Spiegel, Körper mit glatter Oberfläche, welche

zur Erzeugung von Spiegelbildern benutzt werden. Man unterscheidet

Planspiegel mit vollkommen ebener und Konvex- und Konkavspiegel mit

gekrümmter Spiegelfläche, wendet aber im

gewöhnlichen Leben meist Planspiegel an. Als solche benutzte

man im Altertum, zum Teil schon in vorgeschichtlicher Zeit, runde,

polierte, gestielte Metallscheiben aus Kupfer (Ägypter,

Juden), Bronze (Römer, besonders brundusische S.), Silber,

Gold (seit Pompejus, Gold auch schon bei Homer). Manche Legierungen

geben eine besonders stark spiegelnde Oberfläche und werden

deshalb als Spiegelmetall (s. d.) zusammengefaßt. Auch

Glasspiegel kamen früh in Gebrauch; man benutzte dazu

obsidianartige, dunkle, undurchsichtige Massen mit glatter,

polierter Oberfläche, welche in die Wand eingelassen wurden.

Vielleicht aber kannte man schon zur Zeit des Aristoteles

Glasspiegel, deren Rückseite mit Blei und Zinn belegt war.

Sichere Nachrichten über diese S. hat man indes erst aus dem

13. Jahrh. Man schnitt sie in Deutschland aus Glaskugeln, die

inwendig mit geschmolzener Bleiantimonlegierung überzogen

worden waren. Im 14. Jahrh. kamen die mit Blei-, dann mit

Zinnamalgam belegten ebenen S., wie wir sie jetzt benutzen, in

Gebrauch. Zur Darstellung derselben breitet man auf einer

horizontalen, ebenen Steinplatte ein Blatt kupferhaltige Zinnfolie

(Stanniol) aus, dessen Größe die des Spiegels etwas

übertrifft, übergießt es 2-3 mm hoch mit

Quecksilber, welches mit dem Zinn ein Amalgam bildet, schiebt die

polierte und sorgfältig gereinigte Glasplatte so über die

Zinnfolie, daß ihr Rand stets in das Quecksilber taucht,

beschwert sie dann mit Gewichten, gibt der Steinplatte eine ganz

geringe Neigung, damit das überschüssige Quecksilber

abfließt, und legt den S. nach 24 Stunden mit der

Amalgamseite nach oben auf ein Gerüst, welches man

allmählich mehr und mehr neigt, bis der S. schließlich

senkrecht steht. Nach 8-20 Tagen ist er verwendbar. 50 qdcm

erfordern 2-2,5 g Amalgam, welches aus etwa 78 Zinn und 22

Quecksilber besteht. In neuerer Zeit benutzt man vielfach

Silberspiegel, d. h. auf der Rückseite versilbertes

Spiegelglas, wie es zuerst von Drayton 1843 vorgeschlagen wurde.

Zur Versilberung sind viele Vorschriften gegeben worden; doch

beruhen alle darauf, daß man eine Silberlösung mit einem

reduzierend wirkenden Körper vermischt und mit der zu

versilbernden Glasfläche in Berührung bringt. Das Silber

schlägt sich dann auf das Glas nieder und wird zum Schutz mit

einem Anstrich aus Leinölfirnis und Mennige überzogen,

auch wohl zunächst galvanisch verkupfert. Bei Herstellung

größerer S. gießt man die

Versilberungsflüssigkeit auf die Glasplatte, welche auf einem

gußeisernen Kasten liegt, der mit Wasser gefüllt ist und

eine Dampfschlange enthält, um die Platte erwärmen zu

können. Kleinere Platten stellt man je zwei mit dem

Rücken aneinander reihenweise in die

Versilberungsflüssigkeit. Auf 1 qm Glas kann man 29-30 g

Silber ablagern. Diese Silberspiegel, deren Fabrikation erst seit

1855 durch Petitjean und Liebig, welche zweckmäßige

Versilberungsflüssigkeiten angaben, praktische Bedeutung

gewann, sind billiger als die belegten; größere aber

sind schwer herzustellen, und über die längere

Haltbarkeit fehlen noch Erfahrungen. Man hat auch Platinspiegel

hergestellt, für welche man nur auf einer Seite geschliffenen

Glases bedarf. Man trägt die Mischung von Platinchlorid mit

Lavendelöl, Bleiglätte und borsaurem Bleioxyd auf das

Glas auf und brennt das ausgeschiedene Metall ein. Da das Platin an

der Luft nicht anläuft, so halten sich diese S. sehr gut, und

der Metallüberzug ist so dünn, daß das Glas

durchsichtig bleibt. Über Herstellung etc. des Spiegelglases

s. Glas, S.322. Vgl. Benrath, Glasfabrikation (Braunschw. 1875);

