Jeder Strahl, welcher nicht durch den Kugelmittelpunkt (C, Fig.

4) geht, trifft schräg auf die Spiegelfläche und wird so

zurückgeworfen, daß er mit dem an seinem Einfallspunkt

auf der Spiegelfläche errichteten Einfallslot beiderseits

gleiche Winkel bildet. Das Einfallslot ist aber jedesmal der vom

Krümmungsmittelpunkt zum Einfallspunkt gezogene

Kugelhalbmesser. Man bemerkt nun leicht, daß die

Kugelhalbmesser, d. h. die Einfallslote, in demselben Maße

stärker zur Achse geneigt sind, als die Punkte des Spiegels,

zu denen sie gehören, weiter von der Achse abstehen. Deshalb

muß auch jeder mit der Achse parallele Strahl in dem

Maße stärker gegen die Achse zu aus seiner

ursprünglichen Richtung abgelenkt werden, als er weiter

entfernt von der Achse auf den Spiegel trifft. Aus diesem

Verhalten, welches die Fig. 4 deutlich wahrnehmen läßt,

erklärt es sich, warum sämtliche auf den Hohlspiegel

parallel zur Achse treffende Strahlen nach der Zurückwerfung

durch einen und denselben Punkt gehen müssen. Befindet sich im

Brennpunkt F eine Lichtquelle, so werden ihre auf den Spiegel

treffenden Strahlen, indem sie dieselben Wege in entgegengesetzter

Richtung einschlagen, parallel zu der Achse zurückgeworfen.

Fällt von einem Lichtpunkt a (Fig. 5), der zwischem dem

Brennpunkt F und dem Kugelmittelpunkt C liegt, ein

Strahlenbüschel auf den Spiegel, so treffen die einzelnen

Strahlen jetzt minder schräg auf den Spiegel, als wenn sie aus

dem Brennpunkt kämen, und werden daher auch weniger stark von

der Achse weggelenkt; sie laufen daher nach der Zurückwerfung

nicht mit der Achse parallel, sondern schneiden sie jenseit des

Mittelpunktes C und zwar, da ihre Ablenkung um so größer

ist, je weiter der getroffene Spiegelpunkt von der Achse absteht,

in einem einzigen Punkt A, welchen man das Bild des Punktes a

nennt. Bringt man nach A einen Lichtpunkt, so müssen seine

Strahlen, indem sie sich auf denselben Bahnen in entgegengesetzter

Richtung bewegen, im Punkt a zusammentreffen. Die Punkte a und A

gehören also in der Weise zusammen, daß jeder das Bild

des andern ist, und heißen deshalb zusammengehörige oder

konjugierte Punkte. Ist ein Lichtpunkt (A, Fig. 6) um weniger als

die Brennweite F vom Spiegel entfernt, so vermag dieser die zu

stark auseinander fahrenden Strahlen nicht mehr in einem vor dem

Spiegel gelegenen Punkt zu vereinigen, sondern die

zurückgeworfenen Strahlen gehen jetzt auseinander, jedoch so,

als ob sie von einem hinter dem Spiegel gelegenen Punkt a

ausgingen. Da umgekehrt Strahlen, welche nach dem hinter dem

Spiegel gelegenen Punkt a hinzielen, im Punkt A vor dem Spiegel

vereinigt werden, so sind auch in diesem Fall die Punkte A und a

als zusammengehörige (konjugierte) zu betrachten.

Da jedem Punkt eines leuchtenden oder beleuchteten Gegenstandes,

der sich vor einem Hohlspiegel befindet, ein auf der

zugehörigen Achse gelegener Bildpunkt entspricht, so entsteht

aus der Gruppierung sämtlicher Bildpunkte ein Bild des

Gegenstandes. Befindet sich z. B. ein Gegenstand A B (Fig. 7)

zwischen dem Brennpunkt F und dem Krümmungsmittelpunkt C, so

liegt das Bild des Punktes B auf der Achse B C in b, dasjenige des

Punktes A auf der Achse A C in a u.s.f. Es entsteht daher jenseit C

ein umgekehrtes vergrößertes Bild a b. Wäre a b ein

Gegenstand, welcher um mehr als die doppelte Brennweite vom Spiegel

entfernt ist, so würde derselbe ein umgekehrtes verkleinertes

Bild in A B zwischen dem Brennpunkt F u. dem Kugelmittelpunkt C

liefern. Man erkennt aus der Zeichnung, daß Bild u.

