Spektrometer (lat.-griech.), Apparat zur genauen Messung

der Ablenkung der verschiedenen homogenen farbigen Strahlen eines

durch ein Prisma oder Gitter entworfenen Spektrums. Das

Meyersteinsche S. (s. Figur) ist ähnlich eingerichtet wie das

Bunsensche Spektroskop (s. Spektralanalyse), und die Wirkungsweise

der entsprechenden Teile ist die nämliche. Das Spaltrohr und

das Fernrohr sind nach der Mitte des Tischchens gerichtet, auf

welchem das Prisma (oder das Gitter etc.) aufgestellt wird. Zwei

geteilte Kreise, ein kleinerer und ein größerer, sind

unabhängig voneinander um ihre vertikalen Achsen drehbar; der

letztere dreht sich mit dem Fernrohr und gestattet, an den

feststehenden Nonien die jeweilige Ablenkung der am Fadenkreuz des

Fernrohrs erscheinenden Spektrallinie abzulesen, während der

erstere. das Prisma tragende durch eine Klemme festgehalten wird.

Läßt man dagegen den größern Kreis

feststehen, während man durch das ebenfalls feststehende

Fernrohr das an einer Prismenfläche gespiegelte Spaltbild

anvisiert, und dreht nun den kleinern Kreis samt dem von ihm

getragenen Prisma, bis das an der zweiten Prismenfläche

gespiegelte Spaltbild am Fadenkreuz erscheint, so erfährt man

aus der Drehung, welche man am Nonius des kleinern Kreises abliest,

den brechenden Winkel des Prismas; das S. spielt in diesem letztern

Fall die Rolle eines Reflexionsgoniometers (s. Goniometer). Das

Instrument liefert demnach bequem und sicher die beiden Daten, den

brechenden Winkel und die kleinste Ablenkung, welche zur Berechnung

der Brechungsverhältnisse (s. Brechung des Lichts)

erforderlich sind. Vgl. Meyerstein, Das S. (2. Aufl., Götting.

1870).

[Abb: Meyersteins Spektrometer.]

Spektrophon (lat.-griech.), s. Radiophonie.

Spektroskop (lat.-griech.), s. Spektralanalyse.

Spektrum (lat., "Gespenst"), das Farbenbild, in welches

zusammengesetztes Licht durch Dispersion mittels eines Prismas oder

durch Beugung ausgebreitet wird; s. Farbenzerstreuung,

Spektralanalyse.

Spekulation (lat.) hat in den verschiedenen

philosophischen Schulen eine verschiedene Bedeutung, indem man

darunter bald ein streng begriffmäßiges

(wissenschaftliches) Denken und Erkennen, bald ein von

vernünftigem Reflektieren absehendes visionäres Schauen

versteht. In letzterer Bedeutung nahmen die S. zuerst die

Neuplatoniker und neuerlich die Schulen des transcendentalen und

absoluten Idealismus auf. Die Hegelsche Schule versteht unter S.

dasjenige Denken, welches streng methodisch alle Gegensätze

und Widersprüche in den Begriffen in höhere Einheiten

aufzulösen sucht. Herbart stellt der spekulativen Philosophie

die Aufgabe, die in der Erfahrung enthaltenen Widersprüche

darzulegen und mittels logischer Bearbeitung der Begriffe zu

beseitigen. - Im gewöhnlichen Leben, insbesondere im Handel,

nennt man S. jede auf die Durchführung sol-

122

Spekulationsverein - Spencer.

cher Unternehmungen gerichtete Erwägung, bei welchen der

erwartete Gewinn durch Eintritt oder Ausbleiben von Ereignissen

bedingt ist, die von dem Willen des Unternehmers (Spekulanten)

selber unabhängig sind. Eine jede Unternehmung beruht mehr

oder weniger auf spekulativer Grundlage, und die S. ist als eine

Berücksichtigung zukünftiger Möglichkeiten an und

für sich eine unerläßliche Bedingung geordneter

Bedarfsdeckung und eines geregelten Wirtschaftslebens. Zu

unterscheiden von der soliden S. ist das Spekulationsmanöver,

welches unter Benutzung monopolistischer Stellung durch Aufkauf und

"Erwürgen" (Vorschreibung harter Bedingungen für

bedrängte Schuldner) oder auch durch betrügerische

Anpreisung, unzulässige Verteilung zu hoher Dividenden etc.

die Preise künstlich zu verändern sucht.

