Hierbei ist S ein Sperrrad, welches zur Sperrung mit
kreisförmigen Ausschnitten k versehen ist, während
zwischen je zwei derselben eine Zahnlücke l zur Fortbewegung
angebracht ist. In die Ausschnitte k legt sich eine genau
hineinpassende Scheibe E, die im allgemeinen am Rand glatt
bearbeitet ist und nur an einer Stelle einen Zahn mit zwei
benachbarten Lücken hat (daher der Name Einzahnrad). Das
Sperrrad wird so lange an jeder Bewegung nach rechts oder links
verhindert werden, als sich der kreisförmige Teil von E in
einem der Ausschnitte k befindet. Sobald man jedoch die Scheibe E
so dreht, daß der Zahn z mit der benachbarten (linken oder
rechten) Lücke des Rades S in Eingriff kommt, so bewegt sich S
nach rechts oder links um einen Ausschnitt herum, wird jedoch im
nächsten Augenblick durch die in den Ausschnitt eintretende
Peripherie von E wieder festgehalten. Dieses Einzahnrad findet
unter anderm Verwendung an den Federgehäusen der Federuhren
als Schutzvorrichtung gegen das übermäßige
Aufziehen, wobei zwischen zwei der Lücken l die Radperipherie
voll kreisförmig stehen gelassen ist, so daß das Rad
nach rechts und links immer nur bis zu dieser Stelle gedreht werden
kann. In etwas abgeänderter Form erscheint das Einzahnrad als
sogen. Johanniterkreuz. Hierbei wird der Zahn z durch einen zur
Ebene des Rades E senkrecht stehenden Stift ersetzt, welcher in
entsprechende Schlitze des Rades S greift.
[Fig. 2. Ruhendes Sperrgetriebe.]
Sind vier solche Schlitze vorhanden, so erhält Rad S das
Aussehen eines Johanniterkreuzes. Statt des einen Zahns z
können auch mehrere nebeneinander liegende Zähne
angebracht sein, für welche dann im Rad S eine entsprechende
Anzahl nebeneinander liegender Lücken l vorhanden sein
muß. Auf dem Prinzip des Einzahnrades beruhen die sogen.
französischen Schlösser, nur wird hier zur Sperrung nicht
die ungezahnte Peripherie von E, sondern ein besonderer Sperrzahn
(die sogen. Zuhaltung) benutzt, welcher jedesmal von dem den Zahn z
ersetzenden Schlüssel erst ausgehoben sein muß, bevor
die Bewegung von S (welches bei Schlössern in der Regel durch
einen geradlinig geführten Riegel ersetzt ist) erfolgen
kann.
Sperrgut, s. Maßgüter und Gut, S. 946.
Sperrsystem, das staatswirtschaftliche System, welches
durch Verbote, hohe Zölle etc. das Inland gegen fremde
Länder absperrt.
Sperrventil, in der Orgel eine Klappe im Hauptkanal,
welche den Zugang des Windes zum Windkasten völlig absperrt
und durch einen besondern Registergriff regiert wird.
Sperrvögel (Hiantes Brehm), Ordnung der Vögel:
Schwalben, Segler, Nachtschwalben, Schwalme.
Sperrzeug, s. Jagdzeug.
Spervogel, Dichter des 12. Jahrh., wahrscheinlich
bürgerlichen Standes und aus Oberdeutschland gebürtig.
Die Handschriften unterscheiden einen ältern und einen
jüngern S., ohne jedoch ihre Gedichte zu trennen. Letztere
bestehen in Liedern (Weihnachts- und Osterlieder), lehrhaften
Sprüchen, Fabeln etc. (hrsg. von Gradl, Prag 1869). Vgl.
Henrici, Zur Geschichte der mittelhochdeutschen Lyrik (Berl.
1876).
