den Holzschnitt, arbeitete in der Werkstatt und unter dem
Einfluß Dürers und fertigte unter andern 50 Zeichnungen
zu den Holzschnitten in einem Nürnberger Gebetbuch: "Hortulus
animae" (1518).
Springkäfer, s. v. w. Schnellkäfer.
Springkasten, s. Tisch.
Springkörner, s. Euphorbia.
Springkraut, s. Impatiens; kleines S., s. Euphorbia.
Springkürbis, s. Momordica.
Springläuse, s. Blattflöhe.
Springmaus (Dipus Schreb.), Gattung aus der Ordnung der
Nagetiere und der Familie der Springmäuse (Dipodina), kleine
Tiere mit gedrungenem Leib, sehr kurzem Hals, hasenähnlichem
Kopf, großen, häutigen Ohrmuscheln, großen Augen,
sehr langen Schnurrhaaren, sehr langem Schwanz, stark
verkürzten Vorderfüßen (welche beim Springen
größtenteils im Pelz versteckt werden, daher der Name
Zweifuß, Dipus) mit vier Zehen und wohl sechsfach
längern Hinterfüßen mit drei Zehen, die mit steifem
Borstenhaar bedeckt sind, und deren Krallen rechtwinkelig zum
Nagelglied stehen. Die Sohle ist mit elastischen Springballen
versehen. Die Wüstenspringmaus (Djerboa, D. aegyptius Hempr.
et Ehbg., s. Tafel "Nagetiere I"), 17 cm lang, mit 21 cm langem
Schwanz, oben grausandfarben, schwarz gesprenkelt, unterseits
weiß, mit breitem, weißem Schenkelstreifen, oben
blaßgelbem, unten weißlichem Schwanz mit weißer,
pfeilartig schwarz gezeichneter Quaste, bewohnt Nordostafrika bis
Mittelnubien und das westliche Asien und findet sich in den
ödesten Steppen und in Sandwüsten, zuweilen in
größern Gesellschaften. Sie gräbt vielverzweigte,
flache Gänge im Boden, um bei der geringsten Gefahr in diese
Zufluchtsstätten zu flüchten. In der Ruhe steht sie oft
aufrecht wie ein Känguruh, im Lauf macht sie weite
Sprünge und entwickelt eine außerordentliche
Geschwindigkeit. Sie nährt sich hauptsächlich von Knollen
und Wurzeln, frißt aber auch Blätter, Früchte und
Kerbtiere. Gegen Hitze ist sie sehr unempfindlich, doch erscheint
sie als echtes Nachttier und verfällt bei Kälte und
Nässe in eine Art Erstarrung. Sie soll in ihrem Bau 2-4 Junge
werfen. In der Gefangenschaft zeigt sie sich sehr harmlos und
zutraulich. Die Araber essen das Fleisch der S. und benutzen das
Fell zu kleinen Pelzen für Kinder und Frauen, zu Besatz etc.
Die Alten erwähnen die S. häufig, auch finden sich
bildliche Darstellungen auf Münzen und Tempelverzierungen.
Jesaias verbot, das Fleisch der S. zu genießen (Jes. 66,
17).
Springprozession, s. Echternach.
Springraupe, s. Zünsler.
Spring-Rice (spr. -reiß), Thomas, Baron Monteagle
von Brandon, brit. Staatsmann, geb. 8. Febr. 1790 in Irland,
studierte zu Cambridge und saß seit 1816 als Mitglied der
Whigpartei im Unterhaus. Als diese 1830 unter Grey ans Staatsruder
kam, ward er Unterstaatssekretär des Innern, dann
Sekretär des Schatzes und gelangte nach Stanleys
Rücktritt 1834 als Staatssekretär der Kolonien ins
Ministerium, welches jedoch schon im November zurücktreten
mußte. Bei der Bildung des neuen Whigministeriums 1835
übernahm S. die Finanzverwaltung, bewies sich aber nicht
befähigt für dieselbe. Als er im August 1839 aus dieser
Stellung schied, erhielt er die Peerswürde mit dem Titel eines
Lord Monteagle und das Amt eines Kontrolleurs der Schatzkammer. Er
starb 7. Febr. 1866; in der Peerswürde folgte ihm sein Enkel
Thomas S., geb. 31. Mai 1849.
