Sporck, Johann von, kaiserl. General, geb. 1595 zu

Westerloh bei Delbrück im Bistum Paderborn, Sohn eines armes

Edelmanns, trat als gemeiner Soldat in das ligistische Heer, in dem

er den Dreißigjährigen Krieg mitmachte, ward 1639

bayrischer Reiteroberst, vollführte im November 1643 einen

glücklichen Handstreich gegen das französische Heer und

zeichnete sich 1645 in der Schlacht bei Jankau aus. Als

Generalwachtmeister beteiligte er sich im Juli 1647 an dem Versuch

Johanns v. Werth, das bayrische Heer dem Kaiser nach Böhmen

zuzuführen, wurde nach dessen Mißlingen vom

Kurfürsten Maximilian für einen Verräter

erklärt, trat in kaiserliche Dienste, ward zum

österreichischen Freiherrn ernannt und mit Gütern in

Böhmen beschenkt. Er focht dann als Reitergeneral unter

Montecuccoli 1657-60 gegen die Schweden in Polen und

Schleswig-Holstein, in der Schlacht bei St. Gotthardt 1. Aug. 1664

gegen die Türken, worauf er zum Reichsgrafen ernannt wurde,

und 1674-75 gegen die Franzosen am Rhein. Er starb 6. Aug. 1679 auf

seinem Gut Herman-Mestiz in Böhmen. Vgl. Rosenkranz, Graf

Johann v. S. (2. Ausg., Paderb. 1854). Fr. Löher hat sein

Leben in einem Epos behandelt.

Sporco (ital., "unrein"), s. v. w. Brutto (s. d.).

Sporen (Sporae, Keimkörner), bei den Kryptogamen die

zur Vermehrung dienenden, den Samen der Phanerogamen analogen

Körper, welche aber einzelne Zellen oder aus wenigen Zellen

zusammengesetzt sind und nie einen Embryo enthalten, wie die Samen

der Blütenpflanzen. Sie sind in der Regel mikroskopisch klein,

treten aber meist massenhaft auf. Ihre Entstehung und

Beschaffenheit sind in den einzelnen Klassen, Ordnungen und

Familien der Kryptogamen verschieden; man nennt die durch

Abschnürung auf Basidien entstehenden S. Basidio- oder

Akrosporen, oft auch Konidien oder Stylosporen, die in

Sporenschläuchen sich bildenden S. Askosporen oder

Thekasporen, die in Sporangien entstehenden nackten, d. h. nicht

von einer Zellhaut umhüllten, mittels schwingender Wimpern im

Wasser frei beweglichen S. Schwärmsporen oder Zoosporen.

Sporenfink, s. Ammer, S. 489

176

Sporenfrucht - Spottdrossel.

Sporenfrucht, s. Sporocarpium.

Sporenorden, s. Goldener Sporn.

Sporenschlacht (Journée des éperons),

Bezeichnung sowohl der Schlacht (1302) bei Courtrai (s. d.) als der

zweiten (1513) bei Guinegate (s. d.).

Sporenschlauch (Ascus, Theca), bei Pilzen und Flechten

diejenigen meist keulen- oder schlauchförmigen Mutterzellen

von Sporen, in welchen die letztern durch Zellbildung erzeugt

werden.

Sporer, zünftiger Name der Metallarbeiter, welche

Sporen und die zum Reitzeug gehörigen Beschläge und

sonstigen Zieraten verfertigten.

Spörer, Gustav Friedrich Wilhelm, Astronom, geb. 23.

Okt. 1822 zu Berlin, wurde Professor der Mathematik am Gymnasium in

Anklam, 1868 Teilnehmer an der Expedition, welche vom Norddeutschen

Bund zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis (18. Aug.) nach

Mulwar in Ostindien geschickt wurde, 1875 an das bei Potsdam

erbaute astrophysikalische Observatorium berufen, machte sich

besonders durch Beobachtungen der Sonnenoberfläche

verdient.

Spörgel, s. Spergula.

Sporidesmium Link, Pilzgattung aus der Gruppe der

Pyrenomyceten, umfaßt etwa 20 deutsche Arten, welche

wahrscheinlich alle Konidienformen von Pyrenomyceten, besonders

Pleospora, darstellen. Sie bilden auf Pflanzenteilen dunkle

Überzüge, den sogen. Rußtau. S. putrefaciens Fuckel

lebt parasitisch in den jungen Blättern der Runkelrübe

und verursacht die Herzfäule der Rüben. Er bildet

olivengrüne, ausgebreitete Räschen auf den durch den Pilz

schwarz gefärbten Blättern.

