bedeutende Fortschritte gemacht wie die Verarbeitung des Maises in
den Hochdruckapparaten. Man bringt die ganzen Körner in den
Henzedämpfer, welcher auf 100 kg Mais 130-200 kg Wasser
enthält, kocht bei offenem Mannloch unter lebhafter Bewegung
des Maises eine Stunde lang, schließt dann das Mannloch,
dämpft wieder eine Stunde unter steigendem Druck, zuletzt eine
Viertelstunde bei wenigstens drei Atmosphären und bläst
endlich unter diesem Druck aus. Soll der Mais mit Kartoffeln
verarbeitet werden, so maischt man ihn, nachdem er abgekühlt
ist, für sich ein, verteilt ihn mit der erforderlichen Hefe
auf zwei oder drei Gärbottiche und setzt die Kartoffelmaische
zu. Auch Roggen wird jetzt in ganzen Körnern im
Henzedämpfer verarbeitet. Während bei dem alten Verfahren
durchschnittlich 18,7 Proz. Stärke unvergoren blieben, betrug
der Verlust bei Hollefreund 6,9, bei Bohm 7,2, bei Henze, bei
Ellenberger 4,6-6,6 Proz. 1 kg Stärkemehl gibt theoretisch
71,7 Literprozent (s. unten) Alkohol; da jedoch thatsächlich
nur 94 Proz. dieser Menge in Rechnung gezogen werden können,
so ergeben sich als erreichbarer Maximalbetrag nur 67,4 Literproz.
In der Praxis erhielt man nach dem alten Verfahren 45,3 Proz., nach
Henze 48,4, nach Hollefreund 50,5 und nach Bohm 53,8 Proz.
Verarbeitung der Maische.
Die verzuckerte Maische muß so schnell wie möglich
auf die zum Hefengeben und zum Einleiten der Gärung
erforderliche Temperatur (12-17°) abgekühlt werden. Dies
geschah früher auf Kühlschiffen, flachen
Gefäßen von solcher Größe, daß die
Maische darin nur eine dünne Schicht bildet, deren
Abkühlung noch durch Umrühren und starken Luftwechsel
befördert wird. In neuerer Zeit wendet man häufiger
kaltes Wasser und Eis in Oberflächen- oder
Röhrenkühlern oder in Rührwerken mit hohlen
Schaufeln an. In dem oben erwähnten Lacambreschen
Maischcylinder wird kaltes Wasser durch den Zwischenraum b
geleitet, während das Rührwerk in Thätigkeit ist. In
dem Kühlapparat von Hentschel (Textfigur 2) wird die durch den
Fülltrichter a in den Kühltrog c c einfallende Maische
von der sich drehenden kupfernen Spirale e erfaßt und der
Ausgangsöffnung k zugeführt. Das Kühlwasser tritt
durch das Rohr m in die Hohlwelle d, aus dieser in die Spirale e
und fließt bei k wieder ab. Um auch die Wandungen des Trogs
für eine möglichst vollkommene Kühlung nutzbar zu
machen, ist der Trog doppelwandig und wird durch das Rohr l in den
Hohlraum Wasser geleitet. Ein kleinerer Teil des austretenden
Kühlwassers bewirkt schließlich auch noch eine innere
Kühlung der Hohlwelle d. Die wasserführende Spirale ist
aus einzelnen Scheiben hergestellt, die nur teilweise eintauchen
und daher auch eine Kühlung durch Verdunstung bewirken.
Die auf die eine oder die andre Weise erhaltenen
gärungsfähigen Flüssigkeiten, d.h. im wesentlichen
Traubenzuckerlösungen von passender Verdünnung und
Temperatur, sollen nunmehr unter dem Einfluß der Hefe so
zersetzt werden, daß der Zucker möglichst
vollständig in entweichende gasförmige Kohlensäure
und zurückbleibenden, in der Flüssigkeit als Lösung
zu erhaltenden Alkohol zerfällt. Am einfachsten setzt man den
Maischen die als Nebenprodukt andrer Gewerbe (Bierbrauerei)
erhaltene Oberhefe oder in besondern Gewerben bereitete Hefe
(Bierhefe, Branntweinhefe, Preßhefe) zu. Nicht immer aber ist
dieselbe in der erforderlichen Menge und Beschaffenheit zu
erhalten, und es ist daher in denjenigen Ländern, in welchen
die Steuergesetze kein Hindernis bilden, allgemein an Stelle
derselben die Kunst- oder Maischhefe (s. Kunsthefe) getreten.
