unter Vernachlässigung des Gehalts an Stickstoff den
Wasserstoff- und Sauerstoffgehalt auf je 100 Atome Kohlenstoff, so
erhält man:
C H O
Holzfaser 100 150 65
Torf 100 115 40
Braunkohle 100 96 27
Steinkohle 100 80 12
Anthracit 100 27 2
welche Zahlen die Abnahme des Wasserstoffs und Sauerstoffs noch
deutlicher zeigen. Erfahrungsmäßig entwickeln sich in
Torfmooren, in Braunkohlen- und Steinkohlengruben Gase und
Dämpfe, welche, wie das Grubengas (CH4) Kohlensäure (CO2)
und Wasser (H2O), Wasserstoff und Sauerstoff neben Kohlenstoff
enthalten. Es sind dies jene Gase, welche als schlagende und
stickende Wetter in erster Linie den Steinkohlenbergbau so
gefährlich machen, daß im Durchschnitt jährlich 3-4
pro Mille aller Bergleute das Leben einbüßen, und
daß für jede 1½ Mill. Ztr. geförderter S.
ein Menschenleben geopfert werden muß. Diese Gase entziehen
aber, wie ihre chemische Formel zeigt, bei ihrer Bildung dem
Mutterkörper mehr Wasserstoff und Sauerstoff als Kohlenstoff,
so daß der letzte Rest eines solchen Verkohlungsprozesses ein
nur aus Kohlenstoff bestehender Körper sein muß. Erhitzt
man Holz in verschlossenen Röhren, so erhält man bei
200-280° eine der Holzkohle, bei 300° eine der S.
ähnliche Masse, die bei 400° anthracitartig wird. Hierher
gehören auch die vielfältigen Beobachtungen, nach welchen
das Holz der Grubenzimmerung in mitunter überraschend kurzer
Zeit in eine der Braunkohle ähnliche Masse umgewandelt wird.
Einem gleichen Prozeß unterliegen Stämme, welche in
Torfmoore geraten sind, und die tiefsten Schichten der Moore selbst
liefern den Speck- oder Pechtorf, eine an Braunkohle oder noch mehr
an S. erinnernde Masse. Den vollgültigsten Beweis gibt endlich
das Mikroskop, indem es an zahlreichen Präparaten nicht nur
die pflanzliche Natur der Kohlen im allgemeinen zeigt, sondern auch
die systematische Stellung der kohlebildenden Pflanzen bestimmen
läßt. Diese Pflan-
271
Steinkohle (Verbreitung in einzelnen Ländern).
zen sind aber in den verschiedenen Formationen sehr verschieden,
und nur der Umstand, daß erfahrungsmäßig die
Holzfaser systematisch weit voneinander entfernter Pflanzenarten
doch annähernd gleiche Zusammensetzung hat, erlaubte in der
oben angenommenen Allgemeinheit von einem alle mineralischen
Brennstoffe umfassenden Verkohlungsprozeß zu sprechen. Die
Kohlen des Silurs sind bei dem Fehlen sonstiger Pflanzenreste in
dieser Formation vermutlich auf Algen zurückzuführen,
während im Devon schon einige der in der Steinkohlenformation
ihre Hauptentwickelung findenden Pflanzen kohlebildend auftreten.
In den jüngern Formationen wurden Farne, Cykadeen und
Koniferen aufgehäuft, und die letztere Klasse hat neben
Dikotyledonen fast ausschließlich das Material der
steinkohlenartigen Tertiärkohlen geliefert. Den Konsequenzen
aus der Annahme eines langsamen Verkohlungsprozesses entsprechend,
sind die Steinkohlen im allgemeinen ältere Kohlen als die
Braunkohlen und werden ihrerseits durch Anthracit an Alter
übertroffen. Abweichungen von dieser Regel lassen sich auf
besondere Umstände zurückführen, welche bald
beschleunigend, bald verlangsamend auf den Verlauf des Prozesses
einwirken mußten. So verschafften starke
Schichtenstörungen den sich entwickelnden Gasen durch
Spaltenbildungen einen Ausweg; ein Gehalt an vitriolisierendem
Eisenkies bildet neben Eisenvitriol freie Schwefelsäure,
welche verkohlend auf die pflanzliche Substanz einwirkt, und in
demselben Sinn unterstützt eine Erhöhung der Temperatur,
wie sie eruptierendes Gestein hervorbringen kann, den Prozeß.