Cremer, Fabrikation der Silber- und Quecksilberspiegel (Wien 1887).

- Die für die Toilette der Frauen bestimmten Handspiegel des

Altertums wurden am Griff und auf der Rückseite der Scheibe

künstlerisch verziert, auf letzterer bei den Griechen,

Römern etc. meist mit eingravierten mythologischen u.

genrehaften Darstellungen geschmückt (Fig. 1-3). Antike S.

sind

[Fig. 1-3. Römische Handspiegel.]

137

Spiegel - Spiegelinstrumente.

zahlreich in den verschütteten Vesuvstädten und in den

Gräbern gefunden worden. Eine Spezialität bilden die

etruskischen S., welche ebenfalls mit Darstellungen aus dem

etruskischen Götterkreis und mit Inschriften versehen sind

(Fig. 4). Sie wurden von E. Gerhard ("Die etruskischen S.", Berl.

1843-68, 4 Bde.; fortgesetzt von Klügmann und Körte 1884

ff.)beschrieben. Die antike Grundform des Handspiegels erhielt sich

das ganze Mittelalter und die Folgezeit hindurch bis jetzt. Nur

wurde die Spiegelfläche nicht bloß oval, sondern auch

rund, viereckig und vielseitig gestaltet, von einem mehr oder

minder reichverzierten Rahmen eingefaßt und in der

Rückseite mit Schnitzwerk, Reliefarbeit etc. geschmückt.

Die Einfassung des Handspiegels, dessen Spiegelfläche anfangs

noch meist aus Metall, dann aus Glas bestand, wurde in Holz,

Elfenbein, Metall und andern Materialien ausgeführt. Zur

Renaissancezeit trugen die Damen Handspiegel am Gürtel. Im

Mittelalter kamen auch Taschenspiegel und S. zum Aufhängen an

Wänden auf, die seit dem 16. Jahrh. immer größer

wurden und sich nach der Erfindung des Spiegelglases (1688) zu den

von der Decke bis zum Fußboden reichenden Trümeaus

entwickelten. Im Mittelalter waren Venedig und Murano die

Hauptsitze der Spiegelfabrikation, welche die ganze kultivierte

Welt mit venezianischen Spiegeln versorgten. Die Einrahmung der

Wandspiegel, welche anfangs durch gekehlte Leisten, später

durch reich ornamentiertes Schnitzwerk erfolgte, wurde ein

besonderer Zweig der Möbeltischlerei. Doch wurden früher

und werden gegenwärtig noch in Venedig und Murano Wandspiegel

mit Rahmen aus geschliffenem und geblasenem Glas angefertigt.

Solche Rahmen werden häufig aus naturalistischen farbigen

Blumen (Rosen u. dgl.) und Rankenwerk gebildet.

In übertragenem Sinn bezeichnet S. überhaupt jede

glatte, glänzende Fläche (z. B. Eis-, Wasserspiegel);

sodann in der Weidmannssprache den hellen Fleck um das Weidloch der

Hirsche und Rehe, auch den weißen oder metallglänzenden

Fleck auf den Flügeln der Enten sowie den weißen

Schulterfleck des Auer- und Birkwildes; ferner einen Teil der

Hinterseite des Schiffs (s. Heck); in der Struktur des Holzes die

Markstrahlen (s. Holz, S. 669) etc. Da endlich der S. als Symbol

der Selbstprüfung und des Gewissens, als Emblem der Wahrheit

dient, so ist das Wort auch häufig als Titel für

belehrende Schriften, besonders moralischen, pädagogischen und

politischen Inhalts, worin Musterbilder zur Nacheiferung

aufgestellt werden, verwendet worden, z. B. Fürstenspiegel,

Jugendspiegel, Ritterspiegel, Laienspiegel, die Gesetzsammlungen

Sachsenspiegel und Schwabenspiegel etc.