Dieses Verfahren ist in Deutschland und Österreich allgemein
sowohl in Melasse- als in Getreide- und Kartoffelbrennereien
üblich, obwohl in der Art der Herstellung und Fortführung
dieser Nebenmaische sehr vielfach verschiedene Methoden befolgt
werden. Dagegen wird in Frankreich und Belgien fast nur Bier- oder
Preßhefe benutzt. Man rechnet auf 100 kg 1 bis 2 Lit. breiige
Hefe oder 0,75-1 kg Preßhefe. In allen Fällen wird die
Gärung der Hauptmaische in großen hölzernen, meist
offenen Gefäßen, Bottichen, bewirkt, und man sucht es so
einzurichten, daß sie möglichst energisch und
vollständig und in derjenigen Zeitdauer (in 1-3 Tagen)
verläuft, welche unter den bestehenden Steuergesetzen als die
vorteilhafteste erscheint. Die Temperatur steigt dabei bedeutend
und dient ebenso wie die Abnahme der Dichtigkeit (infolge der
stattfindenden Zersetzung des Zuckers) als ein Erkennungsmittel
für den Verlauf und die Beendigung der Gärung. Die durch
die Gärung erzielte alkoholhaltige Flüssigkeit, die
weingare Maische, enthält außer Alkohol verschiedene
Mengen fremder Stoffe, von denen der Alkohol getrennt werden
muß. Diese fremden Bestandteile rühren teils von dem
Rohmaterial her, welches ja nicht reiner Zucker war und also nicht
völlig in Alkohol oder Kohlensäure übergeführt
werden kann, teils sind es Nebenprodukte der Gärung selbst.
Der Gehalt an reinem Weingeist beträgt durchschnittlich 5-10
Proz. Denselben in konzentrierter Gestalt und frei von den
übrigen Bestandteilen der Maische zu erhalten, ist der Zweck
der Destillation (s. d.), des Abtreibens oder Abbrennens. Reines
Wasser kocht bei 100° C., reiner Alkohol bei 78,3°. Der
Siedepunkt
166
Spiritus (Darstellung des Trinkbranntweins).
eines Gemisches von Alkohol und Wasser liegt zwischen diesen
beiden Punkten und ist im allgemeinen um so höher, je geringer
der Alkoholgehalt desselben ist. Wird ein solches der Destillation,
d. h. dem Kochen in einem Apparat, unterworfen, welcher die
vollständige Wiederverdichtung des gebildeten Dampfes in einem
andern Teil des Apparats durch Abkühlung gestattet, so
erhält man aus dem Dampf eine Flüssigkeit, ein Destillat,
welches im Verhältnis zum Wasser mehr Alkohol enthält als
die siedende Flüssigkeit. Der einfachste Destillationsapparat,
bei welchem der aus der kochenden weingaren Maische sich
entwickelnde Dampf sofort vollständig verdichtet wird, liefert
ein alkoholarmes Produkt (Lutter, Läuter, Lauer), aus welchem
bei abermaliger Destillation (Rektifikation) ein alkoholreicheres
Produkt erhalten werden kann. Die verschiedenen Apparate, welche
gegenwärtig bei der Spiritusfabrikation in Anwendung sind,
liefern sofort ein alkoholreiches Produkt (bis 95 Proz.) und
führen die Verdichtung des letzten alkoholreichen Dampfes in
sehr verschiedener Weise und mit sehr verschieden gestalteten
Apparatteilen aus. Bei dem einfachsten Destillationsapparat benutzt
man zur Verdichtung der Dämpfe kaltes Wasser, bei den
vollkommnern aber Maische, die bei dieser Verwendung
vorgewärmt wird; anderseits schaltet man zwischen Blase und
Kühler Verstärkungsvorrichtungen (Verdampfer und
Niederschlagsvorrichtungen) ein und trifft Vorkehrungen, um den
vollständigen Abtrieb (namentlich durch Anwendung zweier
Blasen) zu sichern. In Deutschland war Pistorius der erste, welcher
zwei Brennblasen statt einer anwandte und mit den Blasen
Rektifikatoren und Dephlegmatoren auf sehr zweckmäßige
Weise verband. Wenn man von einem normal konstruierten Apparat
verlangt, daß man mit seiner Hilfe nicht nur allen Alkohol
aus der Maische, sondern denselben auch möglichst rein
konzentriert und zwar mit dem geringsten Aufwand an Zeit,
Arbeitslohn und Brennstoff erhalte, so muß man anerkennen,
daß der Apparat von Pistorius viel leistet. Es wird ihm
deshalb in Norddeutschland (viel weniger in Süddeutschland, wo
mehr der Gallsche Apparat eingeführt ist) meist der Vorzug vor
andern Brennapparaten gegeben, zu deren Konstruktion der
Pistoriussche Apparat in vielen Fällen der Ausgangspunkt war
(vgl. Destillation, S. 721).
