Spiritus (hierzu Tafel "Spiritusfabrikation"), mehr oder

weniger reiner Alkohol, aus zuckerhaltigen Flüssigkeiten durch

Destillation gewonnen. Früher, als noch der S.

größtenteils zum Genuß in der Form von Branntwein

(s. d.) bereitet wurde, war die Spiritusfabrikation

hauptsächlich Branntweinbrennerei. Der neuere Betrieb

unterscheidet sich von letzterer durch das Arbeiten in

größerm Maßstab und auf alkoholreichere

Destillate. Im allgemeinen nennt man solche durch Destillation

erhaltene Flüssigkeiten Branntweine, welche zum Getränk

bestimmt sind und 30-50 Volumprozent Alkohol enthalten; die zu

andern Zwecken dienenden, bis über 90 Volumprozent Alkohol

enthaltenden, ebenso gewonnenen Flüssigkeiten heißen S.

Bei dem Branntwein hat der je nach dem Ursprung (und zum Teil der

Bereitungsweise) verschiedene Geruch und Geschmack Einfluß

auf den Handelswert, der wesentliche Bestandteil ist aber stets der

berauschend wirkende Alkohol, und beim S. kommt letzterer allein in

Betracht, die fremden, riechenden Stoffe, welche als Nebenprodukte

bei der Alkoholbildung auftreten, werden möglichst

vollständig entfernt. Das Produkt heißt dann gereinigter

S. (Sprit). Die Darstellung aller dieser Produkte begreift im

allgemeinen zwei wesentlich verschiedenartige Arbeiten: die

Herstellung einer alkoholhaltigen Flüssigkeit und die

Abscheidung des Branntweins oder S. aus dieser mittels

Destillation. Die alkoholhaltige Flüssigkeit wird stets durch

Gärung einer zuckerhaltigen gewonnen. Die Darstellung der

letztern aber ist je nach dem zu verarbeitenden Rohmaterial eine

sehr verschiedene. Als solches kommen nämlich in Betracht: a)

feste oder flüssige Stoffe, welche Zucker fertig gebildet

enthalten; hierher gehören namentlich Zuckerrüben,

Maisstengel, Sorghum, alle Arten Obst und Beeren, Melasse und

Sirupe sowie andre Rückstände oder Abfälle der

Zuckerfabrikation, Trester, Honig u. a.; b) Stoffe, welche zwar

keinen Zucker, wohl aber Stärkemehl enthalten, welches durch

Einwirkung von Malz (Diastase) in Zucker (Maltose)

übergeführt werden kann; dazu gehören: Wurzeln und

Knollen, namentlich Kartoffeln (Topinambur), Getreide aller Art,

Mais, manche Leguminosen und andre Samen.

Verarbeitung zuckerhaltiger Rohstoffe.

Die zuckerhaltigen Rohstoffe brauchen nur in eine für die

Vergärung brauchbare Form (Lösung von bestimmter

Konzentration) versetzt zu werden, um durch den Einfluß der

Hefe in Alkohol und Kohlensäure zu zerfallen. Die

stärkemehlhaltigen Stoffe hingegen können erst die

gärungsfähigen Zuckerlösungen ergeben, wenn sie der

Verzuckerung durch Malz unterlegen haben. Obwohl es viel einfacher

erscheint, die bereits zuckerhaltigen Rohstoffe zu verwenden,

richtet sich doch die Wahl derselben weniger hiernach als nach der

Besteuerungsart des betreffenden Landes. Aus diesem Grund wird in

dem größten Teil Deutschlands, dort, wo der Raum,

welchen die gärende Flüssigkeit einnimmt, als Maß

für die zu bezahlende Steuer gilt, derjenige Rohstoff am

meisten benutzt, welcher die am meisten zuckerhaltigen Maischen

liefert, d. h. also diejenigen, bei welchen aus einem bestimmten

Maß gärender Maischen am meisten S. gewonnen werden

kann. Dies sind die stärkemehlhaltigen Rohstoffe Getreide,

Mais und die Kartoffeln, von zuckerhaltigen nur die Melasse.

Ausnahme bilden nur diejenigen Teile Deutschlands, in denen eine

andre Besteuerung noch herkömmlich ist, welche die

Verarbeitung von allerhand Obstarten im Kleinbetrieb gestattet.

