Um das spezifische Gewicht eines Gases zu bestimmen, wird ein

Glasballon von 8-10 Lit. Inhalt, dessen Hals mittels einer

Messingfassung, die durch einen Hahn verschließbar ist, auf

die Luftpumpe geschraubt werden kann, möglichst luftleer

gepumpt und nun gewogen. Alsdann füllt man ihn bei 0° mit

dem trocknen Gas und wägt ihn nochmals. Der Unterschied der

beiden Gewichte ist das Gewicht des Gases bei 0° und dem gerade

herrschenden Barometerstand und braucht nur durch das zuvor genau

ermittelte Volumen des Ballons dividiert zu werden, um das

spezifische Gewicht des Gases für diesen Druck zu liefern. Mit

Hilfe des Mariotteschen Gesetzes kann daraus leicht das spezifische

Gewicht bei dem Normalbarometerstand von 760 mm gefunden werden.

Überhaupt müssen bei der Bestimmung des spezifischen

Gewichts der Gase Temperatur, Druck und andre Umstände

sorgfältige Berücksichtigung finden. Um die Korrektion

wegen des Gewichtsverlustes, welchen der Ballon durch die umgebende

atmosphärische Luft erleidet, zu umgehen, hing Regnault an den

andern Wagebalken einen ganz gleichen Glasballon, dessen

äußeres Volumen dem des ersten vollkommen gleich gemacht

war. Da die spezifischen Gewichte der Gase, auf Wasser bezogen,

durch sehr kleine Zahlen ausgedrückt sind, so nimmt man

für sie gewöhnlich die Luft als Einheit. Ein sehr

sinnreiches Verfahren zur Bestimmung der spezifischen Gewichte der

Gase wurde von Bunsen auf den Satz gegründet, daß die

Ausströmungsgeschwindigkeit der Gase den Quadratwurzeln aus

ihren spezifischen Gewichten umgekehrt proportional sind, oder, was

dasselbe ist, daß ihre spezifischen Gewichte sich verhalten

wie die Quadrate der Ausströmungszeiten gleicher Volumina. Das

Gas befindet sich in der Glasröhre A A (Fig. 5), die sich oben

in ein Röhrchen B verengert, in welches bei v ein dünnes

Platinplättchen mit einer feinen Öffnung eingeschmolzen

ist, aus der nach Wegnahme des Stöpsels s das Gas

ausströmt. Die Röhre A A wird, während der

Stöpsel aufgesetzt ist, so tief in das Quecksilber des

Standgefäßes C C hinabgedrückt, daß die

Spitze r des gläsernen Schwimmers D D genau im Niveau des

Quecksilbers erscheint. Wird nun der Stöpsel weggenommen, so

beginnt das Gas auszuströmen, und man braucht nun nur die Zeit

zu beobachten, welche von der Wegnahme des Stöpsels an

vergeht, bis die am Schwimmer angebrachte Marke t das

Quecksilberniveau erreicht hat. Hat man z. B. auf diese Weise

gefunden, daß gleiche Raumteile von atmosphärischer Luft

und von Knallgas bez. 117,6 und 75,6 Sekunden zum Ausströmen

gebrauchen, so ist das spezifische Gewicht des Knallgases, auf Luft

bezogen, = 75,6² : 117,6² = 0,413.

Über die Bestimmung des spezifischen Gewichts der

Dämpfe s. Dampfdichte.

[Fig. 5. Bunsens Apparat zur Bestimmung des spezifischen

Gewichts der Gase.]

