G.

sphaericus, s. Tafel I). Zu den Pelekypoden zählen die im Kulm

häufige Posidonomya Becheri, die Anthracosia und das nach vorn

abgestutzte, nach hinten schnabelförmig ausgezogene und

klaffende Conocardium fusiforme (s. Tafel I). Die Gastropoden

gehören fast ausnahmslos denselben Genera wie die der

devonischen Formation an. Die Trilobiten klingen in der S. aus und

sind nur noch durch die kleinen und seltenen Arten der Gattung

Phillipsia vertreten; daneben sind, wenn auch selten,

Molukkenkrebse (Limulus) beobachtet worden. Von Fischen der S.

findet man Zähne und Rückenstacheln besonders

häufig. Sie gehören Haien an, wenn auch Abteilungen,

welche in der Jetztwelt teils ganz erloschen, teils nur durch

wenige Formen vertreten sind (Orodus. Tristychius

275

Steinkohlengas - Steinla.

und Cochliodus, s. Tafel I). Die Ganoidengeschlechter

Palaeoniscus und Amblypterus kommen in sehr zahlreichen

vollständigen Exemplaren in Schichten (Lehbach im Saarbecken)

vor, welche jetzt dem Rotliegenden beigezählt werden. - Die

vulkanische Thätigkeit lieferte während der

Steinkohlenperiode Diabase (in Schottland, England, Frankreich, an

einzelnen Punkten Deutschlands), Felsitporphyre (Sachsen,

Niederschlesien, Frankreich), seltener Diorite, Pechsteine und

Melaphyre, während die eigentliche Eruptionszeit der zuletzt

genannten erst in die Dyasperiode fällt. Namentlich die

Diabase sind durch Decken und Tuffe, welche sich zwischen die

karbonischen Gesteine einschalten, besonders häufig als

zweifellos gleichzeitige Bildungen charakterisiert. Es mögen

diese sowie jüngere Eruptivgesteine zum Teil auch die

zahlreichen Schichtenstörungen (s. Verwerfungen), welchen die

Gesteine der S. unterworfen sind, verursacht haben. - An technisch

wichtigen Materialien liefert die S. in erster Linie Kohlen und

Eisenerze, außerdem wichtige Erze besonders auf

gangförmigen Lagerstätten. So gehört ein Teil der

Oberharzer Gänge von silberhaltigem Bleiglanz dem Kulm an;

Englands und Amerikas Kohlenkalk birgt ebenfalls

Bleiglanzgänge. Von den Aachener und belgischen

Zinkerzlagerstätten bilden einige Gänge, andre Nester und

Lager, teils in karbonischen Gesteinen, teils an der Grenze

zwischen diesen und devonischen Schichten, teils innerhalb des

devonischen Systems. Der Bergkalk selbst endlich dient hin und

wieder als Marmor und als Zuschlag beim Hochofenbetrieb, gewisse

Varietäten des flözleeren Sandsteins als Mühlstein

(woher der englische Name: Millstone grit), andre als feuerfestes

Material. Vgl. die bei Art. Steinkohle (S. 272) angeführten

Werke, außerdem: Weiß, Das Steinkohlengebirge an der

Saar (Berl. 1875); Lottner, Das westfälische

Steinkohlengebirge (2. Ausg., Iserl. 1868); Geinitz, Geognostische

Darstellung der S. in Sachsen (Leipz. 1856); Römer, Geologie

von Oberschlesien (Bresl. 1870); Geinitz, Die Versteinerungen der

S. in Sachsen (Leipz. 1855); Andrae, Vorweltliche Pflanzen aus dem

Steinkohlengebirge der preußischen Rheinlande und Westfalens

(Bonn 1865-69); Stur, Beiträge zur Kenntnis der Flora der

Vorwelt (Wien 1875-83).

Steinkohlengas, s. Leuchtgas.

Steinkohlenkreosot, s. Phenol.