Spekulationspapiere sind solche Wertpapiere, welche starken

Kursschwankungen unterworfen und daher zur Gewinnerzielung aus Kauf

und Verkauf sehr geeignet sind. Über Spekulationskauf vgl.

Börse, S. 235.

Spekulationsverein (franz. Association en participation),

s. Gelegenheitsgesellschaft.

Spekulativ (lat.), auf Spekulation gerichtet,

bezüglich, begründet; spekulieren, sich mit Spekulationen

beschäftigen.

Spello, Stadt in der ital. Provinz Perugia, Kreis

Foligno, an der Eisenbahn Florenz-Foligno-Rom, mit 2 alten Kirchen

(mit Gemälden von Pinturicchio und Perugino), einem

Konviktkollegium und (1881) 2419 Einw.; das alte Hispellum, wovon

noch ansehnliche Reste vorhanden sind.

Spelt, s. Spelz.

Spelter, s. v. w. Zink.

Spelunke (lat.), Höhle; höhlenartige, dunkle,

versteckte Räumlichkeit.

Spelz (Spelt, Dinkel, Dinkelweizen, Triticum Spelta L.),

Pflanzenart aus der Gattung Weizen, mit vierseitiger, wenig

zusammengedrückter, lockerer Ähre, meist

vierblütigen Ährchen und breit eiförmigen,

abgeschnittenen, zweizähnigen Deckspelzen, gibt beim Dreschen

nicht Körner, sondern nur die von der Spindel abgesprungenen

Ährchen (Vesen). Der Dinkel, aus Mesopotamien und Persien

stammend, wurde schon von den alten Griechen kultiviert und ist die

Zea der Römer, wird auch seit alter Zeit in Schwaben und der

Schweiz als Brotfrucht gebaut (der Lech scheidet ziemlich scharf

das Roggen- vom Spelzland). Er ist dem Weizen in mancher Hinsicht

vorzuziehen, hat aber trotzdem wenig Verbreitung gefunden, weil die

Vesen besondere Mahleinrichtungen fordern und das Dinkelbrot schon

am dritten Tag Risse bekommt. Der S. enthält im Mittel 11,02

Proz. eiweißartige Körper, 2,77 Fett, 66,44

Stärkemehl und Dextrin, 5,47 Holzfaser, 2,21 Asche und 12,09

Proz. Wasser. Das Amelkorn (Gerstendinkel, Reisdinkel, Zweikorn,

Emmer, Ammer, Sommerspelz, T. amyleum Ser., T. dicoccum Schrk.),

mit zusammengedrückter, dichter Ähre, zweizeilig

stehenden, meist vierblütigen Ährchen mit zwei

Körnern und zwei Grannen und schief abgeschnittenen, an der

Spitze mit einem eingebogenen Zahn, auf dem Rücken mit

hervortretendem Kiel versehenen Deckspelzen, wird im Dinkelgebiet

und in Südeuropa seit alters her hauptsächlich als

Sommerfrucht gebaut und liefert vortreffliche Graupen und

vorzügliches Pferdefutter, aber rissiges Gebäck. Das

Einkorn (Peterskorn, Blicken, Pferdedinkel, in Thüringen

Dinkel, T. monococcum L.), mit zusammengedrückter Ähre,

meist dreiblütigen, reif nur einkörnigen, eingrannigen

Ährchen und an der Spitze mit einem geraden, zahnförmigen

Ende des Kiels und zwei seitlichen geraden Zähnen versehenen

Deckspelzen, wird im Gebirge auf magerm Boden gebaut, gibt dort nur

das dritte Korn und wird als treffliches Pferdefutter verwertet.

Einkorn ist das in der Bibel vorkommende Kussemeth, aus welchem

Syrer und Araber ihr Brot machten. Es hat wenig Verbreitung

gefunden.

Spelzblütige, s. Glumifloren.

Spelzen, die Deckblätter der Ährchen (s. d.),

besonders bei den Gräsern.