Spes, bei den Römern Personifikation der "Hoffnung",
besonders auf Ernte- und Kindersegen; ward dargestellt als ein
schlankes Mädchen, auf den Zehen leicht hinschwebend, in der
Rechten eine Blume, im Typus den altertümlichen Bildern der
voll gekleideten Aphrodite gleichend, zur Seite die Krähe, das
Symbol der langen Dauer. Eine inschriftlich gesicherte Statue der
S. besitzt die Villa Ludovisi in Rom.
Spesen (ital.), Auslagen, Unkosten; im engern Sinn
allerlei Nebenkosten, wie diejenigen an Abgaben, Sensarie,
Provision, Verpackung etc. Im weitern Sinn überhaupt alle
Ausgaben, welche einem Handelsgeschäft erwachsen, wie
Handlungsspesen (Ausgaben an Lohn, Miete etc.), Reisespesen; so
insbesondere auch die Auslagen und Gebühren, welche für
die Besorgung fremder Geschäfte berechnet werden, wie
namentlich die S. des Spediteurs (s. Spedition), dessen
darüber ausgestellte spezifizierte Rechnung Spesennota genannt
wird, und die sogen. Inkassospesen, welche für das
Einkassieren einer fremden Forderung in Ansatz kommen. Von
Spesennachnahme spricht man, wenn Spesen des Spediteurs nach
Herkommen oder Verabredung vom Frachtführer, der den
Weitertransport besorgt, erhoben und von diesem dann bei
Ablieferung des Gutes eingezogen werden.
Spessart (Speßhart, im Nibelungenlied Spechteshart,
"Spechtswald"), Waldgebirge im westlichen Deutschland, liegt
innerhalb des Bogens, welchen der Main von der Mündung der
Fränkischen Saale und der Sinn bei Gemünden bis zur
Mündung der Kinzig bei Hanau macht, und wird im N. durch die
Kinzig vom Vogelsberg und im NO. durch die Sinn von der Rhön
geschieden. Seine äußersten Verzweigungen erstrecken
sich bis gegen Salmünster, Schlüchtern und Brückenau
hin. Er gehört größtenteils zum bayrischen
Regierungsbezirk Unterfranken, zum Teil auch
129
Spessartin - Spezia.
zum preußischen Regierungsbezirk Kassel und erscheint als
waldiges Massengebirge mit abgerundeten, wenig über die
Gesamthöhe sich erhebenden Kuppen. Der Hauptrücken zieht
sich von Süden, Miltenberg gegenüber, 75 km lang nach N.
bis zur Quelle der Aschaff in der Gegend von Schlüchtern und
steigt zu einer Höhe von 450-600 m an. Hier sind der
Engelsberg bei Großheubach (mit Kapuzinerkloster) und der 615
m hohe Geiersberg, die höchste Erhebung des ganzen Gebirges,
nördlich vom Rohrbrunner Paß, durch welchen die
Straße von Aschaffenburg nach Würzburg führt,
während die Eisenbahn das Gebirge weiter nördlich von
Aschaffenburg ostwärts nach Gemünden durchschneidet. Die
Hauptmasse des Spessarts besteht aus Granit, Gneis und
Glimmerschiefer mit aufgelagertem roten und gefleckten Sandstein.
An den untern Abhängen bebaut, ist der S. auf den Höhen
mit prachtvollem Eichen- und Buchenwald bedeckt. Der
äußere Saum längs des Mains, namentlich im W., wird
als Vorspessart, das innere, aus dicht zusammenschließenden
Bergen bestehende Waldgebirge, welches keine breite Bergebene
aufweist, als Hochspessart, die plateauartige Absenkung gegen die
Kinzig und Kahl hin, welche auch das sogen. Orber Reisig (s. d.),
mehrere mit Eichengebüsch bedeckte Anhöhen, bis zur Stadt
Orb umfaßt, als Hinterspessart bezeichnet. Die Bewohner
beschäftigen sich viel mit Verarbeitung des Holzes, namentlich
zu Faßdauben. Der Bergbau ist nicht bedeutend. Eine Saline
ist zu Orb in Betrieb; auch gibt es mehrere Glashütten. Auf
der Scheide der nach W. und O. dem S. entfließenden
Gewässer zieht sich vom Engelsberg über den Geiersberg
bis zum Orber Reisig der uralte Eselspfad (ähnlich dem
Rennstieg im Thüringer Wald). Unter den zahlreichen
Bächen des Spessarts sind die Sinn, Lohr, Hafenlohr, Elsawa,
Aschaff, Bieber und Kahl die ansehnlichsten. Erst neuerdings ist es
dem Spessartklub gelungen, die Aufmerksamkeit der Reisenden auf die
Schönheiten dieses bisher wenig besuchten Gebirges
hinzulenken. Vgl. Behlen, Der S. (Leipz. 1823-27, 3 Bde.); Schober,
Führer durch den S. etc. (Aschaffenb. 1888); Herrlein, Sagen
des S. (2. Aufl., das. 1885): Welzbacher, Spezialkarte vom S.,
1:100,000 (5. Aufl., Frankf. 1885).