Springschwänze (Poduren, Poduridae Burm.),
Insektenfamilie aus der Ordnung der Thysanuren, kleine, meist
langgestreckte Tiere mit behaarter oder beschuppter
Oberfläche, meist wagerecht gestelltem Kopf, derben, vier- bis
sechsgliederigen Fühlern, jederseits 4-8 (selten bis 20)
einfachen Augen, verborgenen Mundteilen, derben Beinen mit
zweilappigen, in eine gespaltene Klaue endenden Tarsen und an der
Spitze des Hinterleibs mit langer, unter den Bauch geschlagener
Springgabel, mittels welcher sie sich weit fortschnellen. Sie leben
am Boden unter faulenden Vegetabilien, bedürfen großer
Feuchtigkeit, erscheinen oft im Winter massenhaft auf dem Schnee,
sind sehr fruchtbar, entwickeln sich aber langsam. Der
Gletscherfloh (Desoria glacialis Nic.), 2 mm lang, schwarz, dicht
behaart, findet sich häufig auf den Alpengletschern und kann
bei -11° einfrieren, ohne Schaden zu leiden. Auf Schnee
erscheint auch häufig die gelblichgraue, schwarz gestreifte
Degeeria nivalis L.; auf stehenden Gewässern findet sich in
zahlloser Menge der Wasserfloh (Podura aquatica de Geer), welcher 2
mm lang, schwarzblau, an Fühlern und Beinen rot ist. Der
zottige Springschwanz (Podura villosa L.), 3,37 mm lang, gelbrot
mit schwarzen Binden, lebt wie der gleichgroße
192
Springwurm - Spruner.
bleigraue Springschwanz (P. plumbea L.) im Gebüsch unter
abgefallenem Laub.
Springwurm, s. Madenwurm.
Springzeit, Flutzeit, s. Ebbe und Flut.
Sprinz, s. Sperber.
Sprit, s. v. w. gereinigter Spiritus; auch s. v. w.
Essigsprit (s. Essig, S. 860).
Spritzflasche, chemischer Apparat zum Auswaschen von
Niederschlägen etc., besteht aus einer etwa zur Hälfte
mit Wasser gefüllten Flasche mit durchbohrtem Kork, in welchem
ein kurzes, zu einer Spitze ausgezogenes Glasrohr steckt.
Bläst man durch dieses Rohr, um die Luft in der Flasche zu
verdichten, so schießt aus der mit der Mündung nach
unten gekehrten Flasche ein Wasserstrahl hervor. Bequemer steckt
man in den zweimal durchbohrten Kork ein bis auf den Boden der
Flasche reichendes Rohr, das im spitzen Winkel umgebogen ist und am
abwärts gerichteten Schenkel in eine Spitze ausläuft, und
außerdem ein stumpfwinkelig gebogenes Blasrohr, welches dicht
unter dem Kork endet.
Spritzgurke, s. v. w. Momordica Elaterium.
Spritzloch, bei den Walen und den meisten Haifischen eine
oder zwei Öffnungen am Kopf zum Ausstoßen von Luft oder
Wasser. Bei den Haifischen liegt ein Paar Spritzlöcher hinter
den Augen, entspricht einem Paar Kiemen und spritzt Wasser aus, bei
den Walen ist das S. enger, geht aus der Verschmelzung der
Nasenlöcher hervor und entläßt den Atem, dessen
Feuchtigkeit in der kalten Luft sich zu einer hohen Säule von
Wasserdampf verdichtet und so den Anschein hervorruft, als
würde Wasser ausgespritzt.
Sprocke (Sprockwürmer), s. Köcherjungfern.
Sprödglaserz (Stephanit, Schwarzgüldigerz,
Melanglanz), Mineral aus der Ordnung der Sulfosalze, kristallisiert
in rhombischen, dick tafelartigen oder kurz
säulenförmigen Kristallen, findet sich auch eingesprengt,
in derben Massen und als Anflug, ist eisenschwarz bis bleigrau,
selten bunt angelaufen, Härte 2-2,5, spez. Gew. 6,2-6,3, und
besteht aus Antimon, Silber und Schwefel 5Ag2 + Sb2S3 mit 68,36
Silber und 15,44 Antimon. Das auf Gängen der kristallinischen
Schiefer, der ältesten Sedimentformationen und trachytischer
Gesteine brechende Mineral kommt besonders im Erzgebirge, am Harz,
in Böhmen, Ungarn, Mexiko sowie auf dem Comstockgang in Nevada
vor und ist ein sehr reiches Silbererz. Vgl. Eugenglanz.