Spencemetall (Eisenthiat), ein von Spence angegebenes

zusammengeschmolzenes Gemisch von Schwefeleisen, Schwefelzink,

Schwefelblei mit Schwefel, ist metallähnlich, dunkelgrau, fast

schwarz, vom spez. Gew. 3,5-3,7; es ist sehr zäh, etwas

elastisch, die Zugfestigkeit beträgt 45 kg pro 1 qcm, es

leitet die Wärme schlecht und schmilzt bei 156-170°. Auf

der Bruchfläche ist es dem Gußeisen ähnlich, und

der Ausdehnungskoeffizient scheint sehr klein zu sein. Beim

Erstarren dehnt es sich wie Wismut und Letternmetall aus, liefert

sehr scharfe Abgüsse und eignet sich zur Verbindung von Gas-

und Wasserröhren. Im Vergleich mit andern metallischen

Substanzen widersteht das S. den Säuren und Alkalien sehr gut,

auch nimmt es hohe Politur an und verliert diese nicht unter dem

Einfluß der Witterung. Es läßt sich auch sehr gut

bearbeiten, und bei seinem niedrigen Preis und dem geringen

spezifischen Gewicht stellt sich die Benutzung ungemein billig. Da

es von Wasser nicht angegriffen wird, eignet es sich

vorzüglich zur Herstellung von Wasserzisternen, wegen des

schlechten Wärmeleitungsvermögens zur Bekleidung von

Wasserröhren, die es auch vor Rost schützt. In chemischen

Fabriken dürfte das S. vielfach als Surrogat des Bleies

verwendbar sein; auch eignet es sich als Verbindungsmittel für

Eisen mit Stein oder Holz, zum hermetischen Verschluß von

Flaschen und Büchsen, zum Einhüllen von Früchten und

Lebensmitteln, zu Zeugdruckwalzen, Zapfenlagern, Gußformen,

als Unterlage von Klischees etc. S. bildet auch ein gutes Material

für Kunstguß und Klischees, es gibt die feinsten Details

außerordentlich scharf wieder, und durch geeignete Behandlung

kann man den Gegenständen eine dunkelblaue Farbe oder eine

Gold- oder Silber- oder eine der grünen Bronzepatina

ähnliche Farbe geben. Die Gußformen können aus

Metall, Gips, selbst aus Gelatine bestehen, da das S. schnell genug

erstarrt, um einen scharfen Abguß zu liefern, bevor noch die

Form zerstört wird.

Spencer, 1) Georg John, Graf, engl. Bibliophile, geb. 1.

Sept. 1758 als Sohn des Lords S., der 1761 zum Viscount Althorp und

1765 zum Grafen S. erhoben wurde, machte seine Studien auf der

Universität zu Cambridge, bereiste dann Europa und wurde nach

seiner Rückkehr in das Parlament gewählt. Nach dem Tod

seines Vaters trat er 1783 in das Oberhaus ein, wurde 1794 zum

ersten Lord der Admiralität ernannt, zog sich dann 1801 mit

Pitt zurück, übernahm aber in Fox' und Grenvilles

Ministerium auf kurze Zeit von neuem das Staatssekretariat des

Innern und lebte seitdem in Zurückgezogenheit, bis er 10. Nov.

1834 starb. Durch Ankauf der Büchersammlung des Grafen von

Rewiczki 1789 hatte er den Grund zu einer Bibliothek gelegt, die er

in der Folge durch umfassende und kostspielige Neuerwerbungen zur

größten und glänzendsten Privatbüchersammlung

von ganz Europa erhob. Sie zählt über 45,000 Bände

und befindet sich zum größ-

123

Spencer-Churchill - Spener.

ten Teil auf dem Stammsitz der Familie zu Althorp in

Northamptonshire, der Rest in London. Über den Reichtum

derselben an ältesten Buchdruckereierzeugnissen und ersten

Klassikerausgaben vgl. Dibdin, Bibliotheca Spenceriana (Lond. 1814,

4 Bde.). Auch eine reichhaltige Gemäldesammlung hatte S.

angelegt, welche Dibdin in Bd. 1 seines Werkes "Aedes Althorpianae"

(Lond. 1822) beschreibt, während er in Bd. 2 als Nachtrag zu

der "Bibliotheca Spenceriana" eine Beschreibung der kostbarsten,

1815-1822 noch angeschafften alten Drucke gibt.