So ist am Meißner in Hessen Braunkohle durch einen
bedeckenden Basalt stellenweise in einen stängelig
abgesonderten Anthracit (Stangenkohle) umgewandelt, und
ähnliche Erscheinungen sind von Salesl bei Aussig in
Böhmen, von Mährisch-Ostrau u. a. O. bekannt. Wurden
dagegen die Schichten der betreffenden Formation nicht von
jüngern bedeckt, so fehlte ein Haupterfordernis der Einleitung
des Verkohlungsprozesses, der hohe Druck. So kommen in den
Gouvernements Tula und Kaluga Kohlen vor, welche nach ihren
organischen Resten (Stigmaria, Lepidodendron) zweifellos der
Steinkohlenformation angehören, während sie der
Braunkohle durchaus ähnlich geblieben sind. Die die Kohlen
begleitenden Gesteine sind in einem ähnlichen unreifen
Zustand: statt der Schieferthone sind plastische Thone und Letten
entwickelt; die Sandsteine sind locker, fast lose Sande.
Verbreitung. Produktion. Verbrauch
Die wichtigsten Kohlenfelder (soweit sie der
Steinkohlenformation angehören, der übrigen wurde schon
oben Erwähnung gethan) sind in Deutschland, von W. nach O.
geordnet. 1) das Aachener Becken oder das Doppelbecken an der Worm
und Inde, nach Deutschland hereinragende Teile des großen
belgischen Beckens; 2) das Saarbecken oder Saarbrückener
Becken, an welchem außer Preußen auch Bayern und
Lothringen partizipieren; 3) das westfälische oder Ruhrbecken,
zu welchem als äußerste Vorposten nach N. die
Kohlenfelder von Ibbenbüren und Piesberg bei Osnabrück
gehören; 4) und 5) die beiden unbedeutenden Kohlenvorkommnisse
von St. Bilt im Elsaß und Berghaupten in Baden; 6)-10) die
ebenfalls nur kleinen Becken von Ilfeld bei Nordhausen,
Wettin-Löbejün in der Provinz Sachsen,
Manebach-Kammerberg in Thüringen, Stockheim bei Koburg und
Erbendorf in Oberfranken; 11) und 12) im Königreich Sachsen
das größere Zwickau-Chemnitzer und das kleinere
Plauensche Becken; 13) und 14) die beiden schlesischen Becken, das
von Waldenburg und das oberschlesische, in dessen Zentrum
Königshütte gelegen ist. Die relative Wichtigkeit der
Kohlenfelder Deutschlands erhellt aus der folgenden, aus die
Produktion des Jahrs 1873 bezüglichen Tabelle, welche für
die Vergleichszwecke auch gegenwärtig noch ausreicht:
Steinkohlenbecken Zahl der Gruben Prozent der Gesamtzahl
Produktion in Zentnern Prozent der Gesamtproduktion Wert in
Mark Prozent des Gesamtwerts Arbeiter Prozent der Gesamtzahl
Westfälisches Becken 230 42,4 328161620 45,9 180227595 45,8
80281 46,0
Qberschlesisches Becken 132 24,3 155380208 21,8 62077491 15,8
32621 18,8
Saarbecken 38 7,0 96851737 13,6 79696177 20,2 24469 14,1
Zwickau - Plauen 73 13,5 63 321 518 8,938109831 9,7 16429
9,5
Waldenbura 35 6,5 45876197 6,4 1042384 5,7 12298 7,5
Aachener Becken 18 3,3 21037039 3,0 10788069 2,7 6078
Stockheim 6 1,1 1311879 0,2 745863 0,2 683 0,4
Wettin und Lödejün 3 0,5 1045137 0,1 681429 0,2 400
0,3
Ilfeld 3 0,5 501095 0,1 262086 0,1 215 0,2
Berghaupten 3 0,5 253883 0,0 192024 0,0 142 0,1
Manebach und Kammerberg 2 0,4 19831 0,0 12981 0,0 36 0,0
Zusammen: 543 100,0 713760144 100,0 394035930 100,0 173652
100,0
Während unter den außerdeutschen Ländern
Belgien reiche Kohlenlager im Zusammenhang mit dem Aachener
Becken besitzt, sind die französischen Becken (St.-Etienne,
Creusot, Autun, Alais etc.) unbedeutender. Spanien und Portugal
scheinen große Vorräte an Steinkohlen zu bergen, wogegen
Italien und die Schweiz nur wenige und kleine Partien der
produktiven Steinkohlenformation aufzuweisen haben. Im O.
