2) Friedrich Julius, hervorragender Schriftsteller im Fach des

Staatsrechts und Kammerredner, geb. 16. Jan. 1802 zu München

von jüdischen Eltern, trat 1819 in Erlangen zur

protestantischen Kirche über, studierte in Würzburg,

Heidelberg, Erlangen Rechtswissenschaft und habilitierte sich im

Herbst 1827 als Privatdozent in München. In demselben Jahr

erschien seine erste größere Schrift: "Über das

ältere römische Klagenrecht" (Münch. 1827). Von

Schelling angeregt, schrieb er: "Die Philosophie des Rechts nach

geschichtlicher Ansicht" (Heidelb. 1830-1837, 2 Bde. in 3 Abtlgn.;

5. Aufl. 1878), sein wissenschaftliches Hauptwerk, welches trotz

großer Mängel epochemachend für die Geschichte der

Staatswissenschaft ist. S. trat darin der naturrechtlichen Lehre

schroff entgegen und begründete seine Rechts- und Staatslehre

"auf der Grundlage christlicher Weltanschauung", indem er "Umkehr

der Wissenschaft" zum Glauben an die geoffenbarte Wahrheit der

christlichen Religion forderte. 1832 ward S. zum

außerordentlichen Professor in Erlangen, im November zum

ordentlichen Professor für Rechtsphilosophie, Pandekten und

bayrisches Landrecht in Würzburg ernannt. Später kehrte

er nach Erlangen zurück und lehrte hier Kirchenrecht,

Staatsrecht und Rechtsphilosophie. 1840 als Professor der

Rechtsphilosophie, des Staatsrechts und Kirchenrechts nach Berlin

berufen, 1849 von König Friedrich Wilhelm IV., der ihm seine

Gunst zuwandte, zum lebenslänglichen Mitglied der damaligen

Ersten Kammer, des spätern Herrenhauses ernannt, wurde S. der

Hauptwortführer der Reaktion und der ritterschaftlichen

Partei, der er bis zu seinem Ende treu geblieben ist. Auch auf

kirchlichem Gebiet benutzte er seine Stellung als Mitglied des

evangelischen Oberkirchenrats (I852-58) zur Lockerung der Union,

zur Stärkung des lutherischen Konfessionalismus und zur

Erneuerung der Herrschaft der orthodoxen Geistlichkeit über

die Laienwelt. Der politische Umschwung infolge der Erhebung des

Prinz-Regenten und der Sturz des Ministeriums Manteuffel brachen

auch Stahls Herrschaft im Oberkirchenrat und veranlaßten 1858

seinen Austritt aus dieser Behörde. Seitdem setzte er den

politischen Kampf gegen das "Ministerium der liberalen Ära"

mit zäher Energie im Herrenhaus fort, drohend, "das Haus werde

in seinem Widerstand gegen die neue liberale Richtung der Regierung

vielleicht brechen, aber nicht biegen", erlebte jedoch nicht mehr

den Umschlag der Regierung, welche nach schwachen liberalen

Versuchen ihre Stütze wieder in dem Herrenhaus suchte. Er

starb 10. August 1861 in Brückenau. Von seinen Schriften sind

noch hervorzuheben: "Die Kirchenver-

219

Stahlblau - Stahr.

fassung nach Lehre und Recht der Protestanten" (Erlang. 1840, 2.

Aufl. 1862); "Über Kirchenzucht" (Berl. 1845, 2. Aufl. 1858);

"Das monarchische Prinzip" (Heidelb. 1845); "Der christliche Staat"

(Berl. 1847, 2. Aufl. 1858); "Die Revolution und die

konstitutionelle Monarchie" (das. 1848, 2. Aufl. 1849); "Was ist

Revolution?" (1.-3. Aufl., das. 1852); "Der Protestantismus als

politisches Prinzip" (das. 1853, 3. Aufl. 1854); "Die katholischen

Widerlegungen" (das. 1854); "Wider Bunsen" (gegen dessen "Zeichen

der Zeit", 1.-3. Aufl., das. 1856); "Die lutherische Kirche und die

Union" (das. 1859, 2. Aufl. 1860). Nach seinem Tod erschienen:

"Siebenzehn parlamentarische Reden" (Berl. 1862) und "Die

gegenwärtigen Parteien in Staat und Kirche" (2. Aufl., das.