Spessartin, s. Granat.
Spetsä (Spezzia, Petsa, im Altertum Pityussa), eine
zum griech. Nomos Argolis und Korinth gehörige Insel,
östlich am Eingang des Golfs von Nauplia, 17 qkm (0,30 QM.)
groß, mit steinigem, wenig fruchtbarem Boden und (1879) 6899
Einw. Auf der Nordostküste liegt der gleichnamige Hauptort,
mit guter Reede, einer Marineschule und (1879) 6495 Einw.
Südlich von S. die unbewohnte Insel Spetsopulon (2 qkm), wo
die Venezianer 1263 über die Griechen siegten.
Speusippos, griech. Philosoph, Schwestersohn des Platon,
geboren zwischen 395 und 393 v. Chr., trat nach Platens Tod (347)
an dessen Stelle in der Akademie, zog sich aber nach acht Jahren
wieder zurück und machte seinem Leben freiwillig ein Ende
(jedenfalls vor 334). In seiner Lehre sich im ganzen eng an Platon
anschließend, soll er nur darin von ihm abgewichen sein,
daß er zwei Kriterien der Wahrheit, eins für das
Denkbare und eins für das sinnlich Wahrnehmbare, aufstellte.
Seine zahlreichen Schriften sind sämtlich verloren gegangen.
Vgl. Fischer, De Speusippi Atheniensis vita (Rastatt 1845);
Ravaisson, Speusippi placita (Par. 1838).
Spey (spr. speh), Fluß in Schottland, entspringt
auf dem Grampiangebirge in der Landschaft Badenoch, fließt
durch ein wildromantisches Thal und mündet bei Garmouth in die
Nordsee. Er ist 154 km lang, wird aber erst kurz vor seiner
Mündung schiffbar.
Speyer, Stadt, s. Speier.
Spezereien (ital. spezierie, franz. épiceries),
Gewürzwaren, würzige, wohlriechende Pflanzenstoffe.
Spezia, Kreishauptstadt in der ital. Provinz Genua, im
Hintergrund des tiefen Golfs von S., Station der Eisenbahn
Genua-Pisa, ist der seit 1861 im Bau begriffene große
Kriegshafen Italiens an herrlicher Bucht, welche die ganze
italienische Flotte aufnehmen kann, und deren Höhen nebst der
am Eingang liegenden Insel Palmaria mit starken Forts besetzt sind.
Der Hafen umfaßt 4 große Docks, 2 innere Hafenbassins,
Schiffswerften und ein Arsenal. Auch befinden sich hier eine
große Eisengießerei, Kabelfabrik,
Maschinenbauwerkstätte, Bleiweiß-, Leder- und
Segeltuchfabriken u. a. Der Handelshafen ist gleichfalls
vortrefflich (1887 liefen 2585 Schiffe von 362,627 Ton. ein) und
bedarf zu seiner Belebung nur der Vollendung der in Angriff
genommenen Eisenbahn über die Apenninen nach Parma. Die Stadt
hat (1881) 19,864 Einw. Sie ist Sitz eines
Marinedepartementkommandos, eines Hafenkapitanats, mehrerer
Konsulate (darunter auch eines deutschen) und hat eine Schule
für Nautik und Schiffbau, ein Lyceum und Gymnasium und eine
technische Schule. Wegen seines milden Klimas, seiner Seebäder
und seiner herrlichen Umgebung ist S. von Fremden (auch im Winter)
viel besucht. Am Hafen befinden sich schöne Promenaden. Hier
(im Fort Varignano) wurde Garibaldi 1862 nach seiner Verwundung am
Aspromonte und 1867 nach der verunglückten Unternehmung wider
Rom eine Zeitlang gefangen gehalten. Die Umgegend liefert
treffliches Olivenöl; westlich von S., bei Vernazzo,
wächst der berühmte Wein Cinque-Terre. Östlich von
S. liegen die Ruinen der alten Stadt Luna, nach welcher der Golf im
Altertum Portus Lunae hieß.
