1613 in Freiberg, 1632 in Klausthal zum S. benutzt. Man bohrt in

das Gestein Löcher von 2,25-3 cm Durchmesser mit dem

Meißel- oder Kronenbohrer, bei sehr hartem Gestein mit dem

Stern- oder Kreuzbohrer und hebt das Steinmehl, welches hierbei

entsteht, mittels eines kleinen Löffels an langem eisernen

Stiel (Krätzer) von Zeit zu Zeit heraus. Öfteres

Eingießen von Wasser ins Bohrloch beschleunigt die Arbeit

(Naßbohren). Die Tiefe des Bohrlochs richtet sich nach der

Dicke des abzusprengenden Steins. Man stößt in dasselbe

die Patrone hinab, führt die kupferne Räumnadel an der

einen Seite des Bohrlochs bis in die Mitte des Pulvers ein und

füllt nun das Bohrloch mit dem Besatz aus. Dieser besteht aus

Lehm und Ziegelmehl, aus Thonschiefermehl, auch aus

Schieferstücken oder Sand. Unmittelbar über die Patrone

füllt man lockern Besatz, die höhern Schichten aber

werden fest eingestampft, bis das Bohrloch gefüllt ist. Dann

zieht man die Räumnadel heraus und führt in den Kanal ein

Zündröhrchen (Raketchen, Schredel) ein, an dessen

äußerm Ende ein längerer Schwefelfaden befestigt

wird. Vorteilhafter ist die Bickfordsche Zündschnur, welche

mit dem einen Ende in der Patrone steckt und mit dem andern aus dem

Bohrloch herausragt, so daß man das gefährliche

Herausziehen der Räumnadel vermeidet. Zum Abthun des Schusses

wird der Schwefelfaden oder das freie Ende der Zündschnur

entzündet, worauf die Arbeiter fliehen u. die Explosion

abwarten. Größere Sicherheit und, wenn es sich bei

großen Sprengungen um das gleichzeitige Abthun mehrerer

Schüsse handelt, höhern Effekt erzielt man durch

elektrische Zündung, u. zwar benutzt man Zündung durch

den Funken häufiger als durch Erglühen eines dünnen

Drahts. Die Drähte, zwischen denen der Funke überspringen

soll, werden gut isoliert in die Patrone geführt und hier so

gebogen, daß ihre Enden sich gegenüberstehen. Eine bei

jeder Witterung, selbst in feuchten Gruben stets brauchbare

Elektrisiermaschine von Bornhardt zeigt Fig. 1 und 2. Die Maschine

steht in einem durch eine Glasplatte hermetisch verschlossenen

Blechkasten. Die Scheibe B besteht aus Ebonit, das Reibzeug aus

eigentümlich präpariertem Pelzwerk ohne Amalgam. Die

Saugarme A sitzen unmittelbar auf der kleinen Leidener Flasche F.