[Fig.4. Etruskischer (sogen. Semele-) Spiegel]

Spiegel, medizinisches Instrument, s. Speculum.

Spiegel, Friedrich (von), namhafter Orientalist, der

bedeutendste Kenner des Zendavesta, geb. 11. Juli 1820 zu

Kitzingen, widmete sich in Erlangen, Leipzig und Bonn

orientalischen Sprachstudien, durchforschte 1842-47 die

Bibliotheken zu Kopenhagen, London und Oxford und ist seit 1849

Professor der orientalischen Sprachen an der Universität

Erlangen. Nachdem er durch seine Ausgaben des "Kammavâkya"

(Bonn 1841) und der "Anecdota palica" (Leipz. 1845) dem Studium der

damals noch wenig bekannten Pâlisprache und des

südlichen Buddhismus einen wesentlichen Dienst geleistet

hatte, konzentrierte er seine Forschungen auf die iranischen

Sprachen und die Zoroastrische Religion und lieferte namentlich

eine kritische Ausgabe der wichtigsten Teile des Zendavesta samt

der alten Pehlewiübersetzung derselben und eine

vollständige Verdeutschung, die erste wissenschaftliche

Übertragung dieses wichtigen Religionsbuchs (Leipz. 1852-63, 3

Bde.), der er einen "Kommentar über das Avesta" (das. 1865-69,

2 Bde.) und eine "Grammatik der altbaltrischen Sprache" (das. 1867)

folgen ließ. Außerdem veröffentlichte er eine

"Chrestomathia persica" (Leipz. 1845), die erste "Grammatik der

Pârsisprache" (das. 1851), eine "Einleitung in die

traditionellen Schriften der Parsen" (das. 1856-60, 2 Bde.), "Die

altpersischen Keilinschriften im Grundtext, mit Übersetzung,

Grammatik und Glossar" (das. 1862, 2. Aufl. 1881), "Erân, das

Land zwischen dem Indus und Tigris" (Berl. 1863), "Arische Studien"

(Leipz. 1873). Gewissermaßen das Fazit all seiner Forschungen

zieht er in seiner "Erânischen Altertumskunde" (Leipz.

1871-78, 3 Bde.), welcher die "Vergleichende Grammatik der

alterânischen Sprachen" (das. 1882) und das Werk "Die arische

Periode und ihre Zustände" (das. 1887) folgten. Zahlreiche

kleinere Arbeiten, z. B. über die iranische Stammverfassung,

über das Leben Zoroasters u. a., veröffentlichte er in

den Abhandlungen der königl. bayrischen Akademie, in den

"Beiträgen zur vergleichenden Sprachforschung", in der

"Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft" und

andern Zeitschriften.

Spiegelberg, Otto, Mediziner, geb. 9. Jan. 1830 zu Peine

in Hannover, studierte am Collegium Carolinum zu Braunschweig, dann

in Göttingen, habilitierte sich 1853 daselbst als Privatdozent

und ging dann auf eine längere Studienreise nach England. 1861

folgte er einem Ruf als Professor der Geburtshilfe und

Gynäkologie nach Freiburg, 1864 nach Königsberg und 1865

nach Breslau, wo er 10. Aug. 1881 starb. Er begründete mit

Credé das "Archiv für Gynäkologie" und schrieb ein

großes "Lehrbuch der Geburtshilfe" (2. Aufl., Lahr 1880).

Spiegelbergs Verdienste bestehen in der Einführung der

Errungenschaften der neuern Gynäkologie in die Praxis, in der

sichern Diagnostik, in der präzisen Indikationenstellung und

der Anbahnung radikaler operativer Heilung von bis dahin für

schwer oder nicht heilbar erachteten Krankheiten, wodurch er die

Gynäkologie zur erfolgreichen Nebenbuhlerin der Chirurgie

erhob.

Spiegelfasern, s.v.w. Markstrahlen, s. Holz, S. 669.

Spiegelgranaten, kleinere Granaten, welche in

größerer Zahl mit Einem Wurf aus großen

Mörsern geworfen wurden.

