Speranskij, Michael, Graf, russ. Staatsmann und

Publizist, geb. 1. Jan. 1772 zu Tscherkutino im Gouvernement

Wladimir, besuchte die geistliche Akademie zu Petersburg, war

1792-97 an derselben Professor der Mathematik und Physik und ward

1801 vom Kaiser Alexander I. zum Staatssekretär beim Reichsrat

ernannt. In dieser Stellung verfaßte er die wichtigsten

Staatsschriften jener Periode, organisierte 1802 das Ministerium

des Innern, sodann auch den Reichsrat neu und trat 1808 an die

Spitze der Gesetzkommission, welche ihm einen festern

Geschäftsgang verdankt. 1808 ward er Kollege des

Justizministers und Staatsrat und 1809 zum Wirklichen Geheimen Rat

ernannt, 1812 aber auf Verdächtigungen hin zuerst nach Nishnij

Nowgorod, dann nach Perm in die Verbannung geschickt. Schon 1814

ward er aber in den Staatsdienst zurückberufen und erhielt das

Gouvernement der Provinz Pensa und 1819 das Generalgouvernement von

Sibirien. Hier wirkte er besonders segensreich für das

Schicksal der Verbannten und Angesiedelten, bis er im März

1821 zum Mitglied des Reichsrats ernannt wurde. Kaiser Nikolaus

beauftragte ihn mit der Sammlung des russischen Gesetzbuchs. Dies

veranlaßte ihn zu dem gediegenen "Précis de notions

historiques sur la réformation du corps de lois russes,

etc." (Petersb. 1833). Zuletzt in den Grafenstand erhoben, starb er

23. Febr. 1839 in Petersburg. Vgl. M. Korff, Leben des Grafen S.

(St. Petersb. 1861, 2 Bde.; russisch).

Seine Tochter Elisabeth von Bagrejew-S., geb. 17. Dez. 1799 zu

Petersburg, hat sich als Schriftstellerin bekannt gemacht. Sie

folgte 1812 ihrem Vater in die Verbannung nach Nishnij Nowgorod

sowie 1819 nach Sibirien und verheiratete sich dort mit Herrn v.

Bagrejew, mit dem sie nach Petersburg zurückkehrte. Zur

Ehrendame der Kaiserin Elisabeth ernannt, wurde sie der Mittelpunkt

eines auserlesenen Kreises von Gelehrten, Künstlern und

Staatsmännern, zog sich aber nach dem Tod ihres Vaters (1839)

auf ihre Güter in der Ukraine zurück. Der Tod ihres

einzigen Sohns veranlaßte sie zu einer Pilgerfahrt nach

Jerusalem, die sie in dem Werk "Les pelerins russes" (Brüssel

1854, 2 Bde.) beschrieb. Sie starb 4. April 1857 in Wien. Sie

schrieb noch: "Méditations chrétiennes"; "La vie de

château en Ukraine"; Briefe über Kiew, kleine

Erzählungen u. a. Vgl. Duret, Un portrait russe (Leipz.

1867).

Speránza (ital.), Hoffnung (als Zuruf

üblich).

Speratus, Paul, Beförderer der Reformation und

geistlicher Liederdichter, geb. 13. Dez. 1484, aus dem

schwäbischen Geschlecht der von Spretten, studierte zu Paris

und in Italien Theologie und wirkte für Verbreitung der

Reformation in Augsburg, Würzburg, Salzburg und seit 1521 in

Wien, von wo er sich, infolge einer Predigt über die

Mönchsgelübde nicht mehr vor dem Ketzergericht sicher,

zuerst nach Ofen, dann nach Iglau begab. Hier wie dort vertrieben,

kam er 1524 nach Wittenberg, wo er Luther in seiner Sammlung

deutscher geistlicher Lieder unterstützte. 1525 ward er

Hofprediger beim Herzog Albrecht von Preußen in

Königsberg und 1529 Bischof von Pomesanien, als welcher er

sich um die Organisation des evangelischen Kirchenwesens in

Preußen verdient machte. Er starb 17. Dez. 1551 in

Marienwerder. Von ihm stammt unter andern das Lied "Es ist das Heil

uns kommen her etc." Sein Leben beschrieben Cosack (Braunschw.