Die Achse der Scheibe B geht durch eine Stopfbüchse in der

Rückwand des Kastens hindurch und trägt außerhalb

desselben eine Kurbel. Das Reibzeug und die äußere

Belegung der Leidener Flasche stehen mit dem Blechkasten und mithin

auch mit dem Metallring b, in welchen das eine Ende der zum

Zünder führenden Drahtleitung eingehängt wird, in

leitender Verbindung. Das andre Ende der Drahtleitung wird an den

Ring a befestigt, welcher mit einem vertikalen Messinghebel, der

die Kugel k trägt, in leitender Verbindung steht, aber von dem

Blechkasten durch zwei Ebonitplatten D isoliert ist. Als

Zündung dient eine Mischung von Schwefelantimon und

chlorsaurem Kali, in welcher der Funke überspringt. Der

Zünder wird in die Patrone eingeführt, und die aus dem

Bohrloch hervorragenden Drähte verbindet man mit den

Leitungsdrähten. Sollen mehrere Bohrlöcher miteinander

verbunden werden, so schaltet man sie hintereinander in die Leitung

ein, indem man den ersten Draht des ersten Bohrlochs mit der

Hinleitung, den zweiten mit dem ersten Drahte des zweiten Bohrlochs

verbindet und so fortfährt, bis der zweite Draht des letzten

Bohrlochs mit der Rückleitung verbunden wird. In neuerer Zeit

wird statt des Pulvers meist Dynamit verwendet. Dasselbe wird in

Patronen in das Bohrloch bis zur erforderlichen Ladehöhe

eingedrückt und mit einer Zündpatrone versehen. Letztere

besteht aus einem Zündhütchen, welches man an dem einen

Ende der Zündschnur durch Einkneifen befestigt und bis zu

dieser Stelle in das Dynamit einer kleinen Patrone versenkt, deren

Papier an die Zündschnur gebunden wird. Auf diese Weise

erreicht man sicher, daß die Zündschnur zunächst

das Zündhütchen und nicht direkt das Dynamit

entzündet. Geschähe letzteres, so würde das Dynamit

abbrennen, aber nicht explodieren. Die Zündpatrone wird in das

Bohrloch eingeführt, welches nun auf halbe Länge mit

losem Besatz und dann völlig mit festem Satz gefüllt

wird. Bei Verwendung in Wasser muß man die Umhüllung des

Dynamits und die Zündschnur durch Wachs oder Talg vor

Feuchtigkeit schützen, auch wendet man vorteilhaft

Cellulosedynamit an, das durch Feuchtigkeit weniger leidet.

Stärkere Ladungen setzt man gern in

Weißblechbüchsen ein.

Die Wirkung der verschiedenen Sprengstoffe ist abhängig von

der Schnelligkeit, mit welcher sie sich zersetzen, von ihrer

Brisanz. Man kann bei Sprengungen eine Zermalmungs-, eine

Verschiebung- und eine Trennungszone unterscheiden. Je brisanter

ein Sprengungsstoff ist, um so größer werden bei

gleicher Ladungsstärke die kubischen Inhalte der beiden ersten

Zonen. Schwarzpulver erzeugt fast gar keine Zermalmungs-, eine

mittelgroße Verschiebungs-, aber

188

Sprenger - Sprengwerk.

eine verhältnismäßig große Trennungszone,

während Dynamit um so mehr zermalmt, je stärker es ist.

Die starken Dynamitsorten zerbrechen und zermalmen die

zunächst gelegenen Massen, und ihre Wirkung ist eine ziemlich

scharf begrenzte, die schwächern Dynamitsorten brechen nur in

unmittelbarer Nähe, trennen aber die Gesteine weithin. -

Sprengarbeit kommt im Bergbau, beim Bau von Tunnels, Eisenbahnen,

Straßen, Kanälen, zur Beseitigung von Felsen in

Flußläufen etc. vor. Auch aus Ackerland werden

Felsklippen durch S. fortgeschafft. Ebenso werden Bodenvertiefungen

für Baumpflanzungen und Lockerung des Ackerbodens auf Tiefen,

in die kein Ackergerät reicht, durch S. hervorgebracht

(Sprengkultur). Große Wurzelstöcke werden vorteilhaft

durch S. zerrissen. In Steinbrüchen gewinnt man das Material

durch S., auch sprengt man Stahl- und Gußeisenblöcke.

Für Kriegszwecke baut man Minen und benutzt S. in Geschossen

(Granaten, Schrapnells) und Torpedos, zum Zerstören von

Brücken, Eisenbahnen etc. Vgl. Mahler, Die Sprengtechnik (2.

Aufl., Wien 1882); Krause, Die moderne Sprengtechnik (Leipz. 1881);

Hamm, Sprengkultur (Berl. 1877); Zickler, Elektrische

Minenzündung (Braunschw. 1888).

