Steiermark (hierzu Karte "Steiermark"), österreich.

Herzogtum, grenzt nördlich an Ober- und Niederösterreich,

östlich an Ungarn, westlich an Salzburg und Kärnten,

südlich an Krain und Kroatien und umfaßt 22,355 qkm

(405,99 QM.). Die Bodenbeschaffenheit veranlaßt eine

natürliche Einteilung des Landes in das Hochgebirgsland von

Obersteiermark, das fruchtbare Hügelland von Mittelsteiermark

und das von Slowenen bewohnte Bergland von Untersteiermark. Das

Land nimmt an allen Ketten der Ostalpen Anteil: am nördlichen

Gebirgszug durch die zu den Salzkammergutalpen gehörigen

Massivs des Dachsteins (2996 m), des Kammergebirges, des

Totengebirges, des Grimming (2346 m), des Pyrgas (2244 m) und des

Buchsteins (2224 m), alle nördlich von der Enns gelegen.

Südlich von dieser erheben sich zwischen Enns und Mur die

eigentlichen Steirischen Alpen, im westlichen Teil auch Niedere

Tauern genannt, mit dem Hochgolling (2863 m), im östlichen

Teil als Seckauer Alpen, welche noch weiter östlich in die

Steirisch-Österreichischen Alpen übergehen, mit den

Gruppen des Hochthor (2372 m), Hochschwab (2278 m) und Hochveitsch

(1982 m), woran sich endlich der Semmeringberg und -Paß

anschließen. Das Gebiet der S. zwischen der Mur und Drau wird

von den Kärntnerisch-Steirischen Alpen erfüllt mit dem

Eisenhut (2441 m) im äußersten Südwesten und dem

Zirbitzkogel (2397 m), südlich von Judenburg. Zwischen Lavant

und Mur befinden sich die Stainzer Alpen mit der Koralpe (2141 m),

deren östliche Fortsetzung, der Posruck und die weinreichen

Windischen Bühel, sich zwischen Mur und Drau herabsenkt.

Östlich von der Mur erheben sich die Fischbacher Alpen, welche

nördlich mit dem Wechsel (1738 m) dem Semmering

gegenübertreten, den Schöckel bei Graz (1446 m)

einschließen und nach O. gegen die Raab hin in das Steirische

Hügelland übergehen. Das Land in S. zwischen Drau und

Save endlich gehört den Karawanken und Steiner Alpen (Grintouz

2559 m, Oistriza 2350 m) mit deren östlichen Fortsetzungen,

dem Bachergebirge (1542 m), dem Bergland von Cilli und dem

Matzelgebirge an der kroatischen Grenze, an. Größere

Ebenen sind: das Grazer, Leibnitzer und Pettauer Feld. Die

wichtigsten Flüsse sind: die Drau, welcher die Mur (mit der

Mürz) zufließt, und die Save (mit dem Sann und der

Sotla). Minder wichtig, weil nicht schiffbar, sind: die Enns (mit

der Salza), die Raab (mit der Feistritz und Lasnitz) und die Traun,

die aus den Abflüssen der Seen des steirischen Salzkammerguts,

des Grundelsees, Altausseer Sees und Ödensees, entsteht.

Außer diesen gibt es in S. nur kleine Gebirgsseen, z. B. den

Leopoldsteiner See bei Eisenerz, den Erlassee an der

österreichischen Grenze. Das Klima ist nach der

Bodenbeschaffenheit verschieden, rauher im Hochgebirge (Aussee

+6° C.), günstiger im fruchtreichen Flachland (Cilli fast

+10° C.). Unter den zahlreich vorkommenden Mineralquellen sind

die Säuerlinge von Rohitsch und Gleichenberg, die Saline zu

Aussee, die indifferenten Thermen von Tüffer, Römerbad,

Neuhaus und Tobelbad sowie die Eisenquelle zu Einöd

hervorzuheben. Andre Kurorte sind: St. Radegund und Frohnleiten mit

Kaltwasserheilanstalten. S. zählte Ende 1869: 1,137,990, Ende

1880: 1,213,597 Einw., so daß sich die Bevölkerung im

Durchschnitt jährlich um 0,58 Proz. vermehrte und auf 1 qkm 54

Einw. kommen. Ende 1887 wurde sie auf 1,261,006 Seelen berechnet.