Sehr gebräuchliche Apparate sind ferner: der Pistoriussche
Apparat mit direkter Feuerung, der Pistoriussche
säulenförmige Apparat, der Gallsche Wechselapparat,
außerdem die Apparate von Neumann, Dorn, Egrot, Siemens und
besonders auch der kontinuierlich arbeitende Apparat von Ilges, der
beim ersten Abtrieb S. von mindestens 94 Proz. liefert (s.
Destillation, S. 723). Eine besondere Art der zusammengesetzten
Apparate bilden die namentlich von Savalle gebauten Säulen-
oder Kolonnenapparate, welche besonders in Frankreich und Belgien
in außerordentlicher Anzahl verbreitet sind, und deren
Hauptteil die verschiedenen Arten Verdampfungskapseln bilden. Die
Säulenapparate sind meistens für kontinuierlichen Abtrieb
eingerichtet und enthalten in vielen Fällen keine eigentliche
Blase. Die Verstärkungseinrichtungen sind bei denselben
vielfach nicht sehr ausgeprägt, und sie werden dann nur zur
Herstellung von 35-50proz., oft sogar nur von 25proz. Destillaten
benutzt. Sie sind vorzugsweise für starken,
fabrikmäßigen Betrieb bestimmt und setzen, wenn 80proz.
S. erzeugt werden soll, eine zweite Destillation oder die
Hinzufügung von in Frankreich und Belgien nicht üblichen
Verstärkungseinrichtungen voraus. Ein in Frankreich
verbreiteter Apparat für kontinuierlichen Betrieb ist endlich
der von Derosne verbesserte von Cellier-Blumenthal (s.
Destillation,. S. 722). Es ist der älteste dieser Art und war
ursprünglich nur für die Destillation von Wein (s. oben)
bestimmt; doch dient er jetzt auch zur Destillation von andern
gegornen dünnen oder klaren Flüssigkeiten, wie z. B.
Rübensaft. Für dicke Maischen, wie die in Deutschland zu
verarbeitenden, ist er nicht verwendbar.