Deutschlands sind in Böhmen mehrere Becken (Kladno, Rakonitz,
Pilsen) zu verzeichnen, ferner das Ostrauer in Mähren und
Österreichisch-Schlesien. Rußland besitzt außer
den oben erwähnten Kohlen der Gouvernements Kaluga und Tula
solche am Donez im Süden, am Ural und hoch im N. auf den
Bäreninseln und Spitzbergen. Das großbritannische
Inselreich hat relativ zu seinem Gesamtgebiet das größte
Areal Kohlenfelder. Es verteilen sich dieselben auf eine Anzahl
isolierter Becken, unter denen die von Northumberland, Yorkshire,
Derbyshire, Südwales und Schottland die wichtigsten sind.
Unter den übrigen Erdteilen der Alten Welt ist besonders Asien
und hier wiederum China, wo die Kohlenlager über ein Areal von
200,000 QM. verbreitet sind (s. China, S. 4), sehr reich an Kohlen,
die zum größten Teil der Steinkohlenformation
angehören. Als unermeßlich werden die Kohlenschätze
Nordamerikas geschildert, die sich über sechs große
Territorien verbreiten: 1) das appalachische Kohlenfeld, an welchem
die Staaten Pennsylvanien, Ohio, Virginia, Kentucky, Tennessee und
Alabama partizipieren; 2) das Illinois-Missouri-Kohlenfeld, von dem
außer auf die benennenden Staaten Teile auf Indiana,
Kentucky, Iowa, Kansas
272
Steinkohle - Steinkohlensormation.
und Arkansas entfallen; 3) das Kohlenfeld in Michigan; 4) das in
Texas; 5) Rhode-Island und endlich 6) das Doppelfeld von
Neuschottland und Neubraunschweig. Die Ausdehnung der Kohlenfelder
in englischen Quadratmeilen wird veranschlagt für China auf
mehr als 200,000, Nordamerika auf 193,870, Ostindien 35,500,
Neusüdwales 24,000, Großbritannien 9000, Deutschland
3600, Spanien 3500, Frankreich 1800, Belgien 900. Die
Kohlenproduktion hat in verhältnismäßig kurzer Zeit
einen rapiden Aufschwung genommen. Sie betrug 1860 in England,
Deutschland, den Vereinigten Staaten von Nordamerika, in
Frankreich, Belgien und Österreich 124 Mill. metr. Tonnen. Die
Gesamtproduktion (zu 1000 kg) betrug nach Neumann Spallart
("Übersichten der Weltwirtschaft") 1884: 409,381,515 Ton.
