Städteverfassung in Deutschland (Erlang. 1869-71, 4 Bde.);
Heusler, Der Ursprung der deutschen Städteverfassung (Weim.
1872); Hüllmann, Städtewesen des Mittelalters (Bonn
1825-29, 4 Bde.); Arnold, Verfassungsgeschichte der deutschen
Freistädte (Gotha 1854, 2 Bde.); Brülcke, Die
Entwickelung der Reichsstandschaft der Städte (Hamb. 1881);
"Chroniken der deutschen Städte" (hrsg. von der Münchener
Historischen Kommission 1862-89, Bd. 1-21); Lambert, Die
Entwickelung der deutschen Städteverfassungen im Mittelalter
(Halle 1865, 2 Bde.); v. Below, Entstehung der deutschen
Stadtgemeinde (Düsseld. 1888); Jastrow, Die Volkszahl
deutscher Städte zu Ende des Mittelalters etc. (Berl. 1886)
und die Litteratur bei Art. Stadtrechte; ferner Steffenhagen,
Preußische Städteordnung vom 30. Mai 1853 (6. Aufl.,
Demmin 1885); Derselbe, Handbuch der städtischen Verfassung
und Verwaltung in Preußen (Berl. 1887-1888, 2 Bde.);
Örtel, Städteordnung vom 30. Mai 1853 (Liegn. 1883, 2
Bde.); Kotze, Die preußischen Städteordnungen (2. Aufl.,
Berl. 1883); Ebert, Der Stadtverordnete im Geltungsgebiet der
Städteordnung vom 30. Mai 1853 (2. Aufl., das. 1883);
"Städteordnung für die Rheinprovinz" (3. Aufl., Elberf.
1882); v. Bosse, Die sächsische Städteordnung (4. Aufl.,
Leipz. 1879); Schwanebach, Russische Städteordnung (St.
Petersb. 1874); Gneist, Selfgovernment (3. Aufl., Berl. 1871);
Kohl, Die geographische Lage der Hauptstädte Europas (Leipz.
1874); Sitte, Der Städtebau (geschichtlich, Wien 1889).
Stadtältester, in Preußen Ehrentitel eines
Magistratsmitglieds, welches sein Amt mindestens neun Jahre lang
mit Ehren bekleidet hat; wird vom Magistrat in Übereinstimmung
mit der Stadtverordnetenversammlung verliehen. In andern Staaten
heißen die Stadtverordneten zuweilen Stadtälteste.
Stadtamhof, Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk
Oberpfalz, an der Mündung des Regen in die Donau, Regensburg
gegenüber, hat eine kath. Kirche, 2 Waisenhäuser, ein
Amtsgericht, Maschinenfabrikation, Schiffahrt, Speditionshandel und
(1885) 3449 meist kath. Einwohner.
Stadtausschuß, s. Stadtkreis.
Stadtbahn, entweder das durch die Straßen einer
Stadt gelegte, zum Befahren mit Pferdewagen oder
Straßenlokomotiven bestimmte Schienennetz (s.
Straßeneisenbahn) oder die zur Vermittelung des Lokalverkehrs
und durchgehenden Eisenbahnverkehrs durch eine Stadt geführte
Lokomotiveisenbahn.
Stadtberge, Stadt, s. Marsberg.
Stadtbücher, s. Grundbücher.
Städtebünde, die Verbindungen der Städte
im Mittelalter zur Verteidigung ihrer Freiheiten gegen
fürstliche Herrschaftsansprüche und in den Zeiten des
Faustrechts zum Schutz ihres Handels und Verkehrs: so bildete sich
in Italien der Lombardische Städtebund gegen Kaiser Friedrich
I., in Deutschland im 14. Jahrh. der Rheinische und der
Schwäbische Städtebund, in Norddeutschland vor allem die
Hansa (s. d.), in Preußen im 15. Jahrh. der
Westpreußische Städtebund u. a.
Städteordnung, die für Städte im Gegensatz
zu den Landgemeinden gegebene Gemeindeordnung (s. Stadt, S.
214).
