die Flimmerbewegung der Lungenepithelien zurück nach der
Luftröhre geführt und von hier durch Räuspern und
Husten ausgeworfen. Ist die eingeatmete Menge zu groß, so
wird ein Teil der feinsten Körnchen von der Lunge aufgenommen
und bleibt entweder in ihrem Gewebe selbst oder in den
Lymphgefäßen und Drüsen dauernd haften. Am
auffallendsten bemerkbar ist der Kohlenstaub, welcher beim
Lampenbrennen, Kohlen-, Holz- und Torffeuern, kurz überall
entsteht, wo unvollkommene Verbrennung irgend welcher Art vor sich
geht, also auch beim Tabaksrauchen, wenngleich in weit geringerm
Maß, als von den Gegnern des Rauchens angegeben wird.
Während die Lungen der Wilden und der im Freien lebenden Tiere
(nicht der Haustiere) ganz frei davon sind, findet sich bei den
Kulturmenschen und den unter gleichen Verhältnissen lebenden
Haustieren ein gewisser Grad von Schwarzfärbung
(Pigmentierung) der Lunge. Zu einer wirklichen Krankheit, der
Staubeinatmungskrankheit, gibt die Verunreinigung der Luft
Anlaß, wenn infolge gewisser Umstände die Luft mit Staub
geradezu überladen ist und die Einatmenden infolge ihrer
gewerblichen Thätigkeit gezwungen sind, derselben sich
fortwährend oder einen großen Teil des Tags auszusetzen.
So sind dem Kohlenstaub exponiert die Stein- und
Braunkohlenarbeiter, auch manche mit der Holzkohlenfabrikation
beschäftigte Arbeiter, dem Sandstaub oder den Kieselpartikeln
die Steinhauer und Schleifer, dem Eisenstaub die Schmiede,
Feilenhauer, Stahlschleifer, Spiegelglaspolierer, dem Tabaksstaub
die Tabaksarbeiter, dem Farbenstaub die Farbenarbeiter, der
kieselsauren Thonerde die Ultramarinarbeiter etc. Den Nachweis,
daß diese Substanzen wirklich in die Lunge eindringen,
liefert die anatomische, mikroskopische und chemische Untersuchung
der Lungen. Die Folgen der Staubinhalation bestehen in diesen
Fällen zunächst in Hyperämie und Katarrh der
Luftröhrenverzweigungen mit fortwährendem Räuspern,
Husten und Auswurf; weiterhin gesellt sich eine wirkliche
chronische Entzündung des Lungengewebes hinzu, welches seine
Elastizität mehr oder weniger verliert und sich bis zu einem
Grade, daß es unter dem Messer knirscht, verhärtet;
schließlich geht der Zustand in eine Verödung des
Lungengewebes über. Die Überladung des Lungengewebes mit
Kohlenpigment nennt man Anthrakosis, die mit Eisenpartikelchen
Pneumonosiderosis. Vgl. Hirt, Die Staubinhalationskrankheiten
(Leipz. 1871); Eulenberg, Handbuch der Gewerbehygieine (Berl.
1876); Merkel, Staubinhalationskrankheiten (in Ziemssens Handbuch,
Leipz. 1882).
Stäuben, das Fallenlassen des Kotes bei
Feldhühnern.
Staubbewässerung, s. Bewässerung, S. 859.
Staubfaden, s. Staubgefäße.
Staubfiguren, elektrische, s. Lichtenbergsche
Figuren.
Staubgefäße (Stamina, Staubblätter), die
den Blütenstaub erzeugenden Teile der Blüte bei allen
phanerogamen Pflanzen, bilden zusammen in einer Blüte den
männlichen Geschlechtsapparat (Andröceum) derselben und
entstehen wie die übrigen Blattgebilde der Blüte als
seitliche Höcker unterhalb des im Wachstum befindlichen
Scheitels der jungen Blütenanlage. Von besonderer Wichtigkeit
ist außer der Zahl die Verzweigung und die Verwachsung der S.