Sprödigkeit, Eigenschaft harter Körper,
vermöge welcher sie leicht durch einen Stoß oder durch
eine geringe Verletzung ihrer Oberfläche in mehr oder weniger
zahlreiche Stücke zerspringen, wie z. B. Glas. Vgl.
Kohäsion.
Sproß, in der Botanik der ganze Einer Achse
angehörige Pflanzenteil, also insbesondere jeder Zweig, der
aus einer Achse niedern Grades entspringt, samt allen seinen
seitlichen Organen.
Sprossen, die Enden am Hirschgeweih unterhalb der Krone
(Augen-, Eis-, Mittelsprosse).
Sprossentanne, s. Tsuga.
Sprosser, s. Nachtigall.
Sprossung, s. Knospe und Proliferierend; hefeartige
Sprossung, s. Pilze, S. 65.
Sprottau, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk
Liegnitz, an der Mündung der Sprotte in den Bober und der
Linie Lissa-Hansdorf der Preußischen Staatsbahn, 132 m
ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein
stattliches Rathaus, ein öffentliches Schlachthaus, ein
Realgymnasium, ein Amtsgericht, Fabrikation von Tabak und Zigarren,
Brückenwagen, Zündwaren, Teppichen und künstlichen
Blumen, Strumpfwirkerei, Bierbrauerei, Ziegelbrennerei, große
Mühlwerke, bedeutende Stadtforst und (1885) mit der Garnison
(eine Abteilung Feldartillerie Nr. 5) 7552 meist evang. Einwohner.
In der Nähe die Eisenhütte und Maschinenbauanstalt
Wilhelmshütte. S. erhielt 1289 deutsches Stadtrecht.
Sprotte (Breitling, Clupea sprattus L.), Fischart aus der
Gattung Hering, 10-13 cm lang, dem gemeinen Hering ähnlich,
mit gekieltem, deutlich gezähneltem Bauch, auf dem Rücken
dunkelblau mit grünem Schimmer, sonst silberweiß, mit
dunkler Rücken- und Schwanzflosse und weißer Brust-,
Bauch- und Afterflosse, findet sich in der Nord- und Ostsee,
nördlich bis Island gewöhnlich in bedeutender Tiefe,
laicht im Mai und Oktober und wird an der Küste Englands,
Frankreichs und in der Ostsee im Juni bis September und im November
bis Frühling in großer Zahl mit feinmaschigen Netzen
gefangen und zusammen mit den sehr zahlreichen jungen Heringen, die
ebenfalls in das Netz geraten waren, auf den Markt gebracht.
Geschätzt sind in Deutschland besonders die geräucherten
Kieler Sprotten. In Hamburg wird auch der Stint zu "Kieler
Sprotten" verarbeitet. In Norwegen macht man die S. ein und bringt
sie als Anschovis in den Handel, wie sich auch den Sardellen u.
Sardinen viele Sprotten beimischen. Mit Gewürzen zubereitet
ist die S. als russische Sardine im Handel.
Spruchband, s. Banderole.
Sprüche Salomos (lat. Proverbia), Titel einer
Gnomensammlung des Alten Testaments, welche aus mehreren, durch
besondere Überschriften bezeichneten Hauptteilen und einigen
Anhängen besteht. Der erste Teil (Kap. l-9) enthält eine
zusammenhängende Empfehlung der Weisheit in Form der Rede
eines Vaters an seinen Sohn; dann folgen unter dem Titel:
"Denksprüche Salomos" (10, 1) einzelne aneinander gereihte
Sentenzen. Eine dieser Sammlungen (Kap. 25-29) soll nach ihrer
Aufschrift unter Hiskias' Regierung durch Gelehrte des Hofs
veranstaltet worden sein. Somit erscheint Salomo (s. d.) bloß
als Kollektivname zur Charakterisierung dieser ganzen Art von
Lehrdichtung. Kommentiert wurden die S. zuletzt von Hitzig
(Zürich 1858), Zöckler (Bielef. 1867), Ewald
(Götting. 1867), Delitzsch (Leipz. 1873), Nowack (das.