2) John Charles, Graf von, brit. Staatsmann, bekannter unter dem

Namen Lord Althorp, geb. 30. Mai 1782, trat nach Vollendung seiner

Studien zu Cambridge 1803 ins Unterhaus und war unter Fox und

Grenville Lord des Schatzes. Er stand auf seiten der Whigs. Im

Ministerium Grey (1830) wurde er Kanzler der Schatzkammer und galt

in allen finanziellen und staatswirtschaftlichen Fragen als

Autorität. Er legte auch 2. Febr. 1833 dem Unterhaus die

irische Kirchenreformbill vor, welche der Appropriationsklausel

wegen im Kabinett selbst eine Spaltung hervorrief. Als er 1834

durch den Tod seines Vaters Mitglied des Oberhauses ward,

mußte er sein Schatzkanzleramt niederlegen und widmete sich

fortan landwirtschaftlicher Beschäftigung. Später trat er

zu der Anticornlawleague. Er starb 1. Okt. 1845. Vgl. Le Marchant,

Memoirs of John Charles Viscount Althorp, third Earl of S. (Lond.

1876).

3) Frederick, vierter Graf von, Bruder des vorigen, geb. 14.

April 1798, trat in den Marinedienst, zeichnete sich in der

Schlacht von Navarino aus, erbte 1845 Titel und Güter seines

Bruders, war vom Juli 1846 bis September 1848 Lord-Oberkammerherr,

avancierte 1852 zum Konteradmiral und übernahm Anfang 1854 als

Nachfolger des Herzogs von Norfolk das Amt eines Lord-Steward; er

starb 27. Dez. 1857.

4) John Poynty, fünfter Graf von, brit. Staatsmann, Sohn

des vorigen, geb. 27. Okt. 1835, erzogen zu Harrow und Cambridge,

war bis zum Tod seines Vaters (27. Dez. 1857) für Northampton

Mitglied des Unterhauses, wo er sich der liberalen Partei

anschloß, und trat dann in das Oberhaus ein. Von 1859 bis

1861 war er Oberkammerherr (groom of the stole) des Prinzen Albert

und bekleidete dann von 1862 bis 1867 das gleiche Amt in der

Hofhaltung des Prinzen von Wales. Als im Dezember 1868 Gladstone

ein neues Ministerium bildete, wurde S. zum Vizekönig von

Irland ernannt, nahm aber im Februar 1874 beim Sturz der liberalen

Partei seine Entlassung. Im neuen Gladstoneschen Kabinett (1880-85)

erhielt er erst das Amt eines Präsidenten des Geheimen Rats,

dann 1882 das des Vizekönigs von Irland und übernahm 1886

auf kurze Zeit wieder das Präsidium des Geheimen Rats.

5) Herbert, engl. Philosoph, geb. 1820 zu Derby, wurde von

seinem Vater, einem Lehrer der Mathematik, und seinem Oheim Thomas

S., einem liberalen Geistlichen, erzogen, zuerst Zivilingenieur,

sodann Journalist und (von 1848 bis 1859) Mitarbeiter an dem von J.

Wilson herausgegebenen "Economist", an der "Westminster" und

"Edinburgh Review" und andern Zeitschriften, endlich

philosophischer Schriftsteller und Begründer eines eignen

Systems, das er als Evolutions- oder Entwickelungsphilosophie

bezeichnete. Seine erste bedeutende Schrift war eine Statistik der

Gesellschaft unter dem Titel: "Social statics" (1851, 1868) nebst

einem Auszug daraus: "State education self defeating" (1851),

welcher die "Principles of psychology" (1855) folgten; 1860 begann

er nach dem Vorbild von Comtes "Cours de philosophie positive" eine

zusammenhängende Folge von philosophischen Werken ("System of

synthetic philosophy"), in welchen "nach ihrer natürlichen

Ordnung" die Prinzipien der Biologie, Psychologie, Sociologie und

Moral entwickelt werden sollen. Die bisher erschienenen Bände

derselben umfassen: "First principles" (1862, 5. Aufl. 1884;

deutsch von Vetter, Stuttg. 1876-77), "Principles of biology"

(1865, 2 Bde.), eine Umarbeitung der "Principles of psychology"

(1870; 3. Aufl. 1881, 2 Bde.), "Principles of sociology" (1876-79,

2 Bde.; deutsch von Vetter, Stuttg. 1877 ff.), "Ceremonial

institutions" (1879), "Political institutions" (1882),

"Ecclesiastical institutions" (1885) und "The data of ethics"

(1879). Außerdem veröffentlichte S.: "Education:

intellectual, moral and physical" (1861, 16. Aufl.1885; deutsch von

Schultze, 3. Aufl., Jena 1889); "Essays, scientific, political and

speculative" (1858 bis 1863, 2 Bde.; 4. Aufl. 1885, 3 Bde.);

"Classification of the sciences" (1864, 3. Aufl. 1871); "Recent

discussions in science, philosophy and morals" (1871); "Study of

sociology" (1873, 14. Aufl. 1889; deutsch von Marquardsen, Leipz.