Verzweigte S. entstehen dadurch, daß an der jungen
Staubblattanlage neue Höcker auftreten, die zu einem
Büschel von Staubgefäßen auswachsen, während
das gemeinsame Fußstück sehr kurz bleibt; es tritt dies
z. B. bei den Staubblättern von Hypericum ein, die in Gruppen
von drei oder fünf in jeder Blüte zusammenstehen, aber
durch Verzweigung aus drei oder fünf ursprünglich
einfachen Staubblattanlagen hervorgegangen sind. Die Spaltung
(Chorise, dédoublement) der Staubblätter ist eine sehr
früh eintretende Teilung einer Staubblattanlage in zwei
später völlig getrennte Staubblätter, wie bei den
Staubgefäßen der Kruciferen. Verwachsene
Staubblätter entstehen durch seitliche Verschmelzung von
Staubblattanlagen, wie z. B. beim Kürbis. Die S. bestehen in
der Regel aus einem stielförmigen Träger, dem Staubfaden
(Filament), und einem durch eine Furche in zwei
Längshälften geteilten angeschwollenen Teil, dem
Staubbeutel (Anthere). Wenn sämtliche Staubfäden der
Blüte in ein einziges Bündel vereinigt sind, so nennt man
die S. einbrüderig (stamina monadelpha). So sind z. B. in der
männlichen Blüte des Kürbisses die S. in eine im
Mittelpunkt stehende Säule vereinigt. In den
Zwitterblüten dagegen bilden die einbrüderigen S. eine
Röhre um den in der Mitte stehenden Stempel (Fig. 1). Sind sie
in zwei oder mehrere Partien vereinigt, so werden sie
zweibrüderig (s. diadelpha) und vielbrüderig (s.
polyadelpha) genannt. Ersteres ist z. B. bei den Fumariaceen,
letzteres bei den Hypericineen Regel, wo die S. in drei Bündel
vereinigt sind (Fig. 2). Einen besondern Fall von
Zweibrüderigkeit bieten viele Schmetterlingsblütler,
indem hier von den zehn vorhandenen Staubgefäßen neun zu
einer gespaltenen Röhre verbunden sind, während das 10.
Staubgefäß vor der Spalte der Röhre frei steht
(Fig. 3). Bei manchen Pflanzen haben die Staubfäden
verschiedene Länge; wo zwei Kreise von Staubgefäßen
vorkommen, sind häufig die des einen kürzer als die des
andern. Bei den Kreuzblütlern finden sich sechs S.; von diesen
sind vier die längern, zwei andre, welche einem
äußern Kreis angehören und links und rechts stehen,
sind kürzer (viermächtige S., s. tetradynama). Bei vielen
Lippenblütlern und Skrofularineen gibt es zwei lange und zwei
kurze, sogen. zweimächtige S. (s. didynama). - Der Staubbeutel
ist ein meist aus zwei Fächern (thecae) bestehendes Gebilde,
in dessen Innenraum der Blütenstaub (Pollen) enthalten ist.
Fig. 4 versinnlicht den Durchschnitt durch einen jungen
Staubbeutel; der Teil, welcher die beiden Fächer
verknüpft, heißt Zwi-
Fig. 1. Einfache Staubgefäßröhre der Malve. Fig.
2. Vielbrüderige Staubgefäße. Fig. 3.
Zweibrüderige Staubgefäße einer
Schmetterlingsblüte. Fig. 4. Durchschnitt eines
Staubbeutels
247
Stäubling - Staubregen.
schenband oder Konnektiv (connectivum). Jedes Fach besteht aus
zwei durch eine Scheidewand getrennten, nebeneinander liegenden
Pollensäcken. Später wird diese Scheidewand
aufgelöst, und jedes Fach stellt dann eine einfache
Höhlung dar. Über den Blütenstaub s. Pollen und
Geschlechtsorgane der Pflanzen. Der Staubfaden ist entweder an das
untere Ende des Konnektivs angesetzt (basifix), oder er geht an
einem höhern Punkt in dasselbe über (dorsifix). Das
Konnektiv ist entweder gleichmäßig schmal, so daß
die beiden Fächer der Länge nach parallel nebeneinander
stehen, wobei es sich in irgend einer Form als sogen.
