Chrompikotit . . . . . | Fe, Mg | Cr, zurücktret. Al

Hercynit . . . . . . | Fe, wenig Mg | Al

Automolit (Gahnit, Zinkspinell) | Zn | A1

Kreittonit . . . . . . | Zn, Fe, Mg | Al, Fe

Dysluit . . . . . . | Zn, Fe, Mn | Al, Fe

Franklinit. . . . . . | Zn, Fe, Mn | Fe, Mn

Chromit (Chromeisenerz) | Fe, Mg, Cr | Cr, Al, Fe

Magneteisen (Magnetit) . | Fe | Fe

Talkeisenstein. . . . . | Fe, Mg | Fe

Jacobsit . . . . . . | Mn, Mg | Fe, Mn

Magnoferrit (Magnesioferrit) | Mg | Fe

Uranpecherz . . . . . | U | U

Spinellan, s. Nosean.

Spinelltiegel, s. Schmelztiegel.

Spinett (franz. Epinette), veraltetes Tasteninstrument,

kleines Klavicimbal (s. Klavier, S. 816).

Spingole, s. Espingole.

Spinndrüsen, bei Insekten, Spinnen und einigen

andern Tiergruppen diejenigen Organe, welche einen zu feinen

Fäden ausziehbaren, rasch erhärtenden Saft absondern und

so den Stoff für die bekannten Spinnweben, Kokons und andre

derartige Gebilde liefern. Die Larven (Raupen) von Insekten haben

zwei sehr lange S., die im Hinterleib liegen und ihren Inhalt dicht

am Mund ergießen; bei den Spinnen hingegen münden die S.

am Hinterende des Körpers aus. Auch die Byssusdrüse der

Muscheln (s. d.) wird wohl als Spinndrüse bezeichnet.

Spinnen, s. Spinnentiere.

Spinnen (hierzu Doppeltafel "Spinnmaschinen"), aus kurzen

Fasern durch Zusammendrehen beliebig lange Fäden (Gespinst,

Garn, s. d.) erzeugen. Damit das Garn die größte

Gleichmäßigkeit und Festigkeit bekommt, müssen die

Fasern nicht nur vor allen etwanigen Verunreinigungen sowie kurzen

Härchen befreit, sondern auch gleichmäßig verteilt

und in eine parallele Lage gebracht, demnach also gewissen

Vorbereitungsarbeiten unterworfen werden, bevor das eigentliche S.

stattfinden kann. Je nachdem die verschiedenen Operationen von der

Hand mit einfachen Werkzeugen oder von mechanischen Vorrichtungen

ausgeführt werden, unterscheidet man Hand- und

Maschinenspinnerei.

1) Die Handspinnerei,

durch die Maschinen fast verdrängt, wird nur noch von den

Landbewohnern zum S. des Flachses und der Wolle benutzt, zeigt aber

bereits deutlich die der Spinnerei zu Grunde liegenden

Hauptoperationen. Der gehechelte Flachs oder die gewaschene und

gekratzte Wolle werden um einen hölzernen Stock (Rocken) a

(Textfig. 1) gewunden, den die Spinnerin neben sich aufstellt oder

in den Gürtel steckt. Das Ordnen der Fasern bewirkt sie durch

Ausziehen derselben mit der einen Hand, während sie mit der

andern die Spindel am obern Ende dreht, an welchem der Faden mit

einer Schlinge in einem Häkchen oder einem

schraubenförmigen Einschnitt so befestigt ist, daß die

Drehung auf ihn übertragen wird. Die Spindel b besteht aus

einem hölzernen (selten eisernen) Stäbchen von 20-30 cm

Länge, das etwa 8 cm vom untern Ende seine größte

Stärke, 0,8-1,5 cm, hat u. sich von da aus nach beiden Enden

zuspitzt. Etwas unter der stärksten Stelle befindet sich eine

kleine Schwungmasse c (Wirtel) aus Zinn oder Horn, in den

ältesten Zeiten aus einem durchbohrten Stein bestehend, durch

welche die Drehung der Spindel länger erhalten wird, nachdem

sie losgelassen und, an dem sich bildenden Faden hängend,

allmählich zur Erde sinkt. Ist dies geschehen, so wird der

Faden

148

Spinnen (Hand-, Maschinenspinnerei).

