Staupitz, Johann von, Gönner und Freund Luthers,

geboren im Meißenschen, studierte in Tübingen Theologie,

ward Prior im Augustinerkloster daselbst, 1502 Professor und der

eigentliche Organisator der neugegründeten Universität zu

Wittenberg, auch 1503 Generalvikar der (kleinen) sächsischen

Kongregation des Augustinerordens. In dieser Eigenschaft ward er

1505 in Erfurt Luthers geistlicher Vater und veranlaßte 1508

seine Berufung nach Wittenberg. 1512 legte er seine Professur

nieder und hielt sich in München, Nürnberg und Salzburg

auf; 1520 gab er auch das Amt des Generalvikars auf, zog sich aus

Scheu vor den Kämpfen, die er nahen sah, nach Salzburg

zurück, ward dort Hofprediger des Erzbischofs und 1522 Abt des

dortigen Benediktinerklosters. Hier mußte er, vom Erzbischof

von Salzburg zur Zustimmung zu der Bannbulle gegen Luther

aufgefordert, sich wenigstens zu der Erklärung verstehen,

daß er im Papst seinen Richter anerkenne, was Luther ihm als

eine Verdammung der Lehre auslegte, zu der S. ihn selbst gewiesen.

Er starb 1524. Seine hinterlassenen deutschen Schriften gab Knaake

heraus (Potsd. 1867). Vgl. Kolde, Die deutsche

Augustinerkongregation und J. v. S. (Gotha 1879); Keller, Joh. v.

S. (Leipz. 1888).

250

Staurodulie - Stearin.

Staurodulie (griech.), Anbetung des Kreuzes.

Staurolith, Mineral aus der Ordnung der Silikate

(Andalusitgruppe), kristallisiert in rhombischen, meist

säulenförmigen Kristallen und tritt häufig in

Zwillingsverwachsungen auf, von welchen die einer beinahe

rechtwinkeligen Durchkreuzung zweier Individuen den Namen

Kreuzstein sowie gelegentlich eine abergläubische Benutzung zu

Amuletten veranlaßt hat. S. ist rötlich- bis

schwärzlichbraun, selten etwas durchscheinend, gewöhnlich

undurchsichtig, glasglänzend, Härte 7-7,5, spez. Gew.

3,34-3,77. Er enthält zahlreiche mikroskopische

Einschlüsse (Quarz, Granat, Glimmer etc.); seine

Zusammensetzung entspricht am wahrscheinlichsten der Formel

H2R3(Al2)6Si6O34, worin R vorwaltend Eisen in der Form des

Öxyduls neben Magnesium ist. S. findet sich eingewachsen in

Thon- und Glimmerschiefer (namentlich in Paragonitschiefer) am St.

Gotthard, häufig mit Disthen gesetzmäßig

verwachsen, in Tirol, Mähren, Steiermark, im Departement

Finistere, bei Santiago de Compostela und in Nordamerika.

Staurophör (griech.), Kreuzträger.

Stauroskop (griech.), ein von Kobell angegebener

einfacher Polarisationsapparat zur Beobachtung der Farbenringe und

dunkeln Büschel in Kristallplatten.

Stauung, s. Stauen.

Stauungspapille, ein durch v. Gräfe in die

Augenheilkunde eingeführter Begriff, welcher besagt, daß

die Eintrittsstelle des Sehnervs in die Netzhaut von sehr

zahlreichen, strotzend gefüllten Venenästchen durchzogen

wird. Ob diese Stauung eine rein mechanische oder zugleich der

Ausdruck einer Entzündung des Sehnervs (Neuroretinitis) ist,

scheint noch zweifelhaft; dagegen ist die S. ein sehr wertvolles

Symptom, welches auf eine Steigerung des Druckes in der

Schädelkapsel, namentlich auf Geschwulstbildungen im Gehirn,

schließen läßt.