Steinkohlenpech, pechartige Masse, welche aus

Steinkohlenteer gewonnen wird. Destilliert man aus letzterm die

flüchtigern Öle ab, so erhält man als Rückstand

Asphalt, etwa 80 Proz. vom Gewicht des Teers; destilliert man etwa

10 Proz. mehr ab, so bildet der Rückstand weiches und bei noch

weiter fortgesetzter Destillation mittelhartes und hartes Pech.

Seit Begründung der Anthracenindustrie destilliert man

allgemein bis zur Bildung von hartem Pech, pumpt dann wieder

schweres Teeröl in die Blase und erhält, je nach der

Menge des letztern, weiches Pech, Asphalt, präparierten Teer

oder künstlichen Stockholmer Teer. Weiches Pech erweicht bei

40° und schmilzt bei 60°, mittelhartes erweicht bei 60°

und schmilzt bei 100°, hartes erweicht bei 100° und

schmilzt bei 150-200°.

Steinkohlenasphalt dient als Surrogat des natürlichen

Asphalts und wird zu diesem Zweck mit Sand, Kies, Asche,

Ziegelmehl, Kalkstein, Kreide etc. gemischt. Sehr verbessert wird

er durch Erhitzen mit Schwefel, und ein derartiges Präparat

bildet, vielleicht noch mit Zusatz von indifferenten erdigen

Bestandteilen, den Häuslerschen Holzzement. Hartes Pech wird

in weiches verwandelt (wiederbelebt), indem man es in Teer, Asphalt

oder Schweröl schmelzt und mit Hilfe einer Schraube ohne Ende

bis zu völliger Homogenität knetet. Das S. dient

besonders zur Brikettfabrikation, eignet sich aber auch

vortrefflich zur Darstellung von Ruß, als Reduktionsmittel

bei chemischen Prozessen und zur Zementstahlfabrikation. Wird das

Pech noch in der Blase mit sehr viel Schweröl verdünnt,

so erhält man den präparierten Teer, der viel billiger

ist als roher Teer, dabei aber für Anstriche, zur

Dachpappenfabrikation, in der Seilerei etc. ungleich wertvoller als

letzterer. Er dringt schneller und tiefer in Holz und Stein ein,

trocknet schneller und ohne Risse (in 12-24 Stunden) und gibt einen

schönen glänzenden Überzug. Als Surrogat des

Holzteers (Stockholmer Teer) führt er den Namen

künstlicher Stockholmer Teer. Einen feinern, noch schneller

(in 4-6 Stunden) trocknenden Firnis für feinere Eisenwaren

erhält man auf gleiche Weise aus Pech und Leichtöl, und

endlich wird dieser noch mit Naphtha oder Petroleumäther u.

dgl. gemischt, in welchem Fall der Lack in einer Stunde, ja in

einer Viertelstunde trocknet. Alle drei Firnisse haften ungemein

fest am Eisen und geben einen ziemlich harten, stark

glänzenden und sehr glatten überzug. Diese

Verwendungsarten des Steinkohlenpechs konsumieren nur sehr wenig

von der großen produzierten Menge, und man treibt deshalb die

Destillation noch weiter, um schließlich nur Koks als

Rückstand zu erhalten, für welche stets Absatz gefunden

werden kann. Bei der Anwendung gußeiserner Retorten und eines

Exhaustors, welcher zur Beförderung der Dampfentwickelung ein

teilweises Vakuum in der Retorte erzeugt, erhält man zwischen

260 und 315° meist Naphthalin, dann bis 370° ein

anthracenreiches Produkt und bei höherer Temperatur minder

flüchtige Körper. Die Destillate geben beim Stehen einen

Absatz, aus welchem Rohanthracen gewonnen wird, und das

übrigbleibende Öl dient zum Schmieren. Der

Ausführung der Pechdestillation im größern Umfang

steht bis jetzt noch die Schwierigkeit entgegen, ein passendes

Retortenmaterial zu finden. Vgl. Lunge, Die Industrie der

Steinkohlenteer-Destillation etc. (2. Aufl., Braunschw. 1888).