Sporidien, bei Rost- und Brandpilzen die auf den

Promycelien (s. d.) durch Abschnürung entstehenden kleinen

Sporen, welche durch Keimung das eigentliche Mycelium erzeugen.

Spörk, s. v. w. Spergel, s. Spergula.

Sporn, s.v.w. Stachel, stachelähnliches Werkzeug, z.

B. an der Ferse eines Reiterstiefels; auch s. v. w. Ramme eines

Panzerschiffs (s. d.); stachelartige Hervorragung an den

Füßen mancher Tiere, besonders Vögel (Hahnensporn

etc.); in der Botanik ein nach abwärts röhrenförmig

verlängerter, etwas gekrümmter Fortsatz der Perigon-,

Kelch- oder Blumenblätter (s. Blüte, S. 67).

Spornblume, s. Plectranthus.

Sporocarpium (Sporenfrucht), der nach der Befruchtung zur

Ausbildung gelangende Fruchtkörper der Karposporeen, in oder

an welchem sich die Sporen bilden; s. Kryptogamen.

Sporocysten, s. Leberegel.

Sporogonium (griech.-lat.), s. Moose, S. 790.

Sport (engl., "Spiel, Belustigung"), das ehrgeizige

Bestreben eines Mannes nach hervorragender körperlicher

Leistung, ein Begriff, der dem Altertum (Kampfspiele der Griechen)

und dem Mittelalter (Turniere) nicht unbekannt war. Der neuesten

Zeit war es indessen vorbehalten, den S. nach allen Richtungen hin

auszubilden, und zwar geschah dies hauptsächlich in England.

Es folgten dann besonders die Vereinigten Staaten und in

größerm oder geringerm Maß das europäische

Festland. Zugleich erweiterte sich der Begriff dahin, daß man

darunter auch Thätigkeiten verstand, bei welchen nicht

bloß der Körper, sondern auch der Geist seine Rechnung

findet. Ein wesentliches Merkmal dieser Thätigkeiten war es

indessen von jeher und ist es noch, daß sie im Freien

ausgeübt werden. Widersinnig ist daher z. B. die Bezeichnung

Briefmarkensport, ebenso widersinnig wie die ausschließliche

Anwendung des Wortes S. auf die Pferderennen. Man unterscheidet: 1)

die mehr gesundheitlichen Zwecken dienenden, im wesentlichen

bloß Kraft erfordernden, bez. die Körperkraft

fördernden Sportarten, so die Mehrzahl der Turnübungen,

das Rudern, das Fahren mit Dreirädern, das Gehen, Laufen etc.;

2) die Sportarten, welche Kraft und Geschicklichkeit zugleich

verlangen, bez. fördern helfen: Schlittschuhlaufen und

Schwimmen, die höhern Turnübungen, das Fechten, das

Fahren mit Zweirädern, das gewöhnliche Reiten, die Jagd

auf wehrlose Tiere, die Angel- und Netzfischerei auf

Binnengewässern, Cricket, Fußball, Lawn Tennis, das

Schießen; 3) endlich die Sportarten, deren Ausübung

Kraft und Geschick erfordert und mit einer gewissen Gefahr

verbunden ist, welche mit Hilfe dieses Geschicks abgewendet werden

soll: die Jagd auf wilde, wehrhafte Tiere, Parforcejagd und

Pferderennen, der Bergsport, die Fischerei auf hoher See und vor

allen der Segelsport, welcher bei den Engländern für den

Inbegriff des Sportlichen gilt. Dieser zerfällt wiederum in

Segeln auf Binnengewässern und Segeln auf hoher See. Letzterer

erfordert zugleich erhebliche mathematische und astronomische

Kenntnisse. Die Sportarten lassen sich aber auch nach den toten

oder lebendigen Gegenständen einteilen, welche zu deren

Ausübung dienen, bez. den Gegenstand derselben bilden. So

unterscheidet man 1) Jagd- und Schießsport nebst Hundezucht;

2) Pferdesport in allen seinen Abarten, wie: Turf, Trabersport,

Fahrsport, Parforcejagd, Schnitzeljagd, Dauerreiten und

Steeplechase; 3) Wassersport, welcher wiederum zerfällt in

Segeln, Dampfen, Rudern, Fischen und Angeln, Eissport und

Schwimmen; endlich 4) die verschiedenen Sportarten, als: Fechten

und Turnen, Radfahren, Athletik, Skaten, Ballonsport, Bergsport,

Gartenspiele etc. Als ein wesentliches Merkmal des Sports ist

endlich anzuführen, daß dessen Ausübung nicht um

des Gelderwerbs wegen geschieht. Näheres s. in den einzelnen

Artikeln. Vgl. Georgens, Illustriertes Sportbuch (Leipz. 1882).