Stavanger, Hauptstadt des gleichnamigen Amtes, welches

9279 qkm (168,5QM.) mit (1876) 110,965 Einw. umfaßt, im

südwestlichen Norwegen, am Buknfjord, durch Eisenbahn mit

Egersund verbunden, ist auf felsigem Boden nach wiederholten

Feuersbrünsten ganz modern aus Holz erbaut, hat eine Domkirche

(im 12. und 13. Jahrh. im alten normännischen Stil erbaut,

1866 im Innern restauriert), eine Lateinschule, ein kleines Museum,

2 Häfen und (1885) 22,634 Einw., welche vornehmlich Schiffahrt

und Handel mit den Produkten der Fischerei betreiben. Die Stadt

besaß 1885: 285 Segelschiffe von 91,851 Ton. und 40

Dampfschiffe von 12,792 T. S. ist Sitz eines deutschen Konsuls. S.,

eine alte, aber erst im 18. Jahrh. wieder emporgekommene Stadt, war

bis 1685 Bischoffitz.

Stavelot (Stablo), Stadt in der belg. Provinz

Lüttich, Arrondissement Verviers, an der Ambleve und der

Staatsbahnlinie Gouvy-Pepinster, hat eine höhere Knabenschule,

Gerberei, Wollmanufakturen und (1887) 4452 Einw. - S. war bis 1801

die Hauptstadt des deutschen Reichsfürstentums S., dessen

Oberhaupt der jeweilige gefürstete Abt des 648 vom

austrafischen König Sigebert gegründeten

Benediktinerstifts S. war. Ein Leben des Abts Poppo (1020-48) von

Everhelm ist erhalten. Wichtig ist der Streit des Klosters gegen

den Erzbischof Anno von Köln um das Kloster Malmedy, in

welchem Anno 1071 unterlag. Von der Abteikirche ist nur noch ein

Teil des Turms vorhanden. In der Stadtkirche befindet sich der

kostbare Schrein des heil. Remaclus.

Stavenhagen, Stadt im Großherzogtum

Mecklenburg-Schwerin, Herzogtum Güstrow, an der Linie

Lübeck-Mecklenburgisch-Preußische Grenze der

Mecklenburgischen Friedrich Franz-Bahn, hat eine evang. Kirche, ein

Schloß mit Park, ein Progymnasinm, ein Waisenhaus, ein

Amtsgericht, eine Zuckerfabrik, eine Dampfmolkerei, Dampfmahl- und

Sägemühlen, eine Spiegelrahmenfabrik, 2

Selterwasserfabriken, Bierbrauerei und (1885) 3023 Einw. S. ist

Geburtsort des Dichters Fritz Reuter, dem am Rathaus eine

Gedenktafel gewidmet ist.

Stavoren (Staveren), Stadt in der niederländ.

Provinz Friesland, an der Zuidersee, Endpunkt der Eisenbahn

Leeuwarden-Sneek-S., mit (1887) 877 Einw.; die älteste Stadt

Frieslands, ehemals groß und mächtig durch Handel und

Schiffahrt, jetzt infolge der Versandung des Hafens ganz

unbedeutend.

Stawell, Stadt in der britisch-austral. Kolonie Victoria,

durch Eisenbahn mit Melbourne verbunden, mit 5 Bankfilialen,

Theater und (1881) 7348 Einw. In der Nähe die Pleasant

Creek-Goldfelder mit 1150 Goldgräbern.

Stawropol, 1) Gouvernement der russ. Statthalterschaft

Kaukasien, an der Nordgrenze gegen Astrachan und das donische

Gebiet, 68,631 qkm (1246 QM.) groß mit (1885) 657,554 Einw.