1861), Pressel (Elberf. 1862), Trautenberger ("S. und die

evangelische Kirche in Iglau", Brünn 1868).

Sperber (Nisus Cuv.), Gattung aus der Ordnung der

Raubvögel, der Familie der Falken (Falconidae) und der

Unterfamilie der Habichte (Accipitrinae), Vögel mit

gestrecktem Leib, kleinem Kopf, zierlichem, scharfhakigem,

undeutlich gezahntem Schnabel, bis zur Schwanzmitte reichenden

Flügeln, in denen die vierte und fünfte Schwinge die

längsten sind, langem, stumpf gerundetem Schwanz und hohen,

schwachen Läufen mit äußerst scharf bekrallten

Zehen. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Der S.

(Finkenhabicht, Schwalben-, Sperlings-, Stockstößer,

Sprinz, Schmirn, N. communis Cuv., s. Tafel "Raubvögel"),

(Weibchen) 41 cm lang, 79 cm breit, oberseits schwärzlich

aschgrau, unterseits weiß mit rostroten Wellenlinien und

Strichen, fünf- bis sechsmal schwarz gebändertem und an

der Spitze weiß gesäumtem Schwanz, blauem Schnabel mit

gelber Wachshaut, goldgelbem Auge und blaßgelben

Füßen, findet sich in Europa und Mittelasien, streicht

im Winter umher und geht bis Nordafrika und Indien. Er bewohnt

besonders Feldgehölze, oft in der Nähe von Ortschaften,

kommt auch in die Städte, hält sich meist verborgen, geht

hüpfend und ungeschickt, fliegt aber schnell und gewandt; er

ist ungemein mutig und dreist und verfolgt alle kleinen Vögel,

welche ihn als ihren furchtbarsten Feind fliehen, wagt sich aber

auch an Tauben und Rebhühner. Er nistet in Dickichten nicht

sehr hoch über dem Boden, am liebsten auf Nadelhölzern

und legt im Mai oder Juni 3-5 weiße, graue oder

grünliche, rot und blau gefleckte Eier (s. Tafel "Eier I"),

welche das Weibchen allein ausbrütet. Der S. ist ein sehr

schädlicher Raubvogel und verdient keine Schonung. In der

Gefangenschaft wird er durch seine Scheu, Wildheit und

Gefräßigkeit abstoßend; im südlichen Ural, in

Persien und Indien aber ist er ein hochgeachteter Beizvogel.

Sperberfalke, s. v. w. Habicht.

Sperberkraut, s. Sanguisorba.

Sperbervogelbeere, s. Sorbus.

Spercheios, Fluß, s. Hellada.

Sperenberg, Dorf im preuß. Regierungsbezirk

Potsdam, Kreis Teltow, am Ursprung der Notte, 42 km südlich

von Berlin, durch eine Militäreisenbahn mit der Bahnlinie

Berlin-Dresden verbunden, hat eine evang. Kirche, bedeutende

Gipssteinbrüche, Gipsmühlen und (1885) 971 Einw. 1867

ward hier unter dem Gips ein Steinsalzlager in einer Tiefe von 89 m

erbohrt; die Bohrungen setzte man bis zu einer Tiefe von 1334 m

fort, ohne das untere Ende des Lagers zu erreichen.

Wärmemessungen, welche man im Bohrloch anstellte, ergaben bei

fast stetiger Zunahme in der Tiefe 51° C. Eine Ausbeutung des

Steinsalzlagers ist für die nächste Zeit nicht in

Aussicht gestellt. 4 km südlich von S., durch Eisenbahn

verbunden, ein großer Artillerieschießplatz.