Spiegelinstrumente, Vorrichtungen zum Messen von Winkeln

mit gewöhnlich zwei Spiegeln, von denen der eine nur halbhoch

(zum Durchsehen, Okularspiegel), der andre in ganzer Fläche

(Objektivspiegel) mit Amalgam belegt ist. Entweder stehen beide

fest einander schräg gegenüber auf der hohen Kante, oder

der eine ist drehbar. Der vom Beobach-

138

Spiegelkreis - Spiegelung.

tungsobjekt B ausgehende Strahl trifft den Objektivspiegel, wird

von ihm in den Okularspiegel und von diesem in das dem

Okularspiegel gegenübergestellte Beobachterauge O gelenkt. Bei

parallelen Spiegelflächen sind Eingangsstrahl (in den

Objektivspiegel) und Ausgangsstrahl (aus dem Okularspiegel ins

Auge) ebenfalls parallel, der Winkel beider Strahlen gleich Null,

d. h. man sieht durch den Glasteil des Okularspiegels das Objekt B

im Original und darunter im Spiegelteil desselben Spiegels dasselbe

Objekt im Bild. Sind die Spiegelflächen divergierend gestellt,

so bilden Ein- und Ausgangsstrahl einen doppelt so großen

Winkel als die beiden Spiegel. Man kann, auf diesem Satz

fußend, also den Winkel AOB messen, welchen die Sehstrahlen

des Auges O direkt über den Okularspiegel nach einem Objekt A

mit dem eingespiegelten Objekt B bilden (wobei das Instrument

selbst im Vergleich zu der Länge der Absehlinien im Feld als

unendlich klein, gleich einem Punkt O gedacht werden kann, d. h.

die Parallaxe des Instruments fällt weg). Es kommt also darauf

an, den Divergenzwinkel beider Spiegel oder, wenn einer davon

feststeht, den Achsendrehungswinkel des andern zu kennen; dies

geschieht mittels eines an der Achse befestigten Radius (Alhidade),

der an einem Gradbogen der Grundfläche des Instruments entlang

geführt wird.

1) Unvollkommene S. Beide Spiegel stehen in Kapsel fest, so

daß ? AOB nur = 1 Rechten ist, so haben wir den a)

einfachen Winkelspiegel oder Spiegelwinkel; zum Absehen und

Abstecken rechter Winkel (z. B. Ordinatenabsteckung von einer

Grundlinie aus); b) Spiegelrichtmaß (équerre à

miroir): Mehrere Spiegel sind so vereinigt, daß man 15°,

30, 45, 60, 90° absehen kann. Das Instrument muß dicht

ans Auge gehalten werden, ohne es zu drehen, und ist zu beobachten,

ob die Objektpunkte A und B genau im Okularspiegel senkrecht

untereinander erscheinen A (Original)/B (im Spiegelbild). [A

über B]

2) Vollkommene S. a) Ist der auf dem "Körper" angebrachte

Gradbogen ein Sechstelkreis, so haben wir den Spiegelsextanten (s.

d.), analog den Spiegelquadranten, -Oktanten, und bei Vollkreisen

den Spiegelkreis. b) Ist mit der die Objektivspiegeldrehung

anzeigenden Alhidade mittels mechanischer Konstruktion ein Lineal

so verbunden, daß man im stande ist, unmittelbar nach der

Messung mit dem so geöffneten Instrument den gemessenen Winkel

auch graphisch aufzutragen, so haben wir den Reflektor;

verschiedene Konstruktionen sind: der Douglassche, besser der

Hornersche Reflektor, doch beide nur zum Krokieren geeignet. c) Ist

nur für graphische Auftragung gesorgt, während der

Gradbogen zum Ablesen wegfällt, so erscheint der graphische

Spiegelwinkel. Sollen mit diesen Instrumenten nicht nur

Horizontalwinkel, sondern auch Vertikalwinkel gemessen werden, so

muß die eine Absehlinie entweder in eine natürliche

Horizontfläche (Wasserspiegel) gelegt, oder ein

künstlicher Horizont (Quecksilber) zur Kontrolle des

wagerechten Winkelschenkels geschafft werden (z. B. bei den

Polhöhemessungen, zur Ermittelung der geographischen Breite,

oder bei Höhenmessungen). Vielfache Mängel der Spiegel

haben dazu geführt, auch gut geschliffene Glasprismen, welche

eine totale Reflexion hervorbringen, statt der Spiegel zu verwenden

(Prismeninstrumente). Dazu gehören: der Prismenkreis von

Pistor, der jetzt viel statt des Sextanten verwendet wird, das

Winkelprisma von Ertel, das Prismenkreuz von Bauernfeind.