Gegenstand einander ähnlich sind, u. daß ihre

Größen sich zu einander verhalten wie ihre Abstände

vom Spiegel. Je weiter sich der Gegenstand vom Spiegel entfernt,

desto näher rückt sein Bild dem Brennpunkt. Das Bild

eines unermeßlich weit entfernten Gegenstandes, z. B. eines

Gestirns, entsteht im Brennpunkt selbst. Der helle Fleck im

Brennpunkt eines Hohlspiegels, auf den man die Sonnenstrahlen

fallen läßt (s. oben), ist eigentlich nichts andres als

ein kleines Bild der Sonne.

Diese Bilder unterscheiden sich nun sehr wesentlich von den

Bildern, welche die ebenen Spiegel liefern. Sie entstehen

nämlich dadurch, daß die von einem jeden Punkte des

Gegenstandes ausgehenden Strahlen in einem Punkt vor dem Spiegel

wirklich vereinigt oder gesammelt werden; ein solches Bild kann

daher auf einem Schirm aufgefangen werden und erscheint auf

demselben, nach allen Seiten hin sichtbar, wie ein in den zartesten

Farben ausgeführtes Gemälde. Bilder dieser Art nennt man

deswegen

[Fig. 4. Brennpunkt eines Hohlspiegels.]

[Fig. 5. Reeller Bildpunkt.]

[Fig. 6. Virtueller Bildpunkt.]

[Fig. 7. Entstehung eines reellen Bildes bei einem

Hohlspiegel.]

141

Spiegelversicherung - Spiel.

wirkliche (reelle) oder Sammelbilder. Die Bilder der ebenen

Spiegel dagegen entstehen durch Strahlen, welche vor dem Spiegel

auseinander gehen und sich zerstreuen, indem sie von hinter der

Spiegelfläche liegenden Punkten auszugehen scheinen, und

werden nur gesehen, wenn diese Strahlen unmittelbar in das Auge

dringen. Sie werden daher scheinbare (virtuelle) oder

Zerstreuungsbilder genannt. Auch die reellen Bilder der

Sammelspiegel (so nennt man häufig die Hohlspiegel)

können ohne Auffangsschirm unmittelbar wahrgenommen werden,

wenn man das Auge in den Weg der Strahlen bringt, welche nach der

Vereinigung von den Punkten des Bildes aus wieder auseinander

gehen. Das Bild scheint alsdann vor dem Spiegel in der Lust zu

schweben.

Sammelbilder liefert ein Hohlspiegel nur von Gegenständen,

welche um mehr als die Brennweite von ihm abstehen. Von einem dem

Spiegel nähern Gegenstand (A B, Fig. 8) kann derselbe, weil

die von jedem Punkt kommenden Lichtstrahlen nach der

Zurückwerfung auseinander gehen, nur noch ein scheinbares Bild

(a b) entwerfen, welches einem in den Spiegel blickenden Auge

aufrecht hinter der Spiegelfläche und größer als

der Gegenstand erscheint. Die Figur zeigt den Gang der

Lichtstrahlen im gegenwärtigen Fall. Wegen dieser

vergrößernden Wirkung werden die Hohlspiegel auch

Vergrößerungsspiegel genannt und zu Zwecken der Toilette

(als Rasierspiegel) verwendet.

Jede auf der äußern gewölbten Seite polierte

Kugelfläche bildet einen Konvexspiegel oder

Zerstreuungsspiegel. Da ein solcher die von einem Punkt (B, Fig. 9)

