Spitzweg, Karl, Maler, geb. 5. Febr. 1808 zu

München, war anfangs Apotheker, studierte dann von 1830 bis

1832 auf der Universität in München und wendete sich erst

um 1835 der Kunst zu, in welcher er sich als Autodidakt durch

Studien nach ältern Meistern, insbesondere durch Kopien nach

den Niederländern ausbildete. Zur malerischen Darstellung

wählte er das spießbürgerliche Leben seiner Zeit in

gemütvoller und humoristischer Auffassung und mit Hervorhebung

gewisser Typen (Stadtgardisten, Nachtwächter, fahrende

Künstler, Invaliden, Sonderlinge, Gelehrte, Klausner), malte

daneben aber auch romantisch gehaltene Landschaften mit

phantastischer Staffage. Er bevorzugte dabei besonders die

Mondscheinbeleuchtung. Dem kleinen Format seiner Bilder entsprachen

die sorgsame Durchführung und die feine Charakteristik der

Figuren. Seine Hauptwerke sind: der arme Poet, Zauberer und Drache,

die reisende Künstlergesellschaft, schlafender Wachtposten bei

Mondschein, der Bücherantiquar, der Gelehrte im

Dachstübchen, der Kommandant, der Hypochonder, der

Sonntagsjäger, der Nachtwächter und die Serenade. Seit

1844 war er Mitarbeiter an den "Fliegenden Blättern", welche

er mit zahlreichen humoristischen Zeichnungen versah. Er starb 23.

Sept. 1885. Vgl. E. Spitzweg, Die S.-Mappe (Münch. 1887).

Spitzwegerich, s. Plantago (lanceolata).

Spitzahnornament, eine im normännischen und

romanischen Baustil vorkommende Gliedbesetzung (s. Abbildung).

Spix, Johann Baptist von, Naturforscher und Reisender,

geb. 9. Febr. 1781 zu Höchstadt a. d. Aisch, studierte in den

Seminaren zu Bamberg und Würzburg Theologie, wandte sich dann

zur Medizin und wurde 1811 Konservator der zootomischen Sammlungen

in München. 1817 ging er mit Martins nach Brasilien, kehrte

1820 nach Europa zurück und starb 13. März 1826 in

München. Er schrieb: "Geschichte und Beurteilung aller Systeme

in der Zoologie" (Nürnb. 1811); "Cephalogenesis" (Münch.

1815); "Reise nach Brasilien" (fortgesetzt von Fr. v. Martius, das.

1823 bis 1831, 3 Bde. mit Karten und Kupfern) und mehrere

Prachtwerke über Affen, Fledermäuse, Reptilien und

Vögel, die er in Brasilien gesammelt hatte (1824 bis 1825 mit

andern Zoologen vollendet).

Spizza (slaw. Spiz), Gemeinde in der dalmatischen

Bezirkshauptmannschaft Cattaro, im äußersten Süden

Österreichs, am Adriatischen Meer, mit Hafen und (1880) 1521

vorwiegend albanesischen Bewohnern. S. wurde durch den Berliner

Frieden 1878 von der Türkei an Österreich abgetreten.

Splanchnici (nervi s.), Eingeweidenerven.

Splanchnologie (griech.), Eingeweidelehre, Teil der

Anatomie (s. d.).

Spleen (engl., spr. splihn, "Milzsucht"), Form von

Melancholie mit Hypochondrie, welche oft zum Selbstmord führt.

Esquirol findet die Ursachen derselben zur Zeit der Pubertät

in einer unbestimmten, im Grund geschlechtlichen, unbefriedigten

Sehnsucht, beim reifern Alter im Aufgeben einer geregelten

Thätigkeit, in Übersättigung mit Vergnügungen

etc. Die Behandlung des Spleens muß zuerst die

körperlichen Verhältnisse berücksichtigen,

hinsichtlich deren sich meist Verdauungsstörungen vorfinden,

und die geistige Verstimmung durch zweckmäßige

psychische Behandlung, besonders durch geregelte Thätigkeit,

zu heben suchen.

Spleißofen, s. Kupfer, S. 320.

Splen (lat.), Milz; Splenalgie, Milzstechen; Splenitis,

Milzentzündung.

Splendid (lat.), glänzend, prächtig,

prachtliebend, viel aufgehen lassend; beim Buchdruck s. v. w. weit,

geräumig gesetzt (Gegenteil: kompreß).