Der Nationalität nach sind 67 Proz. Deutsche und 33 Proz.

Slowenen (die Sprachgrenze läuft südlich von Eibiswald

nach Spielfeld an der Mur, dann längs derselben;

außerdem finden sich deutsche Sprachinseln im slowenischen

Gebiet), der Religion nach größtenteils Katholiken (nur

9221 Protestanten und 1782 Israeliten). Die produktive

Bodenfläche beträgt im ganzen 93 Proz.; von derselben

kommen auf Ackerland 20,26 Proz., auf Weinland 1,63, auf Wiesen

12,78, auf Weiden und Alpen 12,62, auf Wald 51,48 Proz., so

daß unter allen Kronländern Österreichs S.

verhältnismäßig das waldreichste ist. Die

fruchtbarsten Teile des Herzogtums sind die Thäler, besonders

das Mur- und das Mürzthal, und mit geringen Ausnahmen die

Ebenen. Hauptprodukte sind: Hafer (durchschnittlich 1,450,000 hl),

Mais (1,220,000 hl), Roggen

256a

Steiermark

257

Steiermark (geographisch - statistisch).

(1,000,000 hl) und Weizen (815,000 hl); ferner Buchweizen

(600,000 hl), Hirse, Kartoffeln (1,640,000 hl), Futterrüben

(3,150,000 metr. Ztr.), Kraut, Kürbisse, Klee, Heu; endlich

von Handelspflanzen Flachs (30,000 metr. Ztr.), Hanf, Hopfen und

Weberkarden. Die Obstkultur ist noch sehr vernachlässigt,

gutes Obst (Äpfel und Pfirsiche) kommt hauptsächlich nur

in der Gegend von Marburg vor. Die Weinkultur erstreckt sich von

Mittelsteiermark über das ganze Unterland (Zentralpunkte:

Luttenberg, Radkersburg, Gonobitz) und liefert gute Sorten

(durchschnittlich 375,000 hl). Von großer Bedeutung ist die

Viehzucht. In ausgedehnterm Maß wird die Pferdezucht nur in

einzelnen Hauptthälern, so im Ennsthal, betrieben, wo das

schwere norische Pferd zu Hause ist. Von Rinderrassen sind das

Pusterwalder und Mürzthaler Vieh in Obersteiermark, die

Mariahofer Rasse im mittlern und südlichen S. vertreten. Auf

niedriger Stufe steht die Schafzucht, wogegen Schweine sehr stark

gezüchtet werden. Geflügel kommt namentlich in den

slowenischen Teilen sehr häufig vor. Auch mit Seidenraupen

werden seit längerer Zeit Versuche gemacht. Nach der

Zählung von Ende 1880 betrug der Viehstand in S.: 61,338

Pferde, 663,173 Stück Rindvieh, 188,273 Schafe, 43,821 Ziegen

und 532,721 Schweine. Die Flüsse und Seen sind reich an

trefflichen Fischarten (Forellen, Saiblingen). Auf den Hochgebirgen

trifft man noch Gemsen; außerdem ist die Jagd von geringem

Belang.

Den größten Reichtum besitzt S. in seinen nutzbaren

Mineralien. 1887 waren 84 Bergbau- und 19 Hüttenunternehmungen

mit zusammen 12,719 Arbeitern im Betrieb; die Produktion ergab

einen Wert von 11,24 Mill. Gulden. Am wichtigsten ist die

Produktion von Roheisen, welche durch die ausgezeichnete

Qualität des Produkts Weltruf erlangt hat, quantitativ aber in

den letzten Jahren (wegen der durch die Konkurrenz andrer

Produktionsländer gedrückten Preise) erheblich

eingeschränkt worden ist. Es waren 1887 nur 8 Eisenerzbergbaue

im Betrieb, vor allen an dem berühmten Erzberg bei Eisenerz

(Produktion 3,7 Mill. metr. Ztr. Erz). Roheisen wurde von 16 Werken

mit 22 Hochöfen in einer Menge von 1,104,600 metr. Ztr.

produziert. Die größten Hüttenwerke sind zu Hieflau

und Eisenerz, Vordernberg, Trofaiach, Neuberg und Zeltweg.