1868). Vgl. "Pernice, Savigny, S." (Berl. 1862).

3) Karl, Pseudonym, s. Gödeke.

4) Pierre Jules, Pseudonym, s. Hetzel.

5) Arthur, Pseudonym, s. Voigtel.

Stahlblau, dunkelblaue Farbe, ähnlich dem

angelaufenen Stahl, besonders wenn der so gefärbte Körper

Metallglanz hat.

Stahlbrillanten (Stahldiamanten), Stahlstückchen mit

vielen glänzenden Facetten, bisweilen als Köpfe von

Stahlstiften mit Schraubengewinde.

Stahlbronze, s. Bronze, S. 460.

Stahleck, Burg bei Bacharach (s. d.).

Stahlfedern, Schreibfedern aus Stahl, werden dargestellt,

indem man aus entsprechend dünnem Stahlblech Plättchen

von der Gestalt der Federn mittels eines Durchstoßes

ausschneidet, dann diese Plättchen unter einem andern

Durchstoß mit dem Loch versieht, in welchem der Spalt endigt,

und zugleich mit den beiden seitlichen Spalten, welche die

Biegsamkeit der Feder erhöhen. Hierauf glüht man die

Plättchen in eisernen Töpfen aus, versieht sie unter

einem Fallwerk mit der Schrift und etwanigen Verzierungen und gibt

ihnen auf einer Presse durch Hineintreiben in eine entsprechend

konkave Stanze die rinnenförmige Gestalt. Die durch das

Ausglühen sehr weich gewordenen Federn werden nun zum Zweck

des Härtens in flachen, bedeckten Eisengefäßen

rotglühend gemacht und schnell in Öl oder Thran

geschüttet. Behufs ihrer Reinigung von dem Öl behandelt

man sie dann mit Sägespänen in einer um ihre Achse

rotierenden Trommel, scheuert sie durch eine ähnliche Prozedur

mit zerstoßenen Schmelztiegelscherben und schleift sie nun

einzeln auf der Außenseite ihres Schnabels durch fast nur

augenblickliches Anhalten an eine schnell umlaufende

Schmirgelscheibe. Die blau oder gelb angelaufenen S. erhalten diese

Farbe durch Erhitzen in einer über Kohlenfeuer rotierenden

Trommel aus Eisenblech. Diese Operation ist für alle S.

erforderlich, da sie die Härte bestimmt, und es müssen

daher diejenigen, welche nicht farbig in den Handel gebracht werden

sollen, schließlich nochmals gescheuert werden. Zuletzt wird

der Spalt mittels einer besonders gebauten kleinen Parallelschere

erzeugt. Manche S. werden schließlich noch mit

Schellackfirnis überzogen. Über die Erfindung der S. ist

nichts Sicheres begannt. Die ersten S. soll auf Anregung des

Chemikers Priestley der Metallwarenfabrikant Harrison in Birmingham

hergestellt haben, aber erst sein Gehilfe Josiah Mason (gest. 1881)

beutete die Erfindung aus und arbeitete Jahrzehnte für Perry,

welcher als Begründer der Birminghamer Stahlfederindustrie

gilt. Gegenwärtig gibt es 18 Stahlfedernfabriken: 13 in

England, 2 in Nordamerika, 2 in Deutschland (Berlin und

Plagwitz-Leipzig), 1 in Frankreich, welche zusammen

wöchentlich 37½ Mill. Stück fabrizieren.

Stahlhof (Steelyard, wohl aus "Stapelhof" korrumpiert),

die alte Faktorei der Hanseaten in London, die ihnen 1473 gegen

eine Jahresmiete von 70 Pfd. Sterl. überlassen wurde und bis

1866 ihr Eigentum blieb, in welchem Jahr sie dieselbe an eine

Eisenbahngesellschaft verkauften. Jetzt steht an der Stelle der

Bahnhof in Canon Street.

Stahlquellen, s. v. w. Eisenquellen, s.

Mineralwässer, S. 652.

Stahlrot, s. Englischrot.

Stahlrouge, s. Polierrot.

Stahlspiel, s. Lyra.

Stahlstein, s. Spateisenstein.

