4) geht, trifft schräg auf die Spiegelfläche und wird so
zurückgeworfen, daß er mit dem an seinem Einfallspunkt
auf der Spiegelfläche errichteten Einfallslot beiderseits
gleiche Winkel bildet. Das Einfallslot ist aber jedesmal der vom
Krümmungsmittelpunkt zum Einfallspunkt gezogene
Kugelhalbmesser. Man bemerkt nun leicht, daß die
Kugelhalbmesser, d. h. die Einfallslote, in demselben Maße
stärker zur Achse geneigt sind, als die Punkte des Spiegels,
zu denen sie gehören, weiter von der Achse abstehen. Deshalb
muß auch jeder mit der Achse parallele Strahl in dem
Maße stärker gegen die Achse zu aus seiner
ursprünglichen Richtung abgelenkt werden, als er weiter
entfernt von der Achse auf den Spiegel trifft. Aus diesem
Verhalten, welches die Fig. 4 deutlich wahrnehmen läßt,
erklärt es sich, warum sämtliche auf den Hohlspiegel
parallel zur Achse treffende Strahlen nach der Zurückwerfung
durch einen und denselben Punkt gehen müssen. Befindet sich im
Brennpunkt F eine Lichtquelle, so werden ihre auf den Spiegel
treffenden Strahlen, indem sie dieselben Wege in entgegengesetzter
Richtung einschlagen, parallel zu der Achse zurückgeworfen.
Fällt von einem Lichtpunkt a (Fig. 5), der zwischem dem
Brennpunkt F und dem Kugelmittelpunkt C liegt, ein
Strahlenbüschel auf den Spiegel, so treffen die einzelnen
Strahlen jetzt minder schräg auf den Spiegel, als wenn sie aus
dem Brennpunkt kämen, und werden daher auch weniger stark von
der Achse weggelenkt; sie laufen daher nach der Zurückwerfung
nicht mit der Achse parallel, sondern schneiden sie jenseit des
Mittelpunktes C und zwar, da ihre Ablenkung um so größer
ist, je weiter der getroffene Spiegelpunkt von der Achse absteht,
in einem einzigen Punkt A, welchen man das Bild des Punktes a
nennt. Bringt man nach A einen Lichtpunkt, so müssen seine
Strahlen, indem sie sich auf denselben Bahnen in entgegengesetzter
Richtung bewegen, im Punkt a zusammentreffen. Die Punkte a und A
gehören also in der Weise zusammen, daß jeder das Bild
des andern ist, und heißen deshalb zusammengehörige oder
konjugierte Punkte. Ist ein Lichtpunkt (A, Fig. 6) um weniger als
die Brennweite F vom Spiegel entfernt, so vermag dieser die zu
stark auseinander fahrenden Strahlen nicht mehr in einem vor dem
Spiegel gelegenen Punkt zu vereinigen, sondern die
zurückgeworfenen Strahlen gehen jetzt auseinander, jedoch so,
als ob sie von einem hinter dem Spiegel gelegenen Punkt a
ausgingen. Da umgekehrt Strahlen, welche nach dem hinter dem
Spiegel gelegenen Punkt a hinzielen, im Punkt A vor dem Spiegel
vereinigt werden, so sind auch in diesem Fall die Punkte A und a
als zusammengehörige (konjugierte) zu betrachten.
Da jedem Punkt eines leuchtenden oder beleuchteten Gegenstandes,
der sich vor einem Hohlspiegel befindet, ein auf der
zugehörigen Achse gelegener Bildpunkt entspricht, so entsteht
aus der Gruppierung sämtlicher Bildpunkte ein Bild des
Gegenstandes. Befindet sich z. B. ein Gegenstand A B (Fig. 7)
zwischen dem Brennpunkt F und dem Krümmungsmittelpunkt C, so
liegt das Bild des Punktes B auf der Achse B C in b, dasjenige des
Punktes A auf der Achse A C in a u.s.f. Es entsteht daher jenseit C
ein umgekehrtes vergrößertes Bild a b. Wäre a b ein
Gegenstand, welcher um mehr als die doppelte Brennweite vom Spiegel
entfernt ist, so würde derselbe ein umgekehrtes verkleinertes
Bild in A B zwischen dem Brennpunkt F u. dem Kugelmittelpunkt C
liefern. Man erkennt aus der Zeichnung, daß Bild u.