Zunächst an Bedeutung steht der Braunkohlenbergbau im

Köflacher, Leoben-Fohnsdorfer und Trifailer Becken (55

Unternehmungen, 19 Mill. metr. Ztr. Kohlenförderung). Andre

Bergbau-, resp. Hüttenprodukte sind: Graphit (25,500 metr.

Ztr.), Zink (12,900 metr. Ztr.), in geringer Menge Silber, Blei und

Glätte, Manganerz und Schwefelkies; ferner Salz zu Aussee

(181,832 metr. Ztr.). Die industrielle Thätigkeit des Landes

besteht hauptsächlich in der Verarbeitung des Roheisens. Es

bestehen in Ober- und Mittelsteiermark zahlreiche, zum Teil

ausgedehnte Eisenguß- und Raffinierwerke, welche Schienen,

Wagenachsen, Ackergerät, Sägen, Bleche, Draht, Guß-

und Zementstahl etc. verfertigen. Sehr bedeutend sind ferner: die

Sensenindustrie (jährlich 3,7 Mill. Stück Sensen, Sicheln

etc.), die Erzeugung von Schmiedewaren, dann die Maschinenindustrie

(zu Graz). Außerdem bestehen Fabriken für Zement, Glas

(18), Papier, chemische Produkte (zu Hrastnigg), Kerzen und Seifen,

Tuch und Filz, Zündwaren, Schieß- und Sprengpulver,

Zuckerraffinerien, Kaffeesurrogatfabriken, Bierbrauereien (600,000

hl), Branntweinbrennereien, Schaumweinfabriken, Tabaksfabriken,

Baumwollspinnereien, Dampfsägen etc. Als Förderungsmittel

des Handels dienen vor allen die Eisenbahnen, die Ende 1887 in

einer Länge von 1046 km im Betrieb waren. Die

Hauptverkehrsader ist die Linie Wien-Triest der Südbahn, an

welche sich deren Seitenlinien, ferner die Staatsbahnlinie

Kleinreifling-St. Michael-Villach, die Graz-Köflacher

Eisenbahn und die Ungarische Westbahn anschließen. Andre

Kommunikationsmittel sind neben den Landstraßen die

Schiffahrtslinien der Drau, Mur und Save (zusammen 579 km).

Für die geistige Kultur sorgen: die Universität und die

technische Hochschule zu Graz, die Bergakademie zu Leoben, 2

theologische Lehranstalten; an Mittelschulen 5 Obergymnasien, ein

Untergymnasium, 2 Oberrealschulen, eine Unterrealschule, 2

Lehrerbildungsanstalten, eine solche Anstalt für Lehrerinnen,

ein Mädchenlyceum, 7 Handelslehranstalten, eine

Staatsgewerbeschule, 2 gewerbliche Fach- und 31

Fortbildungsschulen, eine Zeichenakademie, eine Ackerbauschule, 4

andre Schulen für Land- und Forstwirtschaft, eine Berg- und

Hüttenschule, 768 öffentliche Bürger- und

Volksschulen (mit 2883 Lehrpersonen und 150,435 schulbesuchenden

Kindern). In kirchlicher Beziehung hat das Land 2 katholische

Bistümer (Seckau und Lavant, mit dem Sitz in Graz und

Marburg). An der Spitze der Landesverwaltung steht die

Statthalterei zu Graz, der Hauptstadt von S. Andre Behörden

für S. sind: das 3. Korpskommando, ein Landwehrkommando, eine

Postdirektion, ein Oberlandesgericht (für S., Kärnten und

Krain), eine Finanzlandesdirektion etc. Der Landtag besteht aus 63

Mitgliedern und zwar den beiden Fürstbischöfen, dem

Universitätsrektor, 12 Abgeordneten des

Großgrundbesitzes, 19 Abgeordneten der Städte,

Märkte und Industrieorte, 6 Abgeordneten der beiden Handels-

und Gewerbekammern (Graz und Leoben) und 23 Vertretern der

Landgemeinden. Außerdem sind in den politischen Bezirken

eigne Bezirksvertretungen thätig. In den Reichsrat entsendet

S. 23 Abgeordnete. Das Wappen von S. s. auf Tafel

"Österreichisch-Ungarische Länderwappen". Die politische

Einteilung des Landes ist aus folgender Tabelle zu ersehen:

