Spavénta, Bertrando, ital. Philosoph, geb. 1817 in

einem Dorf der Provinz Chieti, widmete sich mit Eifer dem Studium

der deutschen Sprache und Philosophie, wurde 1859 zum Professor der

Philosophie an der Universität zu Modena, 1860 an der zu

Bologna ernannt und trat zuerst hervor mit der Schrift "La

filosofia di Kant e la sua relazione colla filosofia italiana"

(Turin 1860), in welcher er den Nachweis zu führen suchte,

daß Rosmini trotz seiner polemischen Stellung zu Kant doch im

Wesen seiner Spekulation und in deren Ergebnissen mit dem

Kritizismus des deutschen Philosophen zusammenhänge. Nachdem

er noch "Carattere e sviluppo della filosofia italiana" (Mod. 1860)

veröffentlicht, erhielt er 1861 eine Professur der Philosophie

zu Neapel, die er noch heute bekleidet. Sein energisches Eintreten

für die deutsche Philosophie und die Kritik, die er an den

philosophischen Systemen seiner eignen Nation übte, hatten ihm

namentlich in orthodoxen Kreisen zahlreiche Gegner erweckt. Er

antwortete diesen in einer Einleitung, die er seinen

öffentlichen Vorträgen in Neapel vorausschickte und die

er dann auch 1862 im Druck veröffentlichte. Bald danach

erschien sein Hauptwerk: "La filosofia di Gioberti" (Neap. 1863).

Hierauf folgten die kleinern Abhandlungen: "Le prime categorie

della logica di Hegel" (Neap. 1864); "Spazio e tempo nella prima

forma del sistema di Gioberti" (das. 1865); "Il concetto dell'

opposizione e lo Spinozismo" (das. 1867); "La scolastica e

Cartesio" (das. 1867); "Saggi di critica filosofia, politica e

religiosa" (Studien über Giordano Bruno, Campanella, Mamiani

etc., das. 1867). Spaventas eignes System ("Principj di filosofia",

Neap. 1867) steht im wesentlichen auf dem Standpunkt Hegels, dessen

entschiedenster Vorkämpfer in Italien er mit Augusto Vera bis

heute geblieben ist. Er veröffentlichte noch: "Paolottismo,

positivismo, razionalismo" (Bolog. 1868); "Studî sull' etica

di Hegel" (Neap. 1869); "Idealismo o realismo" (das. 1874); "La

legge del più forte" (das. 1874). Viermal wurde S. ins

italienische Parlament gewählt. Vgl. Siciliani, Gli Hegeliani

in Italia (Bolog. 1868). -

Sein Bruder Silvio, eine Zeitlang Minister der öffentlichen

Arbeiten des Königreichs Italien, beschäftigte sich

ebenfalls mit deutscher Philosophie.

Speaker (engl., spr. spih-), Sprecher, im englischen

Parlament Vorsitzender des Unterhauses.

Specht, Friedrich August Karl von,

Militärschriftsteller, geb. 23. Sept. 1802 zu Brandenburg,

trat nach sehr ungenügender Erziehung mit 14 Jahren in den

kurhessischen Militärdienst, wurde 1822 Leutnant, kam 1847 als

Hauptmann in den General-

111

Spechte - Spechter.

stab, machte 1849 den Feldzug gegen Dänemark mit und wurde

nach Beendigung desselben zum Oberstleutnant, 1854 zum Generalmajor

befördert. Infolge einer Duellaffaire mit dem General v.

Haynau 1863 wurde S. als Kommandant nach Fulda versetzt. 1866 zur

Disposition gestellt, lebte er bis 1872 in Marburg und Eisenach, wo

er 12. Juli 1879 starb. Er galt als Hauptvertreter der liberalen

Partei in Hessen, gehörte auch 1850 zu den verfassungstreuen

Offizieren und forderte damals seinen Abschied. Er schrieb: "Das

Königreich Westfalen und seine Armee im Jahr 1813 sowie die

Auflösung desselben durch den russischen General Czernicheff"

(Kass. 1848); "Geschichte der Waffen" (Berl. 1868-77, 3 Bde.; Bd. 4

u. 5 noch unvollendet); "Das Festland Asien-Europa und seine

Völkerstämme, deren Verbreitung, der Gang ihrer

Kulturentwickelung mit besonderer Berücksichtigung der

religiösen Ideen" (das. 1879).