Gegenstand einander ähnlich sind, u. daß ihre
Größen sich zu einander verhalten wie ihre Abstände
vom Spiegel. Je weiter sich der Gegenstand vom Spiegel entfernt,
desto näher rückt sein Bild dem Brennpunkt. Das Bild
eines unermeßlich weit entfernten Gegenstandes, z. B. eines
Gestirns, entsteht im Brennpunkt selbst. Der helle Fleck im
Brennpunkt eines Hohlspiegels, auf den man die Sonnenstrahlen
fallen läßt (s. oben), ist eigentlich nichts andres als
ein kleines Bild der Sonne.
Diese Bilder unterscheiden sich nun sehr wesentlich von den
Bildern, welche die ebenen Spiegel liefern. Sie entstehen
nämlich dadurch, daß die von einem jeden Punkte des
Gegenstandes ausgehenden Strahlen in einem Punkt vor dem Spiegel
wirklich vereinigt oder gesammelt werden; ein solches Bild kann
daher auf einem Schirm aufgefangen werden und erscheint auf
demselben, nach allen Seiten hin sichtbar, wie ein in den zartesten
Farben ausgeführtes Gemälde. Bilder dieser Art nennt man
deswegen
[Fig. 4. Brennpunkt eines Hohlspiegels.]
[Fig. 5. Reeller Bildpunkt.]
[Fig. 6. Virtueller Bildpunkt.]
[Fig. 7. Entstehung eines reellen Bildes bei einem
Hohlspiegel.]
141
Spiegelversicherung - Spiel.
wirkliche (reelle) oder Sammelbilder. Die Bilder der ebenen
Spiegel dagegen entstehen durch Strahlen, welche vor dem Spiegel
auseinander gehen und sich zerstreuen, indem sie von hinter der
Spiegelfläche liegenden Punkten auszugehen scheinen, und
werden nur gesehen, wenn diese Strahlen unmittelbar in das Auge
dringen. Sie werden daher scheinbare (virtuelle) oder
Zerstreuungsbilder genannt. Auch die reellen Bilder der
Sammelspiegel (so nennt man häufig die Hohlspiegel)
können ohne Auffangsschirm unmittelbar wahrgenommen werden,
wenn man das Auge in den Weg der Strahlen bringt, welche nach der
Vereinigung von den Punkten des Bildes aus wieder auseinander
gehen. Das Bild scheint alsdann vor dem Spiegel in der Lust zu
schweben.
Sammelbilder liefert ein Hohlspiegel nur von Gegenständen,
welche um mehr als die Brennweite von ihm abstehen. Von einem dem
Spiegel nähern Gegenstand (A B, Fig. 8) kann derselbe, weil
die von jedem Punkt kommenden Lichtstrahlen nach der
Zurückwerfung auseinander gehen, nur noch ein scheinbares Bild
(a b) entwerfen, welches einem in den Spiegel blickenden Auge
aufrecht hinter der Spiegelfläche und größer als
der Gegenstand erscheint. Die Figur zeigt den Gang der
Lichtstrahlen im gegenwärtigen Fall. Wegen dieser
vergrößernden Wirkung werden die Hohlspiegel auch
Vergrößerungsspiegel genannt und zu Zwecken der Toilette
(als Rasierspiegel) verwendet.