vom obern Ende der Spindel abgelöst, aufgewickelt und von

neuem festgehakt, die Spindel gedreht etc. Viel nutzbringender ist

das S. mit dem Spinnrad (Handrad oder Trittrad), durch welches die

beiden Operationen des Drehens und Aufwickelns der Hand abgenommen

werden, während nur das Ordnen der Fasern (Ausziehen)

derselben überlassen bleibt. Bei dem Handrad (Textfig. 2) wird

die frei schwebende Spindel a durch das von der rechten Hand an der

Kurbel b gedrehte Rad c mittels Schnur ohne Ende in Umdrehung

versetzt, während man in der linken das Spinnmaterial (meist

Wolle) hält und in geeigneter Menge durch die Finger gleiten

läßt. Zunächst wird der Faden gedreht, indem man

ihn in der Richtung 1, d. h. unter stumpfem Winkel, gegen die

Spindel hält und sich allmählich mit der linken Hand von

der Spindel entfernt; hierauf bringt man ihn in die Richtung 2,

wodurch er aufgewickelt wird. Bei dem Trittrad (Textfig. 3) ist

eine Spindel x y vorhanden, die an beiden Enden gelagert und bei y

mit einem sogen. Kopfe versehen ist, welcher der Länge nach

eine Durchbohrung mit einem Seitenloch sowie zwei Flügel a a

besitzt. Auf der Spindel befindet sich eine hölzerne Spule b

zum Aufwickeln des Garns i i. Die Spindel x y erhält nun durch

die Schnurrolle r (Wirtel) und die Schnur s, die Spule b durch die

Schnurrolle u und die Schnur t, beide von dem durch den

Fußtritt f, Schubstange e und Kurbel d in Umdrehung

versetzten Schwungrad c aus eine Drehbewegung. Der bei y durch den

Kopf gehende, von dem Spinnrocken kommende Faden i wird

zunächst durch diese Bewegung gedreht, dann aber über

kleine Häkchen des Flügels auf die Spule b geleitet. Da

nun letztere entweder einen kleinern oder größern Wirtel

u hat als die Spindel, also mehr oder weniger Umdrehungen als diese

macht, so muß dadurch das Garn aufgewickelt werden. Um

hierbei ein regelmäßiges Bewickeln der Spule zu

bewirken, wird der Faden der Reihe nach über andre

Häkchen geleitet.

2) Die Maschinenspinnerei, welche jetzt die Regel bildet,

erzeugt das Garn in der Weise, daß das Fasermaterial

zunächst zum Zweck der Reinigung und Anordnung eine Reihe von

Maschinen durchläuft, die dasselbe als ein

zusammenhängendes Band abliefern, welches Vorgarn genannt und

durch allmähliche Verfeinerung und Drehung in Garn (Feingarn)

verwandelt wird.