Städtereinigung, die Beseitigung aller Abfallstoffe
aus den Städten zur Vermeidung schädlicher Zersetzungen
derselben und einer Verunreinigung des Bodens und des Grundwassers
mit fäulnisfähigen Substanzen, welche die Entwickelung
krankheiterregender Organismen begünstigen. In den meisten
ältern großen Städten ist der Boden durch
Senkgruben, Schlachthäuser etc. arg verunreinigt, und an
vielen Orten ist infolgedessen das Wasser aus den städtischen
Brunnen nur noch für gewisse technische Zwecke brauchbar. Die
moderne S. kann daher nur durch rationelle Abfuhr der Exkremente
(s. d.), durch Kanalisation (s. d.), Zentralisation des
Schlächtereibetriebs in öffentlichen Schlachthäusern
etc. weiterer Verunreinigung vorbeugen und die Selbstreinigung des
Bodens vorbereiten, für die Versorgung mit gutem Trinkwasser
müssen Wasserleitungen angelegt werden. Wo S. konsequent
durchgeführt ist, hat sich der Gesundheitszustand gehoben und
ist die Sterblichkeit gesunken. Vgl. Varrentrapp, Entwässerung
der Städte (Berl. 1868); "Reinigung und Entwässerung
Berlins" (das. 1870-79, 13 Hefte); Pettenkofer, Kanalisation und
Abfuhr (Münch. 1876); Sommaruga, Die
Städtereinigungssysteme in ihrer land- und
volkswirtschaftlichen Bedeutung (Halle 1874); kleinere Schriften
von v. Langsdorff, Lorenz, Martini, Riedel, Stammer u. a.
Stadthagen, Stadt im Fürstentum Schaumburg-Lippe,
Knotenpunkt der Linien Braunschweig-Hamm und S.-Osterholz der
Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein
Schloß, ein Landratsamt, ein Amtsgericht, Steinkohlengruben,
Glasfabrikation, Gerberei, Holzschneiderei, Steinbrüche,
Ziegeleien und (1885) 4394 meist evang. Einwohner.
Stadtilm, Stadt im Fürstentum
Schwarzburg-Rudolstadt, Landratsamt Rudolstadt, an der Ilm, 348 m
ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine
Hutfabrik, Gerberei, Orgelbau, Bierbrauerei und (1885) 3107 evang.
Einwohner. 1599 ward hier der Hauptrezeß, betreffend die
Teilung der schwarzburgischen Länder, geschlossen.
Stadtkreis, in Preußen der besondere Kreis- und
Kommunalverband, welchen die sogen. großen Städte, d. h.
diejenigen, welche mit Ausschluß der aktiven
Militärpersonen mindestens 25,000 Einwohner haben, bilden
können. Kleinere Städte können nur ausnahmsweise auf
Grund königlicher Verordnung aus dem Kreisverband ausscheiden.
Die Geschäfte des Kreistags und des Kreisausschusses, soweit
sich die Thätigkeit des letztern auf die Verwaltung der
Kreiskommunalsachen bezieht, werden von den städtischen
Behörden wahrgenommen. Im übrigen besteht an Stelle des
Kreisausschusses ein Stadtausschuß unter dem Vorsitz des
Bürgermeisters oder seines Stellvertreters.
Stadtlohn, Stadt im preuß. Regierungsbezirk
Münster, Kreis Ahaus, an der Berkel, hat eine kath. Kirche,
bedeutende Nesselweberei, Lein- und Halbleinweberei, Bleicherei,
Thonwarenfabrikation und (1885) 2189 Einw. Hier 6. Aug. 1623 Sieg
der Kai-
216
Stadtmusikus - Stael-Holstein.
serlichen unter Tilly über Herzog Christian von
Braunschweig und im August 1638 der Kaiserlichen (Hatzfeld)
über die Schweden (King).
Stadtmusikus (Stadtpfeifer), s.
Musikantenzünfte.
Stadtoldendorf, Stadt im braunschweig. Kreis Holzminden,
an der Linie Holzminden-Jerxheim der Preußischen Staatsbahn,
195 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine
Oberförsterei, Sandsteinbrüche und (1885) 2571 Einw.
Dabei das ehemalige Cistercienserkloster Amelunxborn mit einer
berühmten Klosterschule von 1569 bis 1754.
Stadtprozelten, Stadt im bayr. Regierungsbezirk
Unterfranken, Bezirksamt Marktheidenfeld, am Main, hat eine kath.
Kirche, eine Burgruine, ein Amtsgericht, ein Forstamt, ein reiches
Hospital, Obst- und Weinbau und (1885) 844 Einw. Dabei das Dorf
Dorfprozelten mit 1017 Einw.