Stahlstich (Siderographie), die Vervielfältiggung

von Bildwerken mittels geschnittener Stahltafeln, 1820 von dem

Engländer Charles Heath erfunden. Das Verfahren dabei ist

folgendes. Stahlblöcke oder Platten werden dekarbonisiert, d.

h. des Kohlenstoffs beraubt, und dadurch bis zu dem Grad erweicht,

daß sie sich beim Stich der Figuren noch besser behandeln

lassen als Kupfer. Das Verfahren beim Stich ist dasselbe wie bei

dem auf Kupfer, nur bedient man sich auf Stahl seltener und mit

weniger Vorteil der kalten Nadel. Nach dem Stich wird durch ein

chemisches Verfahren die Platte wieder gehärtet. Um den Stich

auf andre Platten zu übertragen, schiebt man einen gleichfalls

dekarbonisierten Cylinder von Stahl in die Übertragungspresse

(transfer-press) und fährt damit über die

eingeschnittenen Figuren der wieder gehärteten Stahlplatte

hin. Die Einschnitte der Platte drücken sich hierbei dem

Cylinder erhaben auf, und zwar wird es durch eine schwingende

Bewegung der Presse und der Peripherie des Cylinders

ermöglicht, daß sich immer eine neue Oberfläche zur

Aufnahme des Stahlschnitts darbietet. Nachdem darauf der Cylinder

ebenfalls gehärtet worden ist, drückt man damit auf neue

dekarbonisierte Stahlplatten das ursprüngliche Bild der

Originalplatte auf und druckt diese wie gewöhnlich ab. Auf

diese Weise kann das Bild ins Unendliche vervielfältigt

werden, so daß der 10,000. Abdruck nicht den geringsten

Unterschied vom ersten zeigt. Dennoch ist für Kunstwerke

höherer Gattung der Kupferstich in Geltung geblieben, da er

größere Kraft, Sicherheit und Weichheit in der

Linienführung gestattet, wogegen der S. besonders für

solche Werke angewendet wird, welche einen starken Absatz

versprechen, wie für Illustrationen, Veduten u. dgl. Der erste

Stahlstecher in Deutschland war Karl Ludwig Frommel in Karlsruhe.

Seit der Erfindung der Galvanoplastik, welche die Abnahme von

Klischees von Kupferplatten gestattet, und der Verstählung von

Kupferplatten ist der S. in Abnahme gekommen. Vgl.

Kupferstecherkunst.

Stahlwasser, eisenhaltiges Mineralwasser.

Stahlweinstein, s. Eisenpräparate.

Stahr, Adolf Wilhelm Theodor, Schriftsteller, geb. 22.

Okt. 1805 zu Prenzlau, widmete sich in Halle den klassischen

Studien, ward 1826 Lehrer am Pädagogium daselbst und 1836

Konrektor am Gymnasium zu Oldenburg. Seine litterarische

Thätigkeit erstreckte sich zunächst auf die Geschichte,

Kritik und Erklärung der Schriften des Aristoteles. Hierher

gehören seine "Aristotelia" (Halle 1830-32, 2 Bde.), ferner:

"Aristoteles bei den Römern" (Leipz. 1834) und die Bearbeitung

der Aristotelischen "Politik" (das. 1836 bis 1838), denen sich

"Aristoteles und die Wirkung der Tragödie" (Berl. 1859) und

die Übersetzungen von Aristoteles' Poetik, Politik, Rhetorik

und Ethik (Stuttg. 1860-63) anschließen. Neben dieser

philologischen Thätigkeit hatte sich S. frühzeitig auch

den

220

Stähr - Stair.

allgemeinen litterarischen Interessen zugewandt. Er gab eine

Handschrift von Goethes "Iphigenia", die er in der Bibliothek zu

Oldenburg entdeckt hatte, mit einem trefflichen Vorwort heraus,

schrieb eine "Charakteristik Immermanns" (Hamb. 1842) und nahm an

dem versuchten Aufschwung der Oldenburger Hofbühne lebhaften

Anteil, den seine "Oldenburgische Theaterschau" (Oldenb. 1845, 2

Bde.) bethätigte. Einen Wendepunkt seines Lebens bildete seine

Reise nach Italien, die er 1845 antrat und die er in seinem

lebendig geschriebenen, farbenreichen und weitverbreiteten Buch

"Ein Jahr in Italien" (Oldenb. 1847-50, 3 Bde.; 4. Aufl., das.