A. Baumwollspinnerei. Die zum Verspinnen bestimmte Baumwolle (s.

d.) kommt in sehr stark zusammengepreßten Ballen in die

Spinnereien und muß zur Abscheidung der Schmutzteile

geöffnet werden. Dies erfolgt in dem Wolf (Öffner,

Willow), der sehr verschieden konstruiert, aber in neuester Zeit

hauptsächlich in der durch Fig. 4 dargestellten Einrichtung

des vertikalen, konischen Willows angewendet wird. Auf der

vertikalen Achse a a befinden sich 6-8 runde Blechscheiben 1-6, mit

einer Anzahl von Stäben c versehen, welche mit der Achse a a

sich mit großer Geschwindigkeit (1000- 1200 Umdrehungen in

der Minute) drehen. Die durch den Kanal A zugeführte Baumwolle

wird von diesen Schlägern gefaßt und gewaltsam gegen den

konischen Korb o p geschleudert, welcher siebartig durchbrochen ist

und daher den groben Staub durchläßt, der sich in der

Kammer K K ansammelt und zeitweilig entfernt wird. Der feinere

Staub dahingegen wird durch eine Trommel E abgesondert, deren

Inneres mit dem Ventilator G in Verbindung steht, der dasselbe

aussaugt. Obige Trommel G ist nun mit einem Drahtgewebe

überspannt, gegen welches durch den Luftzug die aufgelockerte

Baumwolle fliegt, um sich von dem Staub zu trennen, der in das

Siebinnere und zum Staubturm H gejagt wird. Infolge einer langsamen

Drehung der Siebtrommel gelangt die Baumwolle durch D auf das Tuch

ohne Ende F, welches sie, im hohen Grad gelockert, aus der Maschine

auswirft. Unmittelbar auf dieses Öffnen folgt eine noch weiter

gehende Auflockerung und Reinigung in der gewöhnlich doppelten

Schlag- oder Flackmaschine (Batteur), deren Einrichtung Fig. 5 im

Längsschnitt zeigt. Das Wichtigste an dieser Maschine sind die

Schlagvorrichtungen, welche sich in den Kasten c und e befinden und

aus einer Welle bestehen, an der mittels Arme zwei Lineale

(Schläger) t t befestigt sind, die sich mit einer

Geschwindigkeit von etwa 1500 Umdrehungen in der Minute drehen. Die

Baumwolle wird nun auf das Tuch ohne Ende a gelegt und von diesem

einem Walzenpaar (Speisewalzen) b übergeben, an dem die

Schläger sehr nahe vorbeifliegen, und das sich so langsam

dreht, daß auf etwa 1 mm des vorgeschobenen Materials 1

Schlag kommt. Der bei diesem Schlagen frei werdende Staub fliegt

zum Teil durch die Roste r d, zum Teil durch die Siebtrommel d mit

Ventilator k, während die Baumwolle erst auf der Siebtrommel d

gesammelt und dann von dieser den Speisewalzen e1 zugeschoben wird,

um in e noch einmal geschlagen, durch Rost s, Siebtrommel f f mit

Ventilator m gereinigt zu werden. Aus f f gelangt sie zu den

Preßwalzen g und endlich auf eine durch i i gedrehte Walze h

zum Aufwickeln zu einem Wickel. Da die Baumwolle mindestens zwei-,

oft mehrere Male auf der Schlagmaschine bearbeitet werden

muß, so findet man gewöhnlich solche doppelte

Schlagmaschinen und benutzt zwei derselben hintereinander. Dabei

legt man mehrere Wickel (1, 2, 3) der ersten Schlagmaschine auf das

Speisetuch a der zweiten sogen. Wattenmaschine, wodurch eine

Mischung und die

148a

Spinnmaschinen.

Fig. 23 Wollkämme

Fig. 10. Häkchenstellung der Walzenkarde

Fig. 4 Konischer Wolf

Fig. 9. Deckelkratze

Fig. 11. Walzenkarde (Seitenansicht).

Fig. 5. Schlagmaschine.

Meyers Konv.-Lex., 4. Aufl.

Bibliogr. Institut in Leipzig.

Zum Artikel »Spinnen«.

148b

Spinnmaschinen.

Fig. 15. Mulemaschine

Fig. 13. Vorspinnmaschine (Flyer).

Fig. 19. Waterspinnmaschine für Flachs.

Fig. 16. Selbstspinner (Self-actor)

148c

Spinnmaschinen.

Fig. 21. Reißwolf.

Fig. 20. Schlagwolf.

Fig. 17. Ringspindel

Fig. 24. Igelstrecke.

Fig. 18. Anlegemaschine.

Fig. 22. Florteiler.

Fig. 12. Streckwerk.

Fig. 14. Waterspinnmaschine für Baumwolle.

149

Spinnen (Baumwollspinnerei).