(Russen, nomadisierenden Kalmücken, Truchmenen, Nogaiern,

Armeniern). Das Gouvernement enthält zum Teil reiches

Ackerland, so daß in jedem Jahr über 16,000 Arbeiter zum

Einheimsen der Ernte aus Rußland kommen müssen, teils

weite, an Salzseen reiche, aber an Trinkwasser arme Steppen, auf

denen Viehzucht getrieben wird. Waldmangel ist nicht nur in der

Steppe, sondern auch in den Berggegenden fühlbar. Die beiden

Hauptflüsse Manytsch und Kuma sind wasserarm und verlieren

sich in den Sand. Getreide, Leinsaat, Sonnenblumenkerne, Wolle,

Häute und Talg werden nach Rostow am Don ausgeführt. Der

südlichste Zipfel des Gouvernements wird von der Eisenbahn

Rostow Wladikawkas durchzogen. Die gleichnamige Hauptstadt, am

Flüßchen Taschla, in dürrer, baumloser Ebene, 611 m

ü. M. gelegen, mit (1885) 36,561 Einw. (Russen, Tataren,

Armeniern, Persern, Nogaiern, Grusiern u. a.), ist Sitz eines

Zivil- und Militärgouverneurs und des kaukasischen und

tschernomorskischen Bischofs, hat 13 griechisch-russ. Kirchen, eine

armenische und eine kath. Kirche, eine Moschee, Nonnenkloster,

geistliches Seminar, vorzügliche Mädchenschule,

öffentliche Bibliothek, Theater und zahlreiche Fabriken, deren

Thätigkeit ebenso wie der Handel beständig im Zunehmen

sind. Die Stadt hat durch ihre Lage an der aus Persien nach

Rußland führenden Karawanenstraße große

kommerzielle Bedeutung, auch für die asiatische Post ist S.

Station. -

2) Kreisstadt im russ. Gouvernement Samara, an der Wolga, 1738

gegründet, mit (1885) 4883 Einw., welche sich vorwiegend mit

Anbau von Getreide, Zwiebeln und Kartoffeln beschäftigen.

Stazione (ital.), Bahnhof.

Steamer (Steamboat, engl., spr. stihmer, stihmboht),

Dampfschiff.

Stearin (C18H35O2)C3H5 findet sich in den meisten Fetten

neben Palmitin und Olein, besonders reichlich im Hammeltalg. Um es

aus diesem zu gewinnen, schmelzt man denselben und mischt ihn mit

so viel Äther, daß er nach dem Erstarren Breikonsistenz

besitzt, preßt wiederholt und kristallisiert den

Rückstand aus Äther häufig um. Das S. bildet farb-,

geruch- und geschmacklose, perlmutterglänzende Schuppen, ist

löslich in siedendem Alkohol und Äther, sehr schwer in

kaltem Alkohol, nicht in Wasser, reagiert neutral, schmilzt bei

62-64°, erstarrt wachsartig und wird

251

Stearinsäure - Stechapfel.

durch Alkalien leicht verseift. Es besteht aus

Stearinsäuretriglycerid und kann direkt durch Erhitzen von

Stearinsäure mit Glycerin erhalten werden. Das S. des Handels

ist kein neutrales Fett, sondern ein aus solchem dargestelltes

Gemisch von Stearinsäure und Palmitinsäure.

Stearinsäure C18H36O2 findet sich, an Glycerin

gebunden, als Stearin (s. d.) in den meisten Fetten, namentlich in

den festen, aber fast immer neben Palmitin und Olein. Aus diesen

Fetten, besonders aus Talg und Palmöl, wird im großen

ein Gemisch von S. und Palmitinsäure dargestellt, welches

unter dem Namen Stearin in den Handel kommt. Stearin liefert 95,7

Proz. S., Palmitin 94,8 Proz. Palmitinsäure, Olein 90,3 Proz.