Um Trinkbranntwein zu erhalten, wird in zweierlei Weise
verfahren: Ein Teil des aus verschiedenen Rohstoffen erzeugten
alkoholischen Destillats von 80-82 Proz. (Rohspiritus) wird
unmittelbar mit Wasser auf die verlangte Branntweinstärke
verdünnt, zuweilen durch eine Filtration über Holzkohle
in geringem Maß von den in dem Rohspiritus stets als
Nebenprodukt der Gärung enthaltenen, unangenehm riechenden und
schmeckenden Fuselölen gereinigt und außerdem
öfters mit aromatischen, bittern etc. Stoffen versetzt. In
dieser Weise werden nur sehr unreine und fuselig schmeckende
Branntweine erhalten. Reinere und ganz reine Branntweine bereitet
man aus 90-94proz. Sprit, wie derselbe durch Verfeinerung
(Raffinierung) des Rohsprits erhalten wird. Die reinsten in dieser
Weise erzielten Produkte sind das Material, aus welchem die
Liköre und sonstige zusammengesetzte weingeistige
Getränke fabriziert werden. Die weitaus größere
Menge eigentlichen Trinkbranntweins wird aber so erhalten,
daß man die gewünschte geringe Stärke des Produkts
(40-50 Proz.) unmittelbar durch Destillation solcher Maischen
erzielt, welche eigens zu diesem Zweck hergestellt werden, und aus
welchen dann eigentlicher, reinerer S. nicht gewonnen wird. Diese
Art, Trinkbranntwein darzustellen, ist in allen Ländern
gebräuchlich, jedoch je nach dem Geschmack des Publikums und
der Art des Rohmaterials verschieden. Der Absatz des Branntweins
ist an den durch Herkommen und Gewohnheit beliebten Geschmack
desselben gebunden, und es haben sich demnach in den verschiedenen
Gegenden etwas abweichende Branntweinbrennerei-Methoden
herausgebildet, welche, Verbesserung durchweg verschmähend,
darauf gerichtet sind, dem Produkt gewisse Beimengungen (meist zu
den oben erwähnten Fuselölen gehörig) in sehr
geringem Verhältnis zu erhalten, welche den besondern, von dem
des reinen, verdünnten Alkohols abweichenden Geschmack
bedingen. So wird z. B. in Deutschland in kleinen Brennereien aus
der vergornen Weizen- und Gerstenmalzmaische zuerst durch Abtrieb
in der einfachen Blase über freiem Feuer Lutter dargestellt
und aus diesem durch eine zweite Destillation in derselben Weise
Branntwein von der gewünschten Stärke gewonnen. In
Belgien wird der sogen. Genever sowohl in kleinen als in kolossalen
fabrikmäßigen Brennereien aus Roggenmaische erhalten,
welche man zuerst mittels eines kontinuierlich arbeitenden
Säulenapparats mit ununterbrochenem Dampfbetrieb zu Lutter von
etwa 30-35 Proz. abbrennt. Dieser Lutter wird dann ausnahmslos in
ganz einfachen Blasen ohne jede Verstärkung über freiem
Feuer abgetrieben und so Branntwein von der gewünschten
Stärke erhalten. Wacholder wird nicht zugesetzt. Der Abtrieb
des Obstbranntweins aus den verschiedenen Obstmaischen (s. oben)
geschieht im Kleinbetrieb (z. B. im Schwarzwald)
ausschließlich in ganz kleinen, einfachen kupfernen Blasen,
welche auf freiem Feuer erhitzt werden. Es wird zwei- oder dreimal
gebrannt, also zuerst aus der Maische (durch
167
Spiritus (Benutzung, Ausbeute, Produktionsstatistik).
das Rauchbrennen) 15-20proz. Lutter, dann aus diesem (durch das
Läutern) mittels derselben Blase das fertige Produkt erhalten.
Zuweilen wird noch ein drittes Mal geläutert. Weinbranntwein,
Franzbranntwein, Kognak werden in Frankreich aus Wein, entweder
mittels des Apparats von Cellier, Blumenthal und Derosne (s. oben)
oder auch mittels der einfachen, im Wasser- oder Dampfbad erhitzten
Blase, erhalten. Für die feinern Branntweine wird der
Nachlauf, d. h. der gegen Ende des Abtriebs kommende
schwächere Branntwein, wegen seines geringern Geschmacks
getrennt aufgefangen.
Wie schon angedeutet, enthält das Destillat aller weingaren
Maischen flüchtige Stoffe, die demselben einen besondern
Geschmack geben und unter dem Namen Fuselöle (s. d.)
zusammengefaßt werden. Sie sind weniger flüchtig als
Wasser und treten erst in der letzten Periode der Destillation auf.