Bildung einer regelmäßigen Watte erzielt wird

(Duplieren). Der Abschluß der Reinigung und Auflockerung

erfolgt sodann durch das Kratzen oder Krempeln auf der

Kratzmaschine (Krempel, Karde), deren wesentlichster Teil der

Auflockerungsapparat ist, welcher der ausgiebigen Wirkung wegen aus

zwei Systemen von hakenartigen Zähnchen besteht, die aus

hartem Draht, knieförmig gebogen, durch Lederstreifen gesteckt

sind, so daß sie in großer Zahl dicht nebeneinander

stehen und den Kratzenbeschlag (Textfig. 6) bilden. Zur

Verdeutlichung des Vorganges dienen die untenstehenden Fig. 7 u. 8,

welche Stücke eines Kratzenbeschlags in den zwei verschiedenen

Stellungen zeigen. Denkt man sich in b b (Textfig. 7) Fasern und a

a nach links bewegt, so erfolgt gar keine Wirkung oder ein

Aufrollen des Materials zwischen den Kratzflächen; bewegt sich

aber a a nach rechts, so findet ein Vorgang wie beim Kämmen,

d. h. ein Kratzen, statt, welches in seiner Wirkung noch vermehrt

wird wenn sich zugleich b b nach links bewegt. Geht in Textfig. 8 b

b nach links, so spießt es die Wolle von a a auf,

während bei der umgekehrten Bewegung, oder wenn a a sich nach

links begibt, die Fasern in a a hängen bleiben. Bei dieser

Häkchenstellung kann man also, je nach der Wahl der relativen

Bewegungsrichtung, die Fasern beliebig von einem Beschlag in den

andern überführen (Abnehmen, Wenden). Zur

Bethätigung dieser Werkzeuge ist nun ein System stets auf

einer großen cylindrischen Trommel (Tambour) von etwa 1 m

Durchmesser angebracht, während das zweite System entweder auf

Latten sitzt, welche die Trommel konzentrisch umgeben und die

Deckel (Deckelkarde) bilden, oder auf passend gelagerten kleinern

Walzen (Igel) angebracht ist (Walzenkarde). Die Einrichtung der

Deckelkratze zeigt Fig. 9. Die von der zweiten Schlagmaschine

kommende Watte wird bei a eingelegt, durch die drehende Walze b

allmählich wieder abgewickelt und über die Platte c den

Speisewalzen e übergeben, aus welchen sie von der sogen.

Vorwalze f herausgezogen und an die große Trommel T

abgeliefert wird. Diese dreht sich nun mit großer

Geschwindigkeit (100- bis 160mal in der Minute) und kratzt das

Material mit Hilfe der Deckel d d, dasselbe zugleich in ein

äußerst zartes Vlies verwandelnd, welches vermittelst

der mit Kratzenbeschlag garnierten Trommel K von der Trommel T

abgenommen wird (Abnehmer, Kammtrommel). Zur Entfernung des Vlieses

aus dieser Trommel K dient ein Kamm k (Hacker), welcher, durch eine

schnell umlaufende Kurbel m auf und ab bewegt, das Vlies aushackt.