Olein- oder Ölsäure. Zur Gewinnung des

Fettsäuregemisches erhitzte man das Fett ursprünglich mit

Kalkmilch (aus 14 Proz. gebranntem Kalk), trennte die Kalkseife von

dem glycerinhaltigen Wasser und schied aus derselben durch

Schwefelsäure die fetten Säuren ab. Gegenwärtig

arbeitet man in verschlossenen Kesseln (Autoclaves) unter einem

Druck von 8-10 Atmosphären (bei 170°) und erreicht eine

ziemlich vollständige Verseifung durch Anwendung von nur 2-4

Proz. Kalk, so daß bei der weitern Verarbeitung an

Schwefelsäure bedeutend erspart wird. Unter einem Druck von

10-15 Atmosphären und bei einer Temperatur vom Schmelzpunkt

des Bleies werden die Fette auch durch reines Wasser ohne Anwendung

von Alkalien zersetzt, und wenn man sie bei 315° mit

überhitztem Wasserdampf in geeigneten Apparaten behandelt, so

destillieren die Fettsäuren und das Glycerin über,

während in dem Apparat ein brauner, pechartiger Rückstand

bleibt, den man auf Photogen und Anilin verarbeitet. Diese beiden

Methoden sind im großen Maßstab ausgeführt,

gegenwärtig aber durch die Verseifung mit Schwefelsäure

verdrängt worden. Letztere wendet man besonders auf solche

Fette an, welche wegen ihrer Beschaffenheit oder ihrer

Verunreinigungen nicht mit Kalk verseift werden können, wie

Palmöl, Kokosöl, Knochenfett, Abfälle aus

Schlächtereien, Küchen etc. Man erhitzt die

möglichst gereinigten Fette unter Umrühren mit 6-12 Proz.

konzentrierter Schwefelsäure durch Dampf auf 110-177°,

kocht noch 15-20 Stunden das Produkt mit Wasser, reinigt es durch

wiederholtes Waschen, entwässert es durch Erhitzen in flachen

Pfannen und unterwirft es, da es sehr dunkel gefärbt ist, auch

unzersetztes Fett enthält, der Destillation durch

überhitzten Wasserdampf. Die Produkte, welche nach dieser

Methode erhalten werden, weichen in mancher Hinsicht von den durch

Kalkverseifung gewonnenen ab. Die Ausbeute beträgt bei

letzterer 45-48, bei der Schwefelsäureverseifung mit

Destillation 55-60 Proz. Kerzenmaterial. Das gewonnene Gemisch von

Fettsäuren läßt man in flachen Gefäßen

möglichst langsam grobkristallinisch bei 20-32° erstarren,

preßt unter starkem Druck zuerst kalt, dann bei 35-40°

die Ölsäure ab, aus welcher sich bei hinreichender

Abkühlung noch S. ausscheidet, die man auf

Zentrifugalmaschinen von der Ölsäure trennt, schmelzt und

kocht sämtliche S. mit stark verdünnter

Schwefelsäure und Wasser, klärt sie mit Eiweiß,

bleicht sie auch wohl durch Kochen mit schwacher

Oxalsäurelösung und gießt sie in Formen. Nach einer

neuern Methode erhitzt man das Fett mit 4-6 Proz.

Schwefelsäure etwa 2 Minuten auf 120° und kocht es dann

mit Wasser. Es findet vollständige Zersetzung statt, und von

der erhaltenen S. kann man 80 Proz. nach zweimaliger Pressung

direkt auf Kerzen verarbeiten, während nur der Rest von 20

Proz. zu destillieren ist. Nebenprodukte bei der

Stearinsäurefabrikation sind Glycerin und Ölsäure.

Letztere durch geeignete Prozesse in feste Fettsäuren

umzuwandeln (Ölsäure gibt mit schmelzenden Alkalien

Palmitinsäure und Essigsäure, mit salpetriger Säure

starre Elaidinsäure), ist bis jetzt in lohnender Weise noch

nicht gelungen. Reine S. erhält man aus Seife, wenn man diese

in 6 Teilen Wasser löst, 40-50 Teile kaltes Wasser zusetzt,

das ausgeschiedene Gemenge von saurem stearinsaurem und

palmitinsaurem Natron durch Umkristallisieren aus heißem

Alkohol trennt, das schwer lösliche Stearinsäuresalz mit

Salzsäure zersetzt und die S. aus Alkohol umkristallisiert.