Sollte hier die Steuer nach dem Gärraum bezahlt werden, so

würde der Verbrauch der bezeichneten Rohstoffe unmöglich,

weil der Betrieb zu teuer werden würde. Die Benutzung des in

größten Mengen (im Klima des mittlern Europa, namentlich

in Deutschland) zu habenden zuckerhaltigen Rohstoffs, der

Zuckerrübe, hat in Deutschland selbst in

162

Spiritus (aus zuckerhaltigen und stärkehaltigen

Stoffen).

den Teilen, wo nicht der Gärraum besteuert wird, keine

Verbreitung finden können. In Frankreich, wo ein andres

Steuersystem herrscht, unter welchem es vorteilhaft ist, weniger

gehaltreiche Flüssigkeiten zur Vergärung und

Spiritusgewinnung zu benutzen, ist die Verwendung der

Zuckerrüben zur Spiritusgewinnung in manchen Gegenden sehr

verbreitet, vielfach in der Weise, daß man, je nach Handels-

und Preisverhältnissen der Jahrgänge, die

Rübenernten zur Zuckerfabrikation oder zur Spiritusbereitung

benutzt. Als zuckerhaltiger Rohstoff kommt für Deutschland nur

die Melasse in Betracht, aber auch diese wird jetzt vielfach

vorteilhafter auf Zucker als auf S. verarbeitet. Aus Traubenwein

werden namentlich im südlichen Frankreich die gesuchtesten

Traubenbranntweine (Franzbranntweine) gewonnen, obwohl immer nur

dann, wenn die Verwertung dieses alkoholreichern Produkts eine

höhere als die des Weins ist (Rückstände von der

Weinbereitung werden stets in ähnlicher Weise verarbeitet).

Die Darstellung des zum Branntweinbrennen bestimmten Weins verlangt

nicht dieselbe Sorgfalt wie die des Trinkweins, sie zielt auf

möglichste Ausbeutung an Alkohol von reinem Geschmack; die Art

des Abbrennens (s. unten) und der Aufbewahrung ist auf den

Geschmack des Produkts von wesentlichem Einfluß. Die

Rückstände der Weinbereitung liefern den

Tresterbranntwein, die bei der Gärung abgeschiedene Hefe den

Drusenbranntwein.