Spechte (Picidae), Familie aus der Ordnung der

Klettervögel, gestreckt gebaute Vögel mit starkem,

geradem, meißelförmig zugeschärftem, auf dem

Rücken scharfkantigem Schnabel, welcher meist so lang oder

länger als der Kopf ist, dünner, langer, platter,

horniger, weit vorstreckbarer Zunge mit kurzen Widerhaken am Ende,

mittellangen, etwas abgerundeten Flügeln, unter deren

Schwingen die dritte und vierte am längsten sind,

keilförmigem Schwanz, dessen Steuerfedern steife, spitze

Schaftenden besitzen, kurzen, starken Füßen mit langen,

paarig gestellten Zehen und großen, starken, scharfen,

halbmondförmigen Nägeln. S. sind mit Ausnahme Neuhollands

über alle Erdteile verbreitet. Sie leben ungesellig in

Wäldern, Baumpflanzungen und Gärten, scharen sich nur

ausnahmsweise, besonders in der Strich- und Wanderzeit, zu starken

Gesellschaften, vereinigen sich aber bisweilen mit kleinen

Strichvögeln, denen sie zu Führern werden. Sie bewegen

sich fast nur kletternd, hüpfen auf dem Boden ungeschickt und

fliegen ungern weit. Sie suchen ihre Nahrung, die

hauptsächlich aus Kerbtieren besteht, hinter Baumrinde, welche

sie, an den Bäumen aufwärts kletternd, mit dem Schnabel

abmeißeln. Einige fressen auch Beeren und Sämereien und

legen selbst Vorratskammern an. Die Stimme ist ein kurzer,

wohllautender Ruf; mit dem Schnabel bringen sie außerdem ein

im Wald weithin schallendes Knarren hervor, vielleicht um Kerbtiere

aufzuscheuchen und hervorzulocken, vielleicht als Herausforderung

zu Kampf und Streit. Sie nisten stets in selbstgezimmerten, nur mit

einigen Spänen ausgekleideten Baumhöhlen und legen 3-8

weiße Eier, welche von beiden Geschlechtern ausgebrütet

werden. Die S. gehören durch Vertilgung schädlicher

Insekten, und indem sie in morschen Bäumen Höhlungen als

Niststätten für Höhlenbrüter erzeugen, zu den

nützlichsten Waldvögeln. Sie wählen zur Herstellung

des Brutraums regelmäßig nur Bäume mit morschem

Kern, fressen freilich Waldsämereien, Ameisen, auch wohl

Bienen und berauben bisweilen junge Stämmchen ringsum der

Rinde; doch kommt dies gegenüber dem großen Nutzen,

welchen sie gewähren, kaum oder nur unter besondern

Verhältnissen in Betracht.

Der Schwarzspecht (Luderspecht, Holz-, Hohlkrähe,

Tannenroller, Dryocopus martius Boie), 50 cm lang, 75 cm breit,

mattschwarz, am Oberkopf (Männchen) oder Hinterkopf (Weibchen)

rot, mit gelben Augen, hellgrauem Schnabel und grauen

Füßen, findet sich in Mittel- und Nordeuropa und in ganz

Asien südlich bis zum Himalaja in großen Waldungen,

weniger in gut geordneten Forsten, als Standvogel, ist bei uns

selten geworden und meidet die Nähe menschlicher Wohnungen. Er

ist sehr munter und gewandt, fliegt besser als die andern Arten,

nährt sich besonders von Roßameisen und ihren Puppen

sowie von allen Larven, die im Nadelholz leben, und meißelt,

um diese zu erlangen, oft große Stücke aus den

Bäumen und Stöcken heraus. Die Bruthöhle wird meist

in Buchen und Kiefern angelegt und ist etwa 40 cm tief bei 15 cm

Durchmesser; im April legt das Weibchen 3-5 porzellanweiße

Eier, s. Tafel "Eier I".

Der Buntspecht (Rot-, Schildspecht, Dendrocopus major Koch, s.