1883).
Spruchliste, s. Schwurgericht, S. 781.
Sprüchwörter, s. Sprichwörter.
Sprudelstein, Absatz oder Niederschlag aus brodelnden
Quellen, z. B. der Aragonitabsatz, den die Karlsbader Quelle
liefert, und als besondere Abart der Pisolith oder Erbsenstein,
zusammengebackene konzentrisch-schalige Kugeln, durch Umrindung
fremdartiger Gesteinsbrocken entstanden. Gegen einen Vergleich des
Erbsensteins mit den Oolithen der frühern geologischen
Perioden spricht das Vorkommen dieser Oolithe: sie sind mitunter in
mächtigen Schichten über große Strecken
gleichmäßig verbreitet und stellen mithin keine
Quellabsätze, die sich doch nur lokal hätten entwickeln
können, dar. Den S. verarbeitet man auf allerlei kleine
Gebrauchs- und Schmuckgegenstände, auch läßt man
Objekte (Blumen, Holzschnitzereien etc.) durch längeres
Einhängen in die Quellen mit S. überziehen.
Spruner, Karl S. von Mertz, Geschichtsforscher und
Kartograph, geb. 15. Nov. 1803 zu Stuttgart, ward, seit 1814 im
Kadettenkorps zu München gebildet, 1825 Leutnant, 1851
Hauptmann im Generalstab, 1855 Oberstleutnant und Lehrer der
Militärgeographie im Kadettenkorps, 1869 endlich
Generaleutnant. Daneben hatte ihn König Maximilian II. zu
193
Sprung - Spurgeon.
seinem Flügeladjutanten, König Ludwig II. 1864 zu
seinem Generaladjutanten ernannt. Im Sommer 1886 trat S. in den
Ruhestand. Er schrieb: "Bayerns Gaue" (Bamb. 1831) und gab eine
"Gaukarte des Herzogtums Ostfranken" (das. 1835) heraus. Sein
Hauptwerk ist der große auf Grund der sorgfältigsten
Detailforschung sehr sauber ausgeführte
"Historisch-geographische Handatlas" (Gotha 1853-64) in 3
Abteilungen: "Atlas antiquus" (3. Aufl. bearbeitet von Menke, 31
Bl., 1862-64), "Handatlas für die Geschichte des Mittelalters
und der neuern Zeit" (neubearbeitet von Menke, 90 Bl., 3. Aufl.
1879) und "Zur Geschichte Asiens, Afrikas etc." (18 Bl., 2. Aufl.
1855). Außerdem veröffentlichte S. einen trefflichen
"Historischen Atlas von Bayern" (Gotha 1838, 7 Bl.), einen
"Historisch-geographischen Schulatlas" (23 Bl., das. 1856, 5. Aufl.
1870), desgleichen historisch-geographische Schulatlanten von
Österreich (13 Bl., das. 1860) und von Deutschland (12 Bl., 2.
Aufl., das. 1866), den "Historico-geographical handatlas" (26 Bl.,
Gotha 1860) u. a. Historische Schriften von S. sind: "Leitfaden zur
Geschichte von Bayern" (2. Aufl., Bamb. 1853), " Pfalzgraf Rupert
der Kavalier" (Münch. 1854) und "Die Wandbilder des bayrischen
Nationalmuseums" (das. 1858), später unter dem Titel:
"Charakterbilder aus der bayrischen Geschichte" (das. 1878) neu
herausgegeben. Endlich hat S. auch mehrere historische Schauspiele
sowie die Schriften: "Jamben eines greisen Ghibellinen" (Bonn 1876)
u. "Aus der Mappe des greisen Ghibellinen" (Münch. 1882)
verfaßt.