Aus zuckerhaltigen Stoffen werden in möglichst einfacher

Weise Flüssigkeiten hergestellt, welche den gesamten Zucker

des Rohmaterials in Lösung enthalten, worauf durch Zusatz von

Hefe die Gärung eingeleitet wird, bei welcher der Zucker in

Alkohol und Kohlensäure zerfällt. Melasse wird unter

Zusatz von etwas Schwefel- oder Salzsäure und unter

Erwärmung zu einer Flüssigkeit von 12-25 Proz. Gehalt

verdünnt und bei geeigneter Temperatur mit der Hefe

(Hefenmaische, Kunsthefe) versetzt. Zur Darstellung von Rum werden

Rückstände von der Darstellung des Zuckers aus Zuckerrohr

mit Wasser und Schwefelsäure oder Schlempe zu

Flüssigkeiten von 14-16 Proz. Gehalt verdünnt und mit

Hefe zur Gärung gestellt; bisweilen wird Zuckerrohrsaft

zugesetzt. Von Obst oder süßen Früchten werden

Äpfel und Birnen, Kirschen, Zwetschen, Brombeeren,

Heidelbeeren, Holunderbeeren u. a. benutzt. Aus Äpfeln und

Birnen wird durch Zermalmen oder Reiben, aus den andern

Früchten durch teilweises Zerstampfen ein Brei hergestellt und

dieser entweder ausgepreßt, oder, und zwar meistenteils,

unmittelbar in Tonnen gefüllt, in denen die Masse bald in

Gärung kommt. In manchen Gegenden, z. B. im Schwarzwald,

bildet die Obstbrennerei eine eigentümliche ländliche

Industrie, die von vielen Tausenden in kleinerm und

größerm Maßstab betrieben wird; es werden aus den

einzelnen Obstarten ebenso viele verschiedene und zum Teil sehr

geschätzte Trinkbranntweine dargestellt, die durch ganz

bestimmten Geschmack gekennzeichnet sind. Nachdem die Gärung

begonnen, werden die Tonnen nach der erfahrungsmäßig

besten Zeit dicht verschlossen und so lange an einem kühlen

Ort aufbewahrt, bis die Reihe des Abbrennens an sie kommt; das

Abbrennen dauert das ganze Jahr hindurch, so daß manches Obst

ein Jahr, Zwetschen auch wohl zwei Jahre und mehr in der Tonne

verbleiben; die Dauer dieser überaus langsamen Gärung ist

von bestimmtem Einfluß auf die Eigenschaften, namentlich auf

die Klarheit, des Erzeugnisses. Zuckerrüben liefern neben

einem hohen Spiritusertrag von der Bodenfläche ein

geschätztes Viehfutter als Rückstand. Nach Champonnois

werden die Rüben auf einer Schneidemaschine in Stücke

geschnitten, aus diesen wird der Saft durch Auslaugen mit

säurehaltigem Wasser oder mit Schlempe gewonnen und mit Hefe

oder mit Hefe enthaltendem, gärendem Rübensaft in rasch

verlaufende Gärung versetzt. Nach Leplay wird der Saft nicht

abgeschieden, sondern innerhalb der gleichfalls in Stücke

geschnittenen Rüben dadurch in Gärung versetzt, daß

man sie unter einem Zusatz von etwas Schwefelsäure in

gärenden Rübensaft bringt. Im erstern Fall wird der

Rübensaft, im letztern werden die Rübenschnitte als

solche nach Vollendung der Gärung (also nach 1-2 Tagen) der

Destillation behufs Abscheidung des Alkohols unterworfen.

Verarbeitung stärkehaltiger Rohstoffe.

Die Verarbeitung der stärkemehlhaltigen Rohstoffe ist in

Deutschland von größter volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Hauptmaterial ist die Kartoffel, welche für große

Länderstrecken mit sandigem Boden das hauptsächlichste

Landesprodukt bildet, aber bei ihrem niedrigen Preis hohe

Transportkosten nicht erträgt. Die Umwandlung in ein teureres,

verhältnismäßig weniger Gewicht besitzendes und

daher Frachtkosten leicht ertragendes Produkt erscheint um so

vorteilhafter, als dabei ein Nebenprodukt, die Schlempe,

entfällt, welche ein höchst wertvolles Futtermittel

für Milchtiere ist. Hierin liegt begründet, daß die

Spiritusfabrikation selten als selbständige

Großindustrie auftritt, sondern ein landwirtschaftliches

Gewerbe bildet, welches eine große Viehhaltung

ermöglicht, so daß der ärmere Boden stark

gedüngt werden kann und bei der intensiven Bearbeitung, welche

die Kartoffel erfordert, so wesentlich verbessert wird, daß

auch der Getreidebau sich lohnend erweist. Hierbei ist nun aber zu

beachten, daß die Kartoffeln zur Verzuckerung des

Stärkemehls des Malzes und ebenso zur Erzeugung des

nötigen Gärmittels der Gerste in solchem Verhältnis

bedürfen, daß man auf die Kartoffelernte von je zwei

oder drei die Gerstenernte von einem Morgen Landes nötig hat.

Es muß also die erforderliche, zum Gerstenbau geeignete

Landoberfläche zur Verfügung stehen, oder es muß

Gerste von außen eingeführt (gekauft) werden. Dazu kommt

in neuerer Zeit die Aufnahme des Maiskorns in den Brennereibetrieb

und eine solche Hebung der Verkehrsmittel, daß

gegenwärtig große Mengen Kartoffeln nach entfernten

Ländern transportiert werden. Die Beurteilung der

Spiritusindustrie muß also gegenwärtig wesentlich anders

lauten als ehemals. Von Getreide werden vorzugsweise Roggen und

Mais (bei uns hauptsächlich als Zusatz zu Kartoffeln),

außerdem auch Gerste und zuweilen Weizen und Reis auf S.

verarbeitet. Wie in der Bierbrauerei werden diese Rohstoffe in der

Weise mit Malz behandelt, daß durch die in letzterm

enthaltene Diastase das Stärkemehl in Dextrin und Zucker

verwandelt wird. Abweichungen ergeben sich aber insofern, als bei

der Bierbrauerei Dextrin erhalten bleiben soll, während die

Spiritusfabrikation eine möglichst vollständige

Vergärung bezweckt. Das bei der Verzuckerung des

Stärkemehls durch Malz neben Zucker (Maltose) gebildete

Dextrin ist in der Zeitspanne, welche in der Praxis der Brennerei

für die Alkoholgärung eingehalten wird, als direkt

unvergärbar zu betrachten, und doch vergärt es, indem

nach der Zersetzung der Maltose durch die Hefe die aus dem

Verzuckerungsprozeß noch aktiv zurückgebliebene Diastase

nunmehr auch das Dextrin in gärungsfähigen Zucker

verwandelt. Es ist mithin sehr wesentlich, in der Maische noch

Diastase für die

162a

Spiritusfabrikation.