Tafel "Klettervögel"), 25 cm lang, 48 cm breit, ist oberseits

schwarz, unterseits gelbgrau, mit gelblichem Stirnband,

weißen Wangen, Halsstreifen, Schulterflecken und

Flügelbändern, schwarzen Streifen an der Halsseite, am

Hinterkopf und Unterbauch rot; die Augen sind braunrot, Schnabel

und Füße grau. Er findet sich in Europa und Nordasien,

besonders in Kiefernwäldern, erscheint im Herbst und Winter in

den Gärten und streift dann auch mit Meisen und andern

Vögeln umher; er nährt sich von allerlei Kerbtieren,

besonders von den unter der Rinde der Nadelhölzer lebenden

Käfern, von Nüssen und Beeren, namentlich auch von

Fichten- und Kiefernsamen, zu dessen Gewinnung er oft in einen Ast

ein Loch hackt, um den Zapfen darin festzuklemmen. Zur Anlegung

seiner Bruthöhle bevorzugt er weiche Holzarten, doch beginnt

er viele Höhlungen auszuarbeiten, bevor er eine einzige

vollendet. Er legt 4-6 weiße Eier. In der Gefangenschaft ist

er sehr unterhaltend und gewöhnt sich bald an ein

Ersatzfutter.

In den Laubwaldungen der Ebene gesellt sich zu ihm der etwas

kleinere Mittelspecht (Dendrocopus medius Koch), welcher fast

ausschließlich von Kerbtieren lebt, und ebendaselbst findet

sich auch der Kleinspecht (Grasspecht, Sperlingsspecht, Piculus

minor Koch) von nur 16 cm Länge, welcher wohl

ausschließlich Kerbtiere frißt und am liebsten in

Weiden brütet. In der Gefangenschaft ist auch er sehr

unterhaltend.

Der Grünspecht (Grasspecht, Picus viridis L.), 31 cm lang,

52 cm breit, ist auf der Oberseite hochgrün, auf der

Unterseite hell graugrün, im Gesicht schwarz mit rotem

(Männchen) Wangenfleck, am Oberkopf und Nacken rot, am

Bürzel gelb, Ohrgegend, Kinn und Kehle weißlich, die

Schwingen sind braunschwarz, gelblich oder bräunlichweiß

gefleckt, die Steuerfedern grüngrau, schwärzlich

gebändert; die Augen sind bläulichweiß, Schnabel

und Füße bleigrau. Er bewohnt Europa und Vorderasien,

bevorzugt Gegenden, in denen Baumpflanzungen mit freien Strecken

wechseln, schweift im Winter weit umher, erscheint auch oft in

Gärten, bewegt sich mehr und geschickter als die andern S. am

Boden, hämmert weniger an Bäumen als die andern S., sucht

viele Würmer und Larven auf dem Boden, bevorzugt die rote

Ameise, plündert Bienenstöcke, frißt auch zuweilen

Vogelbeeren. Er legt 6-8 weiße Eier (s. Abbildung auf Tafel

"Eier I", Fig. 3 u. 4). In der Gefangenschaft ist er

stürmisch, unbändig und schwer zu erhalten. Vgl.

Malherbe, Monographie des Picides (Par. 1859, 4 Bde.); Sundevall,

Conspectus avium Picinarum (Stockh. 1866); Altum, Unsre S. und ihre

forstliche Bedeutung (Berl. 1878); Homeyer, Die S. und ihr Wert in

forstlicher Beziehung (2. Aufl., Frankf. 1879).

Spechter, altdeutsches Trinkgefäß von hoher,

cylindrischer Form aus grünem Glas, mit und ohne Fuß.

Ursprünglich glatt und mit farbiger Emailmalerei verziert,

wurden die S. auch in eiserne Modelle geblasen, wodurch sie mit

parallelen oder spiralförmigen Streifen gerieft wurden oder

auch vier-

112

Spechthausen - Speckstein.

eckige, in Reihen angeordnete Erhöhungen erhielten (s.

Abbildung). Erst später wurden Buckel und Knöpfe

angeschmelzt.

[Spechter.]

Spechthausen, Fabrikort im preuß. Regierungsbezirk

Potsdam, Kreis Oberbarnim, südwestlich von Eberswalde, hat

eine Papierfabrik, in welcher der größte Teil der

deutschen Staatspapiere angefertigt wird, u. (1885) 275 Einw.

Spechtmeise, s. Kleiber.

Spechtwurzel, s. Dictamnus.

Special, Species (lat.), s. Spezial, Spezies.

Species facti (lat., Thatbericht), Erzählung des

Thatbestandes bei einem Rechtsfall, namentlich der bei einer

militärgerichtlichen Untersuchung von dem mit Strafgewalt

ausgestatteten Vorgesetzten des Angeschuldigten an den

Gerichtsherrn erstattete Bericht, welcher die dabei in Betracht

kommenden Thatumstände darlegt.

