selnde Größe und erscheinen kugelig, oval, linsen-

oder spindelförmig, mitunter, wie im Milchsaft der Euphorbien,

auch stabartig mit angeschwollenen Enden, in andern Fällen

durch gegenseitigen Druck polyedrisch. Nicht selten treten mehrere

Körner zu einem abgerundeten Ganzen zusammen (zusammengesetzte

Stärkekörner). Im Wasser liegende Stärkekörner

lassen eine deutliche Schichtung (Fig. 1a) erkennen, welche dadurch

hervorgerufen wird, daß um eine innere, weniger dichte

Partie, den sogen. Kern, Schichten von ungleicher Lichtbrechung

schalenartig gelagert sind; der Kern liegt nur bei kugeligen

Körnern genau im Mittelpunkt, meist ist er exzentrisch, und

die ihn umgebenden Schichten haben dem entsprechend ungleiche

Dicke. Die Schichtung wird durch verschiedenen Wassergehalt und

entsprechend verschiedene Lichtbrechung der Schichten verursacht,

weshalb auch trockne oder in absolutem Alkohol liegende Körner

ungeschichtet erscheinen. In polarisiertem Licht zeigen alle

Stärkekörner ein helles, vierarmiges Kreuz, dessen

Mittelpunkt mit dem Schichtungszentrum zusammenfällt, und

verhalten sich demnach so, als wenn sie aus einachsigen

Kristallnadeln zusammengesetzt wären. Mit Jodlösung

färben sich je nach Konzentration derselben die

Stärkekörner mit wenigen Ausnahmen indigoblau bis

schwarz, eine Reaktion, durch welche sich auch sehr geringe

Stärkemengen in Gewebeteilen nachweisen lassen. In kaltem

Wasser sind die Körner unlöslich, quellen aber in warmem

Wasser auf und lösen sich zuletzt beim Kochen auf. Nach

Einwirkung von Speichel oder von verdünnten Säuren bleibt

ein substanzärmeres Stärkeskelett zurück, das sich

mit Jod nicht mehr blau, sondern violett oder gelb färbt, so

daß die Annahme zweier verschiedener Substanzen (von

Nägeli als Granulose und Cellulose bezeichnet) naheliegt;

jedoch scheint die Annahme einer unter diesen Umständen

eintretenden Umwandlung der S. in Amylodextrin wahrscheinlicher.

Die S. tritt in den verschiedenartigsten Geweben aller Pflanzen mit

Ausnahme der Pilze und einiger Algen (Diatomeen und Florideen) auf;

bei letztern wird sie jedoch durch eine ähnliche Substanz

(Florideenstärke) vertreten, welche sich mit Jod gelb oder

braun färbt und direkt aus dem Zellplasma hervorgeht. Auch im

Zellinhalt von Euglena kommen stärkeähnliche, mit Jod

jedoch sich nicht färbende Körner (Paramylon) vor.

Endlich tritt in den Epidermiszellen einiger höherer Pflanzen

eine mit Jod sich blau oder rötlich färbende Substanz in

gelöster Form (lösliche S.) auf. In allen übrigen

Fällen ist das Auftreten der S. in der beschriebenen

Körnerform die Regel. Sehr reich an S. sind die als

Stoffmagazine dienenden Gewebe der Samen, Knollen, Zwiebeln und

Rhizome sowie die Markstrahlen und das Holzparenchym im

Holzkörper der Bäume. Diese Reservestärke

unterscheidet sich durch ihre Großkörnigkeit von der

feinkörnigen, im assimilierenden Gewebe auftretenden S. (s.

Ernährung der Pflanzen). Die Bildung der S. erfolgt entweder

innerhalb der Chlorophyllkörner und andrer

Farbstoffkörper, oder sie entsteht aus farblosen

Plasmakörnern, den Leukoplasten oder Stärkebildnern. Die

letztern treten besonders in solchen chlorophyllfreien Geweben auf,

in welchen die Assimilationsprodukte in Reservestärke

übergeführt werden, wie in vielen stärkemehlhaltigen

Knollen; in diesen werden die kleinen Stärkekörner von

den Leukoplasten fast ganz eingehüllt, während letztere

den großen, exzentrisch gebauten Stärkekörnern nur

einseitig aufsitzen. Bei vielen Chlorophyllalgen, z. B. bei

Spirogyra, treten die Stärkemehlkörner an besondern

Bildungsherden im Umkreis von plasmatischen Kernen (Pyrenoiden)