Fig. 1. Lacambres Maischapparat (Querschnitt).

Fig. 3. Hollefreunds Apparat (Querschnitt)

Fig. 4. Hollefreunds Apparat (Grundriß).

Fig. 2. Kartoffelmaischapparat (Durchschnitt).

Fig. 7. Hentschels Apparat (Durchschnitt).

Fig. 6. Pauckscher Apparat (Durchschnitt).

Meyers Konv.- Lexikon, 4. Aufl.

Zum Artikel : Spiritus K.

163

Spiritus (Maischverfahren).

Alkoholgärung zu erhalten. Die nachwirkende Kraft der

Diastase wird zerstört durch zu hohe Temperatur und durch in

der gärenden Maische vorhandene Milchsäure.

Bei der Verarbeitung von Getreide auf Kornbranntwein wird ein

Gemenge von Roggen mit Weizen- oder Gerstenmalz oder Weizen mit

Gerstenmalz, und zwar 1 Teil Malz auf 2-3 Teile ungemalztes

Getreide, möglichst fein geschroten, um eine vollständige

Einwirkung der Stoffe aufeinander zu erreichen, und eingemaischt.

In England zieht man wie bei der Bierbrauerei eine wirkliche

Würze, in Deutschland dagegen läßt man die ganze

Maische mit den Trebern gären. Bei der Maischraumsteuer liegt

es im Interesse des Brenners, den Maischraum möglichst

auszunutzen und eine möglichst konzentrierte Maische

herzustellen, anderseits ist eine vollständige Verzuckerung

und Vergärung nur bei einer gewissen Verdünnung der

Maische möglich. Man hat früher mit 8 Teilen Wasser

gearbeitet und ist bis auf 3,75 herabgegangen, hält jetzt aber

das Verhältnis von 1 : 4,5 für das vorteilhafteste.

Kartoffeln werden gewaschen, mit Dampf gekocht, zerkleinert und mit

Gerstenmalz (bisweilen unter Zusatz von Roggenmalz) gemaischt. Auf

100 Teile Kartoffeln rechnet man 3-5 Teile Gerste (als Malz). Die

Konzentration der Maische wird etwas stärker genommen als beim

Getreide, indem man auf 1 Teil Trockensubstanz 4,5, 4 und selbst

nur 3 Teile Wasser nimmt. Es ist klar, daß der große

Wassergehalt der Kartoffeln bei diesem Verhältnis in Abzug

gebracht wurde. Als Regel für die anzuwendenden Temperaturen

hat sich ergeben, daß beim Maischen mit dem Malz 61°

nicht überschritten werden soll, u. daß 20 Minuten zur

Verzuckerung ausreichen.

Maischverfahren.

Das Maischen wird in kleinern Brennereien durch Handarbeit, in

größern mittels Maischmaschinen bewirkt, die

erforderliche Temperatur teils durch Erhitzen des zum Maischen

verwendeten Wassers, teils durch Einleiten von Dampf erzielt. Bei

der Handarbeit wendet man zum gründlichen Durcharbeiten

Maischhölzer, bei der Maschinenarbeit ähnliche

Vorrichtungen an, wie sie bei der Kartoffelbrennerei üblich

sind (s. unten). In Belgien und Frankreich wird vielfach der

Lacambresche Maischapparat (s. Tafel, Fig. 1) benutzt, welcher die

beste Durchmaischung und die Herstellung jeder Temperatur in

vorteilhafter Weise gestattet. Es ist ein liegender, oben

abgeschnittener und offener, an beiden Enden durch Seitenwände

geschlossener, etwa 2 m langer Cylinder von Eisenblech mit

Rührwerk und Mantel. a ist der innere, zur Maischarbeit

dienende Raum, b der Raum zwischen Cylinder und Mantel, e eine

Öffnung zum Einlassen, d ein Ablaßrohr für Dampf

oder Wasser, e' das Ablaßrohr für die fertige Maische.