Splint (Splintholz), s. Holz, S. 669; im Bauwesen s. v.

w. Schließe, s. Anker, S. 597.

Splintkäfer, s. Borkenkäfer.

Splissen, die Vereinigung zweier Tauenden, welche zu dem

Zweck aufgedreht werden, so daß die einzelnen Kardeele oder

Garne frei liegen; letztere werden demnächst mit Hilfe des

Marlpfriems zwischen die Kardeele der nicht aufgedrehten Teile der

Taue gearbeitet, derart, daß die fertige Splissung keinen

wesentlich größern Durchmesser erhält als das

übrige Tau.

Splißhorn, ein als Gefäß zum

Mitführen von Talg benutztes Kuhhorn, welches, am Gurt

getragen, neben dem Messer und Marlpfriem, dessen Spitze vor dem

Gebrauch mit Talg eingefettet wird, das Handwerkszeug der Takler

und Matrosen bildet.

Splitter, Dorf im preuß Regierungsbezirk Gumbinnen,

westlich bei Tilsit, mit Stolbeck zusammenhängend, hat (1885)

770 Einw.; hier 30. Jan. 1679 siegreiches Gefecht der Brandenburger

gegen die Schweden.

Splügen (roman. Speluga), ein Hochgebirgspaß

der Graubündner Alpen (2117 m), zwischen dem Tambo- und

Surettahorn, verbindet den Hinterrhein mit dem Liro

(Nebenfluß der Adda), also Bodensee und Comersee, und ward

schon zur Römerzeit benutzt. Über den S. führte

Macdonald (27. Nov. bis 4. Dez. 1800) die französische

Reservearmee. Später (1812 bis 1822) unternahm die

österreichisch-lombardische Regierung den Bau der

Splügenstraße, die vom Graubündner Dorf S. (1450 m)

bis Chiavenna (317 m) 38 km lang, überall 4,5 m breit ist und

eine größere Zahl von Galerien und Zufluchtsstätten

enthält. Erbauer war Karl Donegani. Seit längerer Zeit

ist der S. auch als Paß für eine ostschweizerische

Alpenbahn in Aussicht genommen.

Spodium (lat.), s. v. w. Beinschwarz oder Knochenkohle;

weißes S., s. v. w. Knochenasche.

Spodumen, Mineral, s. Triphan.

Spohr, Ludwig, Violinspieler und Komponist, geb. 5. April

1784 zu Braunschweig als das älteste Kind eines Arztes, der

1786 als Physikus nach Seesen am Harz versetzt wurde, zeigte

früh musikalisches Talent, so daß er schon in seinem

fünften Jahr gelegentlich in den musikalischen

Abendunterhaltungen der Familie mit seiner Mutter Duette singen

konnte, und wurde mit zwölf Jahren nach Braunschweig

geschickt, um bei gleichzeitigem Gymnasialunterricht sich in der

Musik auszubilden. Hier wurden Kunisch und später Maucourt

seine Violinlehrer, während ihn der Organist Hartung, jedoch

nur kurze Zeit, in der Komposition unterrichtete. Nach Spohrs

eigner Versicherung war dies die einzige Unterweisung, die ihm in

Harmonielehre und Kontrapunkt je zu teil geworden, so daß er

also die bedeutenden Fähigkeiten, welche er gerade auf diesem

Gebiet besaß, hauptsächlich dem eignen Fleiß zu

danken hatte.

173

Spöl - Spoleto.