auf. Das Wachstum der anfangs ganz winzigen Stärkekörner

erfolgt durch Einlagerung neuer Stärkemoleküle zwischen

die schon vorhandenen (Intussuszeption), während die

zusammengesetzten Stärkekörner sich durch

nachträgliche Verschmelzung und Umlagerung mit neuen Schichten

bilden. Die Auflösung der S. im Innern der Pflanzenzelle kommt

vorzugsweise durch Einwirkung von Fermenten zu stande, welche der

Diastase des keimenden Getreidekorns ähnlich sind. Im Leben

der Pflanze liefert die S. das Material für den Aufbau der

Zellwand. - Auch in chemischer Beziehung steht das Stärkemehl

(C6H10O5) in naher Verwandtschaft zu andern Kohlehydraten, wie der

Cellulose, den Zuckerarten, dem Dextrin u. a. Die Umwandlung in

Dextrin und Zucker erfolgt besonders leicht durch Behandlung der S.

mit verdünnten Säuren, Diastase, Speichel, Hefe und

andern Fermenten. Bei 160° geht die S. in Dextrin über,

mit konzentrierter Salpetersäure bildet sie explosives

Nitroamylum (Xyloidin), mit verdünnter Salpetersäure

gekocht, Oxalsäure. Beim Erhitzen mit Wasser quillt die S. je

nach der Abstammung bei 47-57°, die Schichten platzen, und bei

55-87° (Kartoffelstärke bei 62,5°, Weizenstärke

bei 67,5°) entsteht Kleister, welcher je nach der

Stärkesorte verschiedenes Steifungsvermögen besitzt

(Maisstärkekleister größeres als

Weizenstärkekleister, dieser größeres als

Kartoffelstärkekleister) und sich mehr oder weniger leicht

unter Säuerung zersetzt.

Man gewinnt S. aus zahlreichen, sehr verschiedenen Pflanzen, von

denen Weizen, Kartoffeln, Reis (Bruchreis aus den

Reisschälfabriken) und Mais befonders wichtig sind. Wichtige

Objekte des Handels sind außerdem: Sago, Marantastärke

(Arrowroot), brasilische Maniokstärke, ostindische

Kurkumastärke und Kannastärke, letztere beiden ebenfalls

als Arrowroot im Handel. Zur Darstellung der Kartoffelstärke

werden die Kartoffeln, welche etwa 75 Proz. Wasser, 21 Proz. S. und

4 Proz. andre Substanzen enthalten, auf schnell rotierenden

Cylindern, die mit Sägezähnen besetzt sind, unter

Zufluß von Wasser möglichst fein zerrieben, worauf man

den Brei, in welchem die Zellen möglichst vollständig

zerrissen, die Stärkekörner also bloßgelegt sein

sollen, aus einem Metallsieb, auf welchem ein Paar Bürsten

langsam rotieren, unter Zufluß von Wasser auswäscht. Bei

größerm Betrieb benutzt man kontinuierlich wirkende

Apparate, bei denen der Brei durch eine Kette allmählich

über ein langes, geneigt liegendes Sieb transportiert und

dabei ausgewaschen und das

237

Stärke (Gewinnung aus Kartoffeln, Weizen, Reis, Mais).

auf den schon fast erschöpften Brei fließende Wasser,

welches also nur sehr wenig Stärkemehl aufnimmt, auch noch auf

frischen Brei geleitet wird. Der ausgewaschene Brei (Pülpe)

enthält 80-95 Proz. Wasser, in der Trockensubstanz aber noch

etwa 60 Proz. S. und dient als Viehfutter, auch zur

Stärkezucker-, Branntwein- und Papierbereitung; das

Waschwasser hat man zum Berieseln der Wiesen benutzt, doch gelang

es auch, die stickstoffhaltigen Bestandteile des

Kartoffelfruchtwassers für die Zwecke der Verfütterung zu

verwerten. Da die Pülpe noch sehr viel S. enthält, so

zerreibt man sie wohl zwischen Walzen, um alle Zellen zu

öffnen, und wäscht sie noch einmal aus. Nach einer andern

Methode schneidet man die Kartoffeln in Scheiben, befreit sie durch

Maceration in Wasser von ihrem Saft und schichtet sie mit

Reisigholz oder Horden zu Haufen, in welchen sie bei einer

Temperatur von 30-40° in etwa acht Tagen vollständig

verrotten und in eine lockere, breiartige Masse verwandelt werden,

aus welcher die S. leicht ausgewaschen werden kann.