Eine "Sportzeitung" (seit 1880) und eine "Sportbibliothek" für

die verschiedenen Sportzweige gibt V. Silberer in Wien heraus; in

Berlin erscheinen die "Sportswelt" und die "Neuesten

Sportsnachrichten" (hrsg. vom Unionklub).

Sporteln (lat.), Gebühren für Amtshandlungen,

die nach gesetzlich festgestellter Norm (Sporteltaxe) entrichtet

werden; namentlich Bezeichnung für die Gerichtskosten (s.

d.).

Sports-man (engl., spr. -män), Liebhaber oder

Betreiber des Sports (s. d.).

Sposalizio (ital., "Verlobung"), in der Malerei die bei

den Italienern übliche Bezeichnung für die Darstellung

der Verlobung der Jungfrau Maria und Josephs, insbesondere für

die beiden berühmten Bilder Peruginos (in Caen) und Raffaels

(in Mailand).

Spott kommt mit dem Scherz (s. d.) darin überein,

daß er den andern lächerlich, unterscheidet sich von

diesem dadurch, daß er ihn zugleich verächtlich

macht.

Spottdrossel (Mimus Boie), Gattung aus der Ordnung der

Sperlingsvögel, der Familie der Drosseln (Turdidae) und der

Unterfamilie der Spottdrosseln (Miminae), Vögel mit sehr

gestrecktem Leib, mittellangem, abwärts gekrümmtem

Schnabel mit deutlicher Kerbe an der Spitze,

verhältnismäßig hochläufigen, starken

Füßen mit kräftigen Zehen und schwächlichen

Nägeln, kurzen, abgerundeten Flügeln, in denen die

dritte, vierte und fünfte Schwinge am längsten sind, und

mäßig langem, stufigem Schwanz. Die S. (Mimus

polyglottus Boie) ist oberseits dunkelgrau, am Kopf bräunlich,

unterseits bräunlichweiß;

177

Spottiswoode - Sprache (physiologisch).

die Schwingen sind braunschwarz, fahlgrau gesäumt, die

Spitzen der Flügeldeckfedern weiß, die mittelsten

Steuerfedern schwarz, die äußern weiß; die Augen

sind blaßgelb, der Schnabel ist bräunlichschwarz, die

Füße dunkelbraun. Die S. bewohnt Nordamerika, vom

40° nördl. Br. bis Mexiko, besonders den Süden,

findet sich im Buschwerk, im lichten Wald und in Pflanzungen, in

Ebenen und an der Küste, sucht, besonders im Winter, die

Nähe menschlicher Wohnungen, ähnelt in ihren Bewegungen

den Drosseln und nährt sich von Kerbtieren und Beeren. Sie

brütet zwei-, im Süden auch dreimal in dichten Baumkronen

oder Büschen oft sehr nahe den Wohnungen und legt 3-6

hellgrüne, dunkelbraun gefleckte Eier. Sie singt vortrefflich,

berühmt aber ist sie durch ihre bewundernswerte

Fähigkeit, fremde Gesänge und die verschiedensten

Töne und Geräusche nachzuahmen. Sie hält sich gut in

der Gefangenschaft und hat sich mehrfach, auch in Europa,

fortgepflanzt.

Spottiswoode (spr. -wudd), William, Mathematiker und

Physiker, geb. 11. Jan. 1825 zu London, studierte in Oxford und

übernahm dann die Druckerei der Königin, welche unter

seiner Leitung namhaften Aufschwung gewann, ohne ihm die Muße

zu selbständiger wissenschaftlicher Thätigkeit zu rauben.