(à 1000 kg), die sich auf die einzelnen Länder
folgendermaßen verteilen: Großbritannien 163,329,904,
Deutschlands 121,000, Frankreich 20,023,504, Belgien 18,051,499,
Österreich 17,199,518, Rußland 3,500,000, Ungarn
2,525,056, Spanien 979,350, Schweden 196,831, Italien 164,737,
Niederlande 49,554, Portugal 17,000, Schweiz 5800, Europa
298,163,753. Vereinigte Staaten 100,268,109, China 3,000,000,
Neusüdwales 2,793,086, Britisch-Nordamerika 1,673,000,
Ostindien 1,420,183, Japan 755,800, Chile 490,000, Neuseeland
488,524. Die Steinkohlenproduktion im Deutschen Reich betrug 1887
über 60 Mill. Ton. und verteilte sich wie folgt:
Westfalen 21528741
Schlesien 16187078
Rheinland 16127350
Hannover 581546
Königr. Preußen 54548283
Königreich Sachsen 4293417
- Bayern 683619
Baden 6006
Elsaß-Lothringen 693 679
Deutsches Reich 60333984
Der Kohlenverbrauch gibt einen Maßstab für die
materielle Kultur. Er betrug in metr. Tonnen in:
Absoluter Verbrauch Auf den Kopf der Bevölkerung
1865 1884 1865 1884
Großbritannien 90404000 140135000 3,092 3,900
Belgien 7 631 000 13483000 1,577 2,331
Vereinigte Staaten 18825000 98109000 0,598 1,766
Deutschland 26680000 69001000 0,730 1,505
Frankreich 8522000 30941000 0.470 0,816
Osterreich 5050000 18132000 0,139 0,464
Rußland 1085000 5200000 0,015 0,066
Die Frage nach der Möglichkeit einer Erschöpfung der
S. hat namentlich für England größeres Interesse.
Man nimmt an, daß das Land noch einen Vorrat von ca. 146
Milliarden Ton. innerhalb der Tiefe von 4000 Fuß besitze;
davon sind 90 Milliarden Ton. aufgeschlossen, während man 56
Milliarden auf voraussichtlich zu erschließende Flöze
(?) rechnet. Nimmt man an, daß sich der Kohlenverbrauch in
bisheriger Weise weiter steigern werde, so würden diese
Schätze noch für 250 Jahre ausreichen. Auch Deutschland
kann seinen Bedarf noch für Jahrhunderte decken, dann aber
bieten Rußland und andre Länder reichlichen Ersatz, der
voraussichtlich durch Herabsetzung der Transportkosten für die
europäischen Länder erreichbar werden wird. Nicht vor
einer geologischen oder technischen, sondern vor einer
ökonomischen Frage werden also die folgenden Generationen
hinsichtlich des Kohlenbedarfs stehen. - Die Benutzung der S. ist
wesentlich eine doppelte: die als Brennmaterial und die der
Gewinnung der Destillate, welch letztere sich in
Leuchtgasfabrikation, Gewinnung des Teers und seiner Derivate etc.
gliedert. Untergeordnet ist die Verwendung politurfähiger
Kohlen zu Schmuckgegenständen (Gagat in England und
Württemberg), an Eisenkies und Asche reicher Abarten zur
Alaungewinnung, der Steinkohlenasche als Dünger und als Zusatz
zum Mörtel.