[Situationsplan von Spezia.]
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
130
Spezial - Spezifisches Gewicht.
Spezial (lat.), das Einzelne, Besondere betreffend, meist
in Zusammensetzungen gebraucht, z. B. Spezialkarte (im Gegensatz zu
General-); als Hauptwort s. v. w. Vertrauter, Busenfreund, auch
Spezereihändler. Spezialien, Einzelheiten, besondere
Umstände.
Spezialakten, s. Generalien.
Spezialetat, s. Etat.
Spezialhandel, s. Handelsstatistik, S. 99.
Spezialinquisition, s. Strafprozeß.
Spezialisation (lat.), in der Morphologie die Ausbildung
der Organe für einen besondern, beschränktern
Wirkungskreis, um die dafür passende Arbeit in höherer
Vollkommenheit zu liefern. Im Gegensatz hierzu steht eine
allgemeinere, noch den verschiedensten Zwecken dienstbare,
ursprüngliche Organisation. Die S. prägt sich am meisten
in den Sinnesorganen, dem Gebiß und in der Bildung der
Endgliedmaßen aus. So sind die fünfgliederigen
Füße der Vierfüßer, solange Finger und Zehen
frei sind, in der Regel zu den verschiedensten Thätigkeiten
als Greif-, Schreit-, Kletterfüße etc. brauchbar; sind
dagegen die Zehen durch Flug- oder Schwimmhaut (z. B. bei
Fledermäusen und Robben) verbunden oder vermindert sich die
Zehenzahl (bei den Huftieren) auf zwei oder ein Glied, so haben wir
spezialisierte Organe, die nur noch als Flug-, Schwimm- und
Lauffüße brauchbar sind, aber diese Arbeit dafür in
höchster Vollkommenheit leisten. Vgl. Arbeitsteilung.
Spezialisieren (franz.), im einzelnen und besondern
anführen, bestimmen.
Spezialist (franz.), einer, der einem besondern Fach der
Wissenschaft sich ausschließlich widmet, z. B. ein
Spezialarzt für Halsleiden etc.
Spezialität (lat.), Einzelheit, Besonderheit;
Spezialfach eines Wissens oder einer Thätigkeit. Im Pfandrecht
versteht man unter dem Prinzip der S. den Grundsatz, wonach nur an
bestimmten einzelnen Vermögensgegenständen und nicht an
dem ganzen Vermögen einer Person ein Pfandrecht bestellt
werden kann (s. Hypothek).
Spezialmandat (Spezialvollmacht), s. Mandat.
Spezialtarife, s. Eisenbahntarife.
Spezialwaffen (Spezialtruppen), ein nicht feststehender
Begriff, durch den meist die Waffen außer Infanterie und
Kavallerie bezeichnet werden.
Speziell (lat.), s. v. w. spezial (s. d.), besonders,
einzeln, im Gegensatz zu generell und universell.
Spezies (lat. species), Erscheinungsform, Gestalt, Bild,
Schein (z. B. sub specie, unter dem Schein; sub utraque specie,
unter beiderlei Gestalt); in der Naturwissenschaft s. v. w. Art; in
der Technik und Pharmazie Bezeichnung für Waren, Gewürze,
Spezereien, besonders Mischungen aus zerschnittenen vegetabilischen
Substanzen, wie Species aromaticae, aromatische Kräuter (s.
d.), S. ad decoctum lignorum, Holztrank (s. d.), S. laxantes
St.-Germain, St.-Germainthee (s. Sennesblätter), S.
pectorales, Brustthee (s. d.); in der Arithmetik (vier S.)