Specifica (lat.), s. Spezifische Arzneimittel.

Specimen (lat.), Probe, Probearbeit.

Speck (Lardum), das feste und derbe Fett, welches sich

zwischen der Haut und dem Fleisch mancher Tiere, namentlich der

Schweine (im geräucherten Zustand wichtiger Handelsartikel),

dann auch der Robben und Walfische (dient zur Darstellung von

Thran) ansetzt.

Speckbacher, einer der Anführer des Tiroler

Aufstandes von 1809, geb. 13. Juli 1767 auf dem Hof Gnadenwald,

zwischen Innsbruck und Hall, verbrachte seine Jugend teils als

Wildschütz, teils als Landwirt und kämpfte schon 1797,

1800 und 1805 gegen die Franzosen; vom Gut seiner Frau hieß

er der "Mann vom Rinn". Einer der Vertrauten des Sandwirts Hofer,

überfiel er 12. April 1809, am Tag des Ausbruchs der

Insurrektion, die bayrische Garnison zu Hall, nahm mit dem dortigen

Kronenwirt Joseph Straub die von Innsbruck entkommene bayrische

Kavallerie gefangen, focht hierauf in den Treffen vom 25. und 29.

Mai, welche Tirol zum zweitenmal befreiten, bei der Blockade von

Kufstein in den Treffen vom 4., 6. und 7. Aug., einen

zehnjährigen Sohn an der Seite, und in der Schlacht am Isel

13. Aug., nach welcher der Marschall Lefebvre Tirol räumen

mußte. Nachdem sich auch das Salzburger Gebirgsland erhoben,

errang S. im September bei Lofer und Luftenstein bedeutende

Vorteile, ward aber l6. Okt. bei Melleck geschlagen, wobei sein

Sohn in Gefangenschaft fiel. S. floh darauf von Alp zu Alp, verbarg

sich eine Zeitlang unter Schnee und Eis in einer Höhle und war

dann sieben Wochen lang in seinem eignen Stall verborgen, bis er

endlich im Mai 1810 über die Gebirge nach Wien gelangte. Hier

erhielt er die Pension eines Obersten und den Auftrag, die für

die Tiroler im Temesvárer Banat neugestiftete Kolonie

Königsgnad einzurichten, die aber bald bei der Ungunst der

Verhältnisse ein klägliches Ende nahm. Nach dem Ausbruch

des Kriegs von 1813 wagte er sich wieder nach Tirol und leistete

hier, obwohl es zu keiner entscheidenden Waffenthat kam, treffliche

Dienste. Dafür zum Major ernannt, starb er 28. März 1820

in Hall und ward 1858 in der Innsbrucker Hofkirche neben Hofer und

Haspinger beigesetzt. Vgl. Mayr, Der Mann vom Rinn und die

Kriegsereignisse in Tirol (Innsbr. 1851); Knauth, Jos. S., der

Jugend erzählt (Langensalza 1868).

Speckentartung, s. Amyloidentartung.