Sie bildet farb- und geruchlose, silberglänzende

Kristallblättchen, ist leicht löslich in Alkohol und

Äther, nicht in Wasser, reagiert sauer, schmilzt unter starker

Volumvergrößerung bei 69° und erstarrt

schuppig-kristallinisch, ist in kleinen Quantitäten bei

vorsichtigem Erhitzen destillierbar, leichter im Vakuum und mit

überhitztem Wasserdampf. Von ihren Salzen sind die der

Alkalien in Wasser löslich, werden aber durch viel Wasser

zersetzt, indem sich unlösliche saure Salze ausscheiden und

basische gelöst bleiben. In Kochsalzlösung sind auch die

Alkalisalze der S. unlöslich. Die übrigen Salze sind

unlöslich; erstere finden sich in der Seife, stearinsaures

Bleioxyd im Bleipflaster. Beim Zusammenschmelzen von S. mit

Palmitinsäure wird der Schmelzpunkt des Gemisches selbst unter

den der Palmitinsäure herabgedrückt. Das

fabrikmäßig dargestellte Gemisch von S. und

Palmitinsäure wird auf Kerzen verarbeitet und zum Enkaustieren

von Gipsabgüssen benutzt.

Ein Patent auf Darstellung von Kerzen aus S. und

Palmitinsäure nahmen zuerst Gay-Lussac, Ehevreul und

Cambacères 1825, doch wurde erst de Milly Begründer der

Stearinindustrie, indem er 1831 die Kalkverseifung einführte

und 1834 auch die Verseifung mit wenig Kalk andeutete und 1855

vervollkommte. 1854 gelangten Tilghman und Melsens unabhängig

voneinander zu der Zersetzung der Fette durch überhitztes

Wasser, und Wright und Fouché konstruierten Apparate

für diese Methode, welche indes, wie auch die mit einer

Destillation verbundene Behandlung der Fette mit überhitztem

Wasserdampf, nur vorübergehende Bedeutung errang. Anfang der

40er Jahre begründeten Jones, Wilson, Gwynne die Methode,

welche auf der schon 1777 von Achard beobachteten Zersetzung der

Fette durch Schwefelsäure beruht und in neuerer Zeit

allgemeine Verbreitung gefunden hat.

Stearoptene, s. Ätherische Ole.

Steatit, s. Speckstein.

Steatom (griech.), veralteter Name krankhafter

Geschwülste von festerer Konsistenz.

Steatopygie (griech.), übermäßige

Fettanhäufung am Gesäß der Hottentotinnen, s.

Hottentoten.

Steatórnis, s. Guacharo.

Steatose (griech.), krankhafte Fettbildung.

Steben (Untersteben), Dorf und Badeort im bayr.

Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Naila, im Frankenwald und

an der Linie Hof-S. der Bayrischen Staatsbahn, 580 m ü. M.,

hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Forstamt, 5

Stahlquellen und ein Moorbad, die bei Blutarmut, Bleichsucht,

Skrofulose, Rheumatismus, Gicht etc. angewendet werden, und (1885)

772 meist evang. Einwohner. Vgl. Klinger, Bad S. (2. Aufl., Hof

1875).

Stecchetti (spr. stecketti), Lorenzo, Pseudonym des ital.

Dichters Olindo Guerrini (s. d.).

Stechapfel, Pflanzengattung, s. Datura.

252

Stechbeeren - Stecknitz.

Stechbeeren, s. Daphne und Rhamnus.

Stechbeitel, s. Beitel.

Stechbüttel, s. v. w. Stichling.

Stechdorn, s. v. w. Schlehendorn (s. Pflaumenbaum, S.

970); s. v. w. Ilexaquifolium; s. v. w. Rhamnus cathartica.

Stecheiche, s. v. w. Stechpalme, Hex aquifolium.