Bezirke Areal in QKilom. in Qmeilen Bevölkerung 1880

Bruck 2209 40,12 60101

Cilli 2002 36,36 124133

Cilli (Stadt) 2 0,04 5393

Feldbach 984 17,87 81770

Graz 1779 32,31 113328

Graz (Stadt) 22 0,40 97791

Gröbming 1914 34,76 28250

Hartberg 976 17,73 52542

Judenburg 1636 29,71 49544

Deutsch -Landsberg 794 14,42 49487

Leibnitz 730 13,26 64089

Leoben 1086 19,72 41492

Lietzen 1398 25,39 23738

Luttenberg 316 5,74 25615

Marburg 1176 21,35 85057

Marburg (Stadt) 9 0,16 17628

Murau 1388 25,21 27185

Pettau 992 18,01 81328

Radkersburg 457 8,30 38082

Rann 592 10,75 46695

Weiz 1076 19,54 59223

Windischgraz 817 14,84 41126

Zusammen: 22355 405,96 1213597

Vgl. Göth, Das Herzogtum S. (Wien 1840-43, 2 Bde.);

Hlubek, Ein treues Bild des Herzogtums S. (das. 1860); Stur,

Geologie der S. (das. 1871, mit Karte); Janisch,

Topographisch-statistisches

258

Steiermark - Steifensand.

Lexikon von S. (das. 1875-85, 3 Bde.); Frischauf,

Gebirgsführer durch S. (das. 1874); Rosegger, Das Volksleben

in S. (6. Aufl., Wien 1888); Jauker, Das Herzogtum S. (das. 1880);

"Spezial-Ortsrepertorium von S.", herausgegeben von der

statistischen Zentralkommission (das. 1883); Schlossar, Kultur- und

Sittenbilder aus S. (Graz 1885); Derselbe, Die Litteratur der S.

(das. 1886); Krauß, Die nordöstliche S. (das. 1888).

Geschichte.

Unter der Herrschaft der Römer, während welcher die

Kelten, darunter als Hauptstamm die Taurisker, das Land bewohnten,

gehörte der östliche Teil Steiermarks zu Pannonien, der

westliche zu Noricum. Während der Völkerwanderung

besetzten oder durchzogen Westgoten, Hunnen, Ostgoten, Rugier,

Langobarden, Franken und Avaren nacheinander das Land. Seit 595

nahmen Slawen (Winden, weshalb früher die Gegend die windische

Mark hieß) erst den untern Teil, nach Besiegung der Avaren

auch den obern Teil desselben in Besitz. Als ein Teil dieses

karentanischen Slawengebiets kam das Murland unter bayrische

Botmäßigkeit, dann unter karolingisch-fränkische

Herrschaft. Das Christentum verbreitete sich allmählich in

diesen Gegenden von Salzburg aus, das zum Metropolitansitz erhoben

wurde und seinen Sprengel auch über das spätere S.

ausdehnte. Unter Karls Nachfolgern hatte es durch feindliche

Einfälle, namentlich der Magyaren, sehr zu leiden. Den

beträchtlichsten Teil, gegen Westen und Norden, hatten die

Markgrafen von Karentanien (s. Kärnten), den Landstrich am

linken Ennsufer die Herzöge von Bayern inne. Im 11. Jahrh.

ward eine besondere Mark "Kärnten" vom Herzogtum Kärnten

abgezweigt und 1056 dem Grafen Ottokar von Steyr im Traungau, einem

Verwandten des Lambachschen Geschlechts, verliehen. Seitdem ward

der Name S. statt des frühern "Kärntner Mark"

üblich. Markgraf Ottokar VI. (VIII.), welcher von Kaiser

Friedrich I. die herzogliche Würde erhielt, schloß, da

er ohne männliche Erben war, 1186 mit dem Herzog Leopold V.