Außerdem kommen noch andre riechende und schmeckende Stoffe
vor, welche, leichter flüchtig als Alkohol, bei der
Destillation zuerst erscheinen und hauptsächlich aus Aldehyd
bestehen. Um den Branntwein oder Rohspiritus von diesen Stoffen zu
befreien (denselben zu raffinieren), behandelt man ihn zuweilen mit
Holzkohle; meistens aber wird zugleich mit Herstellung von starkem
S. (die Rektifikation zu Ware von 90 und mehr Prozenten) eine
Trennung der zu Anfang, Mitte und Ende der nochmaligen Destillation
zu erhaltenden Produkte vorgenommen und so, unter Benutzung der
verschiedenen Flüchtigkeit der bezeichneten Stoffe, ein reines
Produkt, der Sprit, erhalten. Das Verfahren stellt also im
wesentlichen eine unterbrochene Destillation dar; die Apparate sind
hauptsächlich Säulenapparate mit Blase und kräftigen
Verstärkungseinrichtungen. Man erhält Vorlauf, reinsten
Sprit von etwa 90-93 Proz., und dann Nachlauf, die getrennt
aufgefangen werden. Alle Kühlvorrichtungen der
Destillationsapparate endigen mit einem sogen. Verschluß
(Ablauf, Glocke). Ein solcher (Textfig. 3) besteht z. B. aus einer
zweischenkeligen Röhre t t, welche bei s an das Ende der
Schlange p p befestigt ist. Der eine Schenkel erweitert sich oben
zu einem mit einer Glasglocke bedeckten Trichter w mit dem
Abfluß v und enthält ein Alkoholometer, so daß man
die Beschaffenheit des Destillats beständig beobachten kann.
Das Rohr x dient zum Entweichen von Luft aus dem Apparat und von
Kohlensäure aus der Maische. Soll das Destillat je nach seiner
Reinheit nach verschiedenen Behältern geleitet werden, so sind
weniger einfache Verschlüsse erforderlich. Der Ablauf von
Savalle (Textfig. 4) gestattet nicht nur die Beobachtung des
Alkoholgehalts des Destillats und die beliebige Ableitung, sondern
auch das Abmessen der in einer gewissen Zeit gelieferten
Flüssigkeit. b ist das Zuflußrohr vom Kühlapparat,
c der Ansatz für den Ablauf mit dem Probehähnchen d; die
Verschlußglocke e enthält ein Aräometer und die
Meßröhre, welche durch den Boden der die Glocke
tragenden Schale l hindurchgeht. f ist die Öffnung für
den Abfluß, g die Verteilungskugel mit den Leitungen h i k
nach den verschiedenen Behältern. Der zuströmende S.
fließt durch f ab, steigt aber teilweise nach e, übt von
hier aus einen Druck auf den Abfluß durch f und setzt sich
mit diesem ins Gleichgewicht. Die Größe der Öffnung
f wird durch besondere Versuche so reguliert, daß die Zahlen
an der Meßröhre den Abfluß in einer bestimmten
Zeit ergeben. Steigt die Flüssigkeit in e, so fließt
durch f mehr S. ab, weil der Druck größer wird. Wenn der
Brennapparat und der Kühler gleichmäßig arbeiten,
erscheint der Stand der Flüssigkeit in e vollkommen ruhig und
unveränderlich; jede Unregelmäßigkeit im Betrieb
wird hier sofort erkannt.
Man benutzt S. zu Getränken (Branntwein, Likör), als
Lösungsmittel zur Darstellung von Tinkturen, Firnissen,
Parfümen, Extrakten, Alkaloiden, auch in der Färberei und
Rübenzuckerfabrikation, ferner zur Bereitung von Essig,
Äther, Chloroform, Chloralhydrat, zusammengesetzten
Äthern, Aldehyd, Knallsäuresalzen, Soda, Pottasche,
Teerfarben und vielen andern Präparaten, zum Konservieren
fäulnisfähiger Substanzen, als Brennmaterial, zum
Füllen von Thermometern, zur Regeneration alter
Ölgemälde, als Arzneimittel etc. - Was die Ausbeute
betrifft, so sollten Stärkemehl 56,78 Proz., Rohrzucker 53,8,
Traubenzucker 51,1 Proz. Alkohol liefern, thatsächlich aber
erhält man weniger, z. B. aus Rohrzucker nur 51,1 Proz.
Alkohol. In der Praxis liefern:
100 kg Gerste . . 44,64 Liter S. von 50 Proz. Tr.