Spezifische Wärme (Wärmekapazität), die

Wärmemenge, welche 1 kg eines Körpers bedarf, um sich um

1° C. zu erwärmen. Gleiche Massen verschiedener Stoffe

erfordern für die gleiche Temperaturerhöhung einen sehr

ungleichen Aufwand von Wärme. Will man z. B. 1 kg Wasser und 1

kg Quecksilber von 0° auf 100° erwärmen, so bemerkt

man leicht, daß bei gleicher Wärmezufuhr das Quecksilber

viel rascher die gewünschte Temperatur erreicht als das

Wasser. Ja sogar, wenn man von beiden Flüssigkeiten je 1 Lit.

nimmt, also dem Gewicht nach 13,6mal soviel Quecksilber als Wasser,

wird man bei jenem mit einer Heizflamme das Ziel schneller

erreichen als bei diesem mit zwei ebensolchen Flammen. Erkaltet ein

warmer Körper wieder auf seine ursprüngliche Temperatur,

so gibt er die Wärmemenge, welche er vorher zu seiner

Erwärmung verbraucht hatte, an seine Umgebung wieder ab; man

wird daher, indem man diese Wärmeabgabe beobachtet, zugleich

den zur Erwärmung nötigen Wärmebedarf kennen lernen;

alle Verfahrungsarten zur Ermittelung der "spezifischen Wärme"

der Körper beruhen in der That aus der Bestimmung der beim

Erkalten abgegebenen Wärmemenge. Erwärmen wir drei gleich

schwere Kugeln von Kupfer, Zinn und Blei in siedendem Wasser auf

100° u. bringen sie rasch auf eine Wachsscheibe, so fällt

die Kupferkugel sehr bald durch das Loch, das sie aufgeschmolzen

hat, die Zinnkugel dringt tief in die Scheibe ein, während die

Bleikugel nur ganz wenig einsinkt. Es ist hierdurch

augenfällig, daß das Kupfer die größte

Wärmemenge abgegeben hat und demnach unter diesen Metallen die

größte s. W. besitzt, das Zinn eine mittlere, das Blei

die kleinste. Genaueres über das Verhältnis der

spezifischen Wärmen dieser Körper erfahren wir jedoch

durch diesen Versuch nicht; hierzu wäre es notwendig, die

abgegebenen Wärmemengen wirklich zu messen, d. h. in

"Wärmeeinheiten "auszudrücken. Als Einheit der

Wärmemenge oder Wärmeeinheit hat man diejenige

Wärmemenge festgesetzt, welche erforderlich ist, um 1 kg

Wasser um 1° C. zu erwärmen, oder, was dasselbe ist, man

hat die s. W. des Wasser = 1 angenommen. Vorrichtungen zur Messung

von Wärmemengen nennt man Kalorimeter. Um die s. W. eines

Körpers nach dem Schmelzverfahren zu bestimmen, kann das

Eiskalorimeter von Lavoisier und Laplace (Fig. 1) dienen. Dasselbe

besteht aus drei sich der Reihe nach umhüllenden

Blechgefäßen, von denen das innerste c siebartig

durchlöchert ist oder auch nur aus einem Drahtkorb besteht.

Der Zwischenraum a a zwischen dem äußersten und mittlern

Gefäß sowie der hohle Deckel des letztern

[Fig. 1 Eiskalorimeter von Lavoisier und Laplace.]

133

Spezifische Wärme.

werden mit Eisstücken gefüllt, die dazu dienen, die

Wärme der äußern Umgebung von dem Raum b b zwischen

dem mittlern und innersten Gefäß, der ebenfalls mit

Eisstücken gefüllt ist, abzuhalten; das in dem Raum a a

durch die äußere Wärme erzeugte Schmelzwasser

fließt durch den Hahn d ab. Bringt man nun einen Körper

von bekanntem Gewicht und bekannter Temperatur (z. B. eine in den

Dämpfen siedenden Wassers auf 100° erhitzte eiserne Kugel)

