das Gestein Löcher von 2,25-3 cm Durchmesser mit dem
Meißel- oder Kronenbohrer, bei sehr hartem Gestein mit dem
Stern- oder Kreuzbohrer und hebt das Steinmehl, welches hierbei
entsteht, mittels eines kleinen Löffels an langem eisernen
Stiel (Krätzer) von Zeit zu Zeit heraus. Öfteres
Eingießen von Wasser ins Bohrloch beschleunigt die Arbeit
(Naßbohren). Die Tiefe des Bohrlochs richtet sich nach der
Dicke des abzusprengenden Steins. Man stößt in dasselbe
die Patrone hinab, führt die kupferne Räumnadel an der
einen Seite des Bohrlochs bis in die Mitte des Pulvers ein und
füllt nun das Bohrloch mit dem Besatz aus. Dieser besteht aus
Lehm und Ziegelmehl, aus Thonschiefermehl, auch aus
Schieferstücken oder Sand. Unmittelbar über die Patrone
füllt man lockern Besatz, die höhern Schichten aber
werden fest eingestampft, bis das Bohrloch gefüllt ist. Dann
zieht man die Räumnadel heraus und führt in den Kanal ein
Zündröhrchen (Raketchen, Schredel) ein, an dessen
äußerm Ende ein längerer Schwefelfaden befestigt
wird. Vorteilhafter ist die Bickfordsche Zündschnur, welche
mit dem einen Ende in der Patrone steckt und mit dem andern aus dem
Bohrloch herausragt, so daß man das gefährliche
Herausziehen der Räumnadel vermeidet. Zum Abthun des Schusses
wird der Schwefelfaden oder das freie Ende der Zündschnur
entzündet, worauf die Arbeiter fliehen u. die Explosion
abwarten. Größere Sicherheit und, wenn es sich bei
großen Sprengungen um das gleichzeitige Abthun mehrerer
Schüsse handelt, höhern Effekt erzielt man durch
elektrische Zündung, u. zwar benutzt man Zündung durch
den Funken häufiger als durch Erglühen eines dünnen
Drahts. Die Drähte, zwischen denen der Funke überspringen
soll, werden gut isoliert in die Patrone geführt und hier so
gebogen, daß ihre Enden sich gegenüberstehen. Eine bei
jeder Witterung, selbst in feuchten Gruben stets brauchbare
Elektrisiermaschine von Bornhardt zeigt Fig. 1 und 2. Die Maschine
steht in einem durch eine Glasplatte hermetisch verschlossenen
Blechkasten. Die Scheibe B besteht aus Ebonit, das Reibzeug aus
eigentümlich präpariertem Pelzwerk ohne Amalgam. Die
Saugarme A sitzen unmittelbar auf der kleinen Leidener Flasche F.
Die Achse der Scheibe B geht durch eine Stopfbüchse in der
Rückwand des Kastens hindurch und trägt außerhalb
desselben eine Kurbel. Das Reibzeug und die äußere
Belegung der Leidener Flasche stehen mit dem Blechkasten und mithin
auch mit dem Metallring b, in welchen das eine Ende der zum
Zünder führenden Drahtleitung eingehängt wird, in
leitender Verbindung. Das andre Ende der Drahtleitung wird an den
Ring a befestigt, welcher mit einem vertikalen Messinghebel, der
die Kugel k trägt, in leitender Verbindung steht, aber von dem
Blechkasten durch zwei Ebonitplatten D isoliert ist. Als
Zündung dient eine Mischung von Schwefelantimon und
chlorsaurem Kali, in welcher der Funke überspringt. Der
Zünder wird in die Patrone eingeführt, und die aus dem
Bohrloch hervorragenden Drähte verbindet man mit den
Leitungsdrähten. Sollen mehrere Bohrlöcher miteinander