Konnektivfortsatz über die Antheren fortsetzen kann, z. B. bei
der Gattung Paris (Fig. 5), oder das Konnektiv ist zwischen den
Fächern in der Breite ausgedehnt, so daß die letztern
voneinander entfernt werden, bald nur mäßig, und dann
unten oft weit stärker als oben, so daß die Fächer
mehr und mehr in eine Linie zu liegen kommen, bald sehr
beträchtlich, so daß es einen Querbalken bildet, an
dessen Enden die Fächer sitzen (z. B. bei Salvia, Fig. 6),
oder auch wie eine Spaltung des Staubfadens erscheint, deren beide
Äste je ein Staubbeutelfach tragen, wie z. B. bei der
Hainbuche, bei der Haselnuß, bei den Malven. Eine
Eigentümlichkeit zeigen die Staubbeutel der
Kürbisgewächse, insofern hier die beiden Fächer
unregelmäßig gewunden sind (Fig. 7). Auch die
Staubbeutel können untereinander in eine Röhre vereinigt
sein, während ihre Staubfäden frei sind, wie bei den
Kompositen, die aus diesem Grund auch Synantheren, d. h.
Verwachsenbeutelige, genannt werden (Fig. 8a und b). Behufs
Ausstreuung des Blütenstaubes öffnen sich die beiden
Antherenfächer zur Blütezeit in bestimmter Weise,
gewöhnlich so, daß die Wand jedes Faches eine
Längsspalte bekommt; selten treten Querspalten auf, wie z. B.
bei der Tanne. Danach unterscheidet man die Staubbeutel als
antherae longitudinaliter und transverse dehiscentes. Diese Spalten
liegen meist an der dem Mittelpunkt der Blüte zugekehrten
Seite des Staubbeutels (antherae introrsae), bisweilen aber auch
dem Umfang der Blüte zugewendet (a. extrorsae), wie bei den
Schwertlilien, oder auch an der Seite, z. B. bei Ranunculus. Eine
andre Art des Öffnens ist die mittels Klappen (a. valvatim
dehiscentes), indem eine gewisse Stelle der Antherenwand als Deckel
sich von untenher abhebt, wie z. B. bei Berberis. Oder endlich
jedes Fach öffnet sich mittels eines meist an der Spitze
liegenden Loches (a. porose dehiscentes), wie bei der Kartoffel.
Das Öffnen der mit Spalten aufspringenden Staubbeutel wird
ermöglicht durch den Bau der Antherenwand. Diese besteht
nämlich aus zwei Zellenschichten: einer kleinzelligen
Epidermis und einer unter derselben liegenden Schicht weiterer
Zellen. Letztere sind an ihrer nach innen gekehrten Wand mit ring-
oder netzförmigen Verdickungsschichten ausgestattet, welche
wegen ihrer relativen Starrheit dieser Zellwand keine erhebliche
Zusammenziehung beim Austrocknen gestatten. Dagegen ist die an die
Epidermis stoßende Zellwand nicht verdickt; sie zieht sich
wie die Epidermis bei Wasserverlust stark zusammen. Da somit also
beide Seiten der Antherenwand beim Austrocknen verschiedene
Dimensionen annehmen, so muß dieselbe sich krumm werfen
dergestalt, daß die stärker sich zusammenziehende Seite,
d. h. die äußere, konkav wird, und somit gehen die
Wände auseinander. Die Spalte ist schon vorher angelegt, indem
in der Ausdehnung, in welcher sie entstehen soll, eine Partie von
Zellen zu Grunde geht, so daß dort das Durchreißen der
Wand den geringsten Widerstand findet. Die Ursache des Öffnens
der Antheren ist also das Austrocknen ihrer Wand; daher öffnen
sie sich beim Befeuchtetsein nicht und können durch Benetzen
mit Wasser wieder zum Schließen gebracht werden. Trocknes
Wetter ist daher der Befruchtung der Blüten und somit der
Samenbildung entschieden günstiger als nasses. - Bisweilen
werden gewisse Staubblätter regelmäßig
unvollständig ausgebildet, indem sie keinen Blütenstaub
enthalten. Derartige Staminodien können in verschiedenen
Formen auftreten, bei den Skrofularineen ist von fünf
Staubgefäßen eins bisweilen als bloßer Faden oder
als Schüppchen ausgebildet. Bei den Laurineen nimmt oft ein
ganzer Kreis von Staubblättern die Form von Staminodien in
Gestalt drüsenartiger Gebilde an. Bei der Parnassia palustris
folgt auf den einfachen Kreis der S. ein andrer von Staminodien,
welche hier als Nektarien (s. d.) ausgebildet sind, indem sie
schuppenförmige Blätter mit langen Wimpern darstellen,
deren jede mit einer kopfförmigen, honigtropfenähnlichen
Drüse endigt. Vgl. auch den Art. Blüte.