Sprenger, Aloys, Orientalist, geb. 3. Sept. 1813 zu

Nassereit in Tirol, studierte zu Wien neben Medizin und

Naturwissenschaften besonders orientalische Sprachen, ging 1836

nach London, wo er als Hilfsarbeiter des Grafen von Münster an

dessen großem Werk über die Geschichte der

Kriegswissenschaften bei den mohammedanischen Völkern

thätig war, 1843 nach Kalkutta und ward hier 1848 zum

Vorsteher des Kollegiums in Dehli ernannt, in welcher Stellung er

viele Unterrichtsschriften aus europäischen Sprachen in das

Hindostani übertragen ließ. 1848 wurde er nach Lathnau

geschickt, um einen Katalog der dortigen königlichen

Bibliothek anzufertigen, wovon der erste Band 1854 in Kalkutta

erschien. Dieses Buch mit seinen Listen persischer Dichter, seiner

sorgfältigen Beschreibung aller Hauptwerke der persischen

Poesie und seinem wertvollen biographischen Material ist ein

treffliches Hilfsmittel für die Durchforschung des noch so

wenig angebauten Feldes neupersischer Litteratur. 1850 ward S. zum

Examinator, Dolmetsch der Regierung und Sekretär der

Asiatischen Gesellschaft in Kalkutta ernannt. Von seinen

Publikationen aus jener Zeit sind noch zu erwähnen:

"Dictionary of the Technical terms used in the sciences of the

Musulmans" (arab., Kalk. 1854); "Ibn Hajar's biographical

dictionary of persons who knew Mohammed" (arab., 1856); "Soyuti's

Itqân on the exegetic sciences of the Qoran in Arabic" (1856)

u. a. Seit 1857 wirkte S. als Professor der orientalischen Sprachen

an der Universität zu Bern, siedelte aber im Nov. 1881 nach

Heidelberg über. Seine reichhaltige Sammlung arabischer,

persischer, hindostanischer und andrer Manuskripte und Drucke hat

die königliche Bibliothek in Berlin angekauft. Sonstige Werke

von S. sind: "Otby's history of Mahmud of Ghaznah" (arab., Dehli

1847); "Masudî's meadows of gold" (Übersetzung, Lond.

1849, Bd. 1); "The Gulistân of Sady" (pers., Kalk. 1851),

eine korrekte Ausgabe des berühmten didaktischen Werkes, u.

a.; ferner in deutscher Sprache: "Das Leben und die Lehre des

Mohammed" (Berl. 1861-65, 3 Bde.); "Post- und Reiserouten des

Orients" (Leipz. 1864); "Die alte Geographie Arabiens als Grundlage

der Entwickelungsgeschichte des Semitismus" (Bern 1875) und

"Babylonien, das reichste Land in der Vorzeit und das lohnendste

Kolonisationsfeld" (Heidelb. 1886).

Sprenggelatine, s. Nitroglycerin.

Sprenggeschosse, s. Explosionsgeschosse.

Sprengglas, s. v. w. Glasglanz.

Sprenggummi, s. v. w. Sprenggelatine, s.

Nitroglycerin.

Sprengkultur, s. Sprengen, S. 188.

Sprengling, Fisch, s. Äsche.

Sprengmörser, s. v. w. Petarde.

Sprengöl, Nobelsches, s. v. w. Nitroglycerin.

Sprengpulver, s. Schießpulver, S. 453.

Sprengsel, s. v. w. Heuschrecke.

Sprengstoffe, Substanzen, welche durch Erwärmung,

Stoß oder Druck plötzlich mehr oder weniger

vollständig aus dem starren oder flüssigen in den

gasförmigen Zustand übergehen (s. Explosivstoffe) und

durch den dabei sich entwickelnden Gasdruck in der Nähe

befindliche Körper zertrümmern oder fortschleudern. Der

zuerst angewandte Sprengstoff, das Sprengpulver, besitzt im

allgemeinen die Zusammensetzung des Schießpulvers, welche nur

aus Rücksichten auf den Preis und in der Absicht, eine

stärkere Gasentwickelung zu erzielen, etwas modifiziert wurde.

Gegenwärtig ist das Sprengpulver durch neuere Präparate,

namentlich durch die nitroglycerinhaltigen, also hauptsächlich

durch die Dynamite (s. Nitroglycerin) und durch die

Schießbaumwolle (s. d.), stark zurückgedrängt

worden. Auch pikrinsäurehaltige Mischungen, Nitrocellulose und

ähnliche Substanzen spielen eine größere Rolle.