verbunden werden, so schaltet man sie hintereinander in die Leitung
ein, indem man den ersten Draht des ersten Bohrlochs mit der
Hinleitung, den zweiten mit dem ersten Drahte des zweiten Bohrlochs
verbindet und so fortfährt, bis der zweite Draht des letzten
Bohrlochs mit der Rückleitung verbunden wird. In neuerer Zeit
wird statt des Pulvers meist Dynamit verwendet. Dasselbe wird in
Patronen in das Bohrloch bis zur erforderlichen Ladehöhe
eingedrückt und mit einer Zündpatrone versehen. Letztere
besteht aus einem Zündhütchen, welches man an dem einen
Ende der Zündschnur durch Einkneifen befestigt und bis zu
dieser Stelle in das Dynamit einer kleinen Patrone versenkt, deren
Papier an die Zündschnur gebunden wird. Auf diese Weise
erreicht man sicher, daß die Zündschnur zunächst
das Zündhütchen und nicht direkt das Dynamit
entzündet. Geschähe letzteres, so würde das Dynamit
abbrennen, aber nicht explodieren. Die Zündpatrone wird in das
Bohrloch eingeführt, welches nun auf halbe Länge mit
losem Besatz und dann völlig mit festem Satz gefüllt
wird. Bei Verwendung in Wasser muß man die Umhüllung des
Dynamits und die Zündschnur durch Wachs oder Talg vor
Feuchtigkeit schützen, auch wendet man vorteilhaft
Cellulosedynamit an, das durch Feuchtigkeit weniger leidet.
Stärkere Ladungen setzt man gern in
Weißblechbüchsen ein.
Die Wirkung der verschiedenen Sprengstoffe ist abhängig von
der Schnelligkeit, mit welcher sie sich zersetzen, von ihrer
Brisanz. Man kann bei Sprengungen eine Zermalmungs-, eine
Verschiebung- und eine Trennungszone unterscheiden. Je brisanter
ein Sprengungsstoff ist, um so größer werden bei
gleicher Ladungsstärke die kubischen Inhalte der beiden ersten
Zonen. Schwarzpulver erzeugt fast gar keine Zermalmungs-, eine
mittelgroße Verschiebungs-, aber
188
Sprenger - Sprengwerk.
eine verhältnismäßig große Trennungszone,
während Dynamit um so mehr zermalmt, je stärker es ist.
Die starken Dynamitsorten zerbrechen und zermalmen die
zunächst gelegenen Massen, und ihre Wirkung ist eine ziemlich
scharf begrenzte, die schwächern Dynamitsorten brechen nur in
unmittelbarer Nähe, trennen aber die Gesteine weithin. -
Sprengarbeit kommt im Bergbau, beim Bau von Tunnels, Eisenbahnen,
Straßen, Kanälen, zur Beseitigung von Felsen in
Flußläufen etc. vor. Auch aus Ackerland werden
Felsklippen durch S. fortgeschafft. Ebenso werden Bodenvertiefungen
für Baumpflanzungen und Lockerung des Ackerbodens auf Tiefen,
in die kein Ackergerät reicht, durch S. hervorgebracht
(Sprengkultur). Große Wurzelstöcke werden vorteilhaft
durch S. zerrissen. In Steinbrüchen gewinnt man das Material
durch S., auch sprengt man Stahl- und Gußeisenblöcke.
Für Kriegszwecke baut man Minen und benutzt S. in Geschossen
(Granaten, Schrapnells) und Torpedos, zum Zerstören von
Brücken, Eisenbahnen etc. Vgl. Mahler, Die Sprengtechnik (2.
Aufl., Wien 1882); Krause, Die moderne Sprengtechnik (Leipz. 1881);
Hamm, Sprengkultur (Berl. 1877); Zickler, Elektrische
Minenzündung (Braunschw. 1888).