Jede auf der äußern gewölbten Seite polierte
Kugelfläche bildet einen Konvexspiegel oder
Zerstreuungsspiegel. Da ein solcher die von einem Punkt (B, Fig. 9)
ausgehenden Strahlen stets so zurückwirft, daß sie von
einem hinter dem Spiegel liegenden Punkt b noch stärker als
vorher auseinander gehen, so kann derselbe von einem Gegenstand A B
nur ein scheinbares oder Zerstreuungsbild a b liefern, welches
hinter dem Spiegel in aufrechter Stellung gesehen wird. Da das Bild
stets kleiner ist als der Gegenstand, so nennt man die
Konvexspiegel auch Verkleinerungsspiegel und verwendet sie ihrer
niedlichen Bilder wegen als Taschentoilettenspiegel. - Bezeichnet a
die Entfernung des Lichtpunktes, b diejenige des Bildpunktes von
einem Konkav- oder Konvexspiegel und f seine Brennweite, so gilt
die Gleichung: 1/a + 1/b = 1/f. Hieraus ergibt sich, wenn der
Bildpunkt virtuell ist, die Größe b negativ; für
Konvexspiegel ist die Brennweite f negativ zu nehmen, für
Hohlspiegel positiv. Alles von den kugelförmig gekrümmten
oder sphärischen Spiegeln bisher Gesagte gilt jedoch nur, wenn
ihre Öffnung klein ist. Bei Hohlspiegeln von
größerer Öffnung werden z. B. die parallel zur
Achse in der Nähe des Randes auffallenden Strahlen nach einem
Punkte der Achse gelenkt, welcher dem Spiegel näher liegt als
der für die näher der Mitte auffallenden Strahlen
gültige Brennpunkt, ein Fehler, der dadurch vermieden werden
kann, daß man dem Spiegel eine parabolische Gestalt gibt. Man
nennt daher diesen Fehler die "Abweichung wegen der Kugelgestalt"
oder die sphärische Aberration. Die Lehre von der S.
(Reflexion oder regelmäßigen Zurückwerfung) des
Lichts wird Katoptrik genannt. Über Brennlinie s. d. Über
die Erklärung der S. aus der Wellenbewegung s. d.
[Fig. 8. Entstehung eines virtuellen Bildes bei einem
Hohlspiegel.]
[Fig. 9. Konvexspiegel.]
Spiegelversicheruug, s. Glasversicherung.
Spiegelversuch, s. Fresnels Spiegelversuch.
Spiegelwinkel, s. Spiegelinstrumente.
Spiek, Pflanze, s. Spik.
Spiekeroog, Insel in der Nordsee, an der Küste von
Ostfriesland, zum preuß. Regierungsbezirk Aurich, Kreis
Wittmund gehörig, 14 qkm groß, hat hohe Dünen,
Viehzucht, Seehundsfang, Fischerei, ein aufblühendes Seebad
und (1885) 243 evang. Einwohner. Vgl. Nellner, Die Nordseeinsel S.
(Emden 1884).
Spiel, eine Beschäftigung, die um der in ihr selbst
liegenden Zerstreuung, Erheiterung oder Anregung willen, meist mit
andern in Gemeinschaft, vorgenommen wird. Man teilt die Spiele am
besten ein in Bewegungsspiele, zu denen unter andern die Ball-,
Kugel-, Kegel- und Fangspiele gehören, und in Ruhespiele, die
solche zur Schärfung der Beobachtung und der Aufmerksamkeit,
zur Betätigung von Witz und Geistesgegenwart, also die meisten
unsrer sogen. Gesellschaftsspiele, dazu Karten-, Brettspiele, das
Schach u. a., umfassen. Glücksspiele (s. d.), um Gewinn
betrieben, fallen nicht unter diesen Begriff des Spiels. Wenngleich
manche Spiele über viele Völker der Erde verbreitet sind,
so ist doch im ganzen die Art der Spiele eines Volkes bezeichnend
für seinen Charakter wie für seine Bildungsstufe. Das S.
beruht daher meist auf volkstümlicher oder örtlicher
Sitte; es kann aber auch pädagogisch und planmäßig
zur Förderung leiblicher oder geistiger Kräfte benutzt
werden. Der Wert des Spiels in letzterer Hinsicht, den schon
Gesetzgeber und Philosophen des Altertums erkannt hatten, ist
besonders durch die von Rousseau, den Philanthropisten, Pestalozzi
und Fröbel (s. Kindergärten) ausgehenden erzieherischen
Bestrebungen zur Geltung gekommen. Die Bewegungsspiele hat auch die
Turnkunst, insbesondere das Schulturnen, in ihren Bereich gezogen.
Großer Wert wird diesen Spielen in England beigelegt, wo an
allen Unterrichts- und Erziehungsanstalten bis zu den
Universitäten hinauf Wettspiele im Schwange sind. In
Deutschland hat der preußische Kultusminister von
Goßler der Sache der Jugendspiele durch seinen Erlaß
vom 27. Okt. 1882 erfreulichen Aufschwung gegeben. Vgl. Schaller,
Das S. und die Spiele (Weim. 1851); Lazarus, Über die Reize
des Spiels (Berl. 1883); insbesondere die Spielsammlung von Guts
Muths (7. Aufl., hrsg. von Schettler, Hof 1885); Jakob,
Deutschlands spielende Jugend (3. Aufl., Leipz. 1883); Kohlrausch
und Marten, Turnspiele, Wettkämpfe, Turnfahrten (3. Aufl.,
Hannov. 1884); Kupfermann, Turnunterricht und Jugendspiele (Bresl.