Speckkäfer (Dermestini Latr.), Käferfamilie aus

der Gruppe der Pentameren, kleine Käfer von länglich oder

kurz ovalem Körper mit kurzen, zurückziehbaren, gekeulten

Fühlern, gesenktem, mehr oder weniger einziehbarem Kopf, meist

einem einzelnen Stirnauge und kurzen, einziehbaren Beinen, leben

auf Blüten oder in morschen Bäumen, die meisten aber an

toten Tierstoffen, welche von den Larven benagt werden. Man trifft

sie daher besonders in naturhistorischen Sammlungen und Pelzlagern,

wo sie oft großen Schaden anrichten. Beim Angreifen stellen

sie sich durch Anziehen der Beine und Fühler tot. Die Larven

sind langgestreckt, cylindrisch oder breit gedrückt, an der

Oberfläche mit langen, aufgerichteten, nach hinten

gewöhnlich zu dichten Büscheln vereinigten Haaren

besetzt, mit kurzen Fühlern, meist sechs Nebenaugen und kurzen

Beinen, nähren sich von abgestorbenen tierischen Stoffen; bei

der Verpuppung platzt ihre Haut nur auf dem Rücken und bleibt

als Puppenhülse bestehen. Der S. (Dermestes lardarius L.), 7,6

mm lang, schwarz, auf den Flügeldecken mit breiter,

hellbrauner, schwarz gepunkteter Querbinde, überall in

Häusern, auf Taubenschlägen, in Sammlungen und im Freien

an Aas. Ebendaselbst findet sich seine unterseits weiße,

oberseits braune Larve. Der Pelzkäfer (Attagenus pellio L.),

4-5 mm lang, schwarz oder pechbraun, oberhalb schwarz behaart, mit

je einem weißhaarigen Punkt auf den Flügeldecken, findet

sich in Blüten des Weißdorns, der Doldenpflanzen etc.,

auch in Häusern, wo die Larve besonders Pelz- und

Polsterwaren, wollene Teppiche etc. zerstört. In Sammlungen

hausen am schlimmsten die Larven des Kabinettkäfers (Anthrenus

museorum L), 2,5 mm lang, dunkelbraun, mit drei undeutlichen,

graugelben Flügelbinden, und des A. varius Fab., gelb, mit

drei weißlichen Wellenbinden. Der Himbeerkäfer (Byturus

tomentosus L.), 4 mm lang, durch dicht anliegende Behaarung

gelbgrau, an Fühlern und Beinen rotgelb, legt seine Eier an

unreife Himbeeren, in welchen sich die dunkelgelbe, auf dem

Rücken braungelbe, am Hinterleibsende in zwei nach oben

gekrümmte, braunrote Dornspitzchen auslaufende Larve

(Himbeermade) entwickelt. Sie verpuppt sich in Holzritzen in einer

elliptischen Hülle, und die Puppe überwintert.

Speckkrankheit, s. v. w. Amyloidentartung.

Speckleber, s. Leberkrankheiten, S. 599.

Speckmaus, s. v. w. gemeine Ohrenfledermaus.

Speckmelde, s. Mercurialis.

Speckmilz, s. Milzkrankheiten.

Specköl, s. v. w. Schmalzöl, s. Schmalz.

Speckstein (Steatit, Schmeerstein), Mineral aus der

Ordnung der Silikate (Talkgruppe), bildet die

kryptokristallinischen Varietäten des Talks (s. d.). Was als

sogen. Specksteinkristalle beschrieben worden ist, sind

Afterkristalle nach Quarz, Dolomit, Spinell etc. Der S. findet sich

derb, eingesprengt, die nierenförmigen oder knolligen Massen

sind weiß mit rötlichen, grünlichen und gelblichen

Nüancen, matt, nur im Striche glänzend, an den Kanten

durchscheinend. Er fühlt sich fettig an, hängt aber nicht

an der Zunge. Die geringe Härte (1,5) des ungeglühten

Materials steigert sich nach dem Glühen bis zu der

Fähigkeit, Glas zu ritzen. Spez. Gew. 2,6-2,8. S. ist ein

Magnesiumsilikat H2Mg3Si4O12. Er bildet bei Göpfersgrün

unweit Wunsiedel im Fichtelgebirge ein Lager zwischen

Glimmerschiefer und Granit, welche Gesteine sich an der Grenze

gegen den S. in einer eigentümlichen halben Umwandlung zu S.

befinden, die theoretisch ebenso schwierig zu erklären ist wie

die

113

Speckter - Spee.

Entstehung der meisten der oben erwähnten Pseudomorphosen.

Außerdem findet sich S. bei Lowell in Massachusetts und bei

Briançon. S. ist schneidbar und wird auf der Drehbank zu

Pfeifenköpfen, säurefesten Stöpseln etc.

verarbeitet. Er dient auch zum Zeichnen auf Tuch, Seide und Glas

(spanische, Briançoner, venezianische, Schneiderkreide), zum

Entfetten von Zeugen, zur Darstellung von Schminke, als

Poliermaterial für Spiegel, als Einstreupulver in Stiefel und

Handschuhe, als Schmiermittel von Maschinenteilen, als Zusatz zur

Porzellanmasse und Seife, gebrannter S. zu Lavagasbrennern und zu

Wasserleitungsröhren. Abfall von der Verarbeitung wird zu

Gabbromasse benutzt. Chinesischer S., s. Agalmatolith.