von Österreich einen Erbfolgevertrag, zufolge dessen der

letztere nach Ottokars Tod 1192 das Herzogtum S. mit seinen

Ländern vereinigte. Leopolds V. Söhne Friedrich und

Leopold VI. teilten sich 1194 in die Herrschaft von Österreich

und S., doch kam schon 1198 mit Friedrichs Tod beides wieder in

Leopolds Hand. Diesem folgte 1230 Friedrich der Streitbare. Da er

sehr willkürlich regierte, führten die Steiermärker

Klage bei dem Kaiser Friedrich II. und erhielten von demselben ihre

in Ottokars Testament erhaltenen Freiheiten von neuem

bestätigt. Dieser Freiheitsbrief und Ottokars Testament gaben

der steirischen Landhandfeste ihr Entstehen. Nach dem Tode des

letzten Babenbergers, Friedrichs des Streitbaren (1246), folgte das

für S. so verderbliche Zwischenreich, in welchem das

Herzogtum, obgleich eine Partei der Stände Heinrich von Bayern

1253 zum Herzog wählte, 1254 unter Vermittelung des Papstes

zwischen den Königen Ottokar II. von Böhmen und Bela IV.

von Ungarn geteilt wurde. Ottokar II. besiegte die Ungarn 1260 auf

dem Marchfeld und ward 1262 vom deutschen König Richard mit

Österreich und S. belehnt, aber 1276 vom König Rudolf von

Habsburg dieser Lehen verlustig erklärt, worauf letzterer

seinen ältesten Sohn, Albrecht I., als Statthalter 1282

gemeinsam mit dem jüngern Bruder, Rudolf, 1283 allein als

erblichen Landesherrn mit S. belehnte. Fortan blieb das Herzogtum

im Besitz des Hauses Habsburg. Bei der nach Rudolfs IV. Tod 1365

zwischen dessen Brüdern Albrecht III. und Leopold III.

vorgenommenen Teilung fiel S. mit Kärnten, Tirol etc. an den

letztern. Als dessen Söhne 1406 wiederum teilten, ward S.

Ernst dem Eisernen zugesprochen. Sein ältester Sohn und

Nachfolger (seit 1424) war der nachmalige Kaiser Friedrich III.,

der wiederum alle habsburgischen Lande vereinigte. Als 1456 die

gefürsteten Grafen von Cilli ausstarben, erwarb Friedrich auf

Grund früherer Verträge deren Besitzungen. Die Lehren der

deutschen Reformatoren fanden schon seit 1530 in S. Eingang, und

1547 beanspruchte der Landeshauptmann Freiherr Johann Ungnad auf

dem Reichstag zu Augsburg freie Religionsübung; doch konnte

dieselbe erst auf den Landtagen zu Bruck 1575 und 1578 dem Herzog

Karl II., dem jüngsten Sohn Kaiser Ferdinands I., welchem bei

der Länderteilung 1564 S., Kärnten und Krain zu teil

geworden waren, abgenötigt werden. Um die Verbreitung der

neuen Lehre zu hemmen, rief Herzog Karl 1570 die Jesuiten zu Hilfe

und stiftete 1586 die hohe Schule zu Graz. Sein Sohn Ferdinand II.,

der 1596 die Regierung übernahm, erklärte den

Freiheitsbrief seines Vaters Karl II. für aufgehoben und wies

1598 die protestantischen Lehrer und Prediger aus dem Land. Eine

hierauf eingesetzte katholische Gegenreformationskommission befahl

allen protestantischen Bürgern, entweder zur katholischen

Religion überzutreten, oder auszuwandern. Viele Protestanten

schwuren damals ihr Bekenntnis ab; eine bedeutende Zahl aber, meist

den reichsten und angesehensten Familien angehörig,

verließ die Heimat, und nur in den unzugänglichen Bergen

des obern S. erhielt sich im stillen in einzelnen Bauernfamilien

der evangelische Glaube, weshalb sich dort, nachdem Joseph II. 1781

Glaubensfreiheit proklamiert hatte, einige protestantische

Gemeinden konstituierten. Ferdinand II. erbte 1619 auch die

übrigen österreichischen Lande, und S. blieb seitdem ein

Teil derselben. Seit Karl VI. (1728) nahm kein Landesfürst

mehr die Huldigung an, und seit 1730 bestätigte keiner die

Landhandfeste mehr. Fortan teilte S. die Schicksale der

österreichischen Monarchie und blieb auch während der

Napoleonischen Kriege den Habsburgern erhalten. Seit dem

Wiedererwachen politischen Lebens in Österreich 1860 zeigte

sich der Landtag von S. verfassungstreu und freisinnig, erhob 1865

seine Stimme gegen die Sistierung der Verfassung und forderte 20.