Steinkohlensystem, s. v. w. Steinkohlenformation.

Steinkohlenteerkampfer, s. v. w. Naphthalin.

Steinkolik, s. Harnsteine, S. 175.

Steinkonkretionen, s. Steinigwerden.

Steinkrankheit, die durch Harnsteine (s. d.)

hervorgerufenen Beschwerden.

Steinkraut, s. Alyssum.

Steinkreise, s. Steinsetzungen.

Steinkresse, s. Chrysospienium.

Steinkultus, s. Steindienst.

Steinla, Moritz, eigentlich Müller, Kupferstecher,

geb. 1791 zu Steinla bei Hildesheim, bildete sich an der Akademie

in Dresden, dann in Florenz unter Morghens und in Mailand unter

Longhis Leitung. In Florenz vollendete er 1829 einen

ausgezeichneten Stich nach Tizians Zinsgroschen. Nach seiner

Rückkehr aus Italien ließ er sich in Dresden nieder, wo

er später Professor der Kupferstecherkunst an der Akademie

wurde und 1830 die Pietà nach Fra Bartolommeo, 1836 den

Kindermord nach Raffael, 1838 die Madonna della Misericordia nach

Fra Bartolommeo, 1841 die Madonna des Bürgermeisters Meyer

nach Holbein stach, welche ihm von der Pariser Akademie die

große goldene Preismedaille erwarb. Seine letzten Hauptwerke

waren die Stiche nach der Sixtinischen Madonna (1848) und der

Madonna mit dem Fisch von Raffael. Er starb 21. Sept. 1858.

276

Steinle - Steinmine.

Steinle, Eduard Jakob von, Maler, geb. 2. Juli 1810 zu

Wien, war Schüler der Akademie daselbst und von Kupelwieser

und ging 1828 nach Rom, wo er sich eng an Overbeck und Ph. Veit

anschloß und bis 1834 blieb. In die Heimat

zurückgekehrt, lebte er mit einigen Unterbrechungen, unter

andern veranlaßt durch einen Aufenthalt in München zur

Erlernung der Freskotechnik bei Cornelius, in Frankfurt a. M. und

wurde dort 1850 erster Professor am Städelschen Institut. 1838

führte er in der Kapelle des Bethmann-Hollwegschen Schlosses

Rheineck seine ersten Fresken aus. Dann begann er im Domchor zu

Köln Freskogemälde, die Engelchöre auf Goldgrund

darstellend, Schöpfungen von großartiger Wirkung. 1844

malte er für den Kaisersaal zu Frankfurt das Urteil Salomos.

1857 begann die Ausmalung der Ägidienkirche in Münster.

Von 1860 bis 1863 beschäftigten ihn die vier großen, die

Kulturentwickelung der Rheinlande schildernden Fresken im

Treppenhaus des Museums Wallraf-Richartz in Köln. Dann malte

er von 1865 bis 1866 die sieben Chornischen der Marienkirche in

Aachen aus. Nach Beendigung der Ausschmückung der

fürstlich Löwenstein-Wertheimschen Kapelle zu Heubach mit

Fresken und Ornamenten wurde ihm 1875 die Ausmalung des Chors im

Münster zu Straßburg übertragen, und 1880 erhielt

er vom Frankfurter Dombauverein den Auftrag, das Innere des Doms

vollständig auszumalen, wozu er einen umfangreichen Entwurf im

Verein mit dem Architekten Linnemann aufstellte. S. hat auch eine

große Anzahl von meist religiösen Staffeleibildern

geschaffen, aber auch Porträte und romantisch gehaltene

Genrebilder von feiner Färbung (der Türmer und der

Violinspieler in der Galerie Schack zu München); ferner eine

Menge von Zeichnungen und Aquarellen, teils religiösen

Inhalts, teils nach Shakespeareschen und andern Dichtungen. Diese

Aquarelle haben meist einen romantischen Zug, den er schon

frühzeitig durch den Verkehr mit Klemens Brentano angenommen

hatte, dessen Dichtungen ihm ebenfalls mehrere Motive geboten

haben. Seine Hauptwerke dieser Gattung sind: Rheinmärchen und

die mehreren Wehmüller nach Brentano, die Beichte in St. Peter

zu Rom, Szene aus "Was ihr wollt" von Shakespeare (in der Berliner

Nationalgalerie), Schneeweißchen und Rosenrot und der

Parzival-Cyklus, sämtlich Aquarelle. S. starb 19. Sept. 1886.