Das von den Sieben abfließende Wasser enthält die

Saftbestandteile der Kartoffeln gelöst und S. und feine

Fasern, die durch das Sieb gegangen sind, suspendiert. Man

rührt es in Bottichen auf, läßt es kurze Zeit

stehen, damit Sand und kleine Steinchen zu Boden fallen

können, zieht es von diesen ab, läßt es durch ein

feines Sieb fließen, um gröbere Fasern

zurückzuhalten, und bringt es dann in einen Bottich, in

welchem sich die S. und auf derselben die Faser ablagert. Die obere

Schicht des Bodensatzes wird deshalb nach dem Ablassen des Wassers

entfernt und als Schlammstärke direkt verwertet oder weiter

gereinigt, indem man sie auf einem Schüttelsieb aus feiner

Seidengaze, durch deren Maschen die S., aber nicht die Fasern

hindurchgehen, mit viel Wasser auswäscht. Die Hauptmasse der

S. wird im Bottich wiederholt mit reinem Wasser angerührt und

nach jedesmaligem Absetzen von der obern unreinen S. befreit. Man

kann auch die rohe S. mit Wasser durch eine sehr schwach geneigte

Rinne fließen lassen, in deren oberm Teil sich die schwere

reine S. ablagert, während die leichtern Fasern von dem Wasser

weiter fortgeführt werden. Sehr häufig benutzt man auch

innen mit Barchent ausgekleidete Zentrifugalmaschinen, in welchen

sich die schwere S. zunächst an der senkrechten Wand der

schnell rotierenden Siebtrommel ablagert, während die leichte

Faser noch im Wasser suspendiert bleibt. Das Wasser aber entweicht

durch die Siebwand, und man kann schließlich die S. aus der

Zentrifugalmaschine in festen Blöcken herausheben, deren

innere Schicht die Faser bildet. Die feuchte (grüne) S.,

welche etwa 33-45 Proz. Wasser enthält, wird ohne weiteres auf

Dextrin und Traubenzucker verarbeitet, für alle andern Zwecke

aber auf Filterpressen oder auf Platten aus gebranntem Gips, die

begierig Wasser einsaugen, auch unter Anwendung der Luftpumpe

entwässert und bei einer Temperatur unter 60° getrocknet.

Man bringt sie in Brocken oder, zwischen Walzen zerdrückt und

gesiebt, als Mehl in den Handel. Bisweilen wird die feuchte S. mit

etwas Kleister angeknetet und durch eine durchlöcherte eiserne

Platte getrieben, worauf man die erhaltenen Stengel auf Horden

trocknet. Um einen gelblichen Ton der S. zu verdecken, setzt man

ihr vor dem letzten Waschen etwas Ultramarin zu.

Weizenstärke wird aus weißem, dünnhülsigem,

mehligem Weizen dargestellt. Derselbe enthält etwa 58-64 Proz.

S., außerdem namentlich etwa 10 Proz. Kleber und 3-4 Proz.

Zellstoff, welcher hauptsächlich die Hülsen des Korns

bildet. Die Eigenschaften des Klebers bedingen die Abweichungen der

Weizenstärkefabrikation von der Gewinnung der S. aus

Kartoffeln. Nach dem Halleschen oder Sauerverfahren weicht man den

Weizen in Wasser, zerquetscht ihn zwischen Walzen und

überläßt ihn, mit Wasser übergossen, der

Gärung, die durch Sauerwasser von einer frühern Operation

eingeleitet wird und namentlich Essig- und Milchsäure liefert,

in welcher sich der Kleber löst oder wenigstens seine

zähe Beschaffenheit so weit verliert, daß man nach 10-20

Tagen in einer siebartig durchlöcherten Waschtrommel die S.

abscheiden kann. Das aus der Trommel abfließende Wasser setzt

in einem Bottich zunächst S., dann eine innige Mischung von S.

mit Kleber und Hülsenteilchen (Schlichte, Schlammstärke),

zuletzt eine schlammige, vorwiegend aus Kleber bestehende Masse ab.

Diese Rohstärke wird ähnlich wie die Kartoffelstärke

gereinigt und dann getrocknet, wobei sie zu Pulver zerfällt

oder, wenn sie noch geringe Mengen Kleber enthält, die sogen.