100 " Gerstenmalz 54,96 " " " 50 " "
100 " Weizen . . 49,22 " " " 50 " "
100 " Roggen . . 45,80 " " " 50 " "
100 " Kartoffeln . 18,32 " " " 50 " "
Multipliziert man die Literzahl mit dem Alkoholgehalt in
Volumprozenten, so erhält man Literprozente. Ein metrischer
Zentner Gerste liefert danach 2232, Gerstenmalz 2748, Weizen 2461,
Roggen 2290, Kartoffeln 916 Literprozent Alkohol. Nach solchen
Literprozenten rechnet man im deutschen Spiritushandel, und zwar
nimmt man 10,000 Literprozent (100 Lit. à 100 Proz.) als
Einheit an und bezieht auf sie die Preisnotierungen.
Über die Alkoholproduktion liegen zuverlässige Angaben
nicht vor. Der jährliche Verbrauch auf den Kopf der
Bevölkerung betrug 1881-85 in:
Liter Alkohol | Lit. 45% Branntwein
Italien . . . 0,9 | 2,0
Norwegen . . 1,7 | 3,8
Finnland . . 2,2 | 4,9
Großbritannien 2,7 | 6,0
Österreich-Ungarn . . . 3,5 | 7,7
Frankreich . . 3,8 | 8,4
Schweden . . 3,9 | 8,7
Deutschland 4,1 | 9,1
Schweiz . . 4,6 | 10,2
Rußland (europ.) . . 4,7 | 10,4
Belgien . . 4,7 | 10,4
Niederlande 4,7 | 10,4
Dänemark . 8,9 | 19,8
Verein. Staaten 2,6 | 5,8
168
Spiritus familiaris - Spittler.
Seit 1875 zeigt sich eine Steigerung des Alkoholverbrauchs in
Frankreich von 2,9 auf 3,8, in Rußland von 4,0 auf 4,7, in
Österreich-Ungarn, Belgien blieben die Verbrauchsziffern
dieselben, in den Niederlanden, Großbritannien, Finnland,
Deutschland ist eine geringe, in Schweden und Norwegen eine
beträchtliche Abnahme zu verzeichnen. 95 Proz. des
produzierten S. sollen zum Genuß verbraucht werden.
Alkoholische Getränke waren schon in den ältesten
Zeiten bei vielen Völkern bekannt, aber erst im 8. Jahrh.
gewann man durch Destillation von Wein einen S. In den
nördlichen Ländern war bis zum Ende des 18. Jahrh. der
Kornbranntwein allein herrschend. Die ersten Versuche mit
Kartoffeln scheinen 1775 in Schweden angestellt worden zu sein, und
1796 wurde in Franken Kartoffelbranntwein gewonnen. Wichtigkeit
erlangte die Kartoffelbrennerei aber erst seit 1810, und 20 Jahre
später war die Kartoffel in Deutschland das Hauptmaterial
für die Branntweingewinnung. Infolge der Kartoffelkrankheit
wandte man sich wieder mehr dem Getreide, dann aber auch dem Mais,
der Melasse und den Zuckerrüben zu. Zur Verarbeitung der
Kartoffel gaben der ältere und der jüngere Siemens 1818
und 1840 zweckmäßige Apparate an. Die alten
Destillierblasen wurden vielfach verbessert, durch direkten Dampf
geheizt (Gall 1829) etc. Zusammengesetzte Destillierapparate
konstruierten Adam und Solimani in Nîmes (1801), Pistorius
(1816), Cellier-Blumenthal und Derosne (1818), Dorn (1819), Schwarz
(1833), Siemens (1850) etc. Die von Lowitz 1790 entdeckte
Eigenschaft der Kohle, das Fuselöl zu absorbieren, wurde
schnell in die Praxis eingeführt. Die neuesten Fortschritte
betreffen die gründlichere Aufschließung des Materials
durch gespannte Dämpfe und Zerkleinerungsapparate vor dem
Maischen (Hollefreund, Bohm, Henze), namentlich aber ist die
Spiritusfabrikation auch durch wissenschaftliche Untersuchungen
über den Gärungsprozeß, die Ernährung der Hefe
und durch Verbesserung der analytischen Methoden gefördert
worden. Das Laboratorium und die Versuchsstation der deutschen
Spiritusfabrikanten in Berlin hat wesentlich beigetragen, für
die Spiritusfabrikation eine wissenschaftlich begründete Basis
zu gewinnen. Vgl. Stammer, Die Branntweinbrennerei und deren
Nebenzweige (Braunschw. 1875); Derselbe, Wegweiser in der
Branntweinbrennerei (das. 1876); Märcker, Handbuch der
Spiritusfabrikation (4. Aufl., Berl. 1886); Böhm,
Branntweinbrennereikunde (9. Aufl., das. 1885); Gumbinner,
Anleitung zur Spiritusfabrikation (das. 1882); Bersch, Die
Spiritusfabrikation und Preßhefebereitung (das. 1881);
Ulbricht und Wagner, Handbuch der Spiritusfabrikation (Weim. 1888);
Freiesleben, Der Brennereibau (Berl. 1885); "Zeitschrift für
Spiritusindustrie" (das.).