Sprenger, Aloys, Orientalist, geb. 3. Sept. 1813 zu
Nassereit in Tirol, studierte zu Wien neben Medizin und
Naturwissenschaften besonders orientalische Sprachen, ging 1836
nach London, wo er als Hilfsarbeiter des Grafen von Münster an
dessen großem Werk über die Geschichte der
Kriegswissenschaften bei den mohammedanischen Völkern
thätig war, 1843 nach Kalkutta und ward hier 1848 zum
Vorsteher des Kollegiums in Dehli ernannt, in welcher Stellung er
viele Unterrichtsschriften aus europäischen Sprachen in das
Hindostani übertragen ließ. 1848 wurde er nach Lathnau
geschickt, um einen Katalog der dortigen königlichen
Bibliothek anzufertigen, wovon der erste Band 1854 in Kalkutta
erschien. Dieses Buch mit seinen Listen persischer Dichter, seiner
sorgfältigen Beschreibung aller Hauptwerke der persischen
Poesie und seinem wertvollen biographischen Material ist ein
treffliches Hilfsmittel für die Durchforschung des noch so
wenig angebauten Feldes neupersischer Litteratur. 1850 ward S. zum
Examinator, Dolmetsch der Regierung und Sekretär der
Asiatischen Gesellschaft in Kalkutta ernannt. Von seinen
Publikationen aus jener Zeit sind noch zu erwähnen:
"Dictionary of the Technical terms used in the sciences of the
Musulmans" (arab., Kalk. 1854); "Ibn Hajar's biographical
dictionary of persons who knew Mohammed" (arab., 1856); "Soyuti's
Itqân on the exegetic sciences of the Qoran in Arabic" (1856)
u. a. Seit 1857 wirkte S. als Professor der orientalischen Sprachen
an der Universität zu Bern, siedelte aber im Nov. 1881 nach
Heidelberg über. Seine reichhaltige Sammlung arabischer,
persischer, hindostanischer und andrer Manuskripte und Drucke hat
die königliche Bibliothek in Berlin angekauft. Sonstige Werke
von S. sind: "Otby's history of Mahmud of Ghaznah" (arab., Dehli
1847); "Masudî's meadows of gold" (Übersetzung, Lond.
1849, Bd. 1); "The Gulistân of Sady" (pers., Kalk. 1851),
eine korrekte Ausgabe des berühmten didaktischen Werkes, u.
a.; ferner in deutscher Sprache: "Das Leben und die Lehre des
Mohammed" (Berl. 1861-65, 3 Bde.); "Post- und Reiserouten des
Orients" (Leipz. 1864); "Die alte Geographie Arabiens als Grundlage
der Entwickelungsgeschichte des Semitismus" (Bern 1875) und
"Babylonien, das reichste Land in der Vorzeit und das lohnendste
Kolonisationsfeld" (Heidelb. 1886).
Sprenggelatine, s. Nitroglycerin.
Sprenggeschosse, s. Explosionsgeschosse.
Sprengglas, s. v. w. Glasglanz.
Sprenggummi, s. v. w. Sprenggelatine, s.
Nitroglycerin.
Sprengkultur, s. Sprengen, S. 188.
Sprengling, Fisch, s. Äsche.
Sprengmörser, s. v. w. Petarde.
Sprengöl, Nobelsches, s. v. w. Nitroglycerin.
Sprengpulver, s. Schießpulver, S. 453.
Sprengsel, s. v. w. Heuschrecke.
Sprengstoffe, Substanzen, welche durch Erwärmung,
Stoß oder Druck plötzlich mehr oder weniger
vollständig aus dem starren oder flüssigen in den
gasförmigen Zustand übergehen (s. Explosivstoffe) und
durch den dabei sich entwickelnden Gasdruck in der Nähe
befindliche Körper zertrümmern oder fortschleudern. Der
zuerst angewandte Sprengstoff, das Sprengpulver, besitzt im
allgemeinen die Zusammensetzung des Schießpulvers, welche nur
aus Rücksichten auf den Preis und in der Absicht, eine
stärkere Gasentwickelung zu erzielen, etwas modifiziert wurde.
Gegenwärtig ist das Sprengpulver durch neuere Präparate,
namentlich durch die nitroglycerinhaltigen, also hauptsächlich
durch die Dynamite (s. Nitroglycerin) und durch die
Schießbaumwolle (s. d.), stark zurückgedrängt
worden. Auch pikrinsäurehaltige Mischungen, Nitrocellulose und
ähnliche Substanzen spielen eine größere Rolle.