Die Benutzung der S. reicht bei einigen Völkern weit
zurück. So sollen die Chinesen schon frühzeitig ihren
Wert erkannt haben, und in einigen englischen Gruben hat man
Steinwerkzeuge vorgefunden, so daß die Kenntnis der Kohle
älter als die des Eisens sein würde. Die alten Deutschen
scheinen neben Holz nur den Torf als Brennmaterial verwendet zu
haben; es finden sich auch alte Schlackenhalden an der Ruhr, also
in kohlenreicher Gegend, nicht im Thal, sondern offenbar wegen der
bequemen Nähe der Wälder auf Bergesrücken. Daß
die Römer, als sie als Eroberer England betraten, die Kohlen
wenigstens an den Ausstrichen benutzt haben, ist durch Funde auf
dem Herd eines römischen Bades bewiesen. In Deutschland
scheint das Zwickauer Becken schon von den bergbautreibenden Sorben
benutzt worden zu sein, während die Ausbeutung des belgischen
und Aachener Beckens sich rückwärts bis ins 11., des
Ruhrbeckens bis ins 14. Jahrh. verfolgen läßt. In
England werden schon im 9. Jahrh. Kohlen als Brennmaterial
urkundlich erwähnt; im 12. Jahrh. sind sie bereits ein
wichtiger Handelsartikel, der sich nicht mehr vom Markt
verdrängen ließ, obgleich mehrere Edikte ihre Benutzung
als luftverpestend verboten. Vgl. Geinitz, Fleck und Hartig, Die
Steinkohlen Deutschlands und andrer Länder Europas
(Münch. 1865); v. Dechen, Die nutzbaren Mineralien und
Gebirgsarten im Deutschen Reich (Berl. 1873); Hull The coalfields
of Great Britain (4. Aufl., Lond. 1880); Mac Farlane, The
coalregions of the United States (New York 1873), Mietzsch,
Geologie der Kohlenlager (Leipz. 1875); Pechar, Kohle und Eisen in
allen Ländern der Erde (Stuttg. 1878); Höfer, Die Kohlen-
und Eisenerzlagerstätten Nordamerikas (Wien 1878,
Ausstellungsbericht); Muck, Grundzüge und Zieleder
Steinkohlenchemie (Bonn 1881); Derselbe, Chemisches
Steinkohlenbüchlein (das. 1882); Toula, Die Steinkohlen (Wien
1888); Demanet, Betrieb der Steinkohlenbergwerke (deutsch,
Braunschw. 1886).
Steinkohleformation (Kohlenformation, karbonische
Formation; hierzu die Tafeln "Steinkohlenformation I-III"), ein
vorwaltend aus Kalksteinen, Konglomeraten, Grauwacken, Sandsteinen
und Schieferthonen, untergeordnet aus Steinkohle,
Sphärosideriten und Kieselschiefern bestehendes
paläozoisches Schichtensystem, das bei vollkommener
Entwickelung der Systemreihe der devonischen Formation aufgelagert
ist und seinerseits vom Rotliegenden überlagert wird. Die
Trennung von den beiden benachbarten Formationen wird häufig
durch vollkommene Konkordanz und petrographische Ähnlichkeit
der betreffenden Grenzschichten, namentlich gegen das Rotliegende
hin, erschwert. Paläontologisch wird die S. charakterisiert
durch die in keiner andern Periode erreichte Üppigkeit der
Kryptogamenflora und durch das erstmalige Auftretenvon Reptilien
und luftatmenden Tieren. Sehr häufig ist die mitunter bis zu
7000 m Mächtigkeit anschwellende Schichtenfolge den
ältern Formationen in Form flach tellerartiger Mulden, Becken
oder Bassins aufgelagert, deren Zusammenhang und ursprüngliche
Lage allerdings oft durch sekundäre Störungen
(Verwerfungen) unterbrochen und verändert worden sind. Das
beigegebene Profil (s. Tafel III) durch einen Teil des Kohlenfeldes
von Zwickau (Sachsen) soll ein Bild der allgemeinen
Lagerungsverhältnisse geben. Es ist der südwestliche
Flügel einer Mulde mit einer Mehrzahl
Steinkohlenformation I.
Säulenglieder (Entrochiten) von Rhodocrinus verus. (Art.
Krinoideen.)
Palaeocidaris clliptica, ganze Schale. (Art. Echinoideen.)
Kinnlade von Cochliodus contortus. (Art. Selachier.)
Rückenstachel von Orodus cinctus.
(Art. Selachier.)
Geöffnet, mit : aufgerollte Armgerüst.
Rückenstachel von
Tristychius arcuatus.
(Art. Selachier.)
Spirifer hystericus. (Art. Brachiopoden.)
Platycrinus triacanmodactylus. (Art. Krinoideen.)
Vorderansicht. Seitenansicht. Conocardium fusiforme. (Art.
Muscheln.)
Einzelner Arm mit den Ranken.
ChoilCtes Dalmanni. (Art. Brachiopoden.)
Von oben. Von der Seite. [Von unten. Pentremites
florßalis. (Art. Krinoideen.)