Stadtrat, städtische Kollegialbehörde, welcher
die Verwaltung der städtischen Angelegenheiten obliegt. Das
vollziehende Organ ihrer Beschlüsse ist der Magistrat
(Bürgermeisteramt). Mitunter wird aber auch der letztere S.
genannt und für die Mitglieder desselben die Bezeichnung
"Stadträte" (Magistratsräte) gebraucht. Vgl. Stadt, S.
215.
Stadtrecht (Weichbildrecht), ursprünglich das
kaiserliche oder landesherrliche Privilegium, wodurch eine Gemeinde
zur Stadt erhoben ward; dann Inbegriff der in einer Stadt
gültigen Rechtssätze. Solche Stadtrechte entstanden in
Deutschland seit dem 10. Jahrh., und es wurden dadurch nicht nur
Privatrechtsverhältnisse, sondern auch Gegenstände des
öffentlichen Rechts normiert. Oft ward das Recht einer Stadt
mehr oder minder vollständig von andern rezipiert; so die
Stadtrechte von Münster, Dortmund, Soest und andern
westfälischen Städten, ganz besonders aber die
Stadtrechte von Magdeburg, Lübeck und Köln. Das
lübische Recht gewann die Küstenstriche von Schleswig ab
bis zu den östlichsten deutschen Ansiedelungen, das
Magdeburger die Binnenlande bis nach Böhmen, Schlesien und
Polen hinein und verbreitete sich als Kulmer Recht über ganz
Preußen. Infolge der Umgestaltung der
Territorialverhältnisse sowie der Rechtsbegriffe machten sich
Umänderungen der Stadtrechte notwendig, und so entstanden im
Lauf des 15., 16. und 17. Jahrh. an vielen Orten verbesserte
Stadtrechte, sogen. "Reformationen", wobei aber unter Einwirkung
der Rechtsgelehrten mehr und mehr römisches Recht eingemischt
ward bis zuletzt die alten Stadtrechte zugleich mit der eignen
Gerichtsbarkeit und der Autonomie der Städte bis auf
dürftige Reste der Autorität der Landesherren weichen
mußten. Nur für das Familien- und Erbrecht haben sich
einzelne Satzungen der alten Stadtrechte (Statuten) bis auf die
Gegenwart erhalten.
Vgl. Gaupp, Deutsche Stadtrechte des Mittelalters (Bresl.
1851-52, 2 Bde.); Gengler, Deutsche Stadtrechte des Mittelalters
(neue Ausg., Nürnb. 1866); Derselbe, Codex juris municipalis
Germaniae (Erlang. 1863-67, Bd. 1); Derselbe, Deutsche
Stadtrechtsaltertümer (das. 1882).
Stadtreisender, s. Platzreisender.
Stadtsteinach, Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk
Oberfranken, an der Steinach, hat eine kath. Kirche, ein
Amtsgericht, ein Forstamt, Eisensteingruben und (1885) 1490 meist
kath. Einwohner.
Stadtsulza, s. Sulza.
Stadtverordnete, s. Stadt, S. 214.
Staël-Holstein (spr. stal), Anne Louise Germaine,
Baronin von, berühmte franz. Schriftstellerin, geb. 22. April
1766 zu Paris, Tochter des Ministers Necker, entwickelte sich
frühzeitig unter dem Einfluß einer streng
protestantischen Mutter und der philosophischen Anschauungen, denen
man im Haus ihres Vaters huldigte, verfaßte mit 15 Jahren
juristische und politische Abhandlungen und verheiratete sich 1786
auf den Wunsch ihrer Mutter mit dem schwedischen Gesandten, Baron
von S. Doch war diese Ehe nicht glücklich; 1796 trennte sie
sich von ihrem geistig tief unter ihr stehenden Gemahl,
näherte sich ihm aber 1798 wieder, als er krank wurde, um ihn
zu pflegen, und blieb bei ihm bis zu seinem Tod (1802). Seit dem
ersten Jahr ihrer Ehe entwickelte sie eine eifrige litterarische
Thätigkeit. 1786 war ihr Schauspiel "Sophie, ou les sentiments
secrets" erschienen, dem als letzter Versuch dieser Art 1790 die
Tragödie "Jane Gray" folgte; sie sah ein, daß sie
für Bühnendichtung nicht geschaffen war. Besser gelangen
ihr die überschwenglich lobenden "Lettres sur les
écrits et le caractère de J. J. Rousseau" (1788);
doch fehlt die Kritik fast ganz. Das immer reichlicher
fließende Blut ließ ihre anfängliche Begeisterung
für die Revolution bald schwinden; ein Plan zur Flucht, den
sie der königlichen Familie unterbreitete, wurde nicht
angenommen; am 2. Sept. 1792 mußte sie selbst flüchten.