1875, 2 Bde.); "Descriptive sociology" (mit Callier, Scheppig und

Duncan, 1873 ff, 6 Bde.); "The rights of children and the true

principles of family government" (1879) u. a. Vgl. Fischer,

Über das Gesetz der Entwickelung auf physisch-ethischem Gebiet

mit Rücksicht auf Herbert S. (Würzb. l875); Guthrie, On

Spencer's unification of knowledge (Lond. 1882); Michelet, Spencers

System der Philosophie (Halle 1882).

Spencer-Churchill, s. Marlborough 3-6).

Spencer-Gewehr, s. Handfeuerwaffen, S. 107.

Spencergolf, großer, tief in das Land eindringender

Golf der Kolonie Südaustralien, zwischen der Eyria- und der

Yorkehalbinsel. Seine Küsten enthalten eine Reihe

mittelmäßiger Häfen, der bedeutendste an seiner

Nordspitze ist Port Augusta, nächstdem Port Pirie, Port

Broughton und Wallaroo. An seinem Südwestende bildet Port

Lincoln einen der vortrefflichsten Häfen der Welt, leider

bietet aber das Land in seiner Umgebung dem Ansiedler sehr

wenig.

Spendieren (ital.), freigebig sein, zum besten geben,

schenken; spendabel, freigebig.

Spener, Philipp Jakob, der Stifter des Pietismus, geb.

13. Jan. 1635 zu Rappoltsweiler im Oberelsaß, widmete sich zu

Straßburg theologischen Studien, war 1654-56 Informator

zweier Prinzen aus dem Haus Pfalz-Birkenfeld und besuchte seit 1659

noch die Universitäten Basel, Genf und Tübingen. Der

Aufenthalt in Genf war insofern für seine spätere

Entwickelung von Bedeutung, als er hier zu Labadie (s. d.) und

damit zum reformierten Pietismus in Beziehung trat. Aber sein

Interesse galt damals mehr der Heraldik; Früchte seiner darauf

bezüglichen Studien waren: "Historia insignium" (1680) und

"Insignium theoria" (1690), welche Werke in Deutschland die

wissenschaftliche Behandlung der Heraldik begründeten. 1663

ward S. Freiprediger zu Straßburg, 1664 daselbst Doktor der

Theologie, 1666 Senior der Geistlichkeit in Frankfurt a. M. In

dieser Stellung begann er, durchdrungen von dem Gefühl,

daß man in Gefahr stehe, das christliche Leben über dem

Buchstabenglauben zu verlieren, seit 1670 in seinem Haus mit

einzelnen aus der Gemeinde Versammlungen zum Zweck der Erbauung

(collegia pietatis) zu halten, welche 1682 in die Kirche verlegt

wurden. Seine reformatorischen Ansichten vom Kirchentum sprach er

aus in seinen "Pia desideria, oder herz-

124

Spengel - Spenser.

liches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren

evangelischen Kirche" (Frankf. 1675; neue Ausg., Leipz. 1846) und

in seiner "Allgemeinen Gottesgelahrtheit" (Frankf. 1680), wozu

später noch seine "Theologischen Bedenken" (Halle 1700-1702, 4

Bde.; in Auswahl das. 1838) kamen. Der große Streit über

den Pietismus (s. d.) war schon entbrannt, als S. 1686

Oberhofprediger in Dresden wurde. Bald ward er in denselben

persönlich verwickelt, als er gegenüber dem Hamburger

Prediger Mayer und dessen Genossen seine Freunde in Schutz nahm.

1695 entbrannte der Kampf zwischen S. und dem Pastor Schelwig in

Danzig, der jenem nicht weniger als 150 Häresien vorwarf.