Ein Rührwerk, dessen Achse die Mitte des Cylinders einnimmt,

hat eine Anzahl eine Schraubenlinie darstellender, mit eisernen

Rechen, Rahmen und Querstäben oder Gittern versehener Arme und

macht etwa 25 Umdrehungen in der Minute, so daß eine

vollkommene, beliebig lange fortzusetzende Durcharbeitung der Masse

geschieht, während der den Zwischenraum b durchströmende

Dampf die Erhitzung bewirkt. Die gewaschenen Kartoffeln werden nach

dem ältern Verfahren mittels frei einströmenden Dampfes

in (meist hölzernen) Bottichen (Dampffässern) gekocht,

noch heiß mittels Quetschwalzen oder mittels andrer

Vorrichtungen zerdrückt und dann unter Zusatz der

verhältnismäßigen Quantität Wasser mit dem

(meistens Grün-) Malz vermischt; dieses Einmaischen geschieht

auf verschiedene Weise, je nachdem man die ganze Menge Malz und

Kartoffeln zugleich maischt oder die Kartoffeln in kleinern

Anteilen zu dem vorher eingemaischten Malz bringt oder endlich die

Kartoffeln in kleinern Mengen ebenfalls mit Anteilen des Malzes

mischt, bis die Masse jedesmal durch die Zuckerbildung

dünnflüssig geworden ist. Die Einrichtung der zum

Einmaischen der Kartoffeln angewandten Maischbottiche ist eine sehr

mannigfaltige; ein Beispiel zeigt Fig. 2 der Tafel. a ist das

Kartoffeldampffaß, b der hölzerne Trichter, mittels

dessen die entleerten Kartoffeln zwischen die Quetschwalzen d d

geleitet werden; diese sind durch die Schraube e gegeneinander

verstellbar und erhalten ihre Bewegung durch c; die

zerdrückten Kartoffeln fallen in den Bottich g, in dem sich

ein durch p q, r n bewegtes, um die auf dem Lager m ruhende Achse o

sich drehendes Rührwerk befindet, welches aus dem Arm t und

aus Rahmen mit Querstäben u s besteht, die sich während

des Umlaufs der Mittelachse um ihre eigne horizontale Achse s s

drehen. f h sind Röhren für Wasser und Dampf, k i der

Ablaß für die fertige Maische, l ein Ventil zum Reinigen

des Bottichs.

Nach den neuern Maischverfahren werden die Kartoffeln sowie auch

Getreide und besonders in neuerer Zeit auch Mais, letzterer in

eingequelltem Zustand, in geschlossenen Gefäßen unter

einem Druck von 2-3 Atmosphären und bei der demselben

entsprechenden höhern Temperatur gedämpft, hierauf,

vollends zerkleinert, in geeigneten Kühlapparaten auf die

Zuckerbildungstemperatur gebracht, bei welcher das Zusetzen des

Malzes und hierauf die Umwandlung des Stärkemehls in Zucker

erfolgt, dann einige Zeit, wie bei dem ältern Verfahren,

dieser Einwirkung überlassen und schließlich durch eine

zweite Abkühlung auf die Gärungstemperatur gebracht.

Zweck dieser Art zu arbeiten ist ein vollständigeres

Aufschließen und Löslichmachen der Stärke in Form

von Zucker und folgerichtig eine höhere Ausbeute an S., und

dieser Zweck wird in so sicherer Weise erreicht, daß man das

ältere Verfahren durch eine ganze Reihe auf demselben Grund

beruhender, in der Ausführung jedoch verschiedener Verfahren

allmählich ersetzt. Das erste dieser Verfahren war das

Hollefreundsche, bei welchem nach dem Erhitzen der Kartoffeln auf

die angegebene Höhe eine plötzliche Verminderung des

Luftdrucks durch Kondensation des Dampfes und eine Luftpumpe

angewandt und die Masse zugleich energisch umgerührt wird.

Fig. 3 und 4 der Tafel stellen einen in dieser Weise wirkenden

Apparat dar. A ist der auf dem Gestell L ruhende eiserne

Maischcylinder mit dem auf der Achse o sitzenden Rührwerk C,

dem Mannloch b und dem Dom B, D der Kondensator mit der Luftpumpe.