in das innerste Gefäß, so wird derselbe, indem er von

dieser Temperatur auf 0° erkaltet, eine gewisse Menge Eis

schmelzen, welche man durch Wägung des durch den Hahn e

abgelaufenen Schmelzwassers ermittelt. Da man nun weiß,

daß zur Schmelzung von 1 kg Eis 80 Wärmeeinheiten

erfordert werden (s. Schmelzen), so kann man leicht die

Wärmemenge berechnen, welche jener Körper bei seinem

Erkalten abgegeben hat, und erfährt sonach auch die

Wärmemenge, welche derselbe für 1 kg und für 1°

C. enthielt, d. h. seine s. W. Das weit genauere Eiskalorimeter von

Bunsen gründet sich auf die Thatsache, daß beim

Schmelzen des Eises eine Zusammenziehung stattfindet, indem das

entstandene Schmelzwasser einen kleinern Raum einnimmt als das Eis

(s. Ausdehnung). In das weitere Glasgefäß W (Fig. 2),

welches sich unten in das umgebogene und wieder aufsteigende

Glasrohr Q Q fortsetzt, ist das Probierröhrchen w

eingeschmolzen; das Gefäß W wird mit luftfreiem Wasser

gefüllt, welches durch das im untern Teil von W und in der

Röhre befindliche Quecksilber Q Q abgesperrt ist. Indem man

tief erkalteten Weingeist durch das Proberöhrchen strömen

läßt, umkleidet sich dasselbe mit einer Eishülle E.

Wirft man nun einen auf bekannte Temperatur erwärmten

Körper in das Proberöhrchen, welches etwas Wasser von

0° enthält, so wird etwas Eis geschmolzen, infolge der

eintretenden Raumverminderung tritt mehr Quecksilber in das

Gefäß W, und in dem engen Glasröhrchen q, welches

mittels eines Korks in das Rohr Q eingesetzt ist, zieht sich der

Quecksilberfaden zurück; aus der Größe seiner

Verschiebung ergibt sich die Menge des entstandenen Schmelzwassers

und demnach auch die von dem Körper an das Eis abgegebene

Wärmemenge.

Vermischt man 1 kg Wasser von 10° mit 1 kg Wasser von

50°, so zeigt die Mischung, wenn alle Wärmeverluste

vermieden wurden, die mittlere Temperatur von 30°. Das eine

Kilogramm Wasser gab nämlich, indem es von 50° auf 30°

erkaltete, die 20 Wärmeeinheiten ab, welche notwendig waren,

um das andre Kilogramm Wasser von 10° auf 30° zu

erwärmen. Mischt man dagegen 1 kg Wasser von 10° mit 1 kg

Terpentinöl von 60°, so zeigt das Gemisch nur etwa

24°. Um die 14 Wärmeeinheiten zu liefern, welche zur

Erwärmung des einen Kilogramms Wasser von 10° auf 24°

erforderlich waren, mußte also das Kilogramm Terpentinöl

um 36° erkalten; umgekehrt werden diese 14 Wärmeeinheiten

auch wieder hinreichen, um 1 kg Terpentinöl um 36° zu

erwärmen. Zur Erwärmung von 1 kg Terpentinöl um

1° sind daher 14/36 oder 0,4 Wärmeeinheiten erforderlich,

oder 0,4 ist die s. W. des Terpentinöls. Um dieses

Mischungsverfahren mit der erforderlichen Genauigkeit

auszuführen, bediente sich Regnault der in Fig. 3 gebildeten

Vorrichtung. Der obere Teil wird von drei einander umhüllenden

Blechcylindern gebildet, deren innerster A oben durch einen Kork,

in welchem ein Thermometer steckt, unten durch einen leicht

abnehmbaren Blechdeckel verschlossen ist. In der Mitte von A

hängt an einem durch den Kork gehenden Faden ein

ringförmiges Drahtkörbchen, welches den zu untersuchenden

Körper, entweder in Stücken oder in dünnwandige

Glasröhrchen eingeschmolzen, aufnimmt und in seiner innern

Höhlung das Gefäß des Thermometers

einschließt. In den Raum B wird aus einem seitlich

aufgestellten Dampfkessel durch die Röhre a Wasserdampf

eingeleitet, welcher den Körper auf 100° erwärmt und

durch die Röhre c wieder abströmt. Ist diese Temperatur

erreicht, so wird nach Wegnahme des untern Deckels das

Drahtkörbchen in das mit einer gewogenen Wassermenge

gefüllte Wasserkalorimeter D herabgelassen und die

Mischungstemperatur beobachtet, woraus sich die von dem Körper

an das Wasser abgegebene Wärmemenge und sonach auch seine s.