Seine frühsten Werke: "Meditationes analyticae" (1847) und

"Elementary theorems relating to Determinants" (1851), bilden die

erste umfassendere Darstellung der Determinantentheorie. Eine Reise

durch Ostrußland (1856) beschrieb er in "A tarantasse journey

through Eastern Russia" (1857) und eine andre durch Kroatien und

Ungarn in Galtons "Vacation tourist in 1860". Seit 1870 wandte er

der Optik und Elektrizitätslehre seine Aufmerksamkeit zu und

schrieb noch "Polarisation of light" (1874). 1879 ward ihm die

höchste wissenschaftliche Würde in England, die des

Präsidenten der Royal Society, übertragen, welche er bis

zu seinem Tod 27. Juni 1883 bekleidete.

Spottkruzifix, Bezeichnung eines 1856 in einem antiken

Gebäude am Palatin entdeckten, im Museum Kircherianum zu Rom

befindlichen Stuckfragments mit der kunstlos eingeritzten

Darstellung eines Gekreuzigten mit einem Eselskopf, vermutlich aus

der Mitte des 2. Jahrh. Er ist bekleidet mit einem Hemd und einer

losen Tunika; rechts daneben steht eine ebenso bekleidete

menschliche Gestalt, die Hand als Zeichen der Anbetung

emporstreckend; darunter die griechischen Worte: "Alexamenos betet

Gott an". Das S. ist wichtig als Zeugnis der Verspottung der ersten

Anhänger des Christentums durch die Römer. Vgl. Kraus,

Das S. vom Palatin (Freiburg 1872); Becker, Das S. der

römischen Kaiserpaläste (Gera 1876).

Spottsylvania Court-House (spr. kohrt-haus'),

Gerichtshalle der gleichnamigen Grafschaft im nordamerikan. Staat

Virginia, 20 km südwestlich von Fredericksburg, wo Lee 24. Mai

1864 von Grant besiegt wurde.

Spr., auch Spreng., bei botan. Namen Abkürzung

für Kurt Sprengel (s. d.).

Sprache (Sprechen), vom physiologischen Standpunkt eine

Kombination von Tönen und Geräuschen, welche durch

entsprechende Verwendung der Ausatmungsluft, in gewissen

Fällen auch beim Einatmen (Schnalzlaute der Hottentoten und

andrer Völker) hervorgebracht werden. Die Vokale oder

Selbstlauter sind Klänge, die an den Stimmbändern

entstehen und sich mit den auf einem musikalischen Instrument

hervorgebrachten Tönen vergleichen lassen; ihre besondere

Klangfarbe erhalten sie wie die Töne auf einer Geige, einem

Pianoforte etc. durch die neben dem Grundton erklingenden Ober-

oder Nebentöne, welche ihrerseits durch die wechselnde

Gestaltung des Ansatzrohrs und Resonanzraums, d. h. der

Mundhöhle, des Gaumens etc., bedingt werden. Als die drei

Grundvokale kann man a, i, u bezeichnen; doch gibt es zwischen

denselben eine unendliche Menge von Nuancen, die durch kleine

Verschiedenheiten der Mundstellung bedingt werden. Bei der

Aussprache des u senkt sich der Kehlkopf, und die Lippen treten

nach vorn, indem sie nur eine kleine rundliche Öffnung

zwischen sich lassen (Fig. 1). Von dem dumpfen u gelangt man zu dem

heller klingenden a durch die Übergangsstufe des o, bei dessen

Bildung sich die Lippenöffnung mäßig erweitert. Bei

der Hervorbringung des a liegt der Kehlkopf höher, die Zunge

liegt platt auf dem Boden der Mundhöhle, so daß das

Ansatzrohr einem vorn offenen Trichter gleicht (Fig. 2). Den

Übergang vom a zu i, dem hellsten Vokal, bildet das e, bei dem

der hintere Teil der Zunge und zugleich der Gaumen sich etwas

emporheben. Beim i wird der Kehlkopf sowohl als der hintere Teil

der Zunge stark emporgehoben, so daß die Mundhöhle eine

Flasche mit sehr engem Hals darstellt (Fig. 3). Die Diphthonge

entstehen durch raschen Übergang der Organe aus einer

Mundstellung in die entsprechende andre, die zur Hervorbringung des

zweiten Teils des Diphthongen erforderlich ist. Die Konsonanten

oder Mitlauter kann man auf verschiedene Weise einteilen. Ihrer

physiologischen oder akustischen Beschaffenheit nach sind sie

entweder tonlos oder tönend, d. h. sie werden entweder

178

Sprache und Sprachwissenschaft (Natur- und

Kulturvölker).

wie die Vokale mit periodischen Schwingungen der

Stimmbänder oder ohne solche Schwingungen hervorgebracht.