Spiegelkreis, s. Prismenkreis und Spiegelinstrumente.

Spiegelmetall, Kupferzinnlegierungen (Bronze), welche

sich durch weiße Farbe, Härte und höchste

Politurfähigkeit auszeichnen. Ein altrömisches S.

enthielt 71-72 Kupfer, 18-19 Zinn, 4-4,5 Antimon und Blei, ein

chinesischer Metallspiegel 80,8 Kupfer, 9,1 Blei, 8,4 Antimon. Ein

S. von unübertrefflich weißer Farbe erhält man aus

gleichen Teilen Platin und Stahl, ein andres platinhaltiges S.

besteht aus 350 Kupfer, 165 Zinn, 20 Zink, 10 Arsen, 60 Platin.

Vgl. Bronze, S. 460.

Spiegelrichtmaß, s. Spiegelinstrumente.

Spiegelrinde, Eichenrinde, die noch nicht mit Borke

bedeckt ist.

Spiegelsextant, Instrument zu Höhen- und

Distanzmessungen, besteht aus einem Kreissektor von etwas über

60°, um dessen Mittelpunkt sich eine Alhidade dreht. Diese

trägt an dem einen Ende über dem Mittelpunkt des

Kreissektors einen Spiegel, welcher senkrecht auf der Ebene des

Sektors steht. Ein andrer, kleinerer Spiegel steht gleichfalls

senkrecht auf der Ebene des Sektors und ist zugleich so an dem

Sextanten befestigt, daß er mit dem großen Spiegel

parallel steht, wenn die Alhidade auf den Nullpunkt der Teilung

weist. Die obere Hälfte des letztern Spiegels ist nicht mit

Amalgam belegt, so daß ein Lichtstrahl von einem entfernten

Objekt durch den Spiegel unmittelbar in das Auge des Beobachters

oder in das gewöhnlich dabei angebrachte kleine Fernrohr,

statt dessen für nahe Gegenstände eine bloße

Röhre ohne Gläser gebraucht wird, gelangt. Will man den

Winkelabstand zweier Objekte messen, so visiert man mit dem

Fernrohr durch den zweiten Spiegel nach dem einen Objekt und bringt

durch Drehung der Alhidade das Spiegelbild des andern Objekts in

dem ersten Spiegel auf den zweiten, bis beide Objekte in derselben

Richtung stehen. Sobald sie sich im Fernrohr decken, ist der

Winkel, welchen beide Spiegel miteinander machen, oder der Bogen,

welchen die Alhidade durchlaufen hat, gleich der Hälfte des

gesuchten Winkels, den beide Gegenstände im Auge des

Beobachters machen. Der Bequemlichkeit halber ist aber der Umfang

des Spiegelsextanten in halbe Grade geteilt, welche für ganze

Grade gerechnet werden. Die erste Idee zu diesem dem Seefahrer

unentbehrlichen Instrument verdankt man Newton; Hadley aber brachte

den ersten Spiegelsextanten wirklich zu stande, daher er auch als

dessen Erfinder gilt. Praktisch ist der durch Breithaupt

verbesserte englische Dosensextant. Eine Verbesserung des

Spiegelsextanten ist der Reflexionskreis, welcher statt des

Kreissektors einen ganzen Kreis von 15-25 cm Durchmesser und statt

des zweiten Spiegels ein Prisma enthält. Bei Steinheils

Prismenkreis sind beide Spiegel durch Prismen ersetzt. Auf

demselben Prinzip beruhen der veraltende katoptrische Zirkel und

die Reflektoren (s. Spiegelinstrumente).

Spiegelteleskop, s. v. w. katoptrisches Fernrohr. s.

Fernrohr, S. 151.