W. leicht ableiten läßt. Durch einen mit kaltem Wasser d

d angefüllten Blechmantel ist das Kalorimeter D vor

Erwärmung von dem Dampfkessel oder dem Dampfraum B B her

geschützt.

Ein drittes Verfahren zur Bestimmung der spezifischen

Wärme, das besonders von Dulong und Petit angewendete

Abkühlungsverfahren, gründet sich auf den Satz, daß

ein erwärmter Körper im luftleeren Raum, wo er nur durch

Wärmestrahlung sich abkühlen kann, unter sonst gleichen

äußern Umständen um so langsamer erkaltet, eine je

größere Wärmemenge er enthält; bei gleicher

Temperaturerniedrigung verhalten sich hiernach die von

verschie-

[Fig 2. Eiskalorimeter von Bunsen.]

[Fig. 3. Wasserkalorimeter von Regnault.]

134

Spezifizieren - Sphaerococcus.

denen Körpern abgegebenen Wärmemengen wie die

Abkühlungszeiten.

Die spezifischen Wärmen der Körper nehmen mit

höherer Temperatur zu, indem sie sich einem festen Endwert

nähern; zwischen 0° und 100° ist indessen die

Änderung so gering, daß man die s. W. innerhalb dieser

Grenzen als unveränderlich betrachten kann.

Die spezifischen Wärmen einiger Grundstoffe sind:

Aluminium 0,214

Schwefel 0,203

Eisen 0,114

Kupfer 0,095

Zink 0,095

Silber 0,057

Zinn 0,056

Jod 0,054

Antimon 0,051

Quecksilber 0,033

Platin 0,032

Blei 0,031

und diejenigen einiger Flüssigkeiten:

Alkohol 0,566

Glycerin 0,555

Benzin 0,392

Chloroform 0,233

Die s. W. des Eises ist 0,505.

Dulong und Petit entdeckten das wichtige Gesetz, daß die

spezifischen Wärmen der festen chemischen Elemente

(Grundstoffe) sich umgekehrt verhalten wie ihre Atomgewichte, so

daß das Produkt aus Atomgewicht und spezifischer Wärme

für alle diese Körper unveränderlich das

nämliche und zwar nahezu gleich 6 ist. Das Dulong-Petitsche

Gesetz läßt sich sonach auch folgendermaßen

aussprechen: die durch die Atomgewichte ausgedrückten Mengen

der festen Elemente bedürfen zu gleicher

Temperaturerhöhung gleich großer Wärmemengen, oder:

die Atomwärmen der Grundstoffe sind gleich. Neumann wies

ferner nach, daß auch die spezifischen Wärmen chemischer

Verbindungen von ähnlicher Zusammensetzung im umgekehrten

Verhältnis der Atomgewichte stehen, und Kopp stellte den Satz

auf, daß die Molekularwärme einer chemischen Verbindung

gleich der Summe der Atomwärmen ihrer Elemente sei (vgl.

Wärme).

Die luftförmigen Körper bedürfen zur

Erwärmung gleicher Raumteile auch gleicher Wärmemengen;

und da nach dem Gesetz von Avogadro alle Gase bei gleichem Druck

und gleicher Temperatur in gleichen Raumteilen gleich viele

Moleküle enthalten, so folgt, daß alle Gase gleiche

Molekularwärme haben. Eine gegebene Gewichtsmenge eines Gases

verbraucht bei gleicher Temperaturerhöhung eine

größere Wärmemenge, wenn sie bei gleichbleibendem

Druck sich ausdehnt, als wenn sie unter Steigerung des Drucks ihren

Rauminhalt unverändert beibehält, d. h. die s. W. bei

konstantem (unverändertem) Druck ist größer als

diejenige bei konstantem Volumen; für atmosphärische Luft

beträgt jene 0,2377, diese 0,1686. Für alle Gase ist das

Verhältnis der spezifischen Wärme bei konstantem Druck zu

derjenigen bei konstantem Volumen das gleiche, nämlich = 1,41

(vgl. Wärme).