Das Rührwerk wird durch die Teile K M f betrieben. Die

Kartoffeln werden nebst etwas Wasser durch das Füllloch a

eingeschüttet, worauf alles fest verschlossen und durch das

Rohr o s i mit den Ventilen k l Dampf zugelassen wird, welcher

durch die kleinern Rohre mit Ventilen k k k in den Cylinder

gelangt. Nachdem in diesem die gewünschte Spannung und

Temperatur eingetreten, wird das Rührwerk eine Zeitlang in

Thätigkeit gesetzt, sodann der Dampf abgesperrt und durch

Öffnung von m der im Cylinder vorhandene durch das Rohr p ins

Freie entlassen, worauf die Temperatur auf 100° und die

Spannung auf 0 herabgehen. Hierauf wird die Luftpumpe in Betrieb

gesetzt und durch p und Q Wasser bei D in den Kondensator

eingelassen. Hierdurch finden eine rasche Verminderung des Druckes

im In-

164

Spiritus (Maischmaschinen).

nern des Apparats unter den der Atmosphäre und ein

Herabgehen der Temperatur statt. Sobald die zur Zuckerbildung

geeignetste erreicht ist, wird durch Öffnen des

Verbindungshahns H das mit Wasser zu einem feinen Brei angemachte,

im Bottich E befindliche Grünmalz in den Cylinder A (infolge

der hierin hervorgebrachten Luftverdünnung) eingesaugt und mit

dem Kartoffelbrei durch das Rührwerk wohl vermischt. Nun wird

die Luftpumpe stillgestellt, der Cylinder geöffnet und die

Masse unter jeweiligem Umrühren der Zuckerbildung

überlassen; ist diese vollendet, so wird die Maische auf den

Kühlschiffen oder in einem mit dem Apparat verbundenen

Kühler auf die Gärungstemperatur abgekühlt.

Ähnlich ist der Apparat von Bohm, der aber ohne Luftpumpe

arbeitet und das Kühlen der heißen Maische durch eine

Verbindung von Rühr- und Kühlvorrichtung bewirkt. Das

Rührwerk besteht aus flachen cylindrischen Gefäßen

aus Eisenblech, die an ihren Flächen messerartige

Vorsprünge tragen und auf einer hohlen Achse derartig

angebracht sind, daß das Kühlwasser durch die Cylinder

gehen und durch die ein Doppelrohr vorstellende hohle Achse wieder

austreten kann. Von außen wird die Kühlung des Apparats

durch Aufspritzen von kaltem Wasser bewirkt. Dasselbe Ziel wie die

vorigen Apparate, aber mit den einfachsten Mitteln, verfolgt der

Henzesche Dämpfer, der, wie Textfigur 1 zeigt, nur ein

verbessertes Dampffaß ist, in welchem die Einwirkung

höher gespannter und entsprechend heißerer Dämpfe

möglich ist, eine Einwirkung, welche bis zum Austritt der

Masse aus dem Dämpfer dauert, wobei diese durch den gespannten

Dampf in außerordentlich feiner Verteilung in das eigentliche

Maischgefäß geblasen wird. Der eiserne Cylinder A ist

mit dem konischen Bodenansatz B versehen, welcher in das Ablauf-

oder vielmehr Ausblaserohr C übergeht. D D' sind die

Einlaßröhren für den Dampf, d ein Verschluß

zum Reinigen des Ausblaserohrs, e das durch das Handrad f

verstellbare Ventil zum Regulieren des Ausblasens. Das Mannloch a

dient zum Einfüllen der Kartoffeln und wird dann dicht

verschlossen; b ist ein Sicherheitsventil. Wenn die Einwirkung des

hoch gespannten Dampfes auf die im Dämpfer befindlichen

Kartoffeln beendet ist, werden diese durch Öffnen des Ventils

in einem passenden, mit Rührwerk versehenen Maischbottich

ausgeblasen, in welchem bereits ein Teil des zur Verzuckerung

erforderlichen Malzes, mit Wasser zu einem Brei angerührt,

sich befindet. Bei langsamem Ausblasen reicht die Verdunstung der

zerstäubenden Masse aus, diese auf die

Zuckerbildungstemperatur abzukühlen. Indessen sind die

Maischbottiche meist mit Vorrichtungen versehen, welche die

erforderliche Abkühlung durch Wasserströmungen bewirken.