Sprung (lat. Saltus), in der Logik und zwar im Beweis das
Auslassen von Mittelsätzen, die nicht fehlen dürfen, wenn
der Schlußsatz bewiesen, in der Metaphysik und
Naturphilosophie das Auslassen von Mittelstufen, die nicht
übergangen werden dürfen, wenn das Ziel der Entwickelung
erreicht werden soll. Ersteres, die Stetigkeit der
Beweisführung, wird durch den Satz, daß die Folge nur
aus der Gesamtheit der Gründe, letzteres, die Stetigkeit der
Entwickelung, durch den Satz, daß die Wirkung nur aus der
Gesamtheit der Ursachen entspringe, die Anwendung des letztern auf
die Natur insbesondere durch den Kanon ausgedrückt, daß
es in dieser keinen S. gebe (in natura non datur saltus).
Sprung, in der Jägersprache mehrere
beisammenstehende Rehe.
Sprungbein, s. Fuß, S. 800.
Sprungzügel, s. Zaum.
Spule, eine hölzerne Walze zum Aufwickeln von Garn,
Draht etc.
Spülkanne, s. v. w. Irrigator (s. d.).
Spuller (spr. spüllähr), Eugène, franz.
Politiker, geb. 8. Dez. 1835 zu Seurre (Côte d'Or) von aus
Baden eingewanderten Eltern, studierte die Rechte, ließ sich
1859 in Paris als Advokat einschreiben, widmete sich aber seit 1863
ganz der demokratischen Journalistik, trat in enge
Freundschaftsbeziehungen zu Gambetta, dessen Sekretär er
während seiner Diktatur 1870-71 war, ward 1872 Redakteur der
"République française" und 1876 Mitglied der
Deputiertenkammer. Er gehörte in dieser zum Republikanischen
Verein und unterstützte Gambettas Politik mit hingebendem
Eifer. Als dieser im November 1881 Ministerpräsident wurde,
ernannte er S. zum Unterstaatssekretär des Auswärtigen,
was er aber bloß bis zum Januar 1882 blieb. 1884 wurde er zum
Vizepräsidenten der Deputiertenkammer erwählt und war vom
Mai bis Dezember 1887 im Ministerium Rouvier Unterrichtsminister.
Im März 1889 ward er Minister des Äußern.
Spulmaschine, Vorrichtung zum Aufwickeln von Fäden
auf Spulen.
Spulrad, eine einem Spinnrad ähnliche Vorrichtung
zum Bewickeln einer Garnspule.
Spulwurm (Ascaris L.), Gattung aus der Klasse der
Nematoden (Fadenwürmer) und der Familie der Askariden (s. d.),
derbhäutige Eingeweidewürmer von mäßiger Dicke
und ansehnlicher Länge, mit stark entwickelten, hohen und
breiten Lippen, welche einen mehr oder minder kugeligen Kopfzapfen
zusammensetzen und bei den größern Arten am Rand
gezähnelt sind. Sie legen meist hartschalige Eier, welche nach
längerm Aufenthalt in feuchter Umgebung einen Embryo
entwickeln, der vielleicht überall zunächst in einen
Zwischenwirt gelangt und seine ganze Metamorphose in der Regel erst
in dem definitiven Wirt durchläuft. Die zahlreichen Arten
bewohnen mit wenigen Ausnahmen den Darm von Wirbeltieren, besonders
Warmblütern. Der gemeine S. (A. lumbricoides L., s. Tafel
"Würmer"; das Männchen etwa 40 cm lang und reichlich 5 mm
dick, das Weibchen bedeutend kleiner), meist gelblichbraun oder
rötlich, verbreitet einen unangenehmen Geruch, bewohnt den
Dünndarm des Menschen, besonders der Kinder, bisweilen in so
beträchtlicher Menge, daß er denselben fast unwegsam
macht, findet sich auch im Rind und Schwein und scheint über
die ganze Erde verbreitet zu sein. Er produziert im Jahr etwa 60
Mill. Eier, die beständig mit dem Kot abgehen, sehr lange auch
in Frost und Trockenheit ihre Keimkraft behalten und sich in Wasser
oder feuchter Erde langsam entwickeln. Ob die Embryonen beim
Genuß von abgefallenem Obst, rohen ungereinigten Rüben,
Bachwasser etc. direkt in den Menschen oder zunächst in einen
Zwischenwirt gelangen, ist noch nicht ermittelt. Sie verursachen
mancherlei Störungen und nicht selten schwerere Leiden. Der
Katzenspulwurm (A. mystax Fab.) schmarotzt auch im Hund und
gelegentlich im Menschen, der großköpfige S. (A.
megalocephala Cloquet), bis 37 cm lang, im Darm des Pferdes und des
Esels und erzeugt oft bösartige Verstopfungen, Katarrh der
Darmschleimhaut etc.