Spergula L. (Spergel, Spörgel, Spark,

Knöterich), Gattung aus der Familie der Karyo-

26

Sperling - Sperlingsvögel.

phyllaceen, ein- oder zweijährige, zweigabelig oder

wirtelig ästige Kräuter mit scheinbar

quirlständigen, fädigen Blättern, endständigen,

ausgespreizten Doldentrauben und fünfklappiger Kapsel mit

runden, geflügelten Samen. Der gemeine Spergel (Ackerspergel,

Mariengras, S. arvensis L.), bisweilen 60-90 cm hoch, mit

unterseits längsfurchigen Blättern, weißen

Blüten und schwarzen, warzigen, schmal berandeten Samen,

wächst bei uns auf sandigen Feldern im Getreide, erreicht

zumal auf Leinfeldern eine bedeutende Größe und wird

besonders in dieser Varietät (S. maxima) am Niederrhein und im

Münsterland seit mehreren Jahrhunderten gebaut. Er gedeiht in

gutem Sandboden bei hinreichender Feuchtigkeit vortrefflich und

eignet sich auch auf geringem Boden noch zur Weide. Er nimmt den

Boden nicht in Anspruch, verbessert ihn vielmehr, bleibt als

Brachfrucht für Futter nicht über zwei Monate im Acker,

gibt vorzügliches Futter für Kühe, als Heu auch

für Schafe und wird von Pferden in jeder Beschaffenheit gern

gefressen. Das Spergelheu ist dem besten Wiesenheu gleich zu

achten, auch die Spergelsamen haben nicht unbedeutenden

Nährwert. Die Aussaat pro Hektar beträgt 19-20 kg, der

Ertrag 8-12 hl Samen oder 1500-2000 kg Kraut; ein Hektoliter wiegt

58-62 kg; die Keimfähigkeit der Samen dauert drei Jahre.

Sperling (Spatz, Passer L.. Pyrgita C.), Gattung aus der

Ordnung der Sperlingsvögel, der Familie der Finken

(Fringillidae) und der Unterfamilie der eigentlichen Finken

(Fringillinae), meist gedrungen gebaute, sehr einfach gefärbte

Vögel mit starkem, dickem, kolbigem Schnabel, welcher an

beiden Kinnladen etwas gewölbt ist, kurzen, stämmigen

Füßen mit schwachen Nägeln und mittellangen Zehen,

kurzen, stumpfen Flügeln, unter deren Schwingen die zweite bis

vierte die Spitze bilden, und kurzem oder mittellangem, am Ende

wenig oder nicht ausgeschnittenem Schwanz. Der Haussperling (P.

domesticus L.), 15-16 cm lang, 24-26 cm breit, ist auf dem Scheitel

graublau, auf dem Mantel braun mit schwarzen Längsstrichen,

auf den Flügeln mit gelblichweißer Querbinde, an den

Wangen grauweiß, an der Kehle schwarz, am Unterkörper

hellgrau. Das Auge ist braun, der Schnabel schwarz, im Winter

hellgrau, der Fuß gelbbräunlich. Beim Weibchen ist Kopf

und Kehle grau, und über dem Auge verläuft ein blaß

graugelber Streifen. Der S. bewohnt den ganzen Norden der Alten

Welt südlich bis Nordafrika und Südasien, ist in

Nordamerika, Australien, Neuseeland und auf Java akklimatisiert,

hält sich überall zu den Menschen und nistet auch stets

in unmittelbarer Nähe der Ortschaften, bez. in den

Häusern selbst, soweit ihm dadurch Gelegenheit zu sorgenloser

Ernährung geboten wird, und entfernt sich kaum jemals weit von

der Ortschaft, in welcher er geboren wurde. Er ist einer der

klügsten Vögel und durch den Verkehr in der Nähe des

Menschen nur noch listiger, verschlagener geworden. Seine

Bewegungen sind ziemlich plump, auch sein Flug weder geschickt noch

ausdauernd. Höchst gesellig, trennt er sich nur in der

Brutzeit in Paare, und oft steht ein Nest dicht neben dem andern.