Auch ihre beredte Schrift zu gunsten der Königin:
"Réflexions sur le procès de la reine" (1793) hatte
keine Wirkung. Dagegen erregte sie Aufsehen durch ihre Schriften:
"Réflexions sur la paix, adressées à M. Pitt
et aux Français" (Genf 1795) und besonders durch "De
l'influence des passions sur le bonheur des individus et des
nations" (Laus. 1796), ein Werk voll tiefer und lichtvoller
Gedanken. Nach ihrer Rückkehr verfeindete sie aber ihr
energisches Eintreten für konstitutionelle Ideen derart mit
Bonaparte, daß sie auf 40 Stunden im Umkreis von Paris
verbannt wurde. Sie ging nach Coppet, lebte aber meist auf Reisen.
Ihr schriftstellerischer Ruf hatte sich inzwischen in weitern
Kreisen verbreitet durch ihre Schrift "De la littérature
considérée dans ses rapports avec les institutions
sociales" (1799, 2 Bde.) und durch den Roman "Delphine" (1802, 6
Bde., u. öfter; hrsg. von Sainte-Beuve, 1868; deutsch, Leipz.
1847, 3 Bde.), eine Schilderung ihrer eignen Jugend in Briefform.
1803 machte sie ihre erste Reise nach Deutschland, wo sie
längere Zeit in Weimar und Berlin verweilte; 1805 bereiste sie
Italien. Seit dieser Zeit war A. W. v. Schlegel, den sie in Berlin
kennen gelernt hatte, ihr Begleiter, und sein Umgang ist nicht ohne
Einfluß auf ihre Ansichten, besonders über Kunst und
deutsche Litteratur, geblieben. Die Frucht ihrer Reise nach Italien
war der Roman "Corinne, ou l'Italie" (1807, 2 Bde., u. öfter;
deutsch von Fr. Schlegel, Berl. 1807; von Bock, Hildburgh. 1868),
eine begeisterte Schilderung Italiens und das glänzendste
ihrer Werke. 1810 ging sie nach Wien, um Stoff zu ihrem schon lange
geplanten Werk "De l'Allemagne" zu sammeln, einem Gemälde
Deutschlands in Beziehung auf Sitten, Litteratur und Philosophie;
doch wurde die ganze Auflage auf Befehl des damaligen
Polizeiministers Savary sogleich vernichtet und gegen die
Verfasserin von Napoleon I. ein neues Verbannungsdekret erlassen,
das sich auf ganz Frankreich erstreckte. Erst zu Ende 1813 erschien
das Werk (3 Bde.) zu London, darauf 1814 auch zu Paris. So reich es
an geistvollen Gedanken ist und so achtungswert durch die
Wärme, womit es den Franzosen deutsche Art und Kunst
empfiehlt, so enthält es doch auch viele schiefe Ansichten und
erhebliche Unrichtigkeiten. Jedenfalls
217
Stäfa - Staffordshire.
aber hat es den größten und dauerndsten Eindruck
gemacht und muß darum als ihr Hauptwerk gelten. S. lebte in
der nächsten Zeit wieder zu Coppet, wo sie sich insgeheim mit
einem jungen Husarenoffizier, de Rocca, verheiratete. Von der
französischen Polizei fort und fort verfolgt, begab sie sich
im Frühjahr 1812 nach Moskau und Petersburg und von da nach
Stockholm, wo ihr jüngster Sohn, Albert, im Duell blieb. Im
Anfang des folgenden Jahrs ging sie nach England; erst nach
Napoleons Sturz kehrte sie nach langer Verbannung, deren Ereignisse
sie in "Dix années d'exil" (1821; deutsch, Leipz. 1822)
teilweise erzählt, nach Paris zurück. Nach Bonapartes
Rückkehr von Elba zog sie sich nach Coppet zurück. Nach
der zweiten Restauration erhielt sie Vergütung für die
alte Schuld von 2 Mill. Frank, die ihr Vater bei seinem Abschied im
öffentlichen Schatze zurückgelassen hatte, und lebte
fortan in einem glücklichen häuslichen Kreis und im engen
Verkehr mit litterarischen und politischen Freunden in Paris, bis
zu ihrer letzten Krankheit mit Ausarbeitung der trefflichen
"Considérations sur les principaux événements
de la Révolution française" (1818, 3 Bde.; neue Ausg.