1884); Georgens, Das S. und die Spiele der Jugend (Leipz. 1884);
Köhler, Die Bewegungsspiele des
142
Spiel - Spielhagen.
Kindergartens (8. Aufl., Weim. 1888); Wagner,
Illustriertes Spielbuch für Knaben (10. Aufl., Leipz. 1888);
Gayette-Georgens, Neues Spielbuch für Mädchen (Berl.
1887); Wolter, Das S. im Hause (Leipz. 1888). Über
Gesellschafts- u. Unterhaltungspiele im allgemeinen vgl.
Alvensleben, Handbuch der Gesellschaftsspiele (8. Aufl., Weim.
1889); "Encyklopädie der Spiele" (3. Aufl., Leipz.1878);
Georgens, Illustriertes Familien-Spielbuch (das. 1882). - Bei den
Alten nahmen die großen öffentlichen Kampfspiele (s. d.)
die oberste Stelle ein, aber auch gesellige Spiele hatten sie in
nicht geringer Zahl, namentlich die Griechen, so bei Gelagen den
Weinklatsch (s. Kottabos), das bei Griechen und Römern sehr
beliebte Ballspiel (s. d.) und Würfelspiel (s. Würfel),
das Richterspiel der Kinder etc. Ein Brettspiel (petteia), nach der
Sage eine Erfindung des Palamedes, erscheint bereits bei Homer als
Unterhaltung der Freier in Ithaka ("Odyssee", I, 107); doch fehlt
uns nähere Kunde über die Art der griechischen
Brettspiele. Unserm Schach- oder Damenspiel scheint das sogen.
Städtespiel ähnlich gewesen zu sein. Von den
verschiedenen Gattungen der römischen Brettspiele sind
einigermaßen bekannt der ludus latrunculorum
(Räuberspiel), eine Art Belagerungsspiel, wobei die Steine in
Bauern und Offiziere geteilt waren und es galt, die feindlichen
Steine zu schlagen oder festzusetzen, und der ludus duodecim
scriptorum, das S. der 12 Linien, bei welchem auf einem in zweimal
12 Felder geteilten Wurfbrett das Vorrücken der 15 je
weißen und schwarzen Steine durch die Höhe des jedem Zug
vorangehenden Würfelwurfs bestimmt wurde. Sehr beliebt war im
Altertum das Fingerraten, noch heute in Italien verbreitet als
Moraspiel (s. Mora). Vgl. Grasberger, Erziehung und Unterricht im
klassischen Altertum (Würzb. 1864-81, 3 Tle.); Becq de
Fouqiers, Les jeux des anciens (2. Aufl., Par. 1873); Ohlert,
Rätsel und Gesellschaftsspiele der alten Griechen (Berl.
1886); Richter, Die Spiele der Griechen und Römer (Leipz.
1887). - Aus der deutschen Vorzeit wird als vornehmstes Volksspiel
der Schwerttanz erwähnt, neben welchem Steinstoßen,
Speerwerfen, Wettlaufen beliebt waren. Auch das Kegeln und das
stets mit Leidenschaft betriebene Würfelspiel sind uralt.
Während das Landvolk an diesen Spielen festhielt, wandten sich
die höfischen Kreise der Ritterzeit vorwiegend den
Kampfspielen zu, aus denen sich unter fremdem Einfluß die
eigentlichen Ritterspiele (Tjost, Buhurt, Turnier) entwickelten.
Daneben wurde das Ballspiel (von der weiblichen Jugend) und als
beliebteste Verstandesspiele das Brettspiel und das Schachspiel
(seit dem 11. Jahrh.) eifrig betrieben. In der spätern Zeit
des Mittelalters trat, namentlich in den Städten, das Spielen
um Geld in den Vordergrund. Vgl. Schultz, Das höfische Leben
im Mittelalter, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1889); Kriegk, Deutsches
Bürgertum im Mittelalter (Frankf. 1868 u. 1871); Weinhold, Die
deutschen Frauen im Mittelalter (2. Aufl., Wien 1882).