Er brütet mindestens dreimal im Jahr, das erste Mal schon im

März, baut ein kunstloses Nest in Höhlungen in

Gebäuden, Baumlöchern, Starkasten, Schwalbennestern, im

Unterbau der Storchnester, im Gebüsch und auf Bäumen und

legt 5-8 bläulich- oder rötlichweiße, braun und

aschgrau gezeichnete Eier, welche Männchen und Weibchen 13 bis

14 Tage bebrüten. Die Jungen schlagen sich sofort nach dem

Ausfliegen mit andern in Trupps zusammen, welche bald zu

Flügen anwachsen, denen sich nach der Brütezeit auch die

Alten zugesellen. Der S. nährt sich vorzugsweise von

Sämereien, besonders Getreide, beißt die Knospen der

Obstbäume ab, benascht auch das Obst und kann bei massenhaftem

Auftreten in Kornfeldern, Getreidespeichern und Gärten und

auch dadurch recht schädlich werden, daß er Stare,

Meisen und andre nützliche Vögel verdrängt. Hier und

da, besonders in Italien, wird er gern gegessen. Der Feldsperling

(Holz-, Wald-, Rohr-, Bergsperling, P. montanus L.), etwas kleiner

als der vorige, am Oberkopf rotbraun, an der Kehle schwarz, auch

mit schwarzem Zügel und Wangenfleck, sonst am Kopf weiß,

auf der Unterseite hellgrau, auf den Flügeln mit zwei

weißen Querbinden, bewohnt Mittel- und Nordeuropa,

Mittelasien und Nordafrika, dringt bis über den Polarkreis

vor, ersetzt in Indien, China, Japan den Haussperling und ist in

Australien und auf Neuseeland akklimatisiert worden. Er bevorzugt

das freie Feld und den Wald und kommt nur im Winter auf die

Gehöfte. Er nistet zwei- bis dreimal im Jahr in

Baumlöchern, legt 5-7 Eier, welche denen des Haussperlings

ähnlich sind, und erzeugt mit dem letztern angeblich

fruchtbare Junge.

Sperlingskauz, s. Eulen, S. 906.

Sperlingsstößer, s. Sperber.

Sperlingsvögel (Passeres, hierzu Tafeln

"Sperlingsvögel I u. II"), die artenreichste Ordnung der

Vögel, Nesthocker von gewöhnlich kleinem Körper, mit

Schnabel ohne Wachshaut und mit Wandel-, Schreit- oder

Klammerfüßen. Sie leben meist in Gesträuch und auf

Bäumen, fliegen vortrefflich und bewegen sich auf dem Boden

hüpfend, seltener schreitend. Ihre Nester sind meist kunstvoll

gebaut; gebrütet wird ein- bis dreimal im Jahr und zwar von

beiden Geschlechtern. Viele S. sind an dem untern Kehlkopf der

Luftröhre (s. Vögel) mit einem besondern Singapparat

versehen, welcher aus zwei Paar Stimmbändern und einer Anzahl

zu ihrer Regulierung dienender Muskeln besteht und in verschiedenem

Maß ausgebildet ist. Man teilt nach diesem Charakter die S.

wohl in Singvögel (Oscines) und Schreivögel (Clamatores)

ein. Sehr verschieden ist der Schnabel geformt, bald breit, flach

und tief gespalten, bald kegelförmig, bald dünn und

pfriemenförmig etc. - Die Anzahl der lebenden Arten

beträgt gegen 5700, die in 870 Gattungen und 51 Familien

gestellt werden; fossile S. sind nur aus den jüngsten

Schichten (Diluvium) bekannt. Ganz oder nahezu kosmopolitisch sind

nur wenige Familien (Schwalben, Raben, Bachstelzen, Drosseln); in

Südamerika findet sich fast ein Drittel aller Arten vor. Die

Gruppierung der Familien ist bei den Autoren mehr oder weniger

willkürlich, da die natürlichen

Verwandtschaftsbeziehungen noch nicht bekannt sind; es genügt

daher hier eine Aufzählung der wichtigsten.

1) Drosseln (Turdidae), Körper kräftig, Kopf

groß, Hals kurz, Schnabel gerade, mit seichter Kerbe vor der

Spitze, Flügel mittellang. Etwa 25 Gattungen mit 230 Arten;

fehlen in Neuseeland. Man zerfällt sie in mehrere

Unterabteilungen: Wasserstare, Drosseln und Spottdrosseln.

2) Sänger (Sylviidae), Schnabel dünn,

pfriemenförmig, Flügel mittellang, Gefieder weich,

Außenzehe meist lang. Über 70 Gattungen mit etwa 650

Arten; fehlen in Amerika südlich von Brasilien. Von den 7

Unterfamilien sind bemerkenswert die Flüevögel,

Sänger (Laubsänger, Gartensänger, Goldhähnchen

und Grasmücke), Schilfsänger, Nachtigallen (Nachtigall,

Rotkehlchen, Blaukehlchen und Rotschwanz) und Steinschmätzer

(Steinschmätzer, Steindrossel und Wiesenschmätzer).