Unterdessen aber war S. mit der theologischen Fakultät in

Leipzig und später auch mit dem Kurfürsten Johann Georg

III., dem er als Beichtvater in einem Briefe Vorstellungen wegen

seines Lebenswandels gemacht, zerfallen und hatte 1691 einen Ruf

als Propst und Inspektor der Kirche zu St. Nikolai und Assessor des

Konsistoriums nach Berlin angenommen, wo er seine Wirksamkeit unter

fortdauernden Angriffen seitens der orthodoxen Lutheraner

fortsetzte. Leider fehlte es ihm an Energie, um sich scharf gegen

die Ausschreitungen seiner Gesinnungsgenossen, insbesondere gegen

die Visionen und Offenbarungen des pietistischen Frauenkreises in

Halberstadt, auszusprechen. Während die 1694 gestiftete

Universität Halle ganz unter seinem Einfluß stand,

ließ die theologische Fakultät zu Wittenberg 1695 durch

den Professor Deutschmann 264 Abweichungen Speners von der

Kirchenlehre zusammenstellen, und letzterm gelang es nicht, durch

seine "Aufrichtige Übereinstimmung mit der Augsburger

Konfession" die Gegner zu beschwichtigen. Selbst nach seinem Tod

(5. Febr. 1705) wurde der Streit bis gegen die Mitte des

Jahrhunderts fortgeführt. Behauptete doch der Rostocker

Professor der Theologie, Fecht, daß man S. wegen seiner

"unmäßigen und unersättlichen Neuerungslust" nicht

als einen "Seligen" bezeichnen dürfe. Vgl. Hoßbach,

Phil. Jak. S. und seine Zeit (3. Aufl., Berl. 1861); Thilo, S. als

Katechet (das. 1840); Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. 2

(Bonn 1881).

Spengel, Leonhard, Philolog, geb. 24. Sept. 1803 zu

München, gebildet daselbst, studierte, nachdem er die

Prüfung für das Lehramt am Gymnasium glänzend

bestanden, seit 1823 in Leipzig und Berlin, wurde 1826 Lektor, 1830

Professor an dem alten Gymnasium seiner Vaterstadt und war daneben

seit 1827 Privatdozent an der Universität und zweiter Vorstand

des philologischen Seminars. 1842 ging er als ordentlicher

Professor nach Heidelberg, kehrte 1847 als solcher nach

München zurück und starb dort hochgeehrt 9. Nov. 1880. Er

war seit 1835 Mitglied der bayrischen, seit 1842 auch der

preußischen Akademie der Wissenschaften. Seine litterarische

Thätigkeit erstreckte sich besonders auf die griechische

Rhetorik und Aristoteles. Von den Arbeiten der erstern Art nennen

wir: "????????

?????? s. artium scriptores ab initiis

usque ad editos Aristotelis de rhetorica libros" (Stuttg. 1828),

"Anaximenis ars rhetorica" (Zürich u. Winterthur 1844),

"Rhetores graeci" (Leipz. 1853-56, 3 Bde.); von denen der letztern:

"Aristotelische Studien" (Münch. 1864-68, 4 Tle.),

"Aristotelis Ars rhetorica" (Leipz. 1867, 2 Bde.) sowie "Alexandri

Aphrodisiensis quaestionum naturalium et moralium ad Aristotelis

philosophiam illustrandam libri IV" (Münch. 1842), "Incerti

auctoris paraphrasis Aristotelis elenchorum sophisticorum" (das.

1842), "????????

?????????

??????????

??? ???

'????????????

??????????

??????? ??

???

??????" (das. 1859),

"Themistii Paraphrases Aristotelis librorum" (Leipz. 1866, 2 Bde.),

"Eudemi Rhodii Peripatetici fragmenta quae supersunt" (Berl. 1866,

2. Ausg. 1870). In seinen vielseitigen Aufsätzen, die meist in

den "Abhandlungen der bayrischen Akademie" erschienen sind, hat er

sich auch um die herculaneischen Rollen sowie um die richtige

Beurteilung einzelner Autoren gegenüber einer

übertriebenen Lobpreisung große Verdienste erworben. Von

anderweitigen Ausgaben sind hervorzuheben: "M. Terentii Varronis de

lingua latina libri" (Berl. 1826; neu hrsg. von seinem Sohn Andreas

S., das. 1885); "C. Caecilii Statii deperditarum fabularum

fragmenta" (Münch. 1829). Vgl. Christ, Gedächtnisrede auf

Leonh. v. S. (Münch. 1881).