Spiegelung, regelmäßige Zurückwerfung

(Reflexion) des Lichts. Fällt ein Lichtstrahl fn (Fig. 1) auf

einen Spiegel s s' (so nennt man jede glatte Fläche), so wird

ein Teil desselben in ganz bestimmter Richtung n d von der

Fläche in den vor ihr befindlichen Raum zurückgeworfen.

Um die Richtungen des einfallenden (fn) und des

zurückgeworfenen Strahls (nd) bequem zu bezeichnen, denkt man

sich auf der spiegelnden Fläche in dem Punkt n, wo der

einfallende Strahl dieselbe trifft, eine Senkrechte, das

Einfallslot, errichtet. Die durch den einfallenden Strahl und das

Einfallslot gelegte Ebene (die Ebene der

139

Spiegelung.

Zeichnung), welche senkrecht steht auf der spiegelnden

Fläche, heißt die Einfallsebene; sie wird, weil sie

stets auch den zurückgeworfenen Strahl enthält, auch

Zurückwerfungs- oder Reflexionsebene genannt. Die Richtungen

des einfallenden und des zurückgeworfenen Strahles werden

bestimmt durch den Einfallswinkel (Inzidenzwinkel) i und den

Zurückwerfungswinkel (Reflexionswinkel) r, welche jeder dieser

Strahlen mit dem Einfallslot bildet. Der Zurückwerfungswinkel

ist stets dem Einfallswinkel gleich. Ein auf einen Spiegel

senkrecht auffallender Strahl (p n) wird in sich selbst (nach n p)

zurückgeworfen.

Aus diesem Gesetz folgt unmittelbar, daß alle Strahlen

(lr, lr'... Fig. 2), welche, von einem hellen Punkt l ausgehend,

auf einen ebenen Spiegel (Planspiegel) treffen, von demselben so

zurückgeworfen werden (rs, r's'...), als kämen sie von

einem Punkt l', welcher auf der von dem Lichtpunkt aus auf den

Spiegel gezogenen Senkrechten lpl' ebenso weit hinter der

spiegelnden Ebene liegt, wie der Lichtpunkt l vor derselben. Ein

Auge, das sich vor dem Spiegel (z. B. in s'') befindet,

empfängt daher die zurückgeworfenen Strahlen gerade so,

als ob der Punkt l', von dem sie auszugehen scheinen, selbst ein

heller Punkt wäre; es sieht in (d. h. hinter) dem Spiegel in

der Richtung s''l' den Punkt l' als Bild des vor dem Spiegel

befindlichen Punktes l. Jedem Punkt eines leuchtenden oder

beleuchteten Gegenstandes entspricht in derselben Weise ein

Bildpunkt hinter dem Spiegel, und aus der Gesamtheit aller

Bildpunkte entsteht das Spiegelbild des Gegenstandes, welches

diesen mit einer Treue nachahmt, die sprichwörtlich geworden

ist. Um dieses Bild im Geist (oder in einer Zeichnung) zu

entwerfen, denke man sich von jedem Punkte des Gegenstandes eine

Senkrechte auf die Spiegelebene gezogen und hinter derselben um

ebensoviel verlängert, als jener Punkt vor ihr liegt. Wir

sehen daher, wenn wir in einen Spiegel blicken, unser eignes Bild,

getreu in Größe, Gestalt und Farbe, ebenso weit hinter

dem Spiegel, als wir selbst vor demselben stehen; aber völlig

gleich ist das Spiegelbild seinem Original doch nicht; denn

könnten wir die Person, welche aus dem Spiegel herausschaut,

hinter demselben hervortreten lassen, so würden wir bemerken,

daß sie unsre rechte Hand an ihrer linken Seite hat, und

daß überhaupt unsre rechte Seite ihre linke Seite ist,

und umgekehrt. Ebenso werden die Buchstaben in dem Spiegelbild

eines Buches von rechts nach links gehen und nicht von links nach

rechts wie in dem Buch selbst.