Diese neuen S., welche viel größere Brisanz besitzen als
Schießpulver und selbst, gegen die zu sprengenden Körper
gelegt und zur Explosion gebracht, ihre zerstörende Wirkung
äußern, führen im Bergbau und Tunnelbau zu
erheblichen Ersparnissen an Zeit, Bohr- und Verdämmungsarbeit,
und ihre Explosionsgase sind bei weitem weniger gesundheits- und
lebensgefährlich als die des Sprengpulvers. Bei hartem Gestein
gewähren sie eine Ersparnis an Handarbeit von 30 Proz., bei
sehr weichem Gestein und Kohle etwas weniger; die Zeitersparnis
beträgt bei Sprengungen im Trocknen ca. 30 Proz., in
wasserhaltigem Gestein aber 100 Proz. und mehr. Ebenso große
Vorteile erzielt man durch die neuen S. im Kriegswesen, wo man
Schießbaumwolle mit großem Erfolg zur Füllung von
Granaten angewandt hat. Wegen des weithin hörbaren hellen
Knalles hat man Schießbaumwolle auch im Signalwesen benutzt.
Vgl. Upmann, Das Schießpulver (Braunschw. 1874); v. Meyer,
Die Explosivkörper (das. 1874); Trauzl, Die Dynamite (Wien
1876 und Berl. 1876); Heß, Sprenggelatine (das. 1878); Rziha,
Theorie der Minen (Lemb. 1866).
Sprengweite, s. Intervall.
Sprengwerk, im Gegensatz zu Hängewerk (s. d.)
Baukonstruktion, mittels deren Balken oder Balkenlagen von mehr
oder minder bedeutender Länge durch Streben oder durch Streben
und Spannriegel von unten gestützt werden. Sprengwerke werden
zur Unterstützung von Brückenbahnen und von
Dachstühlen, seltener von Zwischendecken, verwendet und
bestehen in ihrer einfachsten Gestalt aus einem durch zwei Streben
(Fig. 1) oder aus einem durch zwei Streben und einen Spannriegel
(Fig. 2) unterstützten Balken. Bei zunehmenden Längen der
Balken werden dieselben durch je vier, je sechs und mehr Streben
ohne Spannriegel oder mit bez. je zwei, je drei und mehr der
letztern unterstützt. Bei Dachstühlen werden die
Sprengwerke meist aus mehreren in Form eines Polygons verbundenen
geraden Streben zusammengesetzt (Fig. 3), während sie bei
Brückenbauten meist fächerförmig angeordnet werden.
Wo, besonders im
189
Sprenkel - Springbrunnen.
letztern Fall, die Streben sehr lang werden und eine geringe
Neigung erhalten müssen, werden sie an einem oder mehreren
Punkten durch Zangen, welche mit den Hauptbalken verbunden sind,
versteift (Fig. 4) oder die Streben aus mehreren, meist
verdübelten Balken zusammengesetzt. Bogensprengwerke sind aus
gebogenen Balken oder aus teils wagerecht (System Emy), teils
lotrecht (System Delorme) untereinander verbundenen Bohlen
bestehende Sprengwerke, die früher teils im Hoch-, teils im
Brückenbau Anwendung fanden. Unter die bedeutendsten
hölzernen Bogensprengwerke im Hochbau gehören das nach
dem Delormeschen System gebaute Kuppeldach der Kornhalle in Paris
und der katholischen Kirche in Darmstadt sowie der nach dem
Emyschen System erbaute Dachstuhl einer Reitbahn zu Libourne bei
Bordeaux. Die bedeutendsten hölzernen Sprengwerkbrücken
sind die nach dem Emyschen System konstruierten Viadukte von
Willington und St.-Germain (Fig. 5) sowie die 1848 und 1849 von
Brown in der Eriebahn erbaute Kaskadebrücke, welch letztere
eine Schlucht von 53,34 m Weite überspannt, und deren vier
Tragrippen aus je zwei gekrümmten, durch Fachwerk verbundenen
Balkenlagen (Fig. 6) bestehen.