Stechen, in der Jägerei das Auswerfen kleiner

Vertiefungen im Boden durch den Dachs und den Fuchs beim Aufsuchen

von Insektenlarven, auch das Einbohren des Schnabels (Stechers) der

Schnepfen in den Boden zum Fang von Regenwürmern sowie das

Aufeinanderstoßen der Männchen und Weibchen zur Paarzeit

in der Luft, besonders der Schnepfen zur Strichzeit; endlich das

Spannen des Stechschlosses an einer Büchse durch den Druck am

Stecher.

Stechente, s. Lumme.

Stecher, in der Orgel dünne, aber feste Stäbe,

die unter den Tasten der Klaviatur angebracht sind und, durch diese

herabgedrückt, den weitern Mechanismus in Bewegung setzen.

Vgl. Abstrakten.

Stechginster, s. v. w. Ulex europaeus.

Stechheber, eine weite, bisweilen an einer Stelle zu

einer Kugel oder in andrer Form erweiterte, auch konisch zulaufende

Glas- oder Metallröhre, deren obere Öffnung bequem durch

den aufgedrückten Finger geschlossen werden kann (s. Figur),

dient zum Herausheben von Flüssigkeit aus einem Faß od.

dgl. Der S. füllt sich beim Eintauchen in die Flüssigkeit

u. bleibt gefüllt, wenn man ihn mit verschlossener oberer

Öffnung herauszieht. Durch vorsichtiges Heben des

verschließenden Fingers kann man beliebige Quantitäten

der Flüssigkeit abfließen lassen. Vgl. Pipette.

Stechhelm, s. Helm, S. 364.

Stechpalme, s. v. w. Ilex aquifolium.

Stechwinde, Pflanzengattung, s. v. w. Smilax.

Steckbrief, öffentliches Ersuchen um Festnahme einer

zu verhaftenden Person, welche flüchtig ist oder sich

verborgen hält. Nach der deutschen Strafprozeßordnung

(§ 131) können Steckbriefe von dem Richter sowie von der

Staatsanwaltschaft erlassen werden. Ohne vorgängigen

Haftbefehl ist eine steckbriefliche Verfolgung nur statthaft, wenn

ein Festgenommener aus dem Gefängnis entweicht oder sonst sich

der Bewachung entzieht. In diesem Fall sind auch die

Polizeibehörden zum Erlaß des Steckbriefs befugt. Der S.

muß eine Beschreibung der Person des Verfolgten

(Signalement), soweit dies möglich, enthalten sowie die

demselben zur Last gelegte strafbare Handlung und das

Gefängnis bezeichnen, in welches die Ablieferung zu erfolgen

hat, wofern nicht wegen der Abholung des Festgenommenen eine

Nachricht erbeten wird. Ist ein S. unnötig geworden, so

erfolgt dessen Widerruf (Steckbriefserledigung) auf demselben Weg,

auf dem er erlassen ist.

Steckenknechte, bei den Landsknechten dem Profoß

beigegebene, zur Ausführung von Prügelstrafen "Stecken"

tragende Gehilfen.

Steckenkraut, s. Ferula.

Stecker, Anton, Afrikareisender, geb. 17. Jan. 1855 zu

Josephsthal bei Jungbunzlau in Böhmen, studierte zu Heidelberg

Naturwissenschaften und begleitete 1878 G. Rohlfs auf seiner

Expedition nach Kufra. 1879 nach Bengasi zurückgekehrt, ging

er im Auftrag der Afrikanischen Gesellschaft 1880 nach Tripolis und

von da mit Rohlfs nach Abessinien. Während Rohlfs nach Europa

zurückkehrte, nahm S. den Tsanasee kartographisch auf, kam

1881 nach Godscham, drang von da bis in die Gallaländer,

geriet aber in die Gefangenschaft des Königs Menelik von

Schoa. Auf Verwendung Antinoris freigegeben, nahm S. noch einige

Seen in Abessinien auf und kehrte 1883 nach Europa zurück. Er

starb 15. April 1888 in seinem Geburtsort an der

Lungenschwindsucht.