Tonlose Laute sind z. B. k, t, p, h, f, tönende Laute z. B. r,

l, n, m, d, b, g. Übrigens können die tönenden

Konsonanten in vielen Fällen auch tonlos gebildet werden; auch

kann sich dem in der Stimmritze gebildeten Ton ein in der

Mundhöhle entstehendes Geräusch beimischen, wodurch

solche Konsonanten den Charakter von Geräuschlauten annehmen.

Der Artikulationsstelle nach teilt man die Konsonanten von alters

her ein in Dentale oder Zahnlaute, bei deren Hervorbringung der

vordere Teil der Zunge und die Zähne in Betracht kommen,

Labiale oder Lippenlaute, die vorn an den Lippen, und Gutturale

oder Gaumenlaute, die hinten am Gaumen gebildet werden.

Tatsächlich gibt es jedoch viele Zwischenstufen; so kann man

nach Brücke von den eigentlichen Dentalen die alveolaren,

lingualen und dorsalen Dentalen unterscheiden, auch gibt es neben

den rein labialen die labiodentalen Konsonanten und drei Arten von

Gaumenlauten. Im Deutschen können als Dentale das t, d, s,

sch, auch n, r, l angesehen werden; labiale Konsonanten sind p, b,

f, m, w; guttural sind k, g, ch, j. Bis zu einem gewissen Grad

kommt die Verschiedenheit der Artikulationsstellen auch für

die Vokale in Betracht, indem z. B. bei u ungefähr die

labiale, bei i ungefähr die dentale Artikulation stattfindet.

Drittens lassen sich die Konsonanten nach ihrer Artikulationsart

einteilen, wobei am meisten der Mundraum, außerdem der

Nasenraum und der Kehlkopf in Betracht kommen. Wird die Stimmritze

so weit verengert, daß die ausgeatmete Luft an den

Rändern der Stimmritze ein reibendes Geräusch erzeugt, so

entsteht der Hauchlaut h; auch alle geflüsterten Laute werden

auf diese Weise gebildet. Der Nasenraum erscheint an der Bildung

der Nasalen oder Nasenlaute n, m und ng (z. B. in "Ding")

beteiligt, indem er durch Senkung des Gaumensegels geöffnet

wird, so daß die Luft aus der Nase strömen kann (ein

Vorgang, durch den auch das sogen. Näseln bedingt wird). Die

Artikulationsart des Mundraums kann wechseln und so entstehen: 1)

Liquidä oder Zitterlaute, die entweder durch Biegung der

Zungenspitze gebildet werden (r-Laute) oder an den

Seitenwänden der Zunge (l-Laute); 2) frikative oder

Reibelaute, durch Verengerung des Mundkanals gebildet, indem die

Ausatmungsluft an den Rändern der Enge ein reibendes

Geräusch erzeugt, wie z. B. beim deutschen s, sch, f, ch, j,

w; 3) Explosiv- oder Verschlußlaute, bei deren Erzeugung der

Mundkanal an irgend einer Stelle plötzlich geschlossen und

wieder geöffnet wird, z. B. an den Lippen bei b, p, hinter

oder an den Zähnen bei d, t, am Gaumen bei g, k. Andre

Sprachen kennen auch noch andre Artikulationsarten, wie

überhaupt die Mannigfaltigkeit der menschlichen Sprachlaute

eine fast unbegrenzte und durch die Schrift nicht entfernt

ausdrückbare ist. Ein sehr wichtiger Faktor bei der

Lautbildung ist auch die Betonung, auf der namentlich die Silben-

und Wortbildung und daher auch die landläufige Unterscheidung

zwischen Vokalen und Konsonanten vornehmlich beruht. Ihrer

akustischen Beschaffenheit nach unterscheiden sich z. B. die Nasale

n, m und die Zitterlaute r, l in keiner Weise von den Vokalen, da

sie wie die letztern mit dem auf regelmäßigen

Schwingungen der Stimmbänder beruhenden Stimmton

hervorgebracht werden (daher auch Resonanten genannt); sie stimmen

aber darin mit den übrigen Konsonanten überein, daß

sie in der Regel nicht als Träger des Silbenaccents fungieren.