1874) eingehend schilderte. In Rom lernte er Fanny Lewald (s. d.)

kennen, mit der er sich nach Trennung seiner ersten Ehe 1854

verheiratete. Schon vorher hatte er wegen Kränklichkeit seine

Stellung am Oldenburger Gymnasium niedergelegt und sich 1852 in

Berlin niedergelassen, wo er lebte, bis ihn

Gesundheitsrücksichten nötigten, verschiedene Kurorte zu

seinem Wohnsitz zu wählen. S. starb 3. Okt. 1876 in Wiesbaden.

Seine litterarische Produktivität hatte während der Zeit

seines Berliner Aufenthalts sich beständig gesteigert. Die

poetischen Anläufe in dem Roman "Die Republikaner in Neapel"

(Berl. 1849, 3 Bde.) und den Gedichten "Ein Stück Leben" (das.

1869) erwiesen keine eigentliche Produktionskraft. So wandte sich

S. in zahlreichen Kritiken, Essays und selbständigen Werken

zur Kunst- und Litteraturgeschichte. Seinem "Torso; Kunst,

Künstler und Kunstwerke der Alten" (Braunschw. 1854- 55, 2

Bde.; 2. Aufl. 1878) folgten: "Lessing, sein Leben und seine

Werke", eine populäre Biographie und Charakteristik, die

raschen Eingang ins Publikum gewann (Berl. 1859, 2 Bde.; 9. Aufl.

1887); "Fichte", ein Lebensbild (das. 1862); "Goethes

Frauengestalten" (das. 1865-68, 2 Bde.; 7. Aufl. 1882); "Kleine

Schriften zur Litteratur und Kunst" (das. 1871-75, 4 Bde.). Aus

Lebenserinnerungen, persönlichen Eindrücken, namentlich

der zahlreichen Reisen, die er mit seiner Gattin unternahm, gingen

die Bücher: "Die preußische Revolution" (Oldenb. 1850, 2

Bde.; 2. Aufl. 1852), "Weimar und Jena", ein Tagebuch (das. 1852, 2

Bde.; 2. Aufl. 1871), "Zwei Monate in Paris" (das. 1851, 2 Bde.),

"Nach fünf Jahren", Pariser Studien (das. 1857, 2 Bde.),

"Herbstmonate in Oberitalien" (das. 1860, 3. Aufl. 1884), "Ein

Winter in Rom", gemeinsam mit Fanny Lewald (Berl. 1869, 2. Aufl.

1871), hervor, während er in der Schrift "Aus der Jugendzeit"

(Schwerin 1870-77, 2 Bde.) seine Jugendtage schilderte. Heftigen

Widerspruch erfuhren seine "Bilder aus dem Altertum" (Berl.

1863-66, in 4 Bänden), "Tiberius" (2. Aufl. 1873), "Kleopatra"

(2. Aufl. 1879), "Römische Kaiserfrauen" (2. Aufl. 1880),

"Agrippina, die Mutter Neros" (2. Aufl. 1880) enthaltend, in denen

S. den Versuch unternahm, die bisherige historische Auffassung,

namentlich des Tacitus, zu entkräften und die genannten

historichen Gestalten zu reinigen und zu rechtfertigen.

Stähr, s. v. w. männliches Schaf, Bock.

Staigue-Fort (spr. stäckfort), vorgeschichtliches

Festungswerk der Grafschaft Kerry (Irland), bestehend aus einer

ohne Mörtel erbauten Ringmauer von 114 Fuß

äußerm Durchmesser.

Stainer (Steiner), Jakob, berühmter

Saiteninstrumentenmacher, geb. 14. Juli 1621 zu Absam bei Hall in

Tirol, war ein Schüler von Amati zu Cremona. Im Leben von

Sorgen und Mißgeschick heimgesucht, mußte er anfangs

von seinen Violinen das Stück für 6 Gulden verkaufen.

1669 vom Erzherzog Leopold zum "Hofgeigenmacher" ernannt, wurde er

gleichwohl von den Jesuiten als vermeintlicher Ketzer monatelang in

Haft gehalten, verfiel in Wahnsinn und starb in größter

Not 1683. Seine Geigen zeichnen sich durch besonders hohe Bauart

und einen ganz vorzüglichen Ton aus und werden von Kennern

jetzt teuer bezahlt. Auch sein Bruder Markus S. war als

Instrumentenmacher bekannt. Vgl. Ruf, Der Geigenmacher J. S.