Da die zurückgeworfenen Strahlen von dem Bild hinter einem

Spiegel gerade so ausgehen wie von einem wirklich dort befindlichen

Gegenstand, so kann jedes Spiegelbild einem zweiten Spiegel

gegenüber wieder die Rolle eines Gegenstandes spielen; bei

Anwendung zweier Spiegel, deren spiegelnde Flächen einander

zugewendet sind, entstehen daher außer den beiden

unmittelbaren Spiegelbildern (erster Ordnung) noch solche zweiter,

dritter und höherer Ordnung, welche aber wegen der

Lichtverluste bei den wiederholten Zurückwerfungen immer

lichtschwächer werden. Bringt man z. B. eine brennende Kerze

zwischen zwei einander parallel gegenüberhängende

Spiegel, so erblickt man in jedem eine unabsehbare Reihe von

Kerzenflammen, welche sich in unendlicher Ferne zu verlieren

scheint. Die Zahl der Bilder wird eine begrenzte, wenn die beiden

Spiegel einen Winkel miteinander bilden (Winkelspiegel, Fig. 3).

Die Spiegel MO und RN liefern von dem zwischen ihnen befindlichen

Gegenstand A die Bilder erster Ordnung B und B1. Indem das Bild B

hinter dem ersten Spiegel seine Strahlen dem zweiten Spiegel

zusendet, entwirft dieser ein Bild zweiter Ordnung C1 und ebenso

der erste Spiegel ein Bild C des Bildes B1. Damit ist aber für

den in der Zeichnung angenommenen Winkel von 72° die Anzahl der

Bilder erschöpft. Ein zwischen die Spiegel blickendes Auge O

sieht die Bilder nebst dem Gegenstand auf einem um den

Kreuzungspunkt der beiden Spiegel beschriebenen Kreis

regelmäßig angeordnet, und zwar trifft auf jeden

Winkelraum, welcher dem Winkel der beiden Spiegel gleich ist, je

ein Bild. Das Auge O sieht daher den Gegenstand so vielmal, als

dieser Winkel in dem ganzen Umfang enthalten ist. Auf die

regelmäßige Anordnung der Bilder der Winkelspiegel

gründet sich die anmutige Wirkung des Kaleidoskops (s.

d.).

Eine kugelförmig gekrümmte Schale, welche auf ihrer

Innenseite glatt poliert ist, bildet einen Hohlspiegel

(Konkavspiegel). Der Mittelpunkt der Hohlkugel, von welcher die

Schale ein Abschnitt ist, heißt der Krümmungsmittelpunkt

oder geometrische Mittelpunkt und jede durch ihn gezogene gerade

Linie eine Achse desselben; unter ihnen wird diejenige, welche die

Schale in ihrem mittelsten tiefsten Punkte (dem optischen

Mittelpunkt des Spiegels) trifft, als Hauptachse bezeichnet. Jeder

längs einer Achse sich fortpflanzende Strahl (Achsenstrahl)

trifft senkrecht auf den Spiegel und wird daher in sich selbst

zurückgeworfen. Läßt man ein Bündel paralleler

Sonnenstrahlen (Fig. 4) auf einen Hohlspiegel fallen, so werden

dieselben in Form eines Lichtkegels zurück-

[Fig. 1. Zurückwerfung des Lichts.]

[Fig. 2. Entstehung des Bildpunktes bei einem ebenen

Spiegel.]

[Fig. 3. Winkelspiegel.]

140

Spiegelung.

geworfen, dessen Spitze F vor dem Spiegel auf der mit den

einfallenden Strahlen parallelen Achse liegt. Dieser Punkt F, durch

welchen sämtliche auf den Spiegel parallel mit der Achse

treffende Strahlen hindurchgehen, heißt der zu dieser Achse

gehörige Brennpunkt. Auf einem Papierblättchen, welches

man an seine Stelle bringt, erscheint er als weißer Fleck von

blendender Helligkeit, bis das Papier unter der kräftigen

Wärmewirknng der vereinigten Strahlen Feuer fängt und

dadurch zeigt, daß der Name "Brennpunkt" ein wohlverdienter

ist. Wegen dieser Wirkung nennt man den Hohlspiegel auch

Brennspiegel. Der Brennpunkt liegt auf jeder Achse gerade in der

Mitte zwischen dem Spiegel und dessen Krümmungsmittelpunkt,

oder die Brennweite ist die Hälfte des Kugelhalbmessers.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 39 / 302 段