Vgl. v. Wurzbach, Ein Madonnenmaler unsrer Zeit (Wien 1879);

Valentin, Ed. Jak. v. S. (Leipz. 1887).

Steinlerche, s. Pieper und Flüevogel.

Steinlorbeer, s. Viburnum.

Steinmannit, s. Bleiglanz.

Steinmark, Sammelname für eine Reihe derber,

dichter, weißer, gelblicher oder rötlicher,

undurchsichtiger, matter, fettig anzufühlender,

thonerdehaltiger Silikate, die als Zersetzungsprodukte feldspatiger

Mineralien in ihrer Zusammensetzung schwanken und sich zum Teil vom

Kaolin, zum Teil vom Nakrit nicht trennen lassen. Als typisches S.

wird das aus dem Porphyr von Rochlitz in Sachsen aufgeführt

und in Carnat und Myelin getrennt. Beide scheinen sich vom Kaolin

nur in Bezug auf den Gehalt an Wasser zu unterscheiden,

während die Varietäten aus dem Melaphyr von Kainsdorf bei

Zwickau und diejenige, welche den Topas am Schneckenstein in

Sachsen begleitet, dem Nakrit zuzuzählen sind.

Steinmasse, s. Steine, künstliche.

Steinmerle, s. Steindrossel.

Steinmetz, Karl Friedrich von, preuß.

Generalfeldmarschall, geb. 27. Dez. 1796 zu Eisenach, ward im

Kadettenhaus erzogen, trat 1813 als Leutnant in das 1. Regiment,

mit dem er fast alle Gefechte und Schlachten des Yorkschen Korps

1813-14 mitmachte, ward mehrere Male verwundet und erwarb sich das

Eiserne Kreuz. 1818 wurde er in das 2. Garderegiment versetzt, 1820

zur Kriegsschule, 1824 zum topographischen Büreau kommandiert,

1829 Hauptmann, erhielt 1839 als Major das Düsseldorfer

Gardelandwehrbataillon und 1841 ein Bataillon Gardereserve in

Spandau. Während des Barrikadenkampfs in Berlin 18. März

1848 befehligte er das 2. Infanterieregiment, mit welchem er auch

nach Schleswig ging. Im Oktober ward er Kommandeur des 32.

Infanterieregiments, 1849 Oberstleutnant, 1851 Oberst und

Kommandeur des Kadettenkorps, 1854 Kommandant von Magdeburg und

Generalmajor, 1857 Kommandeur der 3. Gardeinfanteriebrigade, im

Oktober der 1. Division in Königsberg, 1858 Generalleutnant,

1862 kommandierender General des 2., 1864 des 5. Korps und General

der Infanterie. An der Spitze des 5. Korps, das zur zweiten Armee

gehörte, siegte er 27. Juni 1866 bei Nachod, am 28. bei

Skalitz und am 29. bei Schweinschädel nacheinander über

drei österreichische Korps und nahm denselben 2 Fahnen, 2

Standarten, 11 Geschütze und gegen 6000 Gefangene ab. Für

diese großartigen Leistungen, welche wesentlich zu der

Durchführung des ganzen Operationsplans beitrugen, erhielt S.