Spiel (Stoß), in der Jägersprache der Schwanz
des Fasans sowie des Auer- und Birkwildes.
Spielart, s. Art.
Spielbanken, s. Glücksspiele.
Spielbein, s. Standbein.
Spielberg, 1) ehemalige Festung, s. Brünn. -
2) Berg im Frankenjura, s. Hahnenkamm.
Spielhagen, Friedrich, hervorragender
Romanschriftsteller, geb. 24. Febr. 1829 zu Magdeburg als Sohn
eines preußischen Regierungsrats, verbrachte seine Jugend in
Stralsund und ward an diesem Teil der Ostseeküste und auf der
Insel Rügen im eigentlichsten Wortsinn heimisch, so daß
diese Landschaften den Hintergrund für beinahe alle seine
spätern poetischen Schöpfungen abgeben. Nachdem er das
Gymnasium zu Stralsund absolviert, studierte er von 1847 an, die
ursprünglich geplanten medizinischen Studien bald aufgebend,
Philologie und Philosophie zu Bonn, Berlin und Greifswald, war
einige Zeit Hauslehrer in einer aristokratischen Familie und ging
1854 nach Leipzig, um sich als Dozent an der Universität zu
habilitieren. Seine litterarischen Studien und Beschäftigungen
führten ihn inzwischen um so ausschließlicher auch dem
litterarischen Beruf zu, als er die Unvereinbarkeit einer
philologischen Dozentenkarriere und poetischer Bestrebungen
erkannte. Neben kritischen Essays trat er mit vorzüglichen
Übertragungen, z. B. von Emersons "Englischen
Charakterzügen" (Hannov. 1858), Roscoes "Lorenzo von Medici"
(Leipz. 1859), Michelets Werken: "Die Liebe" (das. 1859), "Die
Frau" (das. 1860) und "Das Meer" (das. 1861) sowie mit der Sammlung
"Amerikanische Gedichte" (das. 1859, 3. Aufl. 1871), hervor. Die
Hauptsache aber blieb die eigne Produktion. Die Novelle "Klara
Vere" (Hannov. 1857) und das graziöse Idyll "Auf der
Düne" (Hannov. 1858) wurden nur von kleinen Kreisen als Proben
eines ungewöhnlichen Talents beachtet. Eine um so
glänzendere Aufnahme fand der erste größere Roman
des Autors: "Problematische Naturen" (Berl. 1860, 4 Bde.; 12.
Aufl., Leipz. 1887), mit seiner abschließenden Fortsetzung:
"Durch Nacht zum Licht" (Berl. 1861, 4 Bde.; 10. Aufl. 1885).
Dieser Roman gehörte durch Originalität der Erfindung,
durch psychologische Feinheit der Charakteristik, höchste
Lebendigkeit des Kolorits und eine in den meisten Partien
künstlerisch vollendete Darstellung zu den besten deutschen
Romanproduktionen der Neuzeit und lenkte die Aufmerksamkeit der
gebildeten Lesewelt dauernd auf den Autor. S. war inzwischen 1859
von Leipzig nach Hannover übergesiedelt, hatte dort die
Redaktion des Feuilletons der "Zeitung für Norddeutschland"
übernommen und sich verheiratet. Ende 1862 nahm er seinen
dauernden Wohnsitz in Berlin, von wo aus er größere
Reisen (nach der Schweiz, Italien, England, Paris etc.) unternahm,
redigierte hier kurze Zeit die "Deutsche Wochenschrift" und das
Dunckersche "Sonntagsblatt", trat mehrfach mit öffentlichen
Vorträgen auf, konzentrierte sich aber zuletzt immer
ausschließlicher auf die Produktion. Auch von der Herausgabe
von Westermanns "Illustrierten deutschen Monatsheften", die er 1878
übernommen, trat er 1884 wieder zurück. Sein zweiter
großer Roman: "Die von Hohenstein" (Berl. 1863, 4 Bde.; 6.
Aufl. 1885), der die revolutionäre Bewegung des Jahrs 1848 zum
Hintergrund hatte, eröffnete eine Reihe von Romanen, welche
die Bewegungen der Zeit und zwar ebensowohl die zufälligen und
äußerlichen wie die wirklich tief eingreifenden und
echte Menschennaturen wahrhaft bewegenden zu spiegeln unternahmen.