Stäubling, s. v. w. Lycoperdon.
Staubregen, die meist trocknen Niederschläge der
Atmosphäre, deren Substanz teils von der Erde aus mit den
aufsteigenden Luftströmungen in die höhern Gegenden der
Atmosphäre gelangt, sich mit dem Wind bis auf große
Strecken von dem Ort ihres Aussteigens entfernt und entweder
zugleich mit dem Regen und Schnee niederfällt, oder sich als
Staub (s. Passatstaub) oder trockner Nebel (s. Nebel und Herauch)
und Trübung der Atmosphäre niedersenkt, teils einen
kosmischen Ursprung hat, indem sie aus zu feinem Staub zerfallenen
oder zerriebenen Teilchen von Sternschnuppen und Feuerkugeln
bestehen kann, welche tief in die Erdatmosphäre hineingetaucht
sind, teils endlich Teile von kosmischen Staubmassen bildet, welche
im Weltenraum sich bewegen, und denen die Erde zuweilen in ihrer
Bahn begegnet. Zu den S. irdischen Ursprungs gehören folgende:
1) Die sogen. Blutregen (Blutquellen), die schon von den alten
Schriftstellern, wie unter andern von Livius und Plinius,
häufig erwähnt werden und im Mittelalter zu vielen
abergläubischen Ansichten Anlaß gaben. Die Nachrichten
über diese Blutregen beziehen sich aber meist nicht auf
trockne, sondern auf flüssige oder schleimige Massen, welche
als rote Flecke auftreten, den Boden, die Pflanzen und das Wasser
rot färben
248
Staubspritze - Staudt.
und ihren Ursprung in den Exkrementen von gewissen Insekten, wie
Bienen, Schmetterlingen etc., auch in dem Auftreten der
Blutregenalge (Protococcus pluvialis) haben. 2) Die roten S., d. h.
wirklicher Regen, welcher durch aufgewirbelten Staub rot
gefärbt ist, ereignen sich am häufigsten im Frühling
und Herbst, zur Zeit der Äquinoktialstürme. Auch der
Schnee kann durch solchen roten Staub rot gefärbt werden und
als erdiger roter Schnee niederfallen. Diese Färbung des
Schnees durch roten Staub muß aber nicht mit der oft
wahrgenommenen Färbung verwechselt werden, welche sich
öfters über größere Schneeflächen der
Polargegenden verbreitet, auch auf den Alpen und Pyrenäen
vorkommt und unter dem Namen Blutschnee (s. d.) bekannt ist. 3) Bei
den vulkanischen S. (meist grau) wird die Asche der Vulkane vom
Wind bis auf sehr weite Entfernungen fortgetrieben (Hekla,
westindische Vulkane). Ein auffallendes Beispiel dafür bot die
neueste Zeit, indem die in den letzten Monaten 1883 und 1884 in
Europa vielfach beobachteten eigentümlichen
Dämmerungs-Erscheinungen sowie das häufige Auftreten von
ungewöhnlich starkem Abend- und Morgenrot und das Bilden eines
braunroten Ringes um die Sonne als Folge des vulkanischen Ausbruchs
nachgewiesen sind, welcher 27. Aug. 1883 auf dem Krakatoa in der
Sundastraße erfolgte. 4) Schwefelregen (gelb), d. h. das
Herabfallen eines gelben oder gelblichroten Pulvers, meistens in
Begleitung von wirklichem Regen. Göppert hat nachgewiesen,
daß das gelbe Pulver aus vom Wind fortgeführtem und vom
Regen niedergeschlagenem Blütenstaub besteht, und zwar im
März und April aus Blütenstaub von Erlen und
Haselnuß, im Mai und Juni von Fichtenarten, Wacholder und
Birke, im Juli, August und September von Bärlappsamen, Rohr-,
Liesch- oder Teichkolben. 5) Getreideregen entstehen dadurch,
daß der Regen die kleinen Wurzelknollen gewisser Pflanzen,
wie des kleinen Schöllkrauts (Chelidonium minus), der
Butterblume (Ranunculus Ficaria), des epheublätterigen
Ehrenpreis (Veronica hederaefolia) u.a., aus dem Boden
ausspült und diese dann durch den Wind von ihrem Ursprungsort
weit fortgeführt werden und später zu Boden fallen. - Von
den kosmischen S. hat man erst in neuerer Zeit einige Kenntnis
erlangt. Am 1. Jan. 1869 war in Heßle bei Upsala ein
Meteorit, der aus zahlreichen weithin zerstreuten Stücken
bestand, niedergefallen und mit ihm zugleich ein schwarzer, Kohle
und metallisches Eisen enthaltender Staub (Meteorstaub). Ganz
dieselbe Zusammensetzung zeigte der Staub, welcher während
eines sechstägigen ununterbrochenen Schneefalls in Stockholm
im Dezember 1871 im Schnee gefunden wurde, und ebenso der
gleichzeitig im Innern Finnlands auf dem Schnee gesammelte Staub.