den Schwarzen Adlerorden sowie eine Dotation und ward auch 1867 in

den norddeutschen Reichstag gewählt. 1870 erhielt er das

Oberkommando der ersten Armee, welche den rechten Flügel des

deutschen Aufmarsches bildete. In dieser Stellung entsprach er

jedoch den Erwartungen nicht. Sein durch seine großen Erfolge

von 1866 gesteigerter Eigensinn wirkte höchst nachteilig und

störend ein. Mit der zweiten Armee hatte er fortwährend

Streitigkeiten über Quartiere und Marschrouten, mit Moltke

über die Operationen seiner Armee. In der Schlacht bei

Gravelotte griff er bei St.-Hubert mit einem Kavallerieangriff so

zur Unzeit ein, daß die Schlacht nahe daran war, verloren zu

werden. Infolge hiervon wurde S. nach der Schlacht bei Gravelotte

dem Prinzen Friedrich Karl unterstellt und, da er sich diesem nicht

fügte, zum Generalgouverneur der Provinzen Posen und Schlesien

ernannt, aber 8. April 1871 zum charakterisierten

Generalfeldmarschall ernannt und zu den Offizieren von der Armee

versetzt. S. lebte darauf zu Görlitz und starb 4. Aug. 1877 im

Bad Landeck. S. war ein rauher und herber Vorgesetzter, aber ein

diensteifriger Offizier von spartanischer Strenge gegen sich selbst

und ein tüchtiger Korpskommandeur.

Steinmeyer, Franz Ludwig, protest. Theolog, geb. 15. Nov.

1812 zu Beeskow in der Mittelmark, war Prediger zu Kulm und Berlin,

dann ordentlicher Professor der Theologie 1852 in Berlin, 1854 in

Bonn, 1858 in Berlin. Von ihm erschienen: "Beiträge zum

Schriftverständnis in Predigten" (2. Aufl., Berl. 1859-66, 4

Bde.); "Apologetische Beiträge" (das. 1866-73, 4 Bde.);

"Beiträge zur praktischen Theologie" (das. 1874-79, 5 Bde.);

"Beiträge zur Christologie" (das. 1880-82, 3 Bde.);

"Geschichte der Passion des Herrn" (2. Aufl., das. 1882); "Die

Wunderthaten des Herrn" (das. 1884); "Die Parabeln des Herrn" (das.

1884); "Die Rede des Herrn auf dem Berge" (das. 1885); "Das

hohepriesterliche Gebet" (das. 1886); "Beiträge zum

Verständnis des Johanneischen Evangeliums" (das. 1886-89, 4

Bde.).

Steinmine (Erdwurf, Erdmörser), unter 45° in die

Erde gegrabene und an den Seitenwänden

277

Steinmispel - Steinschnitt.

mit Brettern bekleidete Gruben, die, mit Pulver und Steinen

gefüllt, demnächst mit Erde verdämmt, durch

Zündschnur entzündet, zur Sperrung von Engwegen oder in

den letzten Stadien des Festungskriegs angewandt worden sind. Bei

den Savartinen sind Cylinder aus Eisenblech in die Gruben

gesetzt.

Steinmispel, s. Cotoneaster.

Steinnuß, s. Elfenbein (Surrogat).

Steinobstgehölze, s. Amygdaleen.

Steinöl, s. Erdöl.

Steinoperationen, s. Steinschnitt.

Steinpappe, s. v. w. Dachpappe; auch eine Masse aus

aufgeweichtem und zerkleinertem Papier, angemacht mit Leimwasser

und versetzt mit Thon und Kreide (auch Leinöl), dient zu

Reliefornamenten.

Steinpfeffer, s. Sedum.

Steinpicker, s. Steinschmätzer.

Steinpilz, s. Boletus.

Steinpitzger, s. Schmerle.

Steinpleis, Dorf in der sächs. Kreis- und

Amtshauptmannschaft Zwickau, an der Pleiße, hat eine evang.

Kirche, Vigognespinnerei, Kunstwollfabrikation, Färberei, eine

Dampfmahlmühle und (1885) 2769 Einwohner.

Steinringe, s. Steinsetzungen.

Steinröschen, s. Daphne.

Steinrötel, s. Steindrossel.

Steinsalz, s. Salz, S. 236.

Steinsame, s. Lithospermum.

Steinsänger, s. v. w. Steinschmätzer.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 79 / 302 段