Spur, im Hüttenwesen die Öffnung in der Vorwand
von Schachtöfen, durch welche die geschmolzenen Massen aus dem
Schmelzraum in einen Sammelraum vor dem Ofen fließen; daher
Spuröfen, Öfen mit einer solchen Öffnung. Spuren
nennt man beim Kupferhüttenprozeß die Anreicherung des
Kupfers in den Kupferlechen (Kupfersteine) durch Rösten u.
reduzierend-solvierendes Schmelzen, wobei Spurstein
(Konzentrations-, Anreich-, Dublier-, Mittelstein) entsteht (s.
Kupfer, S. 319). Über den Ausdruck S. in der Jägersprache
s. Fährte.
Spur (Spurweite), s. Eisenbahnbau, S. 450.
Spüren, in der Jägersprache s. v. w.
Abspüren.
Spurensteine, die natürlichen äußern
Abgüsse pflanzlicher oder tierischer Organismen, besonders
aber die Fährten vorweltlicher Tiere.
Spurgeon (spr. spörrdsch'n), Charles Haddon, engl.
Kanzelredner, geb. 19. Juni 1834 zu Kelvedon in Essex, war
zunächst Hilfslehrer an einer Schule zu Newmarket und
schloß sich, von Bunyans Pilgerreise beeinflußt, 1850
der baptistischen Gemeinde in Cambridge an, deren Lehren er bald
als Landprediger zu Teversham vertrat; seine große Jugend
verschaffte ihm hier den Beinamen "the boy preacher". Kaum 17 Jahre
alt, wurde er Prediger einer kleinen Baptistenkapelle zu Waterbeach
und erreichte als solcher Erfolge, wie sie an Wesley und Whitefield
erinnerten. Seit 1853 an der Baptistenkapelle in der New
194
Spurinna - Srászy.
Parkstreet zu London, predigte er unter solchem Zudrang,
daß sehr bald eine Vergrößerung des Gebäudes
nötig wurde. Doch auch das neue Gebäude genügte auf
die Dauer nicht, denn bald war S. die merkwürdigste
Charakterfigur des so überreich verzweigten kirchlichen Lebens
der englischen Metropole und ihr populärster Kanzelredner, zu
welchem Vertreter aller Stände und Bekenntnisse wallfahrteten.
So veranlaßten seine Verehrer 1856 eine öffentliche
Subskription zum Bau einer mächtigen Halle, welche, in
Newington Butts gelegen und zu den Sehenswürdigkeiten Londons
gehörend, 1861 unter dem Namen "Spurgeon's Tabernacle"
eröffnet wurde und 4400 Zuhörern Raum darbietet. Von
seinen Predigten erschienen viele Hunderte im Druck, zahlreiche
auch in deutschen Übersetzungen (gesammelt in 5 Bänden,
Hamb. 1860-73); zuletzt noch seine "Lectures to my students" (Lond.
1875; deutsch, Hamb. 1878-80, 2 Bde.). Vgl. Pike, Ch. H. S.
(deutsch, Hagen 1887).
Spurinna, 1) Vestricius, röm. Feldherr und Dichter
in der ersten Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr., focht siegreich
gegen die Germanen am Rhein, zog sich aber später vom
öffentlichen Leben zurück. Die angeblichen Fragmente
seiner lyrischen Poesien, deren Anmut die Alten rühmten, sind
ein modernes Fabrikat des Polyhistors Kasp. Barth (abgedruckt in
Rieses "Anthologia latina", Bd. 2, Leipz. 1870, und Bährens'
"Poetae latini minores", Bd. 5, das. 1883).
2) Haruspex und Wahrsager, welcher Cäsar vor dem
verhängnisvollen 15. März warnte.
Spurius (lat., "unecht"), s. v. w. Bastard.
Spurstein, s. Spur.