Spiritus familiaris (neulat.), ein vertrauter dienstbarer
Geist, Hausgeist.
Spirochaete Ehrb., früher Gattung der Spaltpilze,
deren angebliche Arten wie die nahe verwandten Spirillen als
Entwickelungsformen von Bakterien erkannt sind.
Spirometer (griech.), von Hutchinson angegebener Apparat,
welcher dazu dient, das Luftquantum zu bestimmen, welches beim
Atmen aus den Lungen entweicht. Das S. stimmt im Prinzip mit dem
gewöhnlichen Gasometer (s. d.) überein. Die durch einen
Schlauch unter die Glocke des Gasometers geleitete ausgeatmete Luft
hebt die durch Gegengewichte äquilibrierte Glocke und kann
direkt an einer Skala gemessen werden.
Spirre, s. Blütenstand, S. 82.
Spirsäure, s. Salicylsäure.
Spital (lat., Spittel), s. v. w. Hospital.
Spital, Marktflecken im österreich. Herzogtum
Kärnten, an der Drau und der Bahnlinie Marburg-Franzensfeste,
ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts,
hat ein Schloß des Fürsten Porzia, Holzstofffabrikation
und (1880) 1832 Einw.
Spitalfields (spr. spittelfihlds), Stadtteil im O.
Londons, in welchem sich die aus Frankreich eingewanderten
hugenottischen Seidenweber niederließen, deren Nachkommen
teilweise noch jetzt dort wohnen.
Spithead (spr. spitt-hedd), s. Portsmouth.
Spitta, Karl Johann Philipp, geistlicher Liederdichter,
geb. 1. Aug. 1801 zu Hannover, studierte in Göttingen
Theologie und ward, nachdem er verschiedene andre Stellen bekleidet
hatte, 1853 Superintendent zu Peine im Hildesheimischen, dann im
Juli 1859 Superintendent in Burgdorf, wo er 28. Sept. d. J. starb.
Außer einzelnen Predigten veröffentlichte er: "Psalter
und Harfe" (Leipz. 1833 u. öfter), eine in zahlreichen
Auflagen verbreitete Sammlung geistlicher, für häusliche
Erbauung bestimmter Lieder, die durch Vollendung der Form,
Innigkeit und wahrhaft christliches Gepräge zu den besten
derartigen Produkten der Neuzeit gehören. Noch erschienen von
ihm: "Nachgelassene geistliche Lieder" (5. Aufl., Brem. 1883).
Spittas Leben beschrieb Münkel (Leipz. 1861). -
Sein Sohn Philipp, geb. 27. Dez. 1841 zu Wechold bei Hoya in
Hannover, seit 1875 Dozent der Musikgeschichte an der Hochschule
für Musik (seit 1882 deren stellvertretender Direktor) sowie
Universitätsprofessor für Musikwissenschaft und
Sekretär der Akademie der Künste zu Berlin, hat sich
durch seine Biographie "Johann Sebastian Bach" (Leipz. 1873-79, 2
Bde.; engl., Lond. 1884) sowie durch eine Gesamtausgabe der
Orgelwerke Buxtehudes und der Werke von H. Schütz bekannt
gemacht. Kleinere Schriften von ihm sind: "Über J. S. Bach"
(Leipz. 1879) und "Ein Lebensbild Robert Schumanns" (das. 1882).
Mit Chrysander und Adler gibt er seit 1885 die "Vierteljahrsschrift
für Musikwissenschaft" (Leipz.) heraus.