ausgehenden Strahlen stets so zurückwirft, daß sie von

einem hinter dem Spiegel liegenden Punkt b noch stärker als

vorher auseinander gehen, so kann derselbe von einem Gegenstand A B

nur ein scheinbares oder Zerstreuungsbild a b liefern, welches

hinter dem Spiegel in aufrechter Stellung gesehen wird. Da das Bild

stets kleiner ist als der Gegenstand, so nennt man die

Konvexspiegel auch Verkleinerungsspiegel und verwendet sie ihrer

niedlichen Bilder wegen als Taschentoilettenspiegel. - Bezeichnet a

die Entfernung des Lichtpunktes, b diejenige des Bildpunktes von

einem Konkav- oder Konvexspiegel und f seine Brennweite, so gilt

die Gleichung: 1/a + 1/b = 1/f. Hieraus ergibt sich, wenn der

Bildpunkt virtuell ist, die Größe b negativ; für

Konvexspiegel ist die Brennweite f negativ zu nehmen, für

Hohlspiegel positiv. Alles von den kugelförmig gekrümmten

oder sphärischen Spiegeln bisher Gesagte gilt jedoch nur, wenn

ihre Öffnung klein ist. Bei Hohlspiegeln von

größerer Öffnung werden z. B. die parallel zur

Achse in der Nähe des Randes auffallenden Strahlen nach einem

Punkte der Achse gelenkt, welcher dem Spiegel näher liegt als

der für die näher der Mitte auffallenden Strahlen

gültige Brennpunkt, ein Fehler, der dadurch vermieden werden

kann, daß man dem Spiegel eine parabolische Gestalt gibt. Man

nennt daher diesen Fehler die "Abweichung wegen der Kugelgestalt"

oder die sphärische Aberration. Die Lehre von der S.

(Reflexion oder regelmäßigen Zurückwerfung) des

Lichts wird Katoptrik genannt. Über Brennlinie s. d. Über

die Erklärung der S. aus der Wellenbewegung s. d.

[Fig. 8. Entstehung eines virtuellen Bildes bei einem

Hohlspiegel.]

[Fig. 9. Konvexspiegel.]

Spiegelversicheruug, s. Glasversicherung.

Spiegelversuch, s. Fresnels Spiegelversuch.

Spiegelwinkel, s. Spiegelinstrumente.

Spiek, Pflanze, s. Spik.

Spiekeroog, Insel in der Nordsee, an der Küste von

Ostfriesland, zum preuß. Regierungsbezirk Aurich, Kreis

Wittmund gehörig, 14 qkm groß, hat hohe Dünen,

Viehzucht, Seehundsfang, Fischerei, ein aufblühendes Seebad

und (1885) 243 evang. Einwohner. Vgl. Nellner, Die Nordseeinsel S.

(Emden 1884).

Spiel, eine Beschäftigung, die um der in ihr selbst

liegenden Zerstreuung, Erheiterung oder Anregung willen, meist mit

andern in Gemeinschaft, vorgenommen wird. Man teilt die Spiele am

besten ein in Bewegungsspiele, zu denen unter andern die Ball-,

Kugel-, Kegel- und Fangspiele gehören, und in Ruhespiele, die

solche zur Schärfung der Beobachtung und der Aufmerksamkeit,

zur Betätigung von Witz und Geistesgegenwart, also die meisten

unsrer sogen. Gesellschaftsspiele, dazu Karten-, Brettspiele, das

Schach u. a., umfassen. Glücksspiele (s. d.), um Gewinn

betrieben, fallen nicht unter diesen Begriff des Spiels. Wenngleich

manche Spiele über viele Völker der Erde verbreitet sind,

so ist doch im ganzen die Art der Spiele eines Volkes bezeichnend

für seinen Charakter wie für seine Bildungsstufe. Das S.

beruht daher meist auf volkstümlicher oder örtlicher

Sitte; es kann aber auch pädagogisch und planmäßig

zur Förderung leiblicher oder geistiger Kräfte benutzt

werden. Der Wert des Spiels in letzterer Hinsicht, den schon

Gesetzgeber und Philosophen des Altertums erkannt hatten, ist

besonders durch die von Rousseau, den Philanthropisten, Pestalozzi

und Fröbel (s. Kindergärten) ausgehenden erzieherischen

Bestrebungen zur Geltung gekommen. Die Bewegungsspiele hat auch die

Turnkunst, insbesondere das Schulturnen, in ihren Bereich gezogen.

Großer Wert wird diesen Spielen in England beigelegt, wo an

allen Unterrichts- und Erziehungsanstalten bis zu den

Universitäten hinauf Wettspiele im Schwange sind. In

Deutschland hat der preußische Kultusminister von

Goßler der Sache der Jugendspiele durch seinen Erlaß

vom 27. Okt. 1882 erfreulichen Aufschwung gegeben. Vgl. Schaller,

Das S. und die Spiele (Weim. 1851); Lazarus, Über die Reize

des Spiels (Berl. 1883); insbesondere die Spielsammlung von Guts

Muths (7. Aufl., hrsg. von Schettler, Hof 1885); Jakob,

Deutschlands spielende Jugend (3. Aufl., Leipz. 1883); Kohlrausch

und Marten, Turnspiele, Wettkämpfe, Turnfahrten (3. Aufl.,

Hannov. 1884); Kupfermann, Turnunterricht und Jugendspiele (Bresl.