15 Jahre alt, wurde er vom Herzog von Braunschweig, zum

Kammermusikus ernannt und erhielt zugleich das Versprechen,

daß der Herzog ihn zu weiterer Ausbildung noch irgend einem

großen Meister übergeben wolle. Die Wahl fiel endlich

auf Franz Eck in München, als dieser eben im Begriff war, eine

Kunstreise nach Rußland anzutreten. S. begleitete ihn und

kehrte erst im Juli 1803 nach Braunschweig zurück. Hier traf

er Rode an, dessen Spiel nachhaltigen Einfluß auf seine

weitere Entwickelung übte. Spohrs Ruf als ausgezeichneter

Violinvirtuose verbreitete sich nun infolge einiger Kunstreisen so

rasch, daß er schon 1805 die Konzertmeisterstelle in Gotha

erhielt. In dieser Stellung verblieb er, nachdem er sich ein Jahr

später mit der Harfen- und Klaviervirtuosin Dorette Scheidler

verehelicht hatte, abgesehen von mehreren mit seiner Gattin

unternommenen Kunstreisen, bis 1813, in welchem Jahr er einem Ruf

als Kapellmeister des Theaters an der Wien folgte. Zwistigkeiten

mit dem Direktor desselben, Grafen Pálffy, waren die

Ursache, daß er dies Amt bereits nach zwei Jahren niederlegte

und wiederum Kunstreisen antrat, die sich diesmal auch auf die

Schweiz, Italien und Holland erstreckten, bis er im Winter 1817 die

Kapellmeisterstelle am Theater in Frankfurt a. M. übernahm.

Hier brachte er 1818 seine Oper "Faust" und 1819 "Zemire und Azor"

zur Aufführung, welche beide enthusiastischen Beifall fanden;

gleichwohl verließ S. schon im September d. J. Frankfurt und

begab sich von neuem auf Kunstreisen nach Belgien, Paris und 1820

nach London. Nach viermonatlichem Aufenthalt ruhmgekrönt

zurückgekehrt, ließ er sich in Dresden nieder, erhielt

jedoch schon im folgenden Jahr auf Veranlassung K. M. v. Webers die

Berufung als Hofkapellmeister nach Kassel und trat im Januar 1822

in sein neues Amt ein. Größere Virtuosenreisen unternahm

er von nun an nicht mehr; dagegen entfaltete er die

ersprießlichste Thätigkeit zur Hebung der musikalischen

Zustände Kassels, insofern er sowohl das Orchester zu einer

zuvor nie gekannten Höhe hob, als auch außerdem einen

Gesangverein für Oratorienmusik gründete. Nicht minder

bedeutend war seine Thätigkeit als Lehrer und Komponist. In

ersterer Eigenschaft wurde er das Haupt einer Violinschule, wie sie

Deutschland seit Franz Benda nicht besessen, und von allen Teilen

Europas strömten ihm die Schüler zu. Gleichzeitig

entwickelte er eine erstaunliche Produktionskraft auf allen

Gebieten der Komposition und bethätigte sich als Dirigent

zahlreicher Musikfeste in Deutschland und England. Auch der Verlust

seiner Gattin (1834), für den er in einer zweiten Ehe mit der

Klavierspielerin Marianne Pfeiffer nur einen annähernden

Ersatz fand, vermochte seinen Arbeitseifer und seine Pflichttreue

nicht zu vermindern, so wenig wie die kleinlichen Schikanen, die er

später von seinem Fürsten zu erdulden hatte, dies

namentlich nach dem Jahr 1848, obwohl er das Jahr zuvor durch die

Ernennung zum Generalmusikdirektor ausgezeichnet war. 1857 gegen

seinen Wunsch und mit teilweiser Entziehung seines Gehalts

pensioniert, blieb er bis zu seinem Tod 22. Okt. 1859 als Mensch

wie als Künstler ein Gegenstand der allgemeinen Verehrung. Als

Komponist hat S. die musikalische Litteratur auf jedem ihrer

Gebiete durch Meisterwerke von unvergänglichem Wert

bereichert. Auf dem der dramatischen Musik wurde er neben K. M. v.

Weber und Marschner der Hauptvertreter der romantischen Oper, wenn

er auch hinsichtlich des szenisch Wirksamen hinter diesen beiden

zurücksteht und infolgedessen seine Opern, mit Ausnahme von

"Jessonda", noch zu seinen Lebzeiten von den deutschen Bühnen

verschwanden. Auch in seinen Oratorien: "Die letzten Dinge", "Der

Fall Babylons" u. a. folgt er zu ausschließlich seinem

subjektiven Naturell, um auf die Nachwelt zu wirken, wiewohl hier

seine Neigung zum Elegischen und das konsequente Festhalten eines

erhabenen Pathos sowie endlich der für alle seine Arbeiten

charakteristische, nicht selten in Überfülle ausartende

Reichtum der Modulation die Wirkung weniger beeinträchtigen

als in seinen Opern. Unbedingte Bewunderung verdienen seine

zahlreichen, ausnahmslos durch Adel der Empfindung und formale

Abrundung hervorragenden Instrumentalwerke, sowohl für

Orchester als für Kammermusik, unter den erstern die

Symphonien in C moll und "Die Weihe der Töne", unter den

letztern die Quintette und Quartette, sowohl für

Streichinstrumente allein als mit Klavier. Den größten

und verdientesten Erfolg aber haben die speziell für sein

Instrument geschriebenen Werke gehabt, und seine 15 Violinkonzerte,

darunter namentlich das 7., 8. ("in Form einer Gesangsszene") und

9., sowie seine Violinduette, endlich seine große

Violinschule stehen noch heute an klassischem Wert

unübertroffen da. Vgl. Spohrs "Selbstbiographie"