Innere Seiten-Kammern, ansieht.
Chaetetes radians. (Art. Koranen.)
Nat. Vorder-Gr. ansieht.
Fusulina cylindrica. (Art. Rhizopoden.)
Oyclophthalmus Bucklandi, daneben -lie Flügeldecken eines
Käfers.
(Art. Spinneniere.)
Goniatites sphaericus. (Art. Tintenschnecken.)
Meyers Konv. - Lexikon, 4. Aufl.
Bibliographisches Institut in Leipzig.
Goniatites Jossae (Art. Tintenschnecken.)
Zum Artikel »Steinkohlenformation«
Steinkohlenformation II.
1. Zahnfarn (Odontopteris). - 2. Schuppenbaum (Lepidodendron).
-
3. Cordaites borassifolia. - 4.Pecopteris cyathea. - 5.
Kalamiten. -
6. Sigillaria. - 7. Stigmarienform einer Sigillarie mit Wurzeln
im
Wasser. - 8. Blattstern von Annularien.
Steinkohlenformation III.
GEOLOGISCHES PROFIL DURCH DAS KOHLENFELD VON ZWICKAU.
Von der Cainsdorfer Kirche nach Morgensternschacht II (Nach
Mietzsch).
273
Steinkohlenformation (Abteilungen, Flora).
von Kohlenflözen und zeigt neben dem allgemeinen Einfallen
der Schichten nach Nordosten die Störungen dieser
Gesetzmäßigkeit durch die Verwerfungen, welche einzelne
Abschnitte der Kohlenflöze und der übrige Schichten
losgetrennt und, relativ zu ihrer Umgebung, in eine
größere Tiefe versetzt haben.
Wo immer alle Glieder der S. entwickelt sind, läßt
sich eine Zweiteilung der Formation nach petrographischen u.
paläontologischen Unterschieden nachweisen, deren unteres
Glied zur Bildung von Facies neigt, für welche es aber an
Übergängen ineinander nicht mangelt. In Amerika, den
meisten Becken Englands, in Frankreich, Belgien, am Niederrhein, in
Schlesien und Rußland wird die unterste Abteilung von einem
gewöhnlich festen und dichten, mitunter (Rußland)
kreideartigen Kalkstein (Bergkalk, Mountain limestone, Kohlenkalk,
metallführender Kalk) gebildet, der reich an organischen
Resten meerischen Ursprungs ist. Untergeordnet kommen mit dem
Bergkalk Dolomit, Anhydrit, Gips, Steinsalz (Westvirginia, Durham,
Bristol) vor. In Devonshire, Irland, Nassau, am Harz, in Schlesien,
Mähren und den Alpen (Gailthaler Schichten) bilden dagegen
Thonschiefer, Sandsteine, Grauwacken und Kieselschiefer ein als
Kulm bezeichnetes Äquivalent des Kohlenkalks. Ärmer an
Versteinerungen als der Kohlenkalk, führt der Kulm immerhin
noch genug Arten (Posidonomya Becheri, Goniatites sphaericus etc.)