Da letzteres sehr zart ist, so zieht man es bei n seitwärts

zusammen und leitet es durch einen Trichter t, in dem es die

Gestalt eines Bandes erhält, welches, zwischen den Walzen q

noch zusammengepreßt, durch den Kopf u in den Topf p geleitet

wird, in dem es sich in Spiralen ablagert, welche durch einen in u

angebrachten Drehapparat gebildet werden. Statt der Deckelkratzen

verwendet man ihrer größern Leistung wegen jetzt ebenso

vielfach die Walzenkarden (Igelkrempel), deren Häkchenstellung

neben der Haupttrommel a Fig. 10 zeigt, wo b Arbeiter und c Wender

heißen, und deren Konstruktion aus Fig. 11 hervorgeht. Um die

große Trommel T liegen die Arbeiter a und dazwischen die

kleinern Wendern, welche fortwährend die in a sitzen bleibende

Baumwolle von a auf T übertragen (wenden), um die Wirkung zu

erhöhen. Die Wickel werden wie bei der Deckelkarde durch die

Walze z abgewickelt, von dem Zufuhrapparat b c auf die Vorwalze d

und von dieser auf die Trommel T gebracht, sodann durch die Walzen

1, 2, 3 gleichmäßiger verteilt, zwischen T und a

gekratzt, um endlich auf die Kammwalze K mit Hacker k und auf die

Wickelwalze q zu gelangen, oder durch einen Trichter die Bandform

zu gewinnen. Die Drehung der Arbeiter erfolgt durch eine endlose,

durch das Gewicht g gespannte Kette s von der Scheibe 7, die

Drehung der Wender w, n sowie der Walzen d, 1, 2 und 3 durch Riemen

r, t, u und Riemenscheiben 5 auf der Achse 4 und 12 auf der Achse B

von der großen Trommelwelle A aus. Von 7 wird zugleich die

Bewegung durch Kegelräder 8, 9, 10 auf c und weiter auf z

übertragen. In der Regel wird die Baumwolle zweimal gekratzt:

auf der Vorkarde und nach Behandlung auf der Lappingmaschine auf

der Feinkarde, in welchem Fall mehrere Bänder der Vorkarde

zusammengewickelt und als Bandwickel auf die Feinkarde gebracht

werden. Um im Band eine vollständig gleiche, gestreckte,

parallele Lage und gleiche Verteilung der Fasern zu bekommen,

passieren sie eine Reihe von Walzen in der Weise, daß immer

so viel Bänder vereinigt werden (Duplieren), als jedes Band

verlängert (gestreckt) wird. Dazu dient ein Streckwerk

(Laminirstuhl, Strecke), dessen Einrichtung (Fig. 12) folgende ist.

In einem passenden Bock liegen vier Walzenpaare 1, 2, 3, 4, die die

Bänder A dadurch verlängern, daß sie der Reihe nach

von 4 nach 1 größere Umdrehgeschwindigkeiten, z. B. auf

das Sechsfache gesteigert, erhalten. Die Oberwalzen sind mit Leder

überzogen und durch Gewichte q q auf die geriffelten

Unterwalzen gepreßt. Die (z. B. 6) gestreckten und

vereinigten Bänder laufen als ein Band A durch eine Platte h,

Walzen c und den drehenden Kopf T in die Kanne D D, welche sich

durch eine Schnecke s mit Schneckenrad r um die Achse dreht, um dem

Bande die Spirallage zu geben (Drehkanne). Wegen der

Gleichmäßigkeit des Bandes muß die Strecke sofort

stillstehen, wenn ein Band reißt. Dazu dienen der Hebel z y x

und die Platte h (Bandwächter), die

150

Spinnen (Baumwollspinnerei).