Speckter, 1) Erwin, Maler, geb. 18. Juli 1806 zu Hamburg,

bildete sich in München unter Cornelius und widmete sich seit

1824 in Italien vorzugsweise der religiösen Malerei. Doch

malte er auch Landschaften mit Staffage und Architekturen und

hinterließ eine bedeutende Anzahl von Zeichnungen. Er starb

23. Nov. 1835. Aus seinem Nachlaß erschienen die "Briefe

eines deutschen Künstlers aus Italien" (Leipz. 1846, 2

Bde.).

2) Otto, Zeichner und Radierer, Bruder des vorigen, geb. 9. Nov.

1807 zu Hamburg, machte sich zuerst durch Lithographien (unter

andern den Einzug Christi von Overbeck) bekannt und widmete sich

dann der Illustration von Büchern durch Arabesken, Vignetten

und Figurenbilder. So illustrierte er: Luthers "Kleinen

Katechismus"; Böttigers "Pilgerfahrt der Blumengeister"; Kl.

Groths "Quickborn"; Eberhards "Hannchen und die Küchlein";

Reuters "Hanne Nüte"; den "Gestiefelten Kater" u. a. Die

größte Verbreitung fanden seine Bilder zu Heys "50

Fabeln für Kinder". Er starb 29. April 1871 in Hamburg.

Spectator (lat., auch engl., spr. specktéhter,

"Zuschauer"), Titel einer berühmten von Addison (s. d.)

herausgegebenen Wochenschrift.

Speculum (lat.), Spiegel; in der Chirurgie meist

röhrenförmiges, vorn oder seitlich offenes Instrument,

welches in Körperhöhlen eingeführt wird, um tiefere

Teile der Besichtigung und Behandlung zugänglich zu machen, z.

B. der Mutterspiegel, Ohren-, Kehlkopfspiegel etc.

Spedition (ital. Spedizione. franz. Expedition),

Beförderung von Waren, die nicht direkt an ihren

Bestimmungsort verladen werden; dann überhaupt die

Übernahme und Ausführung von Aufträgen zur Besorgung

der Versendung von Gütern; Speditionshandel, der

gewerbsmäßige Betrieb solcher Geschäfte. Ein

derartiger Gewerbebetrieb heißt Speditionsgeschäft; doch

wird der letztere Ausdruck auch für den einzelnen Vertrag

gebraucht, welchen jemand gewerbsmäßig abschließt,

um im eignen Namen für fremde Rechnung Güterversendung

durch Frachtführer (Eisenbahnen, Fuhrleute, Lastboten,

Flußschiffer, Fährenbesitzer etc.) oder Schiffer, d. h.

Seeschiffsführer, ausführen zu lassen. Wer

Speditionsgeschäfte gewerbsmäßig ausführt,

heißt Spediteur (franz. expéditeur, entrepreneur,

commissionnaire pour le transport). Derselbe haftet für jeden

Schaden, welcher aus der Vernachlässigung der Sorgfalt eines

ordentlichen Kaufmanns bei der Empfangnahme und Aufbewahrung des

Gutes, bei der Wahl der Frachtführer, Schiffer oder

Zwischenspediteure und überhaupt bei der Ausführung der

von ihm übernommenen Versendung der Güter entsteht. Er

hat nötigen Falls die Anwendung dieser Sorgfalt zu beweisen.