Es kann aber auch wohl vorkommen, daß Schnee und Regen
kosmischen Staub mit sich in kleinen Mengen zur Erde
herunterführen. Die wenigen kohlehaltigen Meteorsteine (s. d.,
S. 541), die wir kennen, zerfallen nämlich in unmerklichen
Staub, sobald sie mit Wasser oder Feuchtigkeit (Regen, Schnee,
Wolken) in Berührung kommen, wobei ihre Kittsubstanz
aufgelöst wird.
Staubspritze, s. v. w. Drosophor, s.
Zerstäubungsapparate.
Staubstrommethode, metallurgisches Verfahren, welches
darin besteht, daß zwei Ströme derjenigen Körper,
welche chemisch aufeinander einwirken sollen, sich in feinster
Verteilung entgegenkommen und durchdringen. Dies Prinzip ist zuerst
im Gerstenhöferschen Röstofen zur Anwendung gekommen, bei
welchem gepulverte Erze, durch Bänke aufgehalten, langsam
durch einen vorher stark geheizten Schachtofen fallen, während
von unten Luft in den Ofen strömt. Die Reaktion ist hierbei
sehr energisch, die durch Verbrennung entstandene schweflige
Säure passiert Flugstaubkammern und gelangt dann in die
Bleikammern zur Schwefelsäureerzeugung. Man benutzt den Ofen
zum Rösten von schwefelkiesreichen Erzen, Kupferrohstein,
Zinkblende etc. Ähnliche Versuche sind in Amerika bei der
Silbergewinnung gemacht worden, indem Stetefeldt mit seinem hohen
Schachtofen den Erzstaub frei, ohne daß er durch Bänke
aufgehalten wird, dem Luftstrom entgegenfallen läßt.
Auch hat man in ähnlicher Weise staubförmige
Brennmaterialien verwertet. Gemahlene und gebeutelte Holzkohle wird
durch einen Ventilator in einem Luftstrom angesogen und in einer
passenden Vorrichtung oder im Ofen selbst verpufft. Nach diesem
Prinzip sind der Eisenstreckofen von Resch, der Doppelzinkofen von
Dähn und der rotierende Puddelofen von Crampton eingerichtet,
wobei indessen Staub- und Luftstrom meist dieselbe Richtung
haben.
Staude, s. v. w. perennierende Pflanze, s.
Ausdauernd.
Staudenmaier, Franz Anton, kath. Theolog, geb. 11. Sept.
1800 zu Donsdorf in Württemberg, studierte im Wilhelmsstift zu
Tübingen, trat 1826 in das Priesterseminar zu Rottenburg,
folgte 1830 einem Ruf als Professor der katholischen Theologie nach
Gießen und 1837 nach Freiburg i. Br., wo er 1843 auch zum
Domkapitular ernannt wurde. Seit 1855 zurückgetreten, starb er
19. Jan. 1856. Unter seinen zahlreichen Schriften, in denen er eine
spekulative Konstruktion des Katholizismus anstrebte, sind
hervorzuheben: "Johann Scotus Erigena" (Frankf. 1834, Bd. 1); "Der
Geist des Christentums" (Mainz 1835; 8. Aufl. 1880, 2 Bde.);
"Darstellung und Kritik des Hegelschen Systems" (das. 1844); "Die
christliche Dogmatik" (Freiburg 1844-52, 4 Bde.); "Zum
religiösen Frieden der Zukunft" (das. 1846-51, 3 Tle.).