Spezifizieren (lat.), im einzelnen angeben.

Speziös (lat.), in die Augen fallend, von

schöner Erscheinung; auch s. v. w. durch den Schein

täuschend, scheinbar.

Spezzia, Insel, s. Spetsä.

Sphacelarieen, Familie der Algen aus der Ordnung der

Fukoideen; s. Algen (11), S. 345.

Sphacelia, s. Mutterkorn.

Sphacelus, feuchter Brand, s. Brand, S. 313.

Sphagnaceen, Ordnung der Moose (s. d., S. 791).

Sphagnum Ehrh. (Torfmoos), Moosgattung aus der Ordnung

der Sphagnaceen, charakterisiert durch aufrechte, cylindrische,

beblätterte Stengel mit zweierlei Zweigen: gerade abwärts

gerichteten, dem Stengel dicht anliegenden und schief abstehenden

oder aufrechten, an der Spitze des Stengels schopfartig

gehäuften. Die weiblichen Blüten stehen endständig

auf aufrechten Zweigen, die männlichen

kätzchenförmig an den Spitzen schiefer Zweige. Mit den

auch sonst ähnlichen Laubmoosen stimmt die Gattung in der mit

einem Deckel aufgehenden Büchse überein, unterscheidet

sich aber durch den Mangel der Borste und durch die an der Spitze

zerreißende, daher die Büchse anfangs scheidenartig

umgebende Haube. Die Blätter bestehen aus großen,

leeren, lufthaltigen, mit Verdickungsfasern versehenen, durch weite

Poren nach außen geöffneten Zellen, zwischen denen sehr

enge, chlorophyllhaltige Zellen liegen, daher diese Moose von

bleicher Farbe sind und vermittelst der porösen Zellen, wie

ein Schwamm, Wasser einsaugen. Es sind ansehnliche,

weißliche, bräunliche oder rötliche, in hohen,

elastisch schwammigen Polstern wachsende Moose, welche in einigen

20 Arten über die Erde verbreitet sind und zu den wichtigsten

Torfpflanzen gehören, indem sie von der Ebene bis in die

alpinen Gebirgshöhen, auf Torfsümpfen, in morastigen

Wäldern und auf feuchten Felsen gesellig in ausgedehnten

Beständen wachsen und wesentliche Erzeuger des Torfs sind. Sie

erhalten in Wäldern und Gebirgen die Feuchtigkeit des Bodens.

Die häufigsten der zwölf deutschen Arten sind das

kahnblätterige Torfmoos (S. cymbifolium Ehrh.), mit

kahnförmigen, an der Spitze kappenförmigen

Zweigblättern, und das spitzblätterige Torfmoos (S.

acutifolium Ehrh.), mit lang zugespitzten, an der Spitze gestutzten

und gezahnten, länglich-eiförmigen Blättern. Vgl.

Warnstorff, Die europäischen Torfmoose (Berl. 1881).

Sphakioten, Volksstamm, s. Kreta.

Sphakteria (jetzt Sphagia), griech. Insel im Ionischen

Meer, an der Westküste von Messenien (Bai von Pylos), 5 km

lang, schmal und felsig. Während des Peloponnesischen Kriegs

wurde S. 425 v. Chr. von 420 Spartanern besetzt, aber nach

72tägiger Verteidigung den Athenern unter Kleon

übergeben, wobei 292 Spartaner in deren Gewalt fielen.

Sphalerit, s. Zinkblende.

Sphäre (griech.), Kugel; in der Geometrie die

Kugeloberfläche (daher Sphärik, die Lehre von den Figuren

auf der Kugel); in der Astronomie s. v. w. Himmelskugel,

Weltkörper, dann Kreis, Kreisbahn (der Planeten); bildlich s.

v. w. Bereich, Geschäfts-, Wirkungskreis, Erkenntniskreis;

Lebensstellung.