Strahlenstärke liefert, die vom Publikum irrtümlich

für besonders rein gehalten wird. - Nach dem Elsässer

Verfahren wird der gequellte Weizen durch aufrechte Mühlsteine

unter starkem Wasserzufluß zerquetscht und sofort

ausgewaschen. Das abfließende Wasser enthält neben S.

viel Kleber und Hülsenteilchen und wird entweder der

Gärung überlassen und dann wie beim vorigen Verfahren

weiter verarbeitet, oder direkt in Zentrifugalmaschinen gebracht,

wo viel Kleber abgeschieden und eine Rohstärke erhalten wird,

die man durch Gärung etc. weiter reinigt. Die bei diesem

Verfahren erhaltenen Rückstände besitzen

beträchtlich höhern landwirtschaftlichen Wert als die bei

dem Halleschen Verfahren entstehenden; will man aber den Kleber

noch vorteilhafter verwerten, so macht man aus Weizenmehl einen

festen, zähen Teig und bearbeitet diesen nach etwa einer

Stunde in Stücken von 1kg in einem rinnenförmigen Trog

unter Zufluß von Wasser mit einer leicht kannelierten Walze.

Hierbei wird die S. aus dem Kleber ausgewaschen und fließt

mit dem Wasser ab, während der Kleber als zähe,

fadenziehende Masse zurückbleibt (vgl. Kleber).

Reis enthält 70-75 Proz. S. neben 7-9 Proz.

unlöslichen, eiweißartigen Stoffen, welche aber durch

Einweichen des Reises in ganz schwacher Natronlauge

großenteils gelöst werden. Man zerreibt den Reis alsdann

auf einer Mühle unter beständigem Zufluß schwacher

Lauge, behandelt den Brei in einem Bottich anhaltend mit Lauge und

Wasser, läßt kurze Zeit absetzen, damit sich

gröbere Teile zu Boden senken, und zieht das Wasser, in

welchem reine S. suspendiert ist, ab. Aus dem Bodensatz wird die S.

in einem rotierenden Siebcylinder durch Wasser ausgewaschen, worauf

man sie durch Behandeln mit Lauge und Abschlämmen vom Kleber

befreit. Die zuerst erhaltene reinere S. läßt man

absetzen, entfernt die obere unreine Schicht, behandelt das

übrige auf der Zentrifugalmaschine und trocknet die reine

S.

Mais weicht man vier- bis fünfmal je 24 Stunden in Wasser

von 35°, wäscht ihn und läßt ihn dann durch

zwei Mahlgänge gehen. Das Mehl fällt in eine mit Wasser

gefüllte Kufe mit Flügelrührer und gelangt aus

dieser auf Seidengewebe, welches nur die grobe Kleie

zurückhält. Die mit der S. beladenen, durch das Gewebe

hindurchgegangenen Wasser gelangen in Tröge, dann durch zwei

feine Gewebe und endlich auf wenig geneigte, 80-100 m lange

Schiefertafeln, auf welchen sich die S. ablagert. Das

abfließende, nur noch Spuren von S. enthaltende Wasser

über-

238

Stärkeglanz - Starnberg.

läßt man der Ruhe und preßt den Absatz zu

Kuchen, um ihn als Viehfutter zu verwenden. Die Behandlung mit

schwacher Natronlauge von 2-3° B. ist im nördlichen

Frankreich und in England gebräuchlich. Stärkere Laugen

würden einen Verlust an Eiweißstoffen verursachen. Da

zudem bei Anwendung von Natron sich ein übler Geruch bei der

Gärung entwickelt und dieses Verfahren auch fast keine

Vorzüge bietet, so ist die Behandlung mit reinem Wasser

vorzuziehen. Die S. des Maises ist unter dem Namen Maizena im

Handel. Auch aus Roßkastanien wird S. gewonnen, doch ist

dieselbe nur für technische Zwecke verwendbar, da ein

derselben anhaftender Bitterstoff durch Behandeln mit kohlensaurem

Natron kaum vollständig entfernt werden kann. Die Ausbeute

beträgt 19-20 Proz. Die S. des Handels enthält etwa 80-84

Proz. reine S., 14-18 Proz. Wasser und in den geringern Sorten bis

5 Proz. Kleber, 2,5 Faser und 1,3 Proz. Asche, während der

Aschengehalt in den besten Sorten nur 0,01 Proz. beträgt.