Diese neuen S., welche viel größere Brisanz besitzen als

Schießpulver und selbst, gegen die zu sprengenden Körper

gelegt und zur Explosion gebracht, ihre zerstörende Wirkung

äußern, führen im Bergbau und Tunnelbau zu

erheblichen Ersparnissen an Zeit, Bohr- und Verdämmungsarbeit,

und ihre Explosionsgase sind bei weitem weniger gesundheits- und

lebensgefährlich als die des Sprengpulvers. Bei hartem Gestein

gewähren sie eine Ersparnis an Handarbeit von 30 Proz., bei

sehr weichem Gestein und Kohle etwas weniger; die Zeitersparnis

beträgt bei Sprengungen im Trocknen ca. 30 Proz., in

wasserhaltigem Gestein aber 100 Proz. und mehr. Ebenso große

Vorteile erzielt man durch die neuen S. im Kriegswesen, wo man

Schießbaumwolle mit großem Erfolg zur Füllung von

Granaten angewandt hat. Wegen des weithin hörbaren hellen

Knalles hat man Schießbaumwolle auch im Signalwesen benutzt.

Vgl. Upmann, Das Schießpulver (Braunschw. 1874); v. Meyer,

Die Explosivkörper (das. 1874); Trauzl, Die Dynamite (Wien

1876 und Berl. 1876); Heß, Sprenggelatine (das. 1878); Rziha,

Theorie der Minen (Lemb. 1866).

Sprengweite, s. Intervall.

Sprengwerk, im Gegensatz zu Hängewerk (s. d.)

Baukonstruktion, mittels deren Balken oder Balkenlagen von mehr

oder minder bedeutender Länge durch Streben oder durch Streben

und Spannriegel von unten gestützt werden. Sprengwerke werden

zur Unterstützung von Brückenbahnen und von

Dachstühlen, seltener von Zwischendecken, verwendet und

bestehen in ihrer einfachsten Gestalt aus einem durch zwei Streben

(Fig. 1) oder aus einem durch zwei Streben und einen Spannriegel

(Fig. 2) unterstützten Balken. Bei zunehmenden Längen der

Balken werden dieselben durch je vier, je sechs und mehr Streben

ohne Spannriegel oder mit bez. je zwei, je drei und mehr der

letztern unterstützt. Bei Dachstühlen werden die

Sprengwerke meist aus mehreren in Form eines Polygons verbundenen

geraden Streben zusammengesetzt (Fig. 3), während sie bei

Brückenbauten meist fächerförmig angeordnet werden.

Wo, besonders im

189

Sprenkel - Springbrunnen.

letztern Fall, die Streben sehr lang werden und eine geringe

Neigung erhalten müssen, werden sie an einem oder mehreren

Punkten durch Zangen, welche mit den Hauptbalken verbunden sind,

versteift (Fig. 4) oder die Streben aus mehreren, meist

verdübelten Balken zusammengesetzt. Bogensprengwerke sind aus

gebogenen Balken oder aus teils wagerecht (System Emy), teils

lotrecht (System Delorme) untereinander verbundenen Bohlen

bestehende Sprengwerke, die früher teils im Hoch-, teils im

Brückenbau Anwendung fanden. Unter die bedeutendsten

hölzernen Bogensprengwerke im Hochbau gehören das nach

dem Delormeschen System gebaute Kuppeldach der Kornhalle in Paris

und der katholischen Kirche in Darmstadt sowie der nach dem

Emyschen System erbaute Dachstuhl einer Reitbahn zu Libourne bei

Bordeaux. Die bedeutendsten hölzernen Sprengwerkbrücken

sind die nach dem Emyschen System konstruierten Viadukte von

Willington und St.-Germain (Fig. 5) sowie die 1848 und 1849 von

Brown in der Eriebahn erbaute Kaskadebrücke, welch letztere

eine Schlucht von 53,34 m Weite überspannt, und deren vier

Tragrippen aus je zwei gekrümmten, durch Fachwerk verbundenen

Balkenlagen (Fig. 6) bestehen.