Spurstränge (Blattspuren), in der Pflanzenanatomie
die untern, im Stengel befindlichen Endigungen der in die
Blätter ausbiegenden Gefäßbündel.
Spurweite, s. Eisenbahnbau, S. 450.
Spurzapfen (Grundzapfen), Zapfen, bei denen der
größte vorkommende Druck in der Richtung der Achse des
Zapfens wirkt und von der Grundfläche des Zapfens aufgenommen
wird. Vgl. Zapfen.
Sputum (lat.), der Auswurf.
Spuz (spr. spuhsch), Städtchen in Montenegro, an der
Zeta, mit Citadelle und ca. 1000 Einw.; lange Schauplatz von
Kämpfen mit den Türken, kam durch den Berliner Frieden
1878 an Montenegro.
Squalidae, Haifische.
Squalius, Elten (Fisch).
Squamae (lat.), Schuppen (s. d. und Fruchtschuppen);
squamös, schuppig.
Squarcione (spr. skwartschohne), Francesco, ital. Maler,
geb. 1394 zu Padua, gest. 1474 daselbst, Haupt der paduanischen
Malerschule und vornehmlich als Lehrer Mantegnas bekannt. Von
seinen Werken ist nur eine Madonna mit dem Kind (im Besitz der
Familie Lazzara zu Padua) durch seine Namensinschrift
beglaubigt.
Square (engl., spr. skwehr), Quadrat, daher S. mile,
Quadratmeile; auch ein viereckiger oder runder, von Häusern
umgebener, mit Rasen und Baumgruppen versehener und meist durch ein
eisernes Gitter abgeschlossener Platz in englischen (und danach
auch in andern) Städten. Derartige Plätze von
halbkreisförmiger Gestalt heißen Crescent
("Halbmond").
Squatter (engl., spr. skwotter, von to squat,
niederkauern), in den Vereinigten Staaten von Amerika ein
Ansiedler, der sich ohne Rechtstitel auf einem Stück Land
niederläßt, insbesondere derjenige, welcher noch nicht
angebautes Regierungsland ohne Kauf okkupiert. Da diese Praxis viel
zum raschen Anbau, namentlich der westlichen Staaten, beitrug,
indem unbemittelte Leute in Gegenden, wohin die Kolonisation auf
dem gewöhnlichen Weg erst spät gedrungen sein würde,
Niederlassungen gründeten, so suchte man dergleichen Ansiedler
durch sogen. Präemtionsgesetze in dem Besitz der von ihnen
eigenmächtig okkupierten Ländereien zu schützen.
Nach einem bereits 1808 in Massachusetts erlassenen Gesetz wurde
das Eigentumsrecht auf ein Grundstück schon durch
40jährige Okkupation erworben; spätere
Kongreßbeschlüsse erteilten den Squatters das Recht, von
ihnen okkupierte Staatsländereien, ohne Rücksicht auf den
inzwischen gestiegenen Wert derselben, zum Minimalpreis von
1¼ Doll. pro Acre zu erwerben. Nachdem 1830 dies Gesetz
für eine bestimmte Anzahl von Jahren auf das ganze
Unionsgebiet ausgedehnt worden, kam 1841 das Präemtionsgesetz
zu stande, wodurch die Squatters allenthalben in den Vereinigten
Staaten die Befugnis erhielten, durch Erlegung jenes Minimalpreises
sich einen gesetzlichen Rechtstitel auf die von ihnen bebauten
Grundstücke zu erwerben, wobei nur die Beschränkung
stattfinden sollte, daß kein Kolonist mehr als 160 Acres auf
einmal ankaufen oder auf die zu Schul- und andern
gemeinnützigen Zwecken bestimmten Ländereien Anspruch
machen dürfte. Seit Erlaß des Heimstättegesetzes
von 1862 (homesteadbill) müssen jedem, der sich in gutem
Glauben ansiedelt und Bürger ist oder seine Absicht,
Bürger zu werden, erklärt, 160 Acres Kongreßland
unentgeltlich bewilligt werden. - In Australien heißen
Squatters die Viehzüchter, welche große Strecken neu
angebauten Landes von der Regierung pachten.
Squaws (spr. skwahs), die Frauen der nordamerikan.
Indianer.