Staudenpappel, s. Lavatera.
Staudensalat, s. Lattich.
Staudigl, Joseph, Opernsänger (Baß), geb. 14.
April 1804 zu Wöllersdorf in Niederösterreich, wollte
sich im ersten Jünglingsalter dem geistlichen Stand widmen,
wandte sich dann nach Wien, um Chirurgie zu studieren, und
beschloß endlich, zunächst um seine materielle Lage zu
verbessern, seine herrliche Baßstimme auf der Bühne zu
verwerten. Anfangs als Chorist am Kärntnerthor-Theater
wirksam, gelang es ihm, in der Rolle des Pietro ("Stumme von
Portici") die er an Stelle des erkrankten Inhabers übernommen,
die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken, und infolge
des Beifalls, den er bei dieser Gelegenheit errang, wurden ihm nach
und nach immer größere Partien übertragen, bis er
endlich im Besitz aller ersten Rollen war. Von Wien aus, wo er bis
1856 dem Hofoperntheater angehörte, verbreitete sich sein Ruf
über ganz Deutschland, und nicht minder wurden seine
Leistungen in London anerkannt, dies um so mehr, da S. auch als
Oratorien- und Liedersänger glänzte und überdies die
englische Sprache vollkommen beherrschte. Er starb nach
fünfjähriger Krankheit 28. März 1861 in der
Irrenanstalt von Michelbeuerngrund.
Staudt, Karl Georg Christian von, Mathematiker, geb. 24.
Jan. 1798 zu Rothenburg a. Tauber, war 1822-27 Professor am
Gymnasium und Privatdozent an der Universität zu
Würzburg, 1827-33 Professor am Gymnasium und der
polytechnischen
249
Stauen - Staupitz.
Schule zu Nürnberg, von 1833 bis zu seinem Tod 1. Juli 1867
Professor an der Universität Erlangen. Staudts Verdienst
beruht namentlich in der Ausbildung der synthetischen Methoden in
der Geometrie, die er in seinem Hauptwerk: "Geometrie der Lage"
(Nürnb. 1847), und in den dazu gehörigen "Beiträgen"
(das. 1856, 1857, 1860) niedergelegt hat.
Stauen, das Unterbringen der Ladung im Schiffsraum, um
diesen möglichst auszunutzen und den Schwerpunkt von Schiff
und Ladung zusammen in eine solche Lage zu bringen, daß
ersteres hinreichende Stabilität hat. Gerät der
Schwerpunkt von Schiff und Ladung durch unsachgemäßes S.
in eine zu hohe Lage, so wird das Schiff zu "oberlastig" und
verliert an der für seine Sicherheit gegen Kentern notwendigen
Stabilität. Auch muß die Ladung so gestaut werden,
daß sie bei den heftigen Bewegungen des Schiffs im Seegang
ihre Lage nicht ändern kann. S. heißt auch das
Zurückhalten fließender Gewässer durch Schleusen,
Dämme und sogen. Stauwerke.
Staufen, Stadt im bad. Kreis Freiburg (Breisgau), am
Fuß des Schwarzwaldes, 290 m ü. M., hat eine kath.
Kirche, ein altertümliches Rathaus, ein Amtsgericht, Tuch-,
Filz- und Gummibandweberei, Weinbau und (1885) 1820 Einw. In der
Nähe die Ruinen der Staufenburg.
Staufen (Staufer), deutsches Kaisergeschlecht, s.
Hohenstaufen.
Staufenberg (Ritter von S.), altdeutsches Gedicht von
einem unbekannten elsässischen Dichter, wahrscheinlich aus dem
Anfang des 14. Jahrh., wurde im 16. Jahrh. von Fischart
überarbeitet und von Engelhardt (Straßb. 1823) und
Jänicke (in "Altdeutsche Studien", Berl. 1871) neu
herausgegeben.
Staufenburg, Ruine; Name mehrerer Ruinen, z. B. bei
Staufen und Gittelde (s. d.).
Stauffacher, Werner, nach der Sage von der Gründung
der schweizerischen Eidgenossenschaft ein wohlhabender Landmann aus
Schwyz, der sich auf das Zureden seiner Gemahlin Margareta Herlobig
an die Spitze der Erhebung der Waldstätte gegen die Vögte
Albrechts I. stellte und 1307 die Verschwörung im Rütli
stiftete. Ein Werner S. erscheint urkundlich als Landammann von
Schwyz 1313 und 1314.