Sprenkel, s. Vogelfang.

Sprenzling, Fisch, s. v. w. Äsche.

Spreublätter (Paleae), trockenhäutige,

nichtgrüne Deckblätter in den Köpfchen vieler

Kompositen.

Spreuschuppen, Epidermoidalorgane an Stämmen und

Wedeln der Farne (s. d., S. 50).

Spreustein, s. Natrolith.

Sprichwörter (lat. Proverbia), kurze und

bündige, leichtfaßliche Sätze, welche eine Regel

der Klugheit oder des sittlichen Verhaltens oder eine Erfahrung des

praktischen Lebens ausdrücken und, dem Volksmund entstammend,

in die volkstümliche Redeweise übergegangen sind. Sie

bilden ein nicht unwichtiges Mittel zur Erkenntnis und Beurteilung

des Charakters eines Volkes, insofern sie dessen Anschauung und

Denkweise, Sitten und Gebräuche treu abspiegeln. S. sind bei

allen Völkern im Gebrauch, und zwar hat jedes Volk seine

eigentümlichen, obwohl manche räumlich und zeitlich weit

verbreitet sind. Auch haben fast alle zivilisierten Nationen die

Bedeutung der S. zu würdigen gewußt und Sammlungen

derselben angelegt. Schon bei den Griechen fand dies statt (s.

Parömiographen). Eine große, aber ungeordnete Menge

griechischer und lateinischer S. und ähnlicher Ausdrücke

gab Erasmus in seinem "Adagia" betitelten Buch. Sammlungen

lateinischer S. veröffentlichten Goßmann (Landau 1844),

Wiegand (Leipz. 1861), Wüstemann (2. Aufl., Nordhaus. 1864),

Georges (Leipz. 1863) u. a. Auch Sammlungen deutscher S. erschienen

seit dem 16. Jahrh. zahlreich; hervorzuheben sind die von Agricola

(zuerst 1529), Seb. Franck (1541), Eyering (1601), Zinkgref (zuerst

1626), Lehmann (1630); aus neuerer Zeit die von Körte (2.

Aufl., Leipz. 1861), Simrock (4. Aufl., Frankf. 1881), Binder

(Stuttg. 1874), Wächter (Gütersloh 1888), ferner

Sutermeister ("Schweizerische S.", Aar. 1869), Birlinger ("So

sprechen die Schwaben", Berl. 1868), Eichwald ("Niederdeutsche S."

Leipz. 1860), Frischbier ("Preußische S.", Berl. 1865) und

als umfangreichste Sammlungen: Wanders "Deutsches

Sprichwörterlexikon" (Leipz. 1863-80, 5 Bde.) und v.

Reinsberg-Düringsfelds "S. der germanischen und romanischen

Sprachen, vergleichend zusammengestellt" (das. 1872-75, 2 Bde.).

Arabische S. veröffentlichte Socin (Tübing. 1878),

niederländische Harrebomée (Utr. 1853-70, 3 Bde.),

italienische Passerini (Rom 1875), sizilische Pitrè (Palermo

1879, 3 Bde.). S. auch Rechtssprichwort. Vgl. Nopitsch, Litteratur

der S. (Nürnb. 1833); Zacher, Die deutschen

Sprichwörtersammlungen (Leipz. 1852); Duplessis, Bibliographie

parémiologique (Par. 1847); Wahl, Das Sprichwort der neuern

Sprachen (Erf. 1877); Prantl, Die Philosophie in den

Sprichwörtern (Münch. 1858); Borchardt, Die

sprichwörtlichen Redensarten im deutschen Volksmund (Leipz.

1888).

Spriet, das bei Sprietsegeln von Booten und andern

Fahrzeugen benutzte Rundholz zur Ausbringung der obern,

äußern Ecke des länglich vierkantigen Segels, wobei

das untere Ende des Spriets am untern Teil des Mastes

fährt.

Springaufblumen, s. Convallaria.

Springbock, s. Antilopen, S. 639.