Sprenkel, s. Vogelfang.
Sprenzling, Fisch, s. v. w. Äsche.
Spreublätter (Paleae), trockenhäutige,
nichtgrüne Deckblätter in den Köpfchen vieler
Kompositen.
Spreuschuppen, Epidermoidalorgane an Stämmen und
Wedeln der Farne (s. d., S. 50).
Spreustein, s. Natrolith.
Sprichwörter (lat. Proverbia), kurze und
bündige, leichtfaßliche Sätze, welche eine Regel
der Klugheit oder des sittlichen Verhaltens oder eine Erfahrung des
praktischen Lebens ausdrücken und, dem Volksmund entstammend,
in die volkstümliche Redeweise übergegangen sind. Sie
bilden ein nicht unwichtiges Mittel zur Erkenntnis und Beurteilung
des Charakters eines Volkes, insofern sie dessen Anschauung und
Denkweise, Sitten und Gebräuche treu abspiegeln. S. sind bei
allen Völkern im Gebrauch, und zwar hat jedes Volk seine
eigentümlichen, obwohl manche räumlich und zeitlich weit
verbreitet sind. Auch haben fast alle zivilisierten Nationen die
Bedeutung der S. zu würdigen gewußt und Sammlungen
derselben angelegt. Schon bei den Griechen fand dies statt (s.
Parömiographen). Eine große, aber ungeordnete Menge
griechischer und lateinischer S. und ähnlicher Ausdrücke
gab Erasmus in seinem "Adagia" betitelten Buch. Sammlungen
lateinischer S. veröffentlichten Goßmann (Landau 1844),
Wiegand (Leipz. 1861), Wüstemann (2. Aufl., Nordhaus. 1864),
Georges (Leipz. 1863) u. a. Auch Sammlungen deutscher S. erschienen
seit dem 16. Jahrh. zahlreich; hervorzuheben sind die von Agricola
(zuerst 1529), Seb. Franck (1541), Eyering (1601), Zinkgref (zuerst
1626), Lehmann (1630); aus neuerer Zeit die von Körte (2.
Aufl., Leipz. 1861), Simrock (4. Aufl., Frankf. 1881), Binder
(Stuttg. 1874), Wächter (Gütersloh 1888), ferner
Sutermeister ("Schweizerische S.", Aar. 1869), Birlinger ("So
sprechen die Schwaben", Berl. 1868), Eichwald ("Niederdeutsche S."
Leipz. 1860), Frischbier ("Preußische S.", Berl. 1865) und
als umfangreichste Sammlungen: Wanders "Deutsches
Sprichwörterlexikon" (Leipz. 1863-80, 5 Bde.) und v.
Reinsberg-Düringsfelds "S. der germanischen und romanischen
Sprachen, vergleichend zusammengestellt" (das. 1872-75, 2 Bde.).
Arabische S. veröffentlichte Socin (Tübing. 1878),
niederländische Harrebomée (Utr. 1853-70, 3 Bde.),
italienische Passerini (Rom 1875), sizilische Pitrè (Palermo
1879, 3 Bde.). S. auch Rechtssprichwort. Vgl. Nopitsch, Litteratur
der S. (Nürnb. 1833); Zacher, Die deutschen
Sprichwörtersammlungen (Leipz. 1852); Duplessis, Bibliographie
parémiologique (Par. 1847); Wahl, Das Sprichwort der neuern
Sprachen (Erf. 1877); Prantl, Die Philosophie in den
Sprichwörtern (Münch. 1858); Borchardt, Die
sprichwörtlichen Redensarten im deutschen Volksmund (Leipz.
1888).
Spriet, das bei Sprietsegeln von Booten und andern
Fahrzeugen benutzte Rundholz zur Ausbringung der obern,
äußern Ecke des länglich vierkantigen Segels, wobei
das untere Ende des Spriets am untern Teil des Mastes
fährt.
Springaufblumen, s. Convallaria.
Springbock, s. Antilopen, S. 639.