Sphärenmusik, s. Harmonie der Sphären.

Sphärisch, auf der Kugel, eine Figur auf der

Oberfläche einer Kugel gelegen.

Sphärischer Exzeß, s. Kugel.

Sphärístik (griech.), Kunst des Ballspiels

(s. d.).

Sphaerococcus Grev. (Knopftang), Algengattung aus der

Familie der Florideen, mit meist dichotom verzweigtem, rundem oder

zusammengedrückt linealischem, knorpeligem oder heutigem

Thallus und eingesenkten, aber knopf- oder warzenförmig

hervorragenden Früchten (Cystokarpien), ist gegenwärtig

nach dem innern Bau der letztern in eine Anzahl Gattungen zerteilt

worden. Chondrus crispus Lyngb. (S. crispus Ag., gemeiner

Knorpeltang, Gallertmoos, Carragaheenmoos, irländisches

Perlmoos), 7-32 cm lang, 0,2-2,7 cm breit, zusammengedrückt

linealisch oder keilförmig, an den Spitzen wiederholt dichotom

geteilt und kraus, knorpelig, rot oder violett, wächst an

Steinen in den europäischen Meeren, wird vorzüglich an

den Küsten der nördlichen Länder gesammelt und

getrocknet als Carragaheen (s. d.) in den Handel gebracht. Aus

Gracilaria lichenoides Ag. (S. lichenoides Ag., Ceylonmoos), mit

7-11 cm langem, zwirnfadendickem, dichotom ästigem,

gallertigem Thallus, im Indischen Meer, auf Ceylon und Java,

bereiten die Japaner eins ihrer gewöhnlichsten

Nahrungsmittel

135

Sphäroid - Sphinx.

(Dschin-Dschen). Dasselbe gilt von den ähnlichen Arten:

Euchema spinosum Ag. (S. spinosus Ag.), E. gelatinae Ag. (S.

gelatinus Ag.) und E. speciosum Ag., in den Meeren Indiens und

Australiens, welche auch nach Europa (s. Agar-Agar) in den Handel

kommen. Auch Gracilaria lichenoides, im Indischen Meer und im

Stillen Ozean, wird gegessen.

Sphäroid (griech., "kugelähnlich"), bei den

alten Geometern der Körper, welcher durch Umdrehung einer

Ellipsenfläche um eine der beiden Achsen erzeugt wird. Ist a

die halbe Rotationsachse, b die andre Halbachse (vgl. Ellipse), so

ist das Volumen des Körpers = 3/4 a² b ^? (^? =

3,1416, vgl. Kreis), gleichgültig, ob a größer oder

kleiner als b ist. Schon Archimedes hat dies bewiesen.

Gegenwärtig nennt man den Körper (und ebenso die ihn

begrenzende Fläche) ein Rotationsellipsoid (vgl.

Ellipsoid).

Sphäroidaler Zustand, s. Leidenfrostscher

Tropfen.

Sphärolithe, die kugeligen Aggregate, welche in

vielen Gesteinen eine besondere kugelige oder sphärolithische

Struktur hervorrufen, und die man, je nachdem sie selbst

strukturlos sind oder eine radialfaserige Zusammensetzung erkennen

lassen, und je nach der Natur der gruppierten Elemente mit

verschiedenen Namen (Kumulite, Globosphärite,

Belonosphärite, Felsosphärite, Granosphärite)

belegt. Tafel "Mineralien und Gesteine" zeigt in Fig. 16 und 17

sphärolithische Struktur in körnigem und in glasigem

Gestein. Speziell nennt man S. die kugeligen, aber schon deutlich

kristallinischen Ausscheidungen in gewissen Perlsteinen (s. d.),

von den aus bloßer Glasmasse bestehenden kugeligen

Körnern der meisten Perlsteine zu unterscheiden. Gesteine,

welche fast nur aus solchen Sphärolithen zusammengesetzt sind

und beinahe gar keine glasige Zwischenmasse erkennen lassen,

heißen Sphärolithfels. Lokal und genetisch sind

dieselben mit den Pechsteinen oder den Perlsteinen eng

verknüpft.