Bezeichnung der vier Grundrechnungsarten: Addition, Subtraktion,
Multiplikation u. Division; auch s. v. w. Speziesthaler.
Spezieskauf, Kauf genau bestimmter einzelner
Gegenstände; s. Gattungskauf.
Speziesthaler (Spezies, harter Thaler), in mehreren
Staaten, zuletzt noch in Österreich, ausgeprägte
Silbermünze. Der österreichische S. war bis zur
Münzkonvention von 1857 die Einheit der österreichischen
Münze, = 2 Konventionsgulden = 4,20 Mark; 10
österreichische S. = 1 kölnische Mark fein Silber. Der
dänische S. = 4,551 Mark. In Norwegen ist der S. derselbe wie
in Dänemark, er wird seit 1. Jan. 1874 zu 4 Kronen à 30
Skillinge oder à 100 Öre = 400 Öre gerechnet.
Spezifikation (lat.), Aufzählung von Einzelheiten,
die ein Ganzes bilden; in der Rechtssprache die Verfertigung einer
neuen Sache aus einem vorhandenen Stoff und zwar so, daß sich
der letztere nicht wiederherstellen läßt.
Spezifisch (lat.), in der Physik Bezeichnung einer
Eigenschaft, welche einem bestimmten Stoff seiner Natur nach
zukommt, eigen ist, z. B. spezifisches Gewicht, spezifische
Wärme, spezifisches Volumen.
Spezifische Arzneimittel (Specifica), besonders wirksame
Mittel, von denen man früher annahm, daß sie die als
Einheit gedachte Krankheit bekämpften und nur auf die
erkrankten Organe wirkten, während man jetzt weiß,
daß auch diese Arzneien auf alle Gewebe Einfluß
üben und nur einzelne derselben besonders stark betreffen. Als
s. A. gelten Quecksilber gegen Syphilis, Chinin gegen Wechselfieber
etc.
Spezifische Energie, s. Sinne, S. 993.
Spezifisches Gewicht (Dichte, Dichtigkeit) eines
Körpers ist die Zahl, welche angibt, wie vielmal der
Körper schwerer ist als ein gleiches Volumen Wasser von 4°
C. Man findet demnach das spezifische Gewicht eines Körpers,
wenn man sein absolutes Gewicht durch das Gewicht eines gleichen
Volumens Wasser dividiert. Bezeichnet man mit s das spezifische
Gewicht des Körpers, mit p sein absolutes Gewicht und mit v
das absolute Gewicht eines gleich großen Raumteils Wasser, so
ist s = p/v, folglich auch v = p/s und p = v s. Wenn, wie bei dem
metrischen Maßsystem, das Gewicht der Volumeinheit Wasser zur
Gewichtseinheit gewählt ist (1 g = dem Gewicht von 1 ccm
Wasser bei 4° C.), so drückt die Zahl v, welche das
Gewicht des gleichen Wasservolumens (in Grammen) angibt, zugleich
das Volumen des Körpers (in Kubikzentimetern) aus. Wir
können daher obige Beziehungen auch wie folgt aussprechen: man
findet das spezifische Gewicht eines Körpers, wenn man sein
absolutes Gewicht durch sein Volumen dividiert; man findet sein
Volumen, indem man das absolute durch das spezifische Gewicht
dividiert; das absolute Gewicht eines Körpers ergibt sich,
wenn man sein Volumen mit seinem spezifischen Gewicht
multipliziert. Das spezifische Gewicht eines Körpers kann
demnach auch bezeichnet werden als das Gewicht der Volumeneinheit.