gemeinsam mit dem Kalk, um ihn als bloße Facies desselben
aufzufassen. Während die Thonschiefer oft sehr reich an
Posidonomya Becheri sind (Posidonomyenschiefer), stellen sich in
den Grauwacken und Sandsteinen Pflanzenreste ein (die im Kohlenkalk
nur als äußerste Seltenheiten bekannt sind), mitunter
sogar zu kleinen Flözen angehäuft (Calamites
transitionis, Sagenaria, Stigmaria). Man betrachtet diese Facies
als eine Bildung innerhalb flacher Meeresbuchten, während der
Kohlenkalk einen Absatz des hohen Meers darstellen würde. Eine
dritte Facies dieser untersten Abteilung ist endlich die von sehr
groben Konglomeraten mit untergeordneten Sandsteinen und
Schieferthonen, an einigen Punkten Sachsens flözführend,
in mehreren Becken durch auskeilende Wechsellagerung mit Kohlenkalk
verknüpft. Es würde sich diese Art der Entwickelung als
eine Uferbildung deuten lassen. - Über jeder dieser Facies ist
als zweites Glied der S. ein Sandstein mit untergeordneten
Konglomeraten entwickelt, der nur selten und dann gewöhnlich
unbauwürdige Flöze enthält. Dieser flözleere
Sandstein (obere Kulmgrauwacke, Millstone grit) wird häufig
dem Kohlenkalk und Kulm noch beigezählt und mit diesem
zusammen als subkarbonische Formation der obern Abteilung, der
produktiven Kohlenformation (Hauptsteinkohlenformation),
entgegengestellt. Diese besteht an den meisten Orten aus
Sandsteinen und Schieferthonen, aus Steinkohlen, thonigen
Sphärosideriten, bald in einzelnen Konkretionen in den
Schieferthonen eingeschlossen, bald zusammenhängende Lagen
bildend, und Kohleneisenstein (s. Spateisenstein). Die Kohle
ebensowohl als die Eisenerze sind lediglich gelegentliche Begleiter
der übrigen Gesteine und, selbst wo sie vorhanden sind, in so
geringer Mächtigkeit gegenüber den Sandsteinen und
Schieferthonen entwickelt, daß sie trotz ihrer großen
technischen Wichtigkeit nur als untergeordnete Glieder der
produktiven S. bezeichnet werden können. Es ist deshalb die
Benennung "produktiv" für die obere Abteilung keine
glückliche, um so weniger, als neuere Untersuchungen zu
beweisen scheinen, daß die nach dieser Bezeichnung
vorausgesetzte ungefähre Gleichalterigkeit für die
wichtigsten Kohlenvorkommnisse nicht besteht, daß vielmehr
einige englische sowie die von Ostrau und Waldenburg dem Kulm, die
westfälischen, belgischen, nordfranzösischen und viele
englische einer untern Stufe der obern Abteilung zugerechnet werden
müssen, während die Flöze von Pilsen und
Zentralfrankreich eine jüngere Periode derselben Abteilung
repräsentieren. Aber auch diese Abteilung führt an
manchen Orten, z. B. Yorkshire, Kentucky, Öberschlesien und
namentlich in Rußland (Fusulinenkalk), Kalksteine mit reichen
Resten marinen Charakters. Das Hangende der produktiven S. wird in
einigen Gegenden (z. B. im Saargebiet) von einer Schichtenfolge
(Ottweiler Schichten) gebildet, deren innige Verwandtschaft mit
höher gelegenen (Cuseler Schichten, s. Dyasformation) die oben
erwähnte Schwierigkeit der Abgrenzung gegen das Rotliegende
bedingt. Die für die Kohle der S. gegebene geographische
Verbreitung (s. Steinkohle) stellt natürlich nur einen kleinen
Teil derjenigen der S. dar, insofern als namentlich der Bergkalk
über große Horizontalstrecken hin als anstehendes
Gestein dominiert. So nimmt derselbe einen großen Teil des
südlichen und mittlern England ein und bildet im Innern
mitunter groteske Bergpartien, an der Küste von Südwales
steile Klippen. In Schottland und in einigen Gegenden Englands sind
die Facies der Konglomerate und des Kulms die Unterlage der
produktiven S., in Irland fehlt die jüngere Abteilung
gänzlich. In Deutschland tritt Kohlenkalk als unterstes Glied
des Aachener (und belgischen) sowie des westfälischen Beckens
auf, weniger und meist durch Kulm vertreten in Schlesien,
während in Hessen-Nassau nur die untere Abteilung (Kulm), bei
Saarbrücken lediglich die obere Abteilung vorkommt. In
Böhmen fehlt ebenfalls die subkarbonische Formation; dagegen
sind in Mähren, besonders aber in Rußland, auf
Spitzbergen, auf den Bäreninseln und in Nordamerika
Kohlenkalke in großer Verbreitung bekannt.