(Götting. 1860-61, 2 Bde.; bis 1838 von ihm selbst geschrieben

und von da bis zu seinem Tod von den Angehörigen

ergänzt); v. Wasielewski, Die Violine und ihre Meister (2.

Aufl., Leipz. 1883); Malibran, Louis S., sein Leben und Wirken

(Frankf. a. M. 1860); Schletterer, Louis S. (Leipz. 1881).

Spöl, Fluß, s. Livigno (Val di).

Spoleto, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Perugia

(Umbrien), an der Eisenbahn Rom-Foligno-Ancona, auf einem

Hügel (dem Krater eines erloschenen Vulkans) unfern der

reißenden Maroggia, über deren Thal ein 69 m hoher, 209

m langer Aquädukt mit altem Brückenweg führt, hat

ein schönes Kastell (jetzt Strafhaus), viele Kirchen (darunter

die Kathedrale mit Fresken von Filippo Lippi), zahlreiche

Altertümer, ansehnliche Paläste (Kommunalpalast mit

kleiner Gemäldesammlung), ein schönes Theater und (1881)

7696 Einw., die Fabrikation von Hüten, Leder, Wollenstoffen,

Bereitung von Konserven, Getreide-, Wein- und Ölbau sowie

Handel mit diesen Produkten betreiben. S. hat ein Lyceum,

Gymnasium, Seminar, eine technische Schule, ein Konviktkollegium,

eine Bibliothek, eine wissenschaftliche Akademie und ist Sitz eines

Erzbischofs, eines Unterpräfekten und eines Handelsgerichts. -

S. hieß im Altertum Spoletium und war eine der ansehnlichsten

Städte Umbriens, die 242 v. Chr. eine römische Kolonie

ward und sich 217 standhaft gegen Hannibals Angriffe verteidigte.

Von den Goten unter Totilas zerstört, ward sie von Narses

wieder aufgebaut und dann von den Langobarden zur Hauptstadt eines

Lehnsherzogtums gemacht, das einen großen Teil Mittelitaliens

(Umbrien, Sabiner- und Marsenland, Fermo und Camerino)

umfaßte und auch unter fränkischer Herrschaft bestehen

blieb. Herzog Guido von S. ward 891 Kaiser, ebenso sein Sohn

Lambert 898. Mit Konrad dem Schwaben erlosch das selbständige

Herzogtum. Durch Kaiser Heinrich II. wurde S. mit Toscana

vereinigt, war nach Mathildens von Tuscien Tod (1115) Gegenstand

des Streits zwischen Kaiser und Papst und nur vorübergehend

Sitz eines kaiserlichen Markgrafen. Seit dem 13. Jahrh.

gehörte das Herzogtum nebst der Mark Fermo zum Kirchenstaat,

seit 1861 gehört es zum Königreich Italien. Vgl. Sansi,

Storia del comune di S. (Foligno 1879).

174

Spoliation - Spontini.

Spoliation (lat.), Beraubung.

Spolien (lat. Spolia), die dem Feind von den

römischen Soldaten in der Schlacht entrissene Beute an Waffen,

Schmuck etc., welche den Tempel sowie das Vestibulum und Atrium des

Hauses, namentlich der siegenden Feldherren, schmückte und

stets an dem Haus blieb, auch wenn es den Besitzer wechselte.

Besonders berühmt waren die Spolia opima ("fette Beute"), die

dem feindlichen Feldherrn abgenommen waren und dem Jupiter

Feretrius auf dem Kapitol geweiht wurden. Auch die ehedem in den

Kirchen aufgehängten ritterlichen Ehrenzeichen (Schild, Helm

etc.) der Kirchenpatrone sowie die Güter geistlicher, ohne

Testament verstorbener Personen werden S. genannt (vgl.