(Innsbr. 1872).

Staines (spr. stehns), Stadt in der engl. Grafschaft

Middlesex, 24 km westsüdwestlich von Hyde Park (London), an

der Themse, hat lebhaften Produktenhandel und (1881) 4628 Einw. Die

Jurisdiktion Londons über die Themse erstreckt sich seit 1280

bis hierher.

Stair (spr. stehr), 1) John Dalrymple, erster Graf von,

brit. Staatsmann, geb. 1648, schloß sich wie sein als Jurist

berühmter, 1690 zum Viscount S. erhobener Vater James

Dalrymple (gest. 1695) Wilhelm III. von Oranien an, wurde 1691 zum

Staatssekretär für Schottland ernannt, mußte aber

wegen der von ihm 1692 angeordneten Niedermetzelung eines Clans

jakobitischer Hochländer zu Glencoe, die das schottische

Parlament für einen barbarischen Mord erklärte, 1695

seine Entlassung nehmen und wagte erst fünf Jahre nach dem Tod

seines Vaters im Oberhaus zu erscheinen. 1703 nichtsdestoweniger

zum Grafen von S. ernannt, gehörte er zu den eifrigsten

Vertretern der unter Königin Anna zu stande gebrachten Union

zwischen England und Schottland und starb 18. Jan. 1707.

2) John Dalrymple, zweiter Graf von, Sohn des vorigen, brit.

Staatsmann und Heerführer, geb. 1673 zu Edinburg, diente von

1702 bis 1709 unter Markborough in den Niederlanden und Deutschland

und zeichnete sich in den Schlachten von Ramillies, Oudenaarde und

Malplaquet aus. 1714 zum Gesandten in Paris ernannt, erlangte S.

nach Ludwigs XIV. Tod bei dem Regenten so viel Einfluß,

daß er den bourbonischen Familienbund zwischen Frankreich und

Spanien sprengte und Frankreich vermochte, die Stuarts

preiszugeben. 1720 aber erregte sein Widerstand gegen die

Finanzpläne Laws den Unwillen der britischen Regierung und

veranlaßte seine Zurückberufung. Erst nach dem

Rücktritt Walpoles trat er wieder in den Staatsdienst, wurde

Gesandter bei den Generalstaaten und 1742 Feldmarschall und

Kommandeur der englischen Armee im österreichischen

Erbfolgekrieg. Er drang mit seinem Heer bis Aschaffenburg vor und

schlug 27. Juni 1743 die Franzosen unter Noailles bei Dettingen,

verließ dann aber wegen Bevorzugung der hannoverschen

Interessen und wegen Einmischung der Minister und Diplomaten die

Armee. Infolge davon fiel er am Hof in Ungnade, bis der

jakobitische Aufstand in Schottland (1745) ihn an die Spitze des in

England aufgestellten Heers rief. Er starb 1. Mai 1747.

3) John Hamilton Dalrymple, achter Graf von, geb. 15. Juni 1771

aus einer Seitenlinie, diente seit 1790 in der britischen Armee,

focht mit Auszeichnung 1794 und 1795 in Holland und Flandern und

nahm 1807 an der Expedition nach Kopenhagen teil, worauf er zum

Generalmajor befördert ward. 1832 wurde er ins Parlament

gewählt, 1840 erbte er von seinem Vetter die Grafschaft S.,

und im April 1841 ward er als Lord Oxenfoord zum englischen Peer

erhoben. In den Jahren 1840-41 und 1846-52 verwaltete er das Amt

eines Großsiegelbewahrers für Schottland. Er starb 10.

Jan. 1853 auf Oxenfoord Castle. Ihm folgten sein Bruder North

Dalrymple, geb. 1776, gest. 9. Nov. 1864,

221

Stake - Stallungen.

als neunter und dessen Sohn John, Viscount Dalrymple, geb. 1.

April 1819, als zehnter Graf von S. Vgl. Graham, Annals and

correspondence of the Viscount and the first and second Earls of S.