1861; deutsch von A. W. v. Schlegel, Heidelb. 1818, 6 Bde.)
beschäftigt. Sie starb 14. Juli 1817. Zu erwähnen sind
noch die Werke: "Vie privée de M. Necker", an der Spitze der
Ausgabe der Manuskripte ihres Vaters (1804); "Réflexions sur
le suicide" (1813); "Zulma et trois nouvelles" (1813); "Essais
dramatiques" (1821), eine Sammlung von 7 Stücken in Prosa,
darunter das Drama "Sapho". Eine Ausgabe ihrer Werke (Par. 1820-21,
17 Bde.) veranstaltete ihr ältester Sohn, Auguste Louis, Baron
von S. (geb. 1790), der sich selbst als Schriftsteller bekannt
machte und 1827 starb (seine "OEuvres divers" gab seine Schwester,
die Herzogin von Broglie, heraus, 1829, 3 Bde.). Vgl. Baudrillart,
Éloge de Mad. de S. (1850); Norris, Life and times of Mad.
de S. (Lond. 1853); Gérando, Lettres inédites et
Souvenirs biographiques de Mad. Récamier et de Mad. S. (Par.
1868); Stevens, Mad. de S. (Lond. 1880, 2 Bde.); Lady
Blennerhassett, Frau von S. und ihre Freunde (Berl. 1887-89, 3
Bde.); ferner "Correspondance diplomatique du baron de S.,
documents inédits" (hrsg. von Léouzon le Duc, Par.
1881).
Stäfa, Gemeinde im schweizer. Kanton Zürich, am
rechten Ufer des Zürichsees, mit Weinbau, Baumwoll- und
Seidenweberei und (1880) 3874 Einw., durch Dampfschiffahrt mit
sämtlichen Uferorten verbunden.
Stafette (franz. Estafette), ein außerordentlicher
reitender Bote, welcher Briefe so schnell wie möglich
befördert, namentlich den Verkehr der Regierungen mit den
obern Behörden und den Gesandtschaften vielfach
unterhält. Seit der Entwickelung des Eisenbahn- und
Telegraphenverkehrs ist die Sache und mit ihr das Wort sehr
außer Gebrauch gekommen. Für Deutschland sind
Bestimmungen über die Estafettenbeförderung in Abschnitt
II, § 45 der Postordnung gegeben.
Staffa, eine der innern Hebriden, westlich von Mull, nur
360 Hektar groß, aber berühmt wegen ihrer
Basaltsäulen und Höhlen, unter denen die
Fingalshöhle (s. d.) die berühmteste ist.
Staffage (spr. -ahsche), Bezeichnung für einzelne
Figuren oder ganze Gruppen von Menschen und Tieren, welche in einer
Landschaft oder einem Architekturbild zur Belebung der Darstellung
angebracht werden, jedoch ohne die Hauptsache derselben zu
sein.
Staffelei, hölzernes Gestell, dessen sich der Maler
beim Anfertigen seiner Bilder zum Aufstellen derselben bedient. Es
hat an der Rückseite eine bewegliche Stütze zum Behuf
einer willkürlich schrägen Stellung und an der
Vorderseite ein bewegliches Querholz zum Höher- und
Niedrigerstellen des Bildes, was durch eiserne oder hölzerne
Bolzen erfolgt, welche in parallel angebrachte Öffnungen
gesteckt werden, und auf denen das Querholz aufliegt. Daher
Staffeleigemälde, kleinere Gemälde, welche auf der S.
verfertigt werden, Gegensatz von Wandgemälden.
Staffelgiebel, die an den Seitenkanten durch
stufenförmige Einschnitte gegliederten Hausgiebel, welche in
der Profanbaukunst des Mittelalters häufig angewendet wurden,
auch Katzentreppen (s. d.) und Treppengiebel genannt.
Staffelit, Mineral aus der Ordnung der Phosphate, nach
dem Fundort Staffel in Nassau benannt, vielleicht nur eine
Varietät des Phosphorits, bildet hellgrüne, traubige und
nierenförmige, mikrokristallinische Aggregate und enthält
bis zu 9 Proz. kohlensauren Kalk, etwas Wasser und Spuren von
Jod.