Letztere beiden Gruppen werden vielfach zu den Drosseln

gerechnet.

126a

Sperlingsvögel I.

126b

Sperlingsvögel II.

127

Sperma - Sperrgetriebe.

3) Zaunkönige oder Schlüpfer (Troglodytidae), Schnabel

schlank, pfriemenförmig, Flügel kurz, gerundet, Lauf

lang. Etwa 20 Gattungen mit über 90 Arten; hauptsächlich

in Amerika verbreitet.

4) Baumläufer (Certhiidae), Schnabel schlank und lang,

Hinterzehe lang und scharf bekrallt, Schwanz zuweilen mit

Stemmfedern, die beim Klettern an den Bäumen Verwendung

finden. 5 Gattungen mit 17 Arten; hauptsächlich in Europa und

Asien.

5) Spechtmeisen (Sittidae), ähnlich den vorigen, doch

Schwanz stets weich. 6 Gattungen mit über 30 Arten; fehlen in

Mittel- und Südamerika sowie im tropischen Afrika

(Kleiber).

6) Meisen (Paridae), Schnabel kurz, fast kegelförmig,

Flügel und Schwanz mittellang. 14 Gattungen mit über 90

Arten; zahlreich in der Alten Welt und in Nordamerika.

7) Pirole (Oriolidae), Schnabel lang, kegelförmig,

Flügel lang, Schwanz mittellang. 5 Gattungen mit 40 Arten; in

der Alten Welt.

8) Fliegenfänger (Muscicapidae), Schnabel kurz, hakig,

Flügel lang. Über 40 Gattungen mit gegen 280 Arten;

fehlen in Amerika gänzlich.

9) Würger (Laniidae), Körper kräftig, Schnabel

hakig, stark gezahnt, Schwanz meist lang. Räuberische

Vögel; etwa 20 Gattungen mit 150 Arten, fehlen nur in

Süd- und Mittelamerika sowie auf Neuseeland; am zahlreichsten

in Afrika.

10) Raben oder Krähen (Corvidae), Körper sehr

kräftig, Schnabel stark und groß, am Grund mit

Bartborsten, Flügel mittellang, Füße groß. 30

Gattungen mit etwa 200 Arten; fast kosmopolitisch (fehlen nur auf

Neuseeland). Von den 5 Unterfamilien sind bemerkenswert die

Häher und Raben (Tannenhäher, Elster und Rabe).

11) Paradiesvögel (Paradiseidae), Schnabel lang, schlank,

Flügel und Schwanz mittellang, jedoch einzelne Flügel-

oder Schwanzfedern oft enorm verlängert, Füße

kräftig, Zehen groß. Etwa 20 Gattungen mit über 30

Arten; nur in Australien und auf den benachbarten Inseln

(Paradiesvögel und Kragenvogel).

12) Honigsauger (Meliphagidae), Schnabel meist lang und spitz,

Flügel mittellang, Schwanz lang und breit, Füße

kurz, Zunge vorstreckbar, an der Spitze pinselförmig. Holen

aus den Blumen Insekten und Nektar hervor. Über 20 Gattungen

mit 140 Arten; nur in Australien und den benachbarten Inseln sowie

Polynesien.

13) Sonnenvögel (Nectariniidae), Schnabel lang, spitz,

Flügel kurz, Füße ziemlich lang, Zunge

vorstreckbar, röhrenförmig. Lebensweise wie bei der

vorigen Familie. 11 Gattungen mit über 120 Arten; in den

heißen Gegenden der Alten Welt.

14) Seidenschwänze (Ampelidae), Schnabel kurz, Flügel

ziemlich lang. 4 Gattungen mit 8 Arten; Europa, Nordasien, Nord-

und Mittelamerika.

15) Schwalben (Hirundinidae), Schnabel ziemlich kurz, mit sehr

weiter Spalte, Flügel lang, Schwanz gabelig, Zehen meist lang.

9 Gattungen mit über 90 Arten; kosmopolitisch, sogar im hohen

Norden.