Doch gibt es auch hierin Ausnahmen; man vergleiche z. B. das

silbenbildende l in dem deutschen Wort "Handel" (sprich: Handl)

oder die r- und l-Vokale der slawischen Sprachen und des Sanskrit.

Eine künstliche Nachbildung der menschlichen Sprachlaute

liefert der Phonograph Edisons, durch den die schon im 18. Jahrh.

von Kempelen konstruierte Sprechmaschine weit überboten wurde.

Vgl. auch Lautlehre.

Sprache und Sprachwissenschaft. Unter Sprache versteht man, ohne

beide Bedeutungen streng zu sondern, einesteils die

Sprachthätigkeit oder das Sprachvermögen, d. h. nach W.

v. Humboldts treffender Definition der Sprache "die ewig sich

wiederholende Arbeit des menschlichen Geistes, den artikulierten

Laut zum Ausdruck des Gedankens fähig zu machen"; andernteils

wird damit etwas Konkretes, Individuelles bezeichnet, nämlich

die Summe der Wörter, welche bei einem bestimmten Volk als

Mittel zur Verständigung in Anwendung sind oder (bei toten

Sprachen) gewesen sind. Die einzelnen Sprachen sind das Produkt des

Sprachvermögens oder mit andern Worten des Triebes nach

Äußerung und Mitteilung, und die Sprache im allgemeinen

ist eine nicht minder wichtige Seite in der Eigenart des Menschen

als Recht und Sitte, Religion und Kunst und zwar eine solche,

welche sich schon auf den frühsten Stufen der geistigen

Entwickelung, beim Kind und unzivilisierten Menschen, geltend

macht. Gerade bei den rohesten Naturvölkern ist die

Sprachthätigkeit besonders lebendig und das Leben der Sprache,

die man bei ihnen gewissermaßen in ihrem natürlichen

Zustand studieren kann, ein ungemein rasches. So herrscht im Innern

von Brasilien eine so große Sprachverschiedenheit, daß

bisweilen an einem Fluß hin, dessen Länge 300-500 km

nicht übersteigt, 7-8 völlig verschiedene Sprachen

gesprochen werden. Genaue Kenner des Landes erklären dies

daraus, daß es ein Hauptzeitvertreib der Indianer ist,

während sie an ihrem Feuer sitzen, neue Wörter zu

ersinnen, über die, wenn sie treffend sind, der ganze Haufe in

Gelächter ausbricht und sie dann beibehält. Bei

südafrikanischen Negerstämmen, unter denen der englische

Missionär Moffat lebte, wurden die Kinder manchmal von ihren

Eltern so sehr sich selbst überlassen, daß sie

genötigt waren, sich eine besondere Sprache zu ersinnen,

wodurch im Lauf einer Generation die Sprache des ganzen Stammes

eine andre Gestalt annahm. Missionäre in Zentralamerika hatten

von der Sprache des Volkes, dem sie das Christentum predigten, ein

sorgfältiges Lexikon angelegt; als sie nach zehn Jahren zu dem

nämlichen Stamm zurückkehrten, fanden sie, daß

dasselbe veraltet und unbrauchbar geworden war. Die kleinen

melanesischen Inseln des Stillen Ozeans haben jede eine besondere

Sprache, wenn dieselben auch zu dem gleichen Sprachstamm

gehören. Selbst auf den friesischen Inseln der Nordsee hat die

Isoliertheit der insularen Lage die Folge gehabt, daß auf

allen diesen Inseln verschiedene Dialekte herrschen, worin sogar

ein so gewöhnlicher Begriff wie "Vater" durch besondere

Wörter ausgedrückt wird. Dieselbe sprachliche

Isoliertheit wie bei Inselvölkern findet sich auch bei

Bergvölkern. So fand der russische General Baron v. Uslar bei

der ethnographischen und linguistischen Durchforschung des

nördlichen Kaukasus dort mindestens zehn total verschiedene

Sprachen, und die auf etwa 800,000 Köpfe geschätzten

Basken der Pyrenäen sprechen acht Dialekte, die so stark

voneinander abweichen wie das Französische vom Englischen.

Bei Kulturvölkern erscheint die Veränderung der

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Sprache und Sprachwissenschaft (Ursprung der Sprache).

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 50 / 302 段