War hierdurch ein gewisses Übergewicht des tendenziösen
Elements gegenüber dem poetischen unvermeidlich, und standen
die Romane: "In Reih und Glied" (Berl. 1866, 5 Bde.; 5. Aufl. 1880,
2 Bde.) und "Allzeit voran!" (das. 1872, 3 Bde.; 6. Aufl. 1880) wie
die Novelle "Ultimo" (Leipz. 1873) allzu stark unter der Herrschaft
momentan in der preußischen Hauptstadt herrschender
Interessen, Erscheinungen und Stimmungen, welche der Dichter mit
all seiner Kunst nicht zur Poesie zu erheben vermochte, so erwiesen
andre freiere Schöpfungen den Gehalt, die
143
Spielhonorar - Spielkarten.
Lebensfülle und die künstlerische Reife des
Spielhagenschen Talents. Neben der Novelle "In der zwölften
Stunde" (Berl. 1862), den unbedeutendern: "Röschen vom Hof"
(Leipz. 1864), "Unter den Tannen" (Berl. 1867), "Die Dorfkokette"
(Schwer. 1868), "Deutsche Pioniere" (Berl. 1870), "Das Skelett im
Hause" (Leipz. 1878) u. den Reiseskizzen: "Von Neapel bis Syrakus"
(das. 1878) schuf S., unabhängig von den momentanen
Tagesereignissen oder sie nur in ihren großen, allgemein
empfundenen Wirkungen auf das deutsche Leben darstellend, die
Romane: "Hammer und Amboß" (Schwerin 1868, 5 Bde.; 8. Aufl.
1881), "Was die Schwalbe sang" (Leipz. 1872, 2 Bde.; 6. Aufl. 1885)
und "Sturmflut" (das. 1876, 3 Bde.; 5. Aufl. 1883), ein Werk, worin
der Dichter, besonders im ersten und letzten Teil, auf der vollen
Höhe seiner Darstellungskraft und Darstellungskunst steht; den
Roman "Platt Land" (das. 1878); die feine, in Motiven und
Detaillierung etwas allzusehr zugespitzte Novelle "Quisisana" (das.
1879) sowie die neuesten Romane: "Angela" (das. 1881, 2 Bde.),
"Uhlenhans" (das. 1884, 2 Bde.), "Was will das werden" (das. 1886,
3 Bde.), "Noblesse oblige" (das. 1888), "Ein neuer Pharao" (1889)
u. a. Nur in den kleinern Werken: "Deutsche Pioniere" und "Noblesse
oblige", streifte S. vorübergehend das Gebiet des historischen
Romans, sonst schöpfte er Handlungen und Gestalten aus der
jüngsten Vergangenheit und unmittelbaren Gegenwart. Mit dem
nach einer eignen Novelle (7. Aufl., Leipz. 1881) bearbeiteten und
an mehreren Theatern erfolgreich aufgeführten Schauspiel "Hans
und Grete" (Berl. 1876) wendete sich der Dichter auch der
Bühne zu. Größern Erfolg hatte das Schauspiel
"Liebe für Liebe" (Leipz. 1875), in dem die Kritik neben
novellistischen Episoden einen wahrhaft dramatischen Kern
anerkannte. Neuerdings brachte er die Schauspiele: "Gerettet"
(Leipz. 1884) und "Die Philosophin" (das. 1887). Von S. erschienen
außerdem: "Vermischte Schriften" (Berl. 1863-l868, 2 Bde.),
"Aus meinem Skizzenbuch" (Leipz. 1874), "Skizzen, Geschichten und
Gedichte" (das. 1881), und "Beiträge zur Theorie und Technik
des Romans" (das. 1883). Von seinen "Sämtlichen Werken", die
auch die bis dahin zerstreuten innigen und formschönen
Gedichte des Autors enthalten, erschienen bisher 18 Bände
(Leipz. 1875-87). Vgl. Karpeles, Friedr. S. (Leipz. 1889).
Spielhonorar, am Theater die dem Darsteller für sein
jedesmaliges Auftreten festgesetzte, in der Gage nicht mit
inbegriffene Summe. Der Brauch stammt aus Frankreich und war
bereits im 18. Jahrh. in Deutschland eingeführt.
Spielhuhn, s. v. w. Birkhuhn.