Steckling (Stopfer), ein beblätterter, halbreifer

oder junger Zweig einer Pflanze, den man in die Erde steckt, damit

er sich bewurzele und dann zu einer neuen, selbständigen

Pflanze sich entwickle. Man schneidet ihn dicht unter einem Auge

(bei Verbenen mit Beibehaltung eines Stückchens vom Stiel),

schneidet einige der untern Blätter ab und steckt ihn in Sand

oder Torfmull. Für die schwierigen Pflanzen oder für eine

Vermehrung in großartigem Maßstab hat man kalte,

halbwarme und warme Vermehrungshäuser und benutzt doppeltes

Glas, d. h. im Vermehrungshaus (auch Wohnzimmer) noch Glasscheiben

oder Glasglocken auf den Stecklingstöpfen oder Schalen;

gleichmäßige Feuchtigkeit und Beschattung gegen

brennende Sonnenstrahlen verhindern das Verwelken und Abtrocknen,

zeitweises Lüften des innern Glases das Faulen. Stecklinge von

Pflanzen mit starkem Saft oder Milchsaft steckt man in Sand mit

stehendem Wasser.

Steckkmuschel (Pinna L.), Gattung aus der Familie der

Miesmuscheln (Mytilidae), mit schiefdreieckigen, vorn spitzen,

hinten klaffenden, dünnen Schalen. Die Steckmuscheln stecken

mit dem spitzen Ende im Schlamm oder Sand und sind durch feine

Byssusfäden an der Umgebung befestigt. Die größte

Art ist die 70 cm lange schuppige S. (Pinna squamosa Gm.), im

Südlichen Ozean und im Mittelländischen Meer. Diese und

die nur 30 cm lange edle S. (P. nobilis L.), im

Mittelländischen und Atlantischen Meer, werden namentlich im

Busen von Tarent gefischt. Den 10-25 cm langen, goldbraunen Bart

verspinnt man mit Seide und fertigt feine und haltbare Handschuhe,

Geldbeutel etc. daraus (s. Byssus). Hin und wieder findet man

wertlose Perlen von brauner Farbe in ihr. Im Altertum fabelte man

von dem sogen. Muschelwächter (Pinnotheres), einem Krebs,

welcher seinen Wirt, die Pinna, vor Gefahren warnen, dafür

aber in ihr wohnen sollte. Die letztere Angabe ist richtig, die

erstere grundlos.

Stecknadeln, s. Nadeln.

Stecknetz (Doppelgarn), Netz zum Fang von

Rebhühnern, Fasanen und Wachteln, gewöhnlich 15 bis 16 m

lang und 35 cm hoch, welches aus zwei spiegelig gestrickten

Außengarnen und einem in der Mitte liegenden Innengarn mit

engern Maschen besteht. Wenn Hühner gesprengt sind und man

dieselben sich zusammenlocken hört, so stellt man zwischen

ihnen die Stecknetze mittels Stellstäbchen auf und lockt sie

dann mittels einer Hühnerlocke (s. d.) zusammen. Wenn sie

durch die Maschen des Außengarns durchkriechen, so bleiben

sie in dem faltigen (busigen) Innengarn hängen. In gleicher

Weise kann man auch die Steckgarne an das Ende nicht zu breiter

Kartoffelstücke und an Hecken stellen und die Hühner

hineintreiben. Der Fang mit diesen Garnen ist leicht, die

Hühner werden jedoch dabei gewöhnlich so beschädigt,

daß man sie nicht lebend aufbewahren kann. Über den Fang

der Wachteln im S. s. Wachtel.

Steckknitz, Fluß im Kreis Herzogtum Lauenburg der

preuß. Provinz Schleswig-Holstein, entspringt aus dem

Möllnsee und fließt in die Trave, ist kanalisiert und

mit der in die Elbe mündenden Delvenau in Verbindung gesetzt,

so daß nun die ganze (56 km lange) Schiffahrtsstrecke

zwischen der Elbe und Trave Stecknitzkanal heißt.

253

Steckrübe - Steen.

Steckrübe, s.Raps.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 72 / 302 段