Sphärolithischer Aphanit, s. Blatterstein.

Sphärologie (griech.), Kugellehre, Lehre von der

Kugelgestalt der Weltkörper.

Sphärometer (griech., "Kugelmesser"), Instrument zur

Bestimmung der Gestalt der Linsengläser und zur Messung der

Dicke dünner Blättchen, welche die bekannten farbigen

Erscheinungen im polarisierten Licht zeigen, besteht nach der ihm

von Cauchoix gegebenen Einrichtung im wesentlichen aus einer mit

einem Dreifuß verbundenen Mikrometerschraube, deren

kreisförmiger Kopf eine Teilung besitzt.

Sphärometrie (griech.), Kugelmessung.

Sphäropleen, Ordnung der Algen (s. d., S. 343).

Sphärosiderit, s. Spateisenstein.

Sphen, s. Titanit.

Sphendone (griech.), Schleuder; auch eine in der Mitte

breite Haarbinde der griechischen Frauen, die dergestalt um den

Kopf gebunden wurde, daß das Haar ringsum in Ringeln

herabfiel.

Sphenoide, vierflächige Kristallgestalten, Hemieder

der quadratischen oder rhombischen Pyramide; vgl. Kristall, S.

232.

Sphenophyllum, s. Lykopodiaceen, S. 6.

Sphingidae (Schwärmer), Familie aus der Ordnung der

Schmetterlinge (s. d.).

Sphinkter (griech.), Schließmuskel (s. d.).

Sphinx, Schmetterlingsgattung aus der Familie der

Schwärmer (Sphingidae oder Crepuscularia), zu welcher der

Windig, Liguster-, Kiefernschwärmer u. a. gehören.

Sphinx, Name oft kolossaler Steinbilder, gewöhnlich

aus Granit oder Porphyr, auch Kalkstein, von Löwengestalt mit

Menschenkopf, liegend auf Postament, die Vorderbeine vorwärts

gestreckt, die Hinterbeine untergeschlagen. Diese phantastischen

Gebilde stammen aus dem Orient: aus Assyrien (Palast zu Nimrud und

Portal von Chorsabad) und insbesondere aus Ägypten. Hier

standen sie meist am Eingang des Tempels, doch auch einzeln. Die

ägyptischen Sphinxbilder sind immer männlichen

Geschlechts und dienen meist zur Darstellung eines Königs,

weshalb sie die Uräusschlange vor der Stirn tragen. Die

kolossalste ist die S. bei den Pyramiden von Gizeh, aus dem Felsen

gehauen, 55 m lang, an 20 m hoch, aus der ältesten Zeit der

ägyptischen Geschichte vor Cheops stammend (s. Tafel "Baukunst

III", Fig. 1). Diese merkwürdige Bildung entsprach demselben

Hang zum Mystizismus, der auch die Götterbilder mit

Tierköpfen versah. Auch bei den Sphinxen beschränkte man

sich nicht auf Mischung der Löwengestalt mit der menschlichen,

sondern setzte auch wohl Widder- (Kriosphinxe, s. Tafel

"Bildhauerkunst I", Fig. 2) und Sperberköpfe auf. Im

allgemeinen betrachtete man die Sphinxe als die mystischen

Hüter und Schutzgeister der Tempel und Totenwohnungen. Ganze

Alleen von riesigen Sphinxen führten oft zum Eingang des

Tempels. Mannigfaltiger nach Gestalt und Bedeutung erscheinen die

Sphinxe in Griechenland, wo sie immer als weibliche Gestalten

aufgefaßt werden. Ursprünglich ein geflügelter

Löwenkörper mit Kopf und Brust einer Jungfrau (s.