Staffeln, s. v. w. Stufen, beim Militär die Teile
von Truppenkörpern, die sich in gewissen Abständen
folgen, z. B. bei der Artillerie die Wagenstaffeln der Batterien
und Kolonnen. Über S. im taktischen Sinn s. Echelon.
Staffelngebete, s. Stufengebete.
Staffelrechnnng, s. Kontokorrent, S. 47.
Staffelrecht, s. Stapelgerechtigkeit.
Staffelschnitt, in der Heraldik die stufenförmige
Teilung eines Wappenschildes.
Staffelstein, Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk
Oberfranken, an der Lauter und der Linie München-Bamberg-Hof
der Bayrischen Staatsbahn, 295 m ü. M., hat eine kath. Kirche,
ein Amtsgericht, Obst-, Wein- und Spargelbau, Bierbrauerei, 2
Kunstmühlen, Landesprodukten-, Gerberrinden-, Weidenreifen-
und Holzhandel und (1885) 1837 Einw. Dabei der pittoreske
Staffelberg (mit Kapelle), reich an Versteinerungen. S. war der
Geburtsort des Rechenmeisters Adam Riese.
Staffieren (v. altfranz. estoffer), mit dem nötigen
Stoff oder Zubehör versehen, verzieren, mit Beiwerk
ausschmücken. Vgl. Staffage.
Stäffis am See, Ort, s. Estavayer le Lac.
Stafford, altertümliche Hauptstadt von Staffordshire
(England), am Sow, der sich dicht bei der Stadt mit dem Trent
vereinigt, hat 2 alte Kirchen, eine Grafschaftshalle (Shire Hall),
ein Rathaus mit großer Markthalle, ein neues Schloß,
Irrenhaus, Zuchthaus, große Stiefelfabriken, Gerberei,
Brauereien und (1881) 19,977 Einw.
Staffordshire (spr. stäffordschir), engl.
Grafschaft, von den Grafschaften Derby, Warwick, Worcester, Salop
und Chester begrenzt, umfaßt 3022 qkm (54,9 QM.) mit (1881)
981,013 Einw. Der Norden des Landes besteht aus kahlem,
unfruchtbarem, bis zu 552 m ansteigendem Hügelland mit
großen Strecken Moorland; im O. liegt Needwood Forest, ein
ausgedehnter Strich Heide; das Thal des Trent aber ist ungemein
fruchtbar, und auch der wellenförmige Süden ist
vorzüglich angebaut. Von der Oberfläche sind 39,7 Proz.
unter dem Pflug, 56,8 Proz. bestehen aus Wiesen, und an Vieh
zählte man 1887: 143,159 Rinder, 244,394 Schafe und 116,956
Schweine. Die wichtigsten Produkte des Bergbaues sind: Steinkohlen
(1887: 12,853,000 Ton.), Eisen (938,018 T. Erz), Blei und Kupfer.
Die Industrie ist ungemein entwickelt und liefert namentlich
Eisenwaren, Töpferwaren (in dem
218
Stage - Stahl.
als "Potteries" bekannten Bezirk), Glas, Seidenwaren,
Baumwollwaren und Stiefel. Hauptstadt ist Stafford, die
volkreichste Stadt ist Wolverhampton.
Stage, Taue aus Hanf oder Draht, welche von den Spitzen
der Masten und Stengen schräg nach vorn und unten verlaufen,
um den genannten Rundhölzern einen bessern Halt zu geben; sie
gestatten die Anbringung von Stagsegeln.
Stageiros (Stagira), von Andriern im 7. Jahrh. v. Chr.
gegründete Stadt im alten Makedonien, auf der Halbinsel
Chalkidike, berühmt als Geburtsort des Aristoteles (daher der
Stagirite), von Philipp II. 348 v. Chr. zerstört, aber
später wieder aufgebaut. Heute Ruinen Lymbiada.
Stägemann, Friedrich August von, preuß.