Okt. 1869 die Aufhebung des Konkordats. Das agitatorische Auftreten

der Slawen in S., das seit 1880 von der Regierung begünstigt

wurde, bewirkte nun, daß das Deutschtum sich um so

kräftiger regte und die deutsch-nationale Partei in S. eine

Hauptstütze hatte. Vgl. A. J. Cäsar, Staats- und

Kirchengeschichte Steiermarks (Graz 1785-87, 7 Bde.); v. Muchar,

Geschichte des Herzogtums S. (das. 1844-67, 8 Bde., reicht bis

1566); Gebler, Geschichte des Herzogtums S. (das. 1862); Reichel,

Abriß der steirischen Landesgeschichte (2. Aufl., das. 1884);

"Mitteilungen des Historischen Vereins für S." (das. seit

1850); "Beiträge zur Kunde steiermärkischer

Geschichtsquellen" (das. 1864 ff.); Zahn, Urkundenbuch des

Herzogtums S. (das. 1875-79, 2 Bde.).

Steifensand, Xaver, Kupferstecher, geb. 1809 zu Kaster

(Regierungsbezirk Köln), bezog 1832 die Kunstakademie in

Düsseldorf und bildete sich, nachdem er den Stich der heil.

Katharina nach Raffael von Desnoyers in Linienmanier kopiert hatte,

unter Felsing in Darmstadt weiter aus. Nach seiner Rückkehr

nach Düsseldorf war sein erstes größeres Werk

(1844) der Stahlstich: das Gewitter, nach Jakob Becker für

den

259

Steigbügel - Stein.

Rheinischen Kunstverein, worauf eine Madonna mit dem schlafenden

Kind, nach Overbeck (1846), Friedrich II. mit seinem Kanzler Peter

de Vineis, nach Jul. Schrader (1847, Stahlstich), die

Gefangennehmung des Papstes Paschalis II. durch Heinrich V., nach

Lessing, und einige Porträte folgten. In den 50er Jahren

entstanden: Mirjam, nach Köhler; der Christusknabe, nach

Deger; die Christnacht, nach Mintrop, u. a. m. Nach Vollendung des

Stichs der Regina coeli, nach Karl Müller, begann er sein

größtes Werk, die Anbetung der Könige, nach Paul

Veronese (in Dresden), das, erst 1873 vollendet, ihm mehrere

Auszeichnungen eintrug. Er starb 6. Jan. 1876.

Steigbügel, metallener Halbring mit Platte (Sohle)

unter demselben, der an den Steigriemen, Strippen von starkem

Leder, zu beiden Seiten des Sattels herabhängt und zum

Einsetzen des Fußes beim Reiten dient. Bei den Türken

und mehreren asiatischen Völkern ist die Sohle so groß,

daß die ganze Fußsohle darauf ruhen kann, und ersetzt

mit ihren scharfen Ecken die Sporen. Die Alten kannten die S.

nicht, die erst zur Zeit Ottos I. aufgekommen zu sein scheinen. -

Auch heißt S. (stapes) eins der drei

Gehörknöchelchen (s. Ohr, S. 349).

Steigentesch, August Ernst, Freiherr von, Dichter und

Schriftsteller, geb. 12. Jan. 1774 zu Hildesheim als Sohn eines

kurmainzischen Kabinettsministers, trat frühzeitig in

österreichische Militärdienste und war eifrig als Soldat

und Diplomat, auch an der Seite des Generals Fürsten

Schwarzenberg, gegen Napoleon I. thätig. Er avancierte bis zum

Generalmajor und war bis 1820 österreichischer

Militärbevollmächtigter am Bundestag. Er starb 30. Dez.

1826 in Wien. Außer zahlreichen Lustspielen, in denen er die

kleinen Schwächen und Thorheiten der Menschen mit großer

Wahrheit schilderte, und die sich lange auf der Bühne

erhielten, veröffentlichte er auch Gedichte (4. Aufl., Darmst.

1823) und eine Reihe von Erzählungen. Seine "Gesammelten

Schriften" erschienen in 6 Bänden (Darmst. 1820).

Steiger, s. Bergleute.

Steigerschulen, s. Bergschulen.

Steigerung, in der Grammatik, s. Komparation.