(Edinb. 1875, 2 Bde.).

Stake, Wasserbaukunst, s. Buhne.

Stake (engl., spr. stehk), Einsatz, Einlage (beim

Spielen, Wetten etc.).

Staket, Zaun aus Pfählen, Latten etc. (Staken).

Stakholz, s. Fachholz.

Stalagmiten und Stalaktiten, s. Tropfstein.

Stalaktitengewölbe, eine Gewölbeform des

arabischen Baustils, welche durch Verbindung von einzelnen

Gewölbstückchen den Eindruck von Tropfsteinbildungen

hervorruft. S. Baukunst, S. 492.

Stalaktitenstruktur, s. Mineralien, S. 647.

Stalbent, Adriaen van, niederländ. Maler, geb. 1580

zu Antwerpen, wurde 1610 Freimeister daselbst und starb 1662. Er

hat meist Landschaften andrer Künstler mit Figuren in der Art

des H. van Balen staffiert, aber auch selbständige

Landschaften in der bunten Manier der ältern vlämischen

Schule und Figurenbilder gemalt. Werke von ihm befinden sich in den

Galerien von Antwerpen, Kassel (Kirmes), Frankfurt a. M., Dresden

(Midasurteil, Göttermahlzeit), Berlin und Schwerin.

Stalimene, Insel, s. Lemnos.

Stälin, Christoph Friedrich von, deutscher

Geschichtsforscher, geb. 4. Aug. 1805 zu Kalw in Württemberg,

studierte zu Tübingen und Heidelberg Theologie und Philologie,

ward 1826 Bibliothekar in Stuttgart, 1846 Oberbibliothekar, 1869

Bibliothekdirektor und leitete die königliche Bibliothek diese

lange Zeit mit großem Geschick und Erfolg. Auch die

königliche Münz- und Medaillen-, ebenso die Kunst- und

Altertümersammlung ordnete und verwaltete er. Er starb 12.

Aug. 1873. Außer kleinern Arbeiten über

württembergische Landeskunde verfaßte er die

"Wirtembergische Geschichte" (Stuttg. 1841-73, 4 Bde.), sein

Hauptwerk und die beste deutsche Provinzialgeschichte. Seit 1858

Mitglied der Historischen Kommission in München, redigierte er

mit Waitz und Häusser die "Forschungen zur deutschen

Geschichte". - Sein Sohn Paul, geb. 23. Okt. 1840, Archivrat in

Stuttgart, schrieb "Geschichte Württembergs" (Gotha 1882

ff.).

Stall, s. Stallungen.

Stallbaum, Gottfried, Philolog und Schulmann, geb. 25.

Sept. 1793 zu Zaasch bei Delitzsch, vorgebildet in Leipzig,

studierte daselbst seit 1815, ward 1818 Lehrer am Pädagogium

in Halle, 1820 an der Thomasschule zu Leipzig und 1835 Rektor

dieser Anstalt. Seit 1840 auch außerordentlicher Professor an

der Universität, starb er 24. Jan. 1861. S. hat sich besonders

um Platon verdient gemacht, nicht bloß durch tüchtige

Bearbeitung einzelner Dialoge, des "Philebus" (Leipz. 1820, 2.

Ausg. 1826), "Euthyphro" (das. 1823), "Meno" (das. 1827, 2. Ausg.

1839), "Dialogorum delectus" (das. 1838, 2. Ausg. 1851),

"Parmenides" (das. 1839, 2. Aufl. 1848), sondern vor allem durch

seine Gesamtausgaben, die große kritische (das. 1821-25, 12

Bde.; der Text auch besonders in 8 Bänden), die kommentierte

in der Jacobs-Rostschen "Bibliotheca graeca" (Gotha 1827-1860, 10

Bde.; zum Teil in wiederholten Auflagen, zuletzt von Wohlrab und

Kroschel) und die Tauchnitzsche Stereotypausgabe (1 Bd., das. 1850

u. 1873; 8 Bde., 1850 u. 1866-74). Sonst sind zu nennen seine

Ausgaben des Herodot (Gotha 1819, 3 Bde.; 2. Aufl. 1825-26) und des

Kommentars zu Homer von Eustathios (das. 1825-30, 7 Bde.) sowie

Bearbeitungen der Ruddimanschen "Institutiones grammaticae latinae"

(das. 1823, 2 Bde.) und des Westerhofschen "Terentius" (das.