Springbrunnen (Fontäne), Vorrichtung zum

Emportreiben eines oder mehrerer freier Wasserstrahlen. Leitet man

aus einem hoch gelegenen Reservoir das Wasser in einer Röhre

nach einem tiefer liegenden Ort und läßt es hier aus

einer passend angebrachten Öffnung ausströmen, so springt

ein Strahl empor, welcher nach dem Gesetz der kommunizierenden

Röhren die Höhe des Wasserspiegels im Reservoir erreichen

würde, wenn nicht durch Reibung ein Kraft-

190

Springe - Springer.

verlust entstände. Finden sich die hier künstlich

geschaffenen Bedingungen in der Natur, so entstehen die

natürlichen S., zu welchen auch die artesischen Brunnen

gehören (s. Brunnen). Die Steighöhe des Wasserstrahls

hängt bei einer guten Anordnung der Rohrleitung auch noch

hauptsächlich von der Sprungöffnung ab. Die senkrecht

emporspringenden Wasserstrahlen steigen (unter nicht sehr kleinem

Druck) aus kurzen konischen, konoidischen und innen gehörig

abgerundeten cylindrischen Ansatzröhren bei gleichem

Querschnitt und gleichem innern Druck höher als die aus

Mündungen in der sogen. dünnen Wand ausfließenden

kontrahierten Wasserstrahlen. Der Widerstand der Luft ist bei

schwächern Strahlen ein verhältnismäßig

größerer als bei dickern Strahlen. Wasserstrahlen von

kreisförmigem Querschnitt springen unter gleichen

Verhältnissen höher als solche mit quadratischem oder

anders geformtem Querschnitt. Auch das zurückfallende Wasser

hemmt den aufsteigenden Strahl; neigt man daher einen senkrechten

Strahl, so daß das zurückfallende Wasser seitlich

fortgeht. so erreicht der Strahl sofort eine größere

Höhe. Künstliche S. kann man durch Wasser- und

Windmühlen, Dampfmaschinen etc. betreiben, indem man Pumpen in

Bewegung setzt, durch welche das Wasser in hoch liegende Reservoirs

geschafft oder in Windkessel gepreßt wird, aus welchen es die

komprimierte Luft in die Höhe treibt. Zu den kleinern

künstlichen S. gehört der Heronsbrunnen, welcher aus drei

Gefäßen besteht, einem obern schüsselförmigen

und zwei verschlossenen, ferner aus drei Röhren, von denen die

eine am Boden des obern Gefäßes mündet und im

untern bis dicht an den Boden reicht, die zweite vom Deckel des

untern Gefäßes im mittlern bis fast an den Deckel reicht

und die dritte durch den Boden des obern Gefäßes fast

bis auf den Boden des mittlern hinabreicht. Nachdem das mittlere

Gefäß mit Wasser gefüllt ist, gießt man auch

in das schüsselförmige Gesäß Wasser, welches

nun in das untere Gefäß abfließt, dadurch aber die

Luft in diesem und im mittlern Gefäß

zusammendrückt, so daß aus diesem ein Wasserstrahl

emporsteigen muß.

Springe (Hallerspringe), Kreisstadt im preuß.

Regierungsbezirk Hannover, am Ursprung der Haller und an der Linie

Hannover-Altenbeken der Preußischen Staatsbahn, 113 m ü.

M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine

Oberförsterei, Teppich- und Wattefabrikation, Spinnerei,

Ziegelei und (1885) 2700 Einw. In der Nähe ein kaiserlicher

Saupark mit Jagdschloß; auf dem Ebersberg die "Deisterpforte"

mit Aussichtsturm.

Springen, eigentümliche Art der Fortbewegung des

Körpers, bei welcher der Körper vermittelst der

Wadenmuskulatur energischer vom Boden abgestoßen wird und

längere Zeit frei in der Luft schwebt als beim Laufen. Der

Körper erhält beim S. durch die kräftige

Zusammenziehung der Wadenmuskeln eine Wurfbewegung, bei welcher der

Schwerpunkt des Körpers eine parabolische Linie beschreibt,

entsprechend einem geworfenen, bez. fallenden Körper.