Springbrunnen (Fontäne), Vorrichtung zum
Emportreiben eines oder mehrerer freier Wasserstrahlen. Leitet man
aus einem hoch gelegenen Reservoir das Wasser in einer Röhre
nach einem tiefer liegenden Ort und läßt es hier aus
einer passend angebrachten Öffnung ausströmen, so springt
ein Strahl empor, welcher nach dem Gesetz der kommunizierenden
Röhren die Höhe des Wasserspiegels im Reservoir erreichen
würde, wenn nicht durch Reibung ein Kraft-
190
Springe - Springer.
verlust entstände. Finden sich die hier künstlich
geschaffenen Bedingungen in der Natur, so entstehen die
natürlichen S., zu welchen auch die artesischen Brunnen
gehören (s. Brunnen). Die Steighöhe des Wasserstrahls
hängt bei einer guten Anordnung der Rohrleitung auch noch
hauptsächlich von der Sprungöffnung ab. Die senkrecht
emporspringenden Wasserstrahlen steigen (unter nicht sehr kleinem
Druck) aus kurzen konischen, konoidischen und innen gehörig
abgerundeten cylindrischen Ansatzröhren bei gleichem
Querschnitt und gleichem innern Druck höher als die aus
Mündungen in der sogen. dünnen Wand ausfließenden
kontrahierten Wasserstrahlen. Der Widerstand der Luft ist bei
schwächern Strahlen ein verhältnismäßig
größerer als bei dickern Strahlen. Wasserstrahlen von
kreisförmigem Querschnitt springen unter gleichen
Verhältnissen höher als solche mit quadratischem oder
anders geformtem Querschnitt. Auch das zurückfallende Wasser
hemmt den aufsteigenden Strahl; neigt man daher einen senkrechten
Strahl, so daß das zurückfallende Wasser seitlich
fortgeht. so erreicht der Strahl sofort eine größere
Höhe. Künstliche S. kann man durch Wasser- und
Windmühlen, Dampfmaschinen etc. betreiben, indem man Pumpen in
Bewegung setzt, durch welche das Wasser in hoch liegende Reservoirs
geschafft oder in Windkessel gepreßt wird, aus welchen es die
komprimierte Luft in die Höhe treibt. Zu den kleinern
künstlichen S. gehört der Heronsbrunnen, welcher aus drei
Gefäßen besteht, einem obern schüsselförmigen
und zwei verschlossenen, ferner aus drei Röhren, von denen die
eine am Boden des obern Gefäßes mündet und im
untern bis dicht an den Boden reicht, die zweite vom Deckel des
untern Gefäßes im mittlern bis fast an den Deckel reicht
und die dritte durch den Boden des obern Gefäßes fast
bis auf den Boden des mittlern hinabreicht. Nachdem das mittlere
Gefäß mit Wasser gefüllt ist, gießt man auch
in das schüsselförmige Gesäß Wasser, welches
nun in das untere Gefäß abfließt, dadurch aber die
Luft in diesem und im mittlern Gefäß
zusammendrückt, so daß aus diesem ein Wasserstrahl
emporsteigen muß.
Springe (Hallerspringe), Kreisstadt im preuß.
Regierungsbezirk Hannover, am Ursprung der Haller und an der Linie
Hannover-Altenbeken der Preußischen Staatsbahn, 113 m ü.
M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine
Oberförsterei, Teppich- und Wattefabrikation, Spinnerei,
Ziegelei und (1885) 2700 Einw. In der Nähe ein kaiserlicher
Saupark mit Jagdschloß; auf dem Ebersberg die "Deisterpforte"
mit Aussichtsturm.
Springen, eigentümliche Art der Fortbewegung des
Körpers, bei welcher der Körper vermittelst der
Wadenmuskulatur energischer vom Boden abgestoßen wird und
längere Zeit frei in der Luft schwebt als beim Laufen. Der
Körper erhält beim S. durch die kräftige
Zusammenziehung der Wadenmuskeln eine Wurfbewegung, bei welcher der
Schwerpunkt des Körpers eine parabolische Linie beschreibt,
entsprechend einem geworfenen, bez. fallenden Körper.