Abbildung), wurden sie später von Dichtern und Künstlern

in den abenteuerlichsten Gestalten dargestellt, z. B. als Jungfrau

mit Brust, Füßen und Krallen eines Löwen, mit

Schlangenschweif, Vogelflügeln, oder vorn Löwe, hinten

Mensch, mit Geierkrallen und Adlerflügeln, und zwar nicht

immer liegend, sondern auch in andern Stellungen. Berühmt ist

die thebaische S. im böotischen Mythus, Tochter des Typhon und

der Schlange Echidna, welche jedem, der ihr nahte, das Rätsel

aufgab: Welches Geschöpf geht am Morgen auf vier

Füßen, am Mittag auf zweien, am Abend auf dreien? Wer es

nicht lösen konnte, mußte sich vom Felsen in den Abgrund

stürzen. Ödipus deutete es richtig auf den Menschen,

worauf sich die S. vom Berg herabstürzte. Von der griechischen

Kunst aus der ägyptischen und orientalischen frühzeitig

übernommen und eigentümlich (immer weiblich) umgebildet,

galt hier die S. als Sinnbild des unerbittlichen Todesgeschicks und

ward daher auf Gräbern oft dargestellt (vgl. Bachofen,

Gräbersymbolik der Alten, Bas. 1859). Auch an altchristlichen

Kirchen kommen die Sphinxe manchmal vor. Wieder angewendet wurden

sie von der Spätrenaissance, insbesondere häufig aber von

der Barockkunst, die mit denselben Eingänge zu Palästen,

Gärten u. dgl. verzierte.

[Sphinx (Berliner Museum).]

136

Sphragid - Spiegel.

Sphragid, s. Bolus.

Sphragistik (griech.), Siegelkunde, s. Siegel.

Sphragmit, s. Grauwacke.

Sphygmograph (griech., "Pulsschreiber"), Instrument, mit

Hilfe dessen sich die Pulsbewegung bleibend in Gestalt einer Kurve

darstellen läßt, an welcher man alle

Eigentümlichkeiten der Pulsbewegung genau studieren kann. Bei

allen Sphygmographen setzt die abwechselnd sich ausdehnende und

kontrahierende Arterie ein kleines Plättchen in Bewegung,

welches wiederum aus einen langen Hebelarm wirkt. Dieser Hebelarm

schreibt die Bewegung der Arterienwand in vergrößertem

Maßstab auf einen Streifen Papier, welcher durch ein Uhrwerk

in gleichmäßige Bewegung versetzt und vor der Spitze des

Hebelarms vorbeigeführt wird. Auf dem Papier bilden sich die

Pulsbewegungen in Gestalt einer je nach der Art des untersuchten

Pulses mannigfach modifizierten Wellenlinie ab. Kennt man die

Geschwindigkeit, mit welcher das Papier an der Hebelspitze

vorübergeht, so kann man die Dauer einer Pulswelle berechnen;

außerdem kann man an der Kurve das allmähliche An- und

Absteigen der Pulswellen, ihre Aufeinanderfolge etc. genau

verfolgen. Für physiologische Forschungen ist der S. ein ganz

unentbehrliches Hilfsmittel. Vgl. Dudgeon, The s., its history and

use (Lond. 1882).

Sphygmophon (griech.), ein mit galvanischer Batterie und

Telephon verbundener federnder Stromunterbrecher welcher, auf die

Arterie gesetzt, den Pulsschlag u. seine Modifikationen laut

hörbar macht.

Sphyrna, Hammerfisch.

Spiauter (Spialter, holländ.), s. v. w. Zink.

Spica (lat.), Ähre, eine Form des Blütenstandes

(s. d.); spicatus, in eine Ähre zusammengestellt.

Spiccato (ital.), deutlich gesondert (musikal.

Vortragsbezeichnung).

Spicheren, s. Speichern.

Spicilegium (lat.), Ährenlese.

Spicknadel, eine Nadel mit zweimal gespaltenem Kopf,

dient zum Einziehen von Speckstreifen in Braten (Spicken).

Spicknarden, s. Valeriana.

Spicula (lat.), s. Ährchen.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 38 / 302 段