S. dient allgemein zur Appretur, zur Darstellung von Schlichte,

zum Steifen der Wäsche, zum Beizen von Baumwolle, zur

Färbung mit Anilinfarben, zum Leimen des Papiers, zum

Verdicken der Farben in der Zeugdruckerei, zu Kleister, zur

Darstellung von Dextrin (Stärkegummi) und Traubenzucker

(Stärkezucker, Stärkesirup), Nudeln, künstlichem

Sago, überhaupt als Nahrungsmittel (Kartoffelmehl, Kraftmehl

etc.). Die S. ist auch der wesentliche Bestandteil im Getreide und

in den Kartoffeln, aus welcher sich bei der Bierbrauerei und

Branntweinbrennerei, nachdem sie in Zucker und Dextrin

übergeführt worden, der Alkohol bildet. S. war bereits

den Alten bekannt, nach Dioskorides wurde sie amylon genannt, weil

sie nicht wie andre mehlartige Stoffe auf Mühlen gewonnen

wird. Nach Plinius wurde sie zuerst auf Chios aus Weizenmehl

dargestellt. Über die Fortschritte der Fabrikation im

Mittelalter weiß man wenig, nur so viel ist sicher, daß

die Holländer im 16. Jahrh. S. im großen Maßstab

darstellten und bedeutende Mengen exportierten. Die

Stärkeindustrie entwickelte sich vorwiegend als

landwirtschaftliches Gewerbe; mit einfachsten Vorrichtungen gewann

man zwar nur eine mäßige Ausbeute, doch genügte

dieselbe bei der Möglichkeit vorteilhafter Verwertung der

Abfälle, bis die Fortschritte in den eigentlichen

Stärkefabriken auch die Landwirtschaft zwangen, auf

höhere Ausbeute bedacht zu sein. Diese wurde namentlich durch

Vervollkommnung der Maschinen und Apparate erreicht, um welche sich

Fesca durch Einführung eigentümlich konstruierter

Zentrifugalmaschinen wesentliche Verdienste erwarb. In neuerer Zeit

hat die Reisstärke der Kartoffel- und Weizenstärke

namentlich für Zwecke der Appretur erfolgreich Konkurrenz

gemacht. Vgl. Nägeli, Die Stärkekörner (Zürich

1858); Derselbe, Beiträge zur nähern Kenntnis der

Stärkegruppe (Leipz. 1874); Schneider, Rationelle Fabrikation

der Kartoffelstärke (Berl. 1870); Wagner, Handbuch der

Stärkefabrikation (2. Aufl., Weim. 1884); Derselbe, Die

Stärkefabrikation (2. Ausg., Braunschw. 1886); Rehwald,

Stärkefabrikation (2. Aufl., Wien 1885).

Stärkeglanz, s. Glanzstärke.

Stärkegummi, s. Dextrin.

Starke Mann, der, s. Eckenberg.

Stärkemehl, s. Stärke.

Stärkemesser, s. Fäkulometer.

Stärken, s. Appretur.

Starkenbach (tschech. Jilemnice), Stadt im

nördlichen Böhmen, Station der Österreichischen

Nordwestbahn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines

Bezirksgerichts, mit gräflich Harrachschem Schloß,

Webschule, bedeutender Leinwand- und Batistmanufaktur, Bierbrauerei

und (1880) 3418 Einw.

Starkenburg, Provinz des Großherzogtums Hessen,

umfaßt 3019 qkm (54,83 QM.) mit (1885) 402,378 Einw.

(darunter 116,974 Katholiken und 9516 Juden), hat Darmstadt zur

Hauptstadt und sieben Kreise:

Kreise QKilom. QMeilen Einwohner Einw. auf 1 qkm

Bensheim 391 7,10 48756 125

Darmstadt 298 5,41 84020 282

Dieburg 504 9,15 53002 105

Erbach 593 10,77 47540 80

Groß-Gerau 450 8,17 39805 88

Heppenheim 406 7,38 43916 108

Offenbach 377 6,85 85339 225

Stärkende Mittel (tonische Mittel, Tonica,

Roborantia), diejenigen Mittel, welche bei

Schwächezuständen die Thätigkeit und Ausdauer des

ganzen Körpers und der einzelnen Organe steigern; entweder

diätetisch-psychische: einfache, nicht erschlaffende

Lebensweise, Abhärtung, namentlich der Haut, frühes

Aufstehen, Waschungen und Bäder, frische Luft, Turnen,

Fechten, Schwimmen, Sorge für Gemütsruhe etc., oder

arzneiliche, die namentlich bei allgemeiner und örtlicher

Erschlaffung, Blutmangel, Blutzersetzung, schlechter Ernährung

am Platze sind (hier stehen obenan die Eisenmittel, denen sich die

Mineralsäuren, China, Ergotin und die bittern Mittel

anreihen), oder dynamische, wie die Anwendung der Elektrizität

bei Schwäche und Erkrankungen des Muskel- und

Nervensystems.