1884); Georgens, Das S. und die Spiele der Jugend (Leipz. 1884);

Köhler, Die Bewegungsspiele des

142

Spiel - Spielhagen.

Kindergartens (8. Aufl., Weim. 1888); Wagner,

Illustriertes Spielbuch für Knaben (10. Aufl., Leipz. 1888);

Gayette-Georgens, Neues Spielbuch für Mädchen (Berl.

1887); Wolter, Das S. im Hause (Leipz. 1888). Über

Gesellschafts- u. Unterhaltungspiele im allgemeinen vgl.

Alvensleben, Handbuch der Gesellschaftsspiele (8. Aufl., Weim.

1889); "Encyklopädie der Spiele" (3. Aufl., Leipz.1878);

Georgens, Illustriertes Familien-Spielbuch (das. 1882). - Bei den

Alten nahmen die großen öffentlichen Kampfspiele (s. d.)

die oberste Stelle ein, aber auch gesellige Spiele hatten sie in

nicht geringer Zahl, namentlich die Griechen, so bei Gelagen den

Weinklatsch (s. Kottabos), das bei Griechen und Römern sehr

beliebte Ballspiel (s. d.) und Würfelspiel (s. Würfel),

das Richterspiel der Kinder etc. Ein Brettspiel (petteia), nach der

Sage eine Erfindung des Palamedes, erscheint bereits bei Homer als

Unterhaltung der Freier in Ithaka ("Odyssee", I, 107); doch fehlt

uns nähere Kunde über die Art der griechischen

Brettspiele. Unserm Schach- oder Damenspiel scheint das sogen.

Städtespiel ähnlich gewesen zu sein. Von den

verschiedenen Gattungen der römischen Brettspiele sind

einigermaßen bekannt der ludus latrunculorum

(Räuberspiel), eine Art Belagerungsspiel, wobei die Steine in

Bauern und Offiziere geteilt waren und es galt, die feindlichen

Steine zu schlagen oder festzusetzen, und der ludus duodecim

scriptorum, das S. der 12 Linien, bei welchem auf einem in zweimal

12 Felder geteilten Wurfbrett das Vorrücken der 15 je

weißen und schwarzen Steine durch die Höhe des jedem Zug

vorangehenden Würfelwurfs bestimmt wurde. Sehr beliebt war im

Altertum das Fingerraten, noch heute in Italien verbreitet als

Moraspiel (s. Mora). Vgl. Grasberger, Erziehung und Unterricht im

klassischen Altertum (Würzb. 1864-81, 3 Tle.); Becq de

Fouqiers, Les jeux des anciens (2. Aufl., Par. 1873); Ohlert,

Rätsel und Gesellschaftsspiele der alten Griechen (Berl.

1886); Richter, Die Spiele der Griechen und Römer (Leipz.

1887). - Aus der deutschen Vorzeit wird als vornehmstes Volksspiel

der Schwerttanz erwähnt, neben welchem Steinstoßen,

Speerwerfen, Wettlaufen beliebt waren. Auch das Kegeln und das

stets mit Leidenschaft betriebene Würfelspiel sind uralt.

Während das Landvolk an diesen Spielen festhielt, wandten sich

die höfischen Kreise der Ritterzeit vorwiegend den

Kampfspielen zu, aus denen sich unter fremdem Einfluß die

eigentlichen Ritterspiele (Tjost, Buhurt, Turnier) entwickelten.

Daneben wurde das Ballspiel (von der weiblichen Jugend) und als

beliebteste Verstandesspiele das Brettspiel und das Schachspiel

(seit dem 11. Jahrh.) eifrig betrieben. In der spätern Zeit

des Mittelalters trat, namentlich in den Städten, das Spielen

um Geld in den Vordergrund. Vgl. Schultz, Das höfische Leben

im Mittelalter, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1889); Kriegk, Deutsches

Bürgertum im Mittelalter (Frankf. 1868 u. 1871); Weinhold, Die

deutschen Frauen im Mittelalter (2. Aufl., Wien 1882).