Wenn das Ausblasen beendet ist, wird das noch fehlende Malz

zugesetzt, die Zuckerbildung abgewartet und dann die verzuckerte

Maische vollends zur Gärtemperatur gebracht, und zwar entweder

unter Anwendung der oben bezeichneten Wasserkühlung oder in

derselben Art wie bei der ältern Arbeitsweise, nämlich

auf Kühlschiffen mit Hand- oder Maschinenbetrieb. Der

Henzesche Dämpfer ist mehrfach verbessert worden. Durch

Modifizierung der Dampfeinströmung hat man eine wirbelnde

Bewegung des zu dämpfenden Materials erreicht, und diese hat

sich namentlich bei Verarbeitung von Mais und Roggen in dem

ursprünglich nur für Kartoffeln konstruierten

Dämpfer bewährt. Um beim Ausblasen eine vollkommnere

Zerkleinerung des Materials zu erreichen, wurden verschiedene

Vorrichtungen angebracht; man ging aber in derselben Richtung noch

weiter und konstruierte Nachzerkleinerungsapparate, welche eine bis

dahin nicht gekannte feine Zerteilung des Materials

herbeiführen. Der Apparat von Ellenberger ist dem sogen.

Holländer der Papierfabriken nachgebildet und dem

Brennereibetrieb angepaßt. Die gar gedämpfte Kartoffel-

oder Getreidemasse wird ausgeblasen und fällt auf die 200mal

in der Minute sich drehende Trommel des Holländers, deren

Zähne, wie die der Grundplatte, eine besondere Form haben. Der

Apparat arbeitet anerkanntermaßen vorzüglich und ist

sehr verbreitet. Beim Dämpfen von Mais und Getreide wird

außerdem der Dämpfer selbst mit einem sehr wirksamen

Rührwerk an horizontaler Achse versehen. Eine hervorragende

Stellung nimmt der Apparat von Paucksch (Fig. 5 u. 6 der Tafel)

ein. Außer dem eigentümlich gestalteten Dämpfer

besitzt derselbe einen Vormaischbottich, der aus einem

schalenförmigen Unterteil mit cylindrischem Aufsatz besteht.

Auf dem Boden ist der Zentrifugal-Maisch- und Zerkleinerungsapparat

angebracht; er besteht aus einer festliegenden Grundplatte und

einem Flügelrad als Läufer, welches 300-400 Umdrehungen

macht. Vermöge seiner Einrichtung saugt er die Maische durch

vier Öffnungen ein und wirft sie nach dem Mahlen

seitwärts aus. Ein Rührwerk ist nicht vorhanden, der

Maischraum daher frei und so für die Beobachtung der

Temperatur zugänglich. Die Bewegung der Maische ist eine

äußerst heftige und doch zugleich eine höchst

regelmäßige, die Wirkung gründlich. Die kleinen

Apparate werden mit Mantel für Wasserkühlung

eingerichtet. Der Maischapparat von Hentschel (Fig. 7 der Tafel)

hat ebenfalls eine ausgezeichnete Maischwirkung. Er besteht aus

einem doppelwandigen Vormaischbottich mit trichterförmigem

doppelten Boden und einem eigentümlichen Zerkleinerungs- u.

Maischapparat. Durch das unter diesem befestigte

Schneckengehäuse mit aufgeschraubtem Mahlring und die aufrecht

stehende rotierende Welle, auf welcher der gerippte

Zerkleinerungskonus gemeinschaftlich mit den ansaugenden Schnecken

festsitzt, wird die Maische in Bewegung gesetzt. Das aus dem

Dämpfer ausgeblasene Maischgut fällt in die

schüsselförmige Vertiefung des Zerkleinerungsapparats,

wird von diesem in parabolischer Richtung ausgeworfen, gleitet an

der innern Wandung des Bodens herab und wird durch den-

165

Spiritus (Verarbeitung der Maische).

trichterförmigen Boden der anhängenden Schnecke

zugeführt und im Zerkleinerungsapparat vermahlen. Die Bewegung

ist eine so lebhafte, daß die im Bottich befindliche Maische

in eine starke Rotation versetzt wird. Die innere Wandfläche

ist mit Rippen versehen, und wenn die Maischekühlung

beabsichtigt wird, werden außer der Wandkühlung noch

Kühlröhren angewendet.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 46 / 302 段