Spolienrecht).

Spolienklage, s. Besitz.

Spolienrecht (Jus spolii), das von den deutschen Kaisern

ehedem in Anspruch genommene und bis auf Friedrich II.

ausgeübte Recht, den Nachlaß verstorbener Bischöfe

einzuziehen. Auch die Landes- und Grundherren nahmen im Mittelalter

dem Nachlaß von katholischen Geistlichen gegenüber

zuweilen ein S. in Anspruch, und auch von Päpsten und

Bischöfen ist es ausgeübt worden.

Spoliieren (lat.), berauben, plündern.

Sponde (lat.), Bettgestell, Bettstatt.

Spondeus, ein aus zwei langen Silben (- -) bestehender

Versfuß, der anfänglich bei den Libationen (Spondä)

der Griechen, wobei man eine langsame und ernste Melodie liebte,

dann aber namentlich mit dem Daktylus abwechselnd im Hexameter

angewendet wurde.

Spondias L., Gattung aus der Familie der Anakardiaceen,

Bäume mit unpaarig gefiederten Blättern, unansehnlichen

Blüten und fleischigen, pflaumenähnlichen Früchten.

Von den etwa zehn tropischen Arten liefert S. Mombin L. (S.

purpurea Mill., Mombinpflaumenbaum), in Südamerika und

Westindien, die beliebten Mombinpflaumen oder otahaitischen

Äpfel, zum Räuchern dienendes Amra- oder Aruraharz und

Holz zu Pfropfen. S. lutea L. hat gelbe, herbe Früchte, die

als Arzneimittel dienen, und liefert Acajouholz. S. mangifera Pers.

(Amrabaum), auf Malabar und Koromandel, mit ebenfalls

genießbaren Früchten, liefert auch Amraharz. S. dulcis

Forst., auf den Südseeinseln, liefert die

Cytherenäpfel.

Spondieren (lat.), geloben, besonders von

Ehegelöbnissen gebraucht.

Spondylarthrokace (Spondylitis), s. v. w.

Wirbelentzündung, s. Pottsches Übel.

Spondylus (lat.), Wirbelknochen.

Spongiae, Schwämme (s. d.); S. ceratae,

Wachsschwämme, mit geschmolzenem gelben Wachs getränkte

und scharf ausgedrückte Schwämme; S. compressae,

Preßschwämme, durch Umschnüren mit Bindfaden stark

komprimierte Schwämme, werden wie die vorigen ihres

Quellungsvermögens halber zu unblutigen Erweiterungen,

namentlich des Uteruskanals und des Muttermundes, benutzt, in

neuerer Zeit aber meist durch Laminaria digitata ersetzt.

Spongiös (lat.), schwammig; spongiöse

Knochensubstanz, die weiche, am macerierten Knochen poröse

Substanz in den Knochenenden im Gegensatz zu der festen

Knochenrinde und dem weichen Mark.

Spongitenkalk (Scyphienkalk), fossile Schwämme

enthaltender Kalk; s. Juraformation.

Sponheim (Spanheim), früher reichsunmittelbare

Grafschaft im oberrhein. Kreis, zwischen dem Rhein, der Nahe und

der Mosel, zerfiel in S.-Kreuznach und S.-Starkenburg oder die

vordere und hintere Grafschaft. Der Stammvater des gräflichen

Geschlechts ist Eberhard, um 1044; sein Sohn Stephan gründete

1101 unweit seiner Burg die Abtei S. auf dem Gauchsberg. Nach dem

Tod Gottfrieds II. (1232) begründeten seine Söhne Johann

I. die Linie S.-Starkenburg, Simon II. S.-Kreuznach, während

Heinrich 1248 in der Grafschaft Sayn den Zweig S.-Blankenberg

stiftete, welcher sich bald in die Zweige S.-Heinsberg und

S.-Lewenberg teilte und im 15. Jahrh. erlosch. Johanns I. zweiter

Sohn, Gottfried, ist der Stammvater der Grafen von Sayn und

Wittgenstein (s. d.). Bei dem Aussterben der Kreuznacher Linie 1416

fiel ein Fünftel der Grafschaft an Kurpfalz, vier Fünftel

an die Starkenburger Grafen. Als auch diese 1437 ausstarben, fielen

ihre Besitzungen an Baden und die Pfalz. Nach langwierigen

Streitigkeiten mit der Pfalz wurde im Teilungsvertrag von 1708

Birkenfeld an Pfalz-Zweibrücken überwiesen, fiel jedoch

1776 an Baden zurück, während Kreuznach bei Kurpfalz

verblieb. 1801 kam die ganze Grafschaft an Frankreich, 1814 an

Preußen, das 1817 einen Teil davon, das Fürstentum

Birkenfeld, an Oldenburg abtrat.