Spengler (Spängler), s. v. w. Klempner.

Spengler, Lazarus, geistlicher Liederdichter, geb. 1479

zu Nürnberg, ward nach beendeten Rechtsstudien 1507

Ratsschreiber daselbst, that viel für Durchführung des

Reformationswerks in seiner Vaterstadt und ward von derselben zum

Reichstag nach Worms sowie zu dem nach Augsburg gesandt; starb 7.

Sept. 1534. Von ihm sind die Lieder: "Durch Adams Fall ist ganz

verderbt" und "Vergebens ist all Müh' und Kost". Sein Leben

beschrieben Engelhardt (Bielef. 1855) und Pressel (Elbers.

1862).

Spennymoor (spr. -muhr), Stadt in der engl. Grafschaft

Durham, südlich von Durham, mit Kohlengruben, Eisenhütten

und (1881) 5917 Einw.

Spenser, Edmund, engl. Dichter, geb. 1553 zu London,

vielleicht aus vornehmer, sicher unbemittelter Familie, studierte

bis 1576 im Pembroke College zu Cambridge, lebte dann in einer der

herrlichen Grafschaften des Nordens und kam 1578 nach London, wo er

mit Sir Philip Sidney und durch diesen mit dem Grafen von Leicester

bekannt wurde. Er scheint sich um ein Hofamt beworben, auch, wie

eine Stelle in seinem "Mother Hubbard's tale" zeigt, die

Enttäuschungen des Hoflebens gekostet zu haben. 1580

begleitete er den Statthalter von Irland, Lord Grey, als

Sekretär nach Dublin. Sie blieben nur zwei Jahre, doch erhielt

S. 1586 in der Grafschaft Cork Landgebiet und lebte fortan, wenige

Besuche in London abgerechnet, ausschließlich dort auf

Kilcolman Castle, meist als Beamter der Regierung, zuletzt als

Clerk des Rats von Munster thätig. Mit den Verhältnissen

der Insel vertraut, schrieb er 1596 für die Regierung das

dialogische "A view of the present state of Ireland". Dem bald

darauf ausbrechenden Aufstand fiel er zum Opfer: sein Haus wurde

verbrannt, er selbst gezwungen, mit seiner Familie nach London zu

fliehen. Hier starb er 13. Jan. 1599 und ward in der

Westminsterabtei begraben, wo ihm die Gräfin Dorset 1620 ein

Denkmal setzte. Seinen Ruhm dankt S. zwei größern

Dichtungen. "The shepherd's calendar", Ph. Sidney gewidmet,

umfaßt zwölf Hirtengedichte, jedes einem Monat

entsprechend; die Schäfer klagen ihren Liebesschmerz,

erörtern religiöse Fragen, preisen die Königin. "The

Faery Queen" ist ein romantisch-allegorisches Epos nach dem Muster

Ariosts und Tassos. Die 3 ersten Bücher erschienen 1590 und

wurden der Königin gewidmet, welche die vielen Schmeicheleien

des Dichters mit einer jährlichen Pension von 50 Pfd. Sterl.

erwiderte. Die nächsten 3 Bücher wurden 1596

veröffentlicht. Es sollten noch 6 andre folgen, doch blieb zu

ihrer Abfassung dem Dichter weder Ruhe noch Zeit; nur Fragmente

sind erhalten. Jedes Buch beschreibt ein Abenteuer, das ein Ritter

am Hof der Feenkönigin besteht, und feiert gleichzeitig die

Thaten irrender Ritterschaft

125

Spenzer - Spergula.

und den Triumph einer Tugend. Aber die Allegorie geht noch

weiter: unter der Maske der Feen und Ritter verbirgt der Dichter

Personen seiner Zeit. Das Metrum ist die sogen. Spenserstanze (s.

Stanze), die Sprache schwungvoll, doch nicht frei von Archaismen.

Außer diesen Werken schrieb S. Elegien, Sonette und Hymnen.

Die beste Ausgabe seiner Werke lieferte Collier (Lond. 1861, 5

Bde.). Vgl. Craik, S. and his poetry (Lond. 1871, 3 Bde.); Dean

Church, E. S. (2. Aufl., das. 1887).

Spenzer (Spencer, Spenser), nach seinem Erfinder, Lord

Spencer (unter Georg III.), benanntes eng anschließendes

Ärmeljäckchen.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 35 / 302 段