Das französische Recht läßt ihn sogar unbedingt bis

an die Grenze der "höhern Gewalt" (s. d.) haften. Dagegen hat

er eine Provision (Speditionsprovision, Speditionsgebühren,

Spesen) sowie die Erstattung dessen zu fordern, was er an Auslagen

und Kosten oder überhaupt zum Zweck der Versendung als

notwendig oder nützlich aufgewendet hat. Wegen dieser

Forderungen sowie wegen der dem Versender auf das Gut geleisteten

Vorschusse hat er ein Pfandrecht an dem Gut, sofern er dasselbe

noch in seinem Gewahrsam hat oder in der Lage ist, darüber zu

verfügen. Geht das Speditionsgut durch die Hände mehrerer

Spediteure (Zwischenspediteure), um an den

auftragsmäßigen Bestimmungsort zu gelangen, so hat der

nachfolgende Spediteur das Pfandrecht nicht bloß für die

bei ihm erwachsenen, sondern auch für die bei dem

vorausgehenden Spediteur bereits entstandenen Kosten geltend zu

machen. Dem letzten Spediteur (Abrollspediteur) liegt daher die

Geltendmachung des Pfandrechts im Interesse aller Kosten ob, die

bei sämtlichen Spediteuren entstanden, welche mit dem

Speditionsgut befaßt worden sind. Der Spediteur kann

übrigens den Transport des Gutes auch selbst übernehmen,

selbst ausführen oder durch seine Angestellten ausführen

lassen, wofern ihm dies vertragsmäßig nicht

ausdrücklich untersagt ist. Das Speditionsgeschäft,

welches sonst mit dem Kommissionsgeschäft (s. d.) verwandt

ist, geht alsdann in das Frachtgeschäft über, und der

Spediteur kann neben den Speditionskosten auch die Fracht in Ansatz

bringen. Vgl. Deutsches Handelsgesetzbuch, Art. 379 bis 389; Code

de commerce, Art. 96-102.

Spee, Friedrich von, Dichter, aus dem adligen Geschlecht

der S. von Langenfeld, geb. 22. Febr. 1591 zu Kaiserswerth am

Rhein, wurde im Jesuitengymnasium zu Köln erzogen, trat 1610

selbst in den Jesuitenorden und lehrte dann mehrere Jahre hindurch

in Köln schöne Wissenschaften, Philosophie und

Moraltheologie. Im Auftrag seines Ordens ging er 1627 nach Franken,

wo er die Obliegenheit hatte, die zum Tod verurteilten

vermeintlichen Hexen und Zauberer auf dem letzten Gang zu

begleiten. Aus den tief erschütternden Erkenntnissen dieses

Berufs, die sein Haar ergrauen machten, erwuchs seine Schrift

"Cautio criminalis s. Liber de processu contra sagas" (Rinteln 1631

u. öfter, auch ins Holländische und Französische

übersetzt), worin er zuerst den Hexenwahn im katholischen

Deutschland mutvoll und nachdrücklich bekämpfte.

Später wurde S. nach Westfalen gesendet, um hier die

Gegenreformation durchzuführen. Sein Wirken war erfolgreich,

aber für ihn selbst unheilvoll: es wurde ein Mordanfall auf

ihn gemacht, der ihn elf Wochen in Hildesheim ans Krankenbett

fesselte. 1631 nach Köln zurückberufen, war er wieder als

Professor der Moraltheologie thätig und kam zuletzt nach

Trier, wo er an einem Fieber, das er sich im Lazarett bei der

Pflege der Kranken zugezogen, 7. Aug. 1635 starb. Seine erst nach

seinem Tod erschienene Sammlung geistlicher Lieder:

"Trutz-Nachtigall" (Köln 1649; neue Ausgabe von Brentano,

Berl. 1817; von Balke, Leipz. 1879; von Simrock, Heilbr. 1875)

gehört trotz mannigfaltiger Nachahmung der manieristischen

Italiener, die der Zeit eigentümlich war, nach Inhalt und Form

zu den besten Leistungen der deutschen Litteratur des 17. Jahrh.

und atmet die milde, schlichte Frömmigkeit und Innigkeit des

Dichters. Weniger bedeutend ist sein in Prosa geschriebenes, aber

mit schönen Liedern durchwebtes "Güldenes Tugendbuch"

(Köln 1647; neue Ausg., Freiburg 1887). Vgl. Diel, F. v. S.

(Freiburg 1872).

114

Speech - Speichern.

Speech (engl., spr. spihtsch), Sprache, Rede.

Speed (engl., spr. spihd'), Geschwindigkeit, z. B. eines

Eisenbahnzugs, eines Pferdes etc.

Speer, Urwaffe der Germanen, symbolisch das Zeichen der

Macht, aus welchem das Zepter hervorging. Der S. diente zum

Stoß, vorzugsweise zum Wurf (Wurfspeer) und bestand aus einer

Holzstange mit 30-40 cm langer, breiter, zweischneidiger

Eisenspitze. Um 600 n. Chr. wurde der S. Ger genannt und war auch

Waffe der Reiter. Die langobardischen Reiter waren berühmte

Gerwerfer; das 841 bei Fontenay veranstaltete Speerrennen war der

Ursprung der Hastiludien. Später entstanden aus dem S. der

Spieß und die Pike (s. d.).

Speer, Berg, s. Appenzeller Alpen.

Speerfeier (Speerfreitag), s. Lanzenfest.

Speerkies, s. Markasit.

Speerreiter, s. Lanciers.

Speetonclay (spr. spiht'n-kleh). s. Kreideformation, S.

183.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 32 / 302 段