Gewöhnlich geht dem S. der Eillauf (Anlauf) voran, weil
dadurch der Körper schon eine gewisse Schnelligkeit der
Bewegung erhält, welche ihm dann beim S. zu statten kommt.
Ebenso werden die beim S. hauptsächlich beteiligten
Wadenmuskeln durch eine Wurfbewegung der Arme unterstützt.
Springer, 1) Robert, Schriftsteller, geb. 23. Nov. 1816
zu Berlin, widmete sich erst dem Lehrfach, privatisierte studierend
eine Reihe von Jahren in Paris, Rom, Wien und Leipzig und lebte
seit 1853 dauernd in Berlin, wo er 21. Okt. 1885 starb. Er
veröffentlichte: "Weimars klassische Stätten" (Berl.
1867); "Die klassischen Stätten von Jena und Ilmenau" (das.
1869); die Romane: "Gräfin Lichtenau" (das. 1871, 3 Bde.),
"Devrient und Hoffmann" (das. 1873, 3 Bde.), "Sidney Smith" (das.
1874, 3 Bde.), "Anna Amalia von Weimar und ihre poetische
Tafelrunde" (das. 1875, 2 Bde.) etc.; ferner: "Enkarpa.
Kulturgeschichte der Menschheit im Lichte der pythagoreischen
Lehre" (Hannov. 1884); "Essays zur Kritik und Philosophie und zur
Goethe-Litteratur" (Minden 1885); "Charakterbilder und Szenerien"
(das. 1886); auch zahlreiche beliebte Jugendschriften, letztere
meist unter dem Pseudonym A. Stein.
2) Anton, Geschichtschreiber und Kunsthistoriker, geb. 13. Juli
1825 zu Prag, widmete sich auf der Universität daselbst sowie
in München und Berlin den Studien der Philosophie und der
Kunst, ging, nachdem er 1846 kurze Zeit die Stelle eines Lehrers
der Kunstgeschichte an der Prager Akademie bekleidet, auf ein Jahr
nach Italien und ließ sich sodann in Tübingen nieder, wo
er seine erste Schrift: "Die Hegelsche Geschichtsanschauung",
erscheinen ließ. Das Jahr 1848 rief ihn nach Prag
zurück. S. trat hier für die föderative Verfassung
des Kaiserstaats ein und galt als ein Wortführer der Rechte
des Reichstags in der Presse. Im Herbste d. J. habilitierte er sich
zu Prag für neuere Geschichte; doch zogen ihm seine
freisinnigen Vorlesungen, welche sodann als "Geschichte des
Revolutionszeitalters" (Prag 1849) im Druck erschienen, die Ungunst
der Regierung zu, so daß er seine Lehrthätigkeit aufgab
und eine Reise zu kunsthistorischen Studien durch die Niederlande,
Frankreich und England unternahm. Von London aus durch seine
politischen Freunde zurückgerufen, trat er an die Spitze der
Zeitung "Union", die aber, weil er darin die Rechte Preußens
auf die Führerrolle in Deutschland vertrat, 1850
unterdrückt wurde. Während des orientalischen Kriegs
1854-56 arbeitete S. zahlreiche Druckschriften im Auftrag der
serbischen Regierung aus, in welchen er für die Emanzipation
der türkischen Vasallenstaaten, aber gegen das russische
Protektorat plaidierte. Dieselben politischen Grundsätze
führten ihn im letzten russisch-türkischen Krieg wiederum
auf den publizistischen Kampfplatz und veranlaßten ihn zu
zahlreichen Aufsätzen in "Im neuen Reich" gegen die russische
Politik. Im Herbst 1852 habilitierte er sich in Bonn als
Privatdozent der Kunstgeschichte, und 1859 ward er zum Professor
derselben ernannt. Bei der Gründung der Universität
Straßburg 1872 wurde er als Professor für neuere
Kunstgeschichte berufen; seit 1873 gehört er der
Universität Leipzig an. Von seinen historisch-politischen
Schriften sind noch hervorzuheben: "Österreich nach der
Revolution" (Prag 1850); "Österreich, Preußen und
Deutschland" (das. 1851) und "Südslawische Denkschrift" (das.