Steigerwald, ein auf der fränk. Terrasse ziemlich

isoliert liegendes, nach W. sehr steil, nach O. ganz

allmählich abfallendes, mit reichen Nadelholzwaldungen

bedecktes Gebirge auf der Grenze zwischen den bayrischen

Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken, in dem westlich

von Bamberg befindlichen Mainwinkel zwischen Eltmann, Kitzingen und

Uffenheim gelegen, bedeckt 440 qkm (8 QM.), erhebt sich in seinen

höchsten Spitzen, dem Frankenberg und Hohenlandsberg

(nördlich von Uffenheim), bis zu 512 und 505 m und gibt den

Flüssen Aurach und Ebrach den Ursprung. Auf der Westseite

bildet der Schwan- oder Schwabenberg (473 m) einen vorgeschobenen

Punkt.

Steigkunst, s. Fahrkunst.

Steigrad (Hemmungsrad), eine Art Sperrrad, welches in

regelmäßigen, durch die Pendelschwingungen bedingten

Zeiträumen arretiert wird.

Steigriemenlaufen, s. Spießrutenlaufen.

Steigrohr, ein Rohr, in welchem eine Flüssigkeit

durch Druck emporgetrieben wird.

Stein, im gewöhnlichen Leben jedes feste

anorganische Naturprodukt, welches aber ein Mineral oder ein

Gestein sein kann; in der Metallurgie s. v. w. Lech.

Stein (Konkrement), in der Medizin Ablagerungen,

bestehend aus anorganischen Massen, namentlich Kalksalzen der Oxal-

und Harnsäure und Cholesterin, welche sich in Hohlräumen

oder Flüssigkeit führenden Kanälen unter krankhaften

Verhältnissen bilden. Sie kommen vor in der Harnblase, in der

Gallenblase, in den Gallengängen, im Darm (Darm- oder

Kotsteine), in der Harnröhre, in der Vorsteherdrüse, in

den Nieren, den Bronchien, in den Speichelgängen u. a. O. Sie

entstehen entweder infolge von Katarrhen der betreffenden

Schleimhäute, oder infolge einer Veränderung der

Absonderung, oder als Niederschläge um von außen

eingedrungene Fremdkörper herum. Sie sind bisweilen sehr

klein, in der Harnblase des Menschen kommen aber Steine bis zu 500

g und darüber vor, im Darm von Pferden Kotsteine bis zu 5 kg.

Sie finden sich einzeln oder zu mehreren, in der menschlichen

Gallenblase bis zu 300; im letztern Fall schleifen sie sich

gegenseitig ab und gehen aus der meist rundlichen Form in

polygonale, facettierte Körper über. Sie hemmen die

Zirkulation der Sekrete und bedingen Katarrhe und

Verschwärungen, die meist unter den lebhaftesten Schmerzen in

sogen. Koliken verlaufen. Werden sie nicht aufgelöst oder

ausgestoßen, so werden sie nicht selten die Quelle

lebensgefährlicher Störungen und Veranlassung zu

eingreifenden Operationen.

Stein, Gewicht für Wolle, Flachs etc. in

Preußen, Sachsen, Österreich früher = 0,2 Ztr.; in

England (stone) à 14 Pfd. Avoirdupois = 6,350 kg; in den

Niederlanden früher = 3 kg; in Schweden = 13,602 kg.

Stein, 1) (S. am Rhein) Landstädtchen in einer

Parzelle des schweizer. Kantons Schaffhausen, am Ausfluß des

Rheins aus dem Untersee (Bodensee) und an der Bahnlinie

Singen-Winterthur, mit (1880) 1364 Einw. Das ehemalige Kloster St.

Georg mit gotischem Kreuzgang und einem durch Holzschnitzerei

reichverzierten Saal ist jetzt im Privatbesitz. Dabei das

Schloß Hohen-Klingen. Vgl. Ziegler, Geschichte der Stadt S.