von dem Band gehalten werden und sofort mit x oder p gegen die

Zähne des Rades a fallen, wenn das Band bei b oder h

reißt. Durch die Arretierung von a wird dann sofort die

Strecke abgestellt. In dem gestreckten und duplierten Band sind die

Fasern so verteilt und gelagert, daß dasselbe durch weitere

Streckung und Drehung in Garn überführt werden kann. Der

großen Lockerheit halber muß diese Operation aber in

gewissen Abstufungen so erfolgen, daß die Zusammendrehung

zunächst dem Band nur eine Festigkeit erteilt, welche das

Weiterstrecken nicht hindert; dadurch entsteht das Vorgarn

(Vorgespinst). Zur Erzeugung desselben dient der Flyer oder die

Spindelbank, welche die früher üblichen Vorspinnmaschinen

(Röhrchen-, Eklipsmaschine, Jackmaschine etc.) fast

vollständig verdrängt hat. Der Flyer, welcher in mehreren

Größenabstufungen (Grob-, Mittel-, Fein-, Feinfein- und

Doppelfeinflyer) nacheinander in Verwendung kommt, erhält

zuerst das Band aus den Kannen der Streckmaschinen, wickelt aber

das Vorgarn auf Spulen, so daß vom Grobflyer abwärts das

Garn auf Spulen gewickelt in die Maschine gelangt. Das Wesen eines

Flyers zeigt Fig. 13 der Tafel. Von den Spulen a a läuft das

Vorgarn in das Streckwerk b, von hier zu den Spindeln c c, mit den

Flügeln d, welche durch die am Fuß angebrachten

Kegelräder k in Umdrehung versetzt werden und dadurch dem Garn

Draht geben. Indem das Garn zugleich durch den hohlen

Flügelarm d und den Finger f auf die Spule e geleitet und

letztere um die Spindel vermittelst schiefer Kegelräder i

gedreht wird, wickelt es sich auf die Spule, welche aus einem

hölzernen Rohr besteht und behufs regelmäßiger

Bewickelung mit der sogen. Spulenbank (Wagen) g innerhalb der

Flügel auf und ab steigt, bis sie gefüllt ist, um nach

Abheben des Flügels von der Spindel abgezogen u. der

nächstfolgenden Maschine übergeben zu werden. Ein sehr

sinnreicher, aber komplizierter Mechanismus mit

Differenzialräderwerk (Differenzialflyer) regelt die

Aufwickelbewegung, welche sich nach jeder Garnschicht ändern

muß. - Nachdem das Vorgarn den letzten (Fein-) Flyer etwa in

der Dicke eines gewöhnlichen Bindfadens verlassen hat,

empfängt dasselbe die endgültige Streckung und Drehung

zur Verwandlung in Garn auf den Feinspinnmaschinen, die entweder

nach dem Prinzip des Spinnrades oder des Handrades (s. S. 148)

konstruiert sind und danach Watermaschinen oder Mule heißen.

Die Watermaschine (Fig. 14) wird immer doppelt gebaut, d. h. es ist

an derselben ein Träger (Aufsteckrahmen) für zwei Reihen

mit Vorgarn gefüllter Spulen a a, zwei Reihen Streckwerke b b

und Spindeln mit Flügeln und Spulen vorhanden. Das Garn geht

von a nach b, sodann gestreckt durch ein Führungsauge n nach

dem Flügel c und von diesem gedreht auf die Spule zwischen dem

Flügel zum Aufwickeln. Die 120 Spindeln n o werden von den mit

den Wellen g g sich drehenden Trommeln x x vermittelst Schnüre

s und Wirtel t 3600-4500mal in der Minute gedreht, während die

Spulenbank t mit den Stangen f f auf und nieder geht. Zu dem Zweck

werden die letztern in den Büchsen z und y geführt und

von den Schienen m m getragen, welche an Ketten k k hängen,

die über die Rollen r r laufen und an den Winkeln e e

befestigt sind, welche sich mit Rollen gegen eine Herzscheibe d

legen, die eine solche Form hat, daß sie bei ihrer

gleichmäßigen Drehung die Hebel und dadurch die Stangen

f f abwechselnd auf und ab bewegt. Die Aufwickelung des Garns

erfolgt durch ein Zurückbleiben der Spulen infolge einer

starken Reibung auf der Bank t. Sämtliche Bewegungen gehen von

einer der Wellen g aus, die direkt angetrieben wird, durch

Zahnräder die Bewegung dem Streckwerk und durch das Zahnrad 2,

Schnecke 3, Schneckenrad 4, Welle h und Schneckengetriebe 5 u. 6

der Herzscheibe d mitteilt. Während bei der Watermaschine

Streckung, Drehung und Aufwickelung gleichzeitig und ununterbrochen

vor sich gehen, sind bei der Mulemaschine diese Operationen

getrennt. Sie besteht nämlich (Fig. 15 der Tafel) aus einem

festen Gestell A mit Aufsteckrahmen für die mit Vorgarn

gefüllten Spulen a a sowie Streckwerk b und einem Wagen B mit

den Spindeln c, mit denen das Garn h verbunden ist. In der ersten

Periode fährt der Wagen etwa 2 m vom Gestell weg aus,

während sich sowohl die Streckwalzen b als die Spindeln c

drehen, um das Garn zu spinnen. In der nun folgenden zweiten

Periode fährt der Wagen dem Gestell zu ein, während das

Streckwerk stillsteht, um das gesponnene Garn aufzuwickeln, zu

welchem Zweck ein Draht gesenkt wird, der in Bügeln g

über sämtlichen Fäden der Maschine liegt und deshalb

auch durch Bewegung der Bügel g sämtliche (600-700)