Um das spezifische Gewicht eines Körpers zu bestimmen, braucht
man nur nebst seinem absoluten Gewicht noch sein Volumen oder, was
dasselbe ist, das Gewicht eines gleich großen Volumens Wasser
zu ermitteln. Bei Flüssigkeiten geschieht dies mit Hilfe des
Pyknometers (Tausendgranfläschchens, Dichtigkeitsmessers),
eines 8-20 ccm fassenden Glasfläschchens (Fig.1), dessen
eingeriebener Stöpsel aus einem Stück
Thermometerröhre verfertigt ist, damit bei etwaniger
Erwärmung ein Teil der Flüssigkeit durch die feine
Öffnung austreten könne, ohne den Stöpsel zu heben
oder das Gefäß zu gefährden. Wägt man das
tarierte Fläschchen zuerst mit der Flüssigkeit, deren s.
G. bestimmt werden soll, sodann mit Wasser gefüllt, so
erfährt man das spezifische Gewicht durch Division des ersten
Gewichts durch das zweite. Auch zur Bestimmung des spezifischen
Gewichts fester Körper kann das Pyknometer gebraucht werden.
Man wägt zuerst das Fläschchen mit Wasser gefüllt,
legt den in
131
Spezifisches Gewicht.
Stückchen von Schrotgröße zerkleinerten
Körper auf die nämliche Wagschale und bestimmt sein
absolutes Gewicht. Wirft man nun die Stückchen in das
Fläschchen, so muß notwendig so viel Wasser
ausfließen, als von den hineingeworfenen Stückchen
verdrängt wird, und man erfährt nun durch eine abermalige
Wägung, wieviel ein dem Volumen der Körperstückchen
gleiches Volumen Wasser wiegt. Eine andre gleichfalls
vorzügliche Methode der Bestimmung des spezifischen Gewichts
gründet sich auf das sogen. Archimedische Prinzip, wonach
jeder in eine Flüssigkeit getauchte Körper so viel von
seinem Gewicht verliert, wie die verdrängte
Flüssigkeitsmenge wiegt. Man bedient sich hierzu der sogen.
hydrostatischen Wage (s. Hydrostatik, S.842), deren eine Wagschale
kürzer aufgehängt und unten mit einem Häkchen
versehen ist, woran man mittels eines möglichst dünnen
Drahts den zu untersuchenden Körper aufhängt, um ihn
zuerst wie gewöhnlich in der Luft und dann, nachdem er in ein
untergestelltes Gefäß mit Wasser eingetaucht ist,
nochmals im Wasser zu wägen. Die Gewichte, welche man im
letztern Fall von der ersten Wagschale wegnehmen oder auf die
kürzer aufgehängte Wagschale zulegen muß, um das
gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen, geben das Gewicht
der verdrängten Wassermenge an, mit welchem man nur in das
absolute Gewicht des Körpers zu dividieren braucht, um sein s.
G. zu erfahren. Ist der Körper in Wasser löslich, so
taucht man ihn in eine andre Flüssigkeit, in welcher er sich
nicht löst, und bestimmt seinen Gewichtsverlust; ist das
spezifische Gewicht derselben bekannt, so findet man durch eine
einfache Rechnung den Gewichtsverlust, welchen er im Wasser
erlitten haben würde. Einen Körper, welcher spezifisch
leichter ist als Wasser und daher in demselben nicht untertaucht,
verbindet man mit einem schwerern Körper, dessen
Gewichtsverlust bereits bestimmt ist. Auch das spezifische Gewicht
von Flüssigkeiten läßt sich mittels der
hydrostatischen Wage leicht finden. Man bringt nämlich einen
unter der kürzern Wagschale aufgehängten beliebigen
Körper, z. B. ein Glasstück, in der Luft durch eine auf
die andre Wagschale gelegte Tara ins Gleichgewicht und bestimmt nun
seinen Gewichtsverlust zuerst in der zu untersuchenden
Flüssigkeit und dann in Wasser; jener Verlust, durch diesen
dividiert, gibt das gesuchte spezifische Gewicht. Der
Gewichtsverlust, welchen ein und derselbe Körper in
verschiedenen Flüssigkeiten erleidet, ist dem spezifischen
Gewicht offenbar proportional. Auf diesen Satz gründet sich
die Mohrsche Wage (Fig. 2), welche das spezifische Gewicht von
Flüssigkeiten sehr rasch und bequem zu bestimmen erlaubt. An
dem einen Arm des Wagebalkens hängt mittels eines feinen
Platindrahts das Senkgläschen A, ein zugeschmolzenes, zum Teil
mit Quecksilber gefülltes oder ein kleines Thermometer
enthaltendes Glasröhrchen, welches durch die Wagschale B
gerade im Gleichgewicht gehalten wird. Die Gewichte bestehen aus
hakenförmig gebogenen Messingdrähten P, von denen zwei
jedes genau so viel wiegen, wie der Gewichtsverlust des
Senkgläschens im Wasser ausmacht, während ein drittes
1/10 P, ein viertes 1/100 P wiegt. Der Wagebalken, an welchem das
Senkgläschen hängt, ist in 10 gleiche Teile geteilt. Will
man nun das spezifische Gewicht einer Flüssigkeit bestimmen,
so bringt man dieselbe in das Standgefäß CC und taucht
das Senkgläschen in sie ein. Ist die Flüssigkeit z. B.