(Schaffh. 1862); Vetter, Das St. Georgenkloster zu S. am Rhein

(Lindau 1884). -

2) Stadt in der niederösterreich. Bezirkshauptmannschaft

Krems, an der Donau, über welche eine Brücke nach dem

gegenüberliegenden Mautern führt, mit Krems durch eine

Häuserreihe ("Und" genannt) zusammenhängend, hat

Schloßruinen, ein Zellengefängnis, eine große

Tabaks- und eine Holzwarenfabrik, bildet einen wichtigen

Landungsplatz für die Donauschiffahrt und zählt (1880)

4069 Einw., welche hauptsächlich Weinbau betreiben. S. ist

Sitz einer Finanzbezirksdirektion. -

3) Stadt in Krain, am Feistritzfluß und an der Lokalbahn

Laibach-S., Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines

Bezirksgerichts, hat eine Kaltwasserheilanstalt,

Franziskanerkloster, Schießpulverfabrik, Thonwaren- und

Zementfabrikation und (1880) 1963 Einw. Über der Stadt erhebt

sich die Ruine Kleinfeste. Dabei eine sehenswerte dreigeschossige

Kirche. S. bildet den Ausgangspunkt für die nördlich

gelegenen Steiner Alpen (s.d.). -

4) Dorf im bayr. Regierungsbezirk Mittelfranken, Bezirksamt

Nürnberg, an der Regnitz und der Linie

Krailsheim-Nürnberg-Furth i. W. der Bayrischen Staatsbahn, 298

m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Schloß, drei

Bleistiftfabriken (darunter die weltberühmte Fabersche Fabrik

mit 400 Arbeitern), eine Papierfabrik und (1885) 2054 Einw.

Stein, 1) Charlotte von, durch ihre Beziehung zu Goethe

der deutschen Literaturgeschichte angehörig, geb. 25. Dez.

1742 zu Weimar, Tochter des Hofmarschalls v. Schardt daselbst,

vermählte sich als Hofdame der Herzogin Amalia 1764 mit dem

herzoglichen Stallmeister Friedrich v. S. Eine schwärmerische

Verehrerin von Goethe, lernte sie denselben im

260

Stein (Freiherr vom und zum).

November 1775 zuerst persönlich kennen und wurde, wiewohl

fast sieben Jahre älter als er und bereits Mutter von sieben

Kindern, von ihm bald glühend geliebt. Die Innigkeit des

eigentümlichen Verhältnisses, das auf Goethes Leben und

Dichten von großem Einfluß war, litt später unter

Charlottens wachsenden Ansprüchen und endete nach Goethes

Rückkehr aus Italien (1788) mit einem gewaltsamen Bruch,

welcher sich in einer 1794 von Charlotte gedichteten Tragödie

"Dido" (hrsg. von Otto Volger, Leipz. 1867) in peinlicher Weise

kundgibt. Erst nach vielen Jahren gestaltete sich zwischen beiden

wieder ein gewisses Freundschaftsverhältnis, das bis zum Tode

der Frau v. S., die bereits 1793 Witwe geworden, dauerte. Sie starb

6. Jan. 1827 in Weimar. Charlottens schönstes Ehrendenkmal

bleiben "Goethes Briefe an Frau v. S. aus den Jahren 1776-1820"

(hrsg. von A. Schöll, Weim. 1848-51, 3 Bde.; 2.

vervollständigte Ausg. von Fielitz, Frankf. a. M. 1883-85, in

welcher auch "Dido" abgedruckt ist). Eine wertvolle Ergänzung

haben dieselben erhalten durch die von Goethe aus Italien an sie

gerichteten, aber von ihm für die Ausarbeitung seiner

"Italienischen Reise" zurückerbetenen Briefe, die, bisher im

Goetheschen Hausarchiv zu Weimar aufbewahrt, neuerdings durch die

Goethe-Gesellschaft (Weim. 1886) veröffentlicht wurden. Ihre

eignen Briefe an Goethe hatte Frau v. S. sich zurückgeben

lassen und kurz vor ihrem Tod verbrannt. Zahlreiche Briefe

derselben sind in dem Werk "Charlotte von Schiller und ihre

Freunde" (Bd. 2, Stuttg. 1862), enthalten. Gegen mancherlei

Anklagen, die neuerlich erhoben worden sind, rechtfertigt sie H.

Düntzer in "Charlotte v. S." (Stuttg. 1874). Vgl. auch dessen

"Charlotte v. S. und Corona Schröter" (Stuttg. 1876);

Höfer, Goethe und Charlotte v. S. (das. 1878).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 74 / 302 段