Spiel (Stoß), in der Jägersprache der Schwanz

des Fasans sowie des Auer- und Birkwildes.

Spielart, s. Art.

Spielbanken, s. Glücksspiele.

Spielbein, s. Standbein.

Spielberg, 1) ehemalige Festung, s. Brünn. -

2) Berg im Frankenjura, s. Hahnenkamm.

Spielhagen, Friedrich, hervorragender

Romanschriftsteller, geb. 24. Febr. 1829 zu Magdeburg als Sohn

eines preußischen Regierungsrats, verbrachte seine Jugend in

Stralsund und ward an diesem Teil der Ostseeküste und auf der

Insel Rügen im eigentlichsten Wortsinn heimisch, so daß

diese Landschaften den Hintergrund für beinahe alle seine

spätern poetischen Schöpfungen abgeben. Nachdem er das

Gymnasium zu Stralsund absolviert, studierte er von 1847 an, die

ursprünglich geplanten medizinischen Studien bald aufgebend,

Philologie und Philosophie zu Bonn, Berlin und Greifswald, war

einige Zeit Hauslehrer in einer aristokratischen Familie und ging

1854 nach Leipzig, um sich als Dozent an der Universität zu

habilitieren. Seine litterarischen Studien und Beschäftigungen

führten ihn inzwischen um so ausschließlicher auch dem

litterarischen Beruf zu, als er die Unvereinbarkeit einer

philologischen Dozentenkarriere und poetischer Bestrebungen

erkannte. Neben kritischen Essays trat er mit vorzüglichen

Übertragungen, z. B. von Emersons "Englischen

Charakterzügen" (Hannov. 1858), Roscoes "Lorenzo von Medici"

(Leipz. 1859), Michelets Werken: "Die Liebe" (das. 1859), "Die

Frau" (das. 1860) und "Das Meer" (das. 1861) sowie mit der Sammlung

"Amerikanische Gedichte" (das. 1859, 3. Aufl. 1871), hervor. Die

Hauptsache aber blieb die eigne Produktion. Die Novelle "Klara

Vere" (Hannov. 1857) und das graziöse Idyll "Auf der

Düne" (Hannov. 1858) wurden nur von kleinen Kreisen als Proben

eines ungewöhnlichen Talents beachtet. Eine um so

glänzendere Aufnahme fand der erste größere Roman

des Autors: "Problematische Naturen" (Berl. 1860, 4 Bde.; 12.

Aufl., Leipz. 1887), mit seiner abschließenden Fortsetzung:

"Durch Nacht zum Licht" (Berl. 1861, 4 Bde.; 10. Aufl. 1885).

Dieser Roman gehörte durch Originalität der Erfindung,

durch psychologische Feinheit der Charakteristik, höchste

Lebendigkeit des Kolorits und eine in den meisten Partien

künstlerisch vollendete Darstellung zu den besten deutschen

Romanproduktionen der Neuzeit und lenkte die Aufmerksamkeit der

gebildeten Lesewelt dauernd auf den Autor. S. war inzwischen 1859

von Leipzig nach Hannover übergesiedelt, hatte dort die

Redaktion des Feuilletons der "Zeitung für Norddeutschland"

übernommen und sich verheiratet. Ende 1862 nahm er seinen

dauernden Wohnsitz in Berlin, von wo aus er größere

Reisen (nach der Schweiz, Italien, England, Paris etc.) unternahm,

redigierte hier kurze Zeit die "Deutsche Wochenschrift" und das

Dunckersche "Sonntagsblatt", trat mehrfach mit öffentlichen

Vorträgen auf, konzentrierte sich aber zuletzt immer

ausschließlicher auf die Produktion. Auch von der Herausgabe

von Westermanns "Illustrierten deutschen Monatsheften", die er 1878

übernommen, trat er 1884 wieder zurück. Sein zweiter

großer Roman: "Die von Hohenstein" (Berl. 1863, 4 Bde.; 6.

Aufl. 1885), der die revolutionäre Bewegung des Jahrs 1848 zum

Hintergrund hatte, eröffnete eine Reihe von Romanen, welche

die Bewegungen der Zeit und zwar ebensowohl die zufälligen und

äußerlichen wie die wirklich tief eingreifenden und

echte Menschennaturen wahrhaft bewegenden zu spiegeln unternahmen.