Sponsalien (lat.), s. Verlöbnis.

Sponsieren (lat.), liebeln, um ein Mädchen werben,

buhlen; Sponsierer, Freier, Buhler.

Sponsor (lat.), Bürge; auch s. v. w. Pate.

Sponsus (lat.), Bräutigam; Sponsa, Braut.

Spontan (lat.), von selbst, ohne äußere

Einwirkung erfolgend; daher Spontaneität,

Selbstthätigkeit, das Vermögen, von selbst und nicht

infolge besonderer Anregung thätig zu sein.

Spontini, Gasparo, Komponist, geb. 14. Nov. 1774 zu

Majolati bei Jesi (Mark Ancona), erhielt seine Ausbildung zu Neapel

im Konservatorium della Pietà, wo er von Sala im Kontrapunkt

unterrichtet wurde, und debütierte 1796 in Rom mit der Oper "I

puntigli delle donne", welche mit Beifall aufgenommen wurde. Diesem

Werk folgte für verschiedene italienische Theater eine Reihe

von Opern, die sich jedoch von dem damals in Italien

landläufigen Stil in nichts unterschieden. In Paris, wohin er

sich 1803 wandte, vermochte er anfangs keine Anerkennung zu finden

und mußte durch Gesangstunden sein Leben fristen, bis er 1804

mit der einaktigen Oper "Milton" die Aufmerksamkeit des Publikums

erregte. S. hatte sich mittlerweile den Stil Glucks angeeignet und

verwendete ihn zum erstenmal in seiner "Vestalin" (Text von Jouy),

welche 15. Dez. 1807 zur Aufführung kam. Der Erfolg war ein

vollständiger, und das Nationalinstitut erkannte dem Meister

den von Napoleon I. gestifteten Preis von 10,000 Frank zu. Die 1809

folgende Oper "Ferdinand Cortez" fand gleichfalls enthusiastische

Aufnahme. Im nächsten Jahr erhielt S., nachdem er schon 1805

Direktor der Kammermusik der Kaiserin Josephine geworden war, die

Direktion des italienischen Theaters im Odéon, woselbst er

zum erstenmal in Paris Mozarts "Don Juan" zur Aufführung

brachte. Intrigen verleideten ihm jedoch bald genug dieses Amt, er

legte es deshalb nach zwei Jahren wieder nieder. Mit dem Sturz des

Kaiserreichs verlor S. auch seine Stellung bei Hof und war

demgemäß für die folgenden Jahre lediglich auf sein

Talent und seine Arbeiten für die Bühne angewiesen. Sein

nächstes großes Werk: "Olympia", ging im Dezember 1819

zum erstenmal in Szene, fand jedoch nicht den entschiedenen Beifall

wie die beiden vorhergehenden Opern. S. folgte daher um so lieber

einer Aufforderung des Königs von

175

Sponton - Sporenfink

Preußen, der ihn 1820 als Generalmusikdirektor nach Berlin

berief. Hier entfaltete S. während seiner mehr als

20jährigen unbeschränkten Herrschaft über die

Opernbühne eine auf alle Zweige des Opernwesens sich

erstreckende Thätigkeit, die so erfolgreich war, daß er

das seiner Leitung anvertraute Institut auf eine weder vor noch

nach ihm erreichte Höhe brachte; allein die drei "Hofopern",

welche er in Berlin noch schrieb ("Nurmahal", "Alcidor" und "Agnes

von Hohenstaufen"), blieben hinter seinen drei vorhergegangenen

Werken weit zurück. Zudem schuf er sich durch sein häufig

schroffes Auftreten eine große Anzahl von Feinden, und die

hieraus sich entspinnenden litterarischen Fehden, die ihn fast in

einen Prozeß wegen Majestätsbeleidigung verwickelt

hätten und schließlich bei Gelegenheit einer von ihm

geleiteten Aufführung des "Don Juan" zu einer gegen ihn

gerichteten stürmischen Demonstration des Publikums

führten, veranlaßten ihn 1842, sein Amt niederzulegen

und nach Paris zurückzukehren. 1844 unternahm er eine Reise

nach Italien, wo ihn der Papst zum Grafen Sant' Andrea ernannte.