konzentrierte Schwefelsäure, so muß man, um das
Gleichgewicht herzustellen, das eine Gewicht P an das Ende h des
Wagebalkens, das andre Gewicht P bei 8, das Gewicht 1/10 P bei 4
und das Gewicht 1/100 P wieder bei 8 anhängen und hat hiermit
das spezifische Gewicht der Schwefelsäure = 1,848 gefunden.
Über die Bestimmung des spezifischen Gewichts durch
Aräometer, welche sich ebenfalls auf das Archimedische Prinzip
gründen, s. d. In einer zweischenkeligen Röhre
(kommunizierende Röhren) b e d (Fig.3) halten sich zwei
Flüssigkeiten das Gleichgewicht, wenn ihre von der
Trennungsschicht a c aus gerechneten Höhen a b und c d sich
umgekehrt verhalten wie ihre spezifischen Gewichte; alsdann
üben sie nämlich auf die im gleichen Niveau gelegenen
Querschnitte a und c, unterhalb welcher die Flüssigkeitsmenge
a e c für sich schon im Gleichgewicht ist, gleichen Druck aus.
Befindet sich z. B. in dem einen Schenkel und in der Biegung
Quecksilber, im andern Schenkel Wasser, so ist im Fall des
Gleichgewichts die Höhe c d der Quecksilbersäule 13,6mal
geringer als diejenige der Wassersäule a b, woraus sich die
Zahl 13,6 als s. G. des Quecksilbers ergibt. Darauf gründet
sich Musschenbroeks Aräometer (Hygroklimax), welches in der
Form, die Ham ihm gegeben hat, in Fig. 4 dargestellt ist. Zwei
Glasröhren sind oben durch eine Metallröhre, an die ein
mit einem Hahn verschließbares, nach oben gerichtetes
Röhrchen angesetzt ist, verbunden und tauchen mit ihren
offenen Enden in zwei Gläser, deren eins Wasser, das andre die
zu untersuchende Flüssigkeit enthält. Verdünnt man
durch Saugen an dem Röhrchen die innere Luft und
schließt den Hahn, so werden die Flüssigkeiten durch den
äußern Luftdruck in die Röhren gehoben, und man
kann ihre Höhen, nachdem mittels Schrauben die
Flüssigkeitsoberflächen in den Gläsern auf das
gleiche Niveau gebracht sind, an der Skala ablesen; die Höhe
der Wassersäule, durch die Höhe der andern
Flüssigkeit-
[Fig. 2. Mohrsche Wage.]
[Fig. 3. Kommunizierende Röhren.]
[Fig. 4. Musschenbroeks Aräometer.]
132
Spezifisches Gewicht - Spezifische Wärme.
säule dividiert, gibt das spezifische Gewicht der letztern.
Über die Bestimmung des spezifischen Gewichts
pulverförmiger Körper s. Stereometer.