1854); "Paris im 13. Jahrhundert" (Leipz 1856); " Geschichte
Österreichs seit dem Wiener Frieden" (das. 1863-64, 2 Bde.);
"Friedr. Christoph Dahlmann", Biographie (das. 1870-72, 2 Bde.);
"Protokolle des Verfassungsausschusses im österreichischen
Reichstag 1848-49" (das. 1885). Springers Kunstanschauung,
wenngleich zunächst durch die Hegelsche Philosophie
vermittelt, hat sich von dem beschränkenden Einfluß
dieser Schule loszumachen gewußt. Sein Hauptstudium hat er
den Schöpfungen des Mittelalters und der neuern und neuesten
Zeit, besonders der Periode der klassischen italienischen Kunst,
zugewendet. Seine vorzüglichsten kunstgeschichtlichen Werke
sind: "Kunsthistorische Briefe"
191
Springerle - Springschwänze.
(Prag 1852-57); "Handbuch der Kunstgeschichte" (Stuttg. 1855);
"Geschichte der bildenden Künste im 19. Jahrhundert" (Leipz.
1858); "Bilder aus der neuern Kunstgeschichte" (Bonn 1867; 2.
Aufl., das. 1887, 2 Bde.); "Raffael u. Michelangelo " (Leipz. 1877;
2. Aufl. 1883, die beste Biographie der beiden Meister);
"Grundzüge der Kunstgeschichte" (das. 1887-88). Auch hat S.
die deutsche Ausgabe von Crowes und Cavalcaselles "Geschichte der
altniederländischen Malerei" (Leipz. 1875) bearbeitet.
Springerle, ein in Süddeutschland und der Schweiz
sehr beliebtes Backwerk, eine Art Anisbrot.
Springfield (spr. -fild), 1) Hauptstadt des nordamerikan.
Staats Illinois, liegt südlich vom Sangamonfluß an der
Grenze der Prärien, hat ein Kapitol (Staatenhaus), einen
Gerichtshof, ein Zeughaus, ein Zollamt, eine sogen. Hochschule,
Uhren- und andre Fabriken, Eisenbahnwerkstätten und (1880)
19,743 Einw. Auf dem Ridge Cemetery das Grabmal des
Präsidenten Lincoln. -
2) Hauptstadt der Grafschaft Hampden im nordamerikan. Staat
Massachusetts, am Connecticut, hat ein großartiges Zeughaus
mit Waffenfabrik (Vorrat von Gewehren etc. für 175,000 Mann),
eine Bibliothek von 30,000 Bänden, Baumwoll-, Woll-,
Papierkragen-, Waffen- u. Eisenbahnwagenfabriken, Goldschmiederei
und (1885) 37,577 Einw. S. ist Knotenpunkt zahlreicher Eisenbahnen;
es wurde 1635 gegründet. -
3) Stadt im nordamerikan. Staat Missouri, Grafschaft Greene, 320
km südwestlich von St. Louis, hat Tabaksfabriken, Bau
landwirtschaftlicher Geräte etc. und (1880) 6522 Einw. -
4) Hauptstadt der Grafschaft Clarke im nordamerikan. Staat Ohio,
am Mad River, 64 km westlich von Columbus, Sitz des lutherischen
Wittenberg College, ist berühmt wegen seiner Turbinen und
landwirtschaftlichen Maschinen und hat (1880) 20,720 Einw.
Springflut, s. Ebbe und Flut.
Springfrüchte, alle trocknen oder saftigen
Früchte, deren Wandung bei der Reife in irgend welcher Weise
sich öffnet und die Samen frei werden läßt, wie
Balgfrucht, Hülse, Schote, Kapsel oder auch die Frucht der
Roßkastanie, deren saftiges, mit Stacheln versehenes Perikarp
sich klappig öffnet.
Springgurke, s. v. w. Momordica.
Springhase, s. v. w. Springmaus.