1847 wollte sich S. auf Wunsch des Königs von Preußen

nochmals nach Berlin begeben, um dort einige seiner Opern zu

dirigieren, allein ein Gehörübel verhinderte ihn daran.

Infolge der politischen Wirren kehrte er endlich 1848 für

immer in sein Vaterland zurück, wo er 24. Jan. 1851 in seinem

Geburtsort starb. S. ist einer der Hauptrepräsentanten der

unter dem Einfluß des Napoleonischen Kaiserreichs

entstandenen heroischen Oper, die trotz alles Aufwandes

äußerer Effektmittel doch unter seinen Händen zu

einem Kunstwerk ersten Ranges wurde. Hinsichts des Adels der

Melodie, der Reinheit der Deklamation und der Konsequenz in der

Ausführung seiner Charaktere steht er von allen Komponisten

der französischen Großen Oper Gluck am nächsten,

und er ist von keinem seiner Nachfolger auf diesem Gebiet erreicht

worden. Vgl. Robert, G. Spontini (Berl. 1883); R. Wagner,

Erinnerungen an S. ("Gesammelte Schriften", Bd. 5).

Sponton (spr. spongtóng, Esponton, franz.), eine

Halbpike nach Art der Hellebarde (s. Abbildung), wurde bis zu

Anfang dieses Jahrhunderts von den Offizieren der Infanterie neben

dem Degen als Paradewaffe geführt. Der S. der Unteroffiziere,

auch Partisane genannt, war länger, etwa 2,5 m lang, und

hieß mit ersterm Kurzgewehr im Gegensatz zur längern

Pike (s. d.).

Sporaden, Inselgruppe im Ägeischen Meer und zwar im

Gegensatz zu den Kykladen (s. d.) diejenigen Inseln, welche im N.,

O. und Süden um dieselben "zerstreut" an der Küste von

Kleinasien und Thessalien liegen. Die S. zerfallen in die

Nordsporaden (Skiathos, Skopelos, Chilidromia, Pelagonisi, Skyros

und mehrere kleinere), die Ostsporaden (Nikaria, Patinos, Lero,

Kos, Rhodos nebst vielen kleinern) und die Südsporaden (Thera

oder Santorin, Amurgos, Astypaläa oder Stampalia, Ios oder

Nio, Karpathos, Kasos und mehrere kleinere). Letztere werden von

manchen Neuern (wie auch offiziell) zu den Kykladen gezählt

und die Ostsporaden dann als Südsporaden bezeichnet. Die S.

sind meist mit Bergen bedeckt, die sich durch ihre schroffen Formen

auszeichnen; vielen fehlt die Bewässerung; die

bewässerten zeichnen sich durch große Fruchtbarkeit aus.

Die alten Griechen bezeichneten als S. im engern Sinne nur die im

Ikarischen Meer von Rhodos bis Nikaria (Ikaria) gelegenen Inseln.

Bei der Trennung Griechenlands von der Türkei blieben nur die

zunächst der Küste von Kleinasien liegenden Ostsporaden

bei letzterm Land, während die Nord- und die meisten

Südsporaden an Griechenland fielen. S. Karte

"Griechenland".

Sporadisch (griech., "zerstreut"), in der Medizin von

Krankheiten gebraucht, welche nur einzelne Individuen ergreifen, im

Gegensatz zur Epidemie; auch sonst s. v. w. vereinzelt

vorhanden.

Sporangium (lat., Keimfrucht), bei den Kryptogamen die

Behälter der Sporen, welche entweder, wie bei vielen Algen und

Pilzen, einfache Zellen darstellen, in denen durch Zellbildung

zahlreiche ruhende Sporen oder Schwärmsporen (im letztern Fall

Zoosporangien genannt) entstehen, oder kapselartige Behälter

sind, welche eine aus Zellen zusammengesetzte Wand besitzen und im

Innern meist durch Vierteilung aus Mutterzellen die Sporen

erzeugen, wie bei den Moosen, Farnkräutern etc.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 49 / 302 段