Staatsmann und Dichter, geb. 7. Nov. 1763 zu Vierraden in der
Ukermark, studierte zu Halle die Rechte und ward 1806 Geheimer
Oberfinanzrat, 1807 vortragender Rat bei dem nachmaligen
Staatskanzler v. Hardenberg und nach dem Tilsiter Frieden Mitglied
der zur Verwaltung des Landes niedergesetzten Immediatkommission,
unter dem Ministerium Stein vortragender Rat, 1809 Staatsrat, in
welcher Stellung er Hardenberg nach Paris, London und zum Wiener
Kongreß begleitete. Er starb 17. Dez. 1840 in Berlin. Seine
vaterländischen Gedichte, gesammelt als "Historische
Erinnerungen in lyrischen Gedichten" (Berl. 1828), zum Teil in
kunstvoller Odenform, spiegeln den idealistisch-patriotischen
Geist, welcher zur Zeit der Befreiungskriege die gebildeten Kreise
durchdrang. Dem Andenken seiner Gattin (gest. 1835) gewidmet ist
die als Manuskript gedruckte Sonettensammlung "Erinnerungen an
Elisabeth" (Berl. 1835); von ihr selbst erschienen: "Erinnerungen
für edle Frauen" (Leipz. 1846, 3. Aufl. 1873). Vgl. auch
"Briefe von S., Metternich, Heine und Bettina v. Arnim" (aus
Varnhagens Nachlaß, Leipz. 1865).
Stagione (ital., spr. stadschohne), Jahreszeit,
Saison.
Stagnation (lat.), Stillstand, Stockung.
Stagnelius, Erik Johan, schwed. Dichter, geb. 14. Okt.
1793 zu Gärdslösa auf Örland, studierte in Lund und
Upsala und erhielt dann eine Anstellung in der königlichen
Kanzlei. Seine Muße widmete er philosophischen Studien,
namentlich suchte er Schellings Identitätslehre mit
gnostischer Mystik zu verschmelzen. Finster und verschlossen, dabei
maßlos ausschweifend, verfiel er in periodischen Wahnsinn und
starb 23. April 1823. Seinen litterarischen Ruf begründete
1817 das epische Gedicht "Wladimir ten store", das von der
schwedischen Akademie gekrönt wurde. Seine Hauptwerke aber
sind der halb philosophische, halb religiöse Gedichtcyklus
"Liljor i Saron" (1820), das antike Trauerspiel "Bacchanterna", die
nordischen Tragödien "Visbur" und "Sigurd Ring", das Drama
"Riddartornet", die Schauspiele "Gladjetlickan i Rom" und
"Karlekena fter doden" und die religiöse Tragödie
"Martyrerne", worin die Idee vom Leben als einer Strafe und einem
Leiden in ergreifender Weise durchgeführt ist. Auch viele
seiner kleinern, im Volkston gehaltenen Lieder sind vortrefflich.
Seine "Gesammelten Schriften" gab zuletzt C. Eichhorn (Stockh.
1866-68, 2 Bde.) heraus; eine deutsche Übersetzung
Kannegießer (Leipz. 1853, 6 Bde.).
Stagnieren (lat.), stillstehen, stocken.
Stagnone (spr. stanjohne), flacher Meerbusen an der
Westseite Siziliens, zwischen Marsala und Trapani, welcher durch
die niedrigen, fast ganz mit Salinen bedeckten Stagnoneinseln gegen
das Meer geschlossen ist. Dieser Inseln sind drei: Borrone,
Isolalonga und in der Mitte die kleine kreisrunde Insel San
Pantaleone, berühmt als Sitz der karthagischen Stadt Motye,
von der noch einzelne Reste vorhanden sind.
Stahl, s. Eisen, S. 418 ff.
Stahl, 1) Georg Ernst, Chemiker und Mediziner, geb. 21.
Okt. 1660 zu Ansbach, studierte in Jena wurde 1687 Hofarzt des
Herzogs von Weimar, 1694 Professor der Medizin in Halle, 1716
Leibarzt des Königs von Preußen; starb 14. Mai 1734 in
Berlin. S. stellte eine Theorie der Chemie auf, welche bis auf
Lavoisier allgemeine Geltung behielt und auf der Annahme des
Phlogistons beruhte. Auch entdeckte er viele Eigenschaften der
Alkalien, Metalloxyde und Säuren. Seine Hauptwerke sind:
"Experimenta et observationes chemicae" (Berl. 1731) und "Theoria
medica vera" (Halle 1707; Leipz. 1831-33, 3 Bde.; deutsch von
Ideler, Berl. 1831-32, 3 Bde.), in welcher er Hoffmann
bekämpfte und die Lehre vom psychischen Einfluß
(Animismus, s. d.) aufstellte.