Gewöhnlich geht dem S. der Eillauf (Anlauf) voran, weil

dadurch der Körper schon eine gewisse Schnelligkeit der

Bewegung erhält, welche ihm dann beim S. zu statten kommt.

Ebenso werden die beim S. hauptsächlich beteiligten

Wadenmuskeln durch eine Wurfbewegung der Arme unterstützt.

Springer, 1) Robert, Schriftsteller, geb. 23. Nov. 1816

zu Berlin, widmete sich erst dem Lehrfach, privatisierte studierend

eine Reihe von Jahren in Paris, Rom, Wien und Leipzig und lebte

seit 1853 dauernd in Berlin, wo er 21. Okt. 1885 starb. Er

veröffentlichte: "Weimars klassische Stätten" (Berl.

1867); "Die klassischen Stätten von Jena und Ilmenau" (das.

1869); die Romane: "Gräfin Lichtenau" (das. 1871, 3 Bde.),

"Devrient und Hoffmann" (das. 1873, 3 Bde.), "Sidney Smith" (das.

1874, 3 Bde.), "Anna Amalia von Weimar und ihre poetische

Tafelrunde" (das. 1875, 2 Bde.) etc.; ferner: "Enkarpa.

Kulturgeschichte der Menschheit im Lichte der pythagoreischen

Lehre" (Hannov. 1884); "Essays zur Kritik und Philosophie und zur

Goethe-Litteratur" (Minden 1885); "Charakterbilder und Szenerien"

(das. 1886); auch zahlreiche beliebte Jugendschriften, letztere

meist unter dem Pseudonym A. Stein.

2) Anton, Geschichtschreiber und Kunsthistoriker, geb. 13. Juli

1825 zu Prag, widmete sich auf der Universität daselbst sowie

in München und Berlin den Studien der Philosophie und der

Kunst, ging, nachdem er 1846 kurze Zeit die Stelle eines Lehrers

der Kunstgeschichte an der Prager Akademie bekleidet, auf ein Jahr

nach Italien und ließ sich sodann in Tübingen nieder, wo

er seine erste Schrift: "Die Hegelsche Geschichtsanschauung",

erscheinen ließ. Das Jahr 1848 rief ihn nach Prag

zurück. S. trat hier für die föderative Verfassung

des Kaiserstaats ein und galt als ein Wortführer der Rechte

des Reichstags in der Presse. Im Herbste d. J. habilitierte er sich

zu Prag für neuere Geschichte; doch zogen ihm seine

freisinnigen Vorlesungen, welche sodann als "Geschichte des

Revolutionszeitalters" (Prag 1849) im Druck erschienen, die Ungunst

der Regierung zu, so daß er seine Lehrthätigkeit aufgab

und eine Reise zu kunsthistorischen Studien durch die Niederlande,

Frankreich und England unternahm. Von London aus durch seine

politischen Freunde zurückgerufen, trat er an die Spitze der

Zeitung "Union", die aber, weil er darin die Rechte Preußens

auf die Führerrolle in Deutschland vertrat, 1850

unterdrückt wurde. Während des orientalischen Kriegs

1854-56 arbeitete S. zahlreiche Druckschriften im Auftrag der

serbischen Regierung aus, in welchen er für die Emanzipation

der türkischen Vasallenstaaten, aber gegen das russische

Protektorat plaidierte. Dieselben politischen Grundsätze

führten ihn im letzten russisch-türkischen Krieg wiederum

auf den publizistischen Kampfplatz und veranlaßten ihn zu

zahlreichen Aufsätzen in "Im neuen Reich" gegen die russische

Politik. Im Herbst 1852 habilitierte er sich in Bonn als

Privatdozent der Kunstgeschichte, und 1859 ward er zum Professor

derselben ernannt. Bei der Gründung der Universität

Straßburg 1872 wurde er als Professor für neuere

Kunstgeschichte berufen; seit 1873 gehört er der

Universität Leipzig an. Von seinen historisch-politischen

Schriften sind noch hervorzuheben: "Österreich nach der

Revolution" (Prag 1850); "Österreich, Preußen und

Deutschland" (das. 1851) und "Südslawische Denkschrift" (das.