16) Stärlinge oder Trupiale (Icteridae), Schnabel lang,

kegelförmig, Flügel spitz, Schwanz lang, abgerundet,

Füße stark, mit langer Hinterzehe, Gefieder meist

schwarz mit gelb oder orange. 24 Gattungen mit 110 Arten; nur in

Amerika (Trupial, Kuhvogel).

17) Tanagriden oder Tangaren (Tanagridae), Schnabel mit Zahn,

Flügel mittellang, Beine kurz, Hinterzehe lang. Fruchtfresser.

Über 40 Gattungen mit gegen 300 Arten; in ganz Süd- sowie

dem östlichen Teil von Nordamerika.

18) Finken (Fringillidae), Schnabel meist kegelförmig,

stets am Grund mit einem Wulst, Flügel und Schwanz mittellang,

Beine meist kurz. Über 80 Gattungen mit gegen 500 Arten, die

in eine Anzahl Unterfamilien verteilt werden; fehlen nur in

Australien, den benachbarten Inseln und Polynesien. Bemerkenswert

sind die Ammern, Kreuzschnäbel, Gimpel (Girlitz und

Kanarienvogel), Finken (Kernbeißer, Sperling, Fink, Leinfink,

Hänfling, Stieglitz, Zeisig und Grünfink) und

Papageifinken (Kardinal).

19) Webervögel oder Weberfinken (Ploceidae), Schnabel

stark, kegelförmig, Flügel meist mittellang, Schwanz

meist kurz, bauen vielfach beutelförmige Nester. Etwa 30

Gattungen mit 250 Arten; in den Tropen Asiens und Afrikas sowie in

Australien und Polynesien, aber nicht auf Neuseeland.

20) Stare (Sturnidae), Schnabel ziemlich, lang, stark,

Flügel lang, spitz, Schwanz meist lang, Beine kräftig,

Hinterzehe lang. Etwa 30 Gattungen mit 130 Arten; in der Alten

Welt, mit Ausnahme jedoch des australischen Festlandes (Star,

Madenhacker und Hirtenstar).

21) Lerchen (Alaudidae), Schnabel mittellang, gerade,

Flügel lang und breit, Schwanz kurz, Hinterzehe mit langer,

gerader Kralle. 15 Gattungen mit 110 Arten; fast nur in der Alten

Welt mit Ausnahme Australiens, besonders in Südafrika.

22) Bachstelzen (Motacillidae), Schnabel schlank, ziemlich lang,

Flügel und Schwanz lang. 9 Gattungen mit 80 Arten; mit

Ausnahme Polynesiens überall verbreitet.

23) Königswürger (Tyrannidae), Schnabel stark, lang

und breit, Flügel lang, spitz, Beine stark. Über 70

Gattungen mit gegen 330 Arten; nur in Amerika.

23) Schwätzer oder Schmuckvögel (Cotingidae), Schnabel

ziemlich groß, Spitze hakig, Flügel lang, spitz, Beine

kurz. Etwa 30 Gattungen mit über 90 Arten; in den Tropen

Amerikas, hauptsächlich in den Wäldern des

Amazonenstroms.

24) Leierschwänze (Menuridae), Schnabel mittellang,

Flügel kurz, Beine lang, Schwanz mit sehr langen Federn, von

denen die äußern leierartig geschwungen sind. Nur die

Gattung Menura mit 2 Arten; im südlichen und östlichen

Australien.

Sperma (griech.), Same; S. ceti, Walrat.

Spermatien, bei Rostpilzen, Kernpilzen und Flechten in

besondern Behältern, den Spermagonien, entstehende sehr

kleine, häufig stabförmige oder ovale Zellen, welche in

der Regel nicht keimfähig sind und bisweilen, z. B. bei den

Flechten, die Rolle männlicher Befruchtungselemente spielen.

Auch bei den Florideen unter den Algen kommen S. vor, sie entstehen

hier als kugelige oder birnförmige, unbewegliche Körper

in den Antheridien und haften bei der Befruchtung dem weiblichen

Organ an (vgl. Algen und Pilze).

Spermatitis (griech.), Samenstrangsentzündung.