Stärkescheide (Stärkering, Stärkeschicht),

in der Pflanzenanatomie eine stärkeführende Zellschicht,

welche den Gefäßbündelkreis oder die einzelnen

Gefäßbündel im Stengel und im Blatt umgibt.

Stärkesirup, s. Traubenzucker.

Stärkerer, s. v. w. Traubenzucker.

Stärkmehl, s. Stärke.

Stärlinge (Icteridae), Familie aus der Ordnung der

Sperlingsvögel (s. d.).

Starnberg (Starenberg), Dorf im bayr. Regierungsbezirk

Oberbayern, Bezirksamt München II, am Nordende des danach

benannten Sees und an der Linie München-Peißenberg der

Bayrischen Staatsbahn, hat eine kath. Kirche, ein königliches

Schloß, ein Amtsgericht, ein Forstamt und (1885) 1745 Einw.

Der Starnberger See (auch Würmsee genannt) liegt 584 m ü.

M., ist 21 km lang, bis 5 km breit und 245 m tief. Sein

Abfluß ist die Würm, welche den See unweit S.

verläßt und in die Ammer mündet. Der See ist reich

an trefflichen Fischen (Lachse, Welse, Karpfen, Hechte etc.). Seine

amphitheatralisch aufsteigenden Ufer sind mit Dörfern,

Landhäusern, Schlössern, Kirchen und Gasthäusern

besetzt; im Süden bilden die Alpen (Zugspitze, Benediktenwand,

Karwändelgebirge) einen großartigen Hintergrund.

Bemerkenswert sind außer dem 1541-85 erbauten

Bergschloß S.: das königliche Jagdschloß Berg (s.

d.), das Schloß Possenhofen (s. d.), in dessen Nähe die

liebliche Insel Wörth liegt, das Schlößchen Leoni,

Bad Unterschäftlarn im NO., Bad Petersbrunn am Ausfluß

der Würm, endlich Schloß Leutstetten am Beginn des

romantischen Mühlthals. Der See wird von Dampfschiffen

befahren. Vgl. Horst, Der Starnberger See, eine Wanderung

(Münch. 1877); Schab, Die Pfahlbauten im Würmsee (das.

1877); Lidl, Wanderungen (Landsb. 1878).

239

Starobielsk - Starrsucht.

Starobielsk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Charkow, am

Aidar, mit 4 Kirchen, Progymnasium, Talgsiedereien, Getreidehandel

und (1885) 8270 Einw.

Starobradzen, Sekte, s. Raskolniken.

Starodub, Kreisstadt im russ. Gouvernement Tschernigow,

mit 15 Kirchen, einer hebräischen Kronschule, vielen

Gärten, Überresten alter Befestigungen, Handel mit

Getreide und Hanf und (1885) 24,388 Einw.; gehört seit 1686 zu

Rußland.

Staro-Konstantinow, Kreisstadt im russ. Gouvernement

Wolhynien, hat 4 griechisch-russische, 2 kath. Kirchen, 2

Synagogen, bedeutenden Getreidehandel nach Odessa und

Österreich, Ausfuhr von Schweinen nach Polen und

Preußen, von Rindern, Pferden und Schafen nach

Österreich und (1885) 19,025 Einw. Das frühere

Dominikanerkloster (jetzt Gefängnis und Krankenhaus) diente

ehedem als Festung.

Starosten (slaw., "Älteste", Capitanei), in Polen

früher Edelleute, die eins der königlichen Güter

(Starosteien) zum Lehen und damit zumeist auch die Gerichtsbarkeit

in einem gewissen Umfang erhalten hatten (Starosteigerichte). Beim

Ableben des derzeitigen Inhabers durften diese Starosteien nicht

wieder eingezogen, sondern mußten an einen andern verliehen

werden. In Sibirien werden die Vorsteher eines Dorfs S. genannt. In

Böhmen ist Starosta der Titel der Bürgermeister, auch

Bezeichnung von Vereinsvorständen.

Starowertzi, Sekte, s. Raskolniken.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 68 / 302 段