1854); "Paris im 13. Jahrhundert" (Leipz 1856); " Geschichte

Österreichs seit dem Wiener Frieden" (das. 1863-64, 2 Bde.);

"Friedr. Christoph Dahlmann", Biographie (das. 1870-72, 2 Bde.);

"Protokolle des Verfassungsausschusses im österreichischen

Reichstag 1848-49" (das. 1885). Springers Kunstanschauung,

wenngleich zunächst durch die Hegelsche Philosophie

vermittelt, hat sich von dem beschränkenden Einfluß

dieser Schule loszumachen gewußt. Sein Hauptstudium hat er

den Schöpfungen des Mittelalters und der neuern und neuesten

Zeit, besonders der Periode der klassischen italienischen Kunst,

zugewendet. Seine vorzüglichsten kunstgeschichtlichen Werke

sind: "Kunsthistorische Briefe"

191

Springerle - Springschwänze.

(Prag 1852-57); "Handbuch der Kunstgeschichte" (Stuttg. 1855);

"Geschichte der bildenden Künste im 19. Jahrhundert" (Leipz.

1858); "Bilder aus der neuern Kunstgeschichte" (Bonn 1867; 2.

Aufl., das. 1887, 2 Bde.); "Raffael u. Michelangelo " (Leipz. 1877;

2. Aufl. 1883, die beste Biographie der beiden Meister);

"Grundzüge der Kunstgeschichte" (das. 1887-88). Auch hat S.

die deutsche Ausgabe von Crowes und Cavalcaselles "Geschichte der

altniederländischen Malerei" (Leipz. 1875) bearbeitet.

Springerle, ein in Süddeutschland und der Schweiz

sehr beliebtes Backwerk, eine Art Anisbrot.

Springfield (spr. -fild), 1) Hauptstadt des nordamerikan.

Staats Illinois, liegt südlich vom Sangamonfluß an der

Grenze der Prärien, hat ein Kapitol (Staatenhaus), einen

Gerichtshof, ein Zeughaus, ein Zollamt, eine sogen. Hochschule,

Uhren- und andre Fabriken, Eisenbahnwerkstätten und (1880)

19,743 Einw. Auf dem Ridge Cemetery das Grabmal des

Präsidenten Lincoln. -

2) Hauptstadt der Grafschaft Hampden im nordamerikan. Staat

Massachusetts, am Connecticut, hat ein großartiges Zeughaus

mit Waffenfabrik (Vorrat von Gewehren etc. für 175,000 Mann),

eine Bibliothek von 30,000 Bänden, Baumwoll-, Woll-,

Papierkragen-, Waffen- u. Eisenbahnwagenfabriken, Goldschmiederei

und (1885) 37,577 Einw. S. ist Knotenpunkt zahlreicher Eisenbahnen;

es wurde 1635 gegründet. -

3) Stadt im nordamerikan. Staat Missouri, Grafschaft Greene, 320

km südwestlich von St. Louis, hat Tabaksfabriken, Bau

landwirtschaftlicher Geräte etc. und (1880) 6522 Einw. -

4) Hauptstadt der Grafschaft Clarke im nordamerikan. Staat Ohio,

am Mad River, 64 km westlich von Columbus, Sitz des lutherischen

Wittenberg College, ist berühmt wegen seiner Turbinen und

landwirtschaftlichen Maschinen und hat (1880) 20,720 Einw.

Springflut, s. Ebbe und Flut.

Springfrüchte, alle trocknen oder saftigen

Früchte, deren Wandung bei der Reife in irgend welcher Weise

sich öffnet und die Samen frei werden läßt, wie

Balgfrucht, Hülse, Schote, Kapsel oder auch die Frucht der

Roßkastanie, deren saftiges, mit Stacheln versehenes Perikarp

sich klappig öffnet.

Springgurke, s. v. w. Momordica.

Springhase, s. v. w. Springmaus.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 54 / 302 段