Spermatophoren (griech., Samenpatronen), Portionen von

Samenfäden, in besonderer, oft sehr komplizierter

Umhüllung, welche bei manchen Tieren, wie

Kopffüßern, Grillen etc., vom Männchen gebildet

werden und bei der Begattung in die Weibchen gelangen, in deren

Geschlechtsorganen die Umhüllung platzt oder sich

auflöst, so daß die Samenfäden frei werden.

Spermatorrhöe (griech.), s. v. w.

Samenfluß.

Spermatozoiden (Spermatozoen, Antherozoiden, griech.,

Samentierchen, Samenfäden), die geformten Elemente des

männlichen Befruchtungsstoffs bei den Tieren; s. Same. - In

der Botanik bewegliche, in den männlichen Geschlechtsorganen

bei vielen Thallophyten, allen Muscineen und den

Gesäßkryptogamen entstehende Formelemente von

verschiedener Gestalt, welche aus besondern Mutterzellen austreten,

sich mittels Wimpern im Wasser frei bewegen und zuletzt in die

Eizelle der weiblichen Geschlechtsorgane eindringen, um dieselbe zu

befruchten (s. Algen, Moose und Gefäßkryptogamen).

Spermestes, Amadine; Spermestinae, s. v. w.

Prachtfinken.

Spermogonium (lat.), bei Rostpilzen, Kernpilzen und

Flechten Behälter, die in ihrer Höhlung an besondern

Fäden kleine, häufig stabförmige oder ovale Zellen,

die Spermatien (s. d.), abschnüren.

Spermöl, s. v. w. Walratöl.

Spermophilus, Zieselmaus.

Sperrfort, s. Festung, S. 186.

Sperrgesetz, Zollgesetz, welches dann erlassen wird, wenn

eine Zollerhöhung in Aussicht steht, zur Verhütung einer

größern Einfuhr von Waren, welche durch das

bevorstehende Gesetz mit einem Zoll oder mit einem höhern Zoll

belegt werden sollen; auch Bezeichnung für das sogen.

Brotkorbgesetz (s. d.).

Sperrgetriebe (Schaltwerk), ein Mechanismus zur

Hervorbringung einer ruck- oder absatzweise erfolgenden Bewegung

derart, daß zwischen zwei Bewegungsperioden eine

unbeabsichtigte Bewegung entweder nur nach einer bestimmten

Richtung oder

128

Sperrgut - Spessart.

[Fig. 1. Laufendes Sperrgetriebe.]

nach jeder Richtung hin ausgeschlossen ist (einseitige,

bez. vollständige Sperrung). S., bei welchen nur eine

einseitige Sperrung stattfindet, heißen laufende S., solche

mit vollständiger Sperrung dagegen ruhende S. Ein laufendes S.

in seiner einfachsten Form zeigt Fig. 1. Dasselbe besteht aus einem

Sperrrad S, in dessen Zähne die um einen festen Punkt drehbare

Sperrklinke K (Sperrhebel, Sperrkegel, Sperrzahn) unter der

Einwirkung einer Feder so eingreift, daß das Rad zwar in der

Pfeilrichtung herumgedreht werden kann (wobei die Sperrklinke

über die schrägen Flächen der Zähne

hinweggleitet), an einer Drehung nach der andern Seite jedoch durch

die einfallende und sich gegen die geraden Zahnflächen

stemmende Sperrklinke gehindert wird. Um die Achse des Rades S ist

noch ein Hebel drehbar, der mit einer Sperrklinke K1 versehen ist.

Wird der Hebel an seinem Griff H hin u. her bewegt, so gleitet bei

der dem Pfeil entgegengesetzten Bewegung die Klinke K1 über

die Zähne des nach derselben Richtung hin durch die Klinke K

gesperrten Rades S hinweg. Bei einer darauf folgenden Drehung des

Hebels H in der Richtung des Pfeils fällt jedoch seine Klinke

K1 in das Sperrrad ein u. nimmt dasselbe mit herum. Derartige

laufende S. haben eine außerordentlich große

Verbreitung, ganz besonders als Vorrichtungen zum Vorrücken

des Werkzeugs gegen das Arbeitsstück oder umgekehrt, ferner

bei Zählwerken, Hubzählern, Rechenstiften, als

Aufziehvorrichtung, bei Musikwerken, als Hebewerkzeug bei

Wagenwinden etc.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 36 / 302 段