Stauffenberg, Franz August, Freiherr Schenk von,
deutscher Politiker, geb. 4. Aug. 1834 zu Würzburg, studierte
in Heidelberg und Würzburg die Rechte, war bis 1860 als
Staatsanwalt in bayrischem Staatsdienst und lebte seitdem auf
seinem Gut Geißlingen bei Balingen in Württemberg. Seit
1866 Mitglied des bayrischen Abgeordnetenhauses, 1873-75
Präsident desselben, Führer der bayrischen
Fortschrittspartei, ward er 1868 in das Zollparlament, 1871
für München in den deutschen Reichstag gewählt,
schloß sich der nationalliberalen Partei an und war 1876-1879
erster Vizepräsident des Reichstags. 1880 schied er aus der
nationalliberalen Partei aus, ward Mitglied der liberalen
Vereinigung (Sezessionisten) und 1884 der deutschen freisinnigen
Partei.
Staunton (spr. stahnt'n), Stadt im nordamerikan. Staat
Virginia, Grafschaft Augusta, an einem Nebenfluß des
Shenandoah, mit großem Irrenhaus, Staatsanstalt für
Taubstumme und Blinde und (1880) 6664 Einw.; wird von Touristen
viel besucht.
Staunton (spr. stahnt'n), 1) Sir George Leonhard,
Reisender, geb. 1740 zu Galway in Irland, ging 1762 als Arzt nach
Westindien, dann nach Ostindien und begleitete 1792-94 Macartney
auf seiner Gesandtschaftsreise nach China, die er im "Account of an
embassy from the king of Great Britain to the emperor of China"
(Lond. 1791; deutsch, Zürich 1798) beschrieb. Er starb 14.
Jan. 1801 in London.
2) Sir George Thomas, Reisender, Sohn des vorigen, geb. 26. Mai
1781 zu London, begleitete seinen Vater 1792 nach China, studierte
dann in Cambridge, wurde 1799 bei der Faktorei der Ostindischen
Gesellschaft in Kanton angestellt und leistete bei den von 1814 bis
1817 zwischen England und China gepflogenen Verhandlungen wichtige
Dienste. Nach London zurückgekehrt, widmete er sich
litterarischen Arbeiten und übersetzte namentlich vieles aus
dem Chinesischen, z. B. den Kriminalkodex des chinesischen Reichs
(Lond. 1810; franz., Par. 1812, 2 Bde.). Er war bis 1852 Mitglied
des Unterhauses und starb 10. Aug. 1859 in London.
3) Howard, engl. Schriftsteller und berühmter
Schachspieler, geb. 1810, studierte zu Oxford, widmete sich dann in
London der journalistischen Thätigkeit und trug 1843 in einem
großen Schachspielwettkampf zu Paris über den Franzosen
Saint-Amant den Sieg davon, was ihm mit Einem Schlag den Ruf des
ersten Schachspielers in Europa verschaffte. Er erfreute sich
desselben bis zu dem großen Londoner Turnier 1851, aus
welchem der Deutsche Anderssen (s. d.) als erster Sieger
hervorging, und vermied es seitdem, an öffentlichen
Wettkämpfen teilzunehmen. S. starb 22. Juni 1874. Von seinen
Schriften über das Schachspiel wurde das Handbuch ("Laws and
practice of chess") mehrfach aufgelegt (neue Ausg. von Wormald,
1881). Auch leitete er lange Jahre die Schachrubrik in den
"Illustrated London News". Im übrigen beschäftigte er
sich mit dem Studium der ältern englischen Dramatiker und war
als Kommentator bei der Herausgabe einer der besten
Shakespeare-Ausgaben (Edition Routledge) beteiligt. Noch
veröffentlichte er "Great schools of England" (2. Aufl. 1869)
u. a.
Staupe, s. Hundsseuche und Pferdestaupe; böse S., s.
v. w. Epilepsie.
Staupenschlag (Staupbesen, lat. Fustigatio), die
früher gewöhnlich mit der Landesverweisung und mit
Ausstellung am Pranger verbundene Strafe des Auspeitschens bei
welcher der Delinquent vom Henker durch die Straßen
geführt und auf den entblößten Rücken
gepeitscht wurde.