1830-31, 6 Bde.).

Stallfütterung, s. Futter, S. 811.

Stallungen, Wohnungen der landwirtschaftlichen Haustiere.

Die Lage des Stalles muß leichte Ableitung der

Flüssigkeiten gestatten und Ansammlungen von Grundwasser,

welches, durch die Auswurfstoffe der Tiere verunreinigt, zum

Träger von Krankheitserregern wird, vermeiden. Die Hauptfronte

legt man gegen Osten und den Ausgang an diese Hauptfronte;

Thüren an der Westseite erleichtern das Eindringen von

Fliegen, die gegen Abend warme Stellen aufsuchen. In der Mitte der

Höhe geteilte Thüren gestatten durch Öffnen der

obern Thürflügel eine leichte und gründliche

Ventilation. Der Feuersgefahr wegen bringt man zahlreiche

Thüren an; um aber zu vermeiden, daß bei Öffnung

derselben der Luftzug die Insassen trifft, stellt man die

Thüren in der Regel an die Enden der sogen. Stallgasse, welche

meist zugleich als Mistgang dient. Die Thürpfosten macht man

rund oder doch an den Kanten abgerundet und versieht sie mit 1,5 m

hohen senkrechten Walzen, um Beschädigungen der Tiere beim

Aus- und Eindrängen in den Stall vorzubeugen; ebendeshalb

müssen Thüren und Thürflügel sich stets nach

außen öffnen und nicht von selbst zufallen.

Gegenwärtig sind vielfach Schiebthüren in Gebrauch. Die

Stallfenster bringt man womöglich hinter den Köpfen der

Tiere an und so hoch, daß Lichtstrahlen wie

Luftströmungen über den Tieren hinwegstreichen. Erlaubt

dies die Anlage des Gebäudes nicht, dann verwendet man matt

geschliffene oder blaue Glasscheiben und schützt diese gegen

Zerbrechen durch Drahtgitter. Mit Oberlicht können

Vorrichtungen zur Lufterneuerung verbunden werden, und mit

teilweise beweglichen Fenstern kann man lüften, ohne das ganze

Fenster zu öffnen, und ohne daß die eindringende kalte

Luft die Tiere unmittelbar trifft. Die Fensterrahmen werden am

besten von Eisen hergestellt. Zur Ventilation der S. dürften

senkrechte, an dem First ausmündende Dunstkamine immer noch

verhältnismäßig ebensoviel leisten wie die neuern

kostspieligen Einrichtungen. Die Abzugskanäle bleiben in

kleinern S. am besten offen, werden aber wasserdicht eingerichtet

und mit Wasserleitungsröhren in Verbindung gebracht. Offene,

nicht zu tiefe Stallrinnen sind der bequemen und gründlichen,

auch leicht kontrollierbaren Reinigung wegen vorzuziehen. Die

größte Dauer und die sicherste Abscheidung zwischen

Stall und darüber gelegenen Räumen gewähren

steinerne Gewölbe, doch benutzt man auch Konstruktionen mit

Eisenbahnschienen; bei Anwendung von Holz ist für enge

Verbindung der einzelnen Bretter (Einlegen in Falze) zu sorgen. Der

Fußboden soll den Tieren eine bequeme und nicht

abkühlende Lagerstätte bieten, er darf daher nach hinten

nur geringen Fall haben und nicht aus guten Wärmeleitern

hergestellt sein. Das beste Pflasterungsmaterial geben

hartgebrannte Backsteine ab. Die sogen. Brückenstände, d.

h. über flache Kanäle gelegte Dielenböden, sind

teuer, nicht dauerhaft und unreinlich, geben aber allerdings die

wärmste Unterlage.

Das Baumaterial für Ställe darf nicht porös sein,

um die bei Zersetzung des Urins sich bildenden Stoffe nicht

aufzusaugen. Die Bildung von Salpeter an den Stallwänden

erhält diese stets feucht. Der Raumbedarf in den Ställen

ist nach Tiergattung, Zahl der Tiere und den Nutzungszwecken

äußerst verschieden zu bemessen. Man unterscheidet: a)

freie,

222

Stallupönen - Stamma.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 63 / 302 段