War hierdurch ein gewisses Übergewicht des tendenziösen

Elements gegenüber dem poetischen unvermeidlich, und standen

die Romane: "In Reih und Glied" (Berl. 1866, 5 Bde.; 5. Aufl. 1880,

2 Bde.) und "Allzeit voran!" (das. 1872, 3 Bde.; 6. Aufl. 1880) wie

die Novelle "Ultimo" (Leipz. 1873) allzu stark unter der Herrschaft

momentan in der preußischen Hauptstadt herrschender

Interessen, Erscheinungen und Stimmungen, welche der Dichter mit

all seiner Kunst nicht zur Poesie zu erheben vermochte, so erwiesen

andre freiere Schöpfungen den Gehalt, die

143

Spielhonorar - Spielkarten.

Lebensfülle und die künstlerische Reife des

Spielhagenschen Talents. Neben der Novelle "In der zwölften

Stunde" (Berl. 1862), den unbedeutendern: "Röschen vom Hof"

(Leipz. 1864), "Unter den Tannen" (Berl. 1867), "Die Dorfkokette"

(Schwer. 1868), "Deutsche Pioniere" (Berl. 1870), "Das Skelett im

Hause" (Leipz. 1878) u. den Reiseskizzen: "Von Neapel bis Syrakus"

(das. 1878) schuf S., unabhängig von den momentanen

Tagesereignissen oder sie nur in ihren großen, allgemein

empfundenen Wirkungen auf das deutsche Leben darstellend, die

Romane: "Hammer und Amboß" (Schwerin 1868, 5 Bde.; 8. Aufl.

1881), "Was die Schwalbe sang" (Leipz. 1872, 2 Bde.; 6. Aufl. 1885)

und "Sturmflut" (das. 1876, 3 Bde.; 5. Aufl. 1883), ein Werk, worin

der Dichter, besonders im ersten und letzten Teil, auf der vollen

Höhe seiner Darstellungskraft und Darstellungskunst steht; den

Roman "Platt Land" (das. 1878); die feine, in Motiven und

Detaillierung etwas allzusehr zugespitzte Novelle "Quisisana" (das.

1879) sowie die neuesten Romane: "Angela" (das. 1881, 2 Bde.),

"Uhlenhans" (das. 1884, 2 Bde.), "Was will das werden" (das. 1886,

3 Bde.), "Noblesse oblige" (das. 1888), "Ein neuer Pharao" (1889)

u. a. Nur in den kleinern Werken: "Deutsche Pioniere" und "Noblesse

oblige", streifte S. vorübergehend das Gebiet des historischen

Romans, sonst schöpfte er Handlungen und Gestalten aus der

jüngsten Vergangenheit und unmittelbaren Gegenwart. Mit dem

nach einer eignen Novelle (7. Aufl., Leipz. 1881) bearbeiteten und

an mehreren Theatern erfolgreich aufgeführten Schauspiel "Hans

und Grete" (Berl. 1876) wendete sich der Dichter auch der

Bühne zu. Größern Erfolg hatte das Schauspiel

"Liebe für Liebe" (Leipz. 1875), in dem die Kritik neben

novellistischen Episoden einen wahrhaft dramatischen Kern

anerkannte. Neuerdings brachte er die Schauspiele: "Gerettet"

(Leipz. 1884) und "Die Philosophin" (das. 1887). Von S. erschienen

außerdem: "Vermischte Schriften" (Berl. 1863-l868, 2 Bde.),

"Aus meinem Skizzenbuch" (Leipz. 1874), "Skizzen, Geschichten und

Gedichte" (das. 1881), und "Beiträge zur Theorie und Technik

des Romans" (das. 1883). Von seinen "Sämtlichen Werken", die

auch die bis dahin zerstreuten innigen und formschönen

Gedichte des Autors enthalten, erschienen bisher 18 Bände

(Leipz. 1875-87). Vgl. Karpeles, Friedr. S. (Leipz. 1889).

Spielhonorar, am Theater die dem Darsteller für sein

jedesmaliges Auftreten festgesetzte, in der Gage nicht mit

inbegriffene Summe. Der Brauch stammt aus Frankreich und war

bereits im 18. Jahrh. in Deutschland eingeführt.

Spielhuhn, s. v. w. Birkhuhn.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 40 / 302 段