Fäden in die zum Aufwickeln erforderliche Lage zu den Spindeln

bringt (Aufwindedraht). Bei den ersten Mulemaschinen führte

ein Arbeiter sämtliche beim Einfahren stattfindende Bewegungen

aus, weshalb die Zahl der gleichzeitig gesponnenen Fäden 300

nicht überschritt. Die jetzigen Mulemaschinen arbeiten

dahingegen mit wenig Ausnahmen selbstthätig (Selbstspinner,

Selfactor), indem nicht nur die Bewegungen, sondern namentlich die

so wichtige und äußerst schwierige Regulierung von einer

Stelle aus erfolgt; daher ist es möglich, sie mit 800-1100

Spindeln auszustatten. Einen Überblick über den

höchst komplizierten Mechanismus eines Selfaktors gewährt

Fig. 16 der Tafel. Die Transmissionsriemenscheibe I sitzt fest auf

der Welle A und dreht einerseits durch Kegelräder die Strecken

b, anderseits die große Schnurrolle R. Von b aus setzt sich

die Drehung fort durch die Räder 1, 2, 3, 4 auf die Scheibe M,

welche vermittelst der am Wagen B befestigten, durch M1 gespannten

Wagenschnur W den Wagen ausfährt. Gleichzeitig dreht die um R

und R1 gelegte, um Führungsrollen h und die Trommel f laufende

Schnur s s die Trommel f und somit durch Schnüre e e die

Spindeln c. Das Einfahren des Wagens erfolgt von der um A drehbaren

Riemenscheibe I I aus durch Stirn- und Kegelräder i k, Welle l

und Schnecke m vermittelst der zweiten um m1 gespannten Wagenschnur

w1, die sich auf die Schnecke aufwickelt, um abwechselnd die

Geschwindigkeit zu vergrößern und zu verkleinern, weil

der Wagen anfangs beschleunigt und dann verzögert wird. Zur

Bildung des Garnkörpers (Kötzer) senkt sich der Aufwinder

g, während ein zweiter, unten hinlaufender Draht g1

(Gegenwinder) die Fäden gespannt hält, damit sie keine

Knoten bekommen. Der Winder g wird dadurch bewegt, daß die

Stange o mit einer Nase unter die Zahnstange z schnappt und sich

dadurch hebt und senkt, daß ihre Rolle p auf einer an- und

absteigenden Schiene q q q (Formplatte) rollt; z

überträgt diese Vertikalbewegung durch ein Zahnrad auf

eine Welle, an welcher die Arme g befestigt sind. Beim Ausfahren

schnappt o wieder aus, wobei ein Gewicht in Wirkung tritt, das mit

der Kette r g hebt und z senkt. Zur Bewegung der Spindeln c zum

Zweck der Kötzerbildung dient der sogen. Quadrant Q, welcher

durch ein mit M1 verbundenes Zahnrad, das in den Zahnquadranten y1

eingreift, hin und her bewegt wird

l51

Spinnen (Flachsspinnerei etc.).

und diese Bewegung vermittelst der Kette t und

Zwischenräder auf die Trommel f überträgt. Durch die

Quadrantenschraube u u wird diese Aufwindebewegung aufs genaueste

geregelt, da durch sie der Angriffspunkt y der Kette beliebig

eingestellt werden kann. Neben den Water- und Mulemaschinen kommt

immer mehr die Ringspindelbank in Aufnahme, deren Wesen Fig. 17

erkennen läßt. Der Faden gelangt zu der Spule S von

einer Führungsöse a und einer kleinen Klammer b (Fliege),

welche den Kopf des Ringes r r umfaßt. Indem nun die Spindel

mit der Spule S durch den Wirtel w in Drehung versetzt wird,

erhält der Faden zwischen a und b Draht, während die

Fliege b zugleich auf dem Ring r r hinläuft und dadurch das

Aufwickeln des Fadens bewirkt. Die Verteilung des Fadens über

die ganze Spule erfolgt durch Auf- und Abbewegung der Ringbank